Achtzehn

Der Kronsohn, unser Erstlingswerk, wird in drei Wochen achtzehn. Also ist er dann sowas wie erwachsen, auf dem Papier zumindest.

Ich meine, es war klar, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Genauso, wie immer klar war, someday baby, we´ll be old, oh baby. Und trotzdem guck ich in den Spiegel und denke, ach du Scheiße, wann ist das passiert? Warum? Und: Jetzt schon? So ist das auch mit dem Bubi.

Wie, der ist jetzt erwachsen?!

Komisch.

Wir Alten fragen uns zum Beispiel aktuell, wie wir ihm das seit seiner Geburt angesparte Geld auf dem Sparbuch nun schenken sollen. Ein Diskussionsgegenstand, der regelrecht skurril erscheint, haben wir doch ganze achtzehn Jahre jeden Monat auf das Kinderkonto überwiesen, für später. Nun ist es da, dieses „später“. Was heißt das, wie geht man jetzt damit um? Niemand hat uns vorgewarnt, wie verhält man sich denn entsprechend? Anders? So wie vorher? Was ist mit Rechten? Pflichten? Dürfen wir überhaupt noch Vorschriften machen? In seine Angelegenheiten reinreden, weil wir alt und weise sind und sowieso alles besser wissen?

Niemand bereitet einen darauf vor.

Ich habe noch den Duft seines verschwitzten Kinderkopfes (nach warmem Apfelkuchen) in meiner Nase und wie er eine „Fitzschnute“ zog als Baby, wenn ihm etwas nicht passte. Nichts davon erinnert beim Anblick des langbeinigen Kerls mit den (aktuell) blauen Haaren und der tiefen Bassstimme an dieses kleine Kind.

Wir haben noch Glück. Meine Freundin muss sich im Sommer von ihrem Sohn verabschieden, da dieser (obwohl eine Woche jünger als unser eigener) für ein Jahr nach Amerika geht. Unser Sohn zieht nur von der ersten Etage in den Keller in seine neue „Souterrain-Wohnung“. Also lediglich ein Abschied vom Kinderzimmer.

Wir Eltern gehen unterschiedlich mit der Gesamtsituation um. Während ein Elternteil gefühlsduselig die neue Bleibe hübsch machen möchte (Lichterketten, Schwarzlichlampe, Poster), schnauzt das andere Elternteil, das sei völlig übertrieben und dem Sohn gefalle das gar nicht. Und: Immer musst du was einkaufen! Kaufen, kaufen, kaufen! Da wo unser Geld herkommt, gibts ja unbegrenzt Nachschub, nicht wahr? Und wenn es dann nach drei Wochen nicht mehr gefällt, fliegt es einfach auf den Müll! Nein, sage ich. Also das andere Elternteil.

Ich bin ja mal gespannt, wie das Zeugnis aussieht dieses Jahr, sagt das eine Elternteil. Was soll schon sein, das andere. Zwei Komma fünf im Durchschnitt wird es, hat er mir gesagt. Was?! Zwei Komma fünf?! Dann brennt die Luft. Der ist so stinkenfaul, immer nur zocken hat der im Kopf! Nichts hat er gemacht für die Schule in diesem Jahr! Ja, aber sieh es doch mal anders, sagt das andere Elternteil, er hat also mit Null Lerneinsatz die elfte mit zwei Komma fünf geschafft! Da ist jede Menge Luft nach oben! Ganz genau, sagt das der andere. Jede Menge Luft. Er nutzt seine Potentiale nicht, er hat null Biss! Dieses strunzfaule Rumgedahle, lalala, scheiß doch drauf, wird schon irgendwie, das kotzt mich sowas von an, sagt das eine Elternteil aufgebracht. Mann, du redest uns hier echt Probleme herzu, wo überhaupt keine sind, interveniert das andere Elternteil beim Kisten von oben nach unten tragen. Du meckerst immer nur an dem rum! Der steht jeden Morgen auf und geht in die Schule mit gutem Ergebnis, er säuft nicht, nimmt keine Drogen und wenn er auch nur fünf Minuten später nach Hause kommt als vereinbart, schreibt er mir ne SMS! Ich weiß nicht, was du immer willst von dem?!

Ich will, dass der mal ein ordentlicher Kerl wird! Mir wäre lieber, er würde sich mal besoffen prügeln und die Nächte um die Ohren hauen! Ach so, jetzt verstehe ich, sagt das andere Elternteil. DAS ist es also. Weil er „anders“ ist und anders als du sowieso schon mal. Ja, genau, das ist es! Der ist kein bisschen wie ich! Wie soll ich mich da identifizieren? Weißt du, wie gemein du bist, sagt das eine Elternteil, der joggt mit dir, er stemmt Hanteln, er blickt noch immer zu dir auf, alles nur, um dir nachzueifern und du merkst es nicht mal. Und außerdem, ich will ehrlich gesagt nicht, dass der so wird wie du warst! Den Eltern den Mercedes geklaut und ohne Führerschein besoffen zur Disco über die Dörfer gebrettert! Gekifft, geprügelt! Ach, komm, das gehört doch zum Erwachsenwerden dazu, beschönigt das so angeprangerte Elternteil, und ehrlich gesagt würde mir genau das gefallen! Mir aber nicht, widerspricht das andere Elternteil.

Du würdest ihn ja am liebsten noch an die Zitze legen, höhnt der eine, das war schon immer das Problem! Du hast ihn von Anfang an zu sehr verhätschelt! Und du hast von Anfang an ein völlig übersteigertes Anspruchsdenken an den Jungen gehabt! Ich weiß gar nicht, was mit dir los ist. Warum kannst du den Jungen nicht einfach so annehmen, wie der ist. Weil der kein bisschen wie ich ist!, sagt das andere Elternteil. Weil der sein Leben einfach verdaddelt! Weil der keine Ziele hat! Ach, hör doch auf, nölt das andere. Du hattest mit achtzehn nur das Ziel, ne geile Zeit zu haben! Du warst nicht auf der Penne, du warst auf der Baustelle. Penne und Ziele, das kam alles später, du hast es nur vergessen. Niemand von uns hat auf dem geraden Weg sein Abi gemacht und studiert, bei dem Jungen aber sieht es so aus, als würde genau das passieren. Du aber maulst, er wäre faul und nicht fokussiert.

Mit zwei Komma fünf studiert der gar nichts! Ich sage dir was, wenn der in der zwölften noch zwei Komma fünf hat und ich den nicht mal ne halbe Stunde am Tag pauken sehe, nehme ich den von der Schule! Ja, da guckste! Ich zahle doch nicht das Scheiß Schulgeld für den, wenn der sich nicht mal am Riemen reißt und mir zeigt, dass er das wirklich will!

Du solltest dich hier mal reden hören, sagt das andere Elternteil. Dann sagt sie nichts mehr.

Sie würde ihn gern in den Arm nehmen und ihm sagen, dass er alles, alles richtig gemacht hat, in all den Jahren. Dass er ein toller Vater war und ist. Dass alles gut wird und dieser junge Mann, sein Sohn, seinen Weg gehen wird. Dass sie beide erleben werden, wie er Sonntags mit ihren Enkeln zum Essen kommt. Dass sie beide Gespräche führen werden, erwachsene Gespräche auf Augenhöhe, er und sein Sohn. Dass sie es sehen kann! Sie möchte ihm so gern sagen, dass sie froh ist, dass er in all den Jahren ihr Partner war. In den sorgenvollen Zeiten, in denen sie auf das Kind herabgesehen haben, hielten beide es an der Hand, der eine an der linken, der andere an der rechten. Wie froh sie über diesen Umstand ist. Und dass er stets wissend genickt hat, wenn ihr das Herz weh tat um diesen Jungen. Dass es okay ist, wie es ist. Dass er nachlassen kann, darf. Das möchte sie ihm gerne sagen.

Und während sie darüber nachdenkt und diese Zeilen schreibt, kommt das Blondchen in seinem Superman-Schlafanzug aus seinem Zimmer, legt den Kopf auf ihren Schoß und sagt, er wölle niemals fünf werden! Er wolle für immer klein bleiben und sie denkt: Ach, mein Herz. Es ist, als sei es vorgestern gewesen, als ein Kind mit dunklen Haaren genau dasselbe gesagt hat, mit dem Kopf in ihrem Schoß.

 

 

 

Schatz, danke, dass du mich gefunden hast, damals. Und danke für diese Kinder! Das ist, was sie dir sagen will. ❤

 

 

 

 

Aus dem Leben einer Mutter – Kurzepisode 1

Das Seniorenheim

Sie kennen das. Da gehen sie gemütlich zum wochenendlichen Entenfüttern an den nahegelegenen Fluss und just als die heimatliche Behausung aus dem Blickwinkel entschwindet, schreit das angedeihliche Fortpflänzchen zu ihrer Linken: „Muss kackorn!“.

Zum Glück haben die Städtebaumeister wohl genau aus diesem Grund alle drei Meter ein Seniorenheim mit Gästetoilette im Entreé errichtet.

Das bedürftige Kind verspürt naturgemäß keinerlei ursächliches Bedürfnis mehr beim Anblick des coolen Interieurs: Behindertentoilette, Notrufklingel, eine Riesenrolle Handtuchpapier… Aber weil sie schon mal hier sind, geben sie dem Kind ihr Handy, damit es nicht ins Klo fällt, wenn sie gleich…

 

Zum Glück hat das Kind weder Twitter- noch Instagram-Account. Bislang.

 

Mai im Glas – Holunderblütengelee

Mai im Glas – Holunderblütengelee

Jedes Jahr Ende Mai stapfe ich mit dem roten Eimerchen los. Ziel sind die Holunderbüsche in Kaditz.

Zuhause gebe ich fünf Zitronen und so viel Wasser zu den Holunderdolden, dass alle gute bedeckt sind. Danach matsche das Ganze ordentlich mit den Händen durch (Ah! Das ist das Allerbeste! 🙂 ), und dann bleibt der Eimer abgedeckt mit einem Geschirrtuch mindestens einen ganzen Tag im Keller stehen.

Danach wird die Brühe abgeseiht. Bei mir klappt das am besten mit einem groben Sieb, das ich mit Kleenex auslege.

Jetzt den Saft abmessen. Drei Liter sind es bei mir. Wenn die Menge „unrund“ sein sollte, kann der Holunderblütensaft gut mit Apfelsaft aufgefüllt werden. Oder mit Wasser selbstverständlich.

Für drei Liter Saft sind vier Pakete Gelierzucker 2:1 ideal, sonst wird das Gelee zu flüssig.

Et voilá!

Schmeckt mir am besten auf einer dicken Scheibe Müslibrot mit fett Butter untendrunter! Müslibrot?! Ja, ganz einfach eine Backmischung für ein dunkles Brot (am besten mit Malzanteil) mit einer Handvoll getrockneter und klein geschnittener Aprikosen und einer Handvoll Haselnüssen pimpen. Den Brotlaib vorm Backen mit Haferflocken und Kernen bestreuen und backen. Bitte sehr, Müslibrot!

Im übrigen habe ich diesen Post morgens 7:05 Uhr mit leerem Magen geschrieben, also nur, falls es diesebezüglich Fragen gibt. Und jetzt habe ich Hunger! Mahlzeit und einen schönen Rest-Mai euch allen!

 

Auf Instagram gibts zum Thema „Mai im Glas“ mein Making of zum Rhabarber-Himbeer-Sirup.

 

Eheliche Rollenspiele

Ich habe neulich das Auto gereinigt. Aber nur ein bisschen, nicht so auffällig. Warum? Na, wartet mal ab.

Also das Auto. Wir haben einen Familienwagen, den meistens ich von A nach B ausfahre. Der Mann fährt Rad. Das kann auch daran liegen, dass dieses Auto immer völlig versifft ist. Dafür bekomme ich in regelmäßigen Abständen die Schuld zugewiesen, wenngleich ich finde, er beschuldigt mich da grundlos. Das letzte unserer Gen-Experimente verursacht den Dreck, aber irgendwie bin ich trotzdem Schuld. Das ist wahrscheinlich dieses Henne-Ei-Problem.

Früher, ja früher war das schon anders! Ich bin ziemlich stolz darauf, dass ich bewiesenermaßen mal in der Lage war, während der Fahrt einhändisch ein Mäc Menü auseinanderzupfriemeln, die Pommes nebst Majo und Ketschup auf dem Armaturenbrett zu drapieren und somit ohne anzuhalten meine Mahlzeiten zu mir nehmen konnte. Drive in, to go. Dafür wurde das doch erfunden, oder? Gut, manchmal kippte ein Erdbeermilchshake um im Auto, aber nun ja, das trocknete auch wieder. Und der Fußraum auf der Beifahrerseite fasst exakt soviel Abfall, wie in einen 50l-Müllbeutel passt. Echt praktisch!

Those days are gone. Wenn ich heute eine braune Papptüte aus dem Burgerladen trage, reißen mir vier Hände sofort alles aus den Fingern. Ich komme gar nicht dazu, das Armaturenbrett einzusauen, weil einfach keine Pommes für mich übrig bleiben! So ist das. Deshalb – und weil mir Ordnung und Sauberkeit wichtig sind (Gelächter wäre jetzt angebracht) – habe ich Fastfood im Personenkraftwagen verboten!

Allerdings ist es so, dass der Babynator immer Hunger im Auto kriegt und kaum dass er angeschnallt ist, anfängt in seinem Rucksack rumzufummeln und das Frühstück für den Kindergarten rauszupulen. Und rumzukrümeln. Oder er findet die Bäckertüte mit den Semmeln im Fond, die eigentlich zusammen mit Bratwürsten das Familienabendbrot sein sollten. Und krümelt. Oder aber er findet eine Packung Kaugummi und kaut die alle an. Das ist das Allerfieseste, das muss ich mal genauer erläutern.

Es scheppert auf der Rückbank. „Leg die Kaugummi zurück! Du isst die doch gar nicht! Das sind die Scharfen!“. „Doch! Ich will nur mal kosten!“. „Nein!“, spricht die Mutter, fuchtelt mit dem zu kurzen Arm nach hinten und erreicht weder Kaugummibüchse noch ungehorsames und vermutlich feixendes Kind. Dann katscht das Kind den ersten Kaugummi, um kurz darauf festzustellen, dass der schaaaaaa-haaaarf sei! Puh, schnell weg damit. „Wo ist der Kaugummi?! Neben dir liegen Tempos! Tu den da rein!“, ruft die alarmierte Mutter mit dem fuchtelndem Arm. „Schon ausgespuckt!“, berichtet das Kind um kurz darauf den nächsten Kaugummi zu testen, möglicherweise schmeckt der ja ganz anders. Die zwölf Kilometer zum Kindergarten oder vom Kindergarten heimwärts reichen vollkommen, um sechs bis acht Kaugummi zu testen. Und nein, niemals puhlt er sie im Nachhinein von den Fußmatten.

(Warum ich überhaupt Essen und Kaugummi in Reichweite der Kinderärmchen aufbewahre?! Ach, hör doch auf! Du klingst ja schon wie der Mann!)

Danach muss das Kind dergestalt aus dem Auto steigen, dass auf wirklich allen Sitzen und der Mittelkonsole Fußabdrücke seiner (manchmal wenigstens trocken verschlammten) Schuhe zu sehen sind. Wenn ich nicht aufpasse, verweilt er noch einen kleinen Moment auf dem Fahrersitz und baut diverse Teile der Innenarchitektur des Wagens ab. Die ich dann selbstverständlich niemals wieder drangefummelt bekomme und deshalb im Handschuhfach sammle.

„Henrike!“, sagt der Mann, „Ich glaube das alles nicht!“, spricht er weiter. „Du musst dich einfach mal durchsetzen! Der tanzt dir doch auf der Nase rum! Blablablabla…“, viele Worte, ernster Gesichtsausdruck, „Und dieses Auto ist doch nur Beispiel der Symptomatik!“. Weitere Worte folgen, ich nicke und gucke bedröppelt, während ich bereits vor längerer Zeit das innere Meeresrauschen eingeschaltet habe und gar nicht mehr zuhöre. Dann ist es vorbei und meistens folgt im Anschluss an so ´ne Kopfwäsche eine gründliche Putzaktion, durchgeführt durch den Mann. Er wischt sogar das Armaturenbrett ab, obwohl ich schon lange keine Pommes mehr darauf esse. Er poliert die Felgen, er putzt die Scheiben von innen, er macht das schön.

Ich bedanke mich überschwenglich und knutsche ein bisschen mit dem. Und sage ihm, dass niemand so schön Autos putzen kann wie er und dass ich aufgeschmissen sei ohne ihn! Und wir lachen dann und vielleicht schimpft er noch ein bisschen wegen der schlampigen Bagage, aber nicht mehr sehr.

Aus diesem Grund putze ich das Auto nur sehr „fahrlässig“. Soll ja nicht auffallen, dass ich das durchaus kann, weil sonst schnauzt der mich nur noch an: „Mach die Karre sauber, ich gloobe, es hackt! Wie das Drecksding schon wieder aussieht! Spinne ich, oder was?!“, oder so ähnlich. Ich habe selbstverständlich auch „vergessen“, die Scheibenwischerflüssigkeit nachzufüllen. Da hab ich dann wieder einen Grund zum Loben. Er macht das wirklich schön!

Das Ganze hat aber auch eine Kehrseite.

Wenn ich mal Mitleid will, stelle ich mich auf einen Tisch und rufe aus: „Für mich hat noch niemals ein Mann gekocht! Und dieser hier schon gar nicht (zeige auf den Mann)! In zwanzig Jahren nur ein einziges Mal!“.

Dieses einzige Mal war ein paar Tage nach der Geburt des Blondinos und ich war zwar hungrig, aber nicht in der Verfassung, Essen zuzubereiten.

Der Bärtige kann nicht kochen. Also das ist, was er mir seit zwanzig Jahren weismacht. Er kann es einfach nicht! Er kann Döner besorgen und Pizza bestellen und kennt auch ein zwei asiatische Imbisse, aber kochen? Nein, also wirklich nicht. Aus nicht bekannten Gründen zwang ich ihn also kurz nach meiner Niederkunft zu kochen. Es gab Fischstäbchen mit Kartoffeln und Mischgemüse. Das Ganze war ein Gericht, das so noch nie bei uns auf dem Tisch gestanden hatte. Tiefkühlmischgemüse gab es bis dato einfach noch nie! Und dass man in der Pfanne verkokelte Fischstäbchen essen kann, war auch eine neue Erfahrung. Die Küche sah aus, als hätte ich ein fünf-Gang-Menü für zwanzig Personen darin zubereitet und mittendrin stand mein armer Kerl mit rotem Gesicht und verschwitzten Haaren, völlig fertig und erledigt wie nach der Ersteigung des Macchu Picchu (Gesundheit!). Zwei Töpfe und eine Pfanne hatten ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht. Ich lobte ihn natürlich überschwenglich und sagte, wie lecker das  Mahl sei und dass ich sehr gern wieder etwas von ihm Gekochtes essen wöllte, aber Pustekuchen! Er kochte niemals wieder.

Doch dann – Ha! – ein Ding. Ich war mit dem Babylino zur Kur und telefonierte zwischendurch irgendwann arglos mit dem Großsohn. Da plapperte dieser beiläufig, der Papa würde gerade Gulasch kochen. Gulasch! Kochen! Dein Vater! Ich fragte nach kurzer Schnappatmungspause nach und erfuhr tatsächlich, dass der Kerl wohl in der Küche stünde und fünf Kilo echtes Fleisch anschmorte und nein, da lägen keine Dosen im Müll!  Ach, und zwei Tage später informierte mich das gute Kind, dass des Vaters Gulasch tatsächlich besser schmecken würde als meiner!

Da scheiß doch die Wand an! Erbost stellte ich den Mann zur Rede, der sich erst rausreden wollte um mir dann zu sagen, dass ja wohl echt jeder kochen könne! Und heutzutage mit dem Internet und so überhaupt. Aber da ich das so gern täte und manchmal sogar singen würde in der Küche und er mich doch so gern loben würde (und knutschen auch), würde er halt mich kochen lassen, und zwar ausschließlich. Und eigentlich (!) könne er ja wirklich nicht kochen.

Was soll man da sagen?! Er kann nicht kochen und ich kein Wasser in die Scheibenwischeranlage füllen. Und keine Luft aufpumpen, keine Steuererklärung machen, komme einfach nicht an den Schieber mit den Batterien ran… Danke Schatz, das ist so lieb von dir!

Belügen wir uns? Sind wir unehrlich? Äh, vielleicht? Wahrscheinlich sind wir aber einfach nur zwei Schlawiner und hey, es funktioniert ja für uns! Und solange bei dem Ausruf: „Ich habe gar keinen Schlübbor an!“, der jeweils andere zur Hilfe eilt und durchs Haus hechtet, als ob die Hütte in Flammen stünde, aber nur so schnell, dass man noch schnell aus der Bux springen kann und nicht der Lüge überführt wird, ist doch alles gut, oder?! 😉

 

Und jetzt geh ich kochen. Und nein, natürlich keinen Gulasch! Ich koche nie wieder Gulasch für diese Familie. Das ist ja wohl klar!

Meine Blumen für…

Meine Blumen für…

… Rike Drust!

Es ist wirklich längst an der Zeit, mal wieder Blümchen zu verschenken. Es gibt da draußen so viele tolle Elternblogs, dass ich gar nicht beantworten kann, warum ich das so lange nicht gemacht habe.

Die Schneeglöckchenfaust habe ich bereits vor mehreren Wochen fotografiert, als ich diesen Artikel begann zu schreiben. Ich finde, dieser „Blumenstrauß“ passt ganz hervorragend zu der Person, für die er gedacht ist. Einer erwachsenen Person, die sich zum Beispiel diebisch freut, wenn sie ein totes Insekt findet und dann heimlich die fleischfressende Pflanze der Kinder damit füttert. Einer Erziehungsberechtigten, die die Kacka-Pupsi-Sprüche ihrer Kinder in Kreuzstich auf Stöffchen verewigt und an die Wand tackert. Einer Frau, die mit ihren Büchern so vielen Müttern Mut macht und mit ihren Blogposts Leute zum Lachen, Nachdenken und Nachlesen bringt. Einer Bloggerin, deren Leidenschaft Kinderbücher sind und die mit ihrem Instagram-Account Kinstabuch tatsächlich eine qualifizierte Kaufberatung und Leseempfehlung für wirklich gute Kinderbücher bietet. Und der man dabei sofort glaubt, dass sie selbst diese Bücher liest und liebt!

Rike.

Sie schreibt außerdem ganz und gar wundervoll auf dem Blog infemme über alle Themen, die ihr in den Lockenkopf kommen und Rikes Facebookaccount Muttergefühle ist tatsächlich besser als jede Jesper-Juul-Kummerkastenhotline. Apropos. Der hochgeschätzte Christian vom Familienbetrieb bezeichnete sie mal – ich zitiere – als „volltätowierten Jesper Juul mit Brüsten“ und ich weiß noch, dass ich damals dachte, der Herr Juul könne froh sein, mit Rike verglichen zu werden! Ganz ehrlich und voll ernst gemeint.

Seit dem ersten Band der Muttergefühle bietet sie mit ihren Büchern und dem gleichnamigen Facebookaccount eine Plattform für elterliche Hilferufe, Erziehungsdebakel und Trost in allen mütterlichen Lebenslagen. Ohne „So macht man das“ und „Du musst“, dafür mit ganz viel Herz und Augenzwinkern. Als ich ihr zum Beispiel mal schrieb, dass ich den Sohn über den vollbesetzten Spielplatz jagen musste, während der a) deutlich schneller war als ich und b) mich laut vor allen anderen Müttern als „hässliche Gans“ beschimpfte und ich drauf und dran sei, hier alles hinzuschmeißen, schrieb sie zurück: „Aber du bist doch nicht hässlich!“. Mit Herz und Smiley hintendran. So eine ist das.

Eine, die als seriöse Werbetexterin sogar international mit Auszeichnungen behangen wird und sich dennoch niemals scheut, sich in ihren Geschichten, Blogposts und in echt voll „echt“ zu zeigen. Ungestellt, ungestelzt, unprätentiös und unaufgesetzt. Jemand, den man super gern als Freundin hätte.

Nimm diese Schneeglöckchen und hab Dank, Rike, für alle deine Worte! ❤

~

*Muttergefühle. Gesamtausgabe ist in meinen von Runzeln umrahmten Augen so etwas wie die Bibel für Frischeltern. Wenn ihr euch also in der Lage wiederfindet, ein Geschenk zur Geburt eines neuen Menschen auszusuchen – fertig! Dieses Buch ist immer ein Volltreffer, glaubt mir! Und wenn ihr es bereits verschenkt habt und ein zweiter Mensch macht sich in der Familie auf den Weg – Hurra! *Muttergefühle. zwei ist bereits auf dem Markt. Durch die thematische Gliederung kann man auch gut darin zu bestimmten Themen nachlesen, was ich auch täte, wenn ich Band zwei nicht aktuell verliehen hätte. Und offensichtlich will es der Borger mir auch nicht zurückgeben! Franzi, Anne, wer von euch hat es?! 🙂

 

 

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Pech für Elisa

Heute Morgen.

Ich (frisch geduscht) hebe das schlaftrunkene Babylein aus seinem Bett. Er klammert sich an mir fest und murmelt in meinen Hals: „Mama, du riechst so schön nach Matratze. Ich fasse immer nur deine Brust an, nicht die von Elisa!“.

😀

 

 

 

Ein April-Wochenende in Bildern

Samstag Morgen, ich backe Rote-Bete-Schoko-Kuchen. Ja, echt jetzt! Erstaunlicherweise schmeckt das hervorragend, aber ich frage mich ernsthaft, nach dem Genuss welcher Pilzmahlzeit Leute auf die Idee kommen, Rote Bete in einem Rührkuchen zu verstecken. Ich denke ja, das sind dieselben Kanaillen, die Zucchini-Kuchen erfunden haben.

Ich nenne diesen Kuchen im übrigen „Glaubens-Kuchen“. Weil man während der Zubereitung ganz fest daran glauben muss, dass da am Ende was Essbares rauskommt. „Geben sie dreihundert Milliliter Speiseöl zusammen mit der roten Bete in einen Mixbecher und pürieren sie diese.“.

Boar, Alter, ist das eklig! Da dreht sich selbst Doktor Oetker im Grab rum.

Glauben wird belohnt. Am Ende sieht es lecker aus und ist der dunkelschwarzeste, saftigste Schokokuchen, den ich je gemacht habe.

Dazu gabs eine Creme aus zu gleichen Teilen geschmolzener weißer Kuvertüre, Schmand und geschlagener Sahne. Ein wenig Vanille hab ich noch daran getan.

Frühstück ist fertig! Also meins. Die beiden Männer schlafen noch und das Kind will lieber Kelloggs… 

Nach der ersten Kuchenmahlzeit des Tages fahren wir aus Dresdens Talkessel hinauf zur Kümmelschänke. Die Anwohner von Omsewitz veranstalten einen Kindersachenflohmarkt.

Ausbeute: Ein Paar Gummistiefel (zu groß), ein Paar wie-heißen-diese-Badelatschen (zu groß), drei Schlüppis (ihr ahnt es, zu groß), ein geräuschender Dino und…

… eine Bratwurst!

Der Blondino hat mich bequatscht, dass wir im Anschluss noch einen Abstecher in Richtung alte Heimat machen. Der Spielplatz mit den Türmen an der Flutrinne ist das Ziel.

Ich hasse diesen Spielplatz so inbrünstig, wie ihn der Kleinste liebt. Scheiße, ist das dort hoch! Wenn der den höchsten der Türme erklommen hat, ist der irgendwo zwischen den Wolken kaum größer als meine Hand! Kommt mir jedenfalls so vor. Ohgottogott. Aber ein ordentliches Geschoss ist diese Rutsche! 

So, Themenwechsel! Ich bin gerade total verknallt in meinen Garten. Jeden Morgen schlurfe ich mit der Kaffeetasse in der Hand hinterm Haus rum und begrüße jedes einzelne Gewächs. Es sieht auch jeden Morgen anders aus im Garten! Das ist so so so schön zu sehen, wie sich das Grün aus der Erde schiebt.

Ja ja, rollt ihr nur mit den Augen, ihr Banausen! Aber das ist echt ein Ding, diesem Stück Waldboden mit Dreck hier etwas Blühendes abzutrotzen! Außer Efeu gedeiht hier kaum etwas. Ach, doch, im Herbst jede Menge Pilze.

Ich habe mich den Gegebenheiten des „Waldgartens“ angepasst und Sachen angepflanzt, die man eben so im Wald findet: Beerensträucher, Maiglöckchen, Bärlauch. Dennoch freue ich mich wie bekloppt über jedes bisschen Blümchen und Kräutlein und jedes ach so winziges Hortensienblatt.

„Den hässlichen Boom da müssense ma bei Gelegenheit absägen!“, sagten die Vermieter als wir einzogen. Haben wir nicht. Die Früchte dieser Felsenbirne erinnern in Aussehen und Geschmack an eine Kreuzung aus Holunder und Stachelbeere. Und ergeben ein ganz köstliches Gelee. Ich freue mich schon auf die diesjährige Ausbeute!

Die Pfingstrosen und den Rhabarber habe ich in unserem alten Garten ausgebuddelt und versuche nun, sie hier anzusiedeln. 

Und guck, ich habe jede Menge Holz vor der Hütte. Und dem Schuppen. Und außerdem überall Steine rumliegen und vom Schuppendach hängen Küchenutensilien herab. Der Mann sagt, es sähe in meinem Teil des Gartens aus wie beim Sperrmüll. Es ist mir egal, was der Mann sagt. Ich finde, sein blöder englischer Rasen ist übelste langweilig und deshalb fotografiere ich den auch nicht.

Sonntag Morgen, ich gehe laufen. Der Mann meint, es sei super, dass ich eine Warnweste tragen würde, somit könnte mich der Rettungshubschrauber leichter orten. Und er würde schon mal anrufen und die Leute mit dem Defibrillator in Richtung Waldpark schicken.

Der Mann hat keine Ahnung! Ich bin nämlich so schnell wie Usain Bolt und das ist nicht mal geschwindelt. Also ich denke, ich war heute so schnell wie Usain Bolt, wenn er rückwärts Kaffeebohnen läuft. Also neben mir. Wir können festhalten: Die Nieselpriem ist so schnell wie Usain Bolt. Punkt!

Im übrigen steht im Waldpark ein Gedenkstein zu Ehren von Herrn Königsheim, der irgendwann den Waldpark angelegt hat. Ich finde das irritierend. Ich meine, der Wald war ja schon vor Herrn Königsheim da! Blasewitzer, tssss.

Freunde von uns habe beim Umräumen ihrer Behausung und anschließendem Möbel-Tetris festgestellt, dass eine Hemnes-Kommode nicht mehr reinpasst. Tja. Ich habe mich natürlich sofort bereiterklärt, das obdachlose Möbelstück aufzunehmen. Man hilft ja, wo man kann, nicht wahr.

Als ich dem Mann mitteilte, dass er dieses Möbel doch bitte abholen möge und ich hätte bereits das Auto vermessen und ja, ich denke, eventuell passe das Trumm auch rein und er schaffe das schon, die Freunde wüssten auch bereits, dass er käme, da, also da brannte heute die Luft!

Ich glaube, der Mann hasst mich ein bisschen. Denn er hat die Kommode abgeholt, sie mir aber vors Haus gestellt. Da steht sie jetzt immer noch und friert bestimmt. Ich hasse den Mann jetzt auch ein bisschen!

Während der bärtige Kerl den Rest des Tages auf Mountainbike-Biergarten-Tour unterwegs ist, schlumpfen seine Nachkommen und ich ordentlich ab.

Ich beschließe, zum Abendessen gebe es heute „Vegetarisch“ und gehe mit dem Blondchen zum Schillergarten Eis essen. Zum Abendbrot. Schokolade für ihn, dunkle Schokolade und Espressoeis für mich. Und dort ist uns noch was Lustiges passiert:

Wir sitzen so am Rand, da kommt ein etwa fünfjähriger Junge an und setzt sich neben das Kind. Sie besehen sich freundlich und erklären sich die gegenseitige Freundschaft. Der Blonde will auch sofort mit dem neuen Freund sein Eis teilen, was dieser artig ablehnt. Er wöllte nur hier sitzen und warten, man könne dann nach dem Eis zusammen zur Rutsche gehen. Au ja, freut sich der Blondino. Ich frage den artigen Jungen, wie er denn hieße: „Häslerbolgrabuja!“. „Wie bitte?!“. „Fenstervogelsoja!“. „Äh, entschuldige bitte. Ich habe deinen Namen noch immer nicht verstanden?!“, „HÄNSELBORGENBRUDJA!“.

Und mein blondes Bübchen mit seiner piepsigen Duck Tales-Stimme: „Mama, was hat der junge Mann da eben gesagt?!“. Und ich: „Ich glaube, er hat uns seinen Vornamen gesagt. Aber ich bin mir nicht ganz sicher!“. “ Na gut, dann nenne ich ihn eben ´junger Mann. Komm, junger Mann, wir gehen spielen!“, und schwupps, waren sie entschwunden.

Wenn es doch immer so einfach wäre! 🙂

Weitere Wochenendbilder gibts wie immer bei Susanne in der Linkliste.