Tür 16 – Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs

Herzlich Willkommen Nina alias Frau Mutter hier im Adventskalender. Mit „Frau Mutter“ verbindet mich etwas Besonderes. Wäre ich nicht lange Zeit hauptberuflich Leser und Blogkommentator gewesen und hätte Nina nicht irgendwann geschrieben, sie freue sich immer so über meine witzigen Kommentare, wer weiß, ob es das Nieselpriemschn gebe. Mittlerweile hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht und ich wollte hier wirklich mit einer Rezension starten, aber. Gibts schon. Besser als Christian vom Familienbetrieb kann und könnte ich niemals schreiben! Also lest diese Buchbesprechung und kauft das Buch! Auch allen kinderlosen Freunden und Verwandten, denn es steht endlich mal geschrieben, warum man unter gar keinen Umständen am Wochenende in der Mittagschlafzeit bei Elternleuten anrufen oder klingelnd vor der Tür stehen sollte. Niemals! Möglicherweise hängt das Fortbestehen der Menschheit am elterlichen Mittagschlaf. Also, ohne vorgreifen zu wollen…

Heute schreibt Nina für uns über „BUNTE“ Weihnachten, ein GALAnter Artikel über eine Begenung der ganz besonderen Art. Viel Spaß damit!

Nicht alle Weihnachten bleiben einem ja so gut im Gedächtnis. Das erste Mal als Paar, das erste Mal mit Baby, das erste Mal mit motzigem Teenager…. Klar, dass man sich daran gut erinnert. Eines meiner schönsten Weihnachten habe ich in Schweden verlebt. Weil es da so schön und stimmungsvoll ist? Wegen des leckeren Glöggs? Aber nein, es hat mit meiner geheimen Leidenschaft für bunte Blätter zu tun.

Als wir in Schweden lebten, war für uns die Stockholmer Deutsche Kirche ein Kontaktort für alle Expats. Die „Tyska Kyrka“ im Stadtteil Gamla Stan ist ein wirkliches Schmuckstück, auf das die Gemeinde dort zu Recht stolz ist.

Dort in der deutschen Kirchengemeinde gab es von einer Nähgruppe bis zum Elterncafé alles, was man sich als in Stockholm gestrandete Deutsche wünschen konnte. Damit es nicht nur beim Kaffeetrinken blieb, beschlossen meine Mutter und ich am Heiligabend, einmal den Gottesdienst zu besuchen. Also begaben wir uns auf einen schönen Spaziergang quer durchs winterliche Stockholm. während mein Mann mit dem Baby zu Hause blieb, die „julklappar“ unter dem Baum arrangierte und das Essen kochte.

Wir betraten die schön geschmückte Kirche viel zu früh, aber so konnten wir uns einen guten Platz ergattern. Was sich noch als ungemein wichtig herausstellen würde.

Nu saßen wir in der Kirche und warteten auf den Beginn des Gottesdienstes. Die Kirche war nun komplett bis auf zwei Plätze gefüllt und wir warteten immer noch. Was war das denn? Sind die Deutschen in Schweden unpünktlich? Plötzlich öffnete sich das Portal und alle erhoben sich. Meine Mutter und ich standen auch mal auf, zur Sicherheit.

Eine dunkelbraune Wolke von Nerz näherte sich mir, oben schaute ein sehr gut frisierter dunkelhaariger Haarschopf heraus.

Das ist doch nicht, das kann doch nicht… Königin Silvia war gekommen und bewegte sich mit ihrer Tochter, Kronprinzessin Viktoria, geradewegs auf uns zu. Ich bekam den Mund nicht mehr zu, meine Mutter auch nicht. Bisher kannte ich die Beiden nur aus „Bunte“ und „Gala“, wenn ich die mal beim Friseur las. Naja, okay, manchmal kaufe ich mir das auch…

Sie nickten in alle Richtungen begrüßten die Gemeinde. Huldvoll, aber ganz natürlich. Beide Royals nahmen ein paar Reihen vor uns Platz und nahmen dann am Gottesdienst teil. Einfach so. UNGLAUBLICH! Ich konnte mich derweil nicht mehr auf die Lieder und die Predigt konzentrieren, weil ich in Gedanken den Bewegungsablauf des Hofknickses durchging.

Wieder zu Hause angekommen, berichteten wir dem Mann begeistert von unserem Erlebnis. „Ach, die Kronprinzessin habe ich gestern im Supermarkt gesehen. Ich glaube sie hat einen Liter Milch gekauft“, winkte er nur gelangweilt ab.

Meine BUNTE Weihnachten waren aber trotzdem etwas Besonderes.

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Ihr könnt ein Exemplar von Ninas Buch „Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs“ gewinnen. Schreibt dazu bis 20.12. 2015 eine Mail mit Betreff „Frau Mutter“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hinweis: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

 

 

Tür 5 – ein Familienbetrieb auf der Wurstwiese

Heute schreibt Christian vom Blog Familienbetrieb über traditionelles Weihnachtsessen. Über den Autor und den Familienbetrieb braucht man eigentlich keine Worte mehr zu verlieren. Es wurde alles schon gesagt, geschrieben und keine noch so blumige Eloge wird ihm wirklich gerecht. Der Typ ist einfach nur der Knaller, oder? Ich wünsche mir und euch viel Spaß!

 

Essenstraditionen spielen an Weihnachten seit jeher eine große Rolle. Die einen mögen es gerne aufwändig und tischen Gans mit Knödeln und Rotkraut auf, andere bevorzugen es eher einfach und begnügen sich mit Kartoffelsalat und Würstchen, die am Weihnachtsbaum verzehrt werden. Als Nachtisch gibt es dann noch Eis oder Pudding und später wollen dann noch der Christstollen und die vier Wochen alten Weihnachtsplätzchen verdrückt werden.

Aber egal, was zum Wiegenfest des Jesuskindes serviert wird, es geschieht in Mengen, die nicht mehr als haushaltsüblich bezeichnet werden können. So kommt ein 4-Personen-Haushalt über die weihnachtlichen Feiertage gerne mal auf eine Kalorienzufuhr eines 9-köpfigen Tour de France-Teams – und zwar während der gesamten 21-tägigen Rundfahrt.

Möglicherweise ist es ein abendländischer Brauch, an Weihnachten durch Sodbrennen, Verstopfung und Magenschmerzen, das Leid und die Beschwerlichkeit nachzuempfinden, die Maria, Josef und das Jesuskind ertragen mussten, als sie im Stall zu Bethlehem vor sich hin darbten. Eventuell ist diese maßlose feiertägliche Völlerei aber auch durch die Innung der Änderungsschneider sowie die Lobby der Diät- und Fitnessindustrie gesteuert, die immer zu Jahresanfang Millionen- wenn nicht gar Milliardengeschäfte machen.

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Auch bei uns Zuhause gab es früher ein traditionelles Weihnachtsessen: Nudelauflauf mit Tomatensauce. Als ich ein kleiner Junge war, gehörte dieses Gericht zu Heiligabend wie der Weihnachtsbaum, das rote Kleid, das meine Mutter jedes Jahr trug, oder die Modelleisenbahn, die mein Vater in mühevoller Kleinarbeit aufbaute und sich dann darüber aufregte, dass mein Bruder und ich nach fünf Minuten, der monoton ständig im Kreis fahrenden Zügen überdrüssig wurden und uns lieber den Weihnachtsgeschenken zuwandten.

Für Außenstehende wirkte unser Weihnachtsmahl oft etwas befremdlich, denn mit Sahnesauce übergossene und mit Edamer überbackene Nudeln haben doch so gar nichts Feierliches und Festliches an sich. Neben den kulinarischen Vorlieben meines Bruders und mir gab es sehr pragmatische Gründe für diese Essenswahl. Zum einen lässt sich Nudelauflauf gut vorbereiten, was meine Mutter immer in den frühen Morgenstunden des 24. Dezembers tat, wenn der Rest der Familie noch schlief – möglicherweise ihre entspanntesten Stunden an Heiligabend. Zum anderen ist so ein Nudelauflauf auch recht einfach fertigzustellen. Für den Fall, dass der elterliche Streit beim Christbaumschmücken – auch so eine frühere Tradition bei uns – einmal vollkommen aus dem Ruder gelaufen wäre und nicht einmal mehr UNO-Blauhelm-Truppen deeskalierend hätten eingreifen können, um die unterschiedlichen Ansichten ob des gerade Stehens des Weihnachtsbaumes sowie der optimalen Anordnung von Kerzen, Kugeln und Schmuck in der Tanne in einen Konsens zu überführen, wäre mein Bruder als der ältere von uns beiden auch als Grundschulkind in der Lage gewesen, die präparierte Auflaufform bei 200 Grad in den Ofen zu schieben und nach 20 Minuten wieder herauszuholen. Aber so weit kam es nie (Anm. der Red.: Die konfliktäre Darstellung unserer Weihnachtsvorbereitungen dient lediglich der literarischen Zuspitzung. Tatsächlich verliefen die Heiligabende bei uns immer in einer absolut friedlichen und beispielhaft harmonischen Atmosphäre, dass Weihnachtsfeiern in Bullerbü dagegen als von brutalstmöglichen Ausschreitungen begleitete Zusammenkünfte gewaltbereiter Hooligans gelten können.).

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Aber für einige Jahre brachen wir mit unserer kulinarischen Weihnachtstradition. Denn es begab sich zu der Zeit, dass der Zweitgeborene der Familie (sprich ich) verlangte, dass er das Weihnachtsmahl zubereitet. In meinem letzten Jahr im Kindergarten hatte ich dort nämlich an einem Kochkurs teilgenommen. Ein Teil meiner Erziehung zu einem modernen Mann, der weder Kelle noch Schürze scheut, womit meine Eltern außerdem sicherstellen wollten, dass ich in späteren Jahren, wenn ich das traute Heim – und die warme Küche – verlassen habe, nicht elendig verhungere.

Nun wollte ich meine neu erworbenen Kompetenzen in der Speisenzubereitung einem realitätsnahen Praxistest unterziehen. Auf der Stirn meiner Mutter bildete sich Angstschweiß von niagarafallartigem Ausmaß und sie fragte sich, warum sie mich unter Schmerzen zur Welt gebracht hatte, damit ich ein paar Jahre später zum Weihnachtsfest die gesamte Familie durch meine nur rudimentär ausgebildeten Kochkünsten mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankhaus schicke. Auch der Blick meines Vaters zeugte von tiefer Skepsis, malte er sich doch in aller Unerfreulichkeit aus, wie er nach einem infernalischen Kochfiasko seines Zweitgeborenen über die Weihnachtsfeiertage die gesamte Küche renovieren muss. Mein Bruder war gegenüber meinem Ansinnen hingegen indifferent, so lange es keine zusätzliche Arbeit für ihn bedeutete.

Meine Eltern beruhigten sich erst ein wenig, als ich verkündete, welches Gericht ich gedachte zu kredenzen: Fliegenpilze auf Wurstwiese. Dabei geht es nicht um die Zubereitung des giftigen Amanita muscarias, sondern um die dekorative Anordnung gekochter Eier und halber Tomaten unter Zuhilfenahme von Mayonnaise.

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Die Herstellung dieser auf der Wurstwiese gebetteten Fliegenpilze ist so einfach, dass sie selbst ein motorisch minderbegabtes Kind im Grundschulalter vor nicht allzu große Probleme stellt. Zunächst werden ein paar Eier hartgekocht, abgeschreckt und gepellt. Für die bessere Standhaftigkeit werden die dicken Enden der Eier gekappt. Anschließend werden Tomaten halbiert und die Kerne und das Fruchtfleisch mit einem Löffel entfernt. Die so ausgehöhlten Tomaten werden auf die Eierspitzen gestülpt. Mittels einer Tube Mayonnaise werden danach die Fliegenpilz-Punkte auf die zu Pilzhüten umfunktionierten Tomatenhälften appliziert. Zum Abschluss werden Wurstscheiben auf einem Teller oder einer Platte verteilt und die Eier-Tomaten-Fliegenpilze darauf drapiert. Für das vollendete Natur-Feeling kann auch noch Petersilie auf der wurstigen Wiese verteilt werden.

Selbstverständlich kann die Wurstwiese auch durch eine Käsewiese ersetzt werden. Oder durch eine vegane Wurstwiese. Aber im Westerwald der frühen 80er Jahre, wo ich aufwuchs, war Vegetarismus noch nicht besonders stark verbreitet. Von Veganismus ganz zu schweigen. Um ehrlich zu sein, ist die Ernährung des gemeinen Westerwälders bis heute stark carnivorisch geprägt.

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Nach ein paar Jahren verlor ich dann die Lust an den wurstwiesigen Fliegenpilzen und beendete meine Kochkarriere, bevor ich größeren Schaden anrichten konnte. Seither gab es bei meinen Eltern an Heiligabend wieder Nudelauflauf. Ganz traditionell. Aber ohne mütterliches rotes Kleid. Und ohne väterliche Modelleisenbahn. Er schmeckte aber trotzdem immer wieder gut.

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Das spätere Oberhaupt eines erfolgreichen Familienbetriebes bei früher Kinderarbeit und vollem lockigen Haar

 

Fliegenpilze auf Wurstwiese – Zutaten

  • Vier hartgekochte Eier
  • Zwei Tomaten
  • Eine Tube Mayonnaise
  • Wurstaufschnitt (oder Käseaufschnitt)
  • Petersilie (oder anderes Grünzeug)

Tür 4 – Weihnachtsgedanken am Kinderbett

Katharina lebt in der Schweiz und schreibt auf Mama hat jetzt keine Zeit. Wir haben uns zusammen gefunden, als ich für sie unter einem Pseudonym einen Gastartikel geschrieben habe. Dem folgte oder ging voraus ein sehr interessanter Mailverkehr. Wir teilen viele Erfahrungen, Ansichten und sie war mir vom ersten Moment an grundsympathisch! Auch, weil sie prinzipiell keinen Cent auf allgemein gängige Meinungen gibt und einfach ihr „Ding“ macht. Kein Thema ist ihr zu heikel, nichts zu politisch. Sie will es, sie macht es. Ich mag sie dafür sehr! Jetzt aber ging es um Weihnachten. Also mit Weihnachten braucht man Katharina nicht zu kommen. Sie ist der Grinch unter den Elternbloggern. Für uns hat sie trotzdem eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und – typisch Katharina – ohne Streuseln, Glocken, Engelsgeläut. Dafür mit Tiefgang und Gänsehaut. Danke Katharina!

 

Es ist schon Monate her, dass mich die entzückende, herzensgute und wunderhübsche Rike von Nieselpriem (Anmerkung der Autorin: Katharina, darüber werden wir noch mal sprechen müssen!) gefragt hat, ob ich für sie eine Adventsgeschichte schreiben würde. Ausgerechnet ich!

Da damals noch viel Zeit blieb dachte ich, mir käme dann schon noch etwas in den Sinn und ich sagte zu. Jetzt habe ich den Schlamassel. Denn natürlich ist mir nichts Adventiges in den Sinn gekommen, was Weihnachtiges erst recht nicht. Ich mag ja Weihnachten überhaupt nicht. Aus Gründen.

Wobei, so richtig stimmt das auch wieder nicht. Es gab ein Jahr, da hätte ich mir ein richtiges Weihnachten gewünscht, und das war so:

Im Dezember 2009, genauer gesagt am 4. Dezember, kurz nach dem Mittagessen, blieb die Welt für den Bruchteil einer Sekunde stehen. Mein Sohn hörte auf zu atmen. Erst wenige Wochen alt, hatte er ein ALTE, einen lebensbedrohlichen Atemstillstand, auch Near SIDS genannt – und er überlebte.

Danach musste er zur Beobachtung und Diagnosestellung ins Kinderkrankenhaus. Die Details erspare ich Euch. Es war eine schlimme Zeit. Sein Vater und ich wussten lange nicht, was mit ihm los war und was man dagegen unternehmen konnte. Ich war dauernd müde, stundenlang am Milch pumpen oder Stillen, dazwischen döste ich mit dem Kleinen auf der Brust. In meiner Erinnerung weinte ich den ganzen Tag, wochenlang. Das Krankenhaus hetzte mir sogar einen Psychiater an den Hals, mit dem ich aber nicht sprechen wollte. Es war ja offensichtlich und bei den Umständen auch verständlich, dass ich unter einer postnatalen Depression litt.

Der Kleine war noch keine zwei Monate alt, aber er liebte die Lichter, das Glitzern der Dekorationen und die feinen Klänge der Spieluhr unseres kleinen Holzchristbäumchens, das wir im Krankenhaus für ihn aufgebaut hatten. Ich trauerte um Weihnachten und heulte hemmungslos. Ich sehnte mich nach dem Duft von Kerzen, angesengten Tannennadeln und mit Gewürznelken gespickten Orangen. All das wollte ich ihm zeigen, sogar nach den ungeliebten Weihnachtsliedern verzehrte ich mich und nach meiner Grossmutter, die zwei Jahre zuvor gestorben war und meinen Sohn nicht mehr kennen lernen durfte. Ihre Brezeln und ihr Beharren auf das Singen von Weihnachtsliedern durch die ganze Verwandtschaft. Alle hassten das Singen – und machten doch ihr zuliebe mit.

Plötzlich war Weihnachten gleich bedeutend mit einer Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war. Einer Welt, in der Babys keine Geburtsfehler hatten, die sie am Atmen hinderten, und nicht über Weihnachten im Krankenhaus bleiben mussten. Einer Welt, die mit ihren sanften Lichtern und warmen Kerzchen so anders war, als die sterile Krankenhauswelt mit ihren Neonröhren an der Decke.

Ein paar Wochen lang vergass ich, wie sich das echte Weihnachten für mich als Kind angefühlt hatte, so dass ich mich Jahr für Jahr krank ins Bett legte, um nicht mitmachen zu müssen, und ich wünschte mir so sehr, den Kurzen das Weihnachten erleben lassen zu können, über das alle immer sprachen.

Mein Sohn wurde an Silvester 2009 aus dem Krankenhaus entlassen und am 1. Januar 2010 feierten wir mit ihm Weihnachten nach. Mit Kerzen, Glitzersternen, Keksen und Weihnachtsmusik – ganz wie es sich gehört!

So war das in dem einen Jahr, in dem ich Weihnachten hätte feiern wollen und nicht konnte.

 

Tür 3 – beschnäpselte Brunsli

Heute gibts ein Schweizer Plätzchenrezept mit reichlich Alkohol (man kann vermutlich alles an dem Rezept weglassen, nur den Kirschli nicht) , arrangiert von unserer Schweizer „Mutti auf Eis“ Mama on the Rocks.  Wenn ich an meinen persönlichen Jahresrückblick 2015 denke, sehe ich definitiv diese kleine herzliche Frau vor mir und höre ihren unnachahmlichen Dialekt. Und hoffe beim Scheiden des verbrauchten Jahres, dass das Neue uns wieder zusammenführen wird. Und irgendwie werde ich sogar beim Lesen schon ganz lustig! Beschickert!  Das Gutzi, das Brunsli, Kirschli. Falls ich jemals in die Schweiz auswandern sollte, wird aus mir vermutlich ein „Rikli“. Ich glaube, ich finde die Schweiz dufte. Dufti also. Spitzli!

 

Als Rike mich zu diesem Gastbeitrag eingeladen hat, meinte sie: «Text, Anekdote, Bastelanleitung, Rezept, ein selbstgesungenes Lied: Alles ist erlaubt!» Tja, selber schuld, Rike! Ich habe nämlich sehr sehr sehr lange überlegt, was ich denn Originelles zum tollen Nieselpriem-Blog beitragen könnte. Ich, so ne olle Schweizerin. HELVETIA, äh HEUREKA!

Wir Schweizer werden ja wegen vielem belächelt. Wir seien langsam. Wir sprechen komisch. Wir leben zwischen Kühen und Schokolade. Die Alm ist nie weit. Fondue und Raclette. Schweizer Franken und Bankgeheimnis (gibt’s nicht mehr!). Abseits von diesen ganzen Klischees erzähle ich heute etwas ganz MamaOTR-Untypisches, denn ich blogge eigentlich nie übers Essen. Heute aber teile ich mit euch ein typisches Schweizer, ja sogar Basler Rezept für Weihnachtsgebäck, bei uns Wiehnachtsgutzi oder Wiehnechtsguetzli genannt: das (Basler) Brunsli.

Das Brunsli hat nichts mit Brunzen oder Brunftgeräuschen zu tun. Es ist auch wirklich kein Brunnen im Spiel. Zur Geschichte des Brunsli findet ihr hier die besten Informationen.

Und jetzt weg mit der Theorie, hier kommt das Rezept für die weltbesten Schokolade-Weihnachtskekse, made by Mama on the rocks. Warum es die weltbesten sind? Es hat Alkohol drin…

Brunsli in the making

Brunsli in the making

Brunsli (ergibt ca. 50 Stück)

Alles in einer Schüssel mischen:

150 g Zucker / 1 Prise Salz / 250 g gemahlene Mandeln / ¼ Teelöffel Zimt (kann man auch weglassen, wenn man es nicht mag) / Messerspitze Nelkenpulver (kann man auch weglassen, wenn man es nicht mag) / 2 Esslöffel Kakaopulver / 2 Esslöffel Mehl

Anschliessend beigeben und untermischen:

2 frische Eiweisse (ca. 70 g), leicht verklopft / 2 Teelöffel Kirschwasser (ich mache das Handgelenk mal Pi. Für Kinder kann man den Alkohol ganz weglassen. Aber ganz ehrlich: Die Brunsli mache ich eh nur für mich, und echte Brunsli haben nunmal Kirschwasser drin) / 100 g geschmolzene Edelbitter-Schokolade

Alles zu einem Teig zusammenfügen. Er wird ziemlich klebrig sein!

Anschliessend den Teig auf reichlich Zucker ca. 1 cm dick (bloss nicht zu dünn!!) auswallen, verschiedene Förmchen ausstechen. Noch ein Tipp am Rande: Ausstecher immer wieder in Zucker drücken, so lösen sich die Brunsli nachher besser von den Förmchen.

Gutzi auf ein mit Backpapier belegtes Blech auslegen. Und jetzt, ganz wichtig: Bei Raumtemperatur 5-6 Stunden oder über Nacht trocknen lassen. Nicht direkt backen! Erst nach dieser Pause für 4-6 Minuten in der Mitte des auf 250 Grad vorgeheizten Ofens backen.

Und so sieht das dann aus:

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Idealerweise ist das Brunsli übrigens innen etwas feucht, also lieber nicht zu lange backen. Je älter es wird, desto trockener ist es – aber immer noch himmlisch zu Kaffee oder Tee geniessbar!

 

Hello, ich bin´s wieder. Na, habt ihr Hunger? Versteh ich, geht mir genauso. Ich bin heute im übrigen ein Kalendertürchen bei Tafjora. Vielleicht habt ihr Lust, mal gucken zu gehen?

 

Tür 2 – Alu mit Zuckerguss

Heute schreibt ein Großer Kopf für uns. Anne-Luise und Konstantin (der Einfachheit halber von allen nur Alu und Konsti genannt und nein, ich habe mir das nicht ausgedacht) schreiben gemeinsam den Blog Große Köpfe und der Name ist Programm. Mal leichtfüßig, mal schwermütig, stets klug und feinsinnig haben sie nur ein Ziel: Dich mitten in die Brust zu treffen. Schaffen sie bei mir immer. Heute nun schreibt Alu hier für uns alle über ihre große Liebe zu Christstollen. Viel Spaß!

 

Es betrug sich vor drei Jahren, dass meine geliebte Frau Mama mich zu sich rief. „Kind, ich brauche deine Hilfe“, sagte sie am Telefon und wir wissen alle, wie Töchter aus gutem Hause auf diesen Ruf zu reagieren haben. Pünktlich zu Weihnachten wird nämlich in dem wunderbaren Museum in dem meine Mutter tätig ist immer eine tolle Adventsausstellung gezeigt. In diesem Jahr würden es die Weihnachtspyramiden mit extra tollen Pyramiden aus dem schönen sächsischen Erzgebirge sein. Bereits wohl wissend, dass Hilfe immer ein weitgefasster Begriff im Zusammenhang mit Ausstellungseröffnungen sein kann, begab ich mich auf den Weg nach einer zehn-Stunden-Schicht im Büro. Dort angekommen wurden mir sofort eine Schürze und ein recht großes Messer in die Hand gedrückt (Zum Glück bin ich im Besitz der roten Hygienekarte zum Umgang mit Lebensmitteln) und mir wurde ein Geschenk aus dem Erzgebirge präsentiert: Ein 10 kg Stollen, der an diesem Abend den Gästen als Leckerli präsentiert werden sollte. Ich begann zu schneiden. Der Zucker zog in meine Ärmel, meine Brüste, meine Socken. Ich war allein! Allein mit einem 10kg Stollen und nur einem Liter Wasser. Immer mehr Menschen stellten sich in die Schlange und ich reichte Stollenstück um Stollenstück herüber. „Haben sie den gebacken?“, „Wissen sie welche Zutaten da drin sind?“ „Können sie mir sagen woher der Stollen genau kommt?“, und weitere Fragen hörte ich ca. 45 Minuten lang, während ich versuchte, dem Stollen Herr zu werden. Ich hatte Schmerzen in Armen und Beinen und ich murmelte immer wieder den Satz: „Ich habe ihn nicht gebacken, er kommt aus dem Erzgebirge, es sind Rosinen darin“ vor mich her. Der Zucker hatte in meinen Haaren ein Nest gebildet, vielleicht mein Gehirn verklebt und meine Brillengläser von innen zerfressen. Ich hatte mir ein Zuckerpeeling immer schön vorgestellt, das hier war aber eher recht klebrig und süß! Irgendwann sah ich ein Licht. Ich hatte es geschafft, den riesigen Stollen zu besiegen. Stolz zog ich meine Küchenhandschuhe aus und ging mich entzuckern. Zurück im Raum traf ich meine wunderschöne, stolze Mama. Sie zog mich erneut zum Tisch. Dort lag bereits aufgebahrt ein weiterer 10 kg Stollen, gespendet vom Förderverein des Museums. Das ganze Spiel begann von vorn und ich erlebte die zweite Runde des verzuckert-seins. An diesem Abend fuhren mich meine Eltern heim zu meiner Familie, der Zucker rieselte in die Autositze meines Vaters. Mit 30 Jahren hatte man es geschafft: Ich war des Zuckers überdrüssig geworden, ich war geheilt! Seit 2012 esse ich übrigens recht wenig Stollen und wenn, dann lasse ich mir das Stück immer von jemand anderem abschneiden, da ich sonst in salzige Tränen ausbrechen muss. In Echt!

 

Tür 1- Das Chaos kommt!

Das Chaos kommt! Heute in Form der lieben Kerstin vom Blog Chaos hoch zwei, die stets und immer aussieht wie aus dem Ei gepellt, frisch, erholt und rosig, während sie mit drei Kleinkindern einhändisch jongliert. Zudem ist sie nicht nur wunderschön, sondern auch noch schreibtechnisch talentiert, witzig, klug und nett! (Das ist nicht gerecht, aber wahr. Ja, ich finde auch, wenigstens einen Silberblick hätte Mutter Natur obendrauf legen können…)

 

Die liebe Henrike* war so charmant, mir während meines Mutterschutzes mit einem Text fürs chaotische Blog auszuhelfen. Im Gegenzug habe ich nun die Ehre, euch etwas adventliches zu bieten. Nur was?

Als übermüdete Mama dreier Miniatur-Kinder bin ich aktuell nicht kreativ genug für DIY-Anleitungen, als dekorativ gilt daheim was frei von Babykotze ist, Adventskalender und Plätzchen gibt es bei uns dieses Jahr liebevoll selbst gekauft. Aus meinen durch Schlafmangel degenerierten Gehirnwindungen hat das Baby jeglichen Rest Eloquenz herausgesaugt und so bleibt nicht einmal eine lustige kleine Geschichte übrig für euch.

Da dachte ich, ich mache etwas idiotensicheres. Etwas ganz schnelles. Gebrannte Mandeln!

Ok, das ging schief. Daher ein neuer Versuch:

Gebrannte Mandeln. Das Rezept.

Gebrannte Mandeln sind eine feine Sache, denn sie gegen total schnell und sind ein richtig nettes Mitbringsel in der Vorweihnachtszeit.

Gebrannte Mandeln 1

Theoretisch hat man die Zutaten alle immer zu Hause. Ihr braucht nur Mandeln, Zucker und Zimt. Außerdem ein Rezept, eine alte Pfanne (tut das bitte wirklich keiner guten/neuen an), einen alten Holzlöffel und dekoratives Obst zum Fotografieren für Instagram.

Zutaten:

  • 200g Mandeln
  • 100g Zucker
  • 50ml Wasser
  • 1 Msp. Zimt
  • 30 Minuten „kinderfrei“

Gebrannte Mandeln 2

Zubereitung:

Es ist absolut! unerlässlich, dass euch während der Zubereitung niemand stört. Wirklich. Niemand. (s.o.)

Denn wenn man gebrannte Mandeln macht, passiert lange Zeit nichts. Gar nichts. Man kann prima einen ganzen Pott Kaffee genießen währenddessen. Aber dann…

Also: Mandeln, Zucker und Wasser mit dem Zimt in die Pfanne und aufkochen. Temperatur etwas runterdrehen und bei gelegentlichem Rühren warten, Kaffee trinken und Stille genießen.

Dann urplötzlich nach einer mehr als guten Viertelstunde zieht die Masse an. Das Wasser ist verdampft, der Zucker wird wieder sichtbar und ihr müsst nun rühren, rühren, rühren! Der Zucker karamellisiert langsam und die Mandeln werden gebrannt. Das geht recht fix und ihr müsst auf keinen Fall ewig rühren, aber wenn ihr den richtigen Zeitpunkt verpasst habt, ist halt alles schwarz.

Gebrannte Mandeln 3

Die Mandeln kommen auf ein Backblech mit Backpapier zum Auskühlen. Die Masse ist anfangs extrem heiß, also noch ein guter Grund für die kinderfreie Zone. 😉

Gebrannte Mandeln 4

In die Pfanne gebt ihr einfach heißes Wasser und nutzt die Restwärme. Dann löst sich auch der Zucker auf und ihr müsst nicht ewig schrubben.

Die Mandeln, die ihr noch nicht vom Backblech weg genascht habt, verpackt ihr jetzt nett in einem Glas oder so einen durchsichtigen Tütchen. Fertig!

Gebrannte Mandeln 5

*Unter BloggerINNEN ist es üblich, alle anderen BloggerINNEN als „lieb“ zu betiteln. Es ist eine dieser ungeschriebenen Regeln, die man zwingend einzuhalten hat, wenn man überhaupt weiter dazugehören will. In diesem Fall würde ich „lieb“ gerne durch „entzückend“, „herzensgut“ und „wunderhübsch“ ersetzen, aber ich halte mich an die Regeln.

Ab morgen, Kinder, wird´s was geben!

IMG_0009Die Pakete stapeln sich im Flur, das Weihnachtsradio dudelt, Kalender werden hektisch miteinander abgeglichen. Weihnachtsmarktbesuche, Plätzchen- und Glühweinorgien verabredet. Die Nähmaschine rödelt und die selbstgestrickten Socken stricken sich auch nicht selber, sondern liegen angefangen und mahnend auf der Couchkante. Plätzchen müssen gebacken werden, die Küchenschränke bersten vor gemahlener Mandeln, Marzipanrohmasse, Butterschmalztöpfchen und Vollmilchkuvertüreblöcken. Während im Flur die Kiefer in der Bodenvase den Kopf schwer hängen lässt aufgrund der Holzengel und Bastelergüsse befreundeter Kinder aus vergangenen Jahren wird mir klar: Es geht wieder los!

Morgen gehts los. Vier Wochen das volle Weihnachtsprogramm mit allem, was dazu gehört. Und auch hier, für euch, ist Weihnachten angesagt. Mir egal, ob euch das gefällt, es ist Advent. Da müssen wir jetzt durch!

Bloggeradventskalender sind eine hübsche Tradition und ich habe mich ins Zeug gelegt, um sowas zusammenzufrickeln. Ich habe die Bloggerkollegen angeschrieben, bei denen ich schon gastgebloggt habe und um einen Adventsbeitrag gebeten als Revanche. Jetzt laufe ich händeringend noch die Freundesblogger ab auf der Suche nach Wort und Schrift und Bild und so. Manchen mögen mich jetzt weniger. Alles nur für euch!

Was erwartet euch also die nächsten Wochen? Chaos, ein Familienbetrieb in mitten einer Wurstwiese, Schweizer Schweinereien, ein Stollendesaster in XXL, eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs, Fitness (gut für hinterher, man sollte sich schon in Phasen der Völlerei auch Gedanken über das Danach machen), Französisch für Pieschner in zwei Ausführungen, Handgemachtes, Kopfgedachtes, Herzklopfen. Ein Adventskalender für große Kinder und Leute, die wie ich der Wortliebe frönen. Es gibt leider keine Reisegutscheine zu gewinnen und keine Kosmetikkoffer. Auch keine Plastetanne oder Plastespielzeug. Aber es gibt auch nicht Nichts. Lasst euch überraschen.

Ich weiß noch nicht, ob ich vierundzwanzig Türchen voll bekomme, gebe aber auf jeden Fall mein Bestes für die nächsten Wochen, um euch zu erfreuen ❤ . Warum? Weil ihr die Größten seid, ganz einfach. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr habt mich das ganze Jahr erfreut mit jedem Blick auf den Statistikbalken, hinter jeder dubiosen Zahl (soundsoviel Zugriffe an diesem und jenem Tag), dahinter standet ihr. Jedes Icon hinter dem Like-Button eines jeden Beitrags, jeder Kommentar, jede eMail von euch hat mir soviel Freude bereitet! Und deshalb ist es Zeit, Danke zu sagen. Euch, meinen Lieben! Ich bin schon ganz adventsschmalzig. Wir sind hier nicht die Größten und die Schönsten vielleicht auch nicht. Noch nicht mal die Lustigsten. Aber wir haben´s nett hier und viel Spaß miteinander. Ich bin gerne hier mit euch.

Aber jetzt erst mal genug geduselt: Frohe Weihnachten uns allen. Und hoch die Glühweintassen!