Die Begegnung

Ein normaler Samstag Morgen zwischen acht und neun.

Ich marschiere mit beiden Kindern unseren samstäglichen Einkaufsweg ab. Im Drogeriemarkt steuert der Blondino zielstrebig das Schaukelpferd und den Spielwürfel an, den die Manager dieser Einkaufskette zur Belustigung des kleinen und großen Kundenstammes dort aufgestellt haben. Das größere meiner Fortpflänzchen sucht Pokemons zwischen den Duschbädern und ich Kniestrümpfe in Größe vierundzwanzig. So weit, so gut.

Neben uns auf der Spielinsel schaukelt eine Mittdreißigerin in Ökobiomembranfunktionsbekleidung und ebenso praktischem wie natürlichem Kurzhaarschnitt über natürlichem ungeschminktem und faltenfreien Teint singend ihr etwa neunmonatiges Baby, gewandet in korrektem beige-grauem Bioökonaturfilzschurwollegemisch auf dem Schaukelpferd. Typische Situation einer Ein-Kind-Mutter, wie ich unterstellte und ein wenig und nur ganz kurz war ich neidisch auf ihre sorglose, entstresste Situation. So weit, so belanglos.

Als nach angemessener Spielzeit meines Nachkommens (und es gab keine Kniestrümpfe in Größe vierundzwanzig) der Aufbruch nicht länger herausgezögert werden konnte, insistierte ich diesen. Beim Kind. Meinem. Es ist Zeit zu gehen/ Wir müssen nun zum Bezahlen an die Kasse/ Wir gehen jetzt/ JETZT gehen wir/ Das nächste Mal kannst du hier wieder spielen/ Steh jetzt bitte auf/ Steh JETZT SOFORT auf.

So weit, so armselig. Denn es kam, wie zu erwarten: Das Meinige schmiss sich längs und quiekte strampelnd und schimpfend und laut. Souverän und gefasst hob ich den Unkooperativen vom Boden auf und ruhig, beruhigend und bestimmt setzte ich ihn in seine Plagenkarre.

„Na, so klein ist er aber nun auch nicht mehr!“ (ließ sich die andere Mutter vernehmen, interessiert und leicht verächtlich -Unterstellung- die Situation beobachtend)

„Wie bitte?!“

„Ich sagte, so klein er ist aber auch nicht mehr, dass er sich so benehmen dürfte! Das typische Alter für bockige Kinder ist doch eher früher!“

Tunnelblick. Mein Blut kocht. Von jetzt auf gleich habe ich Bluthochdruck und mein innerer Dampfkessel fiept. Ich erwidere irgendetwas, nenne der Frau gar das korrekte Alter meines Kindes und danke sarkastisch (ich hoffe, es klang sarkastisch) für ihren Hinweis auf das untypische Verhalten meines Kindes und den Hinweis auf meine Inkompetenz.

Es geht also immer noch armseliger…

Draußen, immer noch bei voller Betriebstemperatur, klärt mich mein Großkind auf: „Mama, das einzige, das wirklich peinlich war, warst du! Ihr erklärt mir immer, wenn mich jemand anmacht, soll ich das ignorieren und darüber hinwegsehen und du flippst aus wegen ´nem blöden Spruch!“. „Sohn, du hast recht, aber weißt du, das ist so ein Mütterding. Vielleicht auch ein Rike-Ding. Wenn irgendwer was über meine Kinder sagt, springe ich direkt aus dem Stand! Weißt du, alle Mütter wissen eigentlich, wie hilflos einen so eine Situation machen kann und dass alle gucken, wer da so schreit und dass das eh schon peinlich genug ist und man als Frau einfach nur raus will aus der Situation und dem Laden. Also ich zumindest. Und ich käme niemals auf die Idee, in so einer Situation einer anderen Frau noch einen Spruch to go mitzugeben!“. „Na ja, du vielleicht nicht.“

Kluges Kind.

Liebe Mutti aus dem Drogeriemarkt! Entschuldige bitte, mein Verhalten vorhin war unangemessen. Ich muss vielleicht noch ein paar Erziehungsratgeber lesen oder möglicherweise kannst du mir Tipps geben aus deinem reichen Erfahrungsschatz? Das wäre wirklich schön! Lass uns doch mal treffen auf einen Kaffee oder vielleicht ist dir ein Matetee lieber. So in zwei Jahren vielleicht? Wenn dir das passt. Oder in zwölf? Auf Augenhöhe. Bitte melde dich, ich freue mich!

Brüder

„Der sieht ja genauso aus wie der Große!“

Es gibt Leute, die das über mein Kleinchen sagen. Ungefragt, wohlgemerkt (und unqualifiziert, ebenfalls wohlgemerkt).

Ich finde das lästig! Was ist das denn für eine Unart?! Elternmenschen einfach um die Ohren zu hauen, was nach völlig uninteressanter, subjektiver, ungefragter Nicht-Experten-Meinung für ein optisches Abstammungsverhalten bei irgendwelchen fremden Nachkommen vorliegt!

Nach wem meine Fortpflänzchen kommen, ist zweifelsfrei und argumentativ hier beschrieben worden. Das reicht aber nicht! Nun also sollen sie angeblich auch noch gleich aussehen. Dabei ist nichts gleich an denen!

Bis, ja, bis auf den Umstand, dass beide Nachkommen mit dicken Schädeln ausgestattet sind. Kopfumfang zum Zeitpunkt des Welteintrittes neununddreißig und siebenunddreißig Zentimeter. „Das große Runde muss durch das…“, ich habe noch immer postpartale Phantomschmerzen. Das macht sie gleich, die Brüder. Und dann war´s das auch schon!

Der erste war ein Schläfer. Ist ein Schläfer. Der pennte schon ab seiner Geburt eigentlich am liebsten dreiundzwanzig Stunden am Tag. Ich lief bereits im Krankenhaus mit tropfenden Brüsten ständig in das Babyzimmer (rooming in wurde damals irgendwie nicht konsequent umgesetzt) und da lag das Meinige grunzend zwischen zwanzig bläkenden Kindern. Immer. Der schlief durch. Abends um fünf (!) hingelegt, den nächsten Morgen um acht erwacht (also ich) und den Mann panisch und heulend geweckt, weil ich sicher war, das neue Baby sei tot. Er solle nachsehen, ich könne das nicht! Aber nein, der schlief einfach nur.

Der zweite kam schon mit einem mürrischen Gesichtsausdruck raus. Und den behielt er monatelang bei. Schlafen?! Pah! Der schläft schlecht ein, schlecht aus. Und ja, auch schlecht durch. Und Wachsein fand der auch lange Zeit doof! Er brüllte einfach nur die Welt an. Scheißwelt! Und reckte seine kleine Faust in die Luft. So einer ist das.

Der Große baute schon früh behände und flink Dinge zusammen, Konstruktionen, hatte aber keine Lust, damit dann zu spielen! Das Bauen war sein Spielen. Dem Kleinen gehen dergleichen Talente vollkommen ab. Der kriegt nicht mal ne Spielzeugmülltonne an ein Spielzeugmüllauto drangedingst. Wenn man ihm diese aber daran befestigt, kippt er völlig im Spiel versunken stundenlang Spielzeugmüll in sein Spielzeugauto. Und dann alles wieder aus. Und wieder von vorn.

Der Erstgeborene interessiert sich für Technik und Zusammenhänge.  Der zweite singt und rezitiert Gedichte in Babysprache und wenn klassische Musik erklingt, lauscht er mit offenem Mund, den Blick in die Ferne gerichtet. Besonders bei Klavierklängen und Querflöte (Als ob ich tatsächlich wüsste, wie eine Querflöte klingt!).

Der Große erdrückte mich jahrelang, wenn er mir seine Liebe zeigen wollte. Und zwar buchstäblich! Der kam mir immer zu nahe, kroch nahezu in mich rein, als wöllte er dahin zurück, von wo er gekommen war. Schlief in meinem Bett, einen Klammergriff fest um mich geschlungen. Rutschte bis auf drei Zentimeter an mich heran um mich ganz genau (!) zu beobachten. Umarmte mich derart heftig, dass mir die Luft wegblieb und drückte, kniff mich, um zu sehen, was das dann für eine Reaktion auslöst. Einmal sah er mich weinen und das Bild faszinierte ihn und weil es ihm fremd war, kam er neugierig lächelnd näher. Näher. Und ganz nah vor mir stellte er dann sachlich richtig fest: „Du weinst!“.

Der Kleine ist furchtbar mitfühlend und heult sofort los, wenn irgendwo jemand heult. Oder informiert wie eine Feuerwehr -Tatütata!- die Umwelt: „Da weint jemand! Da weint jemand!“. Als der Beste sich mal am Fuß verletzt hatte, brachte der Kleinste noch tagelang morgens ein frisches Kinderpflaster um seinen Papi zu verarzten und brach in bitterliches Weinen aus, als ich mir einmal (Wie konnte ich nur?!) die Fußnägel blutrot lackiert hatte. Es war ihm einfach nicht begreiflich zu machen, dass das tatsächlich nur Farbe ist. Der litt mit mir!

Außerdem ist er ein Genießer, der Kleine. Rückenkraulen, streicheln, alles findet der schön! Der Große konnte das nicht aushalten, den kitzelten zärtliche Berührungen stets.

So ist alles neu und alles anders irgendwie mit Zweien. Und immer überraschend!

„Ich liebe euch beide gleich!“

Lüge.

Meine Mutter hat diesen Satz gern verwendet und ich begreife den noch heute nicht! In meinem ganzen Leben habe ich nicht zwei Menschen getroffen, die ich „gleich“ geliebt hätte. Und meine Kinder, die Menschen, die ich also am allerdollsten in meinem ganzen Leben und gemessen an allem, was im Universum an Tiefe und Breite bezüglich Liebe und Liebesfähigkeit möglich ist, liebe liebe liebe, bei denen ist das doch nicht anders! (Verknallter Satz, bitte die Syntax wegschmeißen und die Worte einzeln aufheben. Danke.)

Was mir klarer ist, da ich nun zwei von der Sorte habe, ist, dass das Spektrum an dem, was gemeinhin „Liebe“ genannt wird, breiter wird. Und tiefer, höher, größer. Und zwar alles auf einmal!

Während ich das Kleinchen anschmusen und küssen und herumtragen kann und dieser mein Licht ist, liebe ich meinen Erstgeborenen von Ferne. Ein schmachtendes zartes Gefühl, vergleichbar mit einer unerfüllten Jungmädchenliebe.

Ich sehe den oft gedankenverloren an, die sehniger werdenden Arme, die Schultern, die sich wölben, der männliche Kehlkopf (Seit wann hat er das? Das ist kein Kehlkopf, da sitzt eine Faust in seinem Hals!). Ich sehe in ihm das Baby, das er einmal war und eine Vision des Mannes, der er vielleicht einmal werden wird. Und ich würde gern seine Hand streicheln mit den langen Fingern, ihn in den Arm nehmen, also richtig, nicht dieses halbweggedrehte Küsschen links-Umarmen zum Abschied. Aber das geht nicht. Nicht mehr.

Und so bestaune ich diesen jungen Mann und liebkose ihn zärtlich mit meinem Blick und liebe ihn dennoch tief und innig wie den kleinen Kerl, dem ich meine Liebe zwischen Küsse gepappt ins Gesicht schmatzen darf. Aber eben anders!

Dieser Kleine, um den ich mir so gar keine Sorgen mache und der Große, um den ich mir jahrelang den gesamten Sorgenkatalog machen musste. Sie sind wirklich verschieden. Zum Glück. Zu meinem Glück!

Und zu meinem größten Glück lieben sie einander wie nichts anderes auf der Welt und das zu sehen… hach Leute!

Wenn der Windelscheißer morgens mit seinem Nunni im Mund das Bett des Großen entert, dann verhakeln die schlaftrunken ihre Beine, seufzen beide und schmusen sich wach. Aneinandergekuschelt. Ich stehe da oft in der Tür und sauge diese Bild auf. Unfähig, den Blick abzuwenden. Und manchmal, ganz selten, lassen sie mich zu sich. Und wenn ich auf der Decke meines großen Sohnes liege, dessen Geruch einatme, den Rücken des Kleinen an meinem Bauch und seine Atemzüge vor meinem Herzen, dann… tja, dann sind da die Antworten auf alle großen philosophischen Fragen des Lebens. Wer bin ich? Worin besteht der Sinn des Lebens? Was ist Liebe? Da sind sie, die Antworten. Neben mir. Völlig zweifelsfrei.

Und dann passiert es auch, dass meine Liebe überläuft und ein bisschen auf den bärtigen Blödmann überschwappt, dem ich vielleicht vor einer Stunde noch verkündet habe, dass ich seine Seite des Schlafzimmers neu vermiete, und ich schaue den ganz verliebt an. Und mein Unterleib krampft und versucht, irgendwo noch ein verschrumpeltes Ei aufzutreiben und auf den Weg zu schicken. Guck doch mal, das haben wir gemacht! Diese zwei kommen von uns! Aus uns! Ist das nicht fantastisch?!

Jaja.

Und in einem anderen Szenario machen sie mich fix und fertig! Alle drei. Weil sie nämlich stets Allianzen bilden gegen mich und das bärtige Kind das schlimmste von allen ist! Ich bin hier alleinerziehend, echt jetzt.

Neulich kamen sie aus dem Biergarten, wo sie „Männergespräche“ geführt haben, während ich ge-Netflix-t und entspannt habe. Da platzen sie zur Wohnzimmertür herein und schon gehts los: „Boar, hier stinkts!“, „Mama, hast du gefurzt?! Was hast du gegessen?“, „Ob ich was?! Also, bitte!“, „Klar, eenen Ordentlichen abgedrückt haste in die Kissen!“ (Der eine macht Mundfürze, der nächste stimmt ein, zwischendurch boxen sie sich gegenseitig johlend gegen die Schulter). „Jetzt reichts aber! Ihr spinnt wohl! Wie redet ihr denn mit mir!“. „Mama Hose kackt! Mama Hose kackt!“.

Und neulich begrüßte mich der jüngste im Trio infernale mit den Worten: „Hallo Wadenmuschi!“. Und ich so: „Na, du bist aber ein kleiner Frechi!“. Und er dann: „Mama ist eine frechiblaue Pupswaschanlage!“.

Sie machen mir wirklich viel Freude, diese Brüder!

Sommerfest #wib

Der Sommer hängt schon mit dem Oberkörper dem Herbst auf der Schulter aber das Wetter versprach, sich zusammenzureißen, also luden wir am Wochenende ein paar Freunde in den Garten ein.

„Feiert ihr auch Schuleinführung?“. „Nein, wir feiern das Leben!“

Just an diesem Tage feierten die neuen ABC-Schützen ihren großen Meilenstein. Nein, Moment, es stellte sich anders dar. Just an diesem Tage wurde in Spießerglücks Gartenanlage ein Battle zwischen den ABC-Schützen-Familien ausgetragen. Wer hat die meisten Ballons! Die dollsten Wimpel! Die meisten Angehörigen mit dem imposantesten Fuhrpark!

Da kamen Kleinbusse ortsansässiger Cateringfirmen und luden Rechauds und Pfannen und Gedöns ab. Der Nachbar blies eine Hüpfburg auf und beschallte uns mit Kinderdisko. Wir ließen uns nicht lumpen und zogen nach mit Tipi im Selbstbausatz und unserem üblichen Bebläke (mundart. für: rumschreien).IMG_2852Mit einem Caterer konnten wir nicht mithalten, besorgten allerdings ausreichend flüssige Grundnahrungsmittel. Man soll ja viel trinken im Sommer! Und wer will schon Entenbrüstchen mit Feigenconfit an Hummerschaum im Mondenschein (abnehmend) artgerecht aus dem Sumpf gebeten und… ich schweife ab!

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Lebensmittel

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Durch die seltsamen Beschmückungstendenzen der Gartennachbarn und weil auf einmal fremde Limousinen an unserer Gartenflanke parkten, sah ich mich gezwungen, den Rasen zu fegen. Zu kehren quasi. Große Hausordnung zu machen! Es blieb bei den Bemühungen, weil…IMG_2897

Ach, es war schön! Die Freunde haben Essen mitgebracht und auch ohne Absprache gab es weder dreimal Kartoffelsalat noch fehlte irgendwem irgendwas. IMG_2853

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Es wurde nicht nur gefressen und gesoffen, nein, auch sportliche Herausforderungen bewältigt. Wie etwa Bezwingung des „Horrorparcours“, vielleicht auch bekannt aus einer Crossfit-Weltmeisterschaft oder ähnlichem…

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…oder Tischtennis nach Gehör. Bei nahezu vollständiger Dunkelheit.

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Abends saßen wir am Feuer, grillten „Marschmepper“ (der Blondino) an armdicken Ästen und…

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… die Kinder rannten mit Knicklichtern wie Riesenglühwürmchen durch den Garten.

Irgendwann im Dunkel fing der erste ABC-Schützen-Angehörige an, übriggebliebene (oder extra zu diesem Zwecke gebunkerte) Silvesterraketen in den Dresdner Augusthimmel zu böllern. Das ließen sich die anderen Nachbarn und ABC-Schützen-Angehörigen natürlich nicht zweimal sagen! Da war was los.

Da stand ich, hielt eine kurze Ansprache und teilte den Freunden mit, wir hätten ihnen zu Ehren da mal was vorbereitet und hofften, es würde gefallen. Es gefiel.

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Der nächste Morgen war freundlich und die Kinderchen und ich sumpften vor uns hin. Halb zehn weckte ich das bärtige Männchen. Der teilte mir dann auch beiläufig mit, dass er Freunde zum Brunch eingeladen habe. Zu uns. Heute. Um zehn. Also jetzt. Und ja, kann doch mal passieren, dass er vergisst, mir das mitzuteilen!

Ich tat das einzig Vernünftige: Ich rastete komplett aus!

Dann buchte ich die Freunde auf halb elf um und räumte alle Essensreste auf den Tisch. So gings. Es wurde dann auch ein wunderschöner fauler Freundessonntag. Mit rumliegen, im Pool plantschen, lesen, Tischtennis und faulenzen. Hauptsächlich faulenzen.

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Deshalb gibts auch kaum Fotos von dem Sonntag: Ich war mit Faulenzen total beschäftigt! Müsst ihr verstehen.

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Doppelbett. Gartenedition

Der Sommer bäumt sich heute noch mal kräftig auf, danach – unkt mein bärtiger Wetterfrosch- war´s das! Dann herbstelt es. Tschüss Sommer! Wir werden die Kartoffeln rausbuddeln und Kürbisse schnitzen, Lampionblumen auf Ketten fädeln und uns auf Teenachmittage mit Kuchen und heißem Holundersaft und Kerzenschein freuen.

Bis, ja, bis es dann soweit ist! Dann will ich garantiert den Sommer zurück. Und nöle über das nasskalte Wetter. Wenn mich dann einer fragt und will, dass ich „Sommer“ spezifiziere, würde ich sagen: So wie dieses Wochenende sechster bis siebter August. So soll er sein.

Das wäre ein Sommer nach meinem Geschmack!

 

Mehr Bloggers Wochenende in Bildern sammelt Susanne hier.

Nieselpriems auf Reisen – Elldus- Resort Oberwiesenthal {Werbung}

Nieselpriems auf Reisen – Elldus- Resort Oberwiesenthal {Werbung}

Höre ich „Oberwiesenthal“, dann ballert mein Gehirn sofort los: „Jens Weißflog! Erzgebirge! Skispringen! Vierschanzentournee! Wintersport! Winter! Schnee!“, als wären wir bei einem Gesellschaftsspiel und ich müsste irgendwas erraten.

Schnee also. In der Tat steht kein anderer deutscher Städtename (außer Oberhof vielleicht) für mich so sehr für Wintersport und Winter.

Früher, damals, als es noch kein Streaming-TV gab und keinen Videorecorder und nein, auch keine Pausetaste am Empfangsgerät, sondern nur zwei Fernsehsender und Erich Honecker war der Chef, also damals, da saß ich kleine Rike manchmal mit einem Block und einem Kuli vor dem Raduga-Fernseher und verfolgte die Vierschanzentournee. Und habe alle Skispringer und ihre Sprünge aufgeschrieben. Für den Vati. Wenn der nicht gucken konnte, weil der arbeiten musste oder Bergsteigen war. Und wenn dann der Jens Weißflog gewann (der gewann ja ziemlich oft, der „Floh“), dann stand der dort und freute sich und leider fing er auch oft an zu sprechen. Dann freute ich mich nicht mehr so sehr. Dieser Dialekt! Daran denke ich, wenn ich „Oberwiesenthal“ höre.

Hat jemand meinen Faden gesehen? Ihr wisst schon, der rote?!

Danke.

Oberwiesenthal ist noch immer ein Eldorado für Wintersportbegeisterte, vollkommen zu recht. Oberwiesenthal als Sommerurlaubsziel für die Familie auszuwählen, auf so etwas Verwegenes würde noch nicht mal ich kommen.

Und dann kam eine Einladung vom Elldus-Resort in Oberwiesenthal. „Familienurlaub und Wellness“, damit bewerben sie ihr Konzept. Ich war mehr als skeptisch! Wellness trotz Familie? Konnte ich mir nur schwer vorstellen. Und nun das: Sie möchten uns gern einladen. Zur Erholung. Ob wir kommen wollen? Und wann wir denn Zeit hätten?

Nun, wir hatten Zeit und noch keine Pläne für den familiären Sommerurlaub. Aber Oberwiesenthal im Sommer? Meine Skepsis machte sich ein Bier auf und auf meiner inneren Couch breit.

Die Organisation

Alles wurde online abgewickelt, sogar der Check-in. Ich konnte Sonderwünsche (Der Sonderwunschkatalog ist riiiiesig!) dazubuchen und der Kontakt war zeitnah, überaus freundlich und vorausdenkend. Sogar die von uns geplanten Wellnessbehandlungen buchte ich schon von daheim aus und bekam per Mail einen Behandlungsplan als Vorschlag. Kurz vor Reiseantritt kam noch mal eine letzte Mail, in der noch einmal stand, um was wir uns alles nicht zu kümmern brauchen und dass man sich auf uns freuen würde. Top! Volle Punkte für die Organisation! 

Die Lage

Oberwiesenthal liegt im Westerzgebirge und das wiederum in Sachsen. Quasi für uns um die Ecke! Bis Stollberg auf der Autobahn, dann noch über ein paar kurvige Straßen die Berge hinauf, Unterwiesenthal, Hammerunterwiesenthal, und dann kommt auch schon Oberwiesenthal! Die reden hier auch sächsisch, eigentlich. Uneigentlich heißt das „Erzgebirgsch“, und bedeutet, dass in jedem Satz ein „Nor?“, „Ha?“, oder „So.“ („So-ä“ gesprochen) vorhanden sein muss. Sonst ist es kein Satz.IMG_2805

Die Unterkunft

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In solchen Häusern befinden sich die Ferienwohnungen.

Das Elldus-Ressort ist ein großflächig angelegtes Feriendorf. Neben Rezeption, Wellness, Spa und Restaurant befinden sich auf der Anlage mehrere Wohnhäuser, die ein Ossi unschwer als DDR-Plattenbauten der frühen Achtziger erkennt. Mir wurde schon komisch. Hier sollten wir Urlaub machen? In der Platte?

Mir schwante nichts Gutes, doch als ich den Schlüssel umdrehte zu unserem Domizil…IMG_2441

… erwartete uns in unserem Familienappartement neben einem liebevollem Obstteller und einer handgeschriebenen Willkommenskarte vor allem eines: Platz! Und eine sehr gepflegte Einrichtung hieß uns willkommen. Das war eine Riesenüberraschung!

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Es gab eine Spielecke mit Holzeisenbahn, einem Schaukelpferd, Bausteinen und anderen Spielsachen.

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In dem geräumigen Kinderzimmer lag auf jedem Bett ein lieber Gruß.

Ich war so begeistert, dass ich versäumt habe, Fotos von dem Appartement zu machen, als es noch ordentlich und aufgeräumt war. Wir haben es innerhalb von Stunden „nieselpriemisiert“, wie ihr hier sehen könnt, aber es wird deutlich, dass wirklich an alles gedacht wurde, was Familien brauchen. Neben einem Gitterbett hatten wir ein Hochstühlchen, ein Töpfchen, eine Kinderklobrille und sogar eine Babybadewanne. In der Küche gab es Kindergeschirr und Kinderbesteck. Im Elternschlafzimmer wurde ein Wickeltisch vorbereitet für uns. Ich war mehr als ein wenig sprachlos. Vor Begeisterung!

Später sah ich vermehrt Familien mit drei und sogar vier Kindern im Ferienpark und beim Essen und das wunderte mich kein bisschen. Familientauglichkeit bis ins kleinste I-Tüpfelchen wird unübersehbar überall groß geschrieben.

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Die Küche war geräumig und mit allem ausgestattet, was man sich vorstellen kann. Sogar eine Geflügelschere fand ich in einer Schublade. Falls man also im Urlaub im Elldus-Resort mal eine Gans tranchieren will, kein Problem!

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Das Kleinchen in Vaters Latschen und im aktuellen Lieblingspulli von meiner Freundin Anja, die unter dem Label„by Aprikaner“ total süße Kindersachen näht.

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Auch das Badezimmer war vor allem eines: Wunderbar geräumig! DSCN3508

Die Behausung war schon mal absoluter Familientraum und schlichtweg der Hammer! Top. Volle Punktzahl für die Unterkunft!

Der Spabereich

Für die Familienbeherbergung war also schon mal vorzüglich gesorgt. Ich testete mich als nächstes durch diverse kosmetische Anwendungen. Weil, es war bitter nötig! Ich wusste schon gar nicht mehr, wann da eine Fachfrau Hand angelegt hatte und es nicht physiotherapeutischer Natur gewesen war!

Und: Es war herrlich! Ich ließ mir eine Ganzkörperpeelingmassageölungseincremungsdingsbums angedeihen…IMG_2481

… vor herrlichstem Panoramblick. Ein Traum!

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Und weil ich schon mal hier war, testete ich die „ultimative Lifting-Behandlung“, was ziemlich aufregend war.

Zuerst schnurrte ich unter den Händen der Kosmetikerin, die mich salbte und streichelte und zupfte und so Zeug machte an meinem Gesicht und wünschte, es würde niemals enden. Dann strich sie mir eine kühle Matschepampe aufs Gesicht, die anfing zu spannen. Im Spaß sagte ich: „Das ist jetzt aber kein Gips, oder?!“, und bekam die ehrliche Antwort, doch, ja, das sei schon ein wenig wie Gips und würde nun hart werden.

Mir wurde ganz hart blümerant! Aber da sah ich schon aus wie Tutanchamun und konnte auch gar nicht mehr widersprechen. Das waren sehr lange zehn Minuten, die ich dort mit dem Gipsgesicht lag…IMG_2806

 

Ihr wollt bestimmt wissen, ob ich jetzt faltenfrei bin, stimmts?

Nein, bin ich natürlich nicht! Ich habe danach im ersten Moment nur ein Spannen gespürt, das ein paar Tage anhielt, aber nicht unangenehm war. Ansonsten sah ich aus wie immer. Dachte ich zumindest. Allerdings habe ich tatsächlich festgestellt beim Befühlen, dass die Stirnfalten deutlich flacher sind! Echt jetzt.

Und erholter sehe ich jetzt schon aus. Guckt mal! Einmal Eingipsen und schon gehe ich für dreiundvierzigeinhalb durch, oder?IMG_2633

Die Jungs haben sich Ganzkörpermassagen angedeihen lassen und schwärmten ebenso wie ich.

Sogar für die Kleinen werden Kindermassagen angeboten. Da läuft dann ein Hörspiel und es ist auf die Bedürfnisse kleiner Menschen ausgerichtet. Es gibt auch Abstufungen das Alter betreffend.

Wellness für die ganze Familie ist wirklich Programm. Wir haben das mit unserem Blondino nicht probiert, es gab tatsächlich so viel im Elldus-Resort zu entdecken, wir konnten unmöglich alles sehen und probieren! Ich jedenfalls bin für meinen Teil rundum begeistert. Volle Punktzahl für den Spa-Bereich!

Der Wellnessbereich

Das wirklich Spektakulärste der ganzen Anlage ist der Wellnessbereich. Ich verliere gar nicht so viel Worte, die Bilder sprechen für sich.DSCN3518

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Ein Schwitzhaus ganz im Stil eines Erzgebirgs-Stübls…

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… in dem tatsächlich Bier serviert wird.

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Für die Kinder gab es einen eigenen, abgetrennten Wellnessbereich. Mit einer eigenen Sauna! Ganz ganz süß gestaltet (mein Foto ist leider nichts geworden), in der entspannende Geschichten vom Band laufen. IMG_2593

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Neben Sauna, Badebereich und zwei Entspannungsräumen nur für die Kinder gab es einen separaten Duschraum und auch der Sanitärbereich ist auf Kinderbedürfnisse durchkonzipiert. Sogar Gratiswindeln, Wickelunterlagen und Hygienebedarf waren vorhanden. Es gab Toiletten in unterschiedlicher Höhe, Kinderklobrillen und Töpchen (vielleicht mag euch das seltsam vorkommen, dass ich das immer wieder erwähne, aber für uns ist das eben gerade Thema mit der Klo-Topf-Windel-Thematik, da fand ich das überaus präsente Angebot an allerlei Alternativen wunderbar entspannend!).IMG_2594Top. Volle Punktzahl für den Wellnessbereich!

(Ich merke schon, das wird vermutlich der längste Artikel aller Zeiten…)

Die Verpflegung

Wir hatten Halbpension und durften uns morgens und Abends am reichhaltigen Büffet die Bäuche vollschlagen. Hier war auch wieder deutlich sichtbar, dass Familien überaus herzlich willkommen sind! Kinderstühlchen, mehrere Wippen für die Kleinsten, eine Kinderspielecke und ein eigenes Kinderbüffet sprachen eine deutliche (und überaus herzliche) Sprache.

Ob es geschmeckt hat? Sagen wir mal so: Ich habe vier Kilo mehr auf den Rippen seitdem. Vielen Dank dafür! Top. Volle Punktzahl für die Verpflegung!IMG_2466

 

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Unternehmungen für Kinder

Es gibt einen Kinderclub, täglich wechselnde Angebote von Kerzen ziehen über Nachtwanderungen und Stockbrotbacken am Feuer und sehr viel mehr. Wir haben das Betreuungs- und Animationsangebot nicht in Anspruch genommen, aber allein von dem angebotenem umfangreichen Unterhaltungsprogramm ausgehend sage ich: Top! Volle Punktzahl!IMG_2444

Die Anlage selbst ist weitläufig und verfügt über einen großen Spielplatz , der auch größere Kinder in seinen Bann zieht.

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Als Schlechtwettervariante gibt es auch einen Indoorspielplatz.IMG_2626

Eine Einfriedung mit Schafen und Ziegen ist auch vorhanden und erfreute meine Großstadtkinder sehr.

 

Unterwegs in der Umgebung

Uns wurden Erzgebirgspässe zur Verfügung gestellt und das empfehle ich jedem Reisenden. Damit bekommt man einen Katalog an Ausflugsempfehlungen und gleichzeitig ermäßigten oder sogar Gratiseintritt bei jeder Menge Veranstaltern.

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Zum Beispiel beim Gondelfahren auf den Fichtelberg. Oder für die Schwebebahn.

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Blick vom Fichtelberg abwärts aus der Schwebebahn. Die Häuserformation in der Mitte des Bildes ist das Elldus-Resort.

Außerdem waren wir mit der Erzegbirgscard jeden Tag gratis rodeln.DSCN3501

 

In der die Rodelbahn angrenzenden „Schutzhütte“ gab es hausgemachte Pasta mit Steinpilzrahmsauce für unter sechs Euro und ich bin seitdem absoluter Fan des „Prijut“.IMG_2572

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Wir haben an einem Regentag das Meeresaquarium in Oberwiesenthal besucht…

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… und waren im nahen Tschechien essen und günstig Kram shoppen🙂

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Jens Weißflog haben wir natürlich auch besucht! Wenn wir doch schon mal da waren.

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In Jens Weißflogs Restaurant

Der betreibt nämlich ein Hotel mit Restaurant in Oberwiesenthal und das ist auch ein Ausflugstipp. Im ganzen Restaurant hängen Fotos, Urkunden, Shirts, Skier und allerlei Devotionalien einer erfolgreichen Skispringerkarriere.

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Auch von dort hat man einen grandiosen Blick in die Weite.

Fazit

Mit geschenkten Gäulen ist es ja so eine Sache. Ich muss ja schreiben, dass es toll war! Könntet man meinen. Nein, muss ich gar nicht. Würde ich auch nicht. Und ehrlich, ich habe wirklich ernsthaft versucht, das berüchtigte Haar in der Urlaubssuppe zu finden. Da war keines! Niente! Es war einfach nur so traumhaft wie ich hoffe, dass es die Fotos vermitteln.

Und anfangs stellte ich in diesem Beitrag die Frage: Oberwiesenthal im Sommer? Ich sage euch: Unbedingt! Wer auf der Suche nach Natur, Ruhe und Entspannung ist, für den ist diese Empfehlung ein Volltreffer. Oberwiesenthal ist außerhalb der Wintersaison ein verschlafenes Bergdörfel und dabei gastfreundlich, weitläufig und herrlich erzgebirsch. Und mit dem Elldus-Resort haben Familien eine wunderbare Ferienheimat.

Tschüss, Oberwiesenthal. Scheen wars bei dir!

Auf Wiedersehen im Elldus-Resort!
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Nachtrag: Dani vom Blog „Glucke und so“ war eine Woche nach uns mit ihrer Familie im Resort zu Gast und wer gern eine zweite Meinung einholt, kann dies hier!

 

 

Erntefluch und Erntedank

„Hach, so ein Garten ist ja was Schönes!“.

Höre ich andauernd. Natürlich nur von Leuten, die keinen Garten haben! Oder von Rentnern mit Garten. Oder Rentnern ohne Garten, die aber mal einen hatten. Oder von Leuten, die meinen, einen Garten zu haben, aber in Wahrheit drei grüne Handtücher um ihr Eigenheim herum bepflanzen und hegen müssen…

Ja, So ein Gemüsegarten ist was tolles. Also in der Fantasie. Die eigene Familie mit selbst gezogenem Gemüse und Kräutlein versorgen zu können und wenn man die Freundin besucht, ach, da lustwandelt man vorher mal kurz durch die bunt wogende Blumenpracht im eigenen Garten und pflückt einen superschönen Gartenstrauß zusammen als Ode an die Natur und die Freundschaft zur Freundin. Von wegen!

Meine Blumenbeete sind alle mit Tieren befallen. Klebrige schwarze Läuse! Während ich diese inspiziere, krabbeln Armadas (Plural von Armada, also vielleicht auch Armaden, Maden mit Ar- vorne dran, was weiß denn ich, viele jedenfalls!) meine Beine und Arme hoch. Beißen mich. Einen Blumenstrauß pflücke ich nicht. Gut, in den kurzen Wochen, wo der Flieder blüht, pflücke ich Flieder. Und ich pflücke Forsythie an Ostern. Und eine Woche im Frühjahr ist auch ne gute Zeit für Pfingstrosen. Aber der Traum von Blumensträußen aus dem eigenen Garten ist schon mal ein Fail.

Gemüse. Hach ja. Ernten, erntefrisch genießen und so. Toll, oder? 90% Arbeit, 10% Ernten. Das ist die Wahrheit.

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10% des Gärtnerlebens besteht aus diesem Anblick

Wir haben ein Gewächshaus, das alle drei Tage gegossen werden muss und eigentlich wie ein Haustier ist, das Tomaten abwirft. Verreisen wir, muss da also jemand ran. Ebenso an den Wasserschlauch, wenn eine tagelange Dürre angesagt ist. Nach der Arbeit abends rammelste hin. Gießen. Hegen, Pflegen, hochbinden, Vergeilungstriebe abknipsen. Sowas.

Und der Ertrag? Nun ja. Die Gurken spinnen. Eigentlich immer! Erst knallen sie Früchte raus, als wöllten sie floratechnisch die Weltherrschaft an sich reißen und dann ist Ruhe im Schacht. Heißt, wir haben innerhalb dreier Wochen zwanzig Gurken geerntet und Gurkensalat, Schmorgurken, zu verschenkende Gurken und vergammelte Gurken im Angebot gehabt und nun trocknen unsere zwei Gurkenpflanzen müde vor sich hin. Spinnenbefall haben wir auch an denen. Wie in jedem Jahr. Hässliche weiße Netze. Klebrig. Eklig.

Sollzustand

Kartoffelacker Sollzustand

Istzustand

Kartoffelacker Istzustand

Tomaten stehen da auch rum. Eine der vier Pflanzensorten schmeckt sogar. Aber die Schnecken finden das auch. Ich will nicht von Schnecken angeschlabbertes Gemüse essen!

Die Schnecken sind auch überall. Ü-ber-all! Neulich habe ich einen groben Garten-Anfängerfehler begangen: Ich bin mit nackten Füßen in meine Gummistiefel geschlüpft. Tja, sagen wir mal so: Ich war danach wach! Sehr! Denn ich schlupfte barzehig mittig in eine Nacktschneckenclique hinein.

Jetzt haben wir Zucchinischwemme. Was macht man damit? Zucchinikuchen, Zucchinibrot, Zucchinipuffer? Kann man. Mein Tipp für die armdicken Zucchinis ist, sie nach diesem Rezept hier zu allerfeinstem Relish zu verarbeiten und im Herbst aufzuschlabbern oder zu verschenken und tosenden Applaus dafür einzufahren! (Wenn ihr dem Link folgt seht ihr, dass ich bereits 2014 frenetisch begeistert bei diesem Blog kommentiert habe und schwöre, das Zeug ist ein echtes Rauschmittel! Unbedingt probieren! Und auch Antje´s ganzen Blog lesen an der Stelle, wenn ihr schon mal dorthin surft.).IMG_2701

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Außerdem liebe ich Zucchini als Antipasta. In daumendicke Scheiben schneiden und mit Olivenöl, Kräuter der Provence und Salz/ Pfeffer einreiben. Scharf anbraten auf einer Seite, wenden. Dann auf jede Zucchinischeibe je eine Scheibe Parmesan legen. Deckel auf die Pfanne, ausschalten, stehen lassen. Schmeckt traumhaft! Und zwar am besten lauwarm.

Oder mariniertes Gemüse mit Zucchini. Die Dinger nebst Champignons und Zwiebeln und Knoblauch (wer mag) anbraten, in eine Schüssel umschütten. Olivenöl, eine kräftige Prise Zucker, Salz, Pfeffer, je ein Zweig Rosmarin und Thymian dazu. Wer mag noch einen kleinen Schuss Weißweinessig. Einen Tag durchziehen lassen, fertig! Warum es für beides keine Fotos gibt? Nun, ratet mal.

Beerensträucher sind wirklich was Schönes! Wir haben schwarze, rote, weiße Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Himbeeren. Mit den beiden letzteren habe ich überhaupt keine Arbeit. Da stehen meine drei Jungs artig davor und ernten die direkt in ihre Münder. Die anderen werden alle zur selben Zeit reif und da heißt es schnell sein und vierzig Kilo Gelierzucker und zweihundert leere Marmeladengläser vorrätig zu haben. In diesem Jahr habe ich die Beeren erst in Gefrierbeutel geerntet und gedacht, ich froste das und koch das ein, wenn ich irgendwann mal Lust und Zeit habe! Aber nee, der Frost ist noch voller Rhabarber, bei dem ich mit der selben Denke an die Ernte rangegangen bin…

Also kochen.IMG_2671

Wäre ein super Instagramfoto, nicht wahr? Wow! Weiße Johannisbeeren. Aber die sehen als Solo-Gelee aus wie fest gewordenes Bier. Nä! Also werden sie zusammen mit den Stachelbeeren zerkocht.IMG_2673

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Am Ende kommt auch nur wieder eine rote Marmelade raus und ich stelle die nächsten acht Gläser mit irgendeiner roten Marmelade in den Keller zu den anderen vierhundert Kollegen. Ich habe noch Holunder von 2014 und 2013. Johannisbeere von 2013 fortfolgende, Pflaume mit Zimt, Pflaume mit Kardamom, Kiwi mit Dings und Quitte mit Das… ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich da unten in diesem Keller noch habe. Und es kommt ständig was neues dazu! Kein Mensch kann so viel Marmelade essen.

Obstbäume sind doch aber was Schönes, oder? Nein. Ich habe einen Pflaumenbaum, einen Apfelbaum und zwei Kirschen. Entweder tragen die Bäume gar nicht oder sie tragen und wecken wilde Hoffnungen in mir, nur um im entscheidenden Erntemoment zu sagen „Püh!“, und alles abzuwerfen kurz vor Reife. Oder – im Falle der Kirschbäume – wunderprächtige Früchte zu produzieren, die alle, alle, alle von Maden befallen sind (nein, ich will mir auch mit Maden nicht mein Obst teilen). Und dann hängen auch noch zwei bis zehn Kilo in schwindelerregender Höhe rum, die sowieso kein Mensch ernten kann! Und dann fängt der Spaß erst an. Wie also sieht das aus? Nun ja, die Wiese ist voller modrigem Fallobst, das weggerecht werden muss, weil es sonst Wespen, Ameisen und noch mehr Viechzeug anlockt. Also außer gießen auch noch rechen jeden zweiten Abend. Nach der Arbeit. Und der Kinderbetreuung. Schaffen wir nicht. Wir haben modriges Obst und surrende Wespen.

Kinder sind auch ein gutes Stichwort.

Kinder lieben Gärten! Oder? Ja, doch. Da kann man so viel entdecken. Wasserfässer, aus dem Boden ragende Stromleitungen, Rasenmäher, Unkrautex in Flaschen mit Schraubverschluss (Wie geht das denn auf? Ach so geht das auf!), Rattengift (Oh, rosa! Wie schön! Wie schmeckt das denn?). Damit wir überhaupt mal in Ruhe irgendwas machen können, haben wir dem Kleinkind gestattet, mit einer Schaufel das eine Erdbeer- und Tomatenbeet umzugraben. Er macht das auch geflissentlich und leider sehr engagiert. Er trägt also sukzessive die Erde und Erdbeerpflänzchen ab um sie über dem Kartoffelacker auszuschütten. Eine große Hilfe! Nur fürs Protokoll, nein, Erdbeeren haben wir auch keine. Die wurden von den Igeln oder Eidechsen oder Schnecken abgefressen. Und, na klar, dem Kind ausgebuddelt.

Wer weiß, vielleicht kommen sie dann im nächsten Jahr auf dem Kartoffelacker wieder? Im nächsten Jahr. Was wird dann mit dem Garten im nächsten Jahr? Wer wird sich über die Unkrautmassen aufregen? Und über die Schnecken? Die Viecher an den Blumen und die viele Arbeit?

Mittlerweile kenne ich tatsächlich mehrere Familien, die sich genauso blauäugig wie wir in einen Gartentraum gestürzt haben, und diesen mittlerweile wieder beerdigt haben. Ihren Garten abgegeben. Und ich verstehe sie! Es macht Scheiße viel Arbeit. Echt jetzt. Und da reden wir noch nicht mal über die Wartungsarbeiten an einem Haus, wenn denn eines draufsteht. Über Wasserrohrbrüche, volle Klärgruben, Marderschäden oder ähnliches. Zwei Berufstätige mit Kindern, Kegeln und einem Schrebergarten? Gibts, aber kannst du dir eigentlich weitere Hobbies klemmen.

Und wir haben doch auch noch Hobbies! Wir haben eigentlich zu wenig Zeit für diesen Garten! Und, zum Glück, suchen und finden wir ja nun ein Haus mit grünem Handtuch drumherum, das sich leicht pflegen lässt. Wo man nicht erst nach der Arbeit ins Auto steigen muss um irgendwohin zu fahren und zu gießen. Nein, man ist ja da! Zu Hause. Auch das bisschen Unkraut zuppeln kann man sich gut einteilen. Das wird ganz schön. Ganz schön wird das. Ganz schön wehmütig vor allem… Er wird mir fehlen, der blöde Drecksgarten. Der doofe. Deshalb muss ich noch ein paar Mal schreiben, wie blöd der Garten ist. Damit er mir nicht so dolle fehlt. Wenn ich dann in meinem schönen Haus mit dem pflegeleichten Handtuchrasen drumherum sitze und gekaufte Gurken ohne Spinnweben kleinschneide. Deshalb.

Zum Schluss habe ich noch einen Garten-Hack für euch. Klingt seltsam, funktioniert aber! Einfach einen Schwapps warmes Wasser und Lieblingsschaumbad in die Gummistiefel schütten (nachdem ihr eventuell die Schnecken ausgeschüttet habt) und dann ab mit den nackschen Füßen rein und ins Beet zum Unkraut zuppeln. Das hilft gegen die furchtbar schwarzen Gartenfüße, die so schwer sauber zu schrubben sind und ihr macht dabei direkt ein Fußbad. Es sei denn, ihr habt keinen Garten. Dann braucht ihr auch kein Seifenwasser in eure Gummistiefel kippen! Aber vielleicht schafft ihr euch ja irgendwann einen Garten an? So ein Garten ist doch was Schönes. Und auch für die Kinder!

😀

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