Es weihnachtet sehr

Es weihnachtet sehr

In den letzten vier Wochen war alles wie immer im Advent. Die Menschen rannten noch ein wenig schneller, mit gehetztem Blick, um noch mehr Zeug ranzuschaffen, zu kaufen, zu verschenken und verloren unterwegs oft die Nerven.

Diese verflixte Besinnlichkeit, nach der sich alle so sehr sehnen, all das Klingeling und Zimt-Vanille-Tannen-Duftpotpourrie, es scheint so nah und dennoch unerreichbar.

Überall klagen die Menschen um mich herum über „Vorweihnachtsstress“, als sei das eben etwas, was dazugehörig sei.

Wie kann man da ausbrechen? Vielleicht, wenn man den Mann zum Sushiessen einlädt, obwohl man selbst kein Sushi isst. Einfach nur, um ihm einen Freude zu machen im Advent, und seine Hand über das rohe Gemüse und den Fisch hinweg zu halten. Oder damit, dass der Mann beobachtet, wie waghalsige Kletterer einen Baum halbieren und denen die größte Mistelkrone abschwatzt, die ich je sah – für mich!

Zwischen all dem Streit und den Krankheiten und der endlosen noch-zu-besorgen-noch-zu-organisieren-Listen.

Ja, damit kann man versuchen, das Weihnachtsgefühl einzufangen.

Ganz sicher gelingt es, wenn man Freunde und Freundeskinder einlädt zu einer Weihnachtsfeier. 

Und diese dann Gänseschmalz, Plätzchen, Mandarinen und Weihnachtsäpfel auf den Tisch packen.

Und alle dann Weihnachtslieder singend und Laternen schwingend einen Spaziergang durch den dunklen Waldpark machen.

Und wenn dann sogar der Blasewitzer Weihnachtsgeist, der im Waldpark wohnt, vorbeikommt, und alle mit Wunderkerzen in der Hand „Stern über Bethlehem“ singen, dann ist Weihnachten. Ich hab es genau gespürt.

Marshmallows am Spieß, acht Liter Glühwein und dreißig Bratwürste vom Grill später war mir klar, das ist es! „Thats it“, wie Michael Jackson sagen würde.

Was noch? Ich hatte die Tochter meiner Freundin zu Besuch und wir haben Seifen gegossen. Diese habe ich in Tütchen verpackt und jeweils mit einem Salzteiganhänger, den der Blondino und ich gebastelt haben, in Mengen verschenkt. Und jedes Mal an diese beiden schönen Nachmittage gedacht, an denen die Dingen entstanden sind. Sehr hilfreich, um sich anzuweihnachten.

Alle Geschenke sind verpackt. Es ist deutlich weniger als in vergangenen Jahren und ich habe keine einzige Weihnachtskarte geschrieben, keine HOHOHO-eMail mit Familienbild vorm Baum versendet, und das fühlt sich gut an für mich. Vielleicht telefoniere ich eine Stunde am Heiligabend alle Verwandten ab und störe bei deren Festlichkeiten, weil ich mich dann doch schuldig fühle, und danach fühle ich mich dann noch blöde dazu und beschließe, im nächsten Jahr schreibe ich schon im November Weihnachtspost! Vielleicht. 

Wir waren Riesenrad fahren mit dem Kleinsten, und obwohl ich Menschenmassen extrem unangenehm finde und daher Weihnachtsmärkte keine Wohlfühlzonen für mich sind, war das schön. Gut, auch voll und kalt, aber schön. Doch, wirklich. Vielleicht mache ich das jetzt öfter.

Ich habe mit dem Kleinsten zusammen insgesamt sechs Kilo Plätzchen gebacken und drei Kilo Stollen. Ich habe heute noch Eierpunsch gemacht und an Heiligabend gibt es Kartoffelsalat mit dreierlei Würsten, Buletten (die man in Dresden „Bäffis“ nennt), selbst gebackenes Brot und eine Käseplatte.

Wir werden Gans essen an der Frauenkirche und Reste vertilgen mit Familienangehörigen. Wir werden drei Tage lang Besuch haben und ich freue mich wie verrückt darauf. Wenn es nach mir gänge, könnten es an jedem Tag noch mehr liebe Menschen sein, die sich hier rumdrücken. Es ist soweit: Ich habe innerlich Weihnachten!

Ich laufe über den hektischen Schillerplatz und wünsche jedem, der zufällig meinen Blick auffängt, fröhlich: „Fröhliche Weihnachten!“, und vielleicht wird schon in Blasewitz vor mir gewarnt.

Mir ist das ernst. Ich will fröhliche Weihnachten. Ich will Besinnlichkeit, Liebe all around und dass die blöde Bronchitis weggeht und die Magenschmerzen und die Schlaflosigkeit in meiner Familie. Und dass mein Großkind den Schulstress abstreifen kann und gern bei uns ist. Nicht nur zum Handy aufladen und zum Sandwich to go schmieren in der Küche auftaucht.

Dass wir es schön haben am Heiligabend. Dass das Essen reichen wird (natürlich wird es das) und alle Gäste mögen, dass ich diesmal Gedichte und Geschichten ausgedruckt habe und es vor jedem neuen Becher Eierpunsch einen Kulturbeitrag geben muss. Dass wir einen Platz in der Kirche bekommen beim Krippenspiel. Und dass jeder Mensch in meiner Nähe dieses Weihnachten ein wenig länger als bis Neujahr in sich trägt.

Ich wünsche mir, dass sich verschiedene Verschwurbelungen, die mir und denen, die ich liebe, das Leben ein wenig mühsam machen, auflösen im nächsten Jahr. Und Geduld bis dahin.

Ich wünsche euch allen von Herzen ein schönes Weihnachtsfest, ganz gleich, wie und mit wem ihr es verbringt, und dass sich eure Erwartungen erfüllen mögen. Ich wünsche euch Gesundheit und inneren Frieden. Ich wünsche uns, dass wir uns im nächsten Jahr hier wieder lesen und ich danke euch für fünf Jahre Nieselpriem. Ich danke euch für jede eMail, jeden Kommentar bei Facebook, jedes Herz bei Instagram und jedes „Ey, hallo! Bist du nicht die Nieselpriem?!“, auf der Straße. Ihr macht mir damit übers Jahr so viel Freude, das sind auch Geschenke. Ich freu mich wirklich immer darüber, danke schön!

Jetzt ist Weihnachten!

Und weil irgendwer bei Facebook ja immer fragt, “ Ob Chris Rea schon losgefahren sei?!“, ja, isser. Und mit diesem Oberschnulz schicke ich euch jetzt in die Weihnachtsferien.

Habts schön und schüssn bis nächstes Jahr, eure Rike. ❤

 

Weihnachten mit…

… einem Kind der Kirche

Wenn man neben einer Kirche wohnt, kann das Gebimmel nervend sein. Oder aber glücksverheißend. Unser Blondino, das Kind zweier Atheisten, flippt aus, wenn die Glocken läuten und seit er weiß, dass darauf im Anschluss Musike folgt innerhalb dieser schönen Halle, klatscht er nun regelmäßig in die Hände nach Ertönen des Glockenklangs: „So. Gema Gürsche!“. Gema also unregelmäßig. Er freut sich doch so! Und zwischen den Orgelstücken erfreut er die Gemeinde mit „No mal!“-Rufen und feuerte den Organisten lautstark an: „Weita! Weita!“. Auch ist er eher der freestyle tänzerische Typ, der gern mitsingt („Oh fröllische Gristeburt, oh Tanzebaum!“) und dabei auf der Bank abhottet, die Arme nach oben gereckt. Zu seinem himmlischen Vater?! Wir wissen es nicht. Ich meine, er ist zwei! Der redet mit uns nicht über seine Religion.

Am Heiligabend ist die Kirche proppevoll, da fällt ein feiernder Zweijähriger wirklich nicht auf. Heute, am zweiten Feiertag, ist das ein wenig anders: Musikalischer Gottesdienst, Bachkantaten. Chor, Orchester. Zum Knien schön! Alle Leute ganz feierlich, wir auch. Nur etwas abseits. Das Kirchenbaby lauscht andächtig, verzückt blinzelnd, hält ganz still. Wir staunen das Kind an, während die zauberhafte Musik uns umhüllt. Feierlicher, weihnachtlicher geht nicht. Dann stoppt der Chor. „Weita! Weita!“. Diesmal gucken schon einige. Der Pastor erscheint und spricht. Dann dreht er sich zum Kreuz, um mit seiner Gemeinde zu beten. „Umkrehn, Opa! Umkrehn!“, ruft es laut aus unserer Reihe. Und: „Singt! Singt!“. Gott sei Dank (ER hatte ein Einsehen) wurde dann auch wieder gesungen. Nach jedem Lied ertönte der Blondino bedauernd: „Alle alle! Applaus!“.

Die Kinder wurden dann vom Pfarrer eingeladen, zum Kindergottesdienst zu entschwinden, damit die Eltern in Ruhe Bach hören könnten. Logischerweise springt unser Windelärschel auf: „So. Gema!“, als würde er schon immer dazugehören und sortiert sich inmitten der Kinderschar an vorderster Stelle ein, um mit der laternenschwenkenden Kindergottesdienstbetreuerin mitzulaufen.

Es gab dicke Tränen, als wir ihn davon abhalten mussten (wir hatten keine Ahnung und bereits andere Pläne), ich nehme aber an, das Kind hat seine Peergroup gefunden. Amen.IMG_0239

 

… Senioren

In unserer Familie gibt es Senioren. Ich liebe sie alle, denn sie sind ein Quell unerschöpflicher Freude. Zum Beispiel, was Geschenke angeht (braune Stoffbeutel, Plastikpflanzen oder wie jetzt an Weihnachten Buttermilch, Joghurt und Mango in Dosen nebst einem Rezept für Mangolassi. Wohlgemerkt, in der Großküchenabmessung! Mein Kühlschrank ist voll mit Buttermilch und Joghurt natur… und eigentlich mag niemand von uns Mangolassi.).

Schön ist es auch, wenn man mit Senioren essen geht. Weihnachten hat man dazu Gelegenheit und folgende Begebenheit ist ein jährlich grüßendes Murmeltier, weil sie wirklich, wirklich und nicht übertrieben genau so seit Jahren abläuft. Und im selben Restaurant, möchte ich hinzufügen.

Wir haben bereits Getränke bestellt, da platzieren sich die Senioren noch mit ihren Beuteln, Taschen und so weiter. Kann ich hier eigentlich irgendwo meine Jacke hinhängen? Stühle rücken. So wirds gehen. Der Kellner erscheint zum zweiten Mal und richtet das Wort an die Senioren: „Und? Getränkewünsche?“. „Was haben sie denn?“. (Kellner rollt verzweifelt mit den Augen) „Was wollen sei denn trinken?!“. „Haben sie Bier?“. Kellner zählt die Biersorten auf und Opa bestellt das Bier, das er immer bestellt. Oma will eine „Mirinda“, das ist die Orangenlimonade in der DDR gewesen. Fanta geht aber auch. Wir stoßen auf Weinachten an und Opa fragt, ob wir „Bauer sucht Frau“ geguckt hätten? Früher kam ja noch „Ein Kessel Buntes“ oder „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ mit Helga Hahnemann, das war schön damals. Aber „Bauer sucht Frau“ ist auch schön… Der Kellner kommt zurück. Wir bestellen Hirsch, Ente, Kaninchen, Rotkraut, Rosenkohl, Klöße. Dann sind Opa und Oma dran. Und das Spektakel nimmt seinen jährlichen Lauf. „Eine Seniorenportion Schnitzel bitte!“. „Wir haben keine Seniorenportionen!“. „Dann nehm ich ein halbes Schnitzel!“. „Wir machen auch keine halben Schnitzel!“. Wir reden den Senioren gut zu, sich an die Portion für die Großen zu trauen und versichern, man könne den Rest doch einpacken für abends, morgen, nächste Woche! Gut. Unsere Weihnachtsessen und das jährliche Schnitzel werden serviert. „Halt, junger Mann, kommen sie mal zurück! Wieso habe ich Kartoffeln und keine Bom fritz? In der Karte steht Bom fritz.“. „Nein, in der Karte stehen zum Schnitzel Kartoffeln. Wir haben gar keine Pommes frites!“. „Also hören sie mal, ich komme schon seit Jahren hierher essen und immer esse ich Bom fritz zum Schnitzel!“. „Aber ich sage ihnen, wir haben wirklich keine Pommes frites auf der Karte!“. „Kommse her, ich zeig es ihnen… hier… Schnitzel mit Bom fritz.“. „Nein, da steht Kartoffeln!“. „Ach, wirklich?“.

Es schmeckt auch immer allen. Und unsere rüstigen Senioren schaffen auch erstaunlicherweise Riesenschnitzel!

Nur bezahlen lassen wir sie nicht mehr. „Was hamse gesagt? 149,30€? Dann machense 149,50€, ist schließlich Weihnachten!“.DSCN3286

 

 

 

Tür 24 – Das letzte Wort…

… zur schwindenden Adventszeit kommt von mir.

Jetzt hammerse rumgebracht, die vorfreudvollen, stressigen, hektischen, glühweinschwangeren, erwartungsfrohen Tage. Das Weihnachtsfeld ist bestellt. Ab heute wird geerntet. Vermutlich auch bei euch.

Der Baum ist geschmückt, die Gans vorbereitet oder der Tisch für das Ente-Essen bestellt. Kartoffelsalat im Kühlschrank, die Festtagssachen gebügelt. Unterm Baum liegen liebevoll verpackte Geschenke. Besuch wird empfangen oder ihr macht euch auf zu einer Weihnachtsreise, um anderer Leute Besuch zu sein. Werdet lachend mit offenen Armen empfangen und in ein warmes Haus geleitet, wo der Baum geschmückt ist, die Gans vorbereitet…

Heute wird allerorts in den christlichen Kirchen an die Entstehungsgeschichte erinnert und selbst für Menschen, die diese Kirchen nicht frequentieren, ist diese Geschichte mit Weihnachten verbunden. Ein jeder kennt sie. Und sicherlich wird besonders in diesem Jahr an die Parallelen zur Neuzeit erinnert. An Nächstenliebe, Güte und Barmherzigkeit appelliert. Den Geist der Weihnacht.

Als Kind in der DDR aufgewachsen bin ich nicht mit der christlichen Weihnachtsgeschichte konfrontiert gewesen. Dennoch hatte und habe ich eine Weihnachtsgeschichte.

Ich weiß nicht, in welchem Alter ich diese Geschichte das erste Mal las. Vielleicht war ich acht. Oder neun. Und seitdem ist dieses Märchen, sind Andersens Zeilen für mich unlösbar mit Weihnachten verbunden. Nimmt mich die Geschichte gefangen und ich kann kaum zu Ende lesen, so sehr berühren mich die Worte. Meine Weihnachtsgeschichte ist „Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen“. Und nachdem wir heute in einer freundlichen kerzengeschmückten Kirche waren, die Geschenke ausgewürfelt haben und gesungen, und Plätzchen mümmelnd vorm warmen Kamin sitzen, lese ich sie meinen Jungs vor. Aus einem Buch von 1960, das laut Inschrift früher mal dem großen Bruder meiner Mutter gehört haben muss und das exakt das Buch ist, in dem ich vor vielen Jahren diese Geschichte zum ersten Mal las.IMG_0285

Man muss kein gläubiger Christ sein, um den Gedanken der Weihnacht in sich zu tragen. Die Botschaft ist klar. Und recht habt ihr alle, wenn ihr sagt, ihr bräuchtet doch keine Feiertage, die euch an Nächstenliebe erinnern. Das sollte an jedem Tag das Gebot der Menschlichkeit sein.

Nun bin ich kein Christ, aber ich bin noch immer das kleine Mädchen, das beim Lesen von Andersens Märchen vor Kummer und Mitgefühl zerfließt. Das helfen will und teilen. Und das werde ich bleiben. Dem im Jahr, als das Wort „Gutmenschentum“ Hochkonjunktur hatte, törichte Naivität vorgeworfen wurde. Es gibt Schlimmeres als „naiv“ genannt zu werden.

„von kindlich unbefangener, direkter und unkritischer Gemüts-, Denkart [zeugend]; treuherzige Arglosigkeit beweisend“. (Quelle: Duden)

Genießt eure Familien, das Essen, die geschenkte Zeit miteinander. Freut euch über die mit Gedanken an euch ausgewählten Geschenke der anderen. Seid glücklich. Seid Kinder!

 

Euch allen von Herzen wunderschöne Weihnachten 2015, Eure Rike

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Der Brandschutzbeauftrage des Blogs warnt: Bitte stellen sie diese Szene nicht nach! Und seien sie versichert, das Stuntkid war zu keiner Zeit einer wirklichen Gefährdung ausgesetzt. Der pustet nur von weitem!

 

 

Ab morgen, Kinder, wird´s was geben!

IMG_0009Die Pakete stapeln sich im Flur, das Weihnachtsradio dudelt, Kalender werden hektisch miteinander abgeglichen. Weihnachtsmarktbesuche, Plätzchen- und Glühweinorgien verabredet. Die Nähmaschine rödelt und die selbstgestrickten Socken stricken sich auch nicht selber, sondern liegen angefangen und mahnend auf der Couchkante. Plätzchen müssen gebacken werden, die Küchenschränke bersten vor gemahlener Mandeln, Marzipanrohmasse, Butterschmalztöpfchen und Vollmilchkuvertüreblöcken. Während im Flur die Kiefer in der Bodenvase den Kopf schwer hängen lässt aufgrund der Holzengel und Bastelergüsse befreundeter Kinder aus vergangenen Jahren wird mir klar: Es geht wieder los!

Morgen gehts los. Vier Wochen das volle Weihnachtsprogramm mit allem, was dazu gehört. Und auch hier, für euch, ist Weihnachten angesagt. Mir egal, ob euch das gefällt, es ist Advent. Da müssen wir jetzt durch!

Bloggeradventskalender sind eine hübsche Tradition und ich habe mich ins Zeug gelegt, um sowas zusammenzufrickeln. Ich habe die Bloggerkollegen angeschrieben, bei denen ich schon gastgebloggt habe und um einen Adventsbeitrag gebeten als Revanche. Jetzt laufe ich händeringend noch die Freundesblogger ab auf der Suche nach Wort und Schrift und Bild und so. Manchen mögen mich jetzt weniger. Alles nur für euch!

Was erwartet euch also die nächsten Wochen? Chaos, ein Familienbetrieb in mitten einer Wurstwiese, Schweizer Schweinereien, ein Stollendesaster in XXL, eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs, Fitness (gut für hinterher, man sollte sich schon in Phasen der Völlerei auch Gedanken über das Danach machen), Französisch für Pieschner in zwei Ausführungen, Handgemachtes, Kopfgedachtes, Herzklopfen. Ein Adventskalender für große Kinder und Leute, die wie ich der Wortliebe frönen. Es gibt leider keine Reisegutscheine zu gewinnen und keine Kosmetikkoffer. Auch keine Plastetanne oder Plastespielzeug. Aber es gibt auch nicht Nichts. Lasst euch überraschen.

Ich weiß noch nicht, ob ich vierundzwanzig Türchen voll bekomme, gebe aber auf jeden Fall mein Bestes für die nächsten Wochen, um euch zu erfreuen ❤ . Warum? Weil ihr die Größten seid, ganz einfach. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr habt mich das ganze Jahr erfreut mit jedem Blick auf den Statistikbalken, hinter jeder dubiosen Zahl (soundsoviel Zugriffe an diesem und jenem Tag), dahinter standet ihr. Jedes Icon hinter dem Like-Button eines jeden Beitrags, jeder Kommentar, jede eMail von euch hat mir soviel Freude bereitet! Und deshalb ist es Zeit, Danke zu sagen. Euch, meinen Lieben! Ich bin schon ganz adventsschmalzig. Wir sind hier nicht die Größten und die Schönsten vielleicht auch nicht. Noch nicht mal die Lustigsten. Aber wir haben´s nett hier und viel Spaß miteinander. Ich bin gerne hier mit euch.

Aber jetzt erst mal genug geduselt: Frohe Weihnachten uns allen. Und hoch die Glühweintassen!

 

Schwer erziehbar

Alles Jungs, außer Mutti. Und die tanzen mir auf der Nase rum! Alle.

Ach, Leute, ich muss echt an mir arbeiten. Ich bin viel zu weich. Sagt auch der Beste. Ich lasse mich von denen manipulieren, sagt der Beste. Die nehmen mich nicht ernst, da ist sich der Bärtige sicher. Konsequenz sei das A und O, sagt der Beste. Ich sei keine Autoritätsperson, kritisiert der Mann. Dabei steht er vor mir mit einem Oberlehrerblick und erwartet irgendwie jedesmal, dass ich Besserung und konsequenteres Handeln gelobe.

In der Tat reichen zwei Worte („Mami, bitte!“), gesprochen aus einem süßen, süßen Kindermund, umrandet von duftender zarter Kinderhaut und obendrüber diese blinkenden riesengroßen Augen in dunkelbraun beziehungsweise blau, und schon knicke ich ein. Blinker, blinker. Mami, bitte! Ich stecke Gummibärchen in klebrige Kinderhände, zehn Minuten vorm Abendessen. Mami, bitte! Ich zücke Fünf-Euro-Scheine zusätzlich zum Taschengeld. Ich suche den dritten oder vierten Nuckel und das zwölfte Buch, das der Kleinste eben braucht zum Glücklichsein. Ich bin weich. Wie ein Muttibauch. Ich kann gar nicht anders!

Ich soll allerdings. Wenn es nach dem Besten geht. Das sagt der mir immer wieder.

Nun begab es sich die Tage, dass der bärtige, oberschlaue Mann einer Wirbelblockade im oberen Rücken anheimfiel (Ich werde jetzt etwas weiter ausholen. Irgendjemand von euch muss mal den Faden für mich festhalten, den finde ich alleine womöglich nicht wieder. Danke.). Es ziepte also. Hilfsbereit und rückenleidsgeplagt wie ich bin, empfahl ich, das für den Abend anvisierte Kneipenmeeting mit vorangehender Squash-Einheit besser abzusagen. Aber auf mich hört ja keiner (siehe oben). Der mit dem kleinen Zipperlein schnappte sich die Sporttasche und ging.

Heim wurde er dann gebracht. Es rumpelte spätabends im Flur und des Bärtigen Freund stand schuldbewusst vor der Tür, die Squashtasche des mir Angetrauten in der einen Hand und den Widerspenstigen quasi an der anderen. Dieser hing mehr schief als gerade irgendwie am Treppengeländer (von Demut keine Spur) und forderte mich auf, vor ihm in die Knie zu gehen. Er kam alleine nicht mehr aus den Latschen. Nach einem kurzen Blick war klar, es lag nicht am Bier. Die Ursache war viel mehr in der dem Bier vorangegangenen Sporteinheit zu vermuten. Der Alte hatte Rücken. Und zwar jetzt richtig!

Der Freund lächelte noch entschuldigend und meinte, ich hätte wohl recht gehabt mit meiner weisen Voraussage, es wäre besser gewesen, wenn… ach was, geschenkt. Ich winkte ab und bugsierte den bockigen Patienten in die Waagerechte.

Dort verharrt er nun weitestgehend seit Tagen. Ich könnte noch einiges zu der kranker-Mann-zu-Hause-Situation schreiben, aber wen will ich damit hinterm Ofen vorlocken. Kennt ihr alles. Mürrischer Kerl, der die Welt und seine Familie vom Bett aus regiert, lauwarmer Kaffee! Tu dies, hol mir das, nein, ich will kein Zäpfchen, das hilft bei mir nicht, mach das Licht aus im Flur, haben wir einen Goldesel im Keller, ich schwitze, ich friere, was gibt’s zu essen?

Das ist also die Ausgangssituation. Wo ist mein Faden? Ach danke. Konsequenz ist das Thema. Und Erziehung. Und dass ich an beidem arbeiten soll. Sagt der Mann.

Heute Morgen nun terrorisiert mich der Angeheiratete noch mehr als sonst und fragt ständig, wann ich denn endlich ins Büro gehe. Ich kläre ihn auf, dass ich heute aus dem Homeoffice arbeiten würde. Wir sitzen uns gegenüber, da platzt es aus ihm heraus: „Du, ich muss dir was sagen. Ich hab was gemacht…“ (bedröppelter Blick). Aus irgendeinem Grund verfügte ich in diesem Moment über uns beide vollkommen überraschende hellseherische Talente und ich knallte ihm vor den Kopf: „Du hast die Playstation heimlich aufgemacht!“. „Hä?! Ja?! Woher…“.

Wochenlang hatte mich der Bärtige mit inszenierter Unterstützung durch das Großkind bequatscht, sie bräuchten jetzt aber ganz dringend die PS4, weil die olle PS3, also das geht ja nun mal gar nicht mehr! Und überhaupt haben alle Kinder die neue PS4! Und wenn wir die alte bei ebay verticken, dann ist die neue ja quasi fast umsonst! Also mindestens umsonst! Und wie schön sie dann damit spielen würden, die beiden großen Jungs. Und was ich dann für eine Ruhe hätte! Also eigentlich sei das ja quasi ein Geschenk, das sie MIR machen würden, wenn sie dann diese PS4 hätten und so schön spielen würden und ich dann so viel Ruhe hätte…

Lesern, die zum Abschweifen neigen, empfiehlt sich an der Stelle das nochmalige Lesen des zweiten Abschnittes. Das mit dem „Ich bin weich“ und so. Habt ihrs? Alles klar. Das ist auch das Stichwort: Sie hatten mich. Nicht wegen der Ruhe, ich bin ja nicht blöd, sondern weil ich einfach weich bin. Und weil die mich so angeguckt haben!

Mit fadenscheiniger Konsequenz habe ich erklärt, das sei aber ein Weihnachtsgeschenk! Und zwar das einzige! Für beide! Sie nickten.

Seit einer Woche ist die Kiste nun da und neben dem Bügelbrett im Schlafzimmer versteckt.

entweihtes Weihnachtsgeschenk

entweihtes Weihnachtsgeschenk

Und nun das heute. Ich saß dem Mann gegenüber und versuchte, die Contenance zu wahren: „Nein! Du hast nicht wirklich. Sag mir, dass du nicht… ich fasse es nicht! Allen Ernstes?!“. „Ach Mäusel, komm…“. „Wie muss ich mir das vorstellen? Ich geh auf Arbeit und du holst das Weihnachtsgeschenk für unseren Sohn raus und…“. „Es ist auch mein Weihnachtsgeschenk!“. „Holst euer Weihnachtsgeschenk aus dem Schlafzimmer, daddelst den ganzen Tag, und bevor ich heim komme, versteckst du das wieder klammheimlich?!“. „Nö, nur die Kiste ist noch im Schlafzimmer, der Rest ist in den Schiebern im Wohnzimmer. Guckt ja keiner von euch rein.“. „Sage mal, wie durchtrieben bist du eigentlich?!“. „Ach komm, Mäusel, sei doch nicht so sauer. Da hab ich einmal eine anständige Krankheit, mit der es sich leben lässt und du gönnst mir keinen Spaß.“. „Waaaas? Ich glaube, es hackt! Ich sorge gleich dafür, dass du richtige Rückenschmerzen hast! Solche, wo du froh bist, wenn dir einer ein Zäpfchen in den Hintern rammt!“. „Ach komm, Mäusel.“. „Nix da, hör auf, mich anzumäuseln!“.

Atmen. Contenance.

„So. Du sagst mir immer, ich muss konsequenter sein. Was also denkst du, wäre eine angemessene Strafe?“. „Hä? Aber du sollst doch nicht MIR gegenüber konsequenter sein! Nur gegenüber den Kindern! Ach Mäusel, komm, sei wieder lieb zu mir.“. „Lass das, und hör auf, so einen albernen Flunsch zu ziehen und mit den Augen zu klimpern! Das wirkt bei mir nicht. Du siehst aus wie Heidi, das schielende Opossum. Nur mit Bart. Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“. „Mir war so langweilig.“. „Ach, und da hast du gedacht, die blöde Alte merkt nicht, wenn die Playse aufgerissen ist. Die wickelt am vierundzwanzigsten Dezember einfach buntes Papier drum, die doofe, und du lachst mich heimlich aus hinter meinem Rücken, ja? So hast du dir das gedacht.“. „Nein, Schatz, natürlich nicht.“. „Ich zeig dir jetzt mal, wie konsequent ich bin, Freundchen. Ich bin nämlich nicht dein Privatidiot. Tagsüber auf der Couch lümmeln und daddeln, wenn keiner guckt, und wenn ich da bin, spielst du den sterbenden Schwan und liegst im Bett und musst bedient werden…“. „Ach Mäusel, komm, so ist das doch gar nicht. Und ich habs dir ja immerhin auch erzählt. Und ich wollte dir auch noch sagen, wie wunderschön du heute aussiehst und dass ich dich sehr liebe!“. „Papperlapapp! Die Playstation schicke ich heute noch zurück.“. „Waaaas?! Nein, das kannst du nicht machen! Damit bestrafst du ja nicht nur mich, sondern auch das Kind.“. „Stimmt. Dann bekommst du in diesem Jahr eben keinen Adventskalender! Und den, den ich für dich gekauft habe, stelle ich auf meinen Schreibtisch und esse ihn ganz alleine auf!“. „Das ist fies. Ich würde sowas Fieses mit dir nie machen!“. „Du hast mir noch nie einen Adventskalender gekauft!“. „Aber ich wollte! Du wolltest doch gar keinen haben. Du seiest erwachsen und bräuchtest das nicht, hast du gesagt.“. „Ja, sowas sagen Erwachsene eben! Trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn du mir einen gekauft hättest. Oder gebastelt. Oder einen Douglas-Gutschein jeden Tag. So schwer ist das doch nicht. Aber nein!“….

Ich gebe zu, irgendwo ist mir zum Ende zu in dieser Debatte die Sachlichkeit abhanden gekommen. Und das Thema wurde auch etwas verwässert. Ich kann auch nicht streiten. Ich knicke ein. Ich bin ein Friedfisch. Und ermüde schnell.

Ich war dann im Büro und habe gearbeitet. Und der Simulant war im Wohnzimmer an der Playse. Bevor das Großkind heimkam, hat er sie versteckt. Und ja, ich schäme mich für uns beide.

Der Bärtige hat recht: Ich muss an mir arbeiten. Die tanzen mir auf der Nase rum! Je oller, je doller.

Was mache ich denn jetzt mit dem? Was würde Jesper Juul raten? Hat irgendjemand Ideen? Alles außer: „Kein Sex mehr in diesem Jahr!“, wir haben schließlich nicht den einunddreißigsten Dezember. Das glaubt der mir eh nicht, auch diesbezüglich habe ich schon früher meine Inkonsequenz bewiesen.

Ich fürchte, ich bin erziehungstechnisch ein hoffnungsloser Fall.  🙂

Oh du fröhliche… letzter Teil

Draußen stürmt und regnet es bei apriligen acht Grad, aber das botanische Weihnachtsorakel lügt nicht: Es ist soweit.IMG_1924Der „Geist der vergangenen Weihnacht“ war in den letzten Tagen bei mir zu Besuch.

Ich habe mich an die Familienfeiern früher erinnert. Ich musste immer Mittagschlaf halten und durfte die „Stube“ nicht betreten, bis mich jemand holte! Ewig habe ich gewartet und die Kerzen am Baum schon durch die Butzenscheiben unserer Wohnzimmertür glitzern sehen. Kartoffelsalat und Würstchen, an den Feiertagen dann Gans und Pute. Mit Rotkohl.

Ich erinnerte mich an ein Weihnachtsfest auf den Malediven mit Sonnenbrand, pinkfarbenen Desserts und Palmen voller Christbaumkugeln. Und daran, dass ich danach behauptete, das sei die allerblödeste Idee von allen gewesen! Weihnachten im Warmen. Tss.

Ich erinnerte mich an das allererste Weihnachten mit dem Bärtigen. Siebzehn Jahre ist das nun her. Da wir uns im Januar gefunden hatten, war unsere junge Beziehung im darauffolgenen Dezember schon stabil und wir beschlossen, für uns und die Ewigkeit unsere eigenen Weihnachtstraditionen zusammenzuzimmern. Der Weihnachtsbaum kommt bei uns am ersten Advent und fliegt am siebenundzwanzigsten Dezember raus! Ja, Schatz, super Idee. Wir machen keine Ente, wir machen… äh… Fisch?! Klasse, Schatz! Oder griechisch? Auch super! An unserem ersten gemeinsamen Heiligabend saßen wir zwei alleine in unserem Stübchen mit unserem Bäumchen und um mich herum lag einfach alles, worauf in den vergangenen elf Monaten mein Blick länger geweilt hatte. Eine Honigdose aus Holz zum Beispiel, daran erinnere ich mich genau… alles hatte er gekauft aus lauter Liebe und dem Wunsch, mich glücklich zu machen. Dabei war er damals noch Lehrling und hatte gar kein Geld! Am Ende schleppte er eine Waschmaschinenkiste an und ich dachte mir, oh mein Gott, wieso schenkt der mir jetzt eine neue Waschmaschine! Aber nein, irgendwo zwischen Knüllpapier lag ein Silberkettchen in einer Schachtel. Und wie er da stand mit glänzenden Augen. Ich bekomme gleich Schnupfen…

Wir haben in all den Jahren unsere Zweisamkeit an diesen Tagen versucht vehement zu verteidigen. Das hat nicht immer geklappt. Eigentlich war das spätestens dann zum Scheitern verurteilt, als wir Eltern wurden. Auch den heiligen Heiligabend ließ man uns nicht. Aber ich erinnere mich, dass ich in jedem Jahr nur dem Besten in die Augen sehen brauchte und las: Warts ab, irgendwann sind wir allein und dann ist unser Heiligabend! Wir haben auch nach jedem Fress- und Feiermarathon geschworen, wir würden das im neuen Jahr anders machen…

Es wurde irgendwann von alleine anders. Und unsere Traditionen auch. Die sind mittlerweile etabliert. Wir haben immer am ersten Advent bereits den Baum und Tante Baum fliegt nach wie vor am siebenundzwanzigsten aus dem Fenster. Wir sind am Heiligabend bei uns daheim. Punkt. Es gibt Wunschessen, egal, was das nun gerade ist. Wir gehen zum Krippenspiel, spazieren durch den Abend und freuen uns an den Lichtern und erleuchteten Fenstern. Die Geschenke werden erwürfelt: Wer eine Sechs wirft, darf ein Geschenk mit seinem Namen unter dem Baum vorziehen. Wir spielen immer ein Brett- oder Strategiespiel. Und wir schauen „Schöne Bescherung“ mit Chevy Chase. Immer! Obwohl wir alle Dialoge mitsprechen können („Das gibt keinen Abrass, Drucki!“), gehört dieser Film zu unserem Weihnachten.

In diesem Jahr erfüllt mich das mit Wehmut und ich fühle mit Clark Griswold, der sich so sehr bemüht, seiner Familie ein unvergessliches Weihnachtsfest zu bescheren und von einer Katastrophe in die nächste schlittert. Denn, ganz ehrlich, so entspannt, wie wir das uns in jedem Jahr vornehmen, wird es natürlich nicht. Denn ich bin ja auch noch da! Und drehe durch, egal, was ich mir selbst für Vorsätze aufdiktiert habe. Ich bin der Clarky dieser Familie, der zwei Kilo Butterschmalz verbäckt, notfalls morgens zwischen vier und sechs. Der Weihnachtskarten selber bastelt und dann keine Zeit mehr findet, die rechtzeitig zu verschicken. So einer bin ich. Ich liebe diese Familie so sehr und will einfach, dass jedes Weihnachten unvergesslich wird und dass meine Kinder ihren Kindern irgendwann erzählen, wie schön das damals zuhause war (Ich rede auch schon wie Clark Griswold). Mit den unausweichlichen Folgen. Ich liebe Weihnachten! „Sie war stets bemüht, wenn auch übereifrig.“, steht bestimmt auch in diesem Jahr auf meinem Weihnachtszeugnis.

Die Kinder regulieren mich. Am letzten Heiligabend bin ich allein abends mit einem schreienden Baby in der kalten Dunkelheit rumspaziert, die beiden anderen Jungs lagen krank in ihren Betten. „Weißt du noch? Am ersten Weihnachten mit dem Großen warst du auch so lange krank.“, erinnert sich der Bärtige, als ich mich neulich beschwerte, ich käme vor lauter Grippewellen gar nicht mehr auf die Füße. Bin ich gesund, kränkeln die Kinder. Sie bremsen mich ab. Sie lenken meinen Blick auf das Wichtige. Gut so!

Dabei bin auch ich vom Geist der Weihnacht beseelt. Ich muss den Glauben nicht teilen, um der christlichen Weihnachtsgeschichte mein Herz zu öffnen und sie zu verstehen und danach zu handeln. Und wenn wir in der Adventszeit durch die Straßen spazieren und ich mich so an den geschmückten Fenstern erfreue und manchmal einen Hauch Vanillekipferlduft aus einem Küchenfenster schwappt, dann denke ich an meine liebste Weihnachtsgeschichte: „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ von H.C.Andersen. Und ich weiß genau, dass ich diejenige bin, die hinter dem Fenster sitzt. Die mit dem Baum, dem leckeren Braten und dem warmen Ofen. Und dass dieses kleine Mädchen mit den Zündhölzern genau wie die heilige Familie in der anderen Weihnachtsgeschichte eine Botschaft ist. Dass es Menschen gibt, die vor dem Fenster stehen. Und ich weiß das auch im Sommer. Im Frühling und im Herbst. Nicht nur an Weihnachten.

Ich wünsche euch allen besinnliche Feiertage! Ein Fest in Frieden und Gesundheit, ohne Hunger und Angst. Ein großes Glück. Das wünsche ich euch. Und uns.

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 Ende.

 

Oh du fröhliche… Teil 4

Was bisher geschah…

Türchen eins

Die erwiesenermaßen erfolgversprechendste Maßnahme, um sich in liebestrunkene Adventsstimmung zu bringen, ist das Schmusen mit Kleinkindern. Dazu stellen sie sich mit einem Baby auf dem Arm unter einen Mistelzweig und wiegen sich schnüffelnd und küssend einige Male hin und her.

Mistelzweig, zum Drunterstellen (Beispiel)

Mistelzweig, zum Drunterstellen (Beispiel)

Wenn sie selbst nicht im direkten Besitz eines Kleinkindes sind, fragen sie kinderreiche Freunde, ob sie bei denen als Aushilfsschmuser tätig werden können. Sollten ihnen ihre egoistischen Freunde kein Baby überlassen wollen, so wickeln sie sich ein altes Schaffell um den linken Unterarm (Linkshänder nehmen den rechten Arm. Unterlassen sie dabei die Versuche, sich selbst fotografieren zu wollen, das wird nüscht.)

Lammfellunterarmschmuseatrappe

Lammfellunterarmschmuseatrappe

Wiegen sie die Schmuseattrappe in ihrem unbefellten Arm, bis die gewünschte Intensität des Weihnachtsgefühls eingetreten ist.

Viel Erfolg!

So oder so ähnlich hatte ich mir das möglicherweise vorgestellt, als ich vor tausend Wochen anfing, mich auf den Advent zu freuen und plante, Euch mit einem Adventskalender der anderen Art zu erfreuen. Und was kriegt ihr stattdessen? Jammernde, larmoyante, ningelnde Wochenberichte über das defizitäre Gesundheitsbefinden der Nieselpriemfamilie. Und ich krieg die Erkältungswelle nicht aus dem Haus. Tja, so ist das mit dem Wünschen.

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Weihnachtsstimmung am Küchentisch (Ideal)

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Weihnachtsstimmung am Küchentisch (Realität)

Zwischen Gehetze von Kinderarzt eins (mit Kind eins) zu Kinderarzt zwei (mit Kind zwei) und Zwischenstopp beim Erwachsenenarzt versuchen wir Erwachsenen schlapp und krankheitsgebeutelt an der familiären Weihnachtsstimmung zu arbeiten. Ich moser wirklich bemüht an dem Besten rum und der reagiert sich an wehrlosen Haushaltsgegenständen ab. „Was hast du jetzt hier wieder für eine Scheißlampe in die Küche gehängt! Die Birnen sind alle kaputt!“, „Warte doch mal, das sind Halogen-Lampen!“, „Ja, hallo-gehn-die-auch-irgendwann-an-Lampen!“, „Du Idiot! Hör auf, dagegen zu kloppen! Das ist eine italienische Design-Lampe!“, „Eine italienische die-sein-Scheiße-Lampe ist das!“. Und später heute: „Komm, mach hinne! Los, alle Mann ins Wohnzimmer! Wir müssen die dritte Kerze anmachen! So, schönen Advent euch allen und ich muss jetzt los. Hopp hopp, Kerze auspusten! Du spinnst wohl, Kerzen an im Haus, wenn ich nicht da bin?! Das geht ja leider nicht mit dir!“.

offene Flammen (unter Aufsicht eines Erwachsenen)

offene Flammen (unter Aufsicht eines Erwachsenen)

So, weil der dritte Advent ist, singen wir jetzt alle zusammen noch ein Weihnachtslied! Und ich pfeife dazu. Auf dem letzten Loch 😉

Fortsetzung folgt…