Ein April-Wochenende in Bildern

Samstag Morgen, ich backe Rote-Bete-Schoko-Kuchen. Ja, echt jetzt! Erstaunlicherweise schmeckt das hervorragend, aber ich frage mich ernsthaft, nach dem Genuss welcher Pilzmahlzeit Leute auf die Idee kommen, Rote Bete in einem Rührkuchen zu verstecken. Ich denke ja, das sind dieselben Kanaillen, die Zucchini-Kuchen erfunden haben.

Ich nenne diesen Kuchen im übrigen „Glaubens-Kuchen“. Weil man während der Zubereitung ganz fest daran glauben muss, dass da am Ende was Essbares rauskommt. „Geben sie dreihundert Milliliter Speiseöl zusammen mit der roten Bete in einen Mixbecher und pürieren sie diese.“.

Boar, Alter, ist das eklig! Da dreht sich selbst Doktor Oetker im Grab rum.

Glauben wird belohnt. Am Ende sieht es lecker aus und ist der dunkelschwarzeste, saftigste Schokokuchen, den ich je gemacht habe.

Dazu gabs eine Creme aus zu gleichen Teilen geschmolzener weißer Kuvertüre, Schmand und geschlagener Sahne. Ein wenig Vanille hab ich noch daran getan.

Frühstück ist fertig! Also meins. Die beiden Männer schlafen noch und das Kind will lieber Kelloggs… 

Nach der ersten Kuchenmahlzeit des Tages fahren wir aus Dresdens Talkessel hinauf zur Kümmelschänke. Die Anwohner von Omsewitz veranstalten einen Kindersachenflohmarkt.

Ausbeute: Ein Paar Gummistiefel (zu groß), ein Paar wie-heißen-diese-Badelatschen (zu groß), drei Schlüppis (ihr ahnt es, zu groß), ein geräuschender Dino und…

… eine Bratwurst!

Der Blondino hat mich bequatscht, dass wir im Anschluss noch einen Abstecher in Richtung alte Heimat machen. Der Spielplatz mit den Türmen an der Flutrinne ist das Ziel.

Ich hasse diesen Spielplatz so inbrünstig, wie ihn der Kleinste liebt. Scheiße, ist das dort hoch! Wenn der den höchsten der Türme erklommen hat, ist der irgendwo zwischen den Wolken kaum größer als meine Hand! Kommt mir jedenfalls so vor. Ohgottogott. Aber ein ordentliches Geschoss ist diese Rutsche! 

So, Themenwechsel! Ich bin gerade total verknallt in meinen Garten. Jeden Morgen schlurfe ich mit der Kaffeetasse in der Hand hinterm Haus rum und begrüße jedes einzelne Gewächs. Es sieht auch jeden Morgen anders aus im Garten! Das ist so so so schön zu sehen, wie sich das Grün aus der Erde schiebt.

Ja ja, rollt ihr nur mit den Augen, ihr Banausen! Aber das ist echt ein Ding, diesem Stück Waldboden mit Dreck hier etwas Blühendes abzutrotzen! Außer Efeu gedeiht hier kaum etwas. Ach, doch, im Herbst jede Menge Pilze.

Ich habe mich den Gegebenheiten des „Waldgartens“ angepasst und Sachen angepflanzt, die man eben so im Wald findet: Beerensträucher, Maiglöckchen, Bärlauch. Dennoch freue ich mich wie bekloppt über jedes bisschen Blümchen und Kräutlein und jedes ach so winziges Hortensienblatt.

„Den hässlichen Boom da müssense ma bei Gelegenheit absägen!“, sagten die Vermieter als wir einzogen. Haben wir nicht. Die Früchte dieser Felsenbirne erinnern in Aussehen und Geschmack an eine Kreuzung aus Holunder und Stachelbeere. Und ergeben ein ganz köstliches Gelee. Ich freue mich schon auf die diesjährige Ausbeute!

Die Pfingstrosen und den Rhabarber habe ich in unserem alten Garten ausgebuddelt und versuche nun, sie hier anzusiedeln. 

Und guck, ich habe jede Menge Holz vor der Hütte. Und dem Schuppen. Und außerdem überall Steine rumliegen und vom Schuppendach hängen Küchenutensilien herab. Der Mann sagt, es sähe in meinem Teil des Gartens aus wie beim Sperrmüll. Es ist mir egal, was der Mann sagt. Ich finde, sein blöder englischer Rasen ist übelste langweilig und deshalb fotografiere ich den auch nicht.

Sonntag Morgen, ich gehe laufen. Der Mann meint, es sei super, dass ich eine Warnweste tragen würde, somit könnte mich der Rettungshubschrauber leichter orten. Und er würde schon mal anrufen und die Leute mit dem Defibrillator in Richtung Waldpark schicken.

Der Mann hat keine Ahnung! Ich bin nämlich so schnell wie Usain Bolt und das ist nicht mal geschwindelt. Also ich denke, ich war heute so schnell wie Usain Bolt, wenn er rückwärts Kaffeebohnen läuft. Also neben mir. Wir können festhalten: Die Nieselpriem ist so schnell wie Usain Bolt. Punkt!

Im übrigen steht im Waldpark ein Gedenkstein zu Ehren von Herrn Königsheim, der irgendwann den Waldpark angelegt hat. Ich finde das irritierend. Ich meine, der Wald war ja schon vor Herrn Königsheim da! Blasewitzer, tssss.

Freunde von uns habe beim Umräumen ihrer Behausung und anschließendem Möbel-Tetris festgestellt, dass eine Hemnes-Kommode nicht mehr reinpasst. Tja. Ich habe mich natürlich sofort bereiterklärt, das obdachlose Möbelstück aufzunehmen. Man hilft ja, wo man kann, nicht wahr.

Als ich dem Mann mitteilte, dass er dieses Möbel doch bitte abholen möge und ich hätte bereits das Auto vermessen und ja, ich denke, eventuell passe das Trumm auch rein und er schaffe das schon, die Freunde wüssten auch bereits, dass er käme, da, also da brannte heute die Luft!

Ich glaube, der Mann hasst mich ein bisschen. Denn er hat die Kommode abgeholt, sie mir aber vors Haus gestellt. Da steht sie jetzt immer noch und friert bestimmt. Ich hasse den Mann jetzt auch ein bisschen!

Während der bärtige Kerl den Rest des Tages auf Mountainbike-Biergarten-Tour unterwegs ist, schlumpfen seine Nachkommen und ich ordentlich ab.

Ich beschließe, zum Abendessen gebe es heute „Vegetarisch“ und gehe mit dem Blondchen zum Schillergarten Eis essen. Zum Abendbrot. Schokolade für ihn, dunkle Schokolade und Espressoeis für mich. Und dort ist uns noch was Lustiges passiert:

Wir sitzen so am Rand, da kommt ein etwa fünfjähriger Junge an und setzt sich neben das Kind. Sie besehen sich freundlich und erklären sich die gegenseitige Freundschaft. Der Blonde will auch sofort mit dem neuen Freund sein Eis teilen, was dieser artig ablehnt. Er wöllte nur hier sitzen und warten, man könne dann nach dem Eis zusammen zur Rutsche gehen. Au ja, freut sich der Blondino. Ich frage den artigen Jungen, wie er denn hieße: „Häslerbolgrabuja!“. „Wie bitte?!“. „Fenstervogelsoja!“. „Äh, entschuldige bitte. Ich habe deinen Namen noch immer nicht verstanden?!“, „HÄNSELBORGENBRUDJA!“.

Und mein blondes Bübchen mit seiner piepsigen Duck Tales-Stimme: „Mama, was hat der junge Mann da eben gesagt?!“. Und ich: „Ich glaube, er hat uns seinen Vornamen gesagt. Aber ich bin mir nicht ganz sicher!“. “ Na gut, dann nenne ich ihn eben ´junger Mann. Komm, junger Mann, wir gehen spielen!“, und schwupps, waren sie entschwunden.

Wenn es doch immer so einfach wäre! 🙂

Weitere Wochenendbilder gibts wie immer bei Susanne in der Linkliste.

Linux in einer Welt voller Windows

Ich habe heute beim Aufräumen der Festplatte einen bislang unveröffentlichten Text aus dem Jahr 2016 gefunden. Und ich war sehr gerührt. Weil mir klar wurde, dass damals der Prozess der Abnabelung von meinem Großkind tatsächlich in vollem Gange war und auch, wie okay das für mich war. Und wie seltsam an sich dieses „Okay“! Dachte ich doch bis dato, ich würde mir für den Rest meines Lebens riesengroße Sorgen machen müssen.

Heute weiß ich, nein. Sorgen ja, aber keine riesengroßen. Und gerade weil Eltern mit besonderen Kindern immer ein wenig mehr in Sorge sind und ein bisschen zu wenig von „Wird schon!“, in sich tragen, veröffentliche ich diesen Beitrag heute.

Abgenabelt. Ich konnte mir nie vorstellen, wie das gehen sollte. Wie sich das dann anfühlt! Ich spürte diese intensive Verbundenheit zwischen ihm und mir so derart lange, dass ich mich kaum traute, selbst mit guten Freundinnen darüber zu sprechen. Dass ich kaum wagte zu erzählen, dass es sich für mich anfühlte, als seien wir noch immer durch eine Nabelschnur verbunden. Würde das vergehen? Wann? Wie? Wie geht das mit dem Abnabeln? Und würde es sehr weh tun?

Mein kleiner König, Fasching 2003

Rückblickend: Das passierte behutsam und ganz von selbst. Und es war überhaupt nicht schmerzhaft!

Jetzt, heute, sage ich euch: Ich bin mittlerweile wirklich entspannt und sicher, der Bubi wird seinen Weg gehen! Was haben die Experten uns verrückt gemacht. Sonderschule, betreutes Wohnen und eine Zukunft in der Behindertenwerkstatt, das war das Szenario, das sie gemalt haben! Nichts davon scheint real einzutreffen. Was tatsächlich eingetreten ist, ist etwas, an dem ich mich wie an die sprichwörtlichen Strohhalme geklammert habe: Vieles verwächst sich tatsächlich. Die Besonderheiten des Jungen sind mittlerweile sehr viel weniger auffällig und es fällt ihm zunehmend leichter, das „Normalsein“ wie eine mühsam erlernte Fremdsprache anzuwenden. Mittlerweile spricht er sie „fluent“.

Mein Aspi wird im Juli achtzehn Jahre alt, besucht ein Gymnasium und plant Informatik zu studieren. Er ist der tollste Sohn überhaupt und absolut großartig. ❤

*

2016

Wenn andere Kinder ihre Eltern befragten um sich die Sache mit den Bienchen und Blümchen erklären zu lassen, war er schon immer eher der wissenschaftliche Typ. Fragen stellte er keine. Dafür stand er stundenlang im Hygienischen Museum vor der Fortpflanzungsausstellung und studierte. Zog seine Schlüsse aus dem Gelesenen und nach Abgleich mit allem bisher gespeicherten Wissen.

Um mich im Anschluss daran zu fragen, ob er durch künstliche Befruchtung entstanden sei. Auf meine verneinende Antwort hin verkündete er klug: „Aber das gibt es. Das machen die Menschen, die sich vorm Sex ekeln.“. Damals war er zehn.

Später gab es mal eine sehr belustigende Anekdote, die deutlich macht, welchen Stellenwert Sprache hat: In einem Gespräch über Selbständigkeit versuchte ich ihn zu überzeugen, dass er lernen müsse, die Waschmaschine zu bedienen. Er meinte, er hätte später eine Freundin, die das können wird. Ich erklärte ihm, Frauen wöllten aber nicht als Putzfrau gesehen werden, sondern auf Händen getragen werden. Darauf er: „Das kann ich. Ich bin stark! Ich trage sie zur Waschmaschine.“.

So lustig das klingen mag, so ein bedeutsamer Fingerzeig steckt meiner Meinung nach dahinter. Klarheit in Ausdruck und Vorbild. Und das ist sicher immer wichtig im Zusammenleben mit Kindern, die ja bekanntlichermaßen sehr viel durch Nachahmung lernen. Aber noch wichtiger, wenn man Mutter oder Vater eines autistischen Kindes ist. Warum? Nun, in unserem Fall sind wir Eltern die einzigen Bezugspersonen, die ihm „Leben vorspielen“. Also das zwischenmenschliche. Mann  und Frau. Familie. Den Umgang miteinander.

Je älter er wird, umso wichtiger werden wir Eltern als Beziehungsvorbild, so mein Empfinden. Störte ihn zum Beispiel früher nicht im Geringsten, wenn wir Erwachsenen mal laut wurden oder diskutierten, fordert er mittlerweile stets verunsichert eine Erklärung zur Situation und versucht sogar manchmal, auf seine ganz eigene Art zu intervenieren.

Auch unser gelebtes geschlechtertypisches Beziehungsmodell hat er bereits als „Norm“ abgespeichert, weshalb auch diesbezüglich von uns einiges an Flexibilität abverlangt wird, damit er seinen Vater beispielsweise auch als putzenden, kochenden Teil dieser Familie wahrnimmt und für sich ebenfalls als „männlich“ abspeichert. Ich weiß nicht, ob sich alle Eltern solchen Themen stellen müssen, wir jedenfalls müssen es.

Als sich das erste Mädchen anfing für ihn zu interessieren, war er davon vollkommen überrumpelt und wusste nicht, was sie von ihm erwartete. Sie wollten ins Kino (ihre Idee). Ich nahm meinen Sohn auf die Seite und erklärte, Mädchen mögen es, wenn man im dunklen Kino den Arm um sie legt. Er schaute mich völlig entgeistert an: „Und warum?!“.

Sie wurden kein Paar.

Mein Sohn ist Linux in einer Welt voller Windows.

Die nächste Freundin brachte noch mehr Rätsel für den Jungen. Sie kam immer mit einer Freundin (Warum kommt sie immer mit einer Freundin?). Sie trennte sich alle paar Tage um wieder mit ihrem Ex-Freund anzubandeln (Warum macht sie das? Ich verstehe das nicht!). Die Welt war auf einmal noch komplizierter als sie ohnehin schon war. Und dabei ist die Liebe auch schon kompliziert genug, wenn sich Windows 95 und Windows 10 connecten wollen, seien wir mal ehrlich.

Vor kurzem erst stellte sich ein neuer Schulintegrationshelfer vor und die beiden verabredeten sich zu einem ersten Treffen in einem Café. Unser Sohn wollte unbedingt den Kaffee des Integrationshelfers bezahlen und war sehr verunsichert, als ihm dies von dem Mann nicht gestattet wurde. Abends erklärte er mir dann: „Aber der Papa hat mir doch gesagt, dass ich immer bei einer ersten Verabredung bezahlen soll! Dass man das so macht!“.

Die Welt ist voller Gesetzmäßigkeiten und Regeln. Wer die Regeln kennt und kapiert hat, der kann mitspielen. Also her mit der Gebrauchsanleitung! Blöd nur, dass es die nicht gibt für das zwischen-Menschen-Dingsbums.

Sechzehn ist er jetzt, mein Sohn. Ein Alter, unter dem viele Eltern ächzen und stöhnen, weil es die Hochzeit der Pubertät einläutet. Ich finde es ganz wunderbar. Nach so vielen anstrengenden Jahren habe ich das Gefühl, der junge Mann, der mein Sohn geworden ist, ist mittlerweile „bei sich“ angekommen und mir gefällt sehr gut, was ich da sehe!

Er ist sicherer geworden in vielen Situationen, kann sich eine eigene Meinung zu Dingen bilden und diese reflektieren. Wird selbständiger und selbstbewusster. Die Autonomiebestrebungen und das Gemaule, das vielen Eltern die Haare zu Berge stehen lassen, werte ich anders. Ich kann auch entspannter damit umgehen und möglicherweise gibt es deshalb auch wenig Streit bei uns.

Ich mag die Pubertät. Ich habe viele Jahre in ständiger Sorge um diesen Jungen gelebt und habe wirklich geglaubt, ich würde niemals nie aufhören (aufhören können) ihn zu bemuttern, zu beschützen, meine Flügel schützend um ihn zu legen. Irgendwie richtet das die Natur dann doch so ein, dass die Kinder Signale geben und dass das dann ganz langsam passiert. Dieses Loslassen.

Nach so vielen Jahren voller Zukunftsängste und Sorgen habe ich jetzt langsam das Gefühl, dass ich mich einfach nur freuen kann an ihm. Dass sich alles schon finden wird. Dass er sich zurechtfinden wird.

Dass es Zeit ist, meine beiden Kinder einfach nur zu genießen.

Ein schönes Gefühl!

 

 

Mit der Zeit lernst Du,

dass eine Hand halten nicht dasselbe ist
wie eine Seele fesseln.
Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet
und Begleitung nicht Sicherheit.
Du lernst allmählich,
dass Küsse keine Verträge sind
und Geschenke keine Versprechen.
Und Du beginnst,
Deine Niederlagen erhobenen Hauptes
und offenen Auges hinzunehmen
mit der Würde des Erwachsenen,
nicht maulend wie ein Kind.
Und Du lernst,
all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen,
weil das Morgen
ein zu unsicherer Boden ist.
Mit der Zeit erkennst Du,
dass sogar Sonnenschein brennt,
wenn Du zuviel davon abbekommst.
Also bestell Deinen Garten
und schmücke selbst
Dir die Seele mit Blumen,
statt darauf zu warten,
dass andere Dir Kränze flechten.
Und bedenke,
dass Du wirklich standhalten kannst …
und wirklich stark bist.
Und dass Du Deinen eigenen Wert hast.

Kelly Priest

 

 

 

 

 

Die Pommes-Eskalation

Folgende Situation begab sich heute. Tatort: Mc Donalds mittags halb zwölf.

„Hallo! Ich habe ihre App runtergeladen. Ich würde gern das heutige Angebot nutzen. Zwei Mac-Menüs für sechse neunundneuzig, ist das richtig?“

„Ja, genau!“

„Gilt das für alle Mac-Menüs?“

„Ja, für alle.“

„Okay, fein. Ich nehme zwei Mc Tasty-Menüs und dann noch ein Mc Rib-Menü und ein…“

„Nein, sie können nur einmal den Gutschein nehmen! Also nur zwei Menüs pro Kunde! Steht auch so in der App.“

„Aha, verstehe. Sehen sie meine Familie dort drüben? die beiden Männer haben die App auch. Soll ich jetzt zwei Menüs kaufen und dann meinen Mann noch mal schicken wegen den anderen zwei Menüs?“

„Nein, das geht nicht. Sie sind ja immer noch der gleiche Kunde!“

„Ich schon, aber mein Mann ist ein anderer Kunde. Wir machen einfach zwei Bestellungen, zwei Rechnungen, das ist doch kein Problem?!“

Äh, okay, wir machen einfach zwei Rechnungen. Was möchten sie gern essen?“

„Prima, danke! Ich möchte bitte zwei Mc Tasty im Menü mit…“

„Nein! Keine Mc Tasty!“

„Aber sie sagten doch, alle Mc Menüs?!“

„Ja, alle classic Menüs. Kein Mc Tasty! Steht auch so in der App.“

„Huch, ja. Also dann… dann möchte ich eben bitte zwei Royal TS Menüs mit Pommes Rot weiß und Erdbeermilchshakes.“

„Keine Erdbeermilchshakes! Das steht auch in der App!“

„Verfluchte… keine Sau liest doch dieses Scheiß kleingeduckte…vielen Dank für ihre Geduld! Also zwei Mc Tasty ohne Milchshake bitte.“

„Kein Mc Tasty!“

„Sorry, ich meine natürlich Royal TS. Zwei Royal TS mit Pommes rot weiß und Getränk bitte auf die erste Rechnung.“

Frau Donald tippt und kassiert und verschwindet zur Besorgung der Lebensmittel nach hinten. Ich warte einstweilen. Langsam sammeln sich hinter mir andere hungrige Menschen.Frau Donald legt zwei mal Ketschup, zwei mal Majo, zwei TS, zwei Trinkbecher und das Warteschild mit der Nummer zehn auf das Tablett.

„So, und auf die zweite Rechnung möchte ich jetzt bitte einen Mc Rib im Menü und einen Big Mc im Menü. Hm, Pommes haben wir ja schon jede Menge. Ich nehme dann die Kartoffelstäbchen dazu.“

„Nein! Sie können nicht die Kartoffelstäbchen nehmen! Da steht auch so in der App!“

„Also gut, verdammte Hacke, also alles mit Pommes rot weiß bitte schön!“

Frau Donald tippt, kassiert, murmelt irgendwas von steht-doch-alles-in-der-App und marschiert nach hinten zur Besorgung der Lebensmittel. Der bärtige Angeheiratete tritt auf und fragt, was so lange dauern würde. Ich erwidere: „Ach, frage bloß nicht!“, und gebe ihm Tablett eins zum Abtransport mit der Bitte, bereits für uns Wasser an der Zapfanlage zu holen.

Frau Donald kommt und legt die bestellten Burger und vier Portionen Pommes auf das Tablett. Außerdem einmal Ketschup und einmal Majo. Und sie sagt:

„Bitte sehr!“

„Es fehlt noch einmal Ketschup und einmal Majo!“

„Nein!“

„Nein?“

„Nein!“

„Doch! Ich habe insgesamt vier Portionen Pommes mit je Ketschup und Majo gekauft…“

„…Und ich habe zwei mal Ketschup und Majo auf das erste Tablett getan!“

„Genau. Und hier liegt jetzt noch einmal Ketschup und einmal Majo. Fehlt also noch je eins!“

„Nein!“

„Doch! Na klar! Das sind insgesamt drei! Wir brauchen vier!“

Der hungrige Mob hinter mir murmelt und knurrt und ich traue mich nicht, mich umzudrehen.

„Ihr Mann hat einfach das erste Tablett weggenommen! Ich war ja noch nicht fertig!“

„Aber sie haben doch selbst gesagt, dass sie darauf je zweimal Ketschup und Majo gelegt hatten. Und hier nun liegt einmal. Daneben vier Portionen Pommes, richtig? Also fehlt noch einmal Ketschup und einmal Majo!“

„Nein!“

Der Mann kommt und sagt:

„Das Wasser ist alle! Da ist kein Wasser in der Zapfanlage!“

„Sie haben nicht gesagt, dass sie Wasser wollen! Wenn sie Wasser wollen, muss ich ihnen das hier abfüllen!“

„Ich drehe jetzt gleich durch! Schatz, wir trinken Cola, und zwar alle! Und sie, geben sie mir verdammt noch mal sofort noch einmal Ketschup und einmal Majo und hier ist ein Euro, ansonsten beiße ich gleich in die verfluchte Theke!“

*

Das Warteschild Nummer zehn hatten wir im übrigen noch immer auf dem Tablett. Als ich gestärkt war, erwägte ich kurz, damit an die Theke zu gehen und forsch zu fragen, wo meine verdammte Bestellung bliebe! Ich habe mich diesbezüglich zurückgehalten. Versteht ja nicht jeder meine Art von Humor. Noch nicht mal das Schild hab ich eingesteckt!

Nach dem Essen fiel mir ein „Mitarbeiter gesucht“-Schild auf und ich wies den Sohn darauf hin, dass bei Mäckes Leute gesucht würden auf Dings-Basis. Ob das was für ihn wäre? Sein Vater erwiderte sofort, er solle bloß nicht dort arbeiten, wo seine Mutter versehentlich als Kundin auftauchen könnte! Beide lachten. Seltsamer Humor.

🙂

 

 

 

 

 

Ich seh´ den Ster-nen-himmel, oho!

Ich seh´ den Ster-nen-himmel, oho!

Der olle Goethe sagte einst: „Die Sterne die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht! Und mit Entzücken blickt man auf in jeder heitern Nacht.“.

Nun ja, da wusste er noch nicht, dass dereinst ein Mensch namens DJ Oetzi sehr wohl und lauthals einen Stern begehren würde und unsereiner des Nachts lieber schläft oder auf ein handtellergroßes Gerät schauen würde als in den Sternenhimmel… Ach Johann, wenn du wüsstest!

Nun gut, ich kann zumindest behaupten, dass der Bärtige damals vor zwanzig Jahren als bartloser Jungspund mir im Anflug von Romantik und mit überbordendem Paarungswillen sonstwas vom Himmel erzählt hat! Cassiopeia, großer Wagen, kleiner Wagen, ganze Fuhrwerke zeigte der mir am Himmel. Das ging auf, ich fand den jungen Mann übelste gebildet und außerdem waren die Smartphones noch nicht erfunden. Ich paarte mich und der Rest ist Geschichte.

Früher war der Sternenhimmel viel mehr als ein romantisch funkelndes Dach für die Seufzer der Liebenden in lauen Sommernächten. Unten an der Elbe. Nein! Der Sternenhimmel ist das erste GPS überhaupt gewesen. Es lohnt sich aber auch heute noch, in den Himmel zu schauen, auch wenn wir die Glitzerpunkte dank Breitband-Internet nicht mehr zum Nach-Hause-Finden benötigen.

Seefahrer navigierten damit schon vor Hunderten von Jahren. Und das fernab von Romantik. Im übrigen sind es auch die Seefahrer, die den Sternbildern der südlichen Halbkugel ihre Namen gegeben haben. Sie erforschten die Weltmeere und halfen sich mit den Sternbildern, die sie dort vorfanden. So haben diese anders als die Sternbilder der nördlichen Halbkugel, die der griechischen Mythologie angelegt sind, oft auch nautische Bedeutung. Sie entstanden mit der Seefahrt im siebzehnten Jahrhundert und sind demnach sehr viel jünger als die Sternbilder der Nordhalbkugel, die ja schon in der Antike im griechischen und auch arabischen Raum bezeichnet wurden.

Was ich alles weiß, oder? Pah! Bis zum letzten Wochenende dachte ich, der hellste Stern am Himmel sei der Polarstern. Und jeder hätte mir sonstwas vom Himmel erzählen können (und ihr wisst ja bereits, dass da auch schon mal jemand erfolgreich war).

Wir waren am vergangenen Samstag in der Sternwarte im Dresden nahe gelegenen Radebeul. Dort findet an jedem Samstag das Familienplanetarium statt. Wer einen Dresden-Besuch mit Kindern plant und neben den Kinder-Highlights wie Zoo plus Parkeisenbahn, Technische Sammlungen, Hygienemuseum, Verkehrsmuseum und so weiter noch Zeit hat, dem sei wirklich empfohlen, sich auf der Seite der Volkssternwarte Radebeul Tickets zu reservieren! Nur über die online Reservierung kann man dort teilnehmen und die Veranstaltungen sind ziemlich gut besucht. Bis wir am vergangenen Samstag Karten für zwei Familien reservieren konnten, haben wir sechs Wochen gewartet.

Aber das Warten lohnt sich!

Der Eintritt ist moderat, die Familienkarte kostet vierzehn Euro, Kinder bis achtzehn Jahre, Schüler, Studenten und Schwerbehinderte zahlen drei Euro, ein einzelner Erwachsener sechs Euro.

Im Foyer gibt es eine kleine Ausstellung mit einigen Exponaten rund um die Raumfahrt und die Astronomie.

Die Sternwarte Radebeul ist 1969 eröffnet worden und hat noch immer ein paar Details der damaligen Baustruktur, wie die wunderschönen Bleiglasfenster mit astronomischen Motiven.

Im Vortragraum, der sich unter einer Kuppel befindet, wird es gleich Nacht.

Wir bekommen den Sternenhimmel über Radebeul zu sehen, wie er sich darstellen würde, wenn es nicht a) eigentlich taghell wäre und b) durch die Luftverschmutzung die Sternensicht deutlich eingeschränkt wäre.

Im Laufe der nächsten Stunde erleben wir eine tolle Simulation. Lernen sehend viel über die Planeten, unsere Sterne und die Sternbilder. Die Geschichten der Sternbilder der nördlichen Hemisphäre – und auch unserer Tierkreiszeichen – haben nahezu alle ihren Ursprung in der griechischen Mythologie. Fast immer ist Zeus Teil der Geschichte um diese Sternbilder, der alte Schwerenöter!

Eine Geschichte will ich euch erzählen. Und zwar die Geschichte von Kallisto, der Schönen:

Das einzige Sternbild, das ich sicher benennen kann am Himmel, ist der große Wagen. Eigentlich ist das kein Sternbild, sondern nur ein Teil der „Großen Bärin“. Und der kleine Wagen ist folgerichtig ein Teil des Sternbildes „Kleiner Bär“. Die beiden sind Mutter und Sohn.

Kallisto war eine schöne Nymphe, die von Zeus begehrt wurde. Kurzerhand (und wie das so in den griechischen Sagen üblich ist) machte der sich in fremder Gestalt über sie her. Aus dieser Begegnung entstand Arkas, Kallistos Sohn. Als die Göttin Hera, Zeus´Ehefrau, davon erfuhr, verwandelte sie die schöne Kallisto aus Eifersucht in eine Bärin. Diese irrte jahrelang durch die Wälder und eines Tages stand sie ihrem Sohn gegenüber, der sich auf der Jagd befand. Von Mutterliebe überwältigt (ich nehme das an, immerhin haben die beiden sich jahrelang nicht gesehen) will sie ihn umarmen, vergessend, dass sie die Gestalt einer Bärin hat. Arkas spannt den Bogen, bereit die große Bärin zu töten und dann! Dann kommt Zeus und verhindert das, indem er beide als Sternbilder an den Himmel verbannt. Hachz. ❤

Die Vorführung dauert eine Stunde und ist für Kinder ab dem Vorschulalter gut geeignet. Unsere kleinen Rabauken (vier und fünf Jahre alt) hatten am Ende schon einige Mühe, ruhig zu sitzen.

Das ist der Skymaster ZKP4, und der heißt wirklich so.

Leider war der Himmel an diesem Tag bewölkt, sodass wir nicht an die Teleskope konnten. Aber der Souvenirshop hatte geöffnet!

Diese coole Kugel hat bestimmt mal Doc Brown gehört

Außerhalb des Planetarium kann man mehrere Sonnenuhren besichtigen und diverse Exponate. Und ein Wegweiser samt Karte bietet weitere Ausflusziele in der Umgebung an.

Ich finde die Aussicht allein schon spektakulär!

„Die Sternengucker“ von Prof. Walter Howard (1973)

hier kann man an den Weinhängen hinab zum Schloß Wackerbarth laufen.

Wenn man dem Planetarium den Rücken zuwendet und die Straße einige Meter hinabläuft, kommt man vorbei an verwunschenen Toren und moosbedeckten Mauern am Fuße der Straße linkerhand zu einem wunderschönen Waldabenteuerspielplatz!

Ich habe keine Fotos gemacht, weil ich mit Da-sein beschäftigt war! Es gibt eine Seilrutsche, diverse Klettergelegenheiten auf dem Spielplatz, eine riesige neu gemachte Sandgrube und den angrenzenden Wald.

Und dort verbirgt sich ein Kinderparadies! Holzbuden aus Stämmen und Ästen, Feuerstellen, ein MTB-Parcours. Und zwischendrin kleine Ruinen zum Klettern und Verstecken.

Wir fanden es toll! Und könnt ihr euch vorstellen, wie schön das hier im Frühling und Sommer aussehen wird? Ich schon.

Die Kinder waren kaum zum Heimweg zu bewegen.

die Forscherfreunde

Die Volkssternwarte Radebeul befindet sich auf den Ebenbergen 10. Zu erreichen ist sie (leider) am besten mit dem Auto. Oder mit der Straßenbahn Linie vier in Richtung Weinböhla bis zur Haltestelle Johannisbergstraße. Von da ist noch etwa ein Kilometer die Kottenleite bergauf zu laufen. Die Anreise und der Besuch lohnen sich aber in jedem Fall! Und vergesst die Rauz-Hosen für den Spielplatz nicht und das Picknick. 🙂

 

Was andere Familien am Wochenende erlebt haben, könnt ihr bei Susanne nachlesen. Ich wünsch euch eine schöne Woche!

 

 

Märzwochenendenimpressionen

Dieses Wochenende begann wie jedes andere auch – an einem Freitag.

Der Aldi hat umgebaut und neu eröffnet. Morgens um neun eine Weißkappendichte, als gäbe es Klosterfrau Melissengeist umsonst. Eine Schlange beige-gewandteter Menschen verstopfte schon den Weg zu den Wagen. Ich checkte: Mit jedem Kassenbon berechtigte man sich als Kunde zum Ziehen eines Loses an der extra für diesen Tag installierten Aldi-Lotterie. Heißt, alle Ingeborgs und Lothars kauften jeden verdammten Artikel einzeln! Einen kleinen Quark in den Wagen tun, ab zur Kasse, ab an die Lotterieschlange, gratis Aldi-Beutel abgreifen und zack, wieder rein in den Markt! Jetzt ein Stück Butter rein in den Wagen… an der Kasse endlose Rentnerschlangen mit quasi leeren Wagen. Ich erinnerte vermutlich in meinem Auftreten an Jack Nicholson in „Wutprobe“.

Freitags im Topf: Asiatische Gemüsepfanne mit Tofu. Hat außer mir niemand gegessen. Iiiieh mit Reis, nein danke!

Hier zu kochen fetzt.

Ach so, das Highlight der Woche überhaupt war natürlich Jürgen!

Da Jürgen Vogel der einzige Vogel ist, dessen Vorname ich kenne, stand er namenstechnisch Pate für diesen Habicht. Das war ein Ding! Ein Habicht. Bei mir im Garten. Vogelfütterung galore, würde ich sagen.

Das Bauprojekt des Wochenendes ist eine Waschanlagenstadt (hier in einer frühen Phase zu sehen). Waschanlagen sind das Größte für das Kleinste! Also falls ihr euch fragt, für wen diese absurden Filmchen von Waschanlagen in Betrieb bei Youtube sind, tja nun, ich kenne die Zielgruppe.

Jeden Abend grüßt das Murmeltier, wenn es heißt: „Kind, Zeit ins Bett zu gehen!“. In meinem Arbeitszimmer versteckt sich kein Kind, oder?

Die Morgens-in-der-grauen-Dunkelheit-Fotos erspare ich euch, ist immer dasselbe. Irgendwann zwischen fünf und sechs stolpert eine graugesichtige Mutter mit Müdigkeitshintergrund zombie-esk zur Kaffeemaschine und das Fortpflänzchen klettert am Bücherregal hoch um das Tablet runterzufummeln… Medienerziehung geschenkt. Nicht vor Mutters erstem Kaffee!

Mit dem Blonden Eier fertig bemalt und aufgehängt. Ist doch bald Ostern, oder?

Und weil ja bald Ostern ist, muss ich mit dem Back-Chef Osterplätzchen backen. Backen, Kochen, der steht da total drauf. IiiiCH MACH DAS! 

Für mich ist das ja immer nur so semi-unterhaltsam. Zum Beispiel, wenn ich dem Jungen bunte Zuckerkügelchen gebe und sage, er möge doch bitte den Küken und Hasen damit ein Auge aufkleben. Was er verstanden hat: Mache jedem Osterei-Plätzchen drei Bauchnabel, schütte die restlichen Zuckerkügelchen komplett auf den Tisch und puste kräftig!

Wir sind am Sonntag bei Freunden eingeladen und der umsichtige Mann geht zum Floristen ein florales Gastgeschenk besorgen. Selbstverständlich ist er soweit sozialisiert, dass er nicht vergisst, mir einen armdicken Strauß Tulpen mitzubringen. Ich bin ein bisschen verliebt ❤ . Auch in den Mann.

Mahlzeit!

Die Köchin auf verlorenem Posten kocht am Samstag Spätzle mit Käsesoße und Schinkenwürfel. Der Blondino sagt: „Isch ess das nich!“, und der Bubi will nacksche Spätzle. Also bekommt das eine Kind Reis vom Vortag mit Würstchen und irgendwas drauf, das andere Kind nacksche Spätzle und nur der Angeheiratete isst brav seinen Teller leer. Das Genöle ist damit nicht vom Tisch (Ha!), nein, die nackschen Spätzle schmecken auch nicht und ob der Großsohn vielleicht doch das eklige Asia-Gemüse bekommen könnte vom Vortag? Oder haben wir Hühnchen im Haus?

Ich koche wirklich gern hier…

Um den blassen Kindergesichtern ein wenig Froströte auf die Wangen zu zaubern, zwingen wir Alten sie am Nachmittag kurz in den Waldpark. Eine(r) von uns hatte Spaß auf dem Spielplatz. Es ist die Frau im Hintergrund (ich meine, sie kurz lachen gehört zu haben; oder es war ihr Handyklingelton).

Abends offline-Spieleabend und der Mann ist dran mit Aussuchen. Er entscheidet sich für die Würfel und wir spielen Phase zehn und Kniffel. Ich gewinne kein einziges Spiel und muss daher sagen, es war ein langweiliger Abend! 

Sonntag Morgen schreibt die Freundin, die Nachmittagsverabredung müsse aufgrund von Kinderkrankheiten ausfallen und auch das blonde Rotznasenkind hat einen glasigen Blick. Ich stelle ihn erst mal an die Luft.

Der Seifenbläser sammelt jede Menge leere Schneckenhäuser aus dem Beet…

… und ich gucke mir Jürgens Futterstelle an. Zum Glück liegen nur noch ein paar Taubenfedern da und nichts Blutiges. Ich bin unsicher, ob ich in Zukunft regelmäßig und mit Vorsatz Habicht-Füttererin werden möchte. Ob ich den auf Räuchertofu umpolen kann, den Jürgen?

Unsere Eisbilder haben ihre besten Tage auch hinter sich.

Los, rein, ist kalt hier draußen! Außerdem muss ich an den Herd!

Da dachte ich heute, ich bin schlau. Hat der Eine gestern nicht irgendwas von Hühnchen geschwafelt und isst der Andere nicht am allerliebsten Bommies? Genau. Heute werde ich Lobeshymnen einfahren!

Nicht im Bild Bohnen und Buttermöhrchen, die ich selbstverständlich nur dem Mann und mir aufgehäufelt habe.

Beim Essen dann fangen der Bärtige und der Großsohn einen Streit an über die Mediennutzungszeit des letzteren. Ich bin total genervt. Generell finde ich, einem Jugendlichen vier Monate vor seinem achtzehnten Geburtstag rigide Regeln aufzudrücken, bescheuert, und prinzipiell erbose ich mich, wenn beim Essen gezankt wird! Ich melde mich zu Wort mit einem Gesprächsbeitrag, der irgendwie beinhaltet, dass das einzige Gesprächsthema beim Essen das Essen selbst sein sollte und der Großsohn erwidert, ich solle mich da raushalten! Und der Mann bekräftigt das. Außerdem äße er sowieso lieber die Hähnchen vom Hähnchenbratwagen, die seien nicht so trocken wie meine…

Erwähnte ich schon, dass ich ich sehr gern koche für meine Familie?

Um das Thema zu wechseln und weil die Sonne so schön scheint, kommen jetzt drei Bilder mit Frühjahrsdekohintergrund. Ist ja auch bald Ostern, oder?

Dann wird klar, wir entern die nächste Stufe im Infektroulette und den Rest des Sonntags verbringt die Hustinette mit dem glasigen Blick vor dem Inhalator oder dem Tablet.

Ich melde das Kind im Kindergarten ab und morgen wird meine liebe Gretel vormittags die Flitzpiepe hüten, damit ich meinen Arzttermin wahrnehmen kann (Dann bekommt zumindest die Gastgeschenkspflanze, die nicht überreicht werden konnte, eine neue Adressatin). Und der Soundtrack für die nächste Woche wird gesungen von Phil Collins (ihr kennt den Hit alle):

„It´s just another day for you and me and Pariboy, Pariboy. Pariboy!“

 

Mehr Wochenendbilder gibts wie immer bei Susanne.

Gurkenwasser

„Infused water“ ist ja kein neuer Scheiß. Nein, der Scheiß ist schon ein paar Jährchen alt, aber er hinterlässt mich noch immer „confused“.

Immer, wenn ich bei Menschen in meinem Umfeld irgendwelche albernen Wasserkaraffen in der Optik von Urinalen – oder neuerdings schweineteure Glasflaschen für to go (Kein Plastik! Plastik ist böse!) sehe, die mit umherschwirrenden botanischen Partikeln gefüllt sind, denke ich: Hä?

Also es fängt schon mit Leitungswasser an. Ich meine, Leitungswasser! Ja, ich weiß, die Qualität und so und Wasser in Flaschen, die Umwelt, die Transportwege und Nestlé… Ja, weiß ich! Verstanden! Aber jetzt mal im Ernst, da schneide ich mein ganzes Kinderleben abgegriffene Werbebildchen von Coca Cola aus und lechze nach Limonade, die nicht schmeckt wie aus dem Chemielabor in Leuna, dann ist das endlich alles zum Greifen nah und jetzt soll ich Wasser aus´m Hahn trinken?! Wott? Bei euch piepts wohl.

Mir wurde mal Edelsteinwasser angeboten. Da stand dann also eine Glaskaraffe (die wie immer aussah wie ein Urinal für Männerpinkulatur), in der Kieselsteine auf dem Boden lagen, die exakt genauso aussahen wie die, die die Hundekackwiese umgeben in Dresden Pieschen auf dem Leisniger Platz!

Edelsteinwasser. Man kann im Internet seines Vertrauens nachlesen, wie superspitze das wirkt und wie man das herstellen kann. Und Frau auch. Und sogar fertig bestellen kann man das! Leitungswasser „aromatisiert“ mit Steinen. Seid ihr alle irre? Wollt ihr mich verkackeiern? Verhohnepiepeln?

Das „confused water“ ist schon längst aus der Eso-Ecke in die Mainstream-Handtaschen und Hipster-Turnbeutel gewandert. Und in jedem Jahr wird eine neue Wasser-Sau durchs Multimedia-Dorf getrieben: Himbeerwasser, Zitronenwasser, Gurkenwasser. Ach, Melonenwasser (mit und ohne Melisse) nicht zu vergessen!

Mein einziger Beitrag dazu je war das Foto eines Wasserglases, in welchem ich Backpflaumen als Abführtrunk eingeweicht hatte. Kam jetzt nicht so an, mein infused water. Offensichtlich ist diesen schönen Menschen im Internet auch die Optik wichtig, nicht nur die Wirkung. Denn, ohne Zweifel, hatte mein infused water eine Wirkung!

Gut, so viel zur Einführung. Meine Meinung ist jetzt hinlänglich bekannt: Infused waters im Hause Nieselpriem sind Bier und Kaffee. Und wenn der Onkel Doktor früher fragte, ob ich denn auch genügend trinken würde, sagte ich stets: „Drei Liter pro Tag sind kein Problem. Zwei Liter Kaffee, ein Liter Bier!“.

Jetzt aber werde ich wunderlich. Ich trinke kein Bier mehr und der Doktor sagt, ich darf nicht mehr so viel Kaffee trinken. Weil ich sei anämisch und Kaffee behindere die Eisenresorption. Was ich verstanden habe: Eine Kuchenmahlzeit durch Burger ersetzen. Wegen dem Eisen im Rindfleisch. Was er gesagt hat: Kaffee ist böse. Mehr Wasser trinken! Ohne Kohlensäure! Aus dem Hahn! Vielleicht probieren sie mal Gurkenwasser?

Gurkenwasser. Ich habe das gegoogelt. Und nun denke ich, das Internet will mich wirklich komplett rollen!

Pass auf, jetzt kommts: Durch das Trinken von Gurkenwasser kann man das Risiko einer Herzkrankheit vermindern und seinen hohen Blutdruck senken. Gurkenwasser hilft gegen Osteoporose und beugt Augenkrankheiten, Diabetes und Alzheimer vor und verlangsamt den Alterungsprozess. Gurkenwasser entgiftet, hilft beim Abnehmen und sorgt für den Weltfrieden. Letzteres habe ich mir ausgedacht, den Rest Redakteure von Gesundheitsressorts diverser Onlinemagazine. Ihr könnt das nachlesen, wenn ihr mit Lachen fertig seid.

Aber warte mal. Hilft beim Abnehmen, verlangsamt den Alterungsprozess…

Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, ob es auch wirkt, wenn die Gurke gehobelt wird oder nur, wenn sie in Scheibchen dem Wasser zugeführt wird.

Nun sitze ich hier und schreibe diese Zeilen unter Einwirkung des dritten Aufgusses meines Gurkenwasserurinals. Und ich erwäge, Gurkenwasser auf Zuckerwürfel zu träufeln und dann – Hexhex! –  mache ich Gurkenwasserglobuli und die können dann alles! Alles können die! Vielleicht mache ich noch drei bis vier Kiesel mit dran an die Ur-Suppe, das wird dann ein Mega Verkaufsschlager auf allen Eso-Messen und in diesem Internet, von dem hier immer alle reden.

Und ich überlege: Wie wirkt dann erst Gurkensalat? Mit so richtig viel Gurke (dieser Tausendsassa) mit Salz, Pfeffer, Zucker, Dill, Essig und Öl? Und noch ´nem Klecks Schmand obendrauf gegen (!) das Abnehmen. Und dazu ein fetter Burger vom Grill. Wegen dem Eisen. Als Getränk empfehle ich „Hopfen infused water“.

Wohl bekomms und gute Besserung!

 

 

Wochenendbilder reloaded

Im Moment bin ich eher Bilderbuch-Blogger denn Geschichtenerzähler. Das liegt daran, dass ich lange krank war und auch noch immer nicht so richtig auf dem Posten bin, wie man so schön sagt. Ich habe monatelang keinen einzigen eloquenten Gedanken denken, geschweige denn schreiben können und das hat sich entsetzlich angefühlt. Ich habe lange Zeit befürchtet, es kommt nie zurück. Der Gedanke, das Talent oder vielmehr die Möglichkeit zu verlieren, die eigenen Gefühle durch geschriebene Worte zu sortieren, zu konservieren, das hat mich bodenlos erschüttert. Ich dachte, ich würde niemals wieder etwas derart Lustiges schreiben können wie das hier, oder etwas Anrührendes wie den Text hier. Ich würde in Zukunft Einkaufszettel schreiben und Entschuldigungen für Fehlstunden, Ende Gelände. Und die Zukunft, von der wir hier reden, würde eine sehr kurze sein.

So war das. Und ja, wir reden hier über Depressionen.

Those days are gone. Ich sehe mittlerweile das Licht am Ende des Tunnels deutlich und auch die Worte kehren zurück. Zum Glück! Noch immer zünde ich jeden Morgen innerlich eine Duftkerze („Sinnlig Vanilla“, was sonst) für die heilige Eloquenzia, Inkontinenzia oder wen auch immer an. Es geht vorbei! Die schwarze Scheiße verzieht sich! Halleluja, endlich.

Und da meine Behandler allesamt der Meinung sind, über das Schreiben käme ich zurück zu alter Form und Größe (eine junge Form wäre mir persönlich zwar lieber, aber das ist wohl nicht verhandelbar) und dieses Fotodokumentationsdingens sei eine gute Achtsamkeitsübung, knipse ich also aus Therapiegründen weiter meine Wochenenden. Und ihr müsst da jetzt durch!

Geht los.

Schwarz zu grau. Frühmorgens immer dieselben Protagonisten: Der Blondino und das Tablet, die Mutter und ihr Kaffeepott (letzteren beiden nicht im Bild)

Der frühe Vogel von Blasewitz, das isser.

Wir schlendern zum Schillerplatz, die Straßen sind noch leer. Und ja, ich habe die Plagenkarre mitgenommen. Ich brauche was zum Festhalten und das Kind und ich haben einen Deal: Er darf so lange dort drin sitzen, wie er reinpasst, danach wechseln wir. Er hat eingeschlagen.

Auf dem „Schilli“ ist Wochenendmarkt. 

Im Schillergarten wird Samstags Fisch verkauft und sogar vorort frisch geräuchert.

Wir bekommen geräucherten Karpfen zum Probieren geschenkt!

 

Wir sind kurz vor neune tatsächlich die einzigen Leute dort, selbst auf dem Spielplatz. Wo sind denn alle? Wir sind schon seit über drei Stunden wach!

Wir gehen zum Elbestrand und teilen unsere auf dem Markt gekauften Streuselschnecken mit dem Gevögel.

An der Elbe entlang laufen wir wieder heimwärts. Unterm Blauen Wunder hat jemand einen Sinnspruch für die reichen Bürger von Blasewitz hinterlassen.

 

Auch wenn das Wetter grau ist und die Sicht verhangen, mag ich die Weite und die Elbhänge, von dieser Seite aus betrachtet, sehr.

Zu Hause stricken. Aus den Resten der Sockenwolle soll ein Hustenleibchen entstehen, ich habe noch keine Ahnung, wie´sgeht. Ich mach erst mal, also so wie sonst auch im Leben…

Auf dem Teller Nudeln mit tonnenweise Knoblauch und außerdem etwas Spinat und etwas Fisch. Das mit dem Knoblauch ist auch im übrigen das ganze Geheimnis, wie ich es schaffe, meinen jungschen attraktiven Kerl zu halten: Ich schmeiße einfach soviel Knoblauch an jedes Essen, dass der Gestank, der von meinem Kerl ausgeht, einfach jeder jugendlichen Bewerberin um meinen Posten die Tränen in die Augen und sie zum Rückzug treibt. Das ist schon alles!

Nachmittags joggen. In Wahrheit schlurfe ich schnaufend drei Mini-Runden um den Tennisplatz im Waldpark und bin dabei so schnell, dass ihr problemlos neben mir spazieren gehen könntet. Ich dachte, wenn ich mit dem Rauchen aufhören würde, dann würde ich abgehen wie Speedy Gonzalez! Nichts. Ich rauche seit vier Monaten nicht mehr und außer fünf Kilo mehr auf Rippen und Hüfte – Nix! Danke auch.

Weil das eh alles nichts bringt und außer mir sich hier alle dem Kuchen verweigern, esse ich alles alleine auf!

Samstag Abend wie stets und immer offline Spieleabend. Ich bin dran mit Aussuchen, also Skat! Ich verliere haushoch, gewinne aber zwischendrin ein Grand ohne Vieren und feier mich übelst ab deswegen.

Der Bubi will auch mal auf den Blog. Also bitte schön: Das ist er, der Großsohn!

Sonntag Morgen sind wir zum Brunch in Altkö eingeladen.

Das Blondchen langweilt sich im Keller sehr und schält alle achtzehn Eier vom Frühstücksbuffet. Einer der Freunde meinte, das fände er nicht so dolle, immerhin seien das ja Lebensmittel! Der Bärtige so: „Alles klar, du willst dich also mit dem beschäftigen? Super!“. Darauf holte der Freund dann noch mehr Eier…

Am Nachmittag: Der Mann geht zum, Squash mit anschließendem Biertrinken (oder, wie ich es formuliere: Zum Biertrinken mit Sport-Alibi) und das Kind und ich backen Knet-Plätzchen.

Meine Aufgabe ist der Bau eines Plätzchenofens.

Abnahme erteilt, der Ofen funktioniert!

Das Kind und ich hängen Eier an den Ganzjahresstrauß…

… und freuen uns über den Betonhasen, den unsere Freundin Fika in einem Fruchtzwergebecher gegossen hat.

Später beim Wäschemachen – das Kind ist im Bett und das Großkind hinter den Terminals verschanzt –

…fällt mir die Bernsteinkette des Kleinsten in die Hand. Er hat sie vor einigen Tagen abgenommen und behauptet, er sei jetzt „zu groß“ dafür.

In mir wollte etwas reißen. Was soll das heißen, „zu groß“?! Noch zweimal zwinkern, dann steht der womöglich mit einem Mädchen vor mir und sagt: „Das hier ist Alma Hiltrud Cassiopeia und wir ziehen zusammen! Weißte Bescheid Mutter, ich hol nur mal eben kurz meine Sachen…“.

Atmen, Mutti.

Dann denke ich mir. ach weißte, wenn der die dann auch als Blödpopel beschimpft so wie mich und jedesmal, wenn ihm die Argumente ausgehen „DANN GEH DOCH SCHON ZU NETTO!“ brüllt wie im Moment, dann bringt mir den Alma Hiltrud Cassiopeia beizeiten zurück!

 

 

Mehr Bilder vom letzten Wochenende gibts wie immer bei Susanne. Eine schöne Woche euch, ihr Lieben, und bis bald!