Glückliche Fügungen feat. the Osterwochenende

Jahrelang fuhren wir stets an Ostern in die Nähe von Liberec im tschechischen Isergebirgsland. Dort hatte ein holländisches Pärchen einen alten Dreiseitenhof zu einer kuschligen Pension umgebaut und bewirtete aufs Allerherzlichste die Gäste, die zum Wandern kamen.

Nur kamen relativ wenig Menschen. Wir waren jahrelang an Ostern nahezu allein und unsere Kinder tobten über die alten Gänge, im Garten war außer uns niemand und morgens in der guten Stube beim Frühstück ebenso Leere und Stille. Außer an unserem Tisch natürlich.

Dann machte ich den Fehler und schrieb darüber, so richtig mit Link und so. Und viele Leser schrieben mir auch und wollten es ganz genau wissen: Wo war das, wie heißt das, wie ist dies und wie ist das. Ich schickte jede Menge Leute dahin. Von nun an war es Ostern nie mehr leer. Aber das machte uns nichts. Gut, die Wirtin hatte nun keine Zeit mehr um uns kleine Willkommensküchlein zu backen und die Kinder schienen ihr auch oft ein Ärgernis zu sein mit ihrem Kinderlärm und weil sie über den Rasen rannten. Dennoch kamen wir weiterhin an Ostern wie eh und je, mieteten stets das gleiche Appartement und verabschiedeten uns stets mit den Worten: „Tschüss, bis nächstes Jahr!“.

In diesem Jahr nun teilte man uns mit, es wäre kein Zimmer frei für uns. Schluss, aus.

Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Und ich nahm das persönlich. Ich fühlte mich gekränkt, ungewollt und war stinkesauer.

Der Beste ließ sich nicht beirren, setzte sich vor die große Internetmaschine und suchte für uns und die befreundete Familie, mit der wir stets die Osterfeiertage verbringen, ein anderes Quartier. Ich schmollte derweil und betrauerte meine lieb gewonnene Tradition.

Und so fuhren wir in diesem Jahr in ein Hotel. Auch ein altes, umgebautes Gemäuer, früher war es wohl ein Schloss. Pferde und Rindviecher sollte es geben und ein Restaurant auf dem Areal. Ich war dennoch skeptisch. Rückblickend muss ich nun sagen: Zum Glück haben uns die Quartiereltern der „alten“ Pension den sprichwörtlichen Stuhl vor die Tür gestellt. Zum Glück! Denn ansonsten hätten wir diese Kleinod niemals kennengelernt! Was für ein glücklicher Umstand im Nachhinein.

Inmitten einer herrlichen Landschaft und Wiesen, soweit das Auge reicht, liegt ein Anwesen mit anmutigen Pferden, die morgens geritten werden dürfen, stehen wunderschöne schottische Hochlandrinder auf der Wiese, gibt es Platz zum Rennen und Toben und Kreischen und Tollen und Erkunden und jede Menge andere Kinder zum Spielen waren auch da!

Weil uns an einem Ort der Aufenthalt verwehrt wurde, fahren wir ab sofort möglicherweise immer an Ostern zu den Pferden und Rindern und den Wiesen und all dem Schönen hier. Und bitte fragt mich nicht nach der Adresse! Aus verständlichen Gründen unterliegt die diesmal der nieselpriemschen Schweigepflicht. 🙂

Wir saßen in der Sonne…

… spielten Tischtennis oder

… tobten auf dem Trampolin.

Am Abend gab es ein Lagerfeuer und…

… unser traditioneller Ostermarsch führte uns in diesem Jahr zwar nicht auf den Jeschken (so wie sonst immer; ich war schon wieder kurz traurig), aber wir acht erkundeten wandertechnisch für uns Neuland. Und: Es war schön! Doch, wirklich. Und wieder einmal dachte ich: Zum Glück war unser Zimmer belegt in der ursprünglichen Pension.

Am Abend nach dem Wandertag gab es böhmischen Gulasch von den lieben Rindviechern hinterm Hof, dazu Knödel und herzhafte Kartoffelpuffer. Ganz klar: Wir sind in Tschechien!

Als wir wieder daheim sind, fällt mir das große Fleischpaket in die Hände, das meine Mutter uns vor der Abfahrt als „kleines Ostergeschenk“ überlassen hatte, und von dem ich fand, nichts wäre unpassender als das. Menschen, die für vier Tage verreisen, ein Fleischpaket zu schenken!

Doch: Auch dies schien irgendwie am Ende eine glückliche Fügung zu sein, denn wir freuten uns wie blöde darauf, bei herrlichstem Osterwetterchen den heimischen Grill anzufackeln. Gesagt, getan. Und danke schön, Mütterchen, das mit dem Fleischpaket war eine urst knorke Idee. So im Nachhinein betrachtet.

Während die Mannen grillen und unter Aufsicht zündeln (der Kleinste), lese ich mich bei Instagram auf den neuesten Stand (Ich finde ja, Instagram ist das neue Facebook und Twitter sowieso nur ein Hort des Bösen; also ja, Instagram fetzt mir sehr). Da schreibt eine von mir sehr geschätzte Person, wie abartig sie doch all diese Heile-Welt-Blogger fände mit ihrer Tüdelütt-wir-sind-so-fröhlich-Attitüde und bei denen alles so heiditei-glücklich-verfiltert-perfekt erscheint, und dass sie denen jetzt rigoros entfolgt sei! Richtig so, denke ich mir und like aus Prinzip (ich sagte schon, ich schätze diese Person sehr). Dann, aus einem unerklärlichen Impuls heraus, sehe ich nach und muss feststellen, sie folgt nun auch mir nicht mehr!

Schockschwerenot, bin ich ein Netzmensch mit Perfektionswahn und angeberisch-reißerisch-glücklicher Attitüde? Ich?!

Und dann denke ich: Ja, verflixt und zugenäht und halleluja! Ja, ich bin noch mal verdammt glücklich im Moment! Und scheiße, fühlt sich das gut an! Und danke, dass du mir durch das Entfolgen die Augen aufgemacht hast, geschätzte Instagramperson. Ich will das genießen, solange es so ist und festhalten für schlechte Zeiten (Ja, Mensch, ich weiß! Aber versuchen kann ich es doch trotzdem.), und ich haue jetzt mit Veilchen, keimende Knospen und Kindern im Sonnenschein um mich und vielleicht knalle ich euch sogar noch einen Sonnenuntergang vor die Füße! Halleluja!

Warte, fast den Scheißsonnenuntergang vergessen…

 

„Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fliesset wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.“

(Theodor Storm 1817-1888, deutscher Schriftsteller)

 

Zu Gast bei Nieselpriems: Anne und ihre Sorbischen Ostereier

Es begab sich neulich, da sah ich auf Instagram bei der Anne, die unter Alu_Dresden bloggt, dieses Foto hier…

Quelle: Alu_Dresden (Instagram)

… und kommentierte enthusiastisch vor Begeisterung für diese Handwerkskunst. Krass, was manche Menschen so können, oder?

Nun weiß einjede(r), der/die/das (es ist ein Graus, man/ frau traut sich ja kaum noch, einen Satz ins Internet zu schreiben; ab sofort ist mit jedem Personalpronomen ein jeder Mensch – ha! – mitgemeint), der (es geht schon los) mich kennt, dass ich ein eher farbloser Typ bin, der sich gern mit allerlei Grautönen umgibt und Buntes eher meidet. Bei diesen Eiern jedoch, ich weiß nicht wieso, da hüpfte mein Herz, da frohlockte mein Geist! Da pulsierte die österliche Begeisterung gar bunt in mitten meinem von zartgrauen Wänden umgebenen Sein.

Anne schrieb auch sofort zurück, wir sollten uns doch verabreden zum Malen, und so kam es auch. Also Anne kam. Zu mir. Und schön war das! Aber seht selbst.

Anne packte einen großen Korb auf meinen Küchentisch und lüpfte den Inhalt. Ich war ein wenig an „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erinnert, beim Anblick der vielen gebogenen Löffel, die sie energisch auf meinen Tisch packte. Dann kamen noch gerade Löffel herzu, die sie tatkräftig Uri-Geller-like verbog. Diese Löffel kamen in ein mit Körnern gefülltes Schraubglas. Ich staunte Bauklötze.

Des weiteren hatte sie ein ehemaliges Meerrettichglas dabei, das selbst umgebaut wurde zu einem Höllengefäß mit Docht. Das war alles ganz ausgeklügelt! Dieses Meerrettichglas hatte die ideale Höhe für das Schraubglas mit den Löffeln und der Docht im selbstgebauten Funzler die ideale Länge und Dichte, um die ideale Hitze zu entwickeln unter den Löffeln. Ein Hexenwerk.

Dann packte sie Gänsekiele aus (ihr sehr die auf dem oberen Bild im linken unteren Quadranten). Sie erzählte mir, dass sie die selbst zurechtschnitzte. Wobei da nichts geschnitzt wird, sondern rasiert, denn es kommt eine Rasierklinge zum Einsatz, mit deren Hilfe zuerst die unerwünschten Härchen entfernt und dann die Spitze zurechtgestutzt wird. Zu einem Dreieck oder einem Rhombus oder einer anderen Form, die dann, in Wachs getaucht, das entsprechende Muster bilden soll.

Ein Gänsekiel in dreieckiger Form

Auch das ist ein Werkzeug zum Zeichnen: Eine Stecknadel in zweierlei Form in einen Stift gespießt ergibt am Ende auf dem Ei ein Pünktchenmuster

Anne brachte auch allerhand Vorbilder mit, die mich in grenzenloser Ehrfurcht verstummen ließen.

Ich war mir sicher, sowas niemals zu können, aber probieren wollte ich es dennoch!

Ich lernte noch, es gäbe verschiedene Praktiken. Zum einen kann man mit dem farbigen Wachs Farbe auf das Ei bringen und das ist dann der Schmuck. Man kann aber auch mit dem Wachs Muster aufbringen, das Ei dann einfärben und im Anschluss das Wachs wieder abkratzen und ebenso weiterverarbeiten in mehreren Etappen. Die „bloße“ Stelle ergibt dann das Muster. Auf dem Bild unten mit den bunten Eiern im Karton hier ist das Ei oben rechts genauso entstanden.

Here we go. Anne zeigte mir, dass man zuerst die weißen Eier mit Essigessenz abreibt, um den Stempel zu entfernen. Und erklärte, am besten nähme man rohe Eier, die lägen besser in der Hand. Das heißt, die übermütigen Menschen in der Lausitz bemalen zum Teil stundenlang rohe Eier um sie danach (!) erst auszupusten. Ich wollte lieber kein Risiko eingehen, meine Blaskompetenzen in Koeinheit mit rabiatem Verhalten gegenüber unschuldigen rohen Eiern ließen mich zurecht befürchten, ich würde mir mein „Kunstwerk“ am Ende in Scherben betrachten können. Ich nahm ausgepustete Eier.

Anne präparierte die Wachslöffel, indem sie kleine Stücke von ordinären Wachsmalstiften mit Bienwachs von der Platte in einem geheimen Mischungsverhältnis auf einen Löffel gab und den Meerrettichglasbunsenbrenner darunter stellte. Und das verschmolz dann zu einer farbigen Wachssoße.

Das ist Anne. 🙂 Anne lächelt auch beim Eierbemalen, Anne lächelt eigentlich immer. Das unterscheidet uns. Ich mag Anne troztdem.

Hier könnt ihr sehen, wie man beim Eierbemalen das Ei hält. Es ist nicht so leicht, wie es aussieht. Nichts an dem Tag war so leicht, wie es aussah. Ich hielt erst mal eine Weile ein Ei in der Hand und drehte es. Auch das ist eine Technik, die man dann brauchen würde.

Dann lernte ich die richtige Technik, die richtigen Abstand zum Wachslöffel, die richtige Schnelligkeit und so weiter. Den Haltearm aufgestützt mit dem Ei in der richtigen Haltung in einem kurzen Abstand zum Löffel mit dem flüssigen Wachs und dann den Gänsekiel eintauchen und schnell auf das Ei bringen, drehen, tauchen, auftippen, drehen, eintauchen ins Wachsen, tippen aufs Ei und drehen. Am Anfang war das Wachs bereits erkaltet, bis ich am Ei war. Fails kann man aber einfach mit dem Fingernagel abkratzen, kein Ding!

Und irgendwann kam ich in den Flow. Das Wachs, das Ei, der Gänsekiel und ich wir waren eine Einheit. Und es machte nicht nur Spaß, es war wie Meditation! Nicht, dass ich mich damit auskennen würde, auch nicht mit Yoga, aber ich fühlte nur das, was im Augenblick war und meine Konzentration war ganz und gar auf diesen schlichten Vorgang des Wachsdippens und auftippens gerichtet. So müssen das manche Menschen mit Yoga empfinden.

Ich empfand es als großartig!

Der Blondino durfte sich mit Annes Hilfe auch produzieren…

… und entschied sich dann für Guachefarben und Pinsel.

Am Ende des Nachmittages hatte Anne ein Ei bemalt und der Blonde und ich wir haben uns daran versucht. Vielleicht könnt ihr erraten, welches Ei von Anne ist? Ist schwer, ich weiß.

Anne ist auch lesenswert. Hier gehts zu ihrem Blog: Mama, weißt du?

Hier noch ein interessanter Link für alle, die sich mit den verschiedenen Techniken auseinandersetzen wollen und selbst mal Hand an den Gänsekiel legen möchten: Spreewaldinfo

Und ein Wikipedialink zur Sorbischen Tradition des Eierverzierens darf auch nicht fehlen.

 

Schöne Ostern uns allen!

#wib spezial – aus Berlin

Ich weiß schon, wir haben bereits Mittwoch (oder Donnerstag?) und ich hänge mit meinem „Wochenende in Bildern“ komplett hinterher und zwischen den Wochen, aber es ist im Moment total verrückt! Ich komme zu allem zu spät oder zwei Tage zu früh. Das Leben ist voll und voller Dings und Bums und Anforderungen links und Geschenken rechts und ich habe um alles einfangen zu können zu wenig Arme und zu wenig Speicher in der Rübe.

Tja. Deshalb ist es hier so still gewesen. Um zu bloggen brauche ich nicht nur ein ausgeprägtes Zeige- und Mitteilungsbedürfnis (das sich manchmal einfach nicht einstellt, nö), sondern auch ein bisschen Luft im Kopf, damit die Gedanken Purzelbäume schlagen können und sich eine Geschichte formiert, die ich erzählen will.

Das war einfach nicht da. Aber hey!, es geht mir gut und es kommen wieder Zeiten mit mehr Luft für Purzelbäume und Geschichten, da bin ich sicher. Wartet ihr einstweilen? Fein.

Heute berichte ich euch aber erst mal von den aktuellen Vorbereitungen der Blogfamilia 2019

Die Vereinsmitglieder haben sich am vergangenen Wochenende in Berlin zur Klausurtagung getroffen und deshalb lohnt es sich, ein „#wib spezial“ zu machen. Blogfamilia wird in diesem Jahr fünf und ich bin von Anfang an dabei. Zwei Jahre als Gast und Fan, und nun schon das dritte Jahr als Fan und Macher. Oder Macherin. Auf jeden Fall Akteuse. Oder Akteur (ich könnte immer so weiter machen, weshalb ich mir schnell mal mit einem Hammer ins Knie haue um mich selbst schnell wieder auf Kurs zu bringen). Wer mag, kann ja hier in dieser meiner Linksammlung mal nachlesen, was ich in den letzten Jahren so berichtet habe.

Das Format hat sich in den letzten fünf Jahren sehr verändert. Anfänglich von Anne und Susanne als familiäre Veranstaltung für fünfzig Blogger initiiert, sind mittlerweile acht Menschen mit der Organisation und Gestaltung der Blogfamilia-Messe für Blogger, und mittlerweile auch der Blogfamiliär-Veranstaltungen (in der Vergangenheit in Köln und Stuttgart, demnächst in Hamburg) für Eltern, Erzieher und pädagogisch interessierte Menschen beschäftigt. Und zwar immer, rund um die Uhr, das ganze Jahr! Mit unterschiedlichem Arbeitsaufwand zwar, aber doch, wir haben immer irgendwas zu tun.

Wer alles zum Verein gehört, könnt ihr hier sehen. Dazugekommen ist in diesem Jahr Laura von Heute ist Musik, und das ist Musik im Teamgetriebe! Sie ist ein echter Schatz und eine Bereicherung für alle.

Jetzt aber endlich Bilder her! Der Samstag begann wie immer: grau und früh. Anders war nur, dass ich diesmal nicht die Backzutaten aus den Schränken holte, sondern die Reisetasche vom Dachboden. Mutti haut ab! Jawohl. Und zwar nach Berlin.

Immer noch sehr früh warte ich auf den Flixi, der wie immer zehn Minuten zu spät kommt, während ich wie immer fünfzehn Minuten vor eigentlicher Ankunftszeit da bin, weshalb die Liebesbeziehung zum Flixbus ein wenig, nun ja, überschattet wird.

Guten Tag, mein Name ist Henrike und ich benutze Alufolie. Aua! Nicht so dolle hauen! Und nicht immer auf den Kopp!

Berlin, Berlin. Gegen halb elf fahren wir ein. Erwähnenswert finde ich, dass der Flixi von Dresden nach Berlin genauso lange fährt wie von der Stadtgrenze Berlin bis zum Alex. Eeeeendloooos. Wann sind wir endlich da, Herr Busfahrer?! Ist Berlin so lang (oder breit) wie die Strecke Dresden-Berlin? Oder so verworren im Straßennetz? Ich begreife das nicht. Also eher sogar nie.

Geschafft. Ich bin in Berlin Freidrichshain gelandet. Wir tagen heute bei Anne und Konstantin von den Großen Köpfen. Konsti selbst ist nicht dabei, er hat trotz Wochenende eine dienstliche Veranstaltung. Wir machen das alles nebenbei. Neben Job, Studium, Hausbau, und während wir – Tadaaa! –  insgesamt einundzwanzig Kinder großziehen. Deshalb ist es auch legitim, dass nicht immer alle anwesend sind.

Heute vermisse ich neben Konsti auch den Doc und Jürgen und Rike sehr. Als ich eintreffe, sind von links nach rechts Laura, Christian (Familienbetrieb), Lisa (Stadtlandmama) und Anne schon da.

Etwas später reisen die Kölner an. Lempi und Janni (Ich bin dein Vater) sind zwar ohne den Doc da, aber sie sind angereist aus Köln. Hurra!

Eine sportliche Agenda wartet, echt viele Arbeitspakete sind zu schnüren und zu verteilen. Ich schreibe zusammen mit Laura Protokoll und wir beschreiben am Ende fünf DinA4-Seiten, und das zusätzlich zu den ganzen Tasks und Slides und Dings in dem Projektmanagementtool, das wir zur Planung benutzen.

Alles läuft erstaunlich rund, und das ist irgendwie das, was ich in der Zusammenarbeit mit den Leuten der Blogfamilia echt nur als „magic“ bezeichnen kann. Alle wollen, alle machen, es gibt kein Gezeter oder Zuständigkeitsgerangel, alles und jeder greift irgendwie die Hand der anderen und Dinge, die getan werden müssen, auf.

Konstantin hat für uns vorgekocht, bevor er selber auf eine Veranstaltung musste. Es gibt Pasta Bolognese.

Und, Leute, schmeckts? Joar, würde ich sagen. 🙂

Janni ist platt. Aber für ein Mittagschläfchen ist keine Zeit. Los, hoch, Du Kölner Jeck!

Am Ende des Tages werde ich sagen, dass mir schwummrig sei in der Rübe und dass ich wohl ab jetzt pro Woche einen Tag Urlaub nehmen müssste, um meinen Teil abzuarbeiten, und ein wenig Angst wird mich auch beschleichen, aber guck mal hier. Wir arbeiten nicht nur, wir lachen, bis die Tränen laufen! Anne, Lempi und ich. Das Foto hat die Stadtlandmama Lisa gemacht.

Spät am Abend hauen sich die Kollegen die Nacht umme Ohren und schicken Partypics.

Ich kann kontern. Party ist für mich an diesem erschöpften Abend: Dusche, Netflix, zwei Kopfkissen und zwei Decken! Schön wars.

Am nächsten Morgen bin ich die erste beim Hotelfrühstück…

… und nach einer herzlichen Verabschiedung die erste auf dem Heimweg. Das Partyvolk bruncht noch irgendwo und fliegt am frühen Nachmittag in alle Richtungen, unsere langweilige sächsische Muddi hier aber will wieder heim.

Schüss, Berlin! Im Mai sehen wir uns wieder! Das wird großartig. Für uns alle vom Orgateam, für unsere Gäste, und dann gibts da noch was. Mein Großkind, der Bubi will in diesem Jahr mitmachen als Helfer bei der Orga. Und während mir das so durch den Kopf geht, bekomme ich ein wenig Schnupfen, wisst ihr. Stellt euch doch mal vor, irgendwann rückt die nächste Generation nach und dann stehen nicht nur wir Alten hier und machen Bloggerevents, unsere in den Blogs zum Teil vom Babyalter vielbeschriebenen Kids verteilen Aufkleber, Programmhefte und weisen den Weg zu Veranstaltungen. Virtuell wird real, Klappe, die zweite. Mensch, das ist ein Ding.

Schnief… hat irgendwer ein Tempo für mich?!

Alexanderplatz im Sonnenschein. Ich habe ein Großraumabteil im pünktlichen (!) Flixbus und esse meine Stulle von gestern morgen (aus der Alufolie) und Streuselkuchen, den Christian gebacken hat. Großes Herzeleid beschleicht mich, liegt aber vermutlich an den vierhundert Gramm Butter in Christians Streuselkuchen. Manch einen hat einen Koffer in Berlin, ich ein Stück von meinem ihr-wisst-schon, Herz.

Zu Hause erwartet mich eine Einladung zu einer Lesung von Andrea Harmonika ( ❤ ) und Tulpen, über die ich mich über Gebühr freue und dem Mann dafür überschwänglich danke. Bis dieser mir erklärt, die Tulpen hätte ich mir selbst gekauft, beim Lidl, weißte nicht mehr, am Freitag. Ach so, ja. Alter ist doch manchmal was Schönes. Man freut sich mehrmals über das Gleiche!

Dann finde ich diese zauberhaften Filzlatschen, an deren Besitz ich mich gar nicht mehr erinnern kann und frage vorsichtig, wann ich denn diese gekauft hätte? Nein, die seien ein Geschenk von ihm, dem Mann, berichtet dieser.

Aber ich glaube ihm nicht, der will nur, dass ich ihn wieder überschwänglich umhalse und knutsche. bestimmt habe ich die selber gekauft! 🙂

So, ihr Lieben (das schreiben ja immer die Superduperzehntausendfollowerblogger und Instastars), das wars für dieses Wochenende. Ich mach mich jetzt ans Abackern meiner Aufgabenliste und freue mich, die Eine oder den anderen im Mai persönlich zu sehen, zu sprechen, zu knutschen (alles freiwillig, alles kann, nichts muss), und wünsche euch eine gute Woche und bis zum Wiederlesen zitiere ich meinen Lieblingsphilosphen, den fünfjährigen Blondino. Der sagte nämlich gestern:

„Zickezacke Schweinebacke und tschö mit ö, ihr verknallten Stinkesocken!“

(Zu seinen Legobausteinen, wohlgemerkt)

 

 

Alle Informationen rund um die Blogfamilia findet ihr hier: https://blogfamilia.de/

Aktuell läuft die Nominierung für den Blogfamilia Award und dazu möchte ich euch herzlich aufrufen! Was das ist und wie ihr mitmachen könnt, steht hier: https://blogfamilia.de/blogfamilia-award-2019-nennt-uns-jetzt-eure-nominierungen

 

65 M

Die Zeit, als ich an jedem dritten des Monats den Monatsgeburtstag des Kleinchens gefeiert habe, ist ja nun schon ein bisschen her, also zumindest öffentlich, aber noch immer ist der dritte ein Geburts-Tag. An einem dritten habe ich geboren. Auch an einem sechsten und an einem einundzwanzigsten. Aber da der Blondino „mein Baby“ ist, muss der da jetzt durch, dass ich das so zelebriere. Das mit dem dritten.

Fünfundsechzig Monate ist er jetzt bei uns. Er ist einen Meter zehn hoch, wiegt siebzehn Kilo, sein Kopf riecht immer noch nach Griessbrei und hat ein Stimmchen wie Tweety. Und große fragende Knopfaugen.

Er fragt auch eigentlich immer irgendwas. Als ich mal versehentlich beim Spazierengehen „Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald“, sang, da war was los. „Warum will die Hexe den Hänsel fressen? Warum schubst die Gretel die Hexe in den Ofen? Und was hat de Hexe dann gemacht? Und wie hat die Gretel die Hexe in den Ofen geschubst? Und was hat der Hänsel dann gesagt? Und warum gibt es Hexen nur im Märchen? Was will die Hexe mit mir machen, wenn sie mich sieht? Und was machst du mit der Hexe, wenn sie mich fressen will? Können wir ein Pfefferkuchenhaus haben zum wohnen?“.

Auch täglich auf Wiedervorlage: „Wenn ich groß bin, kann ich dann auch Fliegen fangen mit meiner Zunge? Wie lang ist meine Zunge, wenn ich groß bin?“. Und neulich zu einem jungen Mann hinter uns an der Kuchenschlange: „Zeig mal, wie lang deine Zunge ist, meine ist nämlich am längsten, aber ich kann dir das nicht zeigen, man zeigt seine Zunge nur seiner Familie! Und wie alt bis du?! Isch bin fümf. Und mein Papa ist einundvierzig und meine Mama neunundvierzig und die hat heute Geburtstag und wie lang ist deine Zunge?! Zeig mal die Zunge!“.

Jeden Tag müssen wir bei Youtube Videos über Schlangen und Chamäleons und Frösche gucken. Weil die nämlich coole Zungen haben! Ich denke, die Dino-Phase wird durch die Amphibien und Weichwirbler, Schlabberekeltierchen abgelöst.

Der Beste frohlockt! Denn der züchtete früher Würgeschlangen. Zumindest war das der Plan, bis alle Schlangen Schnupfen kriegten und verendeten. Dann lernte er mich kennen und ich stellte klar, es wird ab sofort nur noch eine Schlange in seinem Leben geben! Nun, einundzwanzig Jahre später, sieht er in seinem Jüngsten einen Verbündeten im Kampf um ein Terrarium im Haus. Zusammen gucken sie sich die Bücher über Schlangen an, die der Bärtige seit Kindertagen hortet und die aus seinem Kinderzimmer mit bei uns eingezogen sind.

(Er wird niiiie ein Terrarium mit Schlangen haben, so lange ich hier wohne! Ich würde immer alle Futtertiere befreien und überhaupt kann ich nicht nachvollziehen, wie man ein Tier in einer Kiste halten kann, das nachweislich keinerlei Beziehung zu einem eingehen will und wird. Und so lange ich keinen Hund, nicht mal eine Katze oder einen Chinchilla haben darf – nein, auch keinen Papagei!- bin ich total fest, was das Schlangenthema angeht. Und selbst wenn ich ein, zwei Tiere haben dürfte, kriegt er keine Boa Constrictor. Sonst würde sein Tier mein Tier fressen wollen und das gäbe nur Terz hier. „Dein Tier hat…!“, „Aber dein Tier hat angefangen…!“. Nee, fällt aus. Im übrigen plane ich, mein nächstes Leben auf dem Land zu fristen und dann habe ich Hühner und Hunde und Katzen und Kaninchen und kenne definitiv niemanden näher, der mit Schlangen leben will. Ich meine, Schlangen, ernsthaft?!)

Ich sitze die Schlangenphase des Babylinos einfach aus.

Während ich das schreibe, liegt neben mir eine Gummikobra, die Eier eines „Türodacktulus“ ausbrütet.

Die weißen Bohnen, die hier die Eier sind, hat das Kindchen von irgendwo her angeschleppt und trägt die seit Tagen mit sich herum. Das sei sein Schatz, informierte mich das Kind. Jeden Tag stopfte es die Bohnen in die jeweilige Hose des Tages und holte sie immer mal hervor. Eigentlich waren es ja bestimmt zwölf oder zwanzig Bohnen ursprünglich. Ein paar befinden sich mittlerweile in den Ritzen der Couch oder in der Waschmaschine oder sonstwo. In jedem Fall werden die übrigen „Dinoeier“ ebenso diesen Weg gehen. Das ist sicher!

Ich mache ja auch jeden Quatsch mit (außer Schlangenquatsch mit echten Schlangen; und ja, Regenwürmer sind auch Schlangen, keine Diskussion!), aber neulich war echt Schluss mit lustig. Ich decke das Bett des Süßileins auf und denke, mich trifft gleich der Schlag. Unter der Bettdecke war ein Haufen Sand, breitgeklopft. Also ich meine so viel Sand, als hätte jemand eine Erwachsenenschaufel voller Sand in das Kinderbett gekippt! Hallo?! Es gab ein Riesengezeter, aber ich habe nicht herausgefunden, mit wie vielen Sandeimerchen das Kind sich an mir vorbeilaviert hat auf dem Weg nach oben, um das anzurichten, aber er machte deutlich, er bräuchte diesen Sand! Das sei nämlich Schlafsand!

Und nun weiß ich eigentlich auch, warum wir zwei seit ein paar Wochen wieder zwischen fünf und sechs aufstehen müssen. Einmal sogar zwischen vier und fünf. Das wird die Rache sein, weil ich den Schlafsand weggesaugt habe…

Wir haben nur noch selten Kommunikationsprobleme. Viele „seiner“ Worte haben wir in den allgemein gebräuchlichen Sprachgebrauch übernommen: Götterzug, Mutterboot und die Abschleppkammer selbstverständlich. Neulich aber: „Mama, ich wünsche mir zum Geburtstag Sacknaschuhe.“, „Was wünschst du dir?“, „Sacknaschuhe!“. „Ich weiß nicht, was das ist.“, „SACKNASCHUHE!“, „ICH WEIß NICHT, WAS SACKNASCHUHE SIND!“, „NA, SACKNAAAAASCHUUUUHE!“. Saugnapfschuhe. Da hätte ich wirklich alleine drauf kommen können.

Zumindest ging es diesmal schneller mit der Überwindung der Begriffsstutzigkeit. Ich habe aus der „Middelbonnie“ gelernt. Ihr erinnert euch? Das Kind verlangte, zur Middelbonnie gebracht zu werden. Tagelang. Am Ende weinte das arme Würmchen, weil ihn niemand verstehen wollte. Nach geduldigem Nachfragen (Was ist es? Wie sieht es aus? Was kann man dort machen? Wer ist dort?) erfuhren wir, es handelt sich um die Mülldeponie. Die Mülldeponie! Middelbonnie, na klar, das Kind spricht Spezial-Sächsisch.

Hoffentlich wird er für immer so niedlich und knopfäugig und neugierig bleiben und ich weiß, das wünsche ich mir umsonst. Nicht mehr lange, und er wird „ALLDER!“, sagen und „VOLL KRASS!“, und alles besser wissen wollen und mit den Augen rollen. Und ich hasse es jetzt schon. Ich frage mich, wann diese Metamorphose eintritt (Mit der Schule vielleicht?) und warum?! Ist es der „schlechte“ Einfluss von Justin und Elias? Wollen deren Mütter nicht auch, dass die süß und niedlich bleiben? Denken die, das sei unser schlechter Einfluss? Warum muss alles wachsen und sich verändern? Warum kann es nicht mal so bleiben, wie es ist? Ich zum Beispiel, ich hätte doch auch für immer dreißig bleiben können! Oder?!

In jedem Fall ist es ne Supersache, sich immer zwischendurch mal vor Augen zu führen, warum es genau JETZT so bleiben sollte, wie es ist. Es gibt immer und überall etwas, das echt jetzt mal für immer so bleiben könnte. Immer. Überall.

Wenn man genau hinguckt. ❤

 

 

 

 

 

 

„Frei“-Tag

Während wir am Samstag inmitten dicker Schneeflocken erwachten…

…war bereits am Nachmittag der Zauber in der Großstadt vergessen. Und am Morgen darauf schien eine gut gelaunte Frühlingssonne durch die ungeputzten Scheiben in unsere Bude.

Jetzt wäre das sicher die ideale Ausgangssituation, um mal gründlich Fenster zu putzen, aber die „Hausfrau“ in diesem Haus ist ein Schwein. Oink. Und auch die anderen Bewohner stören sich nicht an den Fenstern, denn sie wissen, ich würde sonst gern bereitwillig zeigen, wo die Putzmittel zu finden wären.

Der Bärtige schnappte sich das Süßilein und seinen Besten nebst Fortpflänzchen und schwups – sind sie abgezischt nach Schellerhau. Und schicken solche Fotos hier.

Ich nutze den geschenkten Familien“frei“tag, und hänge gnadenlos in der Couch. In Pantalons und Schlabbershirt, mit ohne Frisur, dafür Gummibärchen, Kimmy Schmidt und Strickzeug. Und Laptop! Wenn ich schon mal Tagesfreizeit habe, kann ich mich ja auch mal in Ruhe mit euch unterhalten! Ihr widersprecht nicht und redet nicht rein und außerdem springt ihr auch nicht mitten im Satz auf und haut einen Becher vom Tisch oder rennt irgendwohin. Ich muss es mal loswerden: Ihr sein tolle Gesprächspartner!

Das Wichtigste: Nächste Woche Samstag ist Michael Specht im Boulevardtheater in Dresden. Ja, genau, das ist ein Teil der „Tim Herzberger Show“, über die ich schon inbrünstig entflammt und von Glückshormonen gebeutelt berichtete. Die Show am Samstag heißt „Liebe nur“, und ist zu Recht ausverkauft. Es wird auch nur diese eine Vorstellung geben in diesem Jahr, in diesem Leben und mit diesem sexy Turnbeutelmodel. Und ihr habt eben Pech, wenn ihr nicht dabei seid!

Doch warte, ich habe noch zwei Karten übrig, die ich kluges Weib vorsichtshalber auf Reserve gekauft hatte. Wer interessiert ist, kann sich gern melden! nieselpriem.blog@gmail.com.

Jetzt was anderes. Ach, da war was los in der letzten Woche nach meinem Artikel über das Pubertätsprojekt. 

Ganz viele Menschen haben sofort den neu gelaunchten Blog abonniert und mir geschrieben, wie super die Idee sei! Nun ja, das glaube ich auch noch immer, aber jetzt kommt das ABER. Ich war da etwas vorschnell, befürchte ich, oder andere. Und jetzt ich auch. Warte, ich erklär es gleich!

(Damit ihr noch was fürs Auge und den Gaumen kriegt, hau ich jetzt schamlos Bilder von den zweifarbigen Waffeln, die ich am Nachmittag für die Schneehasen gemacht habe,  hier zwischen die Zeilen. Das Rezept habe ich von hier.)

Ich hatte den Blog aufgesetzt, weil die Vorteile für das mir vorschwebende Projekt auf der Hand lagen: Ich könnte alleine anfangen, aber problemlos Admins hinzufügen oder den Blog in Gänze zu einem anderen Menschen transferieren, wenn gewünscht. Ganz im Sinne der angestrebten Kollaboration dachte ich, okay, ich fange einfach mal an, und so hatte ich mich auch mit den anderen Bloggern in dem Diskussionsthread zu diesem Thema verständigt.

Und ja, mehr war es ja auch nicht. Der Text kaum mehr als ein Lorem Ipsum, also nur den hier veröffentlichte Text zur Erklärung reingeklatscht, was dort entstehen soll … Ich plante ja, bald erste Texte selbst (neutral gehalten) zu posten und eure Leserbriefe.

Dann schrieb mich eine Bloggerkollegin an. Oh Gott, du hast ja gar kein Impressum! Ich so, ich weiß, noch nicht. Ich muss noch nachdenken! Abtretungserklärung/ Urheberrecht der Texte und verarbeite ich eigentlich Daten?! Das ist alles sehr schwierig bis total kompliziert geworden seit der neuen DSVGO im letzten Jahr.

Also eigentlich ja nicht, dachte ich. Zumindest, wenn man mit dem „GMV“ rangeht, dem gesunden Menschenverstand. Dann aber kam die Geschichte mit Vreni Frost, uuuuh! Und allen wurde ganz schlecht. Jeder zweite Blogger/ Instagrammer/ Onliner rannte kopflos hysterisch kreischend in der Gegen rum und fühlte sich von der „Abmahn-Mafia“ bedroht. Vielleicht auch nur jede(r) dritte, ich jedenfalls dachte: „Hä?!“.

Aber dann hörte ich doch immer wieder auch von vollkommen unhysterischen Bloggerfreunden, sie hätten Post von irgendwelchen Kanzleien erhalten, blablabla, rechtssicheres Impressum, blubblubb, Datenschutzerklärung und so weiter.

Das ist also hier auf einmal kein harmloses Hobby mehr. Denn selbst wenn es ein Hobby ist (wie in meinem Fall) und ich nur Kosten habe (Einhundert Dollar/ Jahr für Wartung und Hosting) und keine Erträge (Oder wollt ihr hier gern immer mal lesen, welche Zahncreme ich in dieser Woche empfehle? Und welche sinnlose Versicherung?) muss ich mich an die bekloppten wichtigen neuen Bestimmungen halten.

Und wenn ich früher (!) dachte, Mooooment mal, verklagen kann mich doch nur jemand, wenn ich mir durch unlauteres Benehmen einen Wettbewerbsvorteil verschafft habe und wo bitte soll der denn sein bei einem nichtmonetär ausgerichteten Blog ohne jegliche Verkaufsabsicht und ohne Einnahmen, dann weiß ich es nun leider auch nicht mehr so genau. Und wer hat schon einen Internetrechtsundlinksanwalt in der Familie? Ich nicht.

Jedenfalls unkt die Bloggerfreundin weiter, das sei alles sehr gefährlich so ohne rechtssicheres Dings und Bums (das ich ja wirklich noch nicht hatte/ habe) und dann wurde es sehr creepy. Sie befürchtete, ich könnte im Ernstfall nämlich gezwungen werden, die realen Namen und Adressen derjenigen preis zu geben, die mir Content geliefert hätten. Also die Geschichten für diesen Ratgeber-, Mutgeberblog, den ich da ins Leben gerufen hatte. Was das für ein Umstand sein sollte, der solche Handlungen erforderlich machen sollte, das konnte sie auch nicht benennen.

Für mich war das alles sehr blümerant! Aber es zeigte mir zum Einen, eine gute Idee alleine reicht nicht, und zum anderen, die Menschen haben Bedenken. Manche. Und ich weiß es doch auch nicht genau!

Deshalb habe ich den neuen Blog „Die zweiten zwölf Jahre – Elternschaft in Zeiten der Pubertät“ erst mal auf „privat“ gesetzt, ihr könnt da nicht mehr drauf aus diesem undurchsichtigen Internet.

Ich werde diese/eure Geschichten – so wie andere Blogger auch – als Leserbriefe veröffentlichen unter einer Rubrik „Pubertät“. Ich hoffe, irgendwann das umzuziehen auf den eigenen Blog, das fände ich auch als suchender Leser schöner, wenn alles irgendwo gebündelt wäre. Und wegen dem Rechtsgeschwurbel: Jemand mit juristischem Background und Tagesfreizeit ist freundlich eingeladen, sich bei mir zu melden! Geld hab ich keines, aber ich backe Kuchen. 🙂 Oder Waffeln.

Was war noch? Jemand fragte mal wieder, wann ich denn ein Buch veröffentlichen werde.

Letztes Jahr um die Zeit hatte ich tatsächlich eine Anfrage zu diesem 111-Orte-für-Kinder-Dingsbums. Ich bin nicht die Autorin dieses Buches geworden, meine Liste mit Orten wurde abgeschmettert, weil langweilig und öde. Ich plane also, diese langweiligen Destinationen die ich super für Kinder und Familien finde, hier irgendwie online und gratis aufzubereiten für euch.

Dann habe ich immer gesagt, einen fröhlich-harmlosen Muttiroman schreibe ich nur, wenn ich zufällig mit Anfang fünfzig noch mal Mutter werden sollte, und der würde dann heißen: „Elternzeit statt Altersteilzeit – Eine Chance für Senioren“. Dazu stehe ich noch immer. Und bevor Nachfragen kommen: Neunundvierzig! Am kommenden Donnerstag.

Wo war ich? Buch. Ich habe allerdings seit ein paar Jahren ein „Buch“ im Schreibtisch. Es ist das Kriegstagebuch meines Stiefgroßvaters, der zu Zeiten des Bombardements von Dresden als Verwundeter in der Stadt weilte. Viele maschinengeschriebene Seiten, die mich fesseln. Da ich selbst total gerne solche Bücher lese, habe ich vor, einen Roman darum zu basteln.

Und dann kam eine saucoole Anfrage für ein Buchprojekt rein, die ich richtig richtig kawummig finde und über die ich gar nicht so viel erzählen kann. Aber wenn das was wird, dann wird das DASDING! Das glaube ich fest. Und es ist ein Teamprojekt, das sind mir die allerliebsten ❤ .

So, die Waffeln sind alle, der „Frei“-tag vorbei. Schüss, ihr alle, bis bald. Und schreibt mir. Und jemand soll die Karten abholen! Okay? Habt ne gute Woche, ihr Nieselpriemschn.

 

Warte, die Scheißherzen … ❤ ❤ ❤ So.

Die zweiten zwölf Jahre

Ach, ich wäre manchmal gern die Mutter von Dieter.

Ihr erinnert euch?

„… Guck dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto!“

Dieter ist sparsam und haut nicht gefühlt zweihundert Euro in zwei Wochen auf den Kopp – für Döner! Dieter weiß mit Sicherheit, dass im Dezember Weihnachten ist und seine Eltern auch irgendwann Geburtstag haben und es gesellschaftlich verbrieft ist, dass man (meint: auch Jugendliche mit Zugang zu Taschengeld, für dessen freizügige Überlassung die armen gebeutelten Eltern im Steinbruch schuften; oder in irgendwelchen IT-Buden) da ein Präsent überreicht. Eine einzelne Rose von mir aus für drei Euro, irgendwas! Aber das Geld ist ja immer alle. Außer bei Dieter.

„Junge!“

Was haben wir gelacht, wir alle, als die Ärzte 2007 diesen Song raus brachten. Was für ein Spaß! 2007 war ich Einkindmutter und das süße Frätzelchen wurde gerade eingeschult. Meine eigene Pubertät lag noch nicht so lange zurück, als dass ich mich erinnerte, dass meine Eltern einfach doof waren. Mit meinem Vater hatte ich überhaupt keine Gesprächsbasis und meine Mutter flehte mich nur immer an, ich möge doch bitte nicht so verlottert in der Gegend rumlaufen! Die Nachbarn! Das Gerede!

„… Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose, und ständig dieser Lärm (Was sollen die Nachbarn sagen?). Und dann noch deine Haare, da fehlen mir die Worte! Musst du die denn färben?“

Und so zog ich abends los mit einem Beutel. Irgendwo um die Ecke vom Neubaublock meiner elterlichen Behausung versteckte ich mich in einem Keller und zog mich um: schwarze sackartige Klamotten, aus gefärbtem Bettleinen selbstgenäht, dicker schwarzer Kajal um Augen und Mund und dann die Kernseife. Kurz anspucken und die Hände dick einseifen. Mit diesen Händen wurde dann das halblange Haar nach oben toupiert. So verkleidet ging ich dann los.

„… Nie kommst du nach Hause, wir wissen nicht mehr weiter… Junge, brich deiner Mutter nicht das Herz.“

Und nun bin ich in der gleichen Rolle wie meine Mutter vor dreißig Jahren und mache mir dieselben Sorgen! Angst vor Drogen und frühen Schwangerschaften. Angst vor Gewalterfahrung, Zukunftsängste.

„… Wo soll das alles enden? Wir machen uns doch Sorgen… Und du warst so ein süßes Kind, und du warst so ein süßes Kind. Du warst so süß…“

Ich glaube, Kontrollverlust ist das Thema, das diese Zeit aus der Gefühlswelt von uns Eltern am ehesten zusammenfasst. Über all den Gefühlen, die uns befallen, wie ein Regenschirm spannt. Die Kinder nabeln sich manchmal grausam plötzlich und rigoros ab und oft sind ihre Versuche, sich allein in der Welt zurechtzufinden für uns Alten entsetzlich naiv, gefährlich, dumm und überhaupt nicht erwachsen.
Und dann stehst du irgendwann da und sagst diesen Satz, diesen furchtbar bescheuerten Satz, den schon Generationen von Eltern vor dir sagten:

„Was haben wir nur falsch gemacht?!“

Und die Antwort ist ganz simple: Gar nichts! Das Kind hat Pubertät und da musst du nun durch. Das habt ihr alle, als Familie quasi. Und was nun? Wer tröstet dich, wer nimmt dir die Angst, die Ängste? Bücher vielleicht? Ja, das kannst du probieren. Ich habe die alle in die Ecke gepfeffert, gebe ich zu. Ich habe mich niemals verstanden, gestützt und unterstützt gefühlt nach dem Lesen eines Ratgeberbuches! Denn noch immer bin ich der Meinung: Ratschläge sind auch Schläge, ganz besonders in Erziehungsfragen und diese Bücher benutze ich allenfalls zum Stabilisieren eines kippelnden Tisches. So. Wobei ich die Autoren in Schutz nehmen muss, sie sind diesbezüglich natürlich in der ihnen vorgedachten Rolle! Ein Experte schreibt entsprechend seiner Expertise ein Buch, das in verständlichen Worten wiedergibt, woran er jahrelang geforscht und evaluiert hat und was die Grundpfeiler seiner Expertenschaft ausmacht. Nur: Mir half in der Vergangenheit nichts von alledem. Mein Sohn passte in keines der skizzierten Schemen und nirgendwo in den schlauen Büchern fand ich Trost und Hilfe.

Also habe ich mich gefragt: Was könnte denn trösten? Was könnte wirklich helfen? Nun, mich tröstet es zu wissen, ich bin nicht allein! Die Gewissheit, dass nichts, von dem, was ich an Problemen durchmache, exklusiv ist und „noch niemals dagewesen“, das tröstet mich. Mich tröstet die Ehrlichkeit einer anderen Mutter, die sich offenbart, dass sie mit (den gleichen oder ganz anderen) Problemen rund um die Pubertät an ihre Grenzen gelangt. Und Schreiben hilft mir. Das ist (für mich zumindest) eine gute Möglichkeit, sich mit Dingen zu beschäftigen und gleichzeitig Abstand zu bekommen. Wenn die Sätze geordnet über die Tastatur gegangen sind, ist vieles danach auch am Entstehungsort der Sorgen sortiert.

Blogger schreiben Blogs. Elternblogger schreiben über ihre Kinder, über ihr Leben als Eltern.

Ist euch mal aufgefallen, dass in epischer Breite alle Gefühle, Begebenheiten und das Drum und Dran der ersten – sagen wir mal – zehn Jahre der Kinder beschrieben wird?! Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, Kindergartenzeit, Schuleinführung. Dann werden die Berichter schmaler, die Fotos seltener. Gibt es etwas nichts mehr zu berichten von den Kindern? Läuft alles wie am sprichwörtlichen Schnürchen?

Mitnichten!

Die Stille, in die sich „die zweiten zwölf Jahre“ hüllen ist allerdings mehr als verständlich. Denn – spätestens dann – wird uns klar, das Kind hat eine eigene Persönlichkeit, die es vor öffentlichem Zugriff oder Anteilhabe zu schützen gilt (eigentlich auch schon von Geburt an, aber das klammern wir ja gern aus. Auch ich). Die Kinder haben ab einem gewissen Alter oft auch eine eigene Netzpräsenz in diesem Internet und wollen verständlicherweise nichts über sich lesen! Schon gar nicht Problematisches!

Okay, auf der einen Seite gibt es also Eltern, die verunsichert oder wütend sind und ihre Kinder nicht mehr verstehen und auf der anderen Seite Bücher von Experten, geschrieben für die große Allgemeinheit. Und dazwischen gibt es nichts. Außer Selbsthilfeforen vielleicht noch.

Wie wäre es, wenn es einen Beichtblog gäbe, einen Mitmachblog, eine Plattform, wo jeder Mensch, der sich von dem Thema angesprochen fühlt, anonym mit anonymisierten Kindernamen seine Geschichte erzählen kann. Ob Blogger oder Leser, Mutter oder Vater, Pflegevater oder Stiefmutter, ganz egal. Zwei Effekte verspreche ich mir: Zum Einen ist es durchaus denkbar, dass durch das „Aufschreiben“ für den- oder diejenige schon ein wenig der Druck „des Problems“ abfällt. Durch ermutigende Kommentare der Leser(innen) könnte eine Gemeinschaftsgefühl entstehen und möglicherweise gibt es aus den Kommentaren auch praktische Hinweise aus ähnlich erlebten Situationen. Menschen, die „nur“ lesen sollen sich verstanden fühlen in ihrer Unsicherheit in diesen Zeiten.

Das ist der Gedanke dahinter. Ob es klappt? Wir werden sehen. Wir werden sehen, ob es Eltern gibt, die von sich erzählen wollen. Ich werde (auch mit Pseudonym) etwas über unsere Probleme schreiben, aber hauptsächlich biete ich einfach nur die Plattform. Dieser neue Blog ist nicht „mein Blog“!

Ich suchte schon vor vielen Jahren nach einer Möglichkeit, mich zu Pubertätsproblemen auszutauschen. Mein ältester Sohn ist achtzehn, die Kinder der meisten Elternblogger deutlich jünger. Natürlich war ich aus diesem Grund an diesem Thema näher dran! Oder eher als andere Eltern nah dran! Denn dass wir alle irgendwann an diesem Punkt stehen und nicht mehr wissen, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen sollen, ist sonnenklar und vorbestimmt. Von der ersten Geburtswehe an!

Ich sprach schon vor vielen Jahren mit Anna über die Möglichkeiten, das in einem Blog abzubilden. Vor kurzem dann stieß Susanne dann das Thema mit einem Blogbeitrag und einer Diskussion bei Facebook an. Nina und Séverine bekräftigten, dass diese Idee zumindest mal versucht werden sollte, und here we go.

Wir versuchen das einfach mal.

 

 

 

Meine Blumen für…

Es wird allerhöchste Zeit, mal wieder Blümchen zu verschenken! Unter https://narrenfreiheit.blog/  verbirgt sich ein ganz zauberhaftes Blogidyll namens „Life Science – Das Leben erforschen auf Roosevelt Island“.

Wo genau Renate herkommt, weiß ich nicht so genau (wahrscheinlich habe ich es überlesen), aber irgendwann vor ein paar Jahren verschlug es sie und ihren Sohn zusammen mit dem „Life Scientisten“ beruflich nach New York. Wöchentlich schrieb sie ihre Begegnungen und Erlebnisse in das kleine Blöggel und schuf so eine ganz und gar wunderbare Welt, in die ich so gern zu Besuch kam!

Egal, ob Weihnachten in New York, Skurriles rund um Halloween, das Leben als Deutsche im Big Apple, alle fand dort seinen Platz. Mit ganz aufmerksamen Augen betrachtete Renate ihr Stückchen der neuen Heimat, beschrieb die Unterschiede im Schulwesen, Day Care oder Kindergarten, Einkaufen, Essen gehen und wo man echt für´n schmalen Taler mit Kind und Kegel New York erkunden kann. Und wo kann man denn eigentlich anständiges Brot kaufen? (ich weiß es, und auch, dass es acht Dollar kostet) Und das alles ist so nett geschrieben, dass es mir stets schwer fiel, mit dem Lesen wieder aufzuhören.

Jetzt habe ich alles durchgelesen und Renate ist mit ihrer Familie wieder in Deutschland angekommen. Ob sie den Blog wohl weiterschreiben wird?, schrieb sie mir in einer eMail. Oh, ich hoffe doch sehr, Renate! Und auch, dass wir uns vielleicht zur Blogfamilia im Mai kennenlernen werden.

Willkommen zurück zu Hause!

 

Diese Blümeln sind für dich als Dank für viele Stunden Lesegenuss und dafür, dass du meine ambivalente Sehnsucht nach New York immer wieder gestillt und befeuert hast.

Ich freue mich auf viele weitere kluge, zarte Texte von dir. Aus Berlin oder Wanne-Eickel oder der Abstellkammer. Schreib, Renate, schreib weiter!