Neujahrsvorsätze

Neujahrsvorsätze

Neujahrsvorsätze sind so Sätze, die man vor Neujahr sagt. Und die dann spätestens ab Hochneujahr vergessen sind. Also dann, wenn alle Menschen bei Tchibo Fitnessshirts und Faszienrollen gekauft haben, enthusiastisch dämliche AbnehmApps im jeweiligen Appstore heruntergeladen und wenigstens einmal neugierig und ob der Preise ungläubig staunend durch den Bioladen geschlendert sind (und im Anschluss drei Schnitzel für drei Euro im Discounter gekauft haben).

Ich weiß nicht mehr, an wie vielen Neujahrstagen ich beschlossen habe, ab jetzt nicht mehr zu rauchen. Irgendwann war es dann ein unscheinbarer Septembertag, an dem ich tatsächlich meine letzte Zigarette geraucht habe und es gab nicht mal ein Feuerwerk. Egal, die vielen Neujahrvorsätze haben bestimmt die Vorarbeit dazu geleistet!

Was ich sagen will, dieser Tag eignet sich gut für eine innere Inventur, eine kritische und wohlwollende Bestandsaufnahme. Wer bin ich, wo bin ich und habe ich ein Navi dabei? Eine Karte? Einen Plan? Einen Führer? (Man wird doch 2020 wieder „Führer“ schreiben dürfen, oder?! Nein? Oh, ok.) Und: Führe Guide ich oder möchte ich an die Hand genommen werden? Wohin soll die Reise gehen und habe ich die richtigen Schuhe an? Zwölf Monate, dreihundertfünfundsechzig Sonnenuntergänge, die vor mir liegen. Das neue Jahr als Chance, als unbeschriebenes Blatt im ganz persönlichen Lebenslauf. „Chance“, das bedeutet im Französischen „Glück“. Chancen zu sehen für sein eigenes Wachsen und Veränderungen, welch ein großes Glück!

Nun rauche ich ja nicht mehr, trinke keinen Alkohol, lebe freiwillig monogam und esse schon mein Leben lang ungern Fleisch bei gleichzeitig zwanghaftem Drang zu sportlicher Betätigung. Nach gängiger Mode hinsichtlich eines ordentlichen Lebensstiles kann ich getrost sagen, meine guten Absichten für das neue Jahr klingen wie die Werbung für kalorienreduzierte Wurst: „Ich will so bleiben wie ich bin – du darfst!“, allerdings muss ehrlich gesagt werden, dass ich mich bis zu diesem Punkt der Einsicht und Selbstakzeptanz fast fünfzig Jahre abgeplackert habe und dass diese wohlwollende und annehmende Haltung nüchtern und nichtrauchend betrachtet eigentlich nichts mit dem Fehlen irgendwelcher Laster zu tun hat. Sondern mit dem Umstand, dass ich mich selbst mehr liebe ohne selbstzerstörerisches Verhalten, das mich leider anzieht.

Aber es geht ja nur darum, seine eigene Kompassnadel auszurichten. Es gibt Menschen, die sich besoffen und dauergeil einfach mal dauergut fühlen und wenn sie damit keine anderen Menschen gegen ihren Willen belästigen, super! Und natürlich im Anschluss ihre Schnapspullen im Glascontainer entsorgen, natürlich.

Wie ich jetzt darauf komme?

Ich war gestern Morgen laufen, das mache ich seit vielen Jahren an jedem Neujahrsmorgen. Und ich war entsetzt. Entsetzt darüber, dass es ganz offensichtlich am Neujahrsmorgen 2020 ganz genauso aussieht wie am Neujahrsmorgen 1999, zum Beispiel. Dass es nach einem Jahr voller Greta und Klimagipfel und Resolutionen, Demonstrationen, FFF und Grannys for future und Aufklärung durch quasi jedes frei zugängige Medium dennoch so aussieht wie es aussieht.

Mensch, wie sieht es denn hier aus?!

Am Silvesterabend schon stand ich an dem schönen Fluss, der durch meine Lieblingsstadt fließt, und stellte keine mengenmäßige Veränderung fest, was Feuerwerk, Böller und Raketen anbetraf. Das war auch nicht anklagend oder kritisierend, einfach nur feststellend.

Am Morgen danach kommt mir das Kotzen. Ich kann es einfach nicht fassen, das Bild, das sich mir bildet. Der Mensch ist dumm und ignorant und nur auf die Maximierung des eigenen Lustgewinnes aus (ich habe noch nicht gefrühstückt, da zünde ich schnell), der Mensch ist schlecht. Ich denke unwillkürlich an die Titanic, während ich über den knirschenden Asphalt laufe, das Schiff sinkt, im Maschinenraum arbeiten die Ingenieure wie besessen um das Schiff zu retten und im Ballsaal schütten sich die Gäste mit Champagner zu und tanzen fröhlich, als wäre rein gar nichts passiert. Ein Eisberg? Ach was, das ist doch nur Panikmache!

Das muss man erst mal verstehen. Da stellen Menschen, die möglicherweise an dreihundertsechzig Tagen im Jahr behaupten, Bio und regional sei zu teuer, Batterien und Knallzeug auf den Gehweg, was so teuer ist wie eine Schweinslende in Demeterqualität und -Puff!-Peng!- ab damit in den Himmel. Danach gehen sie nach Hause. Der Müll bleibt liegen, ebenso der Plastikbeutel, in dem sie ihren Knallmüll herbeigetragen haben. Daneben die Sektflaschen zum Anstoßen – Zack! Ab auf die Wiese damit und mein Sektglas schmeiße ich an die Wand, das wird Glück bringen! – wird sich schon irgendwer darum kümmern, mir doch egal.

Und mir dämmert, Veränderungen müssen vielleicht einfach „näher dran am Menschen“ beginnen. Bei Silvester heißt das vielleicht nicht: „Kauft keine Knaller! Das ist schädlich für die Umwelt!“, sondern: „Nimm deinen Scheißmüll gefälligst wieder mit nach Hause! Sammel doch einfach den Dreck ein, den du machst, wenigstens den sichtbaren. Danke! Und Prost Neujahr!“. Müllentsorgung kommt vor Müllvermeidung in der Bewusstseinskette.

Biologisch abbaubare Böller – eine Alternative?

Morgens um neun war die Dresdner Stadtreinigung bereits am Schillerplatz im Einsatz und gegen zehn sah es rund um den Schillergarten aus wie frisch reinegemacht und mit Pril gewienert. Dazu muss man wissen, dass in diesem Viertel die Stadtrundfahrt durchfährt und hier zwischen den Villen an der Elbe die reichen Touristen promenieren, und die will man natürlich mit einem sauberen Ambiente erfreuen, also die Stadtväter möchten das.

Geputzt wird am ersten Januar nach meinem Beobachten nur bis zur Waldschlösschenbrücke, danach fängt Johannstadt an und das ist nicht so wichtig, ob es dort dreckig ist, und Pieschen? Ach, nach Drecks-Pieschen kommt die Straßenreinigung gar nicht in der ersten Januarwoche! Dort sieht es aus wie nach dem Krieg (oder was unsereiner darunter versteht).

Aber in Pieschen habe ich am ersten Januar junge Menschen gesehen, die mit Beuteln bewaffnet am Elbufer entlang gingen und Silvestermüll aufsammelten. Und später auch in Blasewitz eine ganze Familie, die während eines Neujahrsspazierganges Beutel dabei hatte, aus denen Holzstöcke von Raketen ragten.

Der Bärtige sammelt unseren Müll auf, trennt ihn säuberlich und streichelt meine empörte Faust, während er mich zu besänftigen versucht. Die Menschen würden „das“ nicht vorsätzlich tun und es gäbe zu wenig Mülleimer an der Elbe und jeder Mensch muss sein Verhalten für sich selbst entscheiden. Und da irrt er ja gewaltig, wie ich finde.

Ich habe deshalb beschlossen, am nächsten Silvesterabend Müllbeutel zu verteilen an der Elbe. Wahrscheinlich werde ich verkloppt. Oder zumindest bepöbelt. Ich werde den Menschen einen schönen Silvesterabend wünschen und ihnen – falls sie keinen eigenen Abfallbehälter dabei haben – einen schenken mit der Bitte, ihren Müll aufzusammeln und einfach nur neben den nächsten Mülleimer zu stellen und die Flaschen bitte nicht zu zerschmeißen, wegen der Schwäne, Enten, Gänse, Kinder, Scheißkinder! Denkt ihr gefälligst auch mal an die Scheißkinder! Ihr ignoranten Arschlöcher!“. Das wird super.

Und so schreibe ich auf mein leeres Blatt 2020 einen einzigen Satz nur: Da geht noch mehr! Und ich hoffe sehr, dass das stimmt.

 

 

Neujahr

Neues Jahr, alter Scheiß. Und ich verschreibe mich jetzt bestimmt noch drei Monate lang mit der Jahreszahl! Orrrrr…

Das mit dem Neujahr ist mir ja suspekt. Ich habe niemals Vorsätze (auch oder hauptsächlich, weil ich so furchtbar inkonsequent bin) und schon der laut gesellschaftlicher Konventionen vorgesehene Start in die neue Zeitrechnung missfällt mir. Knallen (doof), lange wachbleiben (schwierig), Raketen (umweltschädliche Geldzumfensterrausschmeißerei), Hut offm Kopp (albern).

Zusammenfassend kann man sagen, bin ich also die Brot-statt-Böller-ich-geh-um-zehn-ins-Bett-Fraktion. Aber dieses Jahr, also vergangenes, hab ich mir einen Papphut aufgesetzt und an der Elbe Raketen in die Luft schießen lassen. Man muss ja auch mal mitmachen, sonst gilt man schnell als vertrocknete, runzlige, schmallippige, bärbeißerische, hobelschlunzige Spaßbremse.

Und das Blondchen hat sich so dolle gefreut, wollt ihr mal hören?

Erster Januar und um sieben war er direkt wieder in seinem Rhythmus und hellwach. Die verpeilte Grundstimmung, die sich instant in mir ausbreitete, hab ich noch immer am Hacken. Das hat man nun davon, wenn man sich einmal die Nacht um die Ohren schlägt!

Am zweiten Januar stand ich morgens halb neun mit dem Hosenscheißer vor der dunklen Kita und langsam dämmerte mir irgendwas mit „Schließtag“. Mist. Arbeiten mit Kind, wisst ihr alle: Klappt suuuuper! Super klappte dann auch das mit dem Autoaufschließen. Batterie des Schlüssels alle, es tat sich nix. Es schneite um uns herum und da stand ich nun, Kindergartenkind links, Kindergartenrucksack rechts und voll verpeilt. Handy, Portmonnaie, alles im verschlossenen Auto.

Wir stapften dann zur nächstgelegenen Autowerkstatt und bescherten dem Mechaniker Vorort seinen Moment des Tages. Mindestens:

Ich erklärte, dass mein Schlüssel Saft bräuchte oder ich einen Mann mit Dietrich, der mein Auto aufmachen tun müsste sollen. Er glotzte mich daraufhin so grenzdebil an, wie mein Ansinnen offensichtlich war. Vermutlich glaubte er sich in einer Folge von „Verstehen sie Spaß?“. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich „Neujahr“ habe und tatsächlich so verpeilt bin, wie es den ganz und gar offensichtlichen Anschein hatte. Sehr langsam und bemüht ernst klärte er mich darüber auf, dass „Schlüssel“ bedeuten würde, es gäbe auch ein Schloss! Reinstecken, umdrehen.

Das hatte ich ja noch nie gehört! Stur und verpeilt erklärte ich ihm, ich würde das Auto wirklich und ausschließlich schon immer mittels Knopfdruck öffnen! Und mein Auto hätte gar keinen Schlitz! Also das wüsste ich ja wohl!

Der Autofachmann behielt einen Schluck Restruhe und schickte mich mit dem Kindergartenkind wieder raus in den Schnee. Ich sollte gucken, ob mein Auto wirklich keinen Schlitz hätte und wenn ich tatsächlich und wirklich ein Auto ohne Schlitz haben sollte, dann, und nur dann, also dann dürfte ich wiederkommen und er würde sich ein Bärenfell über die Schultern werfen und mit mir zum schlitzlosen Auto kommen!

Ich bin nicht wieder zurückgegangen zur Werkstatt. Ich bin nach Hause gefahren. Im Auto. Und ich möchte nicht mehr darüber sprechen! Nein, wirklich nicht…

Den Tag darauf hatte ich noch immer Neujahr. Morgens ging es noch, außer dass ich nicht in die Hufe kam, mein Frühstück zu Hause vergessen habe und das Kind erst nach seiner Frühstückszeit abgeliefert. Das kann man unter Startschwierigkeiten verbuchen! Ich habe dann im Büro gerammelt, weil ich mittags schon wieder wegmusste – dringendster Termin! Den Termin habe ich dann um eine Viertelstunde gerissen und stand schnaufend, abgekämpft und hungrig (weil keine Zeit zum Essen und Leberwurstsemmel zu Hause vergessen) im Friseursalon meines Vertrauens, mich ausschweifend und mit fuchtelnden Armen entschuldigend, dass ich zu spät komme.

Aber was war das? Warum guckten die denn so seltsam?

Wie, morgen! Ich bin doch heute bestellt! Heute ist doch der vierte! Nein? Nicht? Ach Mist! Scheiß Neujahr…

Damit ich ab sofort meine Verpeiltheit in den Griff bekomme, besorge ich mir schnellstmöglich einen Kalender. Und guckt mal hier, was ich bei Theblogbook gefunden habe:

Kostenlos, zum Ausdrucken. Handgezeichnet und wunderschön! Ich gehe jetzt dickes Papier für den Drucker besorgen.

Und heute ist der vierte, oder? Da hab ich dann gleich noch einen Termin. Glaub ich zumindest. Nur, was war noch gleich am vierten?!

 

Tür 31 – Einen hammer noch!

Zehn, neun, acht… Halt! Stopp! Bevor ihr euch die Lurex- und Polyestergewänder anlegt, die Haare onduliert und Margaritas mixt, als gäbe es kein Morgen: Doch, gibt es. Wird es geben. Nämlich morgen! Deshalb kommt heute die Altjahresansprache von Nina alias die Juramama mit den ultimativen Katerbekämpfungsstrategien, selbst getestet in jahrelangem aufopferungsvollem Dienste an der Mitmenschheit (Los, alle Mann hinstellen, eine La Ola- Welle für Nina!). Und damit ihr nicht unsinnigerweise auf die Idee kommt, die Appetitlosigkeit, die euch morgen bestimmt plagen wird, zum Anlass zu nehmen, das neue Jahr mit einer Diät zu starten, gibts vorher noch einen Abgesang auf blödsinnige Diäten.

Prost, ihr Niselpriemschen und ich hoffe, euch nächstes Jahr hier wieder zu sehen. Nina, hier, dein Mikro. (Und Kuss. Und danke. Tolle Rede!)

Alle sind Dank des Nieselpriemschen Kalenders satt, dick und rund, wegen Weihnachten sind wir komplett pleite und wollen jetzt einfach nur noch möglichst heil ins neue Jahr kommen. Kein Mensch hat nach dieser Weihnachtsvöllerei noch Bock auf Kochen und alle machen Diät.

Um diese Vorhaben zu unterstützen, war mein ursprünglicher Beitragsplan eine Liste der schwachsinnigsten Diäten, die ich jemals an mir selbst oder an anderen fremdtestete. Ich hätte mit der Vorstellung der Kohlsuppendiät begonnen. Die war so Ende der 90er populär und ich am Ende meiner Teenagerjahre. Wie so viele geistig umnachtete Menschen im ersten Fünftel ihres Lebens hielt ich meine prallen, faltenfreien Gesichtszüge für doofen Babyspeck und meine ungedellten und muskulösen Oberschenkel für zu kräftig. Vergesst die Kohlsuppendiät, man muss davon nur pupsen.

Während der Studienzeit waren tapetenkleisterartige Proteinshakes angesagt. Für einen flachen Bauch. Der Bauch wurde aber nicht ein kleines bisschen flacher, was aber unter Umständen an den 2-20 Bieren lag, mit deren Hilfe ich meine akuten Examensängste herunterspülte.

Und das, meine Lieben, bringt mich in einem meisterlichen erzählerischen Zirkel zu meinem eigentlichen Beitrag, der Euch morgen das Leben retten wird:

DAS REZEPT GEGEN EINEN KATER VON EINEM ANDEREN STERN

 Ihr wisst noch nicht, dass ihr in mir einen echten Profi für Katerbekämpfung an der Angel habt. Jemanden, der alles ausprobiert hat. Jemanden, dem kein ergoogletes Rezept zu blöde war, um es nicht zumindest zu versuchen. Jemandem, dem kein Weg zu weit war, um den eigenen Ehemann nicht dorthin loszuschicken, um Zutaten für etwas zu besorgen, was meinen post-alkoholischen Schmerzen ein Ende bereiten könnte. Jemanden, der bereits alle medizinisch vorgebildeten Menschen in seinem Umfeld jammernd und weinend in einer Brechpause angerufen hat, um sie nach ihren geheimsten Heilmitteln zu fragen, nur um mein erbärmliches Säuferleben zu retten. Ich schrieb sogar mal einen Wutbrief an eine Fashion-Bloggerin, die ernsthaft „Evian-Gesichtswasserspray“ als Hangover-Kur anpries. Ich habe keine Energie für solche irreführenden Suchergebnisse, wenn es mir schlecht geht.

Jetzt denken alle, ich sauf‘ zuviel.

Das ist aber nur partiell richtig.

Ich bin Silvester-Musiktrinkerin. Ich starte grundsätzlich übellaunig in einen Silvesterabend, weil mir am 31.12. eines jeden verflogenen Jahres gegen 16 Uhr meine eigene Endlichkeit bewusst wird und ich es sinnlos finde, dieses schleichende Dahinsiechen auch noch zu feiern.

Dann macht jemand MC Hammer‘s „You can‘t touch this“ an und ich verliere die Contenance. Ich stehe auf einem Tisch, singe sehr laut und sehr falsch, mache den Roboter-Tanz, versuche zu Moonwalken und trinke von diesem Zeitpunkt unkritisch alles aus, was mir ein Mitmensch in die Hand drückt oder was ich irgendwo finde. Ich bin dann eine unheilvolle Mischung aus all diesen Betrunkenen-Typen, die in diesem grandiosen Video hier vorgestellt werden.

Wo ist das Problem?

Dummerweise habe ich nach einer Motto-Party im April einen ungünstigen Geburtstermin heraufbeschworen: Unser Kind ward am 01. Januar geboren.

Nun wisst ihr alle, warum Katerbekämpfung für mich lebensnotwendig ist um eine gute Geburtstagskind-Mutter zu sein, denn jede Silvesterparty spielt zumindest einmal MC Hammer.

Hier also das Rezept für einen halbwegs Kater-freien Neujahrstag:

Wie immer ist das A und O eine gründliche Vorbereitung.

Regel Nr. 1:          Möglichst keinen Alkohol trinken

 Regel Nr. 2:          (gilt nur, falls Regel Nr. 1 erwartungsgemäß gebrochen wird) Viel, nein sehr viel, Wasser trinken

Währenddessen! Nicht erst am nächsten Tag. Ich stelle überall Wasserkaraffen mit aufgelösten Magnesium-Kalzium-Tabletten auf und beauftrage meine Betreuer (Ehemann, Familie und Freunde), mir stets Wassergläser zu füllen. Schon am Nachmittag platziere ich taktisch klug eine Flasche Wasser am Bett. Einmal ins Bett gefallen, steht man ja sonst nicht mehr auf…

Alkohol verursacht nämlich ein Hirnödem. Ja. Ihr habt richtig gelesen. Ein HIRNÖDEM! Wirklich wahr! Ein schlauer Arztmensch hat unlängst der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben und erklärt, dass Alkohol ein „antidiuretisches Hormon“ im Körper blockiert, welches normalerweise Wasser im Körper speichert. Wenn wir uns betrinken, scheiden wir einen Liter Wasser mehr aus, als wir getrunken haben. Dann verdickt das Blut und –Bumm- haben wir eine Organschwellung. Im Kopf. Grässlich. Seitdem trinke ich bei jedem Toilettenbesuch literweise aus dem Wasserhahn. Schlecht für das Make-Up, aber man trinkt sich ja eh gegenseitig schön.

 Regel Nr. 3: Das gute Zeug trinken

WHOO-HOOOO! CHAMPAGNER!!!

Je mehr Fuselalkohole sich in einem Getränk befinden, umso heftiger der Kater. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sprudelnde Getränke schlechter verträglich sind, aber je billiger der Alkohol hergestellt wurde, umso mehr „Methanol“ ist drin, und das macht beim Abbauen durch den Körper Aua. Also sauft das gute Zeug, wenn es schon sein muss. Die Russen wissen das.

 Regel Nr. 4: Fettig essen

Der jahrelange Selbsttest hat folgende Erkenntnis zu Tage gefördert: Mit nüchternem Magen auf den Weihnachtsmarkt ist der Untergang. Silvester hat den Vorteil, dass man meistens auch was Feines isst. Kohlehydrate sollen keinen Effekt haben, aber ölige Speisen durchaus. Auch hier sind eure Betreuer gefragt: Sie sollen euch überraschend Olivenöl im Schnapsglas anreichen, falls mal wieder auf die Freundschaft geprostet wird. Ist erstmal gemein, aber es hilft.

Mein polnischer Freund Kamil trinkt ein Glas Gewürzgurkenwasser auf Ex, bevor er ins Bett geht. Ich tat es ihm einmal gleich und fortan nie wieder.

Aber der „Gerrit-Bag“ ist eine hilfreiche Erfindung. Er ist eine Anlehnung an den „Doggy-Bag“ aus Restaurants, wenn man sich die Reste des Dinners einpacken lässt. Unser Freund Gerrit macht dies auch an Buffets und versteckt diese Pakete dann an strategisch sinnvollen Orten, wie hinter Steinen am Ausgang oder in Blumentöpfen. So kann er noch ein Stück leckeres Kassler essen, wenn schon alles aufgefuttert ist. Werde ich dieses Jahr austesten.

 Regel Nr. 5: Kinderapotheke plündern

Endlich macht sich der Brechdurchfall der Kinder mal bezahlt. Ihr kennt sie alle: Damit die Kinder nicht „austrocknen“, kauft man diese mit einem Apfel bedruckten Tütchen mit Getränkepulver, zum Herstellen einer nach salzigem Zeitungspapier schmeckenden Lösung, die den Elektrolythaushalt der Kleinen auffüllen sollen. Die Kinder trinken das natürlich nicht. Endlich mal ein Vorteil der Verweigerungshaltung, es sind also noch genügend von den Dingern bei Euch zu Hause. Die wirken Wunder. Ehrlich. Vor dem Schlafengehen und am nächsten Tag in kleinen Schlückchen immer wieder trinken. Legt das Tütchen am Nachmittag bereits neben die Zahnbürste, shake-shake-shake im Zahnputzbecher und dann den Kopp in‘n Nacken.

Regel Nr. 6: Die umgekehrte GLYX-Diät

Noch so ein erzählersicher Zirkel, der sich nun schließt. Diäten. Hier eine Liste von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index. Die soll man nicht verzehren, wenn man abnehmen möchte. Wir möchten am Neujahrstag jedoch hauptsächlich am Kater abnehmen. Die guten Vorsätze können bis zum 2. Januar warten. Wenn selbst der Gedanke an einen Burger nur ein hilfloses Stöhnen auslöst, dann sind die Lebensmittel mit den roten Punkten Eure Freunde: Gekochte Kartoffeln. Toast. Weißer Reis. Bananen. Wer es verträgt, isst ein Omelett. Oder Weißwurst. Proteine sind jetzt Trumpf.

Regel Nr. 7: Frische Luft

Wenn man sich wieder bewegen kann, ohne dass die körperlichen Schwankungen Übelkeit auslösen, sollte man einen Spaziergang machen. 21 % aller Frauen zwischen 18 und 29 müssen sich bei einem Kater übergeben, jedoch nur noch 3 % aller über-60-jährigen Frauen. Der Gedanke hilft. Belustigend und versöhnend sind stets die anderen, aschfahlen Gesichter, die einem auf diesem Trauermarsch begegnen. Ein Drittel aller Briten hält Sex für das beste Mittel gegen Kater, wobei das für Eltern sicherlich der nutzloseste Tipp ist.

Regel Nr. 8: Meditieren

9 Stunden und 45 Minuten soll der durchschnittliche Kater angeblich dauern.

Sollte ein Verlassen des Sofas undenkbar sein, hilft es, sich mantraartig einen Satz meines Schwieger-Großvaters aufzusagen und sich dabei stöhnend hin- und herzuwiegen:

„Kein Kater hat jemals die Dunkelheit gesehen. Kein Kater hat jemals die Dunkelheit gesehen. (…)“

Im Winter auf der Nordhalbkugel empfinde ich das als äußerst tröstlich. Auf der Kieler Woche im Juli bete ich einfach immer, dass keiner MC Hammer spielt.

 In diesem Sinne:

FROHES NEUES JAHR, ihr Partyraketen!