Die Bewerbung

Kennt Ihr Scoyo? Nein? Dann wird es Zeit! Scoyo ist ein Onlinemagazin für Eltern mit Themenschwerpunkt auf Lernen, Schule, Medien und Erziehung. Ein Lernportal für Kinder von der Klasse eins bis sieben. Und noch viel mehr! Eltern von Schulkindern sei dieses Portal wirklich allerwärmstens empfohlen.

Im letzten Juli wurde Nieselpriem von Scoyo als Blogger des Monats geehrt und ich habe mich so über die Maßen darüber gefreut, dass ich noch heute (!) das Bubble in der rechten Sidebar drinhabe. (Ähem… eitel ist sie also, die Frau Nieselpriem. Na sowas.)

Nun hat Scoyo einen Blog Award ausgerufen. Damit sollen Blogger belohnt werden, honoriert, geehrt. Und das auch noch hochdotiert! Monetär die ersten drei Plätze, und der Leserpreis ist natürlich auch hochdotiert, bedeutet er denn nicht zuletzt, dass diesem Beitrag die Leserherzen zuflogen.

Nun denn, ich mache mit. Und das ist gar nicht so einfach! Dazu muss ich nämlich im ersten Schritt erst mal einen Blogbeitrag auswählen, den ich zur Wahl stelle. Elternsex? Systemfehler? Die wurden wie wild geklickt, scheinen also einer breiten Masse gefallen zu haben. Aber bin das „Ich“? Ist das „Nieselpriem“? Der Bärtige votete für Elternzeitpraktikant, das ist sein persönlicher Lieblingsartikel. Aber ist der typisch für mich? Ist der prägnant? Erzählt der jemandem Fremden, was und wer Nieselpriem ist? Hm.

Vermutlich kann ich gar nicht in einem Text einem neuen Leser klar machen, was mich bewegt und worum es hier so geht (Worum gehts hier eigentlich?). Verdammt! Ist das schwer oder ist das schwer?! Ich kann mich nicht entscheiden.

Und dann passierten zwei Dinge. Ziemlich parallel.

Zum Einen saß „Paul“, unser Integrationshelfer am Freitag wie immer zur Wochenauswertung auf meiner Couch und es wurde klar, dass unser letztes Jahr anbricht. Unser allerallerallerletztes gemeinsames Jahr. Vier Jahre hat er unseren Pubertino, unsere ganze Familie, dann begleitet. Viel länger, als er oder das Jugendamt das angedacht hatten. Aber danach muss er was anderes machen. Wir verstehen das. Vier Jahre ist eine verdammt lange Zeit…

Und ich bekam eine eMail von einer Leserin. Also eigentlich schon die zweite. Denn die erste erreichte mich bereits im vergangenen Jahr und die lautete:

Liebe Rike,
dass wir mit Worten die Welt bewegen können, weisste ja eh. Wollte dir mal kurz schreiben, dass du das mit deinen Worten geschafft hast. 😉
Dein  Text über euren Schulbegleiter hat in mir viel bewegt […] Ein Freund von mir macht gerade eine pädagogische Ausbildung und weiß noch nicht, was es am Ende wird, Tagesvater oder oder oder. Ich, ich las den Text und dachte sofort an ihn.
Und nun möchte er bald als Schulbegleiter anfangen, und wenn er auch kein Paul sein wird, so wird er doch gut sein und Paul wird ihm ein Vorbild sein.
Wollt ich dir nur sagen, denn mir hat es große Freude gemacht.

LG, P.

Und nun, ein Jahr später schrieb sie mir wieder. Schrieb, dass ihr Freund sehr gut seine Ausbildung abgeschlossen hat. Schrieb, dass er angekommen sei und dass er inklusiv arbeiten werde und wie sehr er aufgeht in der Arbeit. Und sie schrieb, wie mein Artikel noch immer nachhallt.

Und wisst ihr, wie die Betreffzeile der eMail lautete? „Berufsberatung mit Blog“. Ich habe immer noch Gänsehaut.

Und das ist es. Ich weiß nicht, was andere Blogger „wollen“. Mit ihrem Blog. Ich weiß aber, dass ich am Anfang mit dem Blog dachte: Wenn es nur fünf Leute lesen und ich diese fünf erreiche, sie nicken, mit mir lachen, sich erreicht fühlen, ja, dann lohnt sich das für mich! Dieses Blogdings. Und ja, es lesen immer noch ein paar Leute meine Worte und noch immer ist es das Schönste, zu sehen, dass Bloggerkollegen ihr Icon unter einen Text von mir setzen. Mit „Gefällt mir“ markieren. Dass Leser kommentieren und sich manche sogar hinsetzen um mir eine Mail zu schreiben. Dafür blogge ich. Das ist mein Lohn. Das ist das allerschönste Feedback! (Und Päckchen an Weihnachten. Oh Gott, habe ich das jetzt wirklich geschrieben?!)

Paul also.

Ja, Paul wird es. Mit diesem Beitrag habe ich über ein Thema geschrieben, das mich sehr beschäftigt und habe damit auch Leute auf eine Art erreicht, dass sie noch nach einem Jahr an diesen Text denken. Und falls ich durch diese Aktion noch mehr Menschen erreiche mit diesem Thema, setze ich damit vielleicht Paul einen kleinen virtuellen Gedenkstein. Als Dankeschön für die Jahre, die er uns und dem Kind so beigestanden hat. Und der Artikel soll als Mutmacher wirken für Eltern, sich auf Integration einzulassen. Und zwar alle Eltern! Und für zukünftige Integrationshelfer und Pädagogen, als ein Beispiel, wie es gut funktionieren kann.

Eine schöne Idee, wie ich finde.

Und jetzt schreibe ich meine Bewerbung.

Sauberkeitserziehung

Der Blondino hat mir heute Morgen mal wieder auf den Wohnzimmerteppich gekackt. Nein, hingeschissen hat er. Und zwar fulminant!

Jegliche Versuche, ihn bisher irgendwie windelfrei zu bekommen, endeten binnen weniger Minuten in einer Sauerei. Er kackt in den Schuppen und der Bärtige latscht barfuß rein. Er kackt mir in die Küche und mein Verstand weigert sich, „braune Wurst auf Teppich“ zu einem sinnvollen Bild zusammenzufügen. Er pinkelt los, sobald er weder Windel trägt noch auf dem Topf sitzt.

Freiheit! Juhu! Schnell mal entleeren. So macht er das.

Das unsaubere Kind wird im September drei Jahre alt und die Kitatanten haben mich liebevoll darauf hingewiesen, dass sie dann schon die neuen Kleinen haben werden und keine Zeit, die Großen so sehr zu bemuttern, wie sie es im vergangenen Jahr konnten. Meint neben selbstständigem Anziehen eben auch das „Geschäft“.

Nun ja, wir bemühen uns. Also ich.IMG_2227 (1)

Ich kenne die Crux schon vom Großkind. Damals, kurz vorm dritten Geburtstag, schimpften die alten DDR-Erzieher, so ein Ferkel käme nicht zu den Kindergartenkindern! Und ich mühte mich. Public pissing, bunte Kinderklobrillen, allein es brachte gar nichts! Das Kind spielte gedankenverloren mit seinen Kackwürsten in der Badewanne, freute sich über gefundene Hundewürstel im Park und schien rein gar nichts dagegen zu haben, sich in die Hose zu machen. Eklig fanden nur wir Großen das. Er überhaupt nicht!

Eine Woche vorm dritten Geburtstag war es auf einmal vorbei. Zack! Von einem Tag auf den anderen hatte er beschlossen, dass er ab jetzt auf das Klo gehen werde wie wir. Ohne Kinderbrille, ohne Topf oder sonstige kindgerechten Umwege. Ein Bänkchen davor zum Hochklettern und ab ging die Lucie. Ich kann mich auch an keine nennenswerten Unfälle danach erinnern. Er hatte einfach für sich beschlossen, dass er nun diesen Schritt gehen kann und das wars.

Aus diesem Grund bin ich eigentlich entspannt, was das Kleinkind angeht. Er liest gern auf dem Topf und wenn es unbequem wird, steht er eben auf und pinkelt auf irgendeinen Teppich. Mal sehn, wie lange noch. Ich persönlich kenne ja keinen, der nach der Einschulung noch Windeln trug. Who cares.

Zugegeben, es kostet wieder einiges an Überwindung, die Türen offen zu lassen und sich beim Abführen nicht nur zuschauen, sondern auch die Beine spreizen zu lassen um die Qualität des Geschäfts beurteilen zu lassen. „Mama fein gemacht!“. Na bitte, gerne doch.

Wenn ich mir überlege, was ich diesbezüglich schon erlebt habe mit den Jungs… Ich wurde vollgekackt, mir wurde im hohen Bogen ins Gesicht gepieselt, ich wurde auf jede erdenkliche Art angekübelt und habe alle möglichen Körperausscheidungen in allen Farben und aus allen denkbaren Räumen und Textilien weggeputzt in den vergangenen Jahren.

Und während ich meinen Gedanken nachhänge und mit dem Fingernagel einen angetrockneten fetten grün-grauen Popel von der Kinderzimmertür kratze, denke ich, „Sauberkeitserziehung“ bedeutet doch nur, dass uns Eltern während dieser Zeit jeglicher verbliebener Rest-Ekel sauber aberzogen wird. Oder?

(Und wohin jetzt mit dem Popel?!)

🙂

 

Männer unter sich

Janni, der Babyvater von Ich bin dein Vater, hat neulich einen Artikel geschrieben, nein, eine Liebeserklärung an seine Brotherhood. Seine Buddies. Die Lieblingsmänner seines Lebens.

Der Lieblingsmann meines Lebens schlief noch geräuschvoll, während ich diesen Text zum ersten Kaffee des Tages genoss. Und mir lief das Herz über! Warum? Weil ich ganz genau verstehe, was er meint.

Nicht, dass ich mich als Mann fühle oder meinen würde, meine Frauenfreundschaften hätten genau diese Qualität der Innigkeit. Überhaupt nicht! Aber ich lebe hier mit einem Männchen, der Teil einer eben solchen Hood ist und das schon sehr lange. Und deshalb ist sie auch ein Teil meines Lebens.

Es gibt Paare mit Paarfreundschaften. Die Gleichgesinnte mit denselben familiären Rahmenbedingungen um sich scharen oder mit demselben Hobby und sich sozusagen in der eigenen Peergroup paaren. Das macht Sinn. Man hat die gleichen Themen, begeistert sich für dieselben Dinge oder hat Kinder im gleichen Alter, die einen begeistern. Oder eben auch im Moment nicht.

Und es gibt Paare, die am liebsten alles gemeinsam machen. Die gern von sich sagen, sie seien einander „der beste Freund“.

Und es gibt Leute wie uns, die mit separaten Kreisen.

Es mag komisch klingen, wenn ich sage, dass jeder von uns einen eigenen Freundeskreis hat und auch, dass wir es genießen, Dinge ohne einander zu tun. Mit anderen Menschen. Oder allein. Und, ehrlich gesagt, kam selbst mir das manchmal seltsam vor in den letzten achtzehn Jahren. Habe selbst ich manchmal gedacht, hm. Abenteuer und Erholung, heiß und kalt, bunt und clean, laut und leise, Kunst und „Das soll Kunst sein?“, Berge und Strand. Wir zwei sind so grundverschieden, dass wir gar nicht zu einander passen können! Bestimmt ist es für uns beide besser, wenn wir uns trennen…

Mitnichten.

Wir sind wie Yin und Yang und auch wenn wir vielleicht bei Betrachtung der Unterschiede offensichtlich nicht zueinander passen, so offensichtlich gehören wir doch gefühlsmäßig zueinander. Und die vielen Unterschiede trennen uns nicht, sondern machen unsere Beziehung bunt. Und zwar, weil wir es uns abgewöhnt haben, den anderen dazu zu überreden, dieselben Dinge zu mögen wie man selbst (Mann, war das ´ne Scheiße!).

Und so kommt es, dass der Bärtige viele große Abenteuer erlebt. Ohne mich. Mit seinen Jungs. Und das ist gut so!

Diese Truppe, die sich aus Studenten-WG-Zeiten kennt, reist gemeinsam in regelmäßigen Abständen an irgendein Ende der Welt um zu gucken, ob das dort wirklich das Ende der Welt ist (meine Interpretation). Und Gott bewahre, ich muss da nicht hin! Ich habe schon mal hier darüber geschrieben, warum es besser ist, dass wir getrennt verreisen.

Und die Art des Reisens und die vielen Herausforderungen und unvergleichlichen Erlebnisse, die diese Männer geteilt haben, hat die Freundschaft zwischen ihnen geprägt. Da bin ich ganz sicher, ohne dabei gewesen zu sein.

Wenn man zusammen in Indien Durchfall hatte und in den peruanischen Anden bei fünf Grad zu zweit in einem Zelt schlief, dass für Frodo Beutlin allein schon sehr eng wäre, dann macht das was. Wenn man zusammen bei tropischer Hitze und auch bei zehenabsterbender Kälte Berge erklommen, sich wochenlang von Reis ernährt und sich gemeinsam nach einem Bier gesehnt hat, das diesen Namen auch verdient, dann macht das was. Wenn man zusammen Situationen erlebt hat, wo man auf Gedeih und Verderb auf den anderen angewiesen war, dann sieht man diesen Männern auch bei Tageslicht in Mitteleuropa ganz anders in die Augen. Das weiß ich, weil ich es sehe.

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Urlaubsbild des Bärtigen. Beispielfoto (Beliebig also. Es sind immer Berge mit drauf. Gähn!).

(Und nein, ich bin kein bisschen eifersüchtig. Wir haben schließlich Familie und sind den Rest unseres Lebens auf Gedeih und Verderb auf einander angewiesen! Und Abenteuer erleben wir da auch. Zugegeben, ganz andere.)

Es sind seine Freunde. Nicht meine.

Und dennoch bin auch ich mit ihnen verbunden. Sie sind mir nahe, diese Männer. Ganz einfach, weil sie meinem Mann nahe sind! Ich würde ohne Nachzudenken meinen letzten Hunderter jedem einzelnen geben und sofort zur Hilfe eilen, sollte das nötig sein. Und ich bin mir sicher, sie würden dasselbe nicht nur für den Bärtigen tun, sondern auch für mich. Aus denselben Gründen.

Und wenn sie sich sehen, auf ein Bierchen treffen oder so, dann ist die Zeitrechnung nicht Stunden, sondern… ach vergesst es!

(Ich: „Wo kommst du denn jetzt her, hä? Ein Wunder, dass du überhaupt noch wusstest, wo wir wohnen! Hätte ja gut sein können, dass wir in der Zwischenzeit umgezogen sind! Und guck mal, wie groß deine Söhne inzwischen sind! Wie, ihr wart doch nur auf einer Radtour?! Ach, wo denn? In Timbuktu? Habt ihr schon mal Zelte probegeschlafen und „Brokeback Mountain“ nachgespielt oder was?! Freundchen, du hast echt Nerven! Komm du mir mal rein…“)

Und wenn er dann so heimkommt von einer „kurzen“ Radtour und anschließendem „kleinen“ Bierchen mit den Jungs, dann kam es schon vor, dass man den Kerl kaum sah, weil er zwei Arme voll Sonnenblumen die Treppe hochastete und behauptete: „Schatz, ja, es wurde etwas später, aber ich habe eine gute Ausrede! Schau mal, wir haben dieses Sonnenblumenfeld gefunden und ich habe stundenlang nach einer Blume gesucht, die so schön ist wie du. Ich habe keine gefunden! Deshalb muss du die jetzt hier alle nehmen!“.

Und wahrscheinlich hatten sie sich genau diesen Spruch vorher gemeinsam in der Kneipe ausgedacht. 🙂

Sprachförderung

Der Blondino (2,5) erhält von seinem Bruder (16) eine Logopädiesitzung.

Innerhalb weniger Minuten kann der Kleine auf einmal „Vollpfosten“ und „Fickschnitzel“ fehlerfrei aussprechen. Als ich naturgemäß versuche zu intervenieren, meint selbsternannte Sprachlehrer: „Mama, wenn der mit dir ne Weile im Auto rumfährt, kann der bald noch ganz andere Wörter!“.

 

Mein Juni-Wochenende in Bildern #wib

Mein Wochenende begann wie bei allen anderen auch, nämlich an einem Samstag (Was Freitag war, weiß ich heute schon nicht mehr!).

Wer sich also fragt, wozu die Leute sowas machen, also dieses Bilder-Wochenends-Dings, keine Ahnung, weshalb es die Leute machen! Ich mache es, damit ich mich anhand der Fotos erinnern kann, was ich so die letzten Stunden getrieben habe. Und ich hätte, wenn ich jetzt nicht hier bloggen würde, keinen plausiblen Grund, mich vor drei Maschinen Dreckswäsche und zwei Maschinen sauberer zu drücken. Super Ding also.

Samstag Morgen. Ich stricke Socken. Und trinke Kaffee. Dann erwachen alle und es geht los, das Gewusel. Einkaufen und Trampolinspringen war Vormittags. IMG_2135

Dann gab es „Magische Suppe“.IMG_2138

Diese Suppe ist wie die aus dem Märchen. Die wird immer mehr! Tatsächlich war am Ende des Kochvorgangs der 10-Liter-Topf voll und im Frost türmen sich jetzt Tupperdosen mit Suppe, die ich jedem ahnungslosen Gast von nun an bis hin zur Adventszeit anbieten werde. Warum die immer mehr wird? Nun, zuerst einmal wegen den Linsen. Sie ist immer zu dick. Wasser nachgießen. Dann feststellen, dass sie viel zu scharf ist! Wasser und Tomatenmark hinterher. Und irgendwann schmeckt sie und es sind 10 Liter von „Schmeckt!“ da.

Hier kommt das Rezept:

3 Zwiebeln und

3 Knoblauchzehen gehackt mit

1 Päckchen gewürfeltem Schinkenspeck anbraten (in Fett nach Wahl)

2-4 (siehe oben) Dosen stückige Tomaten dazu

Wasser (oder Fleischbrühe, wer hat) aufgießen und zum Kochen bringen

1/2 Packung rote Linsen in die kochende Brühe

würzen mit Salz, Chiligewürz oder Baharat oder irgend ´ner orientalischen Gewürzmischung.

1/2 Stunde kochen, abschmecken und gucken, ob sie immer mehr wird. 🙂 Dann essen.

Wir sind am Nachmittag in den Garten gefahren. Auto beladen bis unters Dach, als wöllten wir für drei Wochen in den Urlaub.

Der Bärtige hatte den aktuellen Wasserrohrbruch ganz alleine behoben, indem er das Rohr gelötet hat. Höchst selbst! Wir loben ihn überschwänglich und ich versuche nicht daran zu denken, dass selbstverständlich die Wand nie wieder in diesem Leben verputzt werden wird. Warum ich das weiß? Sagen wir mal so: Achtzehn Jahre Erfahrung…IMG_2143

Jedenfalls ist der Mann im „Flow“ und kaum von der Werkbank wegzukriegen. Er brennt mit einem Bunsenbrenner irgendeinen Spaten aus. So genau will ich das gar nicht wissen. Und als der Junior dann anfängt, ebenfalls mit einem Bunsenbrenner rumzufunzeln, will ich nicht mal mehr zusehen! IMG_2144

Stattdessen überlege ich, dass ich diesen Rollschrank auseinandernehmen werde und aus den Schiebern Wandregale mache. Keine Ahnung, wann, aber der Mensch braucht schließlich Pläne!IMG_2145

Außerdem mache ich aus diesem maroden Brett eine Garderobe. Drei weiße verschnörkelte Doppelhaken dran und fertig! Ich weiß nur noch nicht, wie ich die Oberfläche behandeln soll. Schleifen versaut vermutlich die Struktur des Brettes. Mit mehreren Schichten Mattlack überpinseln vielleicht? Irgendwelche Ideen?IMG_2162

Der nächste Morgen weckt uns mit traumhaftem Licht, ich bin wie besoffen davon! Sonne, zärtliche Wärme, goldener Schimmer auf allem und allen. Hach. ❤IMG_2174

Die Kinder kuscheln sich auf der Couch munter.IMG_2156

Der Blondino gräbt die Erdbeerpflänzchen aus, während…IMG_2166…ich in der Hängematte die Gartenaufsicht habe. Ich bin stilecht gekleidet in verfilzte Jogginghose, Socken vom Sohn und Adiletten. Ich bin der Dude!

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Ansonsten habe ich noch Rhabarber geerntet…IMG_2178

…und Minze.IMG_2182

Käfer beobachtet…IMG_2181

… mich umgezogen und mir den Wind unters Kleid fahren lassen.IMG_2185

Mittags gab es Rapper. Also eigentlich Wraps, aber wer kann dieses Wort schon aussprechen! Eben. Für den Blondino und mich gab es Milchreis und Kirschen und dick braune Butter und dick Zimtzucker! Gekochte Liebe ❤ (Ich hab schon wieder ein Pfützel auf der Zunge…)IMG_2186

Nachmittags waren wir bei meiner Schwester. Deren Garten ist viel schöner als meiner. Das kommt vermutlich daher, dass meine Schwester ihre Pflanzen streichelt! Untenstehendes Bild: Pflanzenstreichelnde Schwester. Schöne Pflanzen, schöne Schwester. Hier:IMG_2188

Meine Nichte hat uns dann noch Gartensushi serviert. Mmh! IMG_2191

Jetzt ist es draußen dunkel und das Wochenende vorbei. Ich hoffe, ihr hattet auch ein schönes. Macht doch Fotos, dann erinnert es sich besser an die netten Momente :).

Während die Jungs ´Schland im TV gucken, haue ich mir jetzt die Wäsche um die Ohren.

Für die nächste Woche habe ich mir viel vorgenommen (also außer Arbeiten und Kindertermine und Kuchenbasare zur Querfinanzierung der Klassenfahrt des Kronsohnes).

Ich schreibe schon an einem Artikel zum Thema, ob das Private wirklich politisch ist und die Rolle von Elternblogs. Außerdem will ich euch das Konzept me&i vorstellen und einen Artikel über Pubertät habe ich hier auch noch angefangen im Kopf…

Ich wünsche euch einen gute Start morgen in die neue Woche. ❤

Mehr Wochenenden in Bildern gibt’s wie immer bei Susanne.

 

Spurlos

Über die Hintergründe zu dieser Geschichte habe ich schon einmal hier geschrieben. Die junge Frau mit der Rötelninfektion, das war ich.

Jemand erzählt neulich beim Sonntagskaffee, ein Kollege habe einen furchtbaren Marderschaden im Haus gehabt. Eine Mardermutter hatte sein Dach als Wurfhöhle auserkoren. Der Kollege hat die Marderjungen entfernt, als die Mutter nicht da war. Die Mardermutter kam aber jeden Abend wieder und hat wie verrückt randaliert! Hat alles angefressen, zerkratzt, gewütet, einen furchtbaren Schaden angerichtet. Das Gekratze und Getrappel hätte die ganze Familie halb wahnsinnig gemacht! Sie hat ihre Kinder gesucht. Der Kollege habe sich darauf keinen anderen Rat gewusst, als die toten Marderbabies wieder auszugraben und erneut in das Dach zu legen. Daraufhin kam die Mardermutter genau noch einmal zurück…

Atmen, Rike, atmen! Einatmen, ausatmen. Jemand noch ein Stück Kuchen? Ja, danke, es schmeckt wunderbar! Rücken gerade und lächeln. Und atmen.

Ich bin auch eine randalierende Mardermutter.

Als ich vor vierundzwanzig Jahren das erste Mal in den Wehen lag und mein Kind, ein Mädchen, tot zur Welt bringen musste, haben mir wohlmeinende Menschen geraten, alles zu vernichten, das mich an diesen Schmerz und diese unerfüllte Hoffnung erinnern würde. Ich sehe mich noch heute die braune Papiertüte mit Aufschrift „Marktkauf“ zur Tonne tragen. Mutterpass, Ultraschallfotos. Die Babysachen und Kuscheltiere, die ich angeschafft hatte.

Überhaupt sind all die Erinnerungen, die ich doch so schnell vergessen sollte um nach vorn zu blicken (Denn ich würde noch viele, gesunde Kinder bekommen!) so präsent, als wäre es erst gestern gewesen.

Ich sehe den Kreißsaal vor mir aus meiner Perspektive im Bett. Ein schmaler weißer Raum, der nichts mit der Wohnzimmeratmosphäre gemein hat, die man heutzutage in Kreißsälen vorfindet. Links ein kleines Waschbecken mit tropfendem Hahn. Eine Hebammenschülerin, die mir stundenlang den Steiß massierte. Mit einer Winterjacke bekleidet, weil ich an diesem kalten Märztag so schwitzte und das Fenster offen stehen musste.

Nach achtundzwanzig Stunden die Hebamme, wie sie im Flur in ein Telefon spricht: „Die Frau in Saal drei treibt aus!“.

Das Gefühl des Gebärens. Die einzige Berührung zwischen mir und meiner Tochter. Dann bringen sie sie weg. Ich darf sie nicht sehen, sie nicht halten. Früher war alles anders…

Ich sehe das Tablett vor mir mit dem Frühstück, das mir gebracht wird. Ein Blümchen in einer kleinen Vase hat jemand daraufgestellt.

Meine Mutter kommt und bringt mir eine Schale Heidelbeeren. „Es geht vorbei. Es ist bestimmt besser so. Ein schwerbehindertes Kind, um Himmels Willen…“.

Ich weiß nicht mehr, wann der Schmerz einsetzte. Die Ohnmacht, der Kummer, der mich fast in die Arme des Wahnsinns trieb. Ich habe meinen Körper gehasst, mich bestraft, betäubt. Und ich hatte nichts. Kein Grab, an dem ich hätte trauern dürfen, nicht mal eine Kaiserschnittnarbe oder einen Schwangerschaftsstreifen, der mich an mein Kind erinnert hätte. Spurlos ging sie.

Irgendwann kamen die Träume. Monate später. Oder Jahre, ich weiß nicht mehr. Ich sehe meine Tochter. Sie wächst in meinen Träumen mit. Ich heule nächtelang und versuche sie festzuhalten. Manchmal spielt mir mein Gehirn Streiche und ich möchte glauben, dass sie lebt. Irgendwo. Als Adoptivkind eines reichen Oligarchenpaares. Glaube, dass man mir mein Kind geraubt hat. Es gibt keine Worte für das Ausmaß meiner Verzweiflung.

Irgendwann sehe ich sie zum letzten Mal. Da ist sie acht Jahre alt. Ein rundliches hübsches Mädchen mit lockigem blondem Haar. Zu der Zeit bin ich schwanger mit meinem ersten Sohn.

Ich entbinde in derselben Klinik wie acht Jahre zuvor. Ich möchte ein positives Erleben über das Vergangene stülpen. Ich möchte abschließen.

Ich freue mich so über mein Baby, und dennoch. Die Trauer kommt nach wie vor in Wellen. Wenn ich doch nur irgendwas hätte! Irgendetwas!

Da erzählt mir jemand, dass bei Autopsien in der Regel Fotos gemacht werden. Ein Foto! Wenn ich sie doch nur ein einziges Mal sehen könnte! Wie eine Ertrinkende greife ich nach diesem Strohhalm.

Blätter um Blätter. Meterweise CTG-Kurven, auf denen jemand handschriftlich vermerkt hatte, wann ich welches Medikament bekommen habe. Dann abrupt endet die Kurve. Kein Foto. Die Mappe enthält kein Foto. Ich weine die ganze Zeit über, aber es sind Tränen der Erlösung. Ich halte etwas in den Händen, das eine Verbindung zwischen mir und meinem Kind darstellt. Dokumente, die belegen, ich hatte diese Tochter. Ich habe diese Tochter.FullSizeRender

Ich erbitte mir eine Kopie des Autopsieberichtes. Das mag einem Außenstehenden makaber vorkommen, aber es ist das einzige Dokument, das mein Kind beschreibt. Ich stecke die drei Bögen in einen braunen Umschlag und trage ihn nach Hause. Mein Mädchen. Es ist alles, was ich von ihr habe.

Viele Jahre sind seitdem vergangen.

Ich sehe keine Filme, die das Thema behandeln. Ich lese keine Artikel, keine Bücher. Ich lese keine Blogposts über Fehlgeburten, nichts. Noch immer habe ich keine Worte des Trostes für andere Betroffene. Noch immer katapultiert mich der Schmerz einer anderen Frau in meine eigene persönliche Hölle. Und ja, vierundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Viel Zeit, um Therapien zu machen, zu töpfern, einen Grabstein zu zeichnen, sich selbst zu vergeben, alle Mittel der Psychohygiene in Anspruch zu nehmen. Und dennoch…

Ich bin keine randalierende Mardermutter mehr, aber der Schmerz befällt mich immer noch. Kommt in den frühen Morgenstunden in einen Traum gemantelt und lässt mich mit heißem Gesicht und schmerzender Brust erwachen. Hält mich für Tage gefangen.

Trauer kennt keine Halbwertzeit. Und es gibt auch keine standardisierte Dauer dafür. Irgendwann meinen die Leute, es sei jetzt mal wieder gut. Das Leben geht doch weiter, mein Gott!

Ich kann die Trauer einer anderen Frau nicht mittragen. Ich würde so gern Trost spenden und kann es nicht. Und ja, ich verstehe auch die Menschen, die sich davor zurückziehen. Trauer, auch die eines anderen, macht auch immer etwas mit einem selbst.

Und dann gibt es Menschen wie die Sternenkinderfotografen, die unentgeltlich stundenlang eine Familie begleiten um das Bild dieser Familie einzufangen. In den wenigen Stunden, die dafür Zeit bleibt. In dieser nicht vorstellbaren Situation. Denn für diese Fotos gibt es keine zweite Chance!

Und es gibt Familien, die selbst ein Kind verloren haben und neben ihrem eigenen Schmerz noch die Energie aufbringen können, um andere Familien ein Stück zu tragen. Trost zu spenden. Um Geld zu sammeln für Beerdigungen oder die Erfüllung eines letzten Wunsches. Wie zum Beispiel die Betreiber der Seite „Sarah´s Sternenzauber“.

Ich weiß nicht, wo diese Menschen ihre mentale Stärke hernehmen, aber ich bewundere was sie tun und danke ihnen sehr dafür! Den Umfang dessen, was sie tun, kann nur jemand begreifen, dem genau das fehlt.

Mariechen wäre dieses Jahr im März vierundzwanzig Jahre alt geworden. Das Leben geht weiter. Einfach so.

 

❤ Für meine Freundin F., die ich auch dafür liebe, dass wir nie über toten Kinder sprechen, obwohl sie immer mit am Tisch sitzen. ❤

 

 

 

Der braune Umschlag

Es gibt ungeschriebene Texte, die sind wie schlechtes Essen.

Sie gären im Magen, mir ist übel und ich schleppe mich durch den Tag, unfähig, an etwas anderes zu denken als an das Gefühl des Unwohlseins.

Spucks aus, dann gehts dir besser! Dieser wohlmeinende Rat setzt allerdings voraus, dass ich mich überwinden kann, es auszuspucken.

Der Text, um den es geht, der gärt mir immer wieder in der Magengegend. Die Worte engen mir die Brust ein und machen, dass ich mit einem Kopf voller Watte in meinen Gedanken gefangen durch den Tag schleiche. Automatisch funktioniere, ohne bei der Sache zu sein. Bei irgendeiner Sache zu sein. Spucks aus, dann gehts dir besser!

Ich will ja! Ich will nicht. Ich weiß nicht.

Wie bekommt man den Bogen von Friede, Freude, Gartenkinderglück zu Bummbumm Bummbumm, mein Herz hämmert. Zu: Mir ist übel, ich habe Angst, darüber zu schreiben. Angst, das alles schwarz auf weiß zu lesen, zu springen. Mir den Grind von der seit Jahren nässende Wunde zu reißen und sie euch zu zeigen! Denn es heilt einfach nicht. Zeit ist ein übel beschissenes Pflaster. Und Schuld etwas, das du dir nur selbst vergeben kannst. Wenn du denn kannst.

Wie also nähert man sich so einem Thema an? Vielleicht durch einen Pufferbeitrag. Dadurch, dass man schreibt, dass man Angst hat zu schreiben.

Oder indem man etwas zeigt, ohne zu schreiben. Einen braunen Umschlag zum Beispiel. In diesem braunen Umschlag ist die Geschichte. Das, was davon übrig bleibt, wenn man alle Emotionen abzieht.

Aber die Emotionen, die sind es, die den schwer zu schreibenden Text ausmachen.

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Gartenidylle 2016

Gartenidylle 2016

Der Garten und wir ist ja eine lange Geschichte voller Plackerei und Schund. Und Träumen. Träumen, die wie die morschen Wasserrohre zerplatzten.

Wer viel Zeit hat und weder Freunde noch Verpflichtungen im Haushalt, kann sich ja hier in dieser Textsammlung der vergangen Jahre anlesen, was bisher geschah.

Auch das diesjährige Gartenjahr begann so schön wie alle anderen bisher: Ein geplatztes Rohr im Schuppen und ein Wasserschaden im Haus.

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Der Bärtige hat daraufhin ein wenig an der Tapete gezuppelt und da krachte die aufgeweichte Decke runter und mit ihr ein Haufen Exkremente und mit Urin durchweichte Füllwatte. Auf den Mann. Zack!

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Wir hatten offensichtlich den Winter über einen Marder als Untermieter im Dach. Der Mann hatte Laune. Und Exkremente auf den Klamotten. Er hat sich dann noch mit einem Forsythia angelegt und so endete sein Tag in der Notaufnahme der Augenklinik. Und ich sag noch: Leg dich nicht mit dem Garten an! Aber nein.

Eine Woche später war es noch immer nicht vorbei, denn wir sahen, dass am rückwärtigen Teil des Hauses ein ausgefressenes Loch war, da wo einst ein Halogenstrahler prangte. Im ersten Schreck dachten wir, der Marder sei zurück! Aber da er ja unmöglich vom Boden unters Dach springen und dabei ein Eingangsloch fressen konnte, war die Wahrheit eine andere, allerdings nicht minder verstörende: Der Eindringling saß die ganze Zeit, während wir sauber gemacht haben und den Spalt im Dach, der ihm als Eingang gedient hatte, verschlossen, in unserem Haus. Unter unserem Dach. Und hat gewartet! Als wir weg waren, hat er dann offensichtlich die Aussparung von dem Strahler ausgefressen um zu flüchten.

Ich meine, zum Glück! Da war ja immerhin ein Riesenloch, das ins Hausinnere führte! Er hätte es sich ja auch auf unserer Couch bequem machen können für die nächste Zeit. Oder im Kinderbett!

Wir haben eine blaue Mülltüt in das Loch gestopft. Es also repariert. Das Loch im Haus ist noch immer da...

Wir haben eine blaue Mülltüte in das Loch gestopft. Es also quasi fachmännisch repariert. Das Loch im Haus ist allerdings immer noch da…

Ein Scheißendreck mit diesem Garten…

Allerdings ist es wohl ziemlich sicher, dass das unser letztes Gartenjahr dort sein wird. Ja, wir werden umziehen. Und das wird dann ein Objekt mit angeflanschtem Garten sein. Aus diesem Grund wird der Chaosgarten nach dieser Saison verkauft werden.

Und seit das so ziemlich sicher ist, hat sich bei mir ein Paradigmenwechsel vollzogen. Konnte ich die letzten Jahre nur Arbeit und unfertige Träume sehen in diesem Stück Land, so sind es nun in diesem Gartenjahr eher zärtliche Gefühle, die mich damit verbinden.

Diesen Garten hatte die Oma des Mannes gepachtet nach´m Krieg und wir sind die dritte bärtige Generation hier. Schon zweimal bin ich mit dickem Kugelbauch über das Gras geschlurft, meinte schon zweimal, ich würde hochschwanger im Auto während der Anfahrt über die Buckelpiste entbinden. Habe meine beiden Kinder in dem Sandkasten spielen gesehen, in dem schon der Bärtige als Kind gebuddelt hat.

IMG_1921Und so bin ich ein wenig wehmütig und sehe in diesem Jahr zum ersten Mal nicht die ganze Arbeit, sondern wie schön es hier eigentlich ist!

Und ich freue mich auf dieses Gartenjahr und auf ganz viel Besuch!

Ich freue mich darauf, dass bald die Pfingstrosen aufplatzen, dann kommt der Rhabarber. Irgendwelche blauen und gelben Liliengewächse blühen auch schon. Im Sommer kommen die Stockrosen, Johannisbeeren, Jostabeeren, Brombeeren und Himbeeren. Wein. Tomaten, Gurken, Zucchini und jede Menge Kartoffeln, die uns bis in den Winter satt machen werden. Ich werde zum letzten Mal armeweise Lavendel ernten und in Sträußen zum Trocknen im Haus aufhängen.

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IMG_1969Ich werde Tee aus einer Flohmarktkanne trinken auf der Terasse und lesend auf dem Liegestuhl liegen während die Jungs im Pool planschen.

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Freue mich daran, dass ich bei offener Tür duschen kann und nur eine Zuckerhutfichte schaut mir dabei zu.

IMG_1902Wenn ich das Wohnzimmer betrete, freue ich mich immer unbändig, dass mein heißgeliebter alter Esstisch, der nicht mehr in unsere Wohnung gepasst hat, hier einen Alterssitz gefunden hat und ach, die Stühle! Wisst ihr noch? Die Stühle habe ich in meinem ersten Gartenjahr hier aufgearbeitet und gepolstert.

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Für kleine Kinder ist so ein Stück Garten toll! Man kann Ameisen und Eidechsen beobachten oder eine Fliege auf dem Rhabarber.

IMG_1911Man kann im Sand spielen, schaukeln, Bälle in der Gegend rumkicken, mit Wasser rummatschen oder Blümchen pflücken. Und es gibt doch nichts aufregenders als ein Werkzeugschuppen!

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Und wenn man sich dann müde gespielt hat, isst man im Schatten Melone oder Eierkuchen und lässt sich in die Kuschelhöhle unterm Dach bringen.

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Und Mama und Papa sind auch nicht weit, die haben ihre Höhle gleich nebenan. IMG_1894

… Ach warte, nur der Papa schläft mit. Die Mama steht ja im Feld und buddelt irgendwas ein oder aus. Natürlich sieht die furchtbar sexy aus mit wehendem Haar, Strohhut und geblümtem Sommerkleid.

In etwa so:

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Knick

Im Rahmen der Internationalisierung, Globalisierung und wegen Offshore, Nearshore (und dem anderen Zeug for sure) muss man sich ja in der Wirtschaft sprachlich anpassen. Und weil zwischen Launch und Forecast, Standup Meetings und Offsite Meetings, Calls und Chats, Benchmarking und Milestones auch noch Zeit für eine zwischenmenschliche Interaction sein muss, ist denkbar, dass folgender Dialog so oder so ähnlich gestern stattgefunden hat. Unter Deutschen. Wobei, hier arbeiten auch Amerikaner, die ähnlich seltsames „Indornäschonäl“ sprechen…

Card with Knick (rechts)

Card with Knick (rechts)

“Hello, Kollege, how goes it?”

“Grüß dich too, it goes so. It muss ja.”

“Oh, look! Your card is damaged. It has a Knick!”

“Yes, I know, it´s because I fall hin mit the Fahrrad weil a bekloppte Kollege mich has beinahe umgefahren with his fucking tiefergelegte Scheiß-car! And so I had to hüpf from the Fahrrad and my Laptopbag is falling runter und the card was noch into the Laptop and has knicked.”

“And nun?”

“I think, it funktioniert noch. I don´t need the gesamte Magnetstreifen. I tried.”

“You can also try to steck it verkehrt herum into the Laptop, maybe the Laptop biegt it gerade.”

“Hm, or it bricht auseinander and goes kaputt totally.”

“Hm.”

“Lets go zur Kantine and have a Kaffee. Ich pay for You mit!”

“Super Idea. We can call it Dienstberatung.”

 

Für Jacco und Sauli, die bestimmt lächeln beim Lesen 🙂

Pfingsten auf´m Storchenhof

Pfingsten auf´m Storchenhof

Fragt man den Großsohn, was sein schönster Kinderurlaub war, nennt er ganz sicher den Bauernhofurlaub in Österreich, und das ist dreizehn Jahre her! Zusätzlich zu den Tieren, dem unglaublichen Essen und der Idylle gab es damals dort einen Traktor für die Gäste. Nach Einweisung des Bauern konnten wir damit über die Felder brettern. Der Bärtige am Steuer und das Großkind – das damals noch ein kleines war – und ich jeweils auf einem Radkasten. Das war großartig! Leider liegt Österreich acht Fahrstunden von uns entfernt, deshalb waren wir nur einmal dort. Wir habens nicht so mit Langstreckenfahrten.

Sowas muss es doch aber auch in der Nähe geben, oder?

Das kleine und das große Stadtkind sollten mal wieder unter Viecher. Und wir Alten wollten eine Luftveränderung. Aber in Kurzstreckennähe!

Das Pfingstwochenende haben wir auf dem Storchenhof Paretz verbracht, im Havelland, zweieinhalb Autostunden von Dresden entfernt. Ideal also auch mal für einen Wochenendurlaub. Am Sonntag war der Hof gefüllt mit Tagesausflüglern aus dem nahegelegenen Berlin, die zum Ponyreiten und Kuchenessen vorbeikamen. Spandau soll dem Vernehmen nach nur zwanzig Minuten entfernt sein.

Wir waren vier Erwachsene und drei Kinder (oder fünf Erwachsene und zwei Kinder, ich weiß immer gar nicht, wohin ich den Pubi zählen soll) und allen hat es gefallen!

IMG_1735Wir sieben hatten ein Appartment, aber ebenso…

…wäre es möglich gewesen, in einer der Schlafkammern über dem Pferdestall zu übernachten.IMG_1810IMG_1792IMG_1793IMG_1795Es gab neben Pferden, Hunden, Katzen, Hühnern, Schafen und Schweinen und Hasen auch eine Voliére mit Nymphensittichen, einem Graupapagei und einem Pfauenpärchen. Und Platz! Und Ruhe!IMG_1806Der Blondino fand es dufte!IMG_1777…halb Treppe, halb Rutsche

IMG_1742…Tiere hautnah

IMG_1765…einen Riesenspielplatz direkt vor der Haustür,

IMG_1787…den Mama sogar von drinnen beaufsichtigen konnte.

IMG_1838Wir Alten mochten zum Beispiel den einsamen Spaziergang an der Havel entlang.

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IMG_1740Unser Pubi hat tatsächlich mit mir Tischtennis gespielt! Mein Highlight…

IMG_1831Kurze Regengüsse ließen sich gut überbrücken…

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IMG_1814Das Kind war den ganzen Tag draußen und kam dreckstarrend und voller blauer Flecke und überglücklich und mit dem Gefühl von Tierfell unter den Händen abends rein.

IMG_1816 IMG_1830 IMG_1799 IMG_1800 IMG_1784 IMG_1781Platz ist in der kleinsten Hütte und wir haben natürlich supergesund gegessen! Siehe Beweisfoto.

Resümee: Gut. Super in der Anbindung. Tolle Umgebung! Viele Tiere. Großartig restauriert und von vorn bis hinten architektonisch klug mit viel Sinn fürs Deteil umgebaut. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Abstriche gibts für Sauerkeit. Das Appartment war nicht staubig, sondern dreckig! Auch war der Geschirrschrank mit einer Tasse und drei Gabeln für sieben Personen unterbestückt. Unterbestückt war auch das Personal, was im Nachgang einiges erklärt. Zwei Köchinnen und eine Hauswirtschafterin, die den ganzen Hof und zwei große Feste versorgen sollten. Auch die Männer im Stall sah man morgens um acht und abends um acht immer noch. Es gab ein Café, das allerdings nur am Sonntag geöffnet war, was ich persönlich schade fand! Mit mehr Personal und Liebe zum Gast kann man ganz sicher noch einiges mehr aus diesem Kleinod machen. Bauer und Bäuerin gab es nicht. Eher Chef und Chefin. Die hauptsächlich durch Abwesenheit glänzten. Ich hätte mir ein wenig mehr persönlichen Kontakt gewünscht (und vielleicht ein Glas Marmelade vom Hof als Willkommensgeschenk im Appartment). Mehr Präsenz. So bleiben mir nur die beiden Köchinnen in freundlicher Erinnerung zurück.

Trotz allem kommen wir sicher wieder.

Und ist das jetzt eine Reiseempfehlung für euch? Ja!

Zum Schluss muss ich noch mal auf den Pfau zurückkommen. Hier ist er im Bilde, links sein Weibchen (von der wird auch gleich noch die Rede sein).

IMG_1802Am ersten Abend machte der Pfauenalte einen Riesenrabatz! Krähte, was das Zeug hielt! Stand da und spreizte seinen Schwanz, während das Weibchen gelangweilt mit halbgeschlossenen Augen in einer Ecke saß. Ich sagte zu meinem Kerl: „Guck, das ist so typisch! Der macht ein Geschrei und reckt seinen Schwanz in die Höhe und meint allen Ernstes, das imponiert dem Weib! So ein Idiot.“. Darauf guckt mich der Bärtige frech an und antwortet listig: „Wirst schon sehen, der wird damit Erfolg haben! Und wenn sie einfach nur umkippt, damit er Ruhe gibt.“.

Wisst ihr Bescheid, mit was für einem Pfau ich hier verheiratet bin!

Und mit dieser halbgaren Bauernhofweisheit endet mein nachträgliches Pfingstwochenende in Bildern. 🙂

Das hat der Doktor gesagt!

Es gibt ja so Eltern, die ihren Kindern mit dem Weihnachtsmann drohen. Oder der Zahnfee. Dem Osterhasen. „Näh, Tscheremeiea, wenn das dor Weihnachtsmann sieht, du, der bringt dir kee Geschenk! Auweia!“. Unmöglich ist das. Und ja, auch der Dialekt.

Ich würde ja nie zu so manipulativen Tricks greifen! Ehrlich. Weihnachtsmann. Also wirklich…

Wir haben den „Doggo“.

Der Doggo ist ehrfurchtseinflößend für den Blondino. Eigentlich ist er ein freundlicher, älterer Mann, der rosa T-Shirts trägt mit der Aufschrift „Doktor Gunther“. Und ist unser Kinderarzt.

Da der Blondino im letzten Quartal häufig dauernd erkrankt war, haben wir den Doktor Gunther oft besucht. Und der hat dann Medizin verschrieben. Die nicht schmeckte. Aber sein musste. „Das musst du trinken! Das hat der Doktor Gunther gesagt!“, hörte man mich mehrmals täglich sagen.

Kam ich mit der Medizin, tönte das Babylein irgendwann schon von allein ehrfürchtig: „Hatter Doggo sagt!“ und sperrte das Mäulchen auf.

Ab dann war es ein Selbstläufer.

Zähneputzen? Hat der Doggo gesagt.

Händewaschen vorm Essen? Hat der Doggo gesagt.

Abendbrot aufessen? Hat der Doggo gesagt.

Hören, wenn die Mami ruft? Hat der Doggo gesagt.

Augen zu, Ruhe und Schicht im Schacht? Hat der Doggo gesagt.

Es war zu einfach…

Gestern springt der Blondino auf dem Trampolin rum und nervt, ich solle reinkommen und mitmachen. Nein! Ich komme nicht rein! Ich will nicht!

Da guckt er mich streng an und sagt: „Mama machs Hüpfen und nimms meine Hand. Hatter Doggo sagt!“.

Scheiße.

 

 

#blogfamilia Teil 3 – Die Veranstaltung

#blogfamilia Teil 3 – Die Veranstaltung

„… Lange haben wir überlegt, ob wir den familiären Charakter der ersten Blogfamilia 2015 verwässern, wenn wir die Teilnehmeranzahl knapp verdreifachen. Wir denken, dass uns dieser Spagat dennoch gelungen ist…“,

schreiben die InitiatorInnen auf ihrer Homepage.

Die Sorge war berechtigt, und was sie als Spagat bezeichnen ist und war ein Meisterstück an Eventmanagement und ein Mammutprojekt für eine Handvoll Leute, die das mal eben so „nebenbei“ aus der Hüfte gestemmt haben. Neben der Lohnarbeit, neben den privaten und beruflichen Verantwortungen, neben den eigenen Bedürfnissen.

Alu und Konstantin von Große Köpfe, Bella von Familie Berlin, Christian vom Familienbetrieb und die Mannen von Ich bin dein Vater haben sich in monaterlanger Arbeit einen Ast abgerissen um uns einen schönen Tag zu bereiten! Und was für einen.

Im letzten Jahr hatten wir uns in einem kuscheligen Kreuzberger Café getroffen und es gab auch ein paar Veranstaltungspunkte, der Hauptfokus lag durch die enge und gemütliche Atmosphäre im Plauschen, Schwatzen, sich-über-einander-freuen. Damals waren wir fünfzig Leute. Und diese fünfzig hatten auch einen schönen Tag.

Nun waren einhundertfünfundzwanzig geladen! Mit Kindern! Das eine Herausforderung zu nennen, ist keineswegs übertrieben. Zumal ein paar Eckpfeiler der Blogfamilia-Philosophie beibehalten werden sollten: Kostenfreiheit für die Teilnehmer und Fahrtkostenbezuschussung für die Menschen, die das benötigten.

Es brauchte also starke Partner und die wurden gefunden in einer ganzen Reihe von Sponsoren, die mit ihren Produkten und mit ihrer eigenen Business-Philosophie zu uns Elternbloggern passen. Außer Lego (die unter anderem eine bunte Kinderspielewelt gestellt haben und Mitgebsel für die Mitgebselbeutel – ich komme jetzt nicht auf den Namen gesponsert haben), konnten Rabach Kommunikation, ASUS, nomi, Brigitte MOM, Weleda, Medela, Babybjörn, CEWE, betreut.de, me&i, der GLS Bank gewonnen werden für diese Veranstaltung. die kleine Fabriek hat den Wickelbereich für die Kleinsten ausgestattet und das so zauberhaft, dass ich mich am liebsten selbst dort zum Wickeln hingelegt hätte! Dabei war die Präsentation der Sponsorenstände so dezent und alle Beteiligten kein bisschen aufdringlich, sodass man sich keineswegs wie auf einer Verkaufsveranstaltung fühlte.

Allein dieses Sponsoring auf die Beine zu stellen, muss ein Mammutakt gewesen sein. Dann das Catering. Kuchenbüffet und Abendessen, Getränke. Die Organisation vor Ort. Auf- und Abbau, das Takten der Vorträge, das Bestücken der Beutel (die eigens für unsere Blogfamilia hergestellt wurden von Druckrausch). Im Vorfeld – und das weiß ich auch nur zufällig, haben diverse Privatwohnungen ausgesehen wie Paketannahmestellen. Einladungen drucken und verschicken, sich um die Anmeldungen kümmern. Die Location präparieren, Technik, Bestuhlung. Die Liste ist unmöglich vollständig. Und am darauffolgenden Tag ging es dann weiter mit Abbau, Logistik der Speditionen koordinieren und was weiß ich…

Jemand, der anwesend war und sowas berufsmäßig macht, meinte, ein solches Event auszurichten kostet etwa vierzigtausend Euro. Vierzigtausend Euro! Und das haben eine Handvoll Leute, zwei davon mittelhochschwanger, neben ihrem Leben und ihren Verpflichtungen für uns arrangiert! Für uns! Damit wir einen unvergesslichen Tag erleben! Nur wir.

Denn keiner von den Veranstaltern hat an diesem Tag Zeit für ein gemütliches Beisammensitzen am Kaffeetisch gehabt. Sie sind umhergewuselt, haben moderiert, interveniert, organisiert, Garderobenservice betrieben. Sind von den frühen Morgenstunden bis spät in die Nacht damit beschäftigt gewesen, dass ein jede(r) mit diesem Gefühl des Beschenktseins nach Hause geht. Dass wir alle, die wir dagewesen sind, einhellig der Meinung sind: Dieser Tag war ein Knaller!

Warum macht man sowas? Damit der Name im Internet steht? Für Ruhm? Für Geld schon gleich gar nicht. Aus Liebe? Vermutlich aus Liebe. Aus Liebe zu uns, aus Liebe zu dem Gedanken hinter #blogfamilia. Nichts anderes außer Liebe lässt Menschen derartige Verrücktheiten ohne eigenen persönlichen Mehrwert machen.

Ich wünschte, sie alle könnten morgen auf ein Event wie unsere Blogfamilia gehen, das eigens für sie organisiert wurde. Ich wünschte, ich könnte „Danke!“ sagen.

Mir fehlen ja selten die Worte, aber angemessene Worte des Dankes für dieses unglaubliche Orgateam zu finden, fällt mir schwer. Alles was ich schreiben könnte ist zu wenig. Ich wünschte, wir könnten alle aufstehen und für euch singen. Alu, Bella, Konsti, Thomas, Janni, Christian, …

(Es gab nichts mit Schwestern und Brüdern!)

Ich könnte noch jede Menge über das wirklich bunte und breit gefächerte Angebot an Vorträgen schreiben und über die charismatischen Speaker, die lustigen und lehrreichen Beiträge, aber das haben schon ganz viele Kollegen gemacht und sicher auch schönere Bilder! Ich bitte euch und lade euch ein, (hier entlang), auf der Blogfamilia-Seite die verlinkten Beiträge und Berichte der anderen Teilnehmer zu besuchen.

Das war der letzte Teil meiner Blogfamilia-Trilogie und ich freue mich auf die vertrauten und neuen Gesichter im nächsten Jahr. Auf ein Wiedersehen. Auf Wiedersehen bei der #blogfamilia!

#blogfamilia Teil 2 – Die Familienbloggerfamilie

„Wie ist das eigentlich, erkennt ihr euch oder habt ihr alle Namensschilder um? Wie muss ich mir das vorstellen?“, fragt der Nachbar beim Grillen.

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Hm, ich habe mich nie gefragt, wie sich das so für euch darstellt. Da sieht man dann Fotos bei Instagram oder Facebook, wo sie die Köpfe zusammenstecken, diese Elternblogger. Aber wie finden die sich? Und wie kommen die in Kontakt? Gibts da ne Vorstellungsrunde wo jeder sagt, wer er ist?

Nein. Die braucht es nicht. Und ja, wir erkennen uns und ja, wir tragen Namensschilder! (guck mal auf das Bild rechts)

Viele der schreibenden Eltern erkennt man sowieso, wenn sie Fotos von sich auf ihren Blogs haben und manchmal stolpert man auch auf ein Namensschild zu: „Du bist das Gesicht hinter Glücklich scheitern?! Wie schön, dich kennenzulernen!“.

Wie auch im letzten Jahr bin ich zutiefst beeindruckt, wie spontan und herzlich aufeinander zugegangen wird. Niemand steht allein, überall Grüppchen lachender, sich in inniger Zugewandtheit miteinander unterhaltender Menschen, die sich oft nur wenige Minuten vorher kennengelernt haben. Doch stopp, ist das so?

Vielleicht ist das das Geheimnis. Selbst wenn du den Menschen hinter dem Blog zum ersten Mal siehst, hast du ja bereits ein „Bild“ von ihm, weißt über viele seiner Ansichten und Erlebnisse das, was er davon preisgeben wollte. Ist er dir nah auf eine vertraute Art. Und gerade wenn man über „Familie“ schreibt, macht jeder Schreibende „auf“, lässt den Leser ein Stück weit teilhaben an seiner Gefühlswelt. Es gibt also schon eine Verbindung, bevor man diesen Schreibenden das erste mal in den Arm nimmt. Vielleicht fällt auch diese offene Herzlichkeit so leicht, wenn man im Gegenüber jemanden erkennt, dem man sich ebenso nah fühlt durch dessen Blog.IMG_1689

Und so ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass das Verblüffendste und gleichzeitig Normalste der Welt für mich das absolute Fehlen von Small Talk ist. Es gibt keine peinlichen Pausen, kein: „Und? Bei euch auch schönes Wetter?“. Jedes Gespräch, das ich geführt habe, hatte Themen und Inhalte. Wie unter langjährigen Freunden, die sich lange nicht gesehen haben.

Wir haben uns ausgetauscht, wo wer einen Schwangerschaftstest gemacht hat (Dominikanische Republik, Klo beim Zahnarzt), wo wer seinen späteren Mann kennengelernt hat (Paarship, bester Kumpel, Führerscheinnachschulung für alkoholauffällige Fahranfänger). Wir haben über die Besonderheiten der Kinder gesprochen, über Vereinbarkeit, Kinderkrankheiten, flatternde Nerven. Wir haben laut darüber nachgedacht, wie man die Besonderheiten im Leben mit pubertierenden Kindern vertexten kann, ohne diese bloßzustellen und dennoch einen informativen Mehrwert für den Leser bieten zu können. Es wurde über Lohnarbeit gesprochen, über ganz persönliche Belange. Eine bunte Bandbreite, ganz wie bei jedem anderen Treffen mit lieben Freunden, die Eltern sind, auch.

Dabei sind wir ein bunter, durchmischter Haufen, der unterschiedlicher kaum sein könnte! Von Mitte zwanzig bis Mitte Vierzig. Aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands und auch aus Österreich und der Schweiz. Groß, klein, füllig, drahtig, bunt, schwarzweiß, ernst und thematisch ausgerichtet oder lustig und mit hohem Spaßfaktor. Die einzige durchgängige Schnittmenge ist die Existenz von Kindern und einem Blog bei jedem von uns.

Und dennoch.

So viel Nähe.

So viel „Wir“.IMG_1705

Es wurden die Babybäuche bewundert, die im letzten Jahr noch nicht da waren. Nämlich zum Beispiel die von Alu, Susanne, Bettie, Jette.

Und es war schwer sich zu verabschieden! Carola mit ihrer unglaublich herzlichen und zugleich zarten Art. Feinfühlig und leise anstatt laut. Kerstin, in deren Schuhen ich nicht einen halben Tag bestehen würde und die so würdevoll und mit einer charmanten unkoketten Art von sich erzählt und trotz dreier Kleinkinder noch einen wachen Blick auf die Welt hat. Lisa, die mich vor Freude über unser Wiedersehen in die Luft gehoben hat! Verena, auf die ich mich so sehr gefreut hatte und die in echt genauso liebenswert wie ihr Blog ist. Die unverwechselbare und sagenhafte Béa. Silke, die mir mich mit ihrem Blog für junge Vierziger so anspricht. Anna, der ich mit geschlossenen Augen beim Vorlesen eines Telefonbuches lauschen könnte, weil sie nicht nur eine wunderbare schriftliche Erzählsprache hat, sondern auch verbal. Die unbeschreibliche Rike, die nicht nur wunderschön, sondern auch noch klug, witzig und herzlich ist! Anneliese, die nicht nur witzig kann, sondern auch kluge einfühlsame Worte findet jenseits von Pathos. Nadine, die mich mit ihrem Lachen und ihrer Herzlichkeit einfach über den Haufen gerannt hat. Head over heels… Mein persönliches Feuerwerk ist Nina gewesen. Sehnsüchtig wie es nur echte Fans können hatte ich mich auf sie gefreut und ich kann mir nicht vorstellen, dass es an diesem Tag auch nur einen einzigen Menschen gegeben hat, dessen Herz sie nicht im Sturm erobert hat! Und mit Krachbumm, Kapeng! Tschakkalakka, hier bin ich! Tusch und Applaus! Der Fanfarenchor: Bitte jetzt! Die Frau ist eine Naturgewalt in Elfengestalt. Ach, und meine „Die Eine“… Von der war der Abschied wieder am schwersten.

So viele tolle Menschen. Ich könnte unendlich weitermachen mit der Aufzählung!

Ich habe mich gefreut, Jessi, Sonja, Séverine, Alu und Konsti wiederzusehen und habe Liz, Nina, Vivi, Simone und JuSu vermisst. Besonders gefreut habe ich mich auf und über Doc Ghee von „Ich bin dein Vater“ und Christian vom Familienbetrieb, der für meinen Aufenthalt den Herbergsvater gespielt hat und in dessen Familie ich mich sofort adoptieren lassen würde.

Die Menschen waren das Beste, habe ich dem Nachbarn beim Grillen erzählt. Und wisst ihr warum? Sie sind wie ihre Blogs. Authentizität ist wohl oft ein Thema beim Bloggen. Die Blogger, mit denen ich mich unterhalten habe, habe ich alle „erkannt“.

Einhundertfünfundzwanzig Menschen haben sich getroffen auf der diesjährigen Blogfamilia und ganz viele werden mit neuen Freunden im Herzen nach Hause gefahren sein. So wie ich. Ich glaube, wir sind etwas besonderes. Wir schreiben nicht nur über Familie, wir sind Familie.

Von der Veranstaltung selbst erzähle ich euch morgen…

 

 

 

 

 

#blogfamilia Teil 1 – Berliner Gefühle

Gestern Abend fragen die Nachbarn beim Grillen: „Und? wie war´s in Berlin?“. Ich nicke. Und sage: „Ich will nicht drüber reden. Ich will das nicht teilen. Noch nicht. Nicht heute.“.

Ich bin noch voll Berlin…

In der vergangenen Woche hatte ich jeden Tag Migräne. Vierundzwanzig Stunden akut mit Doppelbildern, Übelkeit und Schwindel. Danach einen Tag mit diesem Katergefühl, wenn sie wieder abklingt. Und tags darauf ging das Spielchen wieder von vorn los. Ich habe mich gedopt, versucht zu schonen, hinterfragt. Stresst mich etwas? Was? Wie kann man das auflösen? Keine Ahnung.

Noch am Blogfamilia-Morgen schmiss ich mir Ibu´s rein und ließ mich zur Busstation fahren. Arschknapp, ohne Zahnbürste, dafür mit angemotzter Familie und einem Kerl, der mich darauf hinwies, dass wir superspät dran wären (was meine Schuld sei), und der dann trotzdem Umwege fuhr bis die in Berlin zu Erwartende dem Wahnsinn völlig anheimfiel und sich vor Wut auf dem Beifahrersitz gebährdete wie bei einer Teufelsaustreibung. (Weil, der kürzesten Weg, du, da sind die Straßen aber so schlecht. Da fahrn wir eben noch mal kurz zwölf Kilometer außen rum. Kann er ja nichts dafür, dass ich im Vorfeld so lange brauchte, um in die Hufe zu kommen.).

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Abgehetzter Berlin-Linienbus-Passagier mit Käsekuchen in der Tasche. Aber ohne Zahnbürste.

Ankunft Alexanderplatz. Hitze, laut, Menschenmassen, heiß, Gepäck schwer, welcher U-Bahn-Zugang?! Scheiße, Scheiße, keine Ahnung, keinen Plan. Gänge, Gänge, Gänge, Menschen, noch mehr Menschen, mein armer Kopf…

Dann verlaufen, Straße hoch, Straße runter, noch mal. Ich find das nicht! Ach doch, hier isses. Isses hier? Bin ich richtig? Diese irre große Stadt ist nichts für mich Provinzmädchen. Mensch, dieser Koffer! Treppen hoch. Ich bin bestimmt falsch. Hier isses nicht. Und der Schweiß läuft an mir runter! Am besten, ich dreh wieder um. Der Kuchen ist auch hinüber und überhaupt: Wer schleppt einen Kuchen nach Berlin?! Hallo? Was für ne saublöde Idee. Ach guck mal, da sind Leute… da vorn, die kenn ich doch…

Ich mag ja keine Menschenmassen. Menschenansammlungen größer drei Personen strapazieren mich. Ich fühle mich reizüberflutet, befürchte, im Gespräch die Hälfte nicht und die andere Hälfte falsch zu verstehen. Ich mag Menschen am liebsten in homöopathischen Dosen.

Dort anzukommen und sich in diese Menge zu mischen ist wie ins-Meer-gehen gewesen. Ein vorsichtiger Schritt, ein zweiter, und dann habe ich mich auf den Rücken geworfen und von den Wellen treiben lassen. Und alles war schön!

Alles war leicht. Alles freundlich, fröhlich, übermütig, glücklich. Unverkrampft. Ich entkrampfte auch. Schöne Menschen, echtes Lachen, warme Umarmungen und ein Gefühl von Angenommenheit schwabberten um mich herum. In den kommenden Stunden lachte ich laut und dreckig, haute mir auf die Schenkel, wuselte durch den Haufen und dachte keine Sekunde darüber nach, ob meine Art zu laut oder hektisch wirkte, mein Teint fettig glänzte oder meine Haare doof aussahen. Ach, und die Kopfschmerzen waren auch weg! Sieh an.

Nachts schlief ich in einem geliehenem Kinderzimmer mit Vorhängen voller wunderschöner grüner Tulpen und zum ersten Mal seit Jahren mit offenem Fenster. Morgens weckte mich das Rumpeln von Mülltonnen. Keine grölenden Besoffenen nachts, kein Verkehrslärm. Berlin, du sanfte Schlafhüterin.

Morgens der Blick in so herzliche Berliner Gesichter und ein wunderbares Frühstück und ein viel zu kurzes Berliner Frühstücksgespräch. Warmer Kaffee, warme Athmosphäre, keine Hektik. Nur Sein. Pur. Echt und unverstellt. Ich will nicht gehen! Ich will auch Berlin sein…

Ich muss gehen. Auf dem Weg zurück zur Location des Vortages sitzen die Gestalten der Nacht müde blinzelnd in der Morgensonne, während ich einen Cappuchino und ein warmes Vanillecroissant ordere. Beides schmeckt wie eine Offenbahrung. Wie das Frühstück nach einer unglaublichen Liebesnacht.

Ich sitze den Vormittag in der Sonne und beobachte schöne Menschen, die in der schönen Berliner Sonne flanieren. Ich strecke die Beine aus und rauche und fühle mich gelassen und friedlich und entspannt wie seit langem nicht.

Irgendwann komme ich mit einer Veranstalterin vor Ort ins Gespräch. Immer wieder wandern meine Blicke an dieser wunderbunten Frau entlang. Tättowierungen in allen Farben des Regenbogens, ein Rockabilly-Kleid, blauschwarz gefärbte Helmfrisur und ein wilder Lidstrich. „Ich muss sie immerzu ansehen. Sie sind wunderschön! Und dieses Kleid…“, bricht es wahrheitsgemäß aus mir heraus. Sie sieht mich liebevoll an. Sie ist Berlin. In Dresden bin ich mit sechsundvierzig Jahren zu alt für Miniröcke und Kirschohrringe, egal, wie jung mein Mädchenherz und meine Seele sind. Und hier in Berlin steht diese bunte zauberhafte Frau vor mir, mit unschätzbarem Alter zwischen vierzig und sechzig und zeigt der Welt einfach ihre junge, bunte Seele.

Ich will nicht fahren.

Als der Bus heimwärts an der Berliner Mauer entlang fährt, denke ich über Mauern nach. Echte, gefühlte. Mauern im kopf, im Denken. Und über die wunderbaren Dinge, die passieren können, wenn sie fallen, die Mauern. IMG_1691

Berlin, du Lehrmeisterin!

Daheim stehe ich an der Straßenbahn und sehe missmutige Menschen mit Bierflaschen als Accessoires in der Hand. Und unfreundlichen Gesichtern. Die sind eindeutig nicht Berlin!

Am nächsten Morgen schneidet mir ein Mann beim Aldi die Vorfahrt, rennt vor meinen vollen Einkaufswagen und bleibt aprupt davor stehen um sich irgendein Obst anzuschauen. „Boar, Mann, ey! Kommst du klar?!“, schnauze ich den an. Ich bin unentspannt. Ich bin nicht Berlin…

Ich will mir das Gefühl erhalten, mich erinnern. Ich will ein bisschen Berlin bleiben. Und das mit den Mauern… wichtig.

Berlin, Berlin!

„Was war das Schönste dort auf dieser Veranstaltung?“, fragt der Nachbar beim Grillen. „Die Menschen!“, antworte ich sofort.

Und von denen erzähle ich euch morgen…

 

 

 

 

 

 

 

Unklare Anforderungsspezifikation

Im Gartenhaus:

Der Blondino klettert auf die Couch und springt herunter. Immer wieder. Da es Zeit ist, zu gehen, sage ich: „Nur noch ein letztes Mal!“. Er macht munter weiter und zählt: „Ein letzte, swei letzte, krei letzte…“.

Fotoalbum

Vorhin kam eine Nachricht. Von einer Freundin, die mir auch das Internet geschenkt hat, dieses wunderbare Netz der Liebe. Sie schreibt, dass sie noch immer an Jessica denken muss und dass es auf dem Blog aussehe, als sei sie noch da. Dass jeder einen Blog haben sollte, das sei wie ein Fotoalbum, das niemals verblasst.

Das niemals verblasst. Ein Tagebuch, das keine brüchigen Seiten bekommt. Gefühle, für immer festgehalten. Etwas, das hilft sich zu erinnern. Eine schöne Idee. Und deshalb schreibe ich heute wieder einen Eintrag für mein ganz eigenes Fotoalbum. Auch, damit ich mich selbst erinnern kann. Später.

Das Kleinkind der Nieselpriems hat viele Namen: Blondino, Babylino, Süßilein, Spatzl, Matzl, Rabauke, Frechdachs, Halunke, Tschürtschl (von Churchill, lange Geschichte), Kanaille, Schlawiner. Er ist nach wie vor Sinnstifter, großes Glück und konstanter Schlaf- und Nervenräuber seiner Fans in dieser Familie. Am heutigen Tag ist er zwei Jahre, sieben Monate und zweiundzwanzig Tage bei uns.

Er isst gerne Rollbrätze (rote Grütze), Reibebeeren (Heidelbeeren) und Fsalis! Sagt erstaunlich oft: „Meckt niss! Iss ess das niss! Iss ess Logurt. Gut.“. Er isst viel Joghurt.

Fragt man ihn, was es in der Kita zum Mittag gegeben hat, erfährt man, es gibt dort jeden Tag: „Schnitte!“ (vermutlich essen die Kita-Tanten den Kindern das gute Bio-Essen weg).

Das Kind kann alle Farben benennen inklusive Rosa, Grau und „Urantsch“.

Er zählt fehlerfrei bis elf und ruft im Anschluss sich laut beklatschend „Applaus!“. Er wird mal Artist. Oder Clown. Jedenfalls Zirkus.

Motiviert sich bei allem möglichen mit: „Gleich geschafft, Glasse, iss mass das super!“. Vielleicht wird er auch Motivationscoach.

Will ständig wie eine Katze gekrault werden und wirft sich zu diesem Zwecke bäuchlings auf einen. Wird am liebsten mit einer Stoffwindel gestreichelt. „Mama, schön!“. Na, gern geschehen. Auf jeden Fall wird er ein Genießer!

Ausufernde Restaurationsbemühungen wie Schlammmasken, Haarkuren auf dem mütterlichen Kopf oder Waigelsche Augenbrauen aufgrund von Augenbrauenfarbe drauf honoriert er anerkennend: „Sieht guul aus!“.

Lieblingsbeschäftigungen: Automatische Türen öffnen, Fahrstuhl fahren (hat ne automatische Tür), Zug fahren (wenn es zum Bahnsteig einen Fahrstuhl gibt mit automatischer Tür), Flughafen (Da gibts einen Haufen Fahrstühle!). Auf dem Hauptbahnhof ist das Kind schon bekannt und ungern gesehener Gast, steht er doch stundenlang in  den Geschäften rum, um dann gegen die sich schließenden Tür zu rennen. Was für ein Spaß! Besonders für die Angestellten. Besonders an zugigen Tagen. Egal, wo wir sind, gibt es dort eine Tür, ist die der Hit. Tür auf, Tür zu. Repeat.

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Er klettert auch alleine aus seinem Bett und sieht in seinem Schlafsack und mit Nunni im Mund aus wie eine Kreuzung aus einer Meerjungfrau und Maggie Simpson und berichtet stets stolz, dass er ganz alleine rausgekommen sei! Und will dafür selbstverständlich gelobt werden!

"Isch iss leine rausgekommt!"

„Isch iss leine rausgekommt!“

…Wenn man ihn dann in sein Bett zurückverfrachtet, verhandelt er jovial: „Mami masst Kaffee, dann auftehn und pieln, ogee?!“. Nein, nicht okay, nicht morgens um drei!

Prinzipiell ist Schlafen nicht die Kernkompetenz des Blondinos. Falls er tatsächlich mal nicht um zwei, um drei, halb fünf wach wird um Milch einzufordern, torkele ich wie besoffen im Flur herum und bin nicht sicher, ob er noch lebt. Ich kann schon nicht mehr schlafen, selbst wenn er denn schläft. Tscha, Sellerie! Wie die Vegetarier so sagen…

Das Kind liebt Kuscheltiere heiß und innig, was neu für mich ist, da sein Bruder keine abstrakte Beziehung zu Spielzeug aufbauen konnte. Des Kleinchens Lieblingsteil ist eine Plüschwolke, ein Kissen von Ikea, dass ihm die Gretel mal geschenkt hat. Gülbi heißt die und wird morgens geküsst und fröhlich begrüßt: „Alles dlar, Gülbi? Guggeschlafen? (Kussi) Alles guuut! (Kussi) Gema heute nisch Arzt!“. Schon wieder gibts Küsse. Niemand von uns wird so liebevoll begrüßt wie die Gülbi.

Außer der Gülbi gibts noch eine Windelmarotte. Als der Neue bei uns einzog, legte ich ihm stets eine Kuschelwindel mit ins Körbchen, genau wie bei seinem Bruder. Und Kuschelwindel muss immer noch sein! Nun dachte ich Beschränkte (Ich Kloppholz!), damit wäre ich immer auf der sicheren Seite und fernab von Beschaffungsengpässen, die Eltern kennen, wenn ein Kind sich an ein bestimmtes Häschen, Hündchen, irgendein Objekt, hängt. Stoffwindeln gibts schließlich im Zehnerpack und alle sehen gleich aus. Pah, ich Idiotin! Natürlich nicht! Die Windeln werden befummelt und dann weggeworfen mit dem Befehl: „Ander Mindel! ANDER MINDEL!!!“, bis der Gnädige dann nach Befühlen der zehnten Stoffwindel zufriedengestellt ist. Mann, Mann, Mann…

Das Kind ist ein wahres Aprilköpfchen und springt „aus dem Stand“, wie ich gern sage. Knallt sich beim Wüten die Rübe an Tischkanten, pfeffert sich mit Schmackes gegen Wände, kracht sich wie ein Baby-Wrestler auf einen imaginären am Boden Liegenden… brüllend wie ein Berserker. Weil die Socke rutscht, das Unterhemd aus der Hose hängt oder der Apfel zu klein geschnitten ist. Ihr kennt das alle… Zweijährige eben.

Trotz allem ist er nach wie vor das größte Geschenk, das uns gemacht werden konnte. Uns dreien. Besonders für den Großen ist es eine unschätzbare Erfahrung und ein ganz tolles Erlebnis, mit diesem Menschlein zu leben. Das hätten wir nie gedacht und zu sehen, wie sehr der an ihm hängt und wie wunderbar sanft und nachgiebig er mit ihm umgeht, lässt mein Herz oft überlaufen. Ich bin so stolz, wie er das macht und wie viel er von und mit diesem Winzling lernt.

Vorsicht ist trotzdem geboten. Asperger Autisten wird oft nachgesagt, dass sie Situationen und Gefahren nicht adäquat einschätzen können und so habe ich auch ein Erlebnis zu verdauen, das noch nachhallt. Ich nenne es „die Michael-Jackson-Nummer“. Der Große hielt den Kleinen einmal aus dem geöffneten Fenster, damit dieser das Müllauto unten auf der Straße besser sehen kann. Wir wohnen in der zweiten Etage.

Wie auch immer, beide Kinder sind die Musik meines Lebens. Der eine ein rockiger Lovesong, der andere im Moment ein Schlaflied. Schön klingen sie beide. Wunderschön.  🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Blumen für…

Ich liege im Bett und scrolle mich durch die Leseempfehlungen bei Bloglovin´. Rezepte, Restaurationsanleitungen für Gesicht und Möbel, Nähen, Häkeln, Stricken.

„Ich wäre gern noch geblieben“, eine Überschrift hält mein Auge fest und ich denke, ach guck, ein Reisebericht vielleicht! Ich erkenne die Frau auf dem Foto als die Jessica von schoenstricken und denke im ersten Moment nur, dass sie sehr jung wirkt auf dem Foto…

„…Danke für all die Liebe…“. Immer wieder lese ich den kleinen Text, unfähig zu begreifen, was dort steht.

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Das Leben ist nicht fair und das Schicksal ein mieser Verräter.

Du hast mich so oft inspiriert. Die schlichte Kissenhülle, ein Untersetzer mit Lederschlaufe. Coole Ideen für Leute ohne Häkeldiplom und fernab von jeder Piefigkeit, die Handarbeiten gern nachgesagt wird, konnte man bei dir finden.

Krankheiten machen nicht halt vor jungen Frauen. Vor Müttern mit kleinen Kindern. Vor Bloggern. All das warst du, bist du.

Auf dem Blog lachst du noch immer, begrüßt du mich fröhlich. Und auf so vielen Seiten dein strahlendes Gesicht!  Oft mit einer farbenfrohen Mütze, die ich für eine Attitüde hielt. Ich habe beim Lesen nicht geahnt, wie sehr du fernab der Tastatur gekämpft hast.

Ich habe es nicht gewusst. Ich habe nicht gewusst, dass ich keine Zeit haben werde, danke zu sagen. Dass JETZT stets der beste Augenblick gewesen wäre, einen netten Gruß zu hinterlassen, um dir zu sagen, wie viel Freude du mir machst mit dem was du machst. Ich habe es dir nie geschrieben.

Wann habe ich das letzte Mal meine Blümchen verschenkt? Warum ist das so lange her? Weil ich mit mir selbst beschäftigt war? Weil ich mich zu sehr um mich, die meinen und meinen Mikrokosmos gedreht habe?

Ich habe dir ein Blümchen gehäkelt. Also ich habe es versucht. Vermutlich wirst du über das Ergebnis schallend lachen und dieser Gedanke gefällt mir.

Jessica, du wirst hier fehlen. Auch mir. ❤

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Systemfehler

„Supporthotline, was kann ich für sie tun?“

„Ja, hallo, ich rufe an, weil ich eines meiner laufenden Syteme downgraden will.“

„Downgraden? Um welches System handelt es sich?“

„Das Model K.I.N.D.!“

„Welche Version?“

„Ach so, K31M. Ich hätte gern die achtzehner Version wieder oder besser noch setzen sie auf die sechser Version zurück!“

„Da muss ich sie enttäuschen. Das Modell K.I.N.D. ist nicht downgradfähig. Die automatischen Updates und Upgrades sind vorinstalliert. Was gibt es denn für Probleme?“

„Es ist nur bedingt netzwerkfähig. Brüllt, mault und wirft Fehlermeldungen aus.“

„Welche?“

„Du nich! Mama weg! Du mass gar nüscht! Nein! Neiiiin!“

„Hm.“

„Nach allem, was ich weiß, sollte eine Sytemintegration schon möglich sein mit dieser Version. Ich habe ja auch noch K15.9J hier laufen und M38J, da muss sich das K31M integrieren lassen. Macht er aber nicht. Will immer stand-alone laufen! Will ständig gewartet werden! Ständig Fehlermeldungen! Geht prinzipiell nur in Gummistiefeln aus dem Haus, außer im Winter. Da will er mit Filzpantoffeln und Schneeanzug raus. Fährt nachts alle zwei bis vier Stunden hoch. Lässt sich den Nunni nicht ab- und den Topf nicht angewöhnen. Haut, beißt, stampft und lacht darüber!“

„In den höheren Versionen ab K3J tritt dieses Problem in der Regel nicht mehr auf. Zum Beispiel die Fiese Windelschraube oder die Überhitzung in Einkaufszentren und bei Menschenansammlungen sind typisch für die vierundzwanziger bis dreißiger Versionen. Da brauchen sie nur ein wenig Geduld!“

„Dann ist der ständig von Viren befallen! Also permanent! Seit einem halben Jahr rotzt der, durchsetzt von Magen-Darm, Augen- und Hautentzündungen, Fieberschüben und wissen sie was? Jetzt hat der auch noch Heuschnupfen! Wussten sie, dass sowas in der Version auftreten kann? Das ist doch ein klassischer Bug! Der kann nicht mal schnäuzen und sondert Myriaden von Schleimbolzen ab, die aussehen wie Nacktschneckenbabies! Wissen sie, wie eklig das ist? Und dann kriegt der keine Luft und heult und brüllt verständlicherweise andauernd. Soll das jetzt so weitergehen? Herbst und Winter Viren und im Frühjahr dann Heuschnupfen?! Was kommt im Sommer? Sommergrippe? Der ist doch kaputt! Das kann doch nicht so vom Hersteller vorgesehen sein!“

„Dafür gibts Wartungsverträge mit ihrer Krankenkasse.“

„Meinen sie die zwanzig Tage bezahlte Systemwartung pro Jahr? Die haben wir schon bis zum März vollständig verbraucht! Das ist ein Witz. Ich sage ja, der ist kaputt! In den niedrigeren Versionen war der nicht so anfällig!“

„Aha. Aha.“

„Wie, aha aha?! Mehr fällt ihnen nicht ein?!“

„Doch, mir fällt eine Menge ein. In erster Linie ist ihr K31M ein hochsensibles, selbstlernendes System, das auch nur das wiedergeben und verarbeiten kann, was sie einspeisen. Wirft möglicherweise Fehlermeldungen aus, weil die Systemlandschaft Konfigurationsfehler aufweist. Vielleicht sollten sie diesem Gedanken Raum geben. Das wäre mein Rat.“

„Na, vielen Dank!“

„Bitte, gern geschehen. Gehen sie auf Augenhöhe mit ihrem System. Sprechen sie über ihre Wünsche, ihre Anliegen, ihre Gefühle…“

„Hören sie mal, für so´nen Scheiß werden sie bezahlt, ja? Ich spreche doch nicht mit dem K31M über meine Gefühle! Das kann der doch überhaupt nicht verarbeiten! Wie gesagt, komplexe Systemlandschaft, mannigfaltige Anforderungen, der muss irgendwie laufen! Klappt doch bei allen anderen auch!“

(murmelt) „Na ja. Wenn das so wäre, wäre ich arbeitslos.“

„Wie bitte?“

„Nichts. Welche Nutzerhandbücher haben sie gelesen?“

„Gar keins! Das ist doch Schwachsinn! Alle drei Jahre wird alles übern Haufen geschmissen und der neueste aktuellste Stand des Irrtums als Ambrosia unters Volk geworfen!“

„Ich verstehe sie, das können sie mir glauben. Gerade in meinem Job ist es schwer, sich alle zwei Wochen ein neues Nutzerhandbuch einzuverleiben und dann noch auf dem Stand zu bleiben. Aber das kann auch für sie eine Möglichkeit sein! Schreiben sie über ihre Erfahrungen einfach auch ein Nutzerhandbuch. Wissen sie, ich denke, so läuft das. Jemand hat zum Beispiel keine Lust, viermal in der Nacht aufzustehen und legt das System zu sich. Im Nachgang schreibt er ein Nutzerhandbuch und proklamiert das Familienbett!“

„Also hören sie mal, so ist das ganz sicher nicht gewesen!“

„…Oder hat keine Lust, tausend Euro für einen Kinderwagen auszugeben, schnürt das System bis zum Eintritt der Geschlechtsreife in eine zerschnittenen Hängematte ein und hängt sich´s quer über den Rücken…“

„Was erzählen sie denn da?! Ist das ihr Ernst?!“

„Na, was glauben sie denn, woher diese ganzen fucking manuals kommen? Aus dem universitären Umfeld? Und ich muss die Scheiße lesen! Alles! Damit ich hier in diesem Drecks-Callcenter Anwenderschulungen und first level support machen darf! Fragt mich jemand? Nein!“

„Also ich glaube, sie haben mir für heute genug geholfen.“

„Nein, wir sind hier noch nicht fertig! Jetzt sage ich ihnen mal meine Meinung! Jeden Tag rufen hier rund um die Uhr solche unfähigen User an und kauen mir ein Ohr ab…“

„Ja, danke, gute Besserung und guten Tag! Ich muss jetzt leider weg.“

„Hallo? Sind sie noch dran? Teilnehmer? Einfach aufgelegt… unfassbar. Ich glaube, ich kündige!“

 

 

Systemlandschaft (Teilansicht)

K31M und M38J. Nicht im Bild K15.9J und das auslaufenden Altmodell F46J

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Feuchte Gedanken

Alles fing damit an, dass ich gestern faul auf der Couch rumsumpfte und mir Kinderriegel einverleibte, während die Jungs sich umzogen um zum wochenendlichen Läufchen zu starten. Nö, ich würde morgen laufen! Sprachs und wickelte den nächsten Riegel aus…

Morgen kam und bis dahin hatte es einen Abend und eine ganze Nacht lang geregnet, geschifft, geschüttet wie aus Eimern.

Nun ist es mit dem Schweinehund wie mit den Kindern: Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz! Nicht, dass ich mich damit auskennen würde, oh nein! Aber der Bärtige selbstverständlich. Und in Oberlehrermanier erinnerte er mich freundlich an meinen Voratz.

Sonntags widerspricht man dem besser nicht.

dieser Weg wird ein feuchter sein

dieser Weg wird ein feuchter sein

Er hängte mir dann zu „Testzwecken“ noch einen ollen Klunker um, so´n Trackingteil, damit ich mal meinen Lauf dokumentieren könnte. (Siehe oben: Sonntags widerspricht man dem besser nicht.) In echt wollte er mich nur kontrollieren, damit ich nicht fröhlich singend Blümchen am Elbestrand pflücke bis es Zeit ist, wieder den Heimweg anzutreten.

Der Weg räkelte sich feucht glänzend und vor Vorfreude schmatzend vor mir und ja, das war genauso eklig, wie es hier jetzt klingt. Pitsch! Plitsch! Platsch! Innerhalb weniger Minuten hatte ich klitschnasse Füße. Bei acht Grad Außentemperatur. Ich versuchte, den Pfützen auszuweichen und sprang wie ein mental instabiler Geißbock hin und her. Natürlich half das kein bisschen!

Beim Blick auf den Kontrolletti sah ich, dass ich schon knapp vier Kilometer geschafft hatte. In mehr als dreißig Minuten. Nur Spaziergänger sind langsamer! Also langsame Spaziergänger.

Dann hatte ich es.

Nach Slow Food und Slow Travel würde ich jetzt mit „Slow Laufing“ eine neue Bewegung starten! Wir würden so langsam rennen, nur die „SMR-Bewegung“ (Senioren mit Rollatoren) wäre langsamer als wir. Schwitzen, Keuchen, Fiepen, Japsen, Stöhnen gehört ab sofort der Vegangenheit an. Mit Slow Laufing verläuft keine Wimperntusche und kein Puls überschlägt sich. Notfalls kann man dabei ein Stück Sahnetorte essen. Mit Gäbelchen selbstverständlich. Hach, das wird ganz und gar großartig!

(Ich spinnte mir was zusammen während ich einfach rannte. Die nassen Füße merkte schon lange nicht mehr und galoppierte auf meinem geflügeten Fantasieeinhorn auf und davon, während ich pitsch, plitsch, platsch Meter machte.)

Und weil ja so eine Bewegung „ganzheitlich“ sein muss, gehört zu Slow Laufing natürlich auch ein Ernährungskonzept! Ja, eigentlich bin ich selbst schon seit Jahren der beste Beweis, dass Zucker, Fett und Kohlehydrate gar nicht dick machen! Mann muss sie nur in einer konsequenten Trennkost zu sich sich nehmen. Meint, also sich von allem trennen, was nicht aus der Kombination Kohlenhydrate plus Zucker plus Fett besteht. Wir Slow Laufer würden uns von Kuchen, Torten, Süßigkeiten und Schokolade ernähren. Zum Nachtisch gibts Eis. Warme Speisen zur Auswahl sind Milchreis und Griesbrei mit einem See aus brauner Butter und einer dicken Kruste aus Zimtzucker. Oder Quarkkeulchen, Reibekuchen mit Zucker und Apfelmus und alle Knödel-, Kloß- und Ofenschlupfergerichte, die man mit Kompott servieren kann. An einem Tag in der Woche ist auch Gemüse erlaubt. Mit ordentlich Sauce Hollandaise obendrüber! Wer mit der Verdauung Probleme bekommt, kann mit Studentenfutter gegensteuern, allerdings sollte da auch auf eine Mischung von herkömmlichem Studentenfutter und schokolierten Rosinen und Nüssen geachtet werden. Salat gibts nicht! Slow Laufer essen kein rohes Gras. Außer, du bist im falschen Körper geboren und fühlst dich eher als Paarhufer, dann – Mäh! – lass es dir schmecken. Wir Slow Laufer schließen niemanden aus, schon gar nicht aufgrund einer Identitätsverdingsung. Obst geht. Also gekocht als Kompotte, Aufstriche und Konfitüren sowieso. Manchmal auch roh. Zum Beispiel als Füllung in einer Pavlova aus vierundzwanzig Eiweiß, anderthalb Kilo Zucker und auf einem Bett aus zwei Litern vanilliger Schlagsahne ergeben zwei Kilo Erdbeeren eine ausgewogenen Ernährung. Trinken ist natürlich auch sehr wichtig! Du kannst alles trinken, wobei Bellinis, Latte Macchiato mit Karamellsirup und heißer Schokolade mit Zimt je nach Tageszeit stets der Vorrang gegeben werden sollte. Einmal in der Woche dann gemütlich eine bis zwei Stunden raus zum Slow Laufing, schließlich sind wir eine „Bewegung“! Wir bewegen nicht nur was, sondern auch uns. Aber immer schön entspannt. Wenn Du unterwegs Blumen pflücken willst oder Fotos von einem Marienkäfer machen, dann wird das von der Slow Laufing Bewegung vollstens unterstützt! Eine Bewegung, die auch den Schöngeist anregen soll, das wollen wir sein. Wenn wir dann reinkommen vom Bewegen wird erst mal in der Badewanne nach Ernährungskonzept geschlemmt. Dann entspannen auf der Couch oder Chaiselonge oder was so rumsteht. Ist ein livrierter Diener zur Hand (ein Ehemann geht auch), dann sollte der aus Gründen der Gesundheit alle exponierten Körperteile des Slow Laufers massieren und ölen. Ich denke auch, es wird Überschneidungen geben mit „Slow Working“ und „Sleep longer“, zwei Lebenskonzepten, die sich wunderbar mit Slow Laufing verheiraten lassen! Hach, wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich gleich an dem Konzept feilen! Und dann einen Blog und einen Shop launchen, ein Forum eröffnen, Merch designen, einen Buchvertrag unterschreiben, ach was, drei, und dann im Frühstücksfernsehen auftreten! Leute, wird das aufregend! Kochbücher muss ich konzipieren! Scheiße, ich muss los. Das macht sich schließlich nicht von alleine…

Später wird der Bärtige den Kontrolletti stirnrunzelnd begutachten und bemerken, dass ich ab Kilometer sieben immer schneller geworden sei und sowas hätte er ja noch nie erlebt.

Tja! Wer auf dem Einhorn reitet, dem wachsen Flügel. 🙂

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Hausbesuch

IMG_1217Kommt rein, kommt rein!

(singt schief: „Welcome to my house. Baby, take control now. We can even slow down. We don´t have to gohohout…“ Okay, fertig, ihr könnt die Hände wieder von den Ohren nehmen.)

Jetzt kennen wir uns schon zwei Jahre, da wird es Zeit, dass ihr mal zu Besuch kommt. Schön, dass es heute klappt. 🙂IMG_1216Im Hausflur seht ihr schon mal, dass ich überall Chichi hinstellen muss, selbst vor die augenkrebsigste Wand. Für die Farbe bin ich im übrigen nicht verantwortlich zu machen.

Hier, immer links rum den Flur entlang…

IMG_1251IMG_1211 IMG_1213 IMG_1214 IMG_1215 IMG_1212Der Hase ist natürlich nicht von Dürer, sondern vom Trödel. Meine Flur-„Galerie“ wird immer mal geändert. Im Winter hängen da ganz andere Bilder. Den Osterhasi hat das Großkind mal während seiner Grundschulzeit gebastelt.

Der Hirsch hier gehört eigentlich noch zur Winterdeko. Aber der bleibt, weil der Bärtige den so sehr hasst, dass er ihn „aus Versehen“ runtergeschmissen hat und ich dem armen Viech einen Geweihast (oder wie das Ding heißt) ankleben musste. Zur Strafe bleibt er jetzt für immer hier hängen!

IMG_1218Links rum gehts in die Küche. Überall hängt hier Zeug! Man kann kaum treten. Passt auf, dass ihr nicht irgendwo mit der Frisur hängenbleibt…

IMG_1243 IMG_1242 IMG_1247 IMG_1248Woraus „Friede, Freude, Eierkuchen“ bei uns gekocht wird, sieht man. Alles voller E-Stoffe! Und sogar Tütenmilchreis! IMG_1209 IMG_1208Ich habe Tee gekocht. Hier bitte. Roibusch mit Sanddorn und Karamell. Mag ich ja alles drei´s. Wenn es Roibusch mit Sanddornkaramellquarkbaiserkuchengeschmack gäbe, ich würde den Scheiß koofen!

IMG_1269Ach kommt, wir gehen rüber ins Wohnzimmer, da ist es nicht so rumpelig.

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IMG_1225Ich weiß nicht mehr, wohin mit den ganzen Deko-Zeitungen und denen mit „Land“ oder „Landhaus“ im Namen. Die stapeln sich sogar unter Schränken… Die alte Anlage muss aus nostalgischen Gründen bleiben, obwohl wir ja Internetradio haben. Ich will auch nicht, dass der Videorekoreder verschwindet. Oder das Kassettendeck! Ja, wir haben MCs. Mit Wu-Tang Clan drauf. Zum Beispiel. 🙂IMG_1224 IMG_1223Das Foto ist wegen der „Authenziziziztät“ dabei. Staub und Wasserflecken. IMG_1222 IMG_1220

IMG_1219Die beiden linken Fotos sind vom Großkind. Rechts der Blondino mit sechs Monaten.

Kommt mal her, ich zeig euch was. Ich sammle alte Kinderbücher. Wusstet ihr das? Irgendwas sammelt schließlich jeder. Also ich sammle ja eigentlich nicht nur alte Kinderbücher, sondern auch so manch anderen alten Kram (eigentlich alles, was alt ist; außer alte Männer). Aber eben auch alte Kinderbücher. DDR-Kinderbuchverlag oder was aus den Bruderstaaten Polen, Rumänien usw. so rüberkam. Natürlich kriegt die keiner von den Jungs in die Hand. Das sind meine. Die dürfen nur von weitem gucken!

Ich mag nicht nur die für heutige Ohren seltsame Erzählweise, sondern besonders die Illustrationen.

IMG_1231 IMG_1230 IMG_1229 IMG_1228(Ja, dieses Foto hier unten ist gelbstichig und nein, ich habe keine Lust, das jetzt neu zu machen oder zu bearbeiten. Ich habe schließlich Besuch!)IMG_1227Guckt mal, ein Bastelbuch aus dem „Werken“-Unterricht der Siebzigerjahre. Da steht zum Beispiel drin, wie man Bucheinbände klebt oder Ölpapier selber macht. Ach Mensch, das waren noch Zeiten! Irgendwann wird das bestimmt wieder Trend… ich hab dann schon mal ein „Tutorial“.

IMG_1232 IMG_1234 IMG_1233 IMG_1235Ach guck, das erste Kunstwerk vom Kleinsten. Schön, nicht? Ich hatte in der letzten Wohnung den halben Flur mit gerahmten Bildern des Großkindes vollgehangen. Ich liebe die noch immer, aber dem Kind ist es peinlich. Deshalb kann ich die erst wieder aufhängen, wenn der ausgezogen ist. Und warte nun, dass der nächste Künstler mich beschenkt in der Zwischenzeit.

IMG_1238Kinder, wie die Zeit rennt! Mensch, morgen gehts in den Osterurlaub und ich muss noch packen. Das wird ein Spaß! Vermutlich brüllen wir uns wieder an und einer von uns will dann nicht mitfahren. So ist das immer. Soll ich euch mal was zeigen? Hier guckt mal, das muss ich heute Abend noch verpacken zu Osternestern.

IMG_1263Was das alles ist? Naschzeug für vier Kinder. Ja, ich weiß, das müssen die Google Play Karten sein, die den Beutel so voll machen! Immer denke ich, machste mal nicht so viel. Kaufste mal nur das Nötigste. Was Kleines. Und dann kauf ich was Kleines und dann sieht das so aus!

Der Bärtige hatte eine Oma, immer wenn der die besuchte, standen im Flur Wäschekörbe (Plural) mit Keksen, Süßigkeiten, Bonbons, Schokoladentafeln im Zehnerpack, mehrere Kuchen, das er alles mitnehmen musste nach Hause! Wirklich wahr. Körbe voller Süßkram. Und mehrer Pakete Kaffee für seine Mutti. Und Pralinen. Und Schnaps. Ich fürchte ja ein bisschen, meine Enkel kriegen auch so eine Oma…

Aber weil wir schon mal hier sind, zeig ich euch noch was.

IMG_1264Guckt mal, mein erster Kuss! Das war bei meiner Oma und der stürmische Küsser ist mein drei Monate älterer Cousin 🙂 Äh ja, ich sitze auf dem Topf…IMG_1265Topf! Gutes Thema. Hier rum gehts ins Bad. Da sehen wir gleich die allernutzlosesten Dinge in diesem Raum. Tadaaa! Nein, benutzt hier niemand. Wird noch Thema hier auf dem Blog sein. Aber ich bin guter Dinge, bis zur Einschulung sind doch die meisten trocken, oder?!

IMG_1246 IMG_1245 IMG_1244So. Zeit, sich zu versabschieden für heute. Leider leider. Es wird ja auch schon wieder dunkel.

Morgen gehts also für ein paar Tage ins netzfreie Oster-Erholungs-Gebiet. Böhmische Küche mit Knödeln und Palatschinken! Mit Dreigängemenüs jeden Abend! Mit Kniffel-Weltmeisterschaften und Rommeé-Schlachten. Und mit angetrunkenen Männern in heißen Badefässern. Also zwei, um es genau vorherzusagen. Einer davon hat einen Bart.

Schön, dass ihr zu Besuch wart. Und bis bald!

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Heile, heile…

Vor einigen Wochen habe ich einen Beitrag über Endometriose geschrieben und auch, dass ich mich dem Thema mal wieder stellen müsste.

Nun war es soweit.

Ich habe es hinter mir. Also die ersten Schritte. Der Befund liegt noch nicht vor, nur ein Kurzprotokoll von der OP, sodass noch offen ist, inwieweit die Behandlung weitergehen wird. Die vergangenen Tage waren eine Achterbahn. Gesundheitlich, gefühlsmäßig, und ich habe jedes beschissene Tal durchschritten. Wut, Verzweiflung, Angst, Zorn, Selbstmitleid und ja, auch Zynismus. Noch bis vor einigen Stunden dachte ich, dieser Beitrag würde „Nahtzugabe“ heißen (ihr werdet noch lesen, warum) und ich würde mal so richtig vom Leder ziehen! Aber so richtig!

Ich habe mich umentschieden. Zum Einen, weil es sein kann, dass hier die eine oder andere Frau mitliest, der möglicherweise eine Befundlaparaskopie bevorsteht oder die mit unklaren Bauchbeschwerden kämpft. Das letzte, das ich will, ist jemanden verunsichern! Außerdem weiß ich nach sechs Narkosen und vier Operationen aufgrund der Endometriose: Es ist unter Umständen jedesmal anders.

Ich will euch von meiner letzten Woche erzählen und lieber für Betroffene Tipps dalassen zwischen den Zeilen.

Die Entscheidung steht, ich begebe mich in Behandlung. Die aktuellen Ausfälle sind zyklusbedingt und meine Gynäkologin ist der Meinung, ein Endometrioserezidiv sei die Ursache. Sie möchte mich gern nach Berlin in die Vivantes-Klinik überweisen. Auf meinen Einwand hin, ich sei zweimal sehr gut behandelt worden im Kreiskrankenhaus Radebeul, meinte sie, eine „Wald-und-Wiesen-Klinik“ sei sicher nicht das richtige für mich. Da ich aber nicht nach Berlin wollte, um nicht tagelang von meiner Familie getrennt zu sein, entschieden wir als zweite Wahl ein großes Dresdner Krankenhaus.

Tipp Nr.1 Wenn es in deiner Stadt ein Krankenhaus mit Spezialisierung auf dein Gesundheitsthema gibt und dein Arzt dich trotzdem lieber in ein Haus in einer anderen Stadt einweisen lassen will, dann ist das Empfehlung genug! Frag gar nicht erst, warum. Ehrlicher kann er nicht werden.

Voruntersuchung in der Spezialambulanz. Sie würden ambulant operieren und wann ich denn Zeit hätte? Die letzte OP fand auch ambulant statt und ja, es ging mir ein paar Tage nicht besonders, aber da wurde auch „groß reinegemacht“. Ich erwähnte meine Bedenken und hörte, bei dieser Befundlaparaskopie würde wirklich nur geschaut, was denn los sei und ganz egal, was man finden würde, an diesem Tag würde ich wieder zugemacht und im Nachgang das weitere Vorgehen besprochen. Keine große Sache. Drei kleine Knopflöcher. In die alten Narben rein, kennen sie ja alles. Also gut. Ob ich noch Fragen hätte? Nein.

Am Tag des Eingriffs war alles etwas turbulent. Sechs Uhr fünfundvierzig sollte ich dran sein. Dann neun Uhr. Ich war um neun da. Da hieß es, elf Uhr dreißig. Ich war seit dem Vorabend „nüchtern“ und entsprechend bei Laune. Da man mir meine Gefühlsregungen auch immer an meinem nicht nur schönen (wunderschönen), sondern auch ausdrucksstarkem Gesicht ansieht, zog ich mir direkt beim Pflegepersonal den Titel „beliebteste Patientin des Tages“ zu. Und bekam eine leidenschaftliche Aufklärung über den straffen OP-Plan des Tages in dieser großen Klinik und was sie alles um die Ohren haben dort! Danke noch mal dafür.

Tipp Nr.2 Geduld mitbringen. Und Lesestoff. Und ein Ladekabel fürs Handy. Niemand parkt dich freiwillig stundenlang irgendwo. Und vergessen wirst du auch nicht.

Ich bekam mein OP-Klamottenpaket und die Beruhigungspille. „Haben sie sich etwas zu trinken mitgebracht zum Runterspülen?“. „Nein?! Gibts hier denn nichts?“. „Sie sind ambulant, da bekommen sie von uns nichts zu essen oder zu trinken!“. „Ich bekomme nach dem Aufwachen keinen Kaffee und keinen Keks von ihnen?“ (Ich war entsetzt. Darauf freute ich mich schon seit Stunden, so hungrig wie ich war und das kannte ich auch von allen anderen ambulanten OPs so. Kaffee und Keks.). „Nein! Da hätten sie sich etwas mitbringen müssen!“.

Tipp Nr.3 Vorher fragen, ob du dir etwas zu essen und zu trinken mitbringen musst. Oder noch schnell (wie ich) vor der Abfahrt in den OP der Freundin SMS-en, dass sie doch bitte ein Rosinenbrötchen und einen Cappuchino bringen möge. Danke noch mal, liebe Gretel!

Im Vorbereitungsraum musste ich mich nackig auf eine OP-Liege umlagern, wurde angeschnallt, an meinem rechten Arm ein Blutdruckmessgerät festgemacht. EKG angeschlossen. Beine auf so Dinger wie beim Frauenarztstuhl, nur liegend. Gegrätscht. Ein grünes Tuch drüber. Flexüle legen in die Hand. Warten. Da lag ich nun festgezurrt und fror. Über mir die Uhr, die unaufhörlich tickte, das Blutdruckmessgerät brummte alle fünf Minuten los. Mir wehte ein kalter Wind zwischen die Beine. Scheiße, fror ich. Und wartete. Niemand kam. Das Gerät brummte wieder los. Zwischendrin hörte ich laute Befehle aus dem Aufwachraum, der vor mir liegen musste: „GUTEN MORGEN, AUFWACHEN! EINATMEN! TIEF EINATMEN!“.

Hinter mir war auf einmal Bewegung. Ohne Ansprache trat ein Anästhesist an meinen linken Arm heran und stöpselte mir eine Pulle in die Flexüle. „Gehts jetzt los?!“. „Na, deswegen sind wir ja hier!“. Aha. Als das Kribbeln im Hals zunahm, bat ich, ob mir die Schwester für einen Augenblick die Hand halten könnte, bis ich in Morpheus´Arme glitt. Das hatte ich mir auch nicht ausgedacht, das kannte ich von früheren OPs so und weiß diese überaus tröstliche Geste jetzt mehr denn je zu schätzen. „Dafür hat jetzt hier keiner Zeit!“, war das letzte, das ich hörte.

Tipp Nr.4 In einem großem Krankenhaus mit straffem und langen OP-Plan und womöglich ressourcentechnisch unteroptimal besetzt, liegt man unter Umständen zwanzig Minuten frierend in der Vorbereitung und möglicherweise hat auch keiner eine Hand frei zum Halten. Das hat nichts mit dir persönlich zu tun und die Ärzte und Schwestern arbeiten sich deshalb auch nicht gleich lieblos an dir ab. Ja, es wäre schöner, wenn man noch Zeit gehabt hätte für einen Händedruck und ein: „Hallo, ich bin der Dr. Sowieso. Schlafen sie gut und schöne Träume. Ich passe auf sie auf!“, aber Klinikalltag sieht eben oft anders aus. Du musst keine Angst haben, sie passen trotzdem auf dich auf und du wirst auch wieder wach! Stell dir einfach vor, ich halte deine Hand. 🙂

Ich wurde wieder wach, fror immer noch erbärmlich und bekam ein Gebläse unter das Laken geschoben, das Geräusche machte wie ein Fön. Und irgendwas zum Beruhigen. Dann hörte das Zittern auch auf. Weh tat mir nichts.

Zurück auf Station kam dann meine Freundin mit dem Kaffee, wir scherzten, ich war noch voll drauf und laberte ohne Unterlass. Nur das Herz raste mir wie verrückt. Das sollte auch noch ein paar Tage so bleiben.

Es kam dann auch eine Ärztin und erzählte meinem vermatschten Kopf irgendwas. Blasendach, Uterus, Eierstock, verödet. Aha. Blasenspiegelung müsste ich machen lassen. Und jetzt husch, aufs Klo, da ich kathetert worden sei müsste geguckt werden, ob ich pullern könnte. Zwei Synapsen machten kurzzeitig „BLING!“ und ließen den aufmüpfigen Gedanken aus meinem Mund poltern, warum zum Henker nicht gleich vor Ort und Stelle die Blasenspiegelung gemacht wurde, wenn ich doch schon mal nacksch und wehrlos dagelegen hätte? Und wo sie doch sowieso Zeug in meine Blase geschoben hätten? Wäre es wirklich zuviel verlangt, wenn das hier DIAGNOSTIK heißt, diese dann auch gleich mal vollumfänglich zu machen? Und ob ich jetzt allen Ernstes noch in die Urologie sollte? Hä?! Sagen sie mal! (Den Titel, „Beliebteste Patientin des Tages“ gab ich so schnell nicht wieder ab).

Tipp Nr.5 Was ich nicht wissen konnte und auch noch nicht ganz verstehe, nein, sie hätten dort keine Blasenspiegelung machen können. Technisch wohl schon. Aber irgendwie eben nicht. Krankenhauskram. Abrechnung. Was weiß ich. Deshalb habe ich auch nach wie vor meinen Blinddarm, obwohl ich den sehr gern gespendet hätte auf dem kalten Altar des OP-Raumes…

Vier Stunden nach „Wach“-Meldung, durfte mich meine Freundin abholen. Der Bärtige wartete mit den Kindern zu Hause, die (natürlich) pünktlich beide krank waren. Rückwirkend wäre ich gern zwei Tage geblieben, weiß aber gar nicht, ob ich die Option gehabt hätte. Und ich hätte mich für das weniger zackige, weniger hektische Wald-und-Wiesen-Krankenhaus entscheiden sollen, weil ich selber schon hektisch genug bin und dieser Trubel und das alles eher anstrengend auf mich wirkte. Ich wurde entlassen, orange von Schulter bis Knie vom Desinfektionsmittel und mit den EKG-Pads auf der Brust. Meine Klobrille und mein Bettzeug sind jetzt orange… färbt wie Sau. Kann man vielleicht für Ostereier verwenden?!

Tipp Nr.7 Ziehe die weiteste Hose an, die du finden kannst. Der Bauch wird geschwollen sein und druckempfindlich. Am besten irgendwas mit elastischem Bund. Und Slips ohne drückende Nähte. Und nicht zu vergessen Schuhe, in die du problemlos im Stehen schlüpfen kannst! Und lass dich zu Hause waschen.

Am OP-Tag hatte ich einen Druck im Brustkorb und Schmerzen in der Schulter, was normal ist und mich nicht weiter ängstigte. Das kannte ich schon und das ging auch innerhalb von zwei Tagen wieder weg. Der Wundschmerz war auszuhalten, nur der Kreislauf machte mir zu schaffen. Und das permanente Herzrasen. So „minimal invasiv“ solch eine OP ist, ist sie doch trotz allem eine OP. Und der Körper arbeitet dann fühlbar.

Es war dann leider auch so, dass gerade für den Kleinsten der Umstand, dass ich im Bett lag und ihn weder hochnehmen konnte noch mit ihm Fanger spielen, das arme Kleinchen sehr verunsichert hat. „Mama auftehn! Mama auftehn!“, rief er immerzu und kam auch nachts aus seinem Zimmer um in der Schlafzimmertüt zu stehen und „Mama auftehn!“ zu rufen. Oder tagsüber: „MAMA ARM! MAMA ARM! AUA! MAMA ARM!“, und sich nur sehr schwer beruhigen ließ durch den bärtigen Pfleger. Der war dann auch erkältungstechnisch wieder voll im Boot und am Wochenende hatten wir drei Rotznasen, einer mit zusätzlich Fieber und eine oben-drauf-Bindehautentzündung. Und mich.

Tipp Nr.7 Die Vorteile einer ambulanten OP liegen auf der Hand. Solltest du kleine Kinder haben, allerdings auch die Nachteile! Möglicherweise ist es für deine Genesung und auch für die Familie besser, du bleibst ein paar Tage stationär. Oder webst ein dichtes Netz an Helferlein um dich. Vielleicht hast du Familie, die unterstützen kann.IMG_1174

Ich leider nicht. Eine gute Mutter hätte Essen gebracht und im Haushalt geholfen. Eine schlechte Mutter hätte vielleicht angerufen um „Viel Kraft!“ zu wünschen. Meine hat nicht angerufen. Ich habe mir ziemlich leid getan und hätte mich nach Zuspruch und einer streichelnden Muttihand gesehnt. Wenn es einem schlecht geht, ist es wurscht, wie alt du bist!

Liebevolle Abhilfe kam aus dem Netz. Facebook, Instagram. So viele Genesungswünsche, die meinem hämmernden Herz gut getan haben. Und ja, da kann sich jemand hinstellen und sagen: Pah! Ist doch alles nur virtuell! Nicht echt! Aber der hat keine Ahnung, wieviel Trost sowas spenden kann. Danke euch allen! Ihr seid Schätze. ❤

Und Trost kam in Form einer Kollegin, die mit chinesischem Essen, Obst, Saft, Keksen und einem Blümchen vor der Tür stand.IMG_1176

Und in Form unzähliger SMS.

Und in Form von Blumen vom Mann.

Tipp Nr. 8 (allgemeingültig) Sich zu ärgern über Dinge, die andere Leute tun oder nicht tun, ist müßig. Hilfe zu erwarten oder einzufordern, wo sie nicht gern gegeben wird, ebenso. Man kann sich dann in Enttäuschung und Gram suhlen und verbittert werden oder neuen Menschen und Überraschungen öffnen. Und vielleicht muss man auch einfach sagen, dass man Hilfe braucht. Also der Welt, nicht den Menschen, die dazu vielleicht aus genetischen oder moralischen Gründen von Haus „zuständig“ wären. Lass dich nicht wiederholt negativ überraschen. Lass dich vom Rest der Welt einfach positiv überraschen!

Wut. Die Wut wurde noch größer. Als der Bärtige nach dem ersten Duschen meine Pflaster wechseln sollte, sagte der: „Sage mal, wie lang ist denn diese… die hört ja gar nicht mehr…“. „Hä?! Was?!“. „Ach, nichts.“. Dann fummelte der ewig mit den neuen Pflastern rum und ich meckerte. Darauf er: „Ich weiß gar nicht, wie ich das kleben soll! Das Pflaster ist nicht groß genug!“.

Gestern dann war ich neugierig. Sechs Zentimeter sind die Pflaster lang, ich habe gemessen. Nicht groß genug? Dann abgezuppelt. Neugierde wird bestraft. Mit Wut. Dreimal hab ich das nun hinter mir. Mit Drainagen, mit großräumigen Gewebsentfernungen, mit allem. Und nun das hier! Bei einer einfach Befundlaparaskopie?!

Tipp Nr. 9 Das verwächst sich. Auch wenn überall steht, Knopflochmethode. Schnittlänge ein bis zwei Zentimeter, kann es sein, dass du aussiehst, als hätte ein transsilvanischer Aushilfsstudent mit dreiacht offm Turm an dir Schnittübungen gemacht. Außerdem sieht der Bauch sowieso grün und blau aus. Nun gut, das geht alles wieder weg. Also alles, bis auf die längeren, eventuell nicht ganz vorteilhaft gesetzten Nähte. Aber da kann man doch dann schön Tattoos drumherum machen! Und außerdem wirst du wieder gesund. Das ist das wichtigste. Und Extratipp: Gehe nie zu deinem Arzt und sage: „Gucken sie sich mal die Scheiße an! Das muss ein Besoffener genäht haben! Und wieso sind die Narben so lang!? Sagen sie mal was dazu!“. Kein Arzt bei Trost wird dir sagen, ja, sieht echt Scheiße aus! Also reg dich nicht auf. Oder reg dich auf und zwar richtig, aber kurz. Dann leg dir warme Tücher auf den Bauch und tu dir was Gutes. Iss Schokolade (außer, du bist verstopft), lies, schau Netflix. Und genese. Du wirst gesund, der Rest ist scheißegal! Und ja, die Karriere als Bauchfrei-Model musst du vermutlich an den Haken hängen. 😀

Die Ärztin sagt heute: „Sie sind der wichtigste Mensch im Moment! Ach, die Kinder sind krank? Und ihr Mann auch? Was hat er denn? Erkältung, soso. Na, da muss ihr Mann jetzt mal durch. Im Moment geht es nur um sie!“. Irrtum. Es geht nie nur um mich. Genausowenig, wie es nur um ihn geht. Wir sind eine Familie. Und keine Krankheit ist wichtiger als die andere und jeder Mensch hat begrenzte Ressourcen. Meinen erkälteten fiebrigen Jungs eine Heile-Heile-Suppe zu kochen, hat nicht nur denen gut getan, sondern auch mir.

Der Winter hat uns alle geschlaucht und bis die Viren und Bakterien endgültig die Weltherrschaft an sich reißen, zeigen wir denen den ausgetreckten… ! Und zwar damit:IMG_1180

  • ein Huhn mit
  • einer halben Sellerieknolle
  • zwei großen Zwiebeln
  • drei Knoblauchzehen
  • einem daumengroßem Stück Ingwer
  • einer halben Fenchelknolle
  • einem Zweig Thymian und
  • einem Lorbeerblatt

drei Stunden auskochen und fein abseihen, würzen. Nudeln und Möhrchen separat kochen und mit Fleisch und Peterli in der Brühe servieren. Und keine Angst, weder Fenchel noch Knoblauch schmecken vor! Die Brühe schmeckt fantastisch und hat das Beste an heilenden Zutaten für erkältete Lieblingsmenschen in sich.

Tipp Nr.10 Dein Bauch. Unter Umständen zickt dein Darm und verhält sich wie eine Diva. Das darf der auch. Reagiert vielleicht mit Verstopfung, krampft an Blähungen, weil Restgas resorbiert wird und auch über den Darm abgegeben wird. Sei lieb zu ihm. Gib ihm Leichtverdauliches. Lein- und Chiasamen kann ich nicht empfehlen. Das „arbeitet“ mir zu stark. Und da der Darm sich eh schon geärgert fühlt und der ganze Bauchraum ja zur Ruhe kommen soll, kann ich davon nur abraten. Irgendwo steht, man soll die Beine auf eine Bank stellen vorm Klo und so versuchen abzuführen. Und auf keinen Fall pressen! Ich kann nicht mit Beine oben und ohne Pressen geht es natürlich auch nicht. Davon geht aber so leicht keine Narbe auf. Versprochen. Ein Glas warmes Wasser morgens auf nüchternen Magen hilft vielleicht sanft. Ich habe an Tag drei eine Handvoll Trockenpflaumen mit Wasser aufgegossen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Morgen als erstes trinken, funktioniert leicht und ohne Schmerzen.

Alles wird wieder gut! Und ich bin so ein Glückspilz. Für vieles. Auch, weil ich eben Endometriose habe und keinen Krebs. Neben mir in dem Zimmer lag eine junge Frau mit Glatze, Schläuchen in der Brustregion für den Chemo-Tropf und einer großen Bauchnarbe. Vor ihr ein Hochzeitsbild, das sie mit langen schwarzen Haaren zeigt. Keine Kinderfotos. Ich denke oft an diese Frau in den letzten Tagen und ich weiß nicht mal ihren Namen. Aber ich bin dankbar, dass ich nicht in ihrer Haut stecke, sondern in meiner. Und ich wünsche ihr von Herzen alles Gute und glückliche Fügungen.

Und das wünsche ich auch euch allen hier. Danke fürs Lesen denjenigen, die es bis hier runter geschafft haben 🙂 Ich denke, das wars erst mal mit Krankheiten. Wir müssen auch mal wieder lachen, oder?!

Machen wir! Bis bald.

 

 

 

 

 

 

 

 

Von der Magie einer Suppe

Von der Magie einer Suppe

Suppe ist das Essen, das einem Kuss oder einer liebevollen Umarmung am ähnlichsten ist. Suppe nährt, wärmt und tröstet.

Ein jeder von uns kennt die magische Heilkraft einer Hühnerbrühe. Seit Jahrzehnten spalten Wissenschaftler die Moleküle dieser Brühe und fachsimpeln, was es denn sein könnte, das Geheimnis. Ich denke, die Heilkraft und der Zauber liegen darin, dass sie meist von einem anderen Menschen gekocht und überreicht wird, damit es dem Kranken besser gehen möge. Dass die Magie in der Absicht liegt, nicht den Zutaten.

Wenn wir alle an die Lieblingsessen unserer Kindheit zurückdenken, ist ganz bestimmt auch immer eine Suppe dabei. Bei mir war es Schokopuddingsuppe mit Zwieback. Die gab es nur für mich! Und ich sehe auch die Situationen vor mir, wenn es die gab. Ich sehe meine Mutter, wie sie einen dampfenden Teller vor mir auf den Tisch stellt. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt.

Suppe ist gerührte Magie.

IMG_1131Vor einigen Jahren gab es in meiner Abteilung eine schöne Tradition: Einmal pro Woche kochte eine Kollegin für die anderen einen Topf Suppe. Das hatte sich so ergeben, irgendwer fing damit an. Ich glaube, beinahe zwei Jahre behielten wir das bei und dieser wöchentliche Suppentag war immer etwas ganz besonderes. Wir waren ein ganz bunter Haufen. Projektleiter, Softwareentwickler, Konzepter, Designer. Und so unterschiedlich, wie wir zehn Frauen waren, so war auch die Herangehensweise. Manche Kolleginnen kochten strikt nach Rezept und sogar noch einmal vorab Probe. Andere experimentierten, was das Zeug hielt! Manchmal gab es Gremolata, Servietten, selbstgebackenes Brot und Nachtisch hinterher und manchmal stand einfach nur ein Topf Suppe auf dem Tisch.

Geschmeckt hat es immer. Wunderbar! Und um diesen Topf Suppe passierte in diesen Mittagspausen auch immer etwas Wunderbares.

Ein Rezept meiner Oma. Für mich eine meiner absoluten Lieblingssuppen. Aus Oma-Gründen.

Ein Rezept meiner Oma. Schmeckt auch super mit Steinpilzen. Für mich eine meiner absoluten Lieblingssuppen. Aus Oma-Gründen.

Geht man mit Kollegen essen, drehen sich die Gespräche auf dem Weg zum Bistro oder der Dönerbude oft um die Arbeit. Scope, Pipeline, Benchmark, Risiko, Eskalation. Oft auch während des Essens. Das nennt man dann Geschäftsessen.

Kamen wir Kollegen zu unserer Suppenrunde zusammen, verstummten diese Themen immer nahezu sofort und wichen einer Stimmung voller Leichtigkeit und ganz anderem Gesprächsstoff. Denn bei einem guten Essen gibt es eigentlich nur ein Thema: Das Essen. Und diese semi-private Runde inmitten des Arbeitsalltages hatte etwas vom Zauber einer Hühnersuppe: Wärmend, nährend. Viel mehr, als es ein Döner oder Kantinenmenü vermag.

Suppe als Teambildungsmaßnahme? Aber ja, funktioniert!IMG_1133

Und manch einer kennt die Situation, wenn man mit Kunden in einem ganztägigen Meeting sitzt, Powerpointfolien durchhastet und auf dem Tisch steht zwischen zwei Thermoskannen Kaffee ein Tablett mit belegten Brötchen, deren Schinkenauflage sich zur Mittagszeit schon wölbt. Budgetnachverhandlungen, Change Requests, Meilensteine. Dann ein trockenes Brötchen, während die eine Hälfte rauchen geht und die andere aufs Klo. Dann geht’s weiter…

IMG_1137An einem solchen Tag liefen Kunden von uns über den Gang und riefen: „Hach, bei ihnen riecht´s aber heute gut!“. „Ja, wir kochen einmal in der Woche Suppe.“. „Das ist aber eine nette Idee.“. Sprachs und schon gab es beim nächsten Statusmeeting mit diesen Kunden selbstgekochte Suppe anstatt trockner Schinkenbrötchen. Kunden sind auch nur Menschen. Es war ein voller Erfolg! Und ich meine mich zu erinnern, dass auf die nächste Outlookeinladung zu einem Statusmeeting direkt eine Mail zurückkam: „Gibt’s wieder Suppe? 🙂 ?“.

Das alles ist lange her.

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Meine Rezeptseiten hat das heutige Großkind mit Bildern verschönert.

Die Abteilung gibt es nicht mehr, viele Kollegen von damals sind gewechselt. In andere Firmen, andere Bereiche. Das einzig Beständige ist die Veränderung.

Gestern fiel mir unser kleines Kochbuch in die Hände, das wir Suppenköchinnen damals angefertigt haben. Wehmütig aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht habe ich darin geblättert. Einundneunzig Rezepte, jede Seite von der jeweiligen Köchin selbst gestaltet. Und so viele Lieblingssuppen! Christines Linsensuppe „Sabaudia“, Kathrins Borschtsch oder Susans thailändische Kartoffelsuppe. Unzählige Male habe ich die nachgekocht. Und ich erinnere mich auch noch an Melanies afrikanische Liebessuppe, deren Geschmack ich nie kennengelernt habe, weil Melanie der Topf mitsamt der Suppe auf dem Weg herunterfiel. So hatten wir zwar an diesem Tag keine Suppe, aber Liebe über der Straße ausgeschüttet 🙂 .

Ich habe heute Kerstins Selleriesuppe nachgekocht. Sellerie, Kartoffeln, Zwiebeln, Frischkäse, Sahne. Brühe, Gewürze und ein bisschen Schnittlauch. Für die wurschtverrückte Jungsbande hab ich noch Wienerle reingebraten. Es ist nichts übrig!

IMG_1108Und da das wichtigste am Essen das Dessert ist, gabs noch schnelle Erdbeertörtchen hinterher aus Fertigmürbeteigtorteletts mit Fertigmarmelade beschmiert und Fertigpudding. Aber mit Liebe!

Einen Protipp für den Tortenguss habe ich aber noch: Keinen Zucker zum Anrühren verwenden sondern einen großen Esslöffel Erdbeermarmelade (dafür dann etwas weniger Wasser).

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Ich wünsche euch, dass es jemanden gibt, der eine Suppe für euch kocht, wenn ihr sie braucht. Und dass ihr Menschen habt, für die ihr vielleicht nach diesem Beitrag bald mal wieder einen Topf Suppe kocht.

Und wisst ihr, was das Allerbeste ist? Suppe ist ein Tausendsassa:

Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß` alle willkommen!

 

In herzlicher Erinnerung an die Suppenköchinnen Bea, Christine, Kathrin, Susan, Kerstin, Melanie, Beate, Juliane, Regine.

Von Jungs und Werkzeugkoffern

Hat jemand von euch einen Handwerker zu Hause? Ich ja nicht.

Obwohl, früher schon!

Als ich den Bärtigen kennenlernte, war dieser zarte zwanzig Jahre jung und von Bart war noch nichts zu sehen. Ich war damals achtundzwanzig Jahre alt und hatte soeben die Pubertät überstanden. Und man bezahlte mit D-Mark. Also zumindest hier.

Mittlerweile ist der Bärtige achtunddreißig und ich bin auch keine achtundzwanzig mehr (Mutti erzählt also heute von kurz nach´m Krieg).

Zurück zum Mann: Er war damals Lehrling in einem Stahlbau-Betrieb und ging morgens mit einer blauen Latzhose, auf der vorn sein Name prangte, und einem nach Ariel duftendem karierten Holzfällerhemd bekleidet auf Arbeit. Unterm Arm ein Vierpfundbrot in Scheiben geschnitten und mit ordentlich Wurscht belegt. Athletisch schlank war er, ich konnte problemlos seine Hosen tragen. Eine gegelte Kurzhaarfrisur und Ohrringe trug er. Ich denke, das war so ein „Bros“-Ding, falls die Band noch jemand kennt. Mein Herz hüpft und ich glaube, ich bekomme einen spontanen Eisprung, während ich mich jetzt daran erinnere.

Kam er abends nach Hause, fing er an, zu handwerken und zu bohren. Der junge Mann war kaum zu stoppen. Überambitioniert bohrte er auch ohne besondere Aufforderung wahllos Regale an die Wände meiner kleinen Dreizimmerwohnung. Monströse Stahlwinkel mit daumendicken Schrauben zierten jede Zimmerecke. Ich wusste gar nicht, was ich da überall drauftun sollte! Aus meinem Ramschkeller machte er einen aufgeräumten Hobbyraum, in dem ein von ihm maßangefertigter Arbeitstisch stand, Regale an den Wänden hingen und alles Kleinzeugs war nach Sorte und Farbe und Material geordnet in Gläsern und Behältnissen verstaut. Der Mann war ein Traum!

Dann studierte er Informatik.

Das änderte alles.

Schmachtete er früher Werkzeuge im Baumarkt an, waren es nun Programme, Rechnerzubehör, doofer Kram eben. Zu nichts nutze. Ich habe den Mann trotzdem behalten. Denn es gab ja noch Mike.

Mike (der richtige Name ist der Autorin bekannt) war ein Nachbar. Einer vom Bau! Ein Mann, der leider optisch nicht der Coca-Cola-Werbung entsprungen war, aber eine Bohrmaschine so behende schwang wie Jamie Oliver Kochlöffel.

Mike kam immer und am liebsten immer öfter. Wenn irgendwas gebohrt/ gehämmert/ geschraubt werden musste – Mike stand parat. Mit seinem Werkzeugkoffer und glänzenden Augen. Er hatte nur eine blöde Angewohnheit: Begrüßte er mich mit freundschaftlichem Wangenkuss, legte er flugs seine Pranken derart an meine Flanken, dass seine Daumen immer meinen Brustansatz berührten, ganz egal, wie ich mich stellte! Das war das erste mal peinlich, das zweite Mal befremdlich und ab dann nur… bäks.

Kluges Weib, das ich bin, informierte ich voller Entrüstung meinen jungschen Kerl über die flinken Hände des hilfreichen Nachbarn. Fortan brauchte ich nur zweimal bitten, wenn ich ein Loch gebohrt haben wollte: Einmal initial und ein zweites Mal nach einer Woche mit dem Nachsatz: „Ich kann auch den Mike fragen!“. Und schon rannte mein Kerl in den Keller nach dem Werkzeug.

Viele Jahre sind seit dem vergangen. Wir wohnen nicht mehr neben einem Mike und ich bin mittlerweile so alt, dass nur Männer mit gerontophiler Verhaltensstruktur „versehentlich“ nach mir grapschen (Bitte alle laut: „Ooooh! Die Arme!“ rufen, danke.). Und nein, natürlich geht Grapschen gar nicht! Aber vielleicht ist das wie mit Kinderkriegen, Wurzelbehandlung oder Analverkehr. Wenns lange genug her ist, denkt man: Ach, so schlimm war das nun auch wieder nicht!

(Sucht verzweifelt den Faden… rot war er… irgendwo muss er doch…)

Komme ich heute in unseren Keller, lunschen mich blankpolierte Kisten an, auf denen Bosch oder Hilti steht und die der junge Kerl von einst glanzäugig angeschmachtet hätte. Und die aus unerklärlichen Gründen irgendwann gekauft wurden und nun vernachlässigt in einem alten Schrank stehen. Nein, ich habe auch keinen selbstgezimmerten Hobbytisch im Keller und kein einziges Regal! Nope, auch keine Stahlwinkel.

Wie ich jetzt darauf komme? Nun, am letzten Wochenende haben wir ja hier umgeräumt und nun stehen noch übriggebliebene diverse Bilder in diversen Ecken. Ob er die bitte anbohren könnte? Nein! Nicht heute! Nicht jetzt!

Also nie…

Ich werde eine Annonce schalten müssen: „Suche dringend Mann, der bei mir Löcher bohrt!“. Vielleicht muss ich einen Handwerkerkurs im Baumarkt belegen (der Mann fällt vermutlich vor Lachen ins Koma, wenn ich dem das erzähle).

Oder ich warte noch ein bisschen. Der Blondino fängt gerade an, mit Bagger und Plastikwerkzeug zu spielen. Meiner Erfahrung nach gibt es bald ein klitzekleines Zeitfenster, in dem er aller Wahrscheinlichkeit nach zu handwerklichen Tätigkeiten herangezogen werden kann. IMG_1087

Bis er sich dann für Computer interessiert…

 

Wochenende (ein Rant)

Wer dem Nieselpriemchen bei Instagram folgt, fragt sich bestimmt, wo denn das #wib vom letzten Wochenende bleibt. Angekündigt wurde es ja bereits am vergangenen Samstag mit einem Rumpelbild. Nämlich diesem hier:

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Also gut.

Das vergangene Wochenende begann auch wie jedes andere an einem Samstag in aller Früh. Zumindest für einige von uns.

Als erste Herausforderung des Tages stolperte ich quasi über ein Rieseninsekt (es war wirklich riiiiesig), welches versuchte, das Kinderzimmer zu entern. Um vermutlich mein Babylein zu beißen. Der mittelbar Bedrohte war sich der Gefahr nicht im mindesten bewusst, wie man deutlich sieht.

IMG_0998Todesmutig stülpte ich einen Becher über den Invasor. Alle gerettet!

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Man kann ja nicht genug aufpassen. Wo einer ist, sind vielleicht noch zwei weitere! Dann machen die Gang-Bang und schon hat man eine Population von babyfressenden Insekten im Haus, muss die Kammerjäger rufen und ehe man sich´s versieht, wirft jemand eine Plastikfolie über das Haus und kocht im Inneren Drogen! Man kennt das ja. Möglicherweise habe ich auch zuviel „Breaking Bad“ gesehen.

Für dieses Wochenende hatten wir uns viel Schönes vorgenommen. Wie eigentlich immer. Außer Putzen, Einkaufen und der Pflege der Erkrankten stand diesmal noch eine größere Umräumaktion an. Das Großkind musste aus seinem komfortablen Zimmer ausziehen und ins schmalere Arbeitszimmer umsiedeln. Und das kam so: Der Nachbarsjunge, der sein Zimmer Wand an Wand zu unserem Juniorzimmer hat, spielt Schlagzeug. Nicht schön, aber laut. Alle Versuche, der Familie schmackhaft zu machen, dass dieses Schlagzeug doch auch gut in einem anderen Zimmer stehen könnte (oder in einem anderen Haus; einer anderen Stadt) schlugen fehl. Also wurde nicht ein Schlagzeug von A nach B geräumt, sondern der Inhalt zweier Räume getauscht. Natürlich. Sehr gerne! Am Ende des Samstages sah unser Wohnzimmer dann so aus, wie oben gezeigt.

Um schon mal vorzugreifen, am Sonntagabend dann hatten wir zwar alle Dinge des Kindes bereits in dem „neuen“ Zimmer untergebracht, aber unser Kram passte auf einmal nicht mehr in die Möbel des Arbeitszimmers. Ich habe dann konsequent zwei Säcke Stoff weggeschmissen. Alternativ hätte sich der Bärtige von seiner Handbuch-Sammlung trennen müssen, aber das wäre unmenschlich gewesen. Ich verstehe das. Wie oft denkt man sich: ´Mensch, könnte ich doch noch mal in dem Manual meines Nokia 6210 schmökern. Ach, wäre das schön!`.

Aber vor dem Sonntagabend kam ja noch der ganze Sonntag. Und der war auch sehr schön.

Ich erwachte (im Morgengrauen; unfreiwillig; ihr kennt das bereits) und bemerkte seltsame psychedelische Kreise am Rande meines Sichtfeldes. Migräniker nicken vielleicht schon an der Stelle.

Ich nickte erst mal nicht und tigerte mit dem schlechtgelaunten Kind („Isch hat schlechtes Laune!“, mangelnde Selbstreflexion kann man ihm zumindest nicht vorwerfen) durch Pieschen. Denn wenn auch wir nicht schlafen können oder wollen, so muss ja nicht die ganze Familie geweckt werden (ich würde auch lieber zu dem anderen Teil gehören).

An diesem Morgen war es wirklich ein Drecks-Pieschen voller Hundekacke und zerkloppter Bierflaschen und urbanem Müll. Mit dem nachsichtigen Blick der Liebe betrachtet wäre mir das nicht aufgefallen, aber an diesem Tag schon. Und schon bald hatte ich die Kacke nicht nur im Blick, sondern…

Plitsch! Da lag das Kind auch schon im Schlamm. Ach, und na klar, bei unserem Glück war es nicht nur Schlamm. „Huhuhu, isch stinkt! Isch is ieglisch!“, bemerkte das Kind dann auch treffsicher.

IMG_1025Ich fummelte irgendwie mit Feuchttüchern rum und den Rest der Scheiße und des Schlammes schmierte das Kind erst an den Kinderwagen und dann später beim Hochtragen an meine Jacke. Und meine Jeans. Das fand ich dann auch „ieglisch“.

Dann reichte es mir vollends. Keine Fotos mehr! Keine Scheiße, kein schlechtes-Laune-Kind, kein gar nichts. Am liebsten gar kein Wochenende mehr. Denn ich sag euch mal was:

Scheiß doch die Wand an mit Wochenende!

Genau!

Genau!

Nur damit wir uns richtig verstehen: Dieses Prinzip Wochenende mit Ausschlafen, Erholung, nett Essen gehen, mit Rücken kraulen und Lesen und Unternehmungen, die einem selbst Spaß machen, also dazu wäre ich durchaus bereit! Und davon würde ich sogar Fotos machen!

Aber das, was ich hier habe… nee.

Nach dem Wochenende bin ich ´ne Woche lang am Ende!

Und dann gehts wieder von vorn los.

Wenn alle schreien: „Endlich Wochenende!“, dann ducke ich mich schon ab. Putzen, Einkaufen, Wäscheberge. Das alles wird nicht unter der Woche, denn ich halte am Prinzip Feierabend fest.

Muss ich auch! Morgens nölende Kinder. Dann arbeiten. Nachmittags hole ich dann ein nölendes Kleinkind ab, das fertig von seinem Tag ist. Das sich weigert, Treppen zu steigen und beim Hochtragen stampft, sich windet und mir aufs Ohr haut, das es klatscht! Das zum Bäcker will, dann aber die Streuselschnecke mit Schmackes in die nächste Ecke pfeffert. Das sich auf dem Spielplatz bäuchlings in den Sand schmeißt und heult. Kommen wir dann so gegen fünf zu Hause an, guckt mir eine alte, grauhäutige Frau müde aus dem Spiegel entgegen und die Frau denkt nur: `Wann darf ich endlich ins Bett gehen?!`

Nach dem Abendessen, wenn endlich Ruhe einkehrt, schlurfe ich nur noch zu meiner Ecke der Couch und lasse mich von Netflix berieseln. Früher habe ich abends auch mal genäht und ja, sogar gebloggt! Nein, jetzt bin ich nur müde. Andere Leute machen dann noch Wäsche oder putzen eine Klobrille. Ich mache nichts mehr. Ich nicke allenfalls, wenn der Bärtige anmerkt, dass andere Leute abends noch mal „rausgehen“ oder Leute einladen würden. Ja, davon habe ich auch gehört.

Das bleibt dann alles fürs Wochenende. Damit ich was habe zum Drauffreuen. Aber da werden immer pünktlich alle krank.

Eigentlich sind wir immer krank. Seit September sind wir ständig krank. Seit Kita-Eintritt alle latent erkältet, durchsetzt mit vollgekotzten Nächten und garniert mit Blasenentzündungen. Freitags wird immer eine neue Runde im Infekt-Roulette eingeläutet.

Heute zum Beispiel, während ich das hier mit Ohrenschmerzen schreibe, ist der Pubi wegen einer Erkältung krankgeschrieben, der Blondino hat eine Bindehautentzündung und der Bärtige muss aufgrund chronischen Hustens seit Wochen im Sitzen schlafen. Und hat deshalb einen steifen, schiefgelegten Hals. Das sieht nicht nur Scheiße aus, das fühlt sich auch so an.

Arbeiten gehen wir gefühlt nur noch nach dem Zufallsprinzip. Im Februar schon hatten wir die Hälfte der Kindkrank-Tage bereits verbraten. Besserung ist nicht in Sicht. Nachts träume ich wild und erwache schweißgebadet. Zum Beispiel, dass Mike Ehrmanntraut (der von „Breaking Bad“) mein Kunde sei und mit der Kanone vor meinem Gesicht rumfuchtelt und irgendwas will, während der Bärtige vier Kinder für uns adoptiert hat (drei Jungs, ein Mädchen). Und gestern träumte ich, ich fahre einen Bus, in dem alle meine Exfreunde sitzen. Ich bin die Fahrerin. Einer dreht aber durch in dem Bus und ich musste die anderen – während ich den Bus fuhr – irgendwie anweisen und dazu bekommen, den Verrückten zu fesseln und zu beruhigen. Mann, war ich froh, als das Baby mich halb fünf geweckt hat!

Meine Nächte sind also auch nicht erholsam, spiegeln aber gut meine Zerrissenheit wider.

Vereinbarkeit. Keine Ahnung, was das bedeutet. Das Prinzip Wochenende lässt sich nicht mit dem Prinzip Feierabend vereinbaren. Außer, ist stelle Personal ein, das meine Wohnung putzt, einkauft und die Wäsche macht. Und am besten gleich auch noch die kranken Kinder betreut. Das zahlt dann auch in das Prinzip „berufstätig mit Kindern“ ein, wenn man wie ich nicht auf das altbewährte und nie genug geschätzte Prinzip Oma zurückgreifen kann. Dann muss ich aber auch mehr arbeiten, um das ganze Personal zu entlohnen. Outsourcing, Off-, Nearshoring von Familienthemen habe ich auch noch nicht in Betracht gezogen.

Vielleicht macht mich der permanente Keimbeschuss in Co-Einheit mit permanenter Winterdunkelheit und Schlafentzug auch langsam matschig in der Rübe.

Vielleicht wird alles irgendwann besser! Vielleicht will ich auch einfach zu viel.

Vielleicht aber lerne ich bald, mit einer dreckigen Wohnung zu leben oder gewöhne mir den täglichen Konsum von Energy Drinks an um munter abends noch eine Runde Fenster zu putzen im Dunkeln. Vielleicht gewöhne ich mich daran, dass ich nicht nur eine dreckige Wohnung habe, sondern auch keine Energie mehr für mein Kleinchen. Vielleicht gewöhnt sich das Baby auch irgendwann daran, dass wir uns nur morgens zwei und abends drei Stunden sehen und dass es die Zeiten sind, in denen er müde und schlechtgelaunt ist. Dass das „das Leben“ ist.

Außer natürlich am Wochenende. Dann ist alles noch viel superer!

Man muss sich inmitten von allem Driss und allen Notwendigkeiten irgendwie noch was Schönes einplanen. Inseln schaffen.

Wir wollten zum Beispiel wenigstens am vergangenen Sonntag schön Essen gehen. Es war dann so, dass der Bärtige mit den Kindern „schön“ bei Mc Donalds war, während ich mit Gewitter im Kopf im abgedunkelten Schlafzimmer lag und wartete, dass sich die Migräne verzieht. So ist das immer mit den Plänen.

Vielleicht habe ich auch einfach nur eine lange Reihe beschissener Tage. Vielleicht ist einfach nur zu lange Winter in diesem Jahr.

Aber was es auch ist, es fühlt sich warm und weich an…

SCHEIßE!

 

 

 

 

Beförderungsbedingte Misanthropie

Ich mag ja Menschen.

Also nicht alle, aber einige. Manche kann ich sogar wirklich gut leiden. Und einige wenige, ja, die könnte ich immer um mich haben. Leider habe ich meistens mehr Menschen von der anderen Sorte um mich.

Besonders Situationen, die eine räumliche Begrenzung und eine größere Menge an dieser Sorte Mensch vereinen, bescheren mir ein Unbehagen. Ein dolles. So wie Würgereiz kombiniert mit einem kaum niederzuringenden Reflex um mich zu schlagen, um mir Luft zum Atmen zu verschaffen.

Bus, Bahn, Fahrstuhl, Flugzeug. Die Klassiker. Irgendwas blechernes, das durch einen elektronischen Mechanismus geschlossen wird und alles darin einschließt bis, ja bis (und Gott bewahre, dass die Technik ausfällt) ein anderer Mechanismus das jeweilige Blechding wieder öffnet und die Eingeschlossenen und aneinander Gedrängten wieder freigibt.

Nun bin ich ja erwachsen und weiß, es gibt Situationen und Orte, die sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad schwer bis gar nicht zu erreichen. Singapur zum Beispiel. Oder das Café im Berliner Fernsehturm.

Natürlich kann ich Fahrstuhlfahren! Ich trete ein und automatisch wird die zur Verfügung stehende Freifläche durch die Anzahl der anwesenden Personen dividiert und ohne lange nachzurechnen finde ich ein Plätzchen mit akkuratem Abstand zu allen anderen. Körper- und Sichtkontakt zu Miteingeschlossenen wird strikt vermieden. Ich starre geistige Gesundheit vortäuschend an die Decke, bis das Ding wieder anhält und ich fluchtartig die kuschlige Zwangsveranstaltung verlassen darf. Nein, Fahrstühle sind für mich kein Problem! Ich steige nur aus gesundheitlichen Gründen Treppe…

Mit Beförderung habe ich zugegebenermaßen so meine Probleme. Also ganz unabhängig von den Mitreisenden. Das hat sicher irgendwas mit Angst vor Kontrollverlust zu tun, um das zu begreifen brauche ich keine Couch und keinen, der sich mit überschlagenen Beinen und einem Block auf dem Schoß davorsetzt (Ich habe das hier schon mal beschrieben und möchte den geneigten Leser gern auf einen plump-literarischen Absacker zum Thema Reisen einladen. Also falls wirklich nichts anderes im Fernsehen läuft außer GNTM oder so. Und kein Küchenschrank ausgewischt werden müsste.).

Der Blonde reist ja sehr gern mit Bus und Bahn. Besonders wenn er krank ist (und das ist er als Kita-Neuling ständig), beschließt er morgens gern für uns: „Fahma Kraßebahm!“ oder „Fahma Bus. Gut.“. Also fahma.

Und da gibt es dann so Situationen… also ich weiß wirklich nicht.

Wir steigen in einen komplett leeren Bus. Draußen scheint die Sonne, alles schick. Ich justiere die Plagenkarre, nehme das süße Babylein aus dem Gefährt und setze mich mit ihm auf dem Schoß auf eine Zweierbank. Alles super! Wir fahren los.

An der nächsten Haltestelle steigt eine dicke, ältliche Frau mit mehreren Stoffbeuteln zu und steuert uns an. Trotz meines konsternierten Gesichtsausdruckes quetscht sich diese Menschin neben uns. Und dann, und dann reibt ihr Polyesterparka großflächig an meinem rechten Arm. Ihre Körperwärme vermischt sich mit meiner… Ekel befällt mich. „Guten Tag!“ sage ich schroff in ihre Richtung. Und das war ein Fehler. Jetzt weiß ich nicht nur, dass sie nach alter Suppe und ungewaschenen Haaren riecht, sondern auch, dass sie Bartträgerin ist. Wenn ich irgendetwas zum Weglaufen gruselig finde, dann bärtige Frauen!

Ich versuche verzweifelt, das Baby und mich irgendwie mit der Scheibe zu verschmelzen, um von der bärtigen Frau abzurücken. Da kommt eine Linkskurve und aerodynamisch schmeißt sich die Bärtige in die Kurve und sich und ihre Beutel auf mich. „Hoppla!“, wieder meine Stimme, wieder sehr entrüstet. Die Alte hat keinen Sinn für Unausgesprochenes. „Mir zwee-e gomm schon glar, nich wahr, junge Frau? Un gugge ma, was bist denn du hier für ä sießer gleener Fratz?“. Und ehe ich mich versehe, fährt die Bärtige einen Finger aus mit abgeplatztem Lack und diffusem Rand unter dem schlecht gefeiltem Nagel in Richtung des Blondinos Gesichts. „Nicht anfassen!“. Jetzt brülle ich. Die bärtige Oberlippe der Frau bebt vor Entrüstung. „Hörnse ma, was issn in sie gefahrn!!“. „Nee, jetzt hörn sie mal! Der ganze Bus ist leer und sie quetschen sich hier auf die einzige besetzte Bank neben mich. Da frage ich sie: Was ist in sie gefahren? Suchen sie verzweifelt Anschluss?!“.

Die bärtige Beutelfrau hat sich dann schimpfend verzogen drei Bankreihen rechts vor uns und mich den Rest der (viel zu langen Strecke) permanent mit dem „Bösen Blick“ gebannt.

Ich sags euch…

Oder Straßenbahn. Im Sommer kann ich das ja nicht. Ich befürchte, ich erblinde sonst. Von den olfaktorischen Herausforderungen mal ganz zu schweigen. Da steigen morgens Leute mit dem Kissenabdruck auf dem Kopf und einem Schlaf-Atem ein, dass du denkst, ein toter Hamster verwest irgendwo im Inneren dieser Person. Und ganz sicher (todsicher) stellt sich diese Zumutung dann direkt neben mich! Als ob ich nicht schon genug gestraft bin in dieser Bahn! Da sitzen dort zum Beispiel alte Opas souverän breitbeinig mit kurzen Hosen an den mit Borsten behaarten wächsernen Beinen und in Rippunterhemd gekleidet, das feuchte Büschel nikotingelber langer Achselhaare und Stielwarzen der Bewunderung durch die Mitreisenden preisgibt.

In der Bahn gilt: Augen schließen, durch die Ohren atmen und in der Hand ein Sagrotantuch rhythmisch kneten…

Oder heute Morgen. Ich hechte mit dem Kinderwagen nach der Bahn und erklimme die erste Tür. Dankend in Richtung Fahrer navigiere ich mich in die Rolli-/ Kinderwagenecke. Dort steht schon ein Chariot. Ich entschuldige mich freundlich und verweise auf meine kanppe Zeit. Kein Problem, die andere Mutte rangiert und zu zweit bauen wir den Ausgang an Tür eins zu. Da die Bahn ansonsten nahezu leer ist, beschließe ich, an der nächsten Haltestelle auszusteigen und zur anderen Tür wieder rein um nicht länger den Ausgang zu blockieren. Doch dazu komme ich gar nicht! Während ich noch an der Bremse nestele, würscht sich eine dicke Frau mit Rollator durch unsere Tür in die bereits übervolle KInderwagenbucht. Resolut fährt sie mir dabei auf den Fuß. Ehe ich irgendwas sagen kann, dreht sie sich rum und touchiert mich beherzt mit ihrem fulminanten Hinterteil. „Ich fahr nur zwee Haltestellen!“. Ist das zu fassen? Drei freie, geräumigen Parkbuchten für allerlei Fahrzeuge hat so eine Bahn und die Alte?!

So ist das immer!

Mich regt das auf. Ich kann das nicht. Ich will das nicht!

Ich bin dann heimwärts gelaufen mit dem Blondino. Und dann kommt mir so ein dicker alter Mann mit seinem Fahrrad auf der Mitte eines geteilten Fußweges entgegen. Natürlich auf der Fußgängerseite! Natürlich in der Mitte!

„Hallo?! Gehts noch? Runter hier! Das ROTE ist der Scheißradweg, du… (ignoranter verblödeter Arschkrampenfettsack) MENSCH!“.

DAS ROTE IST DER SCHEIßRADWEG!

DAS ROTE IST DER SCHEIßRADWEG!

Wenn sie demnächst in Pieschen einer Kinderwagen schiebenden älteren Frau begegnen, die Schultern nach vorn gekippt (das Kinn ebenso) mit vor Wut aus den Höhlen getretenen blutunterlaufenen Augen, seien sie vernüftig! Vermeiden sie Blickkontakt und gehen sie äußerst rechts. Oder besser noch: Straßenseite wechseln.

Vermutlich musste ich Ärmste gerade mit den Öffis fahren…

 

12 von 12 Februar 2016

12 von 12 Februar 2016

Ihr kennt das?! Am zwölften des Monats knipsen (mehr als zwölf) Blogger zwölf Fotos ihres Tages und lassen euch so an ebendiesem teilhaben. Ins Leben gerufen von Draußen nur Kännchen hat diese Fotoaktion mittlerweile sehr viele Fans auf Seiten der Blogger und der Leser.

Ich mach mal wieder mit. Handy im Anschlag haben ab morgens und nun das Durchzählen der Bilder sind die Herausforderungen des Tages… seid nachsichtig.

Es ist Freitag. Also stehen wir pünktlich um sieben Uhr am Fenster. Am Freitagmorgen kommt das Badeng! Immer! Da kommt es schon (rechts unten im Bild; Hinweis: Es ist orange).

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Heute ist mein letzter Urlaubstag, ich bin mit Gretel verabredet. Das kleine Gretelkind hatte Geburtstag, deshalb packe ich. Leider habe ich nur noch Weihnachtspapier, aber vielleicht merkts ja keiner? Ich freu mich schon auf den Mädelsvormittag…

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Aber halt! Vorher muss ich noch was erledigen und das wird sich hinziehen. Ich brauche alte OP-Berichte für einen Termin am Montag. Die wurden vor zwei Wochen auch schon angefordert, aber nicht geliefert. Also fahre ich heute zwei Arztpraxen ab um das blöde Gelumpe persönlich abzuholen! Ich habe mich selbstverständlich telefonisch angekündigt, selbstverständlich muss ich trotzdem warten. Praxis eins…

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Praxis zwei hat wenigstens eine unterhaltsame Wandzeitung.

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Immer wenn ich nach Tolkewitz fahre, muss ich bei Gradels anhalten. Ich bin dort in der Gegend aufgewachsen und schon Anjang der Siebzigerjahre stand Frau Gradel mit ihrer Bienenkorbfrisur hinter der Theke mit den Torten und Trüffeln. Dort steht sie noch immer, scheinbar alterslos, und verkauft den allerbesten Stoff der Stadt! Und nein, es gibt nirgendwo eine Netto- oder Rewe-Shop-in-Shop-Filiale. Für die Mocca-Buttercreme-Baisers muss man eben nach Dresden Tolkewitz kommen.

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Ich bin so gern bei Gretel. Und ich bin so gern in dieser Wohnung! Die Räume sind wie die Bewohner: Bunt, liebevoll, herzlich, warm und überraschend. Und jedes Mal entdecke ich etwas Neues.

IMG_0842Wir reden, herzen, trinken Tee und essen Torte. Das machen wir immer, wenn wir uns sehen.

Ich werde noch angeschmust…

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… bekomme ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk…

IMG_0835… und darf den Oxfam-Korb plündern (Sorry Oxfam!)

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Hier ist alles so schön! So geschmackvoll! Und so hach. Guckt mal, ein Tontopf mit ollen Blättern beklebt. Ist das nicht wundervoll? Ich finde hier alles wundervoll.

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Der Bärtige hat immer hektische Flecken, wenn ich mit Gretel unterwegs war, weil ich dann stets mit Tüten und Körben voller Trödel (Schätze) heimkomme. Diesmal war ich im Anschluss alleine noch beim Trödel. Für die Freundin hab ich zwei alte Zuckerzangen erstanden und für mich zwei Keramikschüsseln von Colditz und ein angelaufenes Silbertablett. Ich steh auf alte DDR-Keramik und angelaufene Silbertabletts kann man nie genug haben! Da kann man Kerzenständer drauf gruppieren, Blumenvasen, einen Blumentopf, ein Tellerchen mit Gebäck… (Der Mann wird durch diesen Beitrag erst erfahren, dass wir diese Dinge nun besitzen. Er wird sich sehr freuen. Eher so nach innen.).

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Was war noch? Einkaufen… Es gab auch was zu essen und wir haben gezankt und geküsst und…

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…der Große bewachte den Schlaf des Kleinsten auf ein Stündchen…und wir waren wir noch mal kurz aus in der Nachbarschaft. Da ich immer noch dolle angeditscht bin und verrotzt, war´s eben nur kurz.IMG_0844

Tja, Tag rum! Habt ihr mitgezählt? Äh, ja. Werde ich jetzt disqualifiziert?! Welches soll ich löschen? Ich kann mich nicht entscheiden! 😉

Verpetzt mich nicht und geht doch mal bei Caro luschern, was die anderen heute so erlebt haben.

Und dann, Leute: Hoch die Hände, Wochenende! Ich geb euch noch was mit. Für Gretel und alle anderen Lieblingsmenschen. Eure und meine. Für euch, für uns. ❤

Faschingsgefühle 2016

Seit gefühlt zwei Wochen werde ich auf Instagram und Facebook mit Karneval, Fasching und dergleichen mehr drangsaliert. Vorsichtshalber habe ich noch mal dort nachgefragt, wo die Feiertagsgesetze gemacht werden: In der Kita. Und nein, Fasching ist auch in diesem Jahr Rosenmontag bis Aschermittwoch. Also zumindest in Dresden. Was die Leute in anderen Ländereien so treiben, kann mir Wurscht sein. Na, Gott sei Dank!

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vor vielen Jahren hatten wir auch schon mal einen Piraten…

Fasching hat mir ja gerade noch gefehlt. Das ist das einzige, wo ich das Überleben gefeiert habe. Also mein eigenes Überleben quasi. So nach gefühlt dreizehn Jahren Kostüme basteln, Veranstaltungen besuchen, wo weder das Großkind noch ich Spaß hatten, der ganze Kladderadatsch.

Und nun geht das wieder von vorne los!

Ich bin der Faschingsgrinch. Also noch nicht immer. Ich war sogar mal Mitglied in einem Elferrat und Minister für Chaos und Unordnung. Das war 1988 oder 1989. Ja-haaa, Kinder, da waren einige von euch noch nicht mal auf der Welt und ich durfte schon rauchen und Alkohol trinken (Ich bin alt wie Methusalem!). Und rumknutschen! Knutschen war eines meiner Hobbies früher. Und das beste an Fasching war ja dieses Karnevals-Standesamt, wo man sich für einen Abend trauen lassen konnte. Und wenn der Angetraute beim Küssen seine Zunge wie einen drei Tage alten glibbrigen Aal in deinem Mund rumgeschlenkert hat oder geküsst hat, als sei er im vorherigen Leben eine Nähmaschine gewesen, dann konnte man sich auch ohne großen Zeremon trennen und neu verheiraten lassen. Bis zur völligen Zufriedenheit.

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… und einen Macius…

Wo war ich?

Ach so, ja, Fasching mit Kindern.

Mein Großkind war immer überfordert von derlei Veranstaltungen. Menschenmassen, eine ungerecht verteilte Anzahl an Süßigkeiten und laute Musik führten garantiert zu Nervenzusammenbrüchen. Nichtsdestotrotz wollte er partout immer mitmachen! Jedes Jahr aufs Neue.

Polizist, Ritter, der kleine König und mindestens fünf Jahre in Folge ein in blutige Binden gehüllter Zombie… Dann endlich war ich erlöst! Fasching war kein Thema mehr.

Und nun – Tatatata! – geht es wieder von vorn los.

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… und ja, auch Ritter!

Ich hatte mir das so gut überlegt. Als der Blondino ein Kitakind wurde, habe ich mir geschworen: Machste nicht mehr! Kein Elternrat, kein Übermutti-Getue, keine überkandidelten Torten und Eisbecherkreationen an den Geburtstagen, kein wo-ich-bin-ist-vorn. Nüscht davon. Gekaufte Faschingskostüme, gekaufte Geburtstagskuchen. Dafür entspannte Mutti! Ganz entspannt. Less is more. Mit gekauften Muffins von Aldi fröhlich durch die Feiertage (Die sollen gut sein, habe ich mir sagen lassen. Also die Muffins.).

Nun gab es ein vorgegebenes Motto für den diesjährigen Karneval in der Kita: Ahoi irgendwas. Also maritim. Scheiße, und ich hatte schon ein Clownskostüm in Größe zweiundneunzig aus der Faschingskiste vom Großen gekramt. Okay, Pirat also.

Dann waren wir krank. Also nicht so leicht angeditscht wie immer seit September, sondern richtig. Dadurch verpasste ich die Büffetverteilung im Kindi. Als ich dann fragte, was noch übrig sei zum Mitbringen, sagte die beste Kindertante der Welt: „Ach du, eigentlich… nichts. Eigentlich haben wir alles.“. Yes! Yes! Yes! Hilfsbereit fragte ich, ob denn schon jemand Gummibärchen mitbringt. „Du, ja. Die Dings baut aus verschiedenen Haribo das Maskottchen der Kita nach. Für jedes Kind eins.“ (?!?!) Und: „Warte mal… wir haben eine Torte in Form eines Piratenschiffs, Schnittchen in Form von Booten. Gurkenkrokodile. Obstspieße geschnitzt im maritimen Stil… was fehlt denn noch?!“. Nichts? Nichts? Nichts? „Eier! Du könntest gekochte Eier mitbringen! Oder so Tomate-Mozzarella-Spieße. Die haben wir noch nicht.“. Und irgendeine vorlaute Stimme spricht aus mir: „Gut, dann baue ich Schiffchen aus Eiern und mache Tomate-Mozzarella-Dingsbumse.“. Vor lauter schlechtem Gewissen habe ich mich direkt zum Schmücken des Kindergartens bereiterklärt.

Haribo-Basteleien! Glaubste das?! Es gibt echt Leute! (Warum ist mir das nicht eingefallen?!)

Gestern nun war Rosenmontag und ich dachte (ganz entspannt, locker aus der Hüfte), ich mach mal los mit Piratenkostüm. Morgens halb vier meinte der Blondino, es sei hell genug zum Aufstehen und ich bastelte schon mal beim ersten Kaffee eine Hakenhand. Also den Versuch einer Hakenhand!

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Abends dann schleppte ich die Nähmaschinen in die Küche und zerschnitt ambitioniert ein Männerhemd, um Jack Sparrow Jr. eine Piratenhose zu nähen. Und vielleicht noch eine Weste und mal sehn, ob der Stoff auch für ein Hütchen oder sowas reicht…

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Meine Nerven reichten dann gerade so für die Hose.

Ich fand in meinem Stofffundus ein pinkes Shirt mit wildem schwarzen Aufdruck, das schnitt ich in Streifen und verknotete diese. Das sollten Gürtel und Kopftuch werden (ohne Foto, aus Gründen). Das entwachsene Faschingskind stellte ernüchtert fest: „Unser Baby muss also morgen als schwuler Pirat gehen!“. „Wenn schon, dann als metrosexueller!“, berichtigte ich das pubertäre Langbein. Während ich vor meinem geistigen Auge Johnny Depp vor mir sah mit kajalverschmierten Augen und Perlen in den Rastazöpfen, schmiss ich die rosa Verunglimpfung weg. Denn mal ehrlich, es sah selbst schon bei dem Depp-en ein wenig schräg aus! Ich beschloss, wenn ich ich das Baby mit rosa Lumpen umwickeln würde und mit Kajal bemalen sähe der aus wie das Pandababy einer Roma-Familie und nicht wie ein Pirat!

Und so sah das Süßilein am nächsten Morgen verkleidet eher aus wie eine Kreuzung aus Pinguin Kowalski und Obelix. Aber is ja Wurscht! Who cares about Fasching?!

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Der Obelix-Kowalski trägt das Piraten-Käppi, dass vor mehr als zehn Jahren auch schon sein Bruder aufhatte. Hachz.

Das erste Fasching des Baby´s. Wir drehten richtig durch und brüllten uns in der Küche an, während wir zu dritt mit Handies und Kamera rumhantierten. „NIMM DOCH NICHT DEIN BLÖDES HANDY! NIMM DIE KAMERA!“. „WIR HABEN SCHON DREITAUSEND BILDER AUF DER KAMERA, DAS HIER IST JETZT FÜR INSTAGRAM!“. „UND TROTZDEM: NIMM DIE KAMERA!“. „LECK MICH WO ES AM BITTERSTEN SCHMECKT!“. „BOAR DU BIST SO EINE ZIEGE!“. Zwischendrin fuchtelt das Großkind mit den Tentakeln und versuchte die Küche zu verlassen und der Kowalski rannte quietschend und meckernd zwischen seinen beiden pädagogischen Desastern hin und her.

Dann hörte ich mir noch an, dass die Küche ein Saustall ist und warum hier die Nähmaschinen rumstünden und wie das hier aussieht!

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Ich schnappte den Büffetbeitrag, den ich im Morgengrauen zusammengefummelt hatte und dann ab dafür!

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Bei uns kommen die Kinder übrigens auch an Fasching nach Süßigkeiten klingeln.

Ich packte die alten Weihnachtspfefferkuchen und Schokolade, die keiner mag in eine Schüssel und überlegte einen Moment, ob ich die Käse- und Wurstverschnitte von der Büffetplatte noch obendrauf klatsche! Wenn die hier klingeln kommen, können die auch wissen: Hier wohnt der Faschingsgrinch! Dann kommen die niiiie wieder. Dann hab ich meine Ruhe mit Fasching.

Nachmittags holt der Mann den Obelix-Kowalski ab. Und anstatt einem Sack voller Bonbons wie zu meiner Zeit bringen sie ein angefressenes Gurkenkrokodil mit. Wenigstens haben wir Fasching überstanden.

Ach, und er erzählt noch, der Mann, dem Kowalski hätte es super Spaß gemacht im Kindi. Er liebe Verkleiden und Party, yeah! Alles. Oh, mon dieu, bei uns wohnt jetzt ein Faschingsfan.

Ich werde mich heute in den Schlaf weinen. Es werden noch mindestens zehn Faschingse folgen. Und ich kann nichts dagegen machen!

❤ Für Piratin „Musica“, die Schneckensteuerfrau und Monsterdompteurin ❤

Das Fleisch ist willig, aber der Teenie wach

Sex. Es geht um Sex. Geschlechtsverkehr ist das Thema. Auch das noch!

Ob das sein muss? Ja, muss es. Wir machen auch ganz schnell, dann sind wir beizeiten fertig (ihr seid Eltern, ihr kennt das).

Neulich hat eine Australierin bei Facebook öffentlich geschrieben, was wir alle schon wissen: Elternsex ist das neue ganz große Ding! So mit stoppeligem Bermuda-Dreieck und mit einem großen Zeh die Tür zuhaltend dreieinhalb Minuten übereinander herfallen. Ich glaube, den dazugehörigen Facebookpost zu schreiben hat insgesamt länger gedauert…

Überhaupt nicht erstaunlicherweise haben sich tausende Leute verstanden gefühlt und ihren blauen Daumen draufgedrückt. Das will die Elternwelt lesen! Dass es bei Müller, Meier, Schulze genauso läuft wie bei Schmidts. So, wie´s eben läuft. „Schatz, es ist drei nach acht. Die Plagen hören Wickie im Bett. Los, lass es uns treiben! Danach hänge ich schnell noch drei Maschinen Wäsche auf und zwanzig Uhr fuffzehn schauen wir dann Tatort (oder eine Reportage von Guido Knopp über den Nachbarn des Cousins des Fußpflegers von Adolf Hitler)!“.

Das war ehrlich, witzig, tröstlich und null überraschend! 😉

Der Mensch mit Bedürfnissen und kleinen Kindern lernt schnell, alle möglichen Bedürfnisse nach dem Aspekt der Dringlichkeit und mit höchster Zielorientierung zu befriedigen. Essen, Ausscheiden, Schlafen, Duschen. Selbstverändlichkeiten werden zur Herausforderung mit kleinen Kindern. Wissen wir.

Und Sex gehört dazu. Wenngleich am Ende der Nahrungskette der Bedürfnisse. Wenn du weißt/ ahnst/ befürchtest, dass der Kindesschlaf bestimmt nur dreißig Minuten anhält und du hungrig/ müde/ ungeduscht und unbefriedigt bist, dann bist du in erster Linie erst mal hungrig und müde. In dieser Reihenfolge. Oder andersherum: müde und hungrig. Und dann ist die halbe Stunde auch schon wieder um!

Erinnert ihr euch noch an diesen Artikel? Anderthalb Jahre ist her, dass ich das schrieb. Er schläft jetzt mehrere Stunden am Stück, der Blondino. Und he! Ho! Wir haben die Abende für uns!

Ach nee, doch nicht.

Ich muss euch jetzt was sagen. Und ihr müsst stark sein! Genießt euer komfortables Sexleben, solange die Kinder noch klein sind! So opulent wird es erst wieder, wenn die Nachkommen ausgezogen sind. Oder einmal im Jahr im Schullandheim.

Blümchen und Bienchen (c) Pixabay

Blümchen und Bienchen
(c) Pixabay

Irgendwann sind die Kinder nämlich zu groß, als dass man denen erzählen könnte, Mama und Papa machten Yoga oder der Papa hat da Aua und die Mama musste pusten! Oder was auch immer… Irgendwann wissen die, was das mit den Blümchen und Bienchen so auf sich hat und dann: Iiiieh! Also die Vorstellung, dass alte Menschen jenseits der dreißig oder die eigenen Eltern gar… pfui deibel!

Dann wirds schwierig. Zeitlich. Organisatorisch. Alles. Da denkt man immer, die sind dann sowieso stundenlang außer Haus oder in ihrer eigenen Welt, aber nee! Entweder sind sie zeitgleich mit allen anderen aus dem Haus oder sie wollen immer dann etwas von einem, wenn man nun wirklich partout nicht mit ihnen rechnet!

Abends ratze ich zwischen neun und halb zehn auf der Couch weg oder liege schon komatös auf meiner Seite des Bettes. Der Teenager geht gegen zehn ins Bett. Frühestens. Finde den Fehler.

Morgens bin ich beizeiten wach (Und der Teenager schläft noch. Tief und fest!). Morgens könnten wir zwei Alten direkt vor dessen Zimmertür… Aber nein. Denn auch wenn ich wach bin, der Bärtige ist es nicht. Den eine halbe Stunde vor Weckerklingeln wachzuschubsen wegen einer Runde Hoppereiter, also da hätte auch Penelope Cruz oder eine andere dunkelhaarige Schönheit mit nem Arsch in Form einer Zwiebel schlechte Karten! Das liegt nicht mal an mir (oder meinem Arsch). Schlafen sticht alles. Und morgens muss man sowieso ein rot-weißes Absperrband um den Bärtigen ziehen.

Urlaub. Also Urlaub geht auch gar nicht! Außer, wir buchten dem Teenager ein Ferienhaus ganz woanders. Der hat Ohren wie ein Luchs! Da dreht sich der Mann auf seiner Klappliege vorsichtig rum, um mir auf meiner Klappliege ein keusches Küsschen zu geben, da schallts schon durch die Wand: „Untersteht euch! Ich kann euch hören!“.

Letzten Sommer haben wir im Garten Urlaub gemacht. Dort eine Hängematte, da eine Decke im Gras… Es war stimulierend. Ach, kannste alles vergessen! Egal, wohin wir uns zum Knutschen verzogen haben, der Pubi war uns auf den Fersen!

„Du, pass mal auf. Der Papa und ich gehen jetzt in den Schuppen. Wir haben was zu erledigen, äh, zu bauen. Weißte Bescheid. Wir sind gleich wieder da!“. „Hä? Was?! Nee, oder? Boar, nicht euer Ernst! Ihr seid sooooo eklig! Wehe! Untersteht euch!“.

Sex im Gewächshaus haben wir auch erwogen. Zwischen den üppigen Gurken- und Tomatenpflanzen wären wir tatsächlich nicht zu sehen gewesen. Aber bei fünfzig Grad Raumtemperatur und hundert Prozent Luftfeuchtigkeit… Unnötig zu erwähnen, dass der Teenie während der Ferien noch später ins Bett ging.

Manchmal frage ich mich wirklich, wann wir seinen Bruder gezeugt haben.

Aber ich räche mich diabolisch! Irgendwann. Das Babyphon hat eine Gegensprechanlage. Und irgendwann brauchen wir das Ding nicht mehr für das Baby und ich schwöre, dass ich den Sender beim Pubi im Zimmer verstecke. Und wenn der dann Besuch bekommt und es raschelt, flöte ich durch die Sprechanlage:

„Hallöle ihr Süßen, Erfrischungen gefällig?!“.

 

 

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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Liebe im Wandel

Babies sind toll! Das weiß jeder. Und die Blogs und Magazine sind voll von Babies. Haltung, Förderung, Ernährung, Glückseligkeit. Alles ist wichtig, wird beleuchtet.

Und Kleinkinder sind toll! Sie lernen jeden Tag ein bisschen mehr und, hach, die Brust platzt einem als Mutter fast vor Stolz, wenn das eigene Fortpflänzchen auf einmal etwas ganz Großartiges geschafft hat. Und auch darüber kann man viel lesen. Auf Blogs zum Beispiel. Oder in Magazinen. Während dieser Zeit ist man Teil einer starken Peergroup. Und das ist schön! Es gibt ständig Austausch über Entwicklungsschritte. Wie ist das bei euch? Was kann eures schon?

Schulkinder sind dann schon „die Großen“. Gelegentlich wird noch über Schulprobleme, Hochbegabung und dergleichen geschrieben. Oder sie werden in ihrer Rolle als große Schwester und großer Bruder beschrieben.

Sind die Kinder dann zwölf, dreizehn, ist Schluss. Schluss mit lustig, Schluss mit der Berichterstattung. Peergroup Fehlanzeige. Stattdessen Pubertät. Willkommen in der Elternhölle!

Pubertät ist furchtbar.

Pubertät ist das allerschlimmste, da ist sich jeder sicher! Besonders Leute, die selbst noch keine pubertierenden Kinder haben, wissen das ganz genau und sagen zum Beispiel auf laut geäußerten späten Kinderwunsch Sachen wie: „Jetzt noch ein Kind? Nein danke. Also ich will mit sechzig keine Pubertät mehr mitmachen müssen!“. Wovon sprechen die dann genau? Von der Erinnerung an die eigene Pubertät? Oder von Erzählungen anderer?

Jetzt ist es ja so, dass man da in mir einen Gesprächspartner hat, dem nicht nur genau das bevorsteht, sondern der auch jetzt schon mit dem ersten Fortpflänzchen mittendrin ist. Entsprechend bockig reagiere ich auf derlei phrasenhafte Verallgemeinerung. Es gibt doch nicht „die“ Pubertät!

Pubertät ist individuell.

Maulen, Motzen, aufmüpfiges Verhalten ab circa dem neunten Geburtstag kann günstigerweise mit vorpubertärem Verhalten gelabelt werden. Ab dem zwölften Geburtstag dann hat man für alles eine Generalentschuldigung: Die Pubertät! Schön einfach, oder?

Pubertät ist ne super Entschuldigung für unmögliches Verhalten.

Wobei, einfach ist wohl nichts an dieser Zeit.

Ich könnte jede Woche das Blöggel füllen mit Erlebnissen mit dem Großen, meinen Gefühlen für ihn. Warum liest man dann so selten über das Leben mit Jugendlichen? Für mich ist es so, dass ich schon wahrnehme, dass mein Sohn eine Persönlichkeit ist. Noch dazu eine mit Netzpräsenz. Und mir ist vollkommen klar, dass es ihm nicht gefallen würde, über sich zu lesen. Bilder von sich zu sehen, auf denen er erkannt würde.

(Ich mache mir über dieses Phänomen schon seit längerem Gedanken, genaugenommen seit die  Diskussion über Kinderfotos im Netz entstand und ich für meinen Teil muss mir eingestehen, ja, es fällt mir sehr leicht, über mein Baby zu schreiben und es Teil dieser Geschichten in dem Blog werden zu lassen. Wenn ich darüber nachdenke habe ich stets den Eindruck, ich schade ihm nicht. Und auch was Fotos von dem Kleinsten anbelangt: He! Er sieht doch jede Woche anders aus! Und dennoch überlege ich mir oft, inwieweit das als übergrifflich gewertet werden könnte. Hm. Darüber nachzudenken ist sicher in keinem Fall verschwendete Zeit.)

Wenn ich bislang über den Großen schrieb, dann hauptsächlich über das Leben mit einem Kind, das aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „besonders“ ist.

Besonders ist auch die Pubertät.

Mein Sohn wird sechzehn in diesem Jahr. Wenn ich neben ihm sitze und seine langen Arme ansehe, auf denen sich schon Sehnen abzeichnen, aufblicke in sein Gesicht, das eine Haupteslänge über meinem ist, dann ist das mit einem verblüfften Staunen verbunden.  Ein junger Mann mit tiefer Stimme, der so gar nichts mit dem Baby und Kleinkind von einst gemein hat. Der zum Teil gefestigte Standpunkte vertritt, der eine eigene Körperhaltung ausgeprägt hat und schon als Persönlichkeit wahrgenommen werden muss. Das ist seltsam! Ehrlich.

Ich habe viele Jahre in ständiger Sorge um diesen Jungen gelebt und habe wirklich geglaubt, ich würde niemals nie aufhören (aufhören können) ihn zu bemuttern, zu beschützen, meine Flügel schützend um ihn zu legen. Irgendwie richtet das die Natur dann doch so ein, dass die Kinder Signale geben und dass das dann ganz langsam passiert. Dieses Loslassen. Wirklich immer!

Es gibt keine körperlichen Liebesbezeugungen zwischen uns und nehme ich ihn einfach beim Kopf und drücke ihn, macht er sich steif und schüttelt mich ab wie ein Insekt. Und dennoch sind wir zwei nach wie vor in Liebe verbunden. Das wird in anderen Situationen deutlich: Wenn wir streiten und ich ihm erkläre, wie verletzt ich bin, weil ich das Gefühl habe, er respektiere mich nicht. Dann bekommt sein Blick etwas Dunkles und er versichert mir, dass das nicht so sei! Auf keinen Fall! Und wie gut er sich fühlt, wenn ich ihn lobe, weil er mir bei irgendwas geholfen hat. Wenn ich ihn sehe, wie liebevoll und fürsorglich und geduldig er mit seinem kleinen Bruder umgeht. Mit wieviel Mühe er Geschenke für unsere Geburtstage auswählt. Und wir für den seinen. Wenn ich mich manchmal morgens auf die Kante seines Bettes setze um ihn zu begrüßen und er dann doch die Hand nach mir ausstreckt… wie früher.

Gemeinsame Unternehmungen gehen jetzt immer von mir aus. Möchte ich mit meinem Sohn etwas unternehmen, muss ich mir Gedanken machen. Frage ich ihn dann, ob er mit mir einen Einkaufsbummel/ Kinobesuch/ irgendwas machen will, kommt häufig ein gelangweiltes Schulterzucken als Antwort. Gefolgt von: „Können wir mal machen.“. Reagiere ich dann gekränkt, versaue ich uns beiden den Spaß. Denn wenn wir dann wirklich mal losgehen (dazwischen kommt noch mindestens einmal „Heute nicht. Hab keen Bock!“), dann ist es schön. Und vertraut. Und es kommen gute Gespräche in Gang. Und ich spüre, wie nah wir uns noch sind.

Pubertät ist wie eine stürmische See.

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Dazwischen auch immer wieder Nervenaufreibendes. Ich habe vor gar nicht langer Zeit mal zu ihm gesagt: „Ich liebe dich wirklich sehr, aber im Moment kann ich dich einfach nicht leiden!“. Es hat ihn nicht geschockt, vermutlich fühlt er ähnlich…

Wir haben so viele Kämpfe durchfochten die letzten Jahre, dass mir die aktuelle Zeit wunderbar entspannt vorkommt. Es hat gedauert, Regeln für diese Familie zu etablieren und vor allem, weil der Sohn oft das Gefühl hatte, nur er müsse sich an diese Regeln halten! Da zeigte sich, dass Pubertät eben auch Prozessveränderung bedeutet. Rückwirkend ist ein festes Regelkonstrukt für uns hilfreich gewesen, da es uns ermöglichte, an explizit benennbaren Stellschrauben (zB. Pflichten im Haushalt/ Schlafenszeit/ Mediennutzungsdauer/ Taschengeld) zu drehen und damit unserem Jugendlichen das Gefühl zu geben, seine Freiheiten wüchsen mit wachsendem Alter messbar. Damit will ich um Gottes Willen nicht den Anschein erwecken, ich hätte Ahnung von solchen Dingen. Das läuft hier wie anderswo nur nach der trial-and-error-Methode.

Pubertät ist anstrengend.

Für den Jugendlichen in erster Linie. Die Hormone spielen verrückt und alles steht Kopf. Wohin will ich? Was will ich? Wen? Verrückte Fragen schwirren einem auf einmal im Kopf rum und das eigene Spiegelbild verändert sich. Nicht immer gefällt dem Jugendlichen, was er dort sieht. Dazu kommen irre Wachstumsschübe. Auf einmal wachsen bei Jungen zum Beispiel Arme und Beine sprunghaft und der junge Mensch sieht aus wie ein Schlaks, dem die Tentakel ständig im Weg sind. Dann wachsen die Finger und Zehen sprunghaft und du sitzt auf einmal am Abendbrottisch neben einem Wesen halb Mensch, halb Lurch. Dann brauchst du einen Dispokredit, weil zusätzlich zum normalen Familieneinkauf palettenweise Joghurt und säckeweise Schnitzel rangeschafft werden müssen. Zusätzlich zu Großpackungen an Keksen und Softdrinks und Süßkram. Und trotzdem wiegt der Schlaks vielleicht nur fünfundvierzig Kilo bei einem Meter siebzig Körperhöhe und du denkst, scheiße, wie krieg ich den bloß satt? Und auch der Gedanke kommt dir: Gotte sei Dank haben wir zwei Bäder! Während ich aus Erzählungen Jugendliche kenne, die mit dreckigen Fingernägeln und fettigen Haaren das Haus verlassen, haben wir ein sehr reinliches Exemplar. Was prinzipiell gut ist, aber Geduld erfordert! Also von allen anderen Familienmitgliedern. Zweimal täglich eine Stunde sind minimale Badzeiten. Währenddessen ist die Tür verschlossen und die Musik laut. Du kommst hier net rein! Also wirklich nicht. Nicht mal im Notfall. (Merke: Zwei Bäder sind wichtig. Notfalls Dixie-Klo organisieren.).

Pubertät ist also auch für Eltern anstrengend. Diese ganze Abnabelei ist wichtig, keine Frage, aber das ist auch schmerzhaft. So eine Familie ist ja ein geschlossenes System und wenn sich jemand in diesem System ändert, ruckelt alles. Das ist logisch. Und dann kann man versuchen, an alten Gesetzmäßigkeiten festzuhalten und das System im alten Modus wieder zum Laufen zu bringen. Kann man versuchen. Vielleicht klappts ne Weile. Oder das System blockiert völlig. Oder aber alle anderen verändern sich auch ein bisschen mit.

Pubertät ist die Zeit sich zu verändern und neu kennenzulernen.

Und das tut unter Umständen weh. Mensch, war doch alles so schön! Warum kann es nicht so bleiben? Darum! Weil Leben Veränderung bedeutet.

Ich habe mal bei Jesper Juul einen Slogan gelesen im Zusammenhang mit der Pubertät: „Von der Erziehung zur Beziehung“. Und da ich ja keine Erziehungsratgeber lese, hab ich mir auch nur diesen Slogan gemerkt. Treffenderweise sagt der eigentlich auch alles aus. Es ist unsinnig, einem Sechzehnjährigen irgendwas einbläuen zu wollen. Man muss anfangen, auf Augenhöhe zu gehen und ja, auch verhandeln. Seine eigenen Muster zu hinterfragen. Warum ist mir dies und das so wichtig und ist es das wirklich oder geht’s vielleicht um etwas ganz anderes? Wenn man sich darauf einlassen kann und sich auch selbst hinterfragt, kann das gut laufen. Spaß macht das nicht. Beziehungsarbeit macht in keiner Partnerschaft wirklich Spaß, sonst würde es ja Beziehungsspaß heißen! Und warum? Weil der erwachsenen Mensch (ich) ja eigentlich gern an Altbewährtem festhält und ungern Kontrolle abgibt.

Hilfreich war auch mal das Statement eines Mannes, der mit Jugendlichen arbeitet und der mir erklärte, von seinem Standpunkt aus betrachtet gibt es nur eine Sache, die ein Jugendlicher muss: Regelmäßig die Schule besuchen. Das ist sein Job. Das muss er. Alles andere sei nebensächlich. Gewagte These, aber dennoch hilfreich, wenn man vor lauter „Problemen“ nicht mehr Wald von Baum und Borke unterscheiden kann.HPIM1972

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen. Da ist was dran. Während ich mein Kleinstes mit jeder Faser meines Seins genieße und wirklich nur im Hier und Jetzt lebe, kreisen meine Gedanken an den Großen immer mehr um die Zukunft. Und fast ausschließlich sind sie mit Sorgen, Bedenken und Ängsten behaftet. Meinen Ängsten, wohlgemerkt! Wie geht das mit der Schule weiter? Wie wird ihn die Liebe finden und wird sie große Schmerzen im Gepäck haben? Welche Erfahrungen wird er mit Drogen und Alkohol machen und wie geht das für ihn aus? Wird er Gewalterfahrung machen müssen und kann ich ihn irgendwie davor beschützen? Also vor allem? Für zehn Jahre einschließen vielleicht? Und würde ich es denn noch zehn Jahre mit diesem komplexen, anspruchsvollen, streitbaren Menschen in einem Haus aushalten?

Pubertät ist die Zeit der ambivalenten Gefühle.

Auf allen Seiten.

Es ist nach wie vor eine zärtliche Liebe in meinem Herzen. Eine Liebe, die in den letzten sechzehn Jahren einem steten Wandel unterzogen war, und dennoch lichterloh brennt. Aber mittlerweile eben anders. Ich spüre die unsichtbare Nabelschnur zwischen uns nicht mehr so stark pulsieren. Ich kann zulassen, dass andere Menschen wichtig sind in seinem Leben. Dass die Meinung anderer Leute manchmal wichtiger ist als meine. Öfter sogar.

Dass ich mehr für diese Beziehung tun muss als früher. Und vielleicht auch für die nächsten Jahre. Dass ich Angebote machen muss, dass ich auf ihn zugehen muss. Immer wieder. Auch wenn er mich anbellt, er wölle jetzt nicht reden. Gesprächsbereit bleiben. Nähe – Distanz. Den Wunsch nach beidem respektieren.

Und schlussendlich dem Bärtigen zuprosten! Denn so schlecht haben wir das die letzten Jahre wohl nicht gemacht. Jetzt zeigt sich, welche Werte und Normen in ihm verankert sind und meistens – immer öfter – gefällt mir gut, was ich sehe! Ein höflicher, sympathischer junger Mann, der ein gutes Herz hat und ein Gefühl entwickelt für seine Umwelt. Und wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich das heute über ihn schreiben würde, hätte ich mich sehr gefreut.

Pubertät ist die beste Zeit, sich täglich einzureden: Es ist alles nur ne Phase!

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Von Krokodilen und Spinnweben

Als ich Mira´s Geschichte las, lief es mir heiß und kalt den Rücken hinunter.

Da wir via Facebook befreundet sind durch die Bloggerei, las ich dann noch mehr über sie. Über das „Krokodil“ in ihrem Bauch. Wie es ihr nach der Endometriose-Operation ging, sah ihr strahlendes Gesicht und die Freude darin, dass sie schmerzfrei war. Ist! Dass sie schmerzfrei ist. Ich freue mich sehr, dass ihr Leidensweg einen guten Abschluss gefunden hat und hoffe, in diesen Satz muss nicht irgendwann ein „vorerst“ eingefügt werden… Dass das Krokodil für immer verschwunden ist.

Auch Tage später dachte ich noch an sie und schrieb sie an, denn nie hätte ich einfach so mit einem eigenen Blogpost ihre Geschichte aufgegriffen. Das liegt vielleicht auch daran, dass mir die Sensibilität um das Thema schmerzlich bewusst ist. Sie schrieb, sie freue sich auf meine Zeilen.

(Wer keine Lust hat, bei Wikipedia nachzulesen: Endometriose bedeutet, dass sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ansiedelt und dort ebenso von Hormonen gesteuert agiert. Dabei stört sie die Funktionalität der befallenen Organe. Etwa jede zehnte Frau ist betroffen. Endometriose ist die häufigste Ursache ungewollter Kinderlosigkeit.)

Es gibt furchtbar viele chronische Krankheiten mit noch schlimmeren Verläufen, mieseren Prognosen. Manche sind nicht mal ansatzweise therapierbar. Und dennoch hat die Endometriose etwas Perfides an sich, etwas, dass zumindest in meinen Augen sehr elementar in das Frausein und oftmals in das ganze Menschsein eingreift. Mediziner haben errechnet, dass Endometriosepatientinnen auf durchschnittlich fünf Jahre Schmerzen in ihrem Leben kommen (sehr optimistisch gerechnet). Die psychische Belastung wird mit der von Krebspatienten gleichgesetzt. Immer wiederkehrende Schmerzen, Sterilität und alle Unannehmlichkeiten, die diese Zellwucherungen und auch die Therapie mit sich bringen, schlagen aufs Gemüt.

Auch mir.

Vor ziemlich genau zwanzig Jahren wurde ich das erste Mal operiert. Schmerzhafte Regelblutungen plagten mich und die Operateure sagten, schauen wir mal! Wir machen drei kleine Schnitte und morgen springen sie schon wieder wie ein junges Reh durch den Park. Ich weiß nicht, wass sie annahmen zu finden. Eine Zyste vielleicht? Die Laparaskopie steckte damals zwar nicht mehr in den Kinderschuhen, aber so ein Allerweltsding war sie auch noch nicht. Ich hatte Glück. Ich kam im Gegensatz zu Mira an Mediziner, die wirklich gründlich arbeiteten. Als ich aus der Narkose erwachte, war mein Unterbauch komplett zugeklebt und links und rechts hingen dicke Schläuche aus mir raus, die irgendwas in Beutel abtransportierten. Ich wurde völlig panisch, denn darauf hatte mich niemand vorbereitet!

Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich eine Endometriose im fortgeschrittenen Stadium habe mit, neben akuten Läsionen an den Geschlechtsorganen, massivem Befall des Darms und der Blase. Beide Organe waren großflächig an der Bauchdecke angewachsen. Ebenso wie bei Mira musste auch bei mir ein Stück des Darmes entfernt werden, weil die Endometrioseherde leider die negative Eigenschaft haben, die befallenen Organe in Funktionsfähigkeit und Struktur zu schädigen. Der Operateur zeigte mir Fotos, die ich lieber nicht gesehen hätte und weil ich nicht verstand, was wo war, und was genau Muskelfasern und Bänder und was denn nun das „Böse“ in mir, etablierte sich von da an für mich der Begriff: „Ich habe Spinnweben im Bauch“.

Es heilte gut und ich fühlte mich sehr gut betreut. Nach zwei Wochen wurde ich entlassen mit dem Rat, meinen Kinderwunsch nur nicht allzu lange hinauszuschieben. Bei manchen Patientinnen käme die Endometriose wieder. Da war ich sechsundzwanzig Jahre alt und der Bärtige noch nicht in Sicht.

Anderthalb Jahre später war er dann da und ich machte ziemlich schnell Nägel mit Köpfen. Und der Bärtige machte mit. Ich ging wieder in dieses Krankenhaus, diesmal um die Durchlässigkeit der Eileiter prüfen zu lassen. Wieder Bauspiegelung. Fazit: Eileiter gespült, aber he! Wieder großflächiger Endometriosebefall im kleinen Becken. So schnell? Ja. Und dabei war ich damals sogar beschwerdefrei. Der Rat der Ärzte nach der zweiten Operation: Behandlung in einer Kinderwunschklinik. Die „spontane“ Einnistung eines Ei´s hielten sie für unwahrscheinlich. Wir folgten dem Rat und als wir den Termin für die Insemination hatten, wurde ich schwanger. Spontan. Einfach so wie andere auch!

Die Dauer einer Schwangerschaft ist für Endometriosepatientinnen eine sehr entspannte Zeit, da das bedeuetet, über Monate schmerz- und beschwerdefrei zu leben. Durch die Hormonumstellung trocknen die Herde aus, bilden sich zurück. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, ob ich das damals besonders genossen habe…

Die Endometriose kam immer wieder. Nach jeder OP war ich eine Weile beschwerdefrei, um dann die Vehemenz der Hormone wieder mit all ihrer Hässlichkeit zu spüren. Ich habe mich an Entspannungsmethoden versucht, habe Kontakt mit meinem Körper aufgenommen. Es wurde nicht besser. Nur anders.

Ich lernte, dass Ibuprofen oder besser noch Diclofenac meine besten Freunde sind. Zusätzlich zu den atemraubenden Schmerzen während der Periode kam noch eine Laktoseintoleranz, die mich viele Jahre begleitete und auch Einschränkungen von mir forderte. Den Zusammenhang zwischen beidem hat mir erst viele Jahre später ein Arzt erklärt.

Die Jahre gingen ins Land und ich lebte mit den Gezeiten meines Körpers. Mal besser, mal schlechter. Ich war abgelenkt durch berufliche und private Herausforderungen. Dann wurde der Wunsch nach einem weiteren Kind immer drängender. Es klappte nicht noch einmal „einfach so“.

In der Kinderwunschklinik musste ich im Rahmen der regulären Bauchspiegelung wieder unters Messer. Die Erlebnisse und ein Einblick in meine damalige Gefühlswelt kann man hier nachlesen. Als ich aus der kleinen Routineuntersuchung viel später als erwartet erwachte, saß der Operateur mit sorgenvollem Blick am Fuße meiner Krankenhausliege. Draußen dunkelte es bereits und alle anderen Patientinnen, die diese so wuselige Tagesklinik morgens noch bevölkerten, waren längst wieder voller Hoffnung zu Hause. Ich lag noch da. Er sagte, dass er erst einmal im Laufe seiner Tätigkeit einen derartig schweren Verlauf bei einer Frau gesehen habe, und diese Frau sei aufgrund des Befundes bereits berentet gewesen. Berentet!

Die Scheiße war also wieder zurück. Und überall. Er sagte, er habe in vielen Stunden die Läsionen verödet – ich habe mir nicht gemerkt, wo überall – und dass er getan habe, was eben im Rahmen dieser Operation möglich gewesen war. Weiter insistierte er, mich dringend von meiner Kinderwunschbehandlung zu verabschieden und mich statt dessen zwingend einer chirurgischen und hormonellen Behandlung zu unterziehen. Aufgrund der massiven Vernarbungen und Schädigung der beteiligten Organe sollte das oberste Priorität haben.

Es gibt mittlerweile viele Varianten, mittels Hormonbehandlung der Endometriose entgenzuwirken. Salopp gesagt wird die Patientin für eine Weile künstlich in die Wechseljahre versetzt, damit die Herde austrocknen. Danach veröden, was noch da ist und im Nachhinein ist bei vielen Frauen eine Fruchtbarkeit wieder hergestellt und ja, es gibt Frauen, bei denen die Endometriose für immer oder sehr lange in einen Dornröschenschlaf fällt. Genauso wie es Frauen gibt, die keinerlei Beschwerden haben mit einer derartigen Diagnose. Ich zähle zu keiner der beiden Gru

Foto: Pixabay

Foto: Pixabay

ppen. Mir wurde aufgrund der Schwere des Befundes und meines Alters geraten, über eine dauerhafte chirurgische Lösung nachzudenken.

Habe ich nicht. Nicht drei Minuten. Ich wollte nicht die Wechseljahre versetzt werden und schon gar nicht wollte ich kastriert werden! Mein ganzes Frausein, das Verständnis meines Seins hat mit meinem Uterus zu tun. Mit Fruchtbarkeit. Ebbe und Flut, Gezeiten. Und ja, irgendwann wird es Zeit, sich davon zu verabschieden, für jede Frau. Und loszulassen. Und ich denke auch nicht, dass eine Frau danach weniger „Frau“ ist, nur ich war nicht an dem Punkt, loszulassen. Das „Kinderzimmer“ zu räumen.

Und die Zeit gab mir recht. Und auch heute, vier Jahre später kann ich das Glück kaum fassen, das mich jeden Morgen anlacht aus seinem Bettchen.

Aber die blöde Scheiße kam wieder. Natürlich kam sie wieder. Etwa um den ersten Geburtstag des Wunderbaren.

Es sind nicht mehr nur fünf Tage im Monat, an denen ich mich quäle. Es geht bereits am Tag des Eisprungs los mit fürchterlichen Schmerzen in der Steißbeingegend, die bis in die Beine ziehen (Aha, sie sitzt also diesmal auch am Steißbein). Eine Woche vor „der Woche“ Blasenschmerzen beim Wasserlassen (Aha, die Blase auch wieder). Dann drei Tage, bei denen ich mich bei wirklich jedem Toilettengang winde vor Schmerzen. Die Laktoseintoleranz ist nach der schwangerschaftsbedingten Ruhephase nicht wieder aufgetreten, aber der Darm macht mir erneut große Probleme und ich bin eingeschränkt mit den Lebensmitteln, die ich vertrage. Dazu kommen Regelschmerzen, die mich an manchen Tagen denken lassen: Jetzt das Fenster öffnen und Anlauf nehmen! Immerzu eine andauernde bleiernde Abgeschlagenheit, die möglicherweise daher rührt, dass selbst unter Schmerzmitteleinfluss der Körper arbeitet, um die Entzündungsherde zu bekämpfen. Dazu kommt, dass ich mich permanent zusammenreißen muss. Stell dir doch mal vor, du lebst oder arbeitest mit jemandem zusammen, der ständig „ein Zipperlein“ hat. Willst du das immerzu hören?! Über Jahre?

Soweit der Ist-Zustand. Wir haben hier jemanden mit Schmerzen, aber ihr kann geholfen werden. Ja, die Therapie ist möglicherweise drastisch, aber he! Es locken Lebensqualität und ein schmerzfreies Leben! Wo also ist mein Problem?

Es liegt in der Natur der Erkrankung. Es geht um elementare Funktionalitäten des weiblichen Körpers und greift auch in die Intimität ein. So schmerzhaft jeder Eisprung ist, so freudig begrüße ich dennoch den Umstand, dass die Säfte noch fließen. Ebbe und Flut einer stürmischen, rauen See. Auch wenn es nahezu unwahrscheinlich ist, dass jemals wieder ein Ei die Einnistungsphase übersteht, begegne ich meinem Körper dennoch liebevoll und tröstend in dieser Zeit. Und ich habe Angst vor dem Gefühl der „Leere“ in mir, sollte ich die Gezeiten irgendwann nicht mehr spüren. So aprupt.

Ich bin einen langen Weg mit dieser Krankheit gegangen. Und ich habe zweimal das Wunder einer natürlichen Empfängnis erlebt und zwei völlig unkomplizierte Schwangerschaften durchlebt. Jetzt, zwanzig Jahre nach meiner ersten Operation habe ich vielleicht bald meine letzte.

Ich denke an Mira´s glückliches Gesicht und daran, dass jede zehnte Frau betroffen ist von dieser Krankheit. Manchmal kommt sie nicht wieder. Manchmal kommt sie lange nicht wieder. Manchmal bekommen auch Frauen mit einer eindeutigen Sterilitätsdiagnose gesunde Kinder. Einfach so! Ich wünsche es allen.

Und manchmal muss man einfach eine vernünftige Entscheidung treffen. Und ein Beratungstermin bedeutet ja noch nicht, dass ich das Kinderzimmer sofort ausräumen lassen muss…

 

*Für Mira, die Krokodilbändigerin*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wochenende in Bildern (mit und ohne, also eher mit ohne)

Bevors losgeht möchte ich noch betonen, dass ich das Konzept von „Wochenende in Bildern“ (#wib) schon verstanden habe, auch wenn es gleich nicht mehr ganz den Anschein hat.

Ich mag das sehr, Fotos als Tagebuchblogpost. Auch die Aktion „12 von 12“ mit den zwölf Fotos des zwölften eines Monats liebe ich. Also bei den anderen! Das sieht immer so schön aus. Und so entspannt. Ich habe auch hier schon mal darüber getextet.

Leider leider renne ich meistens Samstags ohne Handy in der Gegend rum oder merke erst am Abend, dass es bereits Samstag Abend ist und ergo das halbe Wochenende vorbei oder dass gestern der zwölfte des Monats war. Nämlich immer dann, wenn die fleißigen Bloggerkollegen ihre Fotocollagen auf allen Kanälen posten. Mensch, Nieselpriemerin!

Außerdem sind unsere Wochenenden so spektakulär unspektakulär, dass ich meist gar nicht weiß, was ich fotografieren sollte, wenn ich denn daran denken würde UND ein Gerät zum Ablichten der Umgebung dabei hätte. Glaubt ihr nicht?

Samstag. (Ohne Foto) Der Blondino weckt mich halb sieben. Ich trinke Kaffee und herzle mich durch Instagram, während das Kind schlaftrunken am Tablet „Helden der Stadt guckt“. Ich muss viele Likes verteilen, also überzieht das Kleinkind die angeratene Medienzeit um vierhundert Prozent. Frühstück verweigert er. Ich packe für das Kind Filinchen mit Honig in meine Manteltasche und beschmiere mich und den Mantel dabei großflächig, obwohl das Filinchen eingepackt war. Vor Wut esse ich das blöde Filinchen! Dann Kind in Schneeanzug fummeln, feststellen, dass der Reißverschluss von dem drei Wochen alten Teil defekt ist über Nacht. Umdisponieren und das Kind alternativ in Zwiebellook einhüllen bis zur Bewegungsunfähigkeit. Das steife Kind die zwei Treppen runter schleppen und in Kinderwagen reinfummeln. Die Kinderkarre im Kaufmannsladen vollladen und nach Hause schieben. Das Kind frühstückt derweil frische Semmeln im Kinderwagen. Den Mann wecken und zwingen, die Einkäufe hochzutragen. Dann feststellen, dass die Bude dreckig wie die Sau ist und mit dem Mann streiten, ob es a) ausreichend ist, einmal im Monat zu saugen und b) wer den Dreck hier macht, obwohl doch alle Familienmitglieder ganztags aushäusig sind und c) dass es alles nichts nützt und wir jetzt Schnick-Schnack-Schnuck machen, wer die Bude clean-t und wer so lange draußen das Kind im Hof bekaspert. Er verliert. Oder ich, wie mans nimmt. Saugen, Wischen, Abstauben, dazwischen zwei Maschinen Wäsche hin- und herräumen, irgendwas kochen, dann kommt der Mann miesgelaunt wieder und ich erkläre, irgendjemand müsse aber noch zu blau-weiß, weil das eingekaufte Essen von heute Morgen nicht reichen würde und ja, Scheißwochenende! Ich fahre, er hat weiter Kinderdienst. Knapp entkomme ich durch mein beherztes Reaktionsvermögen einem Verkehrsunfall (Ich hatte im übrigen in diesem Jahr noch keinen einzigen Unfall, möchte ich an der Stelle mal betonen!) und dann ist auch schon Abend oder so. Ich teile dem Mann mit, dass ich jetzt schon wieder losmüsse, weil das Kind keinen funktionierenden Schneeanzug besäße und falls es jemals eine Situation gegeben hätte, in der ein Dresdner Kind einen Schnee(!)anzug brauchen tun würden täte, dann ja wohl jetzt! Draußen vorm Fenster fallen jede Menge Argumente dafür vom Himmel. Ich düse also abends noch in einen Shoppingtempel um Nachschub zu organisieren und fühle mich dort irgendwie in die Zone zurückversetzt. Schneeanzüge? Ausverkauft! Im dritten Geschäft finde ich dann einen petrolblauen Anzug mit Paisleymuster und rotem Fleeceinnenfutter. Einen. Wie in der DDR. Mir ist schon klar, warum dieses Modell noch nicht ausverkauft war (es stach mir förmlich ins Auge), aber Samstag Abend im Schneetreiben ist die Not groß. Zu Hause dann Planung der Abendgestaltung. „Seit dieses Netflix in unserem Haus ist, versumpfen wir jeden Abend auf der Couch!“(er). „Stimmt, furchtbar ist das!“. „Also wir müssen auch mal wieder was anderes machen, früher haben wir doch auch nicht ständig vor der Glotze gehangen.“. „Genau! Und immer dieses Rumgefresse dabei! Ich sehe noch von Weihnachten aus wie ein Autoscooter um die Taille. Das muss wirklich aufhören!“. „Ja! Und was machen wir dann nun heute Abend?“. „Hm. ´Better call Saul`?“. „Gute Idee! Käsedip oder Salsa zu den Chips?“. „Du, ich denke, ich esse den Kindern ihre Weihnachtssüßigkeiten weg.“. „Alles klar, in fünf Minuten auf der Couch?!“. „Nu, genau.“

(Sich an dieser Stelle erinnern, dass Samstag ist und anfangen, verschwommene Fotos zu knipsen.)

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Sonntag wecken halb sechs. Es sind wieder die üblichen Frühaufsteher am Start. Kaffee, Tablet, Instagram. Frühstück (ohne Foto). Sich zwei Stunden später daran erinnern, dass Wochenende ist und anfangen zu fotografieren.

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Die Jungs sind im Hof, ich mache meine Witze. Irgendjemand schmeißt Schneebälle in die zweite Etage nach mir. Und trifft.

Alle drei Kinder spielen schön im Schnee, während ich mich ausruhe und einen faulen Lenz habe… also Wäsche, Wäsche, Wäsche, backen, kochen… und mich frage, ob eigentlich alle arbeitenden Elternleute so ein unentspanntes Wochenende haben. Wo bleibt denn da der Spaß?IMG_0492Hier in diesem Milchzopf ist er jedenfalls nicht! Klassischer Fall von „Wenn man es nicht wüsste“. Sieht lecker aus, oder? Nun ja, ich hab den Zucker vergessen. Schmeckt wie weiche Pappe.IMG_0494Nur, damit ihr´s wisst: Ich würde unter Eid stets abstreiten, dass ich eine derartige Jogginghose überhaupt besitze. Und die Strümpfe! Unnötig zu erwähnen, dass ich nicht an die Tür gehe, wenn es klingelt. Nie. Nicht in meinen Sonntagssachen.

IMG_0491Wenns läuft, dann läufts! „Irgendwas mit Reis“ war der Essenswunsch. Irgendwas wurde eine Hähnchenpfanne mit Frischkäse-Curry-Sauce. Ziemlich versalzen. Dazu halbrohe Erbsen und verkochte Bohnen und Reis, der beide Attribute vereint: Versalzen und verkocht! Sag ich doch, wenns läuft…IMG_0486Dem Kind den Nachtisch weggegessen. Weil ich fies bin!IMG_0502Der Mann muss den Nachmittag über arbeiten und versteckt sich vor seiner Familie im Arbeitszimmer. Der Pubi muss auch irgendwas arbeiten und versteckt sich vor seinem Bruder und mir im Raum neben dem Arbeitszimmer. Die übriggebliebenene Familienmitglieder gehen raus, bis die Laternen angehen. IMG_0504

IMG_0511Suchbild. Hier sehen sie die berühmte Dresdner Altstadtsilhoutte. Sekundogenitur, Georgentor, Hausmannsturm, Frauenkirche,Schloß, Stallhof, Kreuzkirche. Jeder nur ein Foto! So, das wars. Bitte weitergehen und in der Gruppe bleiben!IMG_0516

Mir abends einen Kaffee von meinem liebsten Badewannenbarista zubereiten lassen…IMG_0520…und dann, und dann, und dann?! Und dann setze ich mich ins Arbeitszimmer und schreibe mal wieder einen Artikel fürs Blöggel. Gibts dann morgen. Ja-ha, das Netflix bleibt heute kalt. Wenn nichts dazwischenkommt. Und ich habe mir extra dafür die Jogginghose ausgezogen!

 

Mehr Wochenenden anderer Leute gibts bei Susanne von Geborgen wachsen, die diese Aktion ins Leben gerufen hat.

 

 

 

Winter… auch das noch!

Wie ich das hasse! Gehst du arbeiten, verlässt du im Dunkeln das Haus und kommst im Dunkeln wieder. Schlurfst in sackähnlichen Lagen durch matschige Straßen. Und dieser Schnee! Muss das denn sein? Seit Jahrzehnten wird die globale Erwärmung propagiert, aber Frau Holle ist das wurscht. Irgendwie leckt da die Informationsübermittlung. „Kein Schnee in Deutschland! Wir haben globale Erwärmung!“ Das kann doch nicht so schwer sein.

Doch.

Es kommt runter, das krümelige Scheißzeug. Allen Unkenrufen zum Trotz. Und versaut mir den Tag. Mützen versauen mir außerdem die Frisur und der Schneematsch die italienischen Schuhe. Ich kann dieser Winterromatik nichts abgewinnen. Schneebedeckte, unberührte Natur, von mir aus! Guck ich mir auf einem Bild an. Hier, Bild:IMG_0398

Noch eins? Na gut. Hier. Büsche mit Schnee. Pieschen.

IMG_0401Und mit Kindern ist Winter ja noch doofer! Da stehe ich in Vollmontur im Flur und versuche, ein sich wehrendes Kleinkind in Schneeanzug und Socken, Mütze und Stiefel zu stecken, während sich dieses Kind windet und protestiert. Mir läuft der Schweiß in Strömen zwischen den müden Brüsten runter und ich hab schon die Faxen dicke, da hab ich noch nicht mal das Haus verlassen! Dann kommen noch zwei Treppen. Natürlich will das Kind nicht getragen werden! Aber laufen, also laufen will es aber auch nicht. Es steht so Stufe für Stufe in seinem dicken Anzug rum. Dann wird ihm auch heiß. Dann heult es. Wirft sich auf die Treppe, rutscht drei Stufen bäuchlings herunter. Wird dann zur mütterlichen Tasche unter irgendeinen Arm geklemmt und gegen seinen Willen aus dem überheizten Haus gewuchtet. An der Stelle reicht es mir dann eigentlich schon gänzlich.

Rückzu ist es auch nicht schöner. Ehe man das unkooperative Kleinkind aus der Eskimo-Pelle geschält hat, taut man selbst und die Stoffwulst des Kindes fröhlich vor der Tür. Und immer, aber wirklich immer, trete ich dann mit Strümpfen in so eine scheißnasse Pfütze vor der Scheißtür und habe dann nicht nur nasse Füße, sondern auch Scheißlaune! Und dann hängt überall in der Bude irgendwas Feuchtes zum Trocknen rum. Als ob nicht sowieso schon überall Zeug hinge. Und der durchschnittliche Handschuh- und Mützenverbrauch im Winter ist doch bei Kindern auch nicht mehr mit zwei Gehältern zu bezahlen, oder? Nach maximal zweimaliger Benutzung ist stets ein Handschuh verschwunden. Wohin? Was weiß denn ich!

Ja, früher, als ich selber Kind war, da war das toll. Da hatten wir auch noch richtige Winter. Mit knirschendem Schnee und Sonne, die die weißen Wiesen glitzern und funkeln ließ. Schneemänner bauen. Mit bloßen Händen, natürlich, sonst wird das nicht schön. Bis die Finger rot und steif waren. Und wie das kribbelte, wenn man dann wieder ins Warme kam! Ich kann mich noch an das Geräusch erinnern, das die Schneebälle machen, wenn man sie drehend aufeinandersetzt. So ein leises Knirschen. Und dann mit Schnee die Kanten verschmieren, damit es hält.

Ich war immer draußen, jeden Tag. Stets in „Steghosen“ und einen dicken Norwegerpullover gewandet, die meine Oma aus Drieselwolle der Pullover meines Opas und meiner Onkel herstellte („Gute Shetland-Wolle!“). Ich sauste auf meinen Schlittschuhen über den Carolasee im Großen Garten und übte wochelang rückwärts übersetzen und Piouretten. Wenn es dunkel wurde, schnell noch mal den Rodelberg rauf und runtergesaust auf dem Hörnerschlitten! Nassgeschwitzet, voller Eiskristalle und mit roten Wangen kam ich abends heimgestapft.

Vorbei!

Wenn man heute als erwachsener Mensch mit Familie in die Winterferien fährt, dann muss man ja schon wahnsinnig sein. Oder verschuldet. Oder weiß ich auch nicht. Und dann stehste da mit hundert anderen am Skilift und regst dich über die Preise der Skipässe auf und rechnest kurz durch, dass du für die Kosten des familiären Winterurlaubes auch einen Monat nach Bora Bora hättest fliegen können. Oder ein afrikanisches Dorf ein Jahr lang grundversorgen. Und versuchst trotzdem, nach außen geistige Gesundheit auszustrahlen! Während du das Outfit der anderen Skihasen checkst. Fire and ice, war ja klar. Und nur du stehst hier in der Tschibo-Ski-Kollektion. Und aprés ski, von wegen! Eine Cola für alle und eine Portion Hütten-irgendwas, dreihundertvierundachtig Euro bitte!

Ach, hau mir ab mit Winter.

Ja, und dann ist das Kleinkind krankgeschrieben und der Patient und die Pflegekraft kriegen den Lagerkoller. Und dann kommt eine SMS: „Gehen rodeln, kommt ihr mit?“. Die einzig logische Antowrt wäre gewesen: „Wäh?!“. Aber siehe oben, Lagerkoller.

Und so sah man mich heute das sich windende Kind in Watte packen, während mir der Schweiß zwischen… und ja, auch das mit der Treppe. Und dann Porutscher und Rutscheteller auf den Wagen schnallen und los zum Kindergarten. Die anderen Canaillen treffen. Innerlich hoffend, dass vielleicht kein Schnee liegt auf dem anvisierten Hügel („Ach, schade schade! Wirklich jammerschade!“), dann könnte ich eine Runde lüften fahren mit dem Kinderwagen und danach wieder halbwegs trocken ab nach Hause! Und warten, dass dieser blöde Winter endlich vorbei ist.

Aber irgendwie war es ganz anders. Es lag an der Gesellschaft. Inmitten lauter glücklicher Hosenscheißer mit strahlenden Gesichtern war alles ein Genuss. Dass Schnee auf dem Rodelberg lag, konte ich schon gar nicht mehr negativ bewerten. Und wie die sich freuten! Und wie lieb die waren. Untereinander. Kein Zanken um die Porutscher, kein: „Nänänänä, meiner ist aber schneller/ schöner/ roter!“. Die Großen zeigten schon durch kühnes Zurücklehnen, was mal ein echter Rodelweltmeister werden will und die zukünftigen Klassenclowns waren auch schnell ausgemacht, weil sie sich kullernd den Berg hinunterrollen ließen, um ihre Kollegen zum Lachen zu bringen. IMG_0406 IMG_0408 IMG_0420 IMG_0423 IMG_0426Und lachen. Also lachen. Was soll ich sagen? Ich habe die ganze Zeit gelacht! Gelächelt, gegrinst, gestrahlt. Spaß gehabt! Und bin johlend mit: „Bahne frei, Kartoffelbrei!“ auf dem Teller den Berg runtergefegt, vor mir irgendeinen kleinen, warmen, knubbeligen Hosenscheißer auf dem Schoß. Schnee im Nacken, Schnee in den Schuhen, egal! Ich habs nicht mal gemerkt.IMG_0445Dann sind wir nach Hause gestiefelt, ein paar der kleinen Kumpels fielen unterwegs fast die Augen zu. Dann kam noch die Sonne raus und es fing an zu glitzern…

Hach.

Ich denke, ich baue morgen einen Schneemann. Nur für mich. Einfach, weil es Spaß macht! Natürlich mit bloßen Händen, sonst wird das nicht schön!

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Wattekuss

„Einz, bei, krei, vier, fimf, sechs, siebam, akt, nuin, sehn, ölf, Applaus!“

Er kann schon zählen, der Kleinste, wie die stolze Mutterhenne hier angeberisch verkünden möchte! Auch ist er in der Lage, dezidiert zu erklären, ob nun am Tablet „dor gölbe Bus“ oder „dor blaue Bus“ angemacht werden soll.

Ansonsten spricht er viel, aber hauptsächlich Babyisch. Beim letzten großen Baby-TÜV hat der gute Doktor auf dem TÜV-Formular „late Speaker“ vermerkt, weil der Wundervolle zwar alle Tiere und Alltagsgegenstände auf den Tafeln benennen konnte, nur eben nicht in deutsch.

Babyisch ist ja international. Ob nun aus Köln, Leipzig oder Shanghai, untereinander verstehen sich diese kleinen Wesen immer. Von Kommunikationsproblemen keine Spur!

Nun müssen sie allerdings bereits in frühen Jahren die entsprechend der späteren Verortung vorliegende Fremdsprache erlernen. Hauptsächlich, weil die alten Erziehungsmenschen linguistisch zu unflexibel sind, um sich auf das internationale Babyisch einzulassen. Obwohl man ja als Elter am Anfang gar nicht drum herum kommt…

Ich erinnere mich noch, wie ich als frischgebackene Muddi den native speakern und alteingesessenen Müttern lauschte und der Meinung war: Das lerne ich nie! Irgendwie ist es rückwirkend, als siedle man in ein anderes Land um. Mit der Praxis kommt es von ganz alleine.

Mittlerweile weiß ich, bilunguale Erziehung betrifft immer alle. Und zwar wirklich alle! Eltern und Kinder. Und ich bin sicher, dass die Hosenscheißer ganz genau wissen, was sie wann wie formulieren müssen, um Erfolg zu generieren. Beispiel gefällig? Als der Bärtige letztens das schnee-be-anzugte Wurschtgewitter die Treppen hochhievte zu unserer Behausung, rutschte dem die Pudelmütze bis hinunter zur Oberlippe. Empört protestierte der Kleinste eine ganze Treppe lang auf Babyisch, um sich dann, nach dem zweiten Absatz, in deutlichstem Deutsch zu beschweren: „Isch seh nüsch! Isch seh nüsch!“.

Der kann das. Wenn er muss. Und Wollen muss er auch. Dann verwendet er sogar regelrecht inflationär verstärkend wirkende Adverben wie „wugglisch“, „örlisch“ und „naturlisch“. „Bist du im Schuh drin?“. „Ja. Wugglisch.“. „Hast du gut geschlafen?“. „Ja, naturlisch.“.

Will er aber meistens nicht. Teleskoplader, Raupenbagger und selbst Müllauto spricht er fehlerfrei. Für letzteres gibt es aber ein schönes Babyisch-Wort: Badeng! Und so wird nach wie vor die Ankunft des orangen Riesen vorm Haus von frenetischen „Badeng! Badeng!“-Rufen begleitet. Im Kindergarten wollte ihn der große Lukas (der ist schon vier) logopädisch schulen und sagte ihm, das würde aber Müllauto heißen. „Badeng!“, widersprach der Blondino. „Müllauto!“, „Badeng!“, „Müllauto!, „Badeng!“. „Also gut, von mir aus Badeng.“. Soweit ich weiß, ist Badeng jetzt im Kindergarten etabliert.

Ich amüsiere mich über diese für mich neue Fremdsprache. Als ich mit ihm neulich zu meiner Freundin unterwegs war, freute er sich die ganze Autofahrt lang auf „Grödel, Ketschup und Malle“ und ich schwöre, Gretels Kinder heißen wirklich nicht so!

Mein liebstes Babyisch-Wort ist „Wattekuss“. Wattekuss ist die Generalantwort auf jede Aufforderung, die an das Baby gerichtet wird. „Komm, Windeln wechseln!“. „Wattekuss.“. „Los, Schuhe anziehen!“. „Wattekuss.“. „Räum die Vaininni vom Boden auf!“. „Wattekuss.“.

Allerdings bin ich der Meinung, es gibt durchaus Worte aus dem Babyischen, die eingedeutscht gehören. „Vaininni“ ist so ein Wort (nach langer Überlegung bin ich der Meinung, das ist ein Pluralwort wie Globuli). „Heb die Vaininni vom Boden auf!“ ist ein vielgesprochener Satz im Hause Nieselpriem. Denn die Vaininni werden täglich aus dem Küchenschieber geholt und in der Küche verteilt. Und im Flur.

Vaininni

Vaininni (mehrfarbig; verteilt auf einem Küchenboden)

Plastiktrinkröhrchen ist doch ein absolut unmögliches Wort, oder? Vaininni dagegen kan jeder Mensch, egal, aus welchem Kulturkreis und egal, mit welchem Alkoholpegel, problemlos aussprechen. Denn, mal ehrlich, wann kommen die Dinger denn zum Einsatz?

Genau! Meistens, wenn man morgens um drei stocknüchtern in einer Bar sitzt und die Thekenfachkraft verkündet, sie würde jetzt die letzte Runde machen. Dann denkt man sich: Mensch, jetzt als Abschluss einen schönen Whiskey sour mit viel crushed ice und Rohrzucker, den man mit dem Plastiktrinkröhrchen zwischen den Limettenstücken im Glas  klimpernd verteilen kann und dabei noch ein bisschen über die großen Themen der Welt philosophieren. Und souverän und nüchtern wie du bist bestellste dann: „Een Wixauer, aba mi Plastiringröschn!“.

Ich bin sehr für Vaininni…

 

 

 

 

 

 

Tür 31 – Einen hammer noch!

Zehn, neun, acht… Halt! Stopp! Bevor ihr euch die Lurex- und Polyestergewänder anlegt, die Haare onduliert und Margaritas mixt, als gäbe es kein Morgen: Doch, gibt es. Wird es geben. Nämlich morgen! Deshalb kommt heute die Altjahresansprache von Nina alias die Juramama mit den ultimativen Katerbekämpfungsstrategien, selbst getestet in jahrelangem aufopferungsvollem Dienste an der Mitmenschheit (Los, alle Mann hinstellen, eine La Ola- Welle für Nina!). Und damit ihr nicht unsinnigerweise auf die Idee kommt, die Appetitlosigkeit, die euch morgen bestimmt plagen wird, zum Anlass zu nehmen, das neue Jahr mit einer Diät zu starten, gibts vorher noch einen Abgesang auf blödsinnige Diäten.

Prost, ihr Niselpriemschen und ich hoffe, euch nächstes Jahr hier wieder zu sehen. Nina, hier, dein Mikro. (Und Kuss. Und danke. Tolle Rede!)

Alle sind Dank des Nieselpriemschen Kalenders satt, dick und rund, wegen Weihnachten sind wir komplett pleite und wollen jetzt einfach nur noch möglichst heil ins neue Jahr kommen. Kein Mensch hat nach dieser Weihnachtsvöllerei noch Bock auf Kochen und alle machen Diät.

Um diese Vorhaben zu unterstützen, war mein ursprünglicher Beitragsplan eine Liste der schwachsinnigsten Diäten, die ich jemals an mir selbst oder an anderen fremdtestete. Ich hätte mit der Vorstellung der Kohlsuppendiät begonnen. Die war so Ende der 90er populär und ich am Ende meiner Teenagerjahre. Wie so viele geistig umnachtete Menschen im ersten Fünftel ihres Lebens hielt ich meine prallen, faltenfreien Gesichtszüge für doofen Babyspeck und meine ungedellten und muskulösen Oberschenkel für zu kräftig. Vergesst die Kohlsuppendiät, man muss davon nur pupsen.

Während der Studienzeit waren tapetenkleisterartige Proteinshakes angesagt. Für einen flachen Bauch. Der Bauch wurde aber nicht ein kleines bisschen flacher, was aber unter Umständen an den 2-20 Bieren lag, mit deren Hilfe ich meine akuten Examensängste herunterspülte.

Und das, meine Lieben, bringt mich in einem meisterlichen erzählerischen Zirkel zu meinem eigentlichen Beitrag, der Euch morgen das Leben retten wird:

DAS REZEPT GEGEN EINEN KATER VON EINEM ANDEREN STERN

 Ihr wisst noch nicht, dass ihr in mir einen echten Profi für Katerbekämpfung an der Angel habt. Jemanden, der alles ausprobiert hat. Jemanden, dem kein ergoogletes Rezept zu blöde war, um es nicht zumindest zu versuchen. Jemandem, dem kein Weg zu weit war, um den eigenen Ehemann nicht dorthin loszuschicken, um Zutaten für etwas zu besorgen, was meinen post-alkoholischen Schmerzen ein Ende bereiten könnte. Jemanden, der bereits alle medizinisch vorgebildeten Menschen in seinem Umfeld jammernd und weinend in einer Brechpause angerufen hat, um sie nach ihren geheimsten Heilmitteln zu fragen, nur um mein erbärmliches Säuferleben zu retten. Ich schrieb sogar mal einen Wutbrief an eine Fashion-Bloggerin, die ernsthaft „Evian-Gesichtswasserspray“ als Hangover-Kur anpries. Ich habe keine Energie für solche irreführenden Suchergebnisse, wenn es mir schlecht geht.

Jetzt denken alle, ich sauf‘ zuviel.

Das ist aber nur partiell richtig.

Ich bin Silvester-Musiktrinkerin. Ich starte grundsätzlich übellaunig in einen Silvesterabend, weil mir am 31.12. eines jeden verflogenen Jahres gegen 16 Uhr meine eigene Endlichkeit bewusst wird und ich es sinnlos finde, dieses schleichende Dahinsiechen auch noch zu feiern.

Dann macht jemand MC Hammer‘s „You can‘t touch this“ an und ich verliere die Contenance. Ich stehe auf einem Tisch, singe sehr laut und sehr falsch, mache den Roboter-Tanz, versuche zu Moonwalken und trinke von diesem Zeitpunkt unkritisch alles aus, was mir ein Mitmensch in die Hand drückt oder was ich irgendwo finde. Ich bin dann eine unheilvolle Mischung aus all diesen Betrunkenen-Typen, die in diesem grandiosen Video hier vorgestellt werden.

Wo ist das Problem?

Dummerweise habe ich nach einer Motto-Party im April einen ungünstigen Geburtstermin heraufbeschworen: Unser Kind ward am 01. Januar geboren.

Nun wisst ihr alle, warum Katerbekämpfung für mich lebensnotwendig ist um eine gute Geburtstagskind-Mutter zu sein, denn jede Silvesterparty spielt zumindest einmal MC Hammer.

Hier also das Rezept für einen halbwegs Kater-freien Neujahrstag:

Wie immer ist das A und O eine gründliche Vorbereitung.

Regel Nr. 1:          Möglichst keinen Alkohol trinken

 Regel Nr. 2:          (gilt nur, falls Regel Nr. 1 erwartungsgemäß gebrochen wird) Viel, nein sehr viel, Wasser trinken

Währenddessen! Nicht erst am nächsten Tag. Ich stelle überall Wasserkaraffen mit aufgelösten Magnesium-Kalzium-Tabletten auf und beauftrage meine Betreuer (Ehemann, Familie und Freunde), mir stets Wassergläser zu füllen. Schon am Nachmittag platziere ich taktisch klug eine Flasche Wasser am Bett. Einmal ins Bett gefallen, steht man ja sonst nicht mehr auf…

Alkohol verursacht nämlich ein Hirnödem. Ja. Ihr habt richtig gelesen. Ein HIRNÖDEM! Wirklich wahr! Ein schlauer Arztmensch hat unlängst der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben und erklärt, dass Alkohol ein „antidiuretisches Hormon“ im Körper blockiert, welches normalerweise Wasser im Körper speichert. Wenn wir uns betrinken, scheiden wir einen Liter Wasser mehr aus, als wir getrunken haben. Dann verdickt das Blut und –Bumm- haben wir eine Organschwellung. Im Kopf. Grässlich. Seitdem trinke ich bei jedem Toilettenbesuch literweise aus dem Wasserhahn. Schlecht für das Make-Up, aber man trinkt sich ja eh gegenseitig schön.

 Regel Nr. 3: Das gute Zeug trinken

WHOO-HOOOO! CHAMPAGNER!!!

Je mehr Fuselalkohole sich in einem Getränk befinden, umso heftiger der Kater. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sprudelnde Getränke schlechter verträglich sind, aber je billiger der Alkohol hergestellt wurde, umso mehr „Methanol“ ist drin, und das macht beim Abbauen durch den Körper Aua. Also sauft das gute Zeug, wenn es schon sein muss. Die Russen wissen das.

 Regel Nr. 4: Fettig essen

Der jahrelange Selbsttest hat folgende Erkenntnis zu Tage gefördert: Mit nüchternem Magen auf den Weihnachtsmarkt ist der Untergang. Silvester hat den Vorteil, dass man meistens auch was Feines isst. Kohlehydrate sollen keinen Effekt haben, aber ölige Speisen durchaus. Auch hier sind eure Betreuer gefragt: Sie sollen euch überraschend Olivenöl im Schnapsglas anreichen, falls mal wieder auf die Freundschaft geprostet wird. Ist erstmal gemein, aber es hilft.

Mein polnischer Freund Kamil trinkt ein Glas Gewürzgurkenwasser auf Ex, bevor er ins Bett geht. Ich tat es ihm einmal gleich und fortan nie wieder.

Aber der „Gerrit-Bag“ ist eine hilfreiche Erfindung. Er ist eine Anlehnung an den „Doggy-Bag“ aus Restaurants, wenn man sich die Reste des Dinners einpacken lässt. Unser Freund Gerrit macht dies auch an Buffets und versteckt diese Pakete dann an strategisch sinnvollen Orten, wie hinter Steinen am Ausgang oder in Blumentöpfen. So kann er noch ein Stück leckeres Kassler essen, wenn schon alles aufgefuttert ist. Werde ich dieses Jahr austesten.

 Regel Nr. 5: Kinderapotheke plündern

Endlich macht sich der Brechdurchfall der Kinder mal bezahlt. Ihr kennt sie alle: Damit die Kinder nicht „austrocknen“, kauft man diese mit einem Apfel bedruckten Tütchen mit Getränkepulver, zum Herstellen einer nach salzigem Zeitungspapier schmeckenden Lösung, die den Elektrolythaushalt der Kleinen auffüllen sollen. Die Kinder trinken das natürlich nicht. Endlich mal ein Vorteil der Verweigerungshaltung, es sind also noch genügend von den Dingern bei Euch zu Hause. Die wirken Wunder. Ehrlich. Vor dem Schlafengehen und am nächsten Tag in kleinen Schlückchen immer wieder trinken. Legt das Tütchen am Nachmittag bereits neben die Zahnbürste, shake-shake-shake im Zahnputzbecher und dann den Kopp in‘n Nacken.

Regel Nr. 6: Die umgekehrte GLYX-Diät

Noch so ein erzählersicher Zirkel, der sich nun schließt. Diäten. Hier eine Liste von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index. Die soll man nicht verzehren, wenn man abnehmen möchte. Wir möchten am Neujahrstag jedoch hauptsächlich am Kater abnehmen. Die guten Vorsätze können bis zum 2. Januar warten. Wenn selbst der Gedanke an einen Burger nur ein hilfloses Stöhnen auslöst, dann sind die Lebensmittel mit den roten Punkten Eure Freunde: Gekochte Kartoffeln. Toast. Weißer Reis. Bananen. Wer es verträgt, isst ein Omelett. Oder Weißwurst. Proteine sind jetzt Trumpf.

Regel Nr. 7: Frische Luft

Wenn man sich wieder bewegen kann, ohne dass die körperlichen Schwankungen Übelkeit auslösen, sollte man einen Spaziergang machen. 21 % aller Frauen zwischen 18 und 29 müssen sich bei einem Kater übergeben, jedoch nur noch 3 % aller über-60-jährigen Frauen. Der Gedanke hilft. Belustigend und versöhnend sind stets die anderen, aschfahlen Gesichter, die einem auf diesem Trauermarsch begegnen. Ein Drittel aller Briten hält Sex für das beste Mittel gegen Kater, wobei das für Eltern sicherlich der nutzloseste Tipp ist.

Regel Nr. 8: Meditieren

9 Stunden und 45 Minuten soll der durchschnittliche Kater angeblich dauern.

Sollte ein Verlassen des Sofas undenkbar sein, hilft es, sich mantraartig einen Satz meines Schwieger-Großvaters aufzusagen und sich dabei stöhnend hin- und herzuwiegen:

„Kein Kater hat jemals die Dunkelheit gesehen. Kein Kater hat jemals die Dunkelheit gesehen. (…)“

Im Winter auf der Nordhalbkugel empfinde ich das als äußerst tröstlich. Auf der Kieler Woche im Juli bete ich einfach immer, dass keiner MC Hammer spielt.

 In diesem Sinne:

FROHES NEUES JAHR, ihr Partyraketen!

 

Doktor Google

Rückblende. Siebenundzwanzigster Dezember zweitausendzwölf.

Ein Tag „zwischen den Jahren“ wie in jedem anderen Jahr auch. Irgendwie fühlte ich mich blümerant und anstatt mich ins Wartezimmer eines überbuchten Arztes zu setzen konsultierte ich vorm Weltempfänger Dr.Google. Der hatte bald auch den richtigen Riecher:

Sind sie eine Frau? Ja. Sind sie älter als fünfundvierzig? Nein. Fühlen sie sich in den letzten Wochen schlapp und grundlos abgespannt? Ja. Leiden sie unter Schlafproblemen und Kopfschmerzen? Ja. Sind sie übellaunig und plagen sie Stimmungsschwankungen? Ja, und wie! Quälen sie Hitzewallungen, vorallem nachts? Ja. Ist ihre Periode unregelmäßig geworden? Ja.

Diagnose: „Mit großer Wahrscheinlichkeit sind ihre beschriebenen Probleme Anzeichen der Wechseljahre. Ihr Gynäkologe oder ihre Gynäkologin kann ihnen helfen, die Nebenwirkungen des Klimakteriums durch Medikamente abzumildern. Machen sie am besten frühzeitig einen Termin!“.

Machte ich, ich bekam aber keine Medikamente.

Und jetzt kann ich auch nicht weiter mit euch plaudern, denn das Klimakterium ist eben wach geworden und ruft nach mir…

 

 

Weihnachten mit…

… einem Kind der Kirche

Wenn man neben einer Kirche wohnt, kann das Gebimmel nervend sein. Oder aber glücksverheißend. Unser Blondino, das Kind zweier Atheisten, flippt aus, wenn die Glocken läuten und seit er weiß, dass darauf im Anschluss Musike folgt innerhalb dieser schönen Halle, klatscht er nun regelmäßig in die Hände nach Ertönen des Glockenklangs: „So. Gema Gürsche!“. Gema also unregelmäßig. Er freut sich doch so! Und zwischen den Orgelstücken erfreut er die Gemeinde mit „No mal!“-Rufen und feuerte den Organisten lautstark an: „Weita! Weita!“. Auch ist er eher der freestyle tänzerische Typ, der gern mitsingt („Oh fröllische Gristeburt, oh Tanzebaum!“) und dabei auf der Bank abhottet, die Arme nach oben gereckt. Zu seinem himmlischen Vater?! Wir wissen es nicht. Ich meine, er ist zwei! Der redet mit uns nicht über seine Religion.

Am Heiligabend ist die Kirche proppevoll, da fällt ein feiernder Zweijähriger wirklich nicht auf. Heute, am zweiten Feiertag, ist das ein wenig anders: Musikalischer Gottesdienst, Bachkantaten. Chor, Orchester. Zum Knien schön! Alle Leute ganz feierlich, wir auch. Nur etwas abseits. Das Kirchenbaby lauscht andächtig, verzückt blinzelnd, hält ganz still. Wir staunen das Kind an, während die zauberhafte Musik uns umhüllt. Feierlicher, weihnachtlicher geht nicht. Dann stoppt der Chor. „Weita! Weita!“. Diesmal gucken schon einige. Der Pastor erscheint und spricht. Dann dreht er sich zum Kreuz, um mit seiner Gemeinde zu beten. „Umkrehn, Opa! Umkrehn!“, ruft es laut aus unserer Reihe. Und: „Singt! Singt!“. Gott sei Dank (ER hatte ein Einsehen) wurde dann auch wieder gesungen. Nach jedem Lied ertönte der Blondino bedauernd: „Alle alle! Applaus!“.

Die Kinder wurden dann vom Pfarrer eingeladen, zum Kindergottesdienst zu entschwinden, damit die Eltern in Ruhe Bach hören könnten. Logischerweise springt unser Windelärschel auf: „So. Gema!“, als würde er schon immer dazugehören und sortiert sich inmitten der Kinderschar an vorderster Stelle ein, um mit der laternenschwenkenden Kindergottesdienstbetreuerin mitzulaufen.

Es gab dicke Tränen, als wir ihn davon abhalten mussten (wir hatten keine Ahnung und bereits andere Pläne), ich nehme aber an, das Kind hat seine Peergroup gefunden. Amen.IMG_0239

 

… Senioren

In unserer Familie gibt es Senioren. Ich liebe sie alle, denn sie sind ein Quell unerschöpflicher Freude. Zum Beispiel, was Geschenke angeht (braune Stoffbeutel, Plastikpflanzen oder wie jetzt an Weihnachten Buttermilch, Joghurt und Mango in Dosen nebst einem Rezept für Mangolassi. Wohlgemerkt, in der Großküchenabmessung! Mein Kühlschrank ist voll mit Buttermilch und Joghurt natur… und eigentlich mag niemand von uns Mangolassi.).

Schön ist es auch, wenn man mit Senioren essen geht. Weihnachten hat man dazu Gelegenheit und folgende Begebenheit ist ein jährlich grüßendes Murmeltier, weil sie wirklich, wirklich und nicht übertrieben genau so seit Jahren abläuft. Und im selben Restaurant, möchte ich hinzufügen.

Wir haben bereits Getränke bestellt, da platzieren sich die Senioren noch mit ihren Beuteln, Taschen und so weiter. Kann ich hier eigentlich irgendwo meine Jacke hinhängen? Stühle rücken. So wirds gehen. Der Kellner erscheint zum zweiten Mal und richtet das Wort an die Senioren: „Und? Getränkewünsche?“. „Was haben sie denn?“. (Kellner rollt verzweifelt mit den Augen) „Was wollen sei denn trinken?!“. „Haben sie Bier?“. Kellner zählt die Biersorten auf und Opa bestellt das Bier, das er immer bestellt. Oma will eine „Mirinda“, das ist die Orangenlimonade in der DDR gewesen. Fanta geht aber auch. Wir stoßen auf Weinachten an und Opa fragt, ob wir „Bauer sucht Frau“ geguckt hätten? Früher kam ja noch „Ein Kessel Buntes“ oder „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ mit Helga Hahnemann, das war schön damals. Aber „Bauer sucht Frau“ ist auch schön… Der Kellner kommt zurück. Wir bestellen Hirsch, Ente, Kaninchen, Rotkraut, Rosenkohl, Klöße. Dann sind Opa und Oma dran. Und das Spektakel nimmt seinen jährlichen Lauf. „Eine Seniorenportion Schnitzel bitte!“. „Wir haben keine Seniorenportionen!“. „Dann nehm ich ein halbes Schnitzel!“. „Wir machen auch keine halben Schnitzel!“. Wir reden den Senioren gut zu, sich an die Portion für die Großen zu trauen und versichern, man könne den Rest doch einpacken für abends, morgen, nächste Woche! Gut. Unsere Weihnachtsessen und das jährliche Schnitzel werden serviert. „Halt, junger Mann, kommen sie mal zurück! Wieso habe ich Kartoffeln und keine Bom fritz? In der Karte steht Bom fritz.“. „Nein, in der Karte stehen zum Schnitzel Kartoffeln. Wir haben gar keine Pommes frites!“. „Also hören sie mal, ich komme schon seit Jahren hierher essen und immer esse ich Bom fritz zum Schnitzel!“. „Aber ich sage ihnen, wir haben wirklich keine Pommes frites auf der Karte!“. „Kommse her, ich zeig es ihnen… hier… Schnitzel mit Bom fritz.“. „Nein, da steht Kartoffeln!“. „Ach, wirklich?“.

Es schmeckt auch immer allen. Und unsere rüstigen Senioren schaffen auch erstaunlicherweise Riesenschnitzel!

Nur bezahlen lassen wir sie nicht mehr. „Was hamse gesagt? 149,30€? Dann machense 149,50€, ist schließlich Weihnachten!“.DSCN3286

 

 

 

Tür 24 – Das letzte Wort…

… zur schwindenden Adventszeit kommt von mir.

Jetzt hammerse rumgebracht, die vorfreudvollen, stressigen, hektischen, glühweinschwangeren, erwartungsfrohen Tage. Das Weihnachtsfeld ist bestellt. Ab heute wird geerntet. Vermutlich auch bei euch.

Der Baum ist geschmückt, die Gans vorbereitet oder der Tisch für das Ente-Essen bestellt. Kartoffelsalat im Kühlschrank, die Festtagssachen gebügelt. Unterm Baum liegen liebevoll verpackte Geschenke. Besuch wird empfangen oder ihr macht euch auf zu einer Weihnachtsreise, um anderer Leute Besuch zu sein. Werdet lachend mit offenen Armen empfangen und in ein warmes Haus geleitet, wo der Baum geschmückt ist, die Gans vorbereitet…

Heute wird allerorts in den christlichen Kirchen an die Entstehungsgeschichte erinnert und selbst für Menschen, die diese Kirchen nicht frequentieren, ist diese Geschichte mit Weihnachten verbunden. Ein jeder kennt sie. Und sicherlich wird besonders in diesem Jahr an die Parallelen zur Neuzeit erinnert. An Nächstenliebe, Güte und Barmherzigkeit appelliert. Den Geist der Weihnacht.

Als Kind in der DDR aufgewachsen bin ich nicht mit der christlichen Weihnachtsgeschichte konfrontiert gewesen. Dennoch hatte und habe ich eine Weihnachtsgeschichte.

Ich weiß nicht, in welchem Alter ich diese Geschichte das erste Mal las. Vielleicht war ich acht. Oder neun. Und seitdem ist dieses Märchen, sind Andersens Zeilen für mich unlösbar mit Weihnachten verbunden. Nimmt mich die Geschichte gefangen und ich kann kaum zu Ende lesen, so sehr berühren mich die Worte. Meine Weihnachtsgeschichte ist „Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen“. Und nachdem wir heute in einer freundlichen kerzengeschmückten Kirche waren, die Geschenke ausgewürfelt haben und gesungen, und Plätzchen mümmelnd vorm warmen Kamin sitzen, lese ich sie meinen Jungs vor. Aus einem Buch von 1960, das laut Inschrift früher mal dem großen Bruder meiner Mutter gehört haben muss und das exakt das Buch ist, in dem ich vor vielen Jahren diese Geschichte zum ersten Mal las.IMG_0285

Man muss kein gläubiger Christ sein, um den Gedanken der Weihnacht in sich zu tragen. Die Botschaft ist klar. Und recht habt ihr alle, wenn ihr sagt, ihr bräuchtet doch keine Feiertage, die euch an Nächstenliebe erinnern. Das sollte an jedem Tag das Gebot der Menschlichkeit sein.

Nun bin ich kein Christ, aber ich bin noch immer das kleine Mädchen, das beim Lesen von Andersens Märchen vor Kummer und Mitgefühl zerfließt. Das helfen will und teilen. Und das werde ich bleiben. Dem im Jahr, als das Wort „Gutmenschentum“ Hochkonjunktur hatte, törichte Naivität vorgeworfen wurde. Es gibt Schlimmeres als „naiv“ genannt zu werden.

„von kindlich unbefangener, direkter und unkritischer Gemüts-, Denkart [zeugend]; treuherzige Arglosigkeit beweisend“. (Quelle: Duden)

Genießt eure Familien, das Essen, die geschenkte Zeit miteinander. Freut euch über die mit Gedanken an euch ausgewählten Geschenke der anderen. Seid glücklich. Seid Kinder!

 

Euch allen von Herzen wunderschöne Weihnachten 2015, Eure Rike

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Der Brandschutzbeauftrage des Blogs warnt: Bitte stellen sie diese Szene nicht nach! Und seien sie versichert, das Stuntkid war zu keiner Zeit einer wirklichen Gefährdung ausgesetzt. Der pustet nur von weitem!

 

 

Tür 23 – Sandkuchenlyrik

Liebe Leute, ich hab heute Verena hier zur Adventskalenderzier! (Ist gut, ich lass es. Fließtext. Hab verstanden.) Verena ist die schreibende Faust, das denkende Hirn und das spitzbübisch lächelnde Gesicht hinter dem Blog „Sandkuchengeschichten“, und diese Geschichten solltet ihr euch ausdrucken, binden und über die Feiertage lesen. Oder gleich Verenas Buch auf euer elektronisches Dingsbums laden. Wieviel Glühwein nötig war um nachfolgendes Gedicht runterzuschreiben, ist nicht überliefert, aber ich freue mich sehr über die Erstaufführung des hochoffiziellen Sandkuchen-Weihnachtsgedichts, das wir bestimmt im nächsten Jahr in irgendeinem gebunden Gedichtband wiederfinden werden (Marcel Reich-Ranicki nickt von seiner Wolke. Glaub ich.).

Noch’n Weihnachtsgedicht

Am ersten Zwölften geht es los.
Das erste Türchen, grandios.
Doch zehn Kalender, wie das stresst,
dass man zu spät das Haus verlässt
und durch Adventskalenderhast
beinah den Tagwerkstart verpasst.

Täglich fragen die Kinder dann:
„Wann kommt er denn, der Weihnachtsmann?“
Oder auch das Christkindlein
– da wollen wir mal nicht so sein.
Die christliche Idee dabei,
die ist uns doch längst Einerlei.

Beim Marathon der Weihnachtsfeier
jedes Jahr die gleiche Leier:
Firma, Sport und Chorkonzert
– knobeln, wer zu welcher fährt.
Die Weihnachtsstimmung macht sich rar
bei dem ganzen Jahresabschluss-Trallala
Beim Wichteln gibt’s den letzten Schrott,
doch danken wir dem lieben Gott.

Weihnachtsmänner in den Gassen
bringen Schoki in die Massen.
Manchmal kommt auch in das Haus
vom Arbeitsamt ein Nikolaus.
Ohne Bart und klapperdünn –
fragen wir mal nicht nach Sinn.
Immerhin, das ist das Gute,
keiner kriegt mehr mit der Rute.
Obwohl das vielleicht besser wär,
doch das gehört jetzt nicht hier her.

Zuckowski läuft in Dauerschleifen
harmonisch gut zu Mutters Keifen,
die Plätzchen im Akkord jetzt macht,
und alles für die heilge Nacht.
Nur dass bis dann nichts übrig bleibt
und Papa sich das Bäuchlein reibt.
Auf Lebkuchen hat keiner Lust,
die gibt’s ja schließlich seit August.
Wunschzettel mit siebzig Posten?
Egal, wir lassen‘s uns was kosten
Geld spielt keine Rolle mehr,
große Gaben müssen her.
Spenden für ‚Brot für die Welt‘?
Ne, dafür ham wir echt kein Geld!

Beim Weihnachtsmarkt gibt’s Glühweinfusel,
als Vorbereitung fürs Gewusel,
das das Krippenspiel beschert,
wo keiner mehr die Spieler hört.
Das ist uns aber auch egal,
wir kennens ja schon vom letzten Mal.

Das Singen vor dem Weihnachtsbaum
ist schön in Omas Weihnachtstraum.
In Echt kennt keiner einen Text
und auch die Töne klingen leicht verhext.

Wiedermal hat`s nicht geschneit
Wie damals in der guten Zeit
als Maria ihren Sohn gebar
und früher mehr Lametta war.
Geschenke gibt es viel zu viele,
Plastik, Socken, x-box-Spiele
das Herzerl und die Wirtschaft lacht,
und alles in der Heilgen Nacht.

Essen bis es nicht mehr geht
– ab Neujahr machen wir Diät!
Im Fernsehen „Die Hard“ eins bis zehn
doch Oma will zur Kirche gehen.
Papa sitzt erschöpft mit Bier
in Bergen von Geschenkpapier.

Und endlich beim Familienstreit,
da merkt man: Es ist Weihnachtszeit!

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Tür 22 – Haselnuss-Bananen-Cookies

Jessi und ihre zauberhafte Tochter habe ich bei der #blomm2015 kennengelernt und sehe diese überaus herzliche und fröhliche Frau immer noch vor mir. Sie lebt in einer „etwas anderen Familie“, wie sie selber schreibt, mit Mann, Kind und Pflege-Teenager und hat den Kopf stets voller Ideen. Darüber schreibt sie auf ihrem Blog feierSun. Ich mag besonders ihre raffinierten und simplen Rezepte, die immer aussehen, als bräuchte man dafür nur drei Zutaten und sei innerhalb von zehn Minuten fertig und alles sieht „Wow!“ aus. Kein Wunder also, dass ich mir ein Rezept von ihr gewünscht habe. Und diese Cookies kann man bestimmt auch super im Januar essen. Oder November. Oder Januar bis November. Viel Vergnügen!

Als Rike mich fragte, ob ich ein Türchen ihres Kalenders sein möchte, da bin ich glatt ausgeflippt, denn Henrike – Riiiiiiiiiiiiike – Riiiiikeeeeee ist einfach wundertoll und ich fühle mich geehrt. Was es aber nicht einfacher macht, auszuwählen, was ich euch zeige. Schließlich seid Ihr einiges gewöhnt von der Autorin dieses Blogs (Anmerkung der Autorin: Nein, ich habe auch keine Ahnung, was sie meint.). Daher versuche ich es mal mit einem Rezept. Essen geht ja immer und lecker sowieso und einfach ist noch besser. Vielleicht findet das Rezept ja auch im testosterondominierenden Haushalt der Nieselpriem´s Anklang, denn einfach das ist es und einfach ist doch immer gut.

Haselnuss-Bananen-Cookies

Zutaten: 
– 125 g Margarine
– 80 g Zucker
– 250 g Mehl
– 100 g Haselnüsse
– 1 Pck. Vanillezucker
– 1 Teil Backpulver
– 350 g Bananen
– 1 Prise Salz

Zubereitung:
Die Haselnüsse klein hacken und mit den trockenen Zutaten, also dem Mehl, dem Backpulver und der Prise Salz mischen.

Margarine mit dem Zucker und dem Vanillezucker cremig rühren. Bananen pürieren und zur ersten Mischung geben. Kurz umrühren. Nun die trockenen Zutaten dazugeben und vorsichtig vermengen.

Spätestens hier kommt der Kinderpart – zumindest bei uns, denn wir sind so verrückt – also ich bin es, das vierjährige Teigmonsterchen mit einzubeziehen beim Backen. Ich hab aber auch keine Wahl, die klettert einfach auf die Arbeitsplatte und macht mit:

Also einfach mit zwei Esslöffeln kleine Teighügel auf dem Backblech anhäufen und leicht platt drücken. Eigentlich könnte man sie rund formen – aber erzählt das mal einem enthusiastischen Kind und im Grunde, die kommen auch nur in den Bauch – ob rund, eckig oder wie auch immer.

Gebacken haben wir sie bei 160 Grad ca. 15 Minuten und noch heiß musste ich meine beiden Männer davon abhalten einfach zu naschen, doch wer will es ihnen verübeln. Sie duften auch lecker.Bananen Haselnuss Cookies.So und wer das Küchen-Chaos nun bezwingt??? Ich wäre ja für den Mann, findet der aber nicht – also ich bin dann mal schrubben…

Und wer mehr Rezepte von der verrückten Mutter lesen will, die ihre Tochter bei so was tatsächlich in die Küche lässt und die nebenher auch noch bastelt, der kann gerne mal zu ihr rüber huschen. Oder einfach in die Küche gehen und auch ein Chaos veranstalten – ob mit oder ohne Kind.

Tür 21 – Der Christkind-Effekt

Anneliese schreibt auf „Einer schreit immer! Die ungeschminkte Wahrheit über Zwillinge“ über genau das. Ungeschminkt, lustig, ehrlich und absolut lesenswert nicht nur für Mehrlingseltern. Während ich mir nicht annähernd vorstellen kann, wie man das so händelt mit mehreren Wuselzwergen und schon zwei kleine Hände nicht von den Weihnachtsbaumkugeln wegbekomme und durchdrehe, weil meine heißgeliebte Deko abgeräumt, umgeschmissen, zerdeppert oder weggeschleppt wird, kriegt sie es offensichtlich hin. Das mit dem Feeling. Und hach, beim Lesen beschleicht es mich dann auch. Ich höre Glöckchen klingeln! Scheiß doch auf die Steuererklärung. Noch dreimal schlafen, dann ist Weihnachten 🙂 ! Für uns alle. Auch für diejenigen mit der Steuererklärung.

Derzeit gibt es bei uns viele Geheimnisse und strahlende Kinder-Augen. Die Zwillinge diktieren Briefe ans Christkind während sie Kekse mampfen bis die Krümel quer über den Tisch fliegen. Im Hintergrund laufen kitschige Weihnachtslieder im Radio. Es ist eine richtige Idylle. Abends, vor dem Schlafen gehen, lesen wir weihnachtliche Geschichten und schauen aus dem Fenster um die Engel bei unserem Haus vorbeifliegen zu sehen. „Ist das Blinken da hinten das Christkind?“, fragt Micky aufgeregt. Ich zwinkere und sage: „Wer weiß das schon?“. Ganz selig legt er sich dann in sein Bettchen, drückt seinen Teddybären fest an sich und träumt vermutlich von Engeln, Flügeln und vielen, vielen Geschenken.

Die liebevollen Flunkereien machen Spaß und man fühlt sich an seine eigene Kindheit erinnert. Man denkt an unbeschwerte Zeiten, liebevolle Umarmungen und die Nerven zerfetzende Warterei bis zur Bescherung. Der Duft von Lebkuchen kitzelt in der Nase und man wird bei all der Idylle fast ein bisschen wehmütig. Und vielleicht auch neidisch: Wenn ich Micky und Maus da so sehe, wie sie dem Christkind entgegenfiebern, unschuldig, naiv und entzückend, dann bedauere ich, dass ich diese Leichtigkeit längst verloren habe. Statt an Sprühkerzen denke ich an die Steuererklärung und überlege wann ich den Baum zwischen all meinen Terminen entsorgen werde, während ich am Handy die Öffnungszeiten der Müllabfuhr checke und ein Online-Fotobuch mit den Highlights des letzten Jahres zusammenstelle.

Die Feiertage sind generalstabsmäßig durchgeplant: Der Familienbesuch ist getaktet, auch einen genauen Küchenplan gibt es, damit nicht plötzlich am 25. Dezember der Pudding ausgeht. Das wäre natürlich ganz schlimm und der Weihnachtsfrieden würde schief hängen. Micky und Maus hingegen sind entspannt und genießen die Leichtigkeit des Seins… Quasi „La Dolce Weihnachts-Vita“. Ihre kleineren und größeren Sorgen handeln davon, wer gerade das Bobby-Car haben darf, ob das Christkind seine Post rechtzeitig bekommen hat und welches T-Shirt der Teddy angezogen bekommt. Aber auch das können natürlich ernst zu nehmende Probleme sein, die zum Streit führen können…

Mein Mann und ich sprechen daher immer öfter vom Christkind-Effekt: Was man einmal als Wahrheit erkannt hat, das kann man nicht mehr vergessen. Man kann es nicht mehr als ungeschehen machen.  Als Kind glaubt man noch an den Zauber von Weihnachten, an das Gute im Menschen und an das Christkind, das Baum und Geschenke bringt. Doch so bald einem jemand die ganze Wahrheit erzählt, man merkt, dass es eigentlich jemand anderer ist, der die Geschenke einpackt, dann können einem noch so viele Menschen davon überzeugen wollen, dass es das Christkind gibt. Man weiß es, dass es eine Illusion ist. Dass es eine süße Flunkerei ist. Man ist in der Realität, im echten Leben angekommen. Man hat eine Steuernummer und macht sich Gedanken über Sparguthaben und Rentenversicherungen. Und während man im täglichen Hamsterrad gefangen ist, versucht man ein bisschen Weihnachtsstimmung in den Alltag zu pressen. Und ein bisschen funktioniert es dann doch noch.

Wir lernen:
Das größte Geschenk in unserer Zeit,
ist Gesundheit, Glück, Zufriedenheit.

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Tür 20 – Wortspuren

Anja schreibt auf Wortspuren über ihre Liebe zur Kalligrafie und zaubert dort mit diversen Gerätschaften und Tinten wahre Kunstwerke, die mich ins Staunen versetzen. Des Kleinsten Zimmer schmückt bei uns eines davon mit dem Titel „Nieselglück“ und ich erfreue mich täglich daran, wenn ich es ansehe. Außerdem gibt es wunderschöne Gartenpoesie bei Anja, Gekochtes, Gebackenes, Gerührtes. Alles mit einer entspannten Leichtigkeit und viel Liebe zum Detail. Für uns, für euch hat sie heute im Adventskalender Neujahrskarten kalligrafiert, die es als Gratisdownload gibt. Danke, liebe Anja, und euch viel Vergnügen beim Ausmalen, Verzieren, Verschicken und Freude bereiten!

Buchstabe für Buchstabe. Wort für Wort. Kalligrafie geht irgendwie immer. Zu Ostern. Zum
Geburtstag. Zu Weihnachten und zu Neujahr. Nur nicht zu Kaffee mit Koffein, das gibt immer
zittrige Linien. Wenn so eine Kalligrafie fertig ist sieht man ihr den Entstehungsprozess oft nicht an. Und schon gar nicht die Stunden, Tage, Jahre an denen man Übungsblätter gefüllt hat, Federn eingeschrieben, Tinte verkleckst und bunte Finger hatte. Und alles nur, damit es so schön einfach dahingeschrieben aussehen kann. Heute gibt es sogar Schreibgeräte die das Hantieren mit Feder und Tinte überflüssig machen und so kann eine Kalligrafie schon mal spontan am Küchentisch entstehen. Oder eben nicht so spontan. Bis ein Text in genau die Form passt, die man sich vorstellt bedarf es schon zwei, drei Probeblätter. Und weil bei mir traditionell Anfang Januar Post verschickt wird, habe ich das Gedicht »Zu Neujahr« von Wilhelm Busch kalligrafiert. Der hat übrigens vielmehr als nur die Bildergeschichten um Max und Moritz ersonnen.

Zu Neujahr

(von Wilhelm Busch)

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das worum du dich bemühst,
Möge Dir gelingen.

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Von der Idee zum fertigen Kartenmotiv waren es nur ein paar Blätter. Immer schön im Kreis
schreiben. Feststellen, das nichts passt. Neu auszirkeln. Im Kreis schreiben. Hunde wegschicken, damit der Tisch nicht wackelt. Noch einmal auszirkeln. Werkzeug wechseln. Wieder im Kreis schreiben. Irgendwann passt es. Schönes Neujahrsfeuerwerk als Zierde ergänzen. Fast fertig. Nun nur noch das Ganze fein säuberlich und ohne Schreibfehler in Reinschrift ausführen. Und weil meine Kalligrafien am Küchentisch entstehen, leistete hier ein Pinselstift mit fester Spitze seine Schreibdienste.

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Nach dem Digitalisieren kann die Vorlage auf festem Papier (250g ist ideal) ausgedruckt und weiter bearbeitet und verziert werden. Zum Beispiel mit Farbstiften alle geschlossenen Buchstabenformen ausmalen. Oder Sterne aufkleben. Oder mit Glitzer verzaubern. Oder… da gibt es sicher noch viele Ideen. Weil Kalligrafie in unserem Land eher ein Nischendasein führt, aber jeder schöne Schrift bewundert, gibt es die Vorlage für meine Neujahrskarte hier gratis als Download. So können nun hoffentlich ganz viele Empfänger mit schöner Schrift beglückt werden.

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Gratis Vorlage der Kalligrafiekarte »Zu Neujahr« – jeweils zum Ausdrucken auf A4

• Vorlage für eine Karte A5 [Link]
• Vorlage für zwei Karten A6 [Link]

Viel Freude mit den Vorlagen, tolle Ideen zum Verschönern und natürlich viele freudige Empfänger, die schöne Schrift lieben. Ich werde nun meine freien Tagen nutzen, um ein wenig mit meiner Lieblingshündin durch das südliche Brandenburg zu stromern und meine Schreibgeräte für’s neue Jahr zu polieren. Und vielleicht finde ich in ein paar Tagen ja auch schöne Neujahrspost in meinem Briefkasten.

Tür 19 – Mein Kind ist ein Grinch

Vermutlich mache ich mir mit diesem Adventskalender eine größere Freude als euch. Mein Bloglieblinge hier auf Nieselpriem zu lesen, ist wie Geburtstag haben! Und wenn auch so viele fehlen, so kann ich doch jeden Tag ein Türchen öffnen und dahinter sitzt ein witziger, eloquenter, kluger, weiser, nachdenklicher, netter, attraktiver bloggender Mensch. So wie Liz hier von Kiddo the Kid. Wenn das Internet jemals zugriffsbeschränkt würde und ab morgen dürfte ich nur noch fünf Blogs lesen, Kiddo wäre dabei! Und, damit ihr´s schon mal wisst: Wenn ich in dreißig Jahren in die Senioren-WG ziehe, halte ich einen Schaukelstuhl für Liz frei. Wir werden morgens nach dem Sekt für den Kreislauf erst mal einen Kirschlikör kippen und dann den Bauarbeitern vom Fenster aus zupfeifen. In Würde altern also.

Bis dahin ist noch viel Zeit und dem Kiddo muss erst noch Weihnachten beigebracht werden. Viel Vergnügen beim Lesen!

Hach, Advent! Die Welt ist Baumkuchen. Menschen haben größere Herzen als sonst. Es glitzert immer, überall. Mein Instagram-Feed ist voller kleiner Backkhelfer und Plätzchenverzierer und Chai-Tee-Mütter, die #blessed sind und überwältigt von dieser magischen Stimmung, die sich nur mit Kindern so vollständig über die Synapsen legt. Was habe ich mich im letzten Jahr gefreut auf diese Zeit! Wir würden gemeinsam dekorieren und backen, und all die herzigen Eltern-Kind-Sachen tun, und dabei Weihnachtssongs hören! Kiddo würde Strumpfhosen mit Tannenbaummotiven tragen und dabei irre niedlich aussehen. Zugegeben – dieser Wunsch wurde erfüllt, alle anderen aber nicht. Denn: Mein Kind ist ein Grinch.

Das fängt schon an bei der Musikauswahl. Da ist das Kiddo eigen. Es hüpft am liebsten zu Punkrock, Hip Hop aus den Neunzigern oder bayrischem Folk. Einschlägiger Weihnachtspop hingegen ruiniert ihm die Stimmung. Kapieren wir das nicht schnell genug, geht es zur Stereoanlage und schaltet sie einfach aus.

Traurig ist auch, dass das Kind die leidenschaftliche Zuneigung seiner Mutter zu Lebkuchen und Dingen mit Zimt nicht zu teilen vermag. Im Gegenteil, weihnachtliche Gewürze scheinen auf das Kiddo’sche Nervensystem eine aggressionsfördernde Wirkung zu haben: Das Kind ruht nicht eher, bis das ekelerregende Lebensmittel bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt im Mülleimer ruht. Was es jedoch nicht davon abhält, jedes Mal lautstark einen Lebkuchen zu fordern, sobald ich einen essen möchte. Obwohl…eigentlich ist das völlig logisch.

Neulich kaufte ich dem Kind in einem Anfall debiler Realitätsverzerrung ein rotes Hüpf-Rentier aus Gummi. Wie schlau von mir, dachte ich frohlockend: Kiddo hüpft ausgesprochen gern, es wird dem Plastikrudi bestimmt nicht widerstehen können. Während ich noch die Luftpumpe wegräumte, vernahm ich aus dem Wohnzimmer laute Rumpel- und Grunztöne. Und fand kurz darauf einen zu Boden gerungenen Rudi vor, das knurrende Kleinkind fest verbissen in sein Gummigeweih, die kleinen Fäuste gnadenlos gegen die Rentiernase schwingend.

Seitdem überlege ich, ob ich des Kiddos Weihnachtsgeschenke wirklich in festliches Papier verpacken soll. Wer weiß, was der Anblick von Schneemännern und Weihnachtsschlitten in ihm auslöst. Vielleicht nehme ich lieber etwas Neutrales. Sagen wir, Packpapier. Oder eine alte Ausgabe der taz.

Der Nikolaus war bei uns in diesem Jahr übrigens nicht zu Gast. War wahrscheinlich besser für ihn.

Tür 18 – Das kommt mir spanisch vor!

Simone schreibt nicht nur Kiko Kinderkonzepte, sondern auch noch den gleichnamigen Blog. Wenn ich Simones Texte lese, werde ich zum Louis de Funès. Eh schon mit hektischer Grundveranlagung gesegnet, triggert mich ihre Sonderzeichen- Satzzeichen- Großschreibungswillkür nebst verbuchstabelter Emoticons *seufz*augenroll* derart an, dass ich SOFORT alles LESEN MUSS!!!!!!! …….ARRRGGHHH. UUUUAAAAHHHH!!!! *angestrengt guck*. Ich habe im Scherz mal geschrieben, ich hätte Angst, sie kommt sonst und nimmt mich in den Schwitzkasten. Simone hat am lautesten darüber gelacht! Denn man kann nicht nur mit Simone lachen, auch mit Simone über Simone. Ein ganz wunderbarer Charakterzug. Und davon hat sie noch jede Menge mehr: Wenn man sich mit Simone im blau-gelben Frühstücksrestaurant verabredet, zückt die ganz sicher eine vollgeschriebene Klopapierrolle mit Einkaufswünschen. Also von anderen Leuten. Den Nachbarn, den Miteltern aus der Grundschule des Kindes, den Nachbarn der Miteltern aus… Weil, sie ist ja schon mal da. Und dann kommt der Satz: „Ich muss noch die Schrankwand „Appendix“ für die Dings einkaufen heute! Die hat es doch mit dem Rücken, die kann nicht schwer heben.“. Selbstverständlich ist Simone auch Elternsprecher in (ich würde mich nicht wundern) so ziemlich allen Einrichtungen, wo so etwas gewählt wird. Und das ist auch gut so! Die Frau hat eine Power, das würde ich nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Wenn irgendwann die Welt untergeht, will ich unbedingt im „Team Simone“ sein. Während andere Leute noch an Lösungsstrategien arbeiten oder an Konzepten für Lösungsstrategien (ich zum Beispiel), hat Simone schon mal ne Arche gebaut, alle Tierchen eingesammelt und das Boot vollgetankt. Es gibt also hier und heute nur eine mögliche Ankündigung für Simone:

Ladies and Gentlemen, bitte begrüßen sie mit einem gehörigen Applaus Simone  Chuck Norris-McGyver von Kiko Kinderkonzepte mit einer Bastelanleitung für spanische WEIHNACHTSKRÄNZE!!!!! …. WAAAAAAAHHHH!!! *klatscht in die Hände*.

Die Spanier tun mir echt Leid. Die kennen überhaupt keinen Advent! Kannst du Dir das vorstellen? Weihnachtszeit ohne Advent? Also mir würde da echt was fehlen!
Wir sind Mitte Oktober 2005 nach Spanien gezogen. Den November verbrachte ich mit Kartons ausräumen, Schränke einräumen, Kisten umräumen, alles nochmal rumräumen, wenn das Kind half auch aufräumen und den überhaupt vielen neuen Räumen.

Und schwupp war ganz plötzlich fast Dezember und somit 1. Advent.

Wir sind mit Sack & Pack ins Ausland gegangen und hatten so zum Glück die komplette vorhandene Weihnachtsdekoration dabei. Aber, so eine Lichterkette in der Palme lässt nicht wirklich weihnachtliche Stimmung aufkommen. Dafür brauchten wir dann doch einen Adventskranz. Das hieß: ein passendes Geschäft zu suchen. Nach den paar Wochen wusste ich zwar wo ich in unserem Vorort Lebensmittel, Kinderarzt und Apotheke fand, aber ein Gartencenter oder Ähnliches hatte ich noch nicht entdeckt.

Bewaffnet mit Wörterbuch, Stadtplan, Navi und Kind (das heutige Pubertier war seinerzeit gerade mal 2 Jahre alt) machte ich mich auf die Suche. In Deutschland gibt’s ja spätestens Ende September ÜBERALL Weihnachtsmänner & Co. Nicht so in Spanien. Ich habe nach langer Suche dann einen Gartencenter gefunden, war aber am Eingang schon irritiert, denn nach dem Eintreten erschlug mich eben NICHT die geballte Ladung Weihnachtssachen. Die fand ich erst nach einigem Suchen in einem der vielen Regale. In dem relativ kleinen Regal musste ich aber auch nicht lange suchen um festzustellen, dass es keinen Adventskranz gab. Mit den wenigen bereits gelernten spanischen Vokabeln erkundigte ich mich nach dem Kranz, den man vor Weihnachten mit vier Kerzen auf den Tisch stellt. Ich erntete jedoch nur völlig verständnislose Blicke, was ich natürlich auf meine Sprachkenntnisse schob.
Der Göttergatte hatte die ersten Monate, bis ich mit Kind & Kegel nachgezogen kam, in La Coruña eine kleine Stadtwohnung. Dort haben wir den Papa besucht und für die Häusersuche erstmal alle gewohnt. Und da hatte ich viele Dekogeschäfte gesehen, die ich nun heimsuchte. Aber auch da wurde ich nicht wirklich fündig, denn das Einzige was ich fand waren Plastik-Kränze. Nackte grüne Plastik-Kränze. Angesprochen auf die vier Kerzen erntete ich die gleichen Blicke. *hmpf*

Ok, der Spanier an sich kennt also anscheinend keinen Adventskranz. Da musste sich der Bastel-Legastheniker aus Deutschland, also ich, wohl was Eigenes einfallen lassen. Ich kaufte widerwillig einen solchen grünen Plastik-Kranz und fragte Zuhause den hauseigenen Ingenieur ob er eine Idee hätte, wie ich ohne in Deutschland erhältlichen Adventskranz-Kerzen-Halter einen Kranz basteln könnte. Antwort: „Die werden doch hier irgendwo Adventskränze haben!“ … Aus der Richtung war also keine Hilfe zu erwarten.

Bevor ich aber ein Care-Paket aus der Heimat anforderte, wollte ich noch was anderes probieren. Ich fuhr in den Baumarkt … also … in DAS Geschäft, was DIE Sachen hat, die ein Baumarkt in Deutschland hätte. Das sieht aber in Spanien nicht so aus. In Deutschland würde so mancher Heimwerker sich nach einem solchen Laden die Finger lecken. Denn hier gab es Alles, restlos ALLES, was im Haushalt, Garten und Werkzeugkammer fehlen könnte. Auf viel weniger Raum, in viel engeren Gängen mit viel weniger Licht.
Ich hatte mir die Mühe gemacht die passenden Vokabeln zu Hause aufzuschreiben um in meinem bisschen Spanisch vor Ort erklären zu können was ich brauche. Zu meinem großen Glück stieß ich auf eine weibliche Verkäuferin, die sehr interessiert versuchte zu verstehen was ich vorhabe. Sie nickte immer wieder verständnisvoll, lächelte nicht ganz so grenzdebil wie die Damen im Dekoladen und bat mich ihr zu folgen.

Wir verschwanden in den Tiefen der Regal-Räume und ich war froh eine Frau getroffen zu haben, mit männlicher Begleitung wäre mir zwischen den dunklen engen Regalen etwas mulmig geworden. Dort wo wir hingingen, waren die Männer allerdings schon da. Es war eindeutig die Männerabteilung! Es handelte sich sozusagen um das „Süßwarenregal“ des Handwerkers. Du kennst die Quengelware-Regale an der Kasse, von denen sich Kinder nicht trennen können, oder? DAS war ein TRAUM-Kleinkram-Regal für MÄNNER! Ich bin Schreinertochter. Ich bin zwischen Holzschrauben, Dübeln, Nägeln, Scharnieren und solchem Gedöns aufgewachsen, aber diese beachtliche Sammlung an Schrauben hatte ich nicht erwartet. Und das Ganze nicht ordentlich fein säuberlich beschriftet in gleichen Kunsstoffspendern. NEIN, echt spanisch in gefühlt tausenden angebrochenen abgegriffenen unterschiedlich großen Schraubenkartons. Aber, als die Dame zielgerichtet in eine der vermutlich 6.825 Schächtelchen Griff und mir vier Gebilde hinhielt, da wusste ich: DIE VERSTEHT MICH! *erleichtertseufz* Ich verstand kein Wort von dem was sie sagte, aber ich nahm die Teile, denn die waren für meinen Adventskranz die perfekte Lösung.

Ich fuhr freudestrahlend glücklich heim und machte mich ans basteln. Der Göttergatte faselte was von „nur“ Rigips-Decken-Haltern und viel zu großen Unterlegscheiben, aber ich war glücklich. Ich bastelte mir nen Wolf, klebte noch ein paar Kugeln, Zapfen und Nüsse drauf und war stolz wie Oscar! Hier ein paar Eindrücke.

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Die Geschichte, wie wir dann für Heilig Abend an einen echten Weihnachtsbaum gekommen sind, kann ich Rike ja dann im nächsten Jahr erzählen. *schmunzel*
Im ersten Jahr zurück in Deutschland war ich so motiviert dass ich den ersten Adventskranz dann sogar selber gebunden habe. Wie der sich aber bis zum dritten Advent bereits in den Selbstzerstörungs-Modus gebracht hatte, das erzähle ich dann mal auf meinem Blog.

Aus Schaden wird man klug, daher haben wir heute einen Adventskranz, den ich nur noch mit Tannengrün & Kugeln bestücken muss.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch eine toll dekorierte Adventszeit!

Eure Simone von KiKo KinderKonzepte

 

 

Tür 17 – Atheistenradikalinski

Über diesen Beitrag freue ich mich persönlich ein bisschen wie ein Kind an Weihnachten! Ein Dresdner Blogger. Ein männlicher Dresdner Blogger. Ein Geheimtipp (behaupte ich). Einer, der auf der Kooperationsseite seines Blogs stehen hat: „Nein! Geht weg!“. Jemand, dem der schnöde Mammon, Ruhm und Lorbeerkränze gänzlich abgehen und der dabei auch noch so unverwechselbar schreibt, dass ich mich regelmäßig freudig jubelnd errege ob seiner verbalen Sperenzien. Einer, dem ihr alle spätestens ab jetzt regelmäßig die Bude einrennen solltet. Ich freue mich schon sehr darauf, wie er damit umgehen wird 😉 . Liebe Leute, Vorhang auf und Scheinwerfer an für Olaf von Papaquatsch(t)!

Rike hat gesagt, ich muss drei Dinge abarbeiten: Kritische Abhandlungen, sozialistische Gedanken und versaute Rezepte. Bevor es aber los geht, sei eins noch gesagt:

Seid bereit!

Wer jetzt die Hand an der Rübe hat, der kommt aus einer grauen Welt. Zumindest sagt das mein Fotoalbum, denn das wird tatsächlich erst mit dem Jahr 1990 bunt. Verrückt. Komisch ist auch, dass ich zum Adventsbloggen beitragen soll. Dabei bin ich doch Atheist, ein sehr überzeugter noch dazu. Genauer gesagt mag ich Religionen, allen voran die christliche, überhaupt nicht. Wussten Sie zum Beispiel, dass in der katholischen Kirche noch sehr lange darüber diskutiert wurde, ob die Frau überhaupt ein Mensch sei? Nee, brauch’ ich nicht und will ich nicht. Am schlimmsten sind dann ja noch diese bigotten Feiertagsfrömmler. Erzählen Sie mir nix, ich hab’ die in der Familie.

Jetzt ist das mit Weihnachten allerdings doch irgendwie blöd. Ich mag es nämlich. Das hat aber keiner gehört, verstanden?!

Überall ist es geschmückt, es gibt Stollen, Plätzchen werden gebacken und alles läuft irgendwie ein bisschen ruhiger ab, auch wenn überfüllte Innenstädte ein anderes Bild der Lage vermitteln. Ich mag Weihnachten übrigens schon immer. Hier, gucken Sie mal:

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Was darf an Weihnachten auch nicht fehlen? Richtig, Klimbim. Ich bin damit reichlich versorgt, denn in den letzten 20 Jahren hat mich meine Oma jedes Jahr beschenkt. Ich besitze verschiedenste Räuchermännchen, Winterkinder und Nussknacker. Ich habe diese Geschenke übrigens nie zu würdigen gewusst. Wer will denn in seinen besten Jahren bitteschön Weihnachtsdeko geschenkt bekommen? Heute bin ich ziemlich glücklich, dass ich die große Kiste einmal im Jahr aus dem Keller holen kann, denn sie erinnert mich auch an die Zeit mit ihr. Seit meine Tochter auf der Welt ist, hat sich all das noch einmal verstärkt. Und fast bin ich geneigt, die Existenz meiner Familie als kleines Wunder zu betrachten.Was darf an Weihnachten auch nicht fehlen? Richtig, die Aurora und der Frank. Wer aus Westdeutschland kommt, der sucht jetzt einfach mal nach „Weihnachten in Familie“. Aber erschrecken Sie nicht! Auf dem Cover sind furchtbar gekleidete Personen zu sehen, die auch ganz furchtbar singen. Aber es ist so schön. Ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass das die einzige existierende Weihnachtsschallplatte der DDR ist. Oder kennt hier noch wer was anderes?

Seit gefühlt immer fehlt in unserer Familie noch etwas nicht: Aschenbrödel. Die DDR/CZ-Verfilmung. Neuverfilmungen werden gnadenlos missachtet. Wie könnte man es auch nicht lieben? Vorgestapfte Pfade quer durch den Winterwald, aus den letzten Stoffbahnen herausgefetzte Schleier und ein wunderbar albern aussehender Rolf Hoppe.

Hach ja, Weihnachten. Da kann man sogar mal die Kirche Kirche sein lassen.

Nachtrag: Das versaute Rezept habe ich nicht abgedruckt! Möglicherweise lesen Kinder mit. Man hat ja schließlich auch Verantwortung. Keine Sauereien an Weihnachten. Steht schon im Weihnachtshandbuch für Blogger.

Tür 16 – Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs

Herzlich Willkommen Nina alias Frau Mutter hier im Adventskalender. Mit „Frau Mutter“ verbindet mich etwas Besonderes. Wäre ich nicht lange Zeit hauptberuflich Leser und Blogkommentator gewesen und hätte Nina nicht irgendwann geschrieben, sie freue sich immer so über meine witzigen Kommentare, wer weiß, ob es das Nieselpriemschn gebe. Mittlerweile hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht und ich wollte hier wirklich mit einer Rezension starten, aber. Gibts schon. Besser als Christian vom Familienbetrieb kann und könnte ich niemals schreiben! Also lest diese Buchbesprechung und kauft das Buch! Auch allen kinderlosen Freunden und Verwandten, denn es steht endlich mal geschrieben, warum man unter gar keinen Umständen am Wochenende in der Mittagschlafzeit bei Elternleuten anrufen oder klingelnd vor der Tür stehen sollte. Niemals! Möglicherweise hängt das Fortbestehen der Menschheit am elterlichen Mittagschlaf. Also, ohne vorgreifen zu wollen…

Heute schreibt Nina für uns über „BUNTE“ Weihnachten, ein GALAnter Artikel über eine Begenung der ganz besonderen Art. Viel Spaß damit!

Nicht alle Weihnachten bleiben einem ja so gut im Gedächtnis. Das erste Mal als Paar, das erste Mal mit Baby, das erste Mal mit motzigem Teenager…. Klar, dass man sich daran gut erinnert. Eines meiner schönsten Weihnachten habe ich in Schweden verlebt. Weil es da so schön und stimmungsvoll ist? Wegen des leckeren Glöggs? Aber nein, es hat mit meiner geheimen Leidenschaft für bunte Blätter zu tun.

Als wir in Schweden lebten, war für uns die Stockholmer Deutsche Kirche ein Kontaktort für alle Expats. Die „Tyska Kyrka“ im Stadtteil Gamla Stan ist ein wirkliches Schmuckstück, auf das die Gemeinde dort zu Recht stolz ist.

Dort in der deutschen Kirchengemeinde gab es von einer Nähgruppe bis zum Elterncafé alles, was man sich als in Stockholm gestrandete Deutsche wünschen konnte. Damit es nicht nur beim Kaffeetrinken blieb, beschlossen meine Mutter und ich am Heiligabend, einmal den Gottesdienst zu besuchen. Also begaben wir uns auf einen schönen Spaziergang quer durchs winterliche Stockholm. während mein Mann mit dem Baby zu Hause blieb, die „julklappar“ unter dem Baum arrangierte und das Essen kochte.

Wir betraten die schön geschmückte Kirche viel zu früh, aber so konnten wir uns einen guten Platz ergattern. Was sich noch als ungemein wichtig herausstellen würde.

Nu saßen wir in der Kirche und warteten auf den Beginn des Gottesdienstes. Die Kirche war nun komplett bis auf zwei Plätze gefüllt und wir warteten immer noch. Was war das denn? Sind die Deutschen in Schweden unpünktlich? Plötzlich öffnete sich das Portal und alle erhoben sich. Meine Mutter und ich standen auch mal auf, zur Sicherheit.

Eine dunkelbraune Wolke von Nerz näherte sich mir, oben schaute ein sehr gut frisierter dunkelhaariger Haarschopf heraus.

Das ist doch nicht, das kann doch nicht… Königin Silvia war gekommen und bewegte sich mit ihrer Tochter, Kronprinzessin Viktoria, geradewegs auf uns zu. Ich bekam den Mund nicht mehr zu, meine Mutter auch nicht. Bisher kannte ich die Beiden nur aus „Bunte“ und „Gala“, wenn ich die mal beim Friseur las. Naja, okay, manchmal kaufe ich mir das auch…

Sie nickten in alle Richtungen begrüßten die Gemeinde. Huldvoll, aber ganz natürlich. Beide Royals nahmen ein paar Reihen vor uns Platz und nahmen dann am Gottesdienst teil. Einfach so. UNGLAUBLICH! Ich konnte mich derweil nicht mehr auf die Lieder und die Predigt konzentrieren, weil ich in Gedanken den Bewegungsablauf des Hofknickses durchging.

Wieder zu Hause angekommen, berichteten wir dem Mann begeistert von unserem Erlebnis. „Ach, die Kronprinzessin habe ich gestern im Supermarkt gesehen. Ich glaube sie hat einen Liter Milch gekauft“, winkte er nur gelangweilt ab.

Meine BUNTE Weihnachten waren aber trotzdem etwas Besonderes.

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Ihr könnt ein Exemplar von Ninas Buch „Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs“ gewinnen. Schreibt dazu bis 20.12. 2015 eine Mail mit Betreff „Frau Mutter“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hinweis: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

 

 

Tür 15 – Geschenke aus Pieschen Teil III

Tür 15 – Geschenke aus Pieschen Teil III

(Dieser Beitrag enthält Werbung)

Elena Martín hat ihre Keramikwerkstatt auf der Gehestraße 33 in Dresden Pieschen. Wir treffen uns zu Orangentee und Plätzchen vorm genütlichen Öfchen. Und eigentlich wollten wir nur über Keramik sprechen…IMG_0129

Rike: Zu Beginn: Drei Worte über Pieschen?

Elena: Jung, alternativ, Potential.

Rike: Was niemand weiß, der dich nicht kennt: Du hast einen ganz zauberhaften Dialekt! Wie hat es dich nach Dresden verschlagen?

Elena: (lacht) Ja, ich bin Spanierin. Ich habe Germanistik studiert in Spanien und bin dann mit einem Stipendium nach Leipzig gekommen. Das war vor zwölf Jahren. Dort habe ich Spanischkurse gegeben, aber irgendwann war Zeit für eine Veränderung. In Dresden habe ich dann eine Ausbildung zur Keramikerin gemacht und so bin ich jetzt seit sieben Jahren hier.IMG_0157

Rike: Was würdest du sagen, ist Dresden deine Heimat?

Elena: Leipzig war meine deutsche Heimat. Ob Dresden auch meine Heimat wird, mal schauen.IMG_0156

Rike: Aktuell ist Dresden oft wegen unschöner Aktivitäten in der Presse. Wie empfindest du das? Sind die Dresdner ausländerfeindlicher als andere Menschen?

Elena: Das kann ich nicht sagen. Ich denke, die Situation könnte überall sein, irgendwo. Auch in Spanien oder Frankreich. Aber sie ist jetzt in Dresden. Man sieht so viele Leute auf einem Haufen, die ganz offensichtlich gegen Ausländer sind, das ist erschreckend. Aber ob es hier mehr sind als anderswo, das weiß ich nicht. In meiner Umgebung engagieren sich alle Leute für die Flüchtlinge, niemand hetzt. Ich kenne keinen Dresdner persönlich, der sagt, die müssen weg! Die sollen nicht kommen! Im Gegenteil. Aber trotzdem sieht man die vielen Leute da montags, das finde ich furchtbar. Freunde von mir sind schon weggezogen deshalb, aber ich frage mich immer: Wohin? Das Problem ist kein Dresdner Problem, auch kein deutsches. Das weiß ich.IMG_0155

Rike: Was ist mit Alltagsrassismus?

Elena: Ja, das habe ich schon erlebt, dass ich mit meinen Söhnen auf der Straße Spanisch gesprochen habe und eine Frau vorbeiging und mich anschnauzte: Sprich gefälligst deutsch! Ich denke dann, na hör mal! Was soll das?! Eigentlich fühle ich mich überhaupt nicht als Ausländerin und ärgere mich in solchen Momenten nur über diese Personen. Ausländerin bin ich bei den Behörden und das regt mich auf. Seit dreizehn Jahren haben wir die EU. Ich lebe seit zwölf Jahren in Deutschland, auf meinem spanischen Ausweis steht meine deutsche Adresse. Aber wenn ich ein Konto eröffnen will, kann ich mich nicht mit dem spanischen Ausweis identifizieren. Da brauche ich meinen Reisepass oder ein Extra-Papier. Und weißt du, ich hätte vor kurzem beinahe meinen Führerschein verloren! Das musst du dir mal vorstellen, wegen den Vorschriften. Und weil es noch immer keine einheitlichen Richtlinien gibt. Ich habe einen spanischen Führerschein und in Spanien ist das so, dass der nach zehn Jahren abläuft und man als Spanier dann zum Sehtest muss und einen Test absolviert. Je älter man ist, umso kürzer werden die Abstände…IMG_0138

Rike: …Das finde ich super! Das sollte man als EU-Richtlinie einführen!

Elena: Ja! Jedenfalls denke ich mir so, hm, die zehn Jahre müssten doch bald rum sein, frag ich mal in der Botschaft nach. Ich rufe in der spanischen Botschaft in Berlin an und die sagen, ja, sie müssen einen deutschen Führerschein beantragen. Ansonsten läuft ihr spanischer Führerschein aus und sie haben weder in Spanien noch in Deutschland eine Fahrerlaubnis! Ich denke mir, die wissen, dass ich seit zwölf Jahren hier lebe, wo ich lebe, das wissen die. Aber wenn ich nicht zufällig daran gedacht hätte, müsste ich jetzt hier und auch in Spanien noch einmal neu den Führerschein machen. So ein Quatsch! Und es gibt so viele Dinge, die mich ärgern. Da haben wir eine EU und trotzdem ist es nicht einfacher geworden. In solchen Situationen bin ich Ausländerin.IMG_0141

Rike: Ich freue mich jedenfalls sehr, dass du hier bist!

Elena: Ich freue mich auch.IMG_0147

Rike: Du hast drei Söhne, bist selbständig und dein Mann arbeitet im Schichtdienst. Wie klappt das bei euch?

Elena: Ich muss meine Öffnungszeiten und die Termine meiner Töpferkurse um Albrechts Jahresschichtplan drumherum bauen, anders geht es nicht. Und ich würde gerne länger im Laden stehen, aber das geht eben nicht, weil ich oft die Termine der Kinder am Nachmittag alleine schaffen muss. Auch wenn er im Haushalt das eine oder andere nicht macht, kümmert sich Albrecht um die beiden Großen wie um den Kleinen, sein eigenes Kind. Ohne ihn wäre die Eröffnung meiner Werkstatt unvorstellbar gewesen. Er hat vieles hier gebaut, zum Beispiel den Holzbrennofen, und wenn ich drei Tage beim Brennen bin oder auf dem Töpfermarkt oder beim Kurs, dann ist er alleine mit den Jungs. Oft geben wir uns die Klinke in die Hand. So unterstützen wir uns. Aber es ist schon anstrengend! (lacht)IMG_0137

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Rike: Bevor ich dich persönlich kannte habe ich mir auch schon die Nase an deinem Schaufenster plattgedrückt. Es steht aber da, man kann dich außerhalb der Öffnungszeiten anrufen und einen Termin vereinbaren.

Elena: Ja, natürlich! Wenn ich kann, komme ich und öffne den Laden auch außerhalb der Öffnungszeiten.IMG_0153

Rike: Deine Kurse sind sehr gut besucht, vielleicht auch, weil das Ambiente hier einfach zauberhaft ist.

Elena: Es sind immer nur zwei Teilnehmer zur selben Zeit hier. Zum einen ist es ja klein, wie du siehst und zum anderen habe ich so genug Zeit, mich um die Teilnehmer zu kümmern.

Rike: Man kann bei dir alles vom Teller, über Tassen, Becher, Krüge, Butterdosen bis hin zu Möbelknäufen und Löffeln kaufen. Und jetzt sogar Räucherkerzenhalter.

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Elena: Im Advent ist das Sortiment hier ein wenig auf die Weihnachtszeit ausgerichtet, es gibt auch noch mehr typische Weihnachtskeramik. Deshalb ist auch in der Adventszeit der Laden samstags geöffnet.

Rike: Wie sieht Weihnachten bei euch in der Familie aus?

Elena: Wir sind eine Patchworkfamilie. Die beiden großen Jungs sind an diesem Weihnachten in Berlin bei ihrem Vater, wir anderen drei fahren zu einer Freundin am Heiligabend und kochen dort.

Rike: Vermisst du das spanische Weihnachten?

Elena: Nein, ich vermisse das nicht. Weihnachten ist erst seit den Kindern für mich wirklich Weihnachten. Und das kenne ich ja nur als deutsches Weihnachtsfest (lacht).

Rike: Wie ist Weihnachten in Spanien?

Elena: Am Heiligabend wird richtig gekocht. Salat mit Würstchen ist kein Weihnachtsessen! Es gibt zum Beispiel Fischsuppe, dann Meeresfrüchte, dann Fleisch und dann einen Nachtisch. Am fünfundzwanzigsten Dezember kommt morgens der Weihnachtsmann und bringt Geschenke, aber das ist neu. Also der kommt erst seit den Neunzigerjahren. Vorher bekamen die spanischen Kinder ihre Geschenke erst am sechsten Januar von den Heiligen drei Königen. Jetzt bekommen sie aber immer noch am sechsten Januar Geschenke von den Heiligen drei Königen. Und extra am fünfundzwanzigsten Dezember vom Weihnachtsmann!IMG_0139

Rike: Die Glückspilze! Das muss auch EU-Richtlinie werden!

Elena: Und in Spanien ist nicht der Baum das Weihnachtssymbol, sondern die Krippe. Und da gibt es ganz unglaubliche Basteleien. Da bauen manche Leute riesengroße Krippen selber mit Tieren und einem Fluss aus Alufolie und was weiß ich, das kann man dann auch besichtigen. Weihnachtsbäume gibt es nicht. Nur ganz schreckliche aus Plastik…

Rike: Und was ist noch typisch für spanische Weihnachten?

Elena: Turrón zum Beispiel. Das ist eine Süßigkeit, Mandeln in so einem Block, ähnlich dem griechischen Nougat. Und Polvorones! Das ist ein sandiges Gebäck und wenn du dir einen von diesen großen Keksen in den Mund steckst und mit vollem Mund „Pamplona!“ rufst, dann ist was los! (lacht lauthals)

Rike: Schöne Weihnachten, liebe Elena!

Elena: Dir auch!

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Wer Elena, ihren bezaubernden Laden und die wunderschöne Keramik selbst kennenlernen will, der kann sich auf ihrer Website über freie Kurstermine informieren : Keramik Elena Martín

Oder persönlich vorbeikommen: IMG_0160

Und die liebe Elena hat mir einen Teebecher gegeben (mit für sie typischem Buchstabendruck), den ich hier an jemanden verschenken darf.IMG_0165

Also schreibt mir bitte eine eMail mit Betreff „Keramik“ an nieselpriem.blog@gmail.com und am 20.12. 2015 findet der Becher einen neuen Besitzer. Wie immer gilt: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Tür 14 – Weihnachtsnüsse orientalisch

Bea ist meine real life-Kollegin und Freundin. Sie schreibt auf Lifify über Lifestyle, Fitness und Dinge, die das Leben schöner, leckerer oder gesünder machen. Besonders ihre Rezepte entlocken mir immer wieder ein „Wow!“, weil sie von einer schlichten und eleganten Leichtigkeit geprägt sind und dabei auch von Kochlegastheniker und Menschen mit wenig Zeit und nur zwei Töpfen spielend nachgekocht werden können. Also von mir zum Beispiel. Ich freue mich sehr, dass sie hier bei unserem Adventskalender dabei ist und ein Geschenk hat sie euch auch noch mitgebracht. Danke Bea, und uns allen viel Vergnügen!

Der Nieselpriemsche Adventskalender freut sich auf Befüllung – und ich fülle für alle lieben Leser ein paar orientalische Weihnachtsnüsse hinein. Aber nicht nur das, es gibt auch noch was zu gewinnen. Nützlich ist es spätestens im Januar, wenn wir alle wieder erschrocken auf die Waage blicken. Aber zuerst gibt es meine Lieblingsnascherei:

Orientalische Nüsse

Die gibt es bei uns nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern eigentlich das ganze Jahr über. Aber Weihnachten mache ich sie besonders oft, da sie sich prima als kleines Mitbringsel eignen, ob zur Einladung zum Advent, der kranken Mutter ins Krankenhaus oder zum Arbeitsfrühstück – die Nüsse gehen eigentlich immer. Außerdem sind sie ein echter Allrounder und damit für allerlei Verfeinerungen geeignet. Ob als knackiges Topping für Salate oder für den Crunch-Effekt auf dem Müsli. Sie machen eigentlich immer eine gute Figur. Apropos, gesund sind sie ja auch noch irgendwie wegen ihrer guten Fette. In meiner Variante kommen sie noch halbwegs kalorienarm daher, wenn man es mit dem Zuckerzeug auf den Weihnachtsmärkten vergleicht. Ihr könnt natürlich gerne mehr Zucker nehmen, je nach Belieben. Dem Vergleich mit Stollen, Lebkuchen und Co. halten sie allemal stand. Ihr müsst sie wirklich unbedingt probieren …

Die Nüsse sind mir übrigens mal in Berlin im NENI zu einem wahnsinnig leckeren israelischen Wein begegnet, und seit dem geht es nicht mehr ohne. Haya Molcho – von der das Rezept im Original stammt –macht eine wunderbare isrealische Küche mit europäischen Einflüssen. Die muss man auch auf jeden Fall mal probiert haben! So, jetzt aber zum Rezept:

Man nehme:
200 g Walnusskerne
2 EL Zucker (man kann auch mehr nehmen)
1 TL Kreuzkümmel gemahlen
1 TL Chili-Flocken

Und so wird’s blitzschnell gemacht:

Die Nüsse auf einen tiefen Teller geben und

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die Gewürze darüber streuen.

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Den Zucker gut in der Pfanne verteilen, so dass der Boden gleichmäßig bedeckt ist, und einen Holzlöffel bereit legen.

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Den Herd auf große Flamme stellen und warten bis der Zucker karamellisiert und braun wird.

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Herd ausschalten und Pfanne von der Platte nehmen. Die Nüsse in die Pfanne geben und zügig durchrühren.

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Anschließend auf einen Teller geben und auskühlen lassen. Danach die Walnüsse, die zusammenkleben, vorsichtig auseinander brechen. In eine Schüssel geben oder zum Verschenken in einer durchsichtigen Tüte verpacken. Man kann sie auch mit Vanille und Zimt machen, ist aber nicht halb so interessant, finde ich.

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Für die Fotos haben wir übrigens stundenlang geshootet und Unmengen Nüsse verdrückt. Wir, das waren meine neunjährige Tochter und ich. Und ich weiß jetzt schon, wo sie mal ein Praktikum machen wird. Sie hat das irgendwie super drauf und war eine ganz engagierte Assistentin, wir hatten ganz viel Spaß. Danke, Henrike, dass Du mich eingeladen hast.

So, und jetzt kommt die Überraschung: Ich verlose zusammen mit Rike unter allen Mädels hier ein Let’s Bands „Power Set Lady“, damit könnt ihr dann im Januar gleich loslegen mit dem „Wiederloswerden der Pfunde“. Dem Set liegt ein Code bei, damit bekommt man Zugang zu den Übungsvideos. Also Ausreden gibt es dann eigentlich keine mehr, 10 Minuten hat doch jeder, oder?

Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht euch allen, Bea von Lifify

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Um das Fitnesset zu gewinnen, schreibt bitte bis 18.12. 2015 eine Mail mit Betreff „Lifify“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hinweis: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Tür 13 – Ein besonderes Weihnachtsessen

Die wunderbare Sonja vom Blog Mama Notes nimmt uns heute mit auf eine Erinnerungsreise. Vielleicht werdet ihr nach dem Lesen den Rest des Tages mit einem melancholischen Lächeln dasitzen, bunt geschmückte Räume vor euch sehen und einen markanten Bratenduft in der Nase haben…

Für jeden von uns ist Weihnachten etwas anderes, möglicherweise. Mich zum Beispiel beschleicht in jedem Jahr „der Geist der vergangenen Weihnacht“, und ich denke an so viele Weihnachtsfeste meiner Kindheit, an die Menschen, die damit verbunden sind. Und ich habe dann ein lebhaftes Bild vor Augen, bittersüß, von Abschieden durchzeichnet. Sonja trifft mit ihren Worten exakt meinen Weihnachtsnerv und ich freue mich über die Maßen über ihre Geschichte und bin gleichzeitig geehrt und gerührt, dass sie sie hier mit uns teilt.

Die Rike hat mich eingeladen hier mitzumachen und ich freue mich wirklich sehr darüber. Sehr sehr. Vermutlich habe ich mir bereits alles bei ihr verscherzt. Es ist schon Anfang (fast Mitte!) Dezember und ich hab noch nichts geschrieben. Ich bin eine Sau, weil ich ihr das schon viel früher zugesagt hatte. Ich versuchte in ein paar Texten lustig zu sein, was mir herzlich misslang. Ich habe sie gelöscht.

Was also tun? Ich kann backe ungern Plätzchen, habe noch nie gebrannte Mandeln selbst gemacht oder so viel Stollen geschnitten, dass es für eine Geschichte taugt. Ich backe zu Weihnachten Kuchen und koche Gulasch und Klöße. Das Gulasch kann ewig aufm Herd stehen und schmeckt dadurch immer Besser und Klöße mache ich nicht selber. Für Showkochen und Blogfotos schießen hab ich leider grad keine Zeit. Aber ich könnte meine Weihnachtsgulasch-Geschichte erzählen und später das Rezept unten drunter schreiben? Es ist keine lustige Geschichte, obwohl ich leise lächeln muß, wenn ich an die Geschichte denke.

Gulasch und Weihnachten sind für mich untrennbar miteinander verbunden, obwohl es zwischendurch auch etwas anderes bei uns zu Hause gab, wie Pute, Lachs oder Rinderbraten. Nichts kompliziertes, eher so deftige und leicht zuzubereitende Hausmannskost machte meine Mutter Heilig Abend. Kartoffelsalat mit Würstchen war ihr selbst zu langweilig, ewig in der Küche stehen wollte sie auch nicht. Also Braten mit Klößen und Rotkohl. Ich liebe es noch heute, ein Mal im Jahr. Denke ich aber an die Kombination von Weihnachten und Gulasch, muß ich an meine Tante Rita denken. Sie war die ältere Schwester meiner Mutter. War, denn sie lebt schon lange nicht mehr. Ich habe sie sehr geliebt, als Kind, als Teenager, als Zwanzigjährige. Eigentlich liebe ich sie heute noch. Das Lieben hört ja nicht auf, nur weil jemand nicht mehr lebt.

Rita war eine Bilderbuchtante. Sie konnte laut lachen und rauchig singen und hatte trotz oder vermutlich wegen ihres schweren Lebens ein kindliches Gemüt. Sie liebte das sich-freuen und feiern, das Beisammen sein und hatte eine besondere Art von sarkastischem Humor, der nicht schwarz ist, sondern einfach nur beinhart ehrlich und dabei so witzig, dass es mich jedes Mal aus dem Sessel riss vor Lachen. Rita hatte diese besondere Gabe, mit uns Kindern nicht beschönigt süßlich zu sprechen, sondern eher so, wie sie es selber lustig und unterhaltsam fand. Ich glaube, die erste Erinnerung an ihren besonderen Humor war, wie ich als kleineres Mädchen mit ihr und meiner Mutter eine Zeitschrift anschaute. Beim Foto eines älteren Mannes sagte ich laut: Der sieht aber beschissen aus!“ „NA!“ machte meine Mutter mahnend und Empörung über meine Ausdrucksweise blieb ihr erstmal die Luft weg. So sprachen wir zu Hause nicht, auch nicht als Witz! Zumindest nicht in diesem Kinderalter, in dem ich damals war. Rita schaute sich das Foto an, schüttelte den Kopf und sagte ruhig und sehr ernst: „Nee, dann wäre er braun.“
Stille.
Schreiendes Lachen von uns dreien!

Mit Rita war immer ein besonderer Glanz in der Hütte. Und wenn ich heute an sie denke oder jetzt von ihr schreibe, ist da diese besondere Wärme in meinem Herz.

Wir feierten Weihnachten immer mit Rita und ihrem Sohn gemeinsam. Mein Cousin befand sich altersmäßig genau zwischen meinem Bruder und mir. Wir spielten viel und ausgelassen. Zu Weihnachten wurde laut gesungen und gelacht. Rita war einer dieser Erwachsenen, die auch zu Weihnachten eine kindliche Aufregung und Freude befällt und die sich bei jedem Geschenk, besonders bei denen Geschenken der Kinder, anhaltend mitfreuen kann.

In einem Jahr wollte Rita mit ihrem neuen Mann und ihrem Sohn alleine zu Hause feiern. Ich war schon etwas älter, so ungefähr 14 oder 15 Jahre alt. Ich wusste, dass ich das zu akzeptieren hatte, aber ich fand es blöd. Tags zuvor trafen wir uns noch zum Weihnachtskaffee. Wir aßen Kuchen zusammen, lachten und spielten. Mein Bruder und Cousin spielten ein Flötenstück vor, sagten ein Gedicht auf. Gegen frühen Abend machten sich Rita und ihre kleine Familie auf. Vorher noch haben meine Mutter und ich ihr von dem gemeinsam gekochten Hirschgulasch in einen kleineren Topf abgefüllt. Es würde für die Drei locker reichen und auch wir hatten so viel Gulasch, dass wir davon gut und gerne satt werden konnten. Zu Weihnachten haben die Töpfe nicht so schnell leer zu werden. Dafür hat man dann bis Silvester etwas davon. So gehört das.

Dann kam Heiligabend und wir würden wieder zu viert Weihnachten feiern. Das letzte Mal zu viert waren wir, als ich so 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein muß. Wir hatten es schön zu Hause, meine Mutter ist eine Meisterin im Schmücken und Dekorieren. Ein Talent, dass ich nur im Anflug mitbekommen habe, wenn überhaupt. Wenn meine Mutter es weihnachtlich macht, dann kracht es, so weihnachtlich ist es. Ich kann also nicht behaupten, dass ich komplett untröstlich gewesen wäre, mit meiner Kernfamilie den Heilig Abend zu verbringen. Wir vier waren gerne zusammen. Wir lasen Weihnachtsgeschichten und aßen Kuchen. Plätzchen buk auch meine Mutter nie gerne.

Irgendwann, als es an diesem Heilig Abend dunkel geworden war, schickten meine Eltern meinen Bruder und mich ins Zimmer, „damit das Christkind“ kommen kann. Den Brauch haben wir tatsächlich noch lange aufrecht erhalten, egal wie alt wir waren und ob mein Bruder und ich noch an das Christkind glaubten oder nicht. Das ins Zimmer geschickt werden und waaaaaaarten müssen gehörte zu den unumstößlichen Weihnachtsbräuchen meiner Kindheit und Jugend. Ich glaube, wirklich aufgehört haben meine Eltern damit erst, als mein Bruder und ich ausgezogen waren und zu Weihnachten zu Besuch nach Hause kamen. Ich erinnere mich gar nicht mehr so genau.

Egal. Jedenfalls, mein Bruder und ich hockten in unseren Zimmern und warteten. Plötzlich klingelte es an der Tür. Ihr ahnt es vermutlich, da standen Rita, ihr Mann und unser Cousin. In ihren Händen hielt sie den Topf Gulasch. Rita strahlte über das ganze Gesicht. „Wir wollten Euch das Gulasch zurück bringen,“ sagte sie sachlich und ging schnurstracks in die Küche. Meiner Mutter und mir blieb erstmal der Mund offen stehen. Die drei kamen herein, zogen sich die Mäntel aus, Rita stellte das Gulasch in die Küche und sie setzten sich. Und dann war Weihnachten. Nie wieder in den darauf folgenden Jahren kamen wir auf die Idee, dass eine der beiden Familien unter sich Weihnachten feiern wollen würde. Auch nicht, als Rita überraschend und viel zu jung in einem November gestorben war. Das ist jetzt 23 Jahre her. So viele Jahre habe ich gar nicht mit ihr Weihnachten feiern dürfen, so lange ist das schon her. Mittlerweile hat es viele Wendungen in der Familie gegeben und wir feiern nicht mehr mit meinem Cousin und seinem Vater. Aber Gulasch und Weihnachten haben seitdem eine besondere Verbindung. Übrigens auch das Hüttenglanz-Gefühl, das ich habe, sobald ich an Rita denke. Und ihr rauchiges Lachen. Wenn ich die Augen schließe, kann ich es noch hören. Das hört ja nicht einfach auf, so ein Lachen, nur weil jemand gestorben ist.

 

Das war die anstatt-Foto-Geschichte. Hier kommt ein Rezept, falls Ihr es mögt. Nein, es ist leider nicht das Originalrezept meiner Mutter, sie hat es nicht (mehr). Meine Mutter kocht so etwas „natürlich“ nicht mehr nach Rezept und hat daher keine Aufzeichnungen darüber. Dieses habe ich mir mit ihr „erarbeitet“, als ich vor mehreren Jahren dann selbst mal Hirschgulasch zu Heiligabend gekocht habe.

 

1 Kilogramm Hirschfleisch

250 gr Schalotten

2 Knoblauchzehen

2-3 Möhren

1 (Bio) Zitrone

2 Zweige Thymian

2 Zweige Rosmarin

Öl

1-2 EL Tomatenmark

1 EL Mehl

Salz

frisch gemahlener Pfeffer

1 Flasche Rotwein (ersatzweise Gemüsebrühe)

400 gr passierte Tomaten

2 Lorbeerblätter

5 Wacholderbeeren

 

Fleisch abspülen und trocken tupfen. Schalotten und Möhren würfeln, Knoblauch fein schneiden. Zitrone abspülen, trocknen und die Schale dünn abziehen.

Das Fleisch rundum golden anbraten, aus dem Topf/Pfanne nehmen und beiseite stellen. Jetzt darin Schalotten, Möhren und Knoblauch andünsten. Tomatenmark hinzu und mit Mehl bestäuben. Das Fleisch wieder dazu geben und mit Salz und Pfeffer würzen.

Rotwein und die passierten Tomaten hinzugeben. Das Fleisch sollte von Flüssigkeit bedeckt sein, ggf. noch etwas Brühe nachgießen. Alles aufkochen und dann auf niedriger Flamme köcheln lassen. Nach dem Aufkochen die Wacholderbeeren, das Lorbeerblatt und die Gewürze hinzu geben. Mindestens 50 Minuten köcheln bis das Fleisch zart ist.

Fleisch herausnehmen, Sauce sämig einkochen lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Tür 12 – Wie erklär´ich´s meinem Kind?

Bettie ist Österreicherin, die mit Mann und Kind in Berlin lebt. Außerdem kulturbegeistert und leseverliebt schreibt sie auf Das frühe Vogerl und die fabelhaften Veränderungen über Kultur mit Kind. Heute macht sie sich hier Gedanken über Christkind und Weihnachtsmann. Viel Vergnügen!
Meine Kindheit war geprägt vom Glauben an das Christkind. Jedes Jahr schrieb ich einen Brief. Mit Dankesworten und ein paar Wünschen. Das Christkind war flexibel und holte meinen Brief, mal bei meinen Großeltern, mal bei mir daheim. Nur einmal brauchte es ewig, als mein Opa und ich im Nachbarzimmer darauf warteten: Es erschien es einfach nicht. Keiner außer uns war im Haus. Vielleicht auch einer der Gründe.
Und ich weiß auch noch ganz genau, wo man das Christkind manchmal sehen konnte. Die Bilder in meinem Kinderbüchern sahen sich alle ein wenig ähnlich. Hell, golden, lockig, ein bisschen wie ein Engel sah es aus: Das Christkind.
Gerne möchte ich meinem Sohn vom Christkind erzählen, und werde das mit Sicherheit auch tun. Da ich in Berlin lebe, muss ich da aber mit noch etwas auseinander setzen. Hier reden sie alle vom Weihnachtsmann. Aber wer soll das eigentlich sein? Der Bruder vom Nikolaus?? Ein entfernter Verwandter? Und was hat es eigentlich mit Knecht Ruprecht auf sich? Ich weiß es nicht und zermatere mir ein bisschen das Hirn. Eine Bekannte mit älteren Kindern erklärt mir, dass sie den Ursprung von Osterhasen ja auch nicht herleiten kann. Das hilft mir nicht.
Aber während ich noch hin und her überlege, wie man den Konflikt am besten löse, gibt die KITA meinem Sohn einen Brief mit. Einen Brief vom Weihnachtsmann. Ach herrje, denke ich abgeklärt, und lese und stelle dann überraschend fest: Ich bin gerührt.
Der Weihnachtsmann schreibt meinem Sohn, dass sein Lieblingslied „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ ist und dass er ihm viel Liebes wünscht. Und irgendwie bin ich ganz rührseelig.. Sogar irgendwie ein bisschen mehr als ein bisschen.
Foto: Bettie privat

Foto: Bettie privat

Vertage diese Weihnachtserklärnummer erst mal auf ein paar Jahre und freue mich für einen Sohn der in ein paar Tagen den Weihnachtsmann in der KITA sehen wird.
Und bin begeistert von dem ganzen Weihnachtszauber, der damit einhergeht, auch wenn man das hier ein bisschen anders nennt.