Ein Lätzchen für große Kleckerfritzen

Ich weiß nicht genau, ob der Blondino für seine drei Jahre sehr groß ist oder sehr ungeschickt beim Essen, jedenfalls gehen ihm die handelsüblichen Lätzchen (Und er braucht dringend eines zum Essen, oh ja!) bis knapp unterhalb der Brust und sind damit deutlich zu kurz für unseren Bedarf. Gefühlt landet die Hälfte des Essens im Schoß.

Ich habe aus einem ausrangierten Badehandtuch Kleckerlatze genäht und da die nicht nur superschnell zusammengefummelt waren, sondern auch den Praxistest mit Bravour bestanden haben, möchte ich diese Idee gern mit euch teilen.

Ich habe ein Badetuch mittig gefaltet und ein handelsübliches Schlupflätzchen als Schnittmustervorlage verwendet. Als erstes habe ich um das Lätzchen herumgeschnitten und habe die gesamte Länge des halbierten Badetuches ausgenutzt.

Aus meinem Handtuch entstanden so vier Lätzchen-Rohlinge.img_4625 Als nächstes habe ich oben mittig etwa fünf Zentimeter eingeschnitten und unterhalb ein Loch für den Kopf ausgeschnitten. Ich habe dafür aus schierer Faulheit eine Müslischale als Maß verwendet, sie hatte den ungefähren Umfang des Kopfausschnittes vom Modell-Lätzchen, das ja zumindest am Kopf gut passte.img_4636

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img_4626Danach habe ich einen Streifen Bündchenstoff unter leichtem Zug in die ausgeschnittene Öffnung genäht. img_4638 … und im Anschluss daran das „Schlupfloch“ geschlossen. Wenn ihr einen gleichmäßig breiten Streifen Bündchenstoff nehmt, wird eures auch nicht so schief wie meins. 😉img_4639-1 Als nächstes habe ich ein Zierband quer drüber genäht. Schief, versteht sich, ich konnte die Stecknadeln nicht finden! Eine hübsche Applikation wäre bestimmt auch ganz niedlich oder man könnte diese Aufbügelmotive endlich mal verarbeiten, die eh nur rumliegen in der Nähkiste…img_4640 Als letzten Schritt habe ich das ganze außen rundherum mit Schrägband eingefasst. Fertig!img_4641

img_4642Und so sieht das Handtuchlätzchen dann im Einsatz aus. img_4646

Es ist auch groß genug, dass es dem Bärtigen passen würde. Leider war der nicht bereit, sich damit ablichten zu lassen. Spielverderber!

 

 

Lackliebe

Es ist Zeit für eine Enthüllung: Ich stehe total auf Lack! 😉

Das erste Möbel, das ich gestrichen habe, war ein Kinderzimmerschrank des Bärtigen. Presspappe und urst hässlich, aber ein absolutes Raumwunder! Ihr wisst schon, Schränke heutzutage haben immer rechts eine Stange für Bügel und links maximal zwei Einlegeböden. Wie soll man da all seinen Prassel unterkriegen?

Nicht dieser Schrank. Zack, zack, zack, fünf Einlegeböden auf jeder Seite, eine anständige Tiefe, den musste ich einfach behalten! Wegen der inneren Werte, ihr versteht. Und so wurde der Elfenbeinfarben gestrichen und bekam antik angehauchte Knäufe. Und alle ab sofort: „Wow! Was für ein schöner Schrank!“.

Danach war ich angefixt. Und ab sofort wurde nie wieder ein Möbel weggeschmissen!

Nun, da bald eine neue Behausung ansteht und eingerichtet werden will, bin ich im Lackfieber.

Ein alter Campingtisch aus den Siebzigern wird der neue Bastel- und Maltisch für den Blondino.img_3767

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Mit der selben Farbe habe ich ein olles Küchenregal traktiert, das später über den Tisch gehängt wird und Bücher und Stiftebecher des Kleinen geherbergen soll.

Nach zwei Anstrichen noch etwas fleckig, da muss noch eine Schicht drauf!

Nach zwei Anstrichen noch etwas fleckig, da muss noch eine Schicht drauf!

Ein Sideboard aus dem Garten bekommt einen lichtgrauen Anstrich und weiße Emailleknäufe und wird zukünftig meine Vasen und Dekodingsbumse aufbewahren.img_3763

img_3764Für alle, die denken, das könnte auch was für sie sein, habe ich ein paar „best practises“ aus meiner Laienpraxis.

Lackieren ist babyleicht, auch wenn ein gelernter Maler vermutlich bei diesem Ausspruch anfängt zu weinen. Prinzipiell braucht ihr nur einen Lack eurer Wahl (ich finde Mattlacke für Möbel am schönsten und Glanzlacke für Objekte, aber das ist Geschmackssache), eine Farbwanne, Lackrolle und einen Pinsel. Auch da guckt ihr einfach, womit ihr am besten klarkommt. Ich nehme immer runde Pinsel mit dickem Kopf.

Prinzipiell kann man fast alles streichen! Wirklich nahezu jeden Untergrund. Im Baumarkt freuen die sich auch sehr, wenn man das Beratungsangebot annimmt.

Generell versuche ich so viel wie möglich mit dem Lackroller abzudecken – das geht schnell und garantiert eine gleichmäßige Oberfläche.

Lieber weniger Farbe und mehr Schichten, das ist auch so ein Erfahrungswert. Der Schrank oben auf dem Bild hat mich fünf Anstriche und tausend Flüche gekostet, ist am Ende aber satt grau und wunderschön geworden! Ich habe ihm weiße Emailleknäufe verpasst und leider vergessen zu fotografieren. Das reiche ich nach.

Abklebeband ist auch wichtig. Das gelbe Malerkrepp zum Abreißen finde ich praktisch. Geduldige, gewissenhafte Menschen würden vermutlich auch die Schieber aus den Schränken ausbauen vorm Lackieren. Ich bin da eher der quick ´n dirty Typ.

Terpentin benutze ich nicht. Mir wird von dem Gestank blümerant. Ich schütte immer nur so viel Farbe in die Farbwanne, wie ich meine, gerade eben zu brauchen und wickle Pinsel und Farbroller zwischen den Lackschichten in handelsübliche Haushaltsfolie. Damit trocknen diese auch nicht aus, wenn ihr mal ein paar Tage keine Zeit habt, weiterzuarbeiten. Nur Monate, also Monate sollten die nicht eingewickelt bleiben, das schimmelt irgendwann! Das weiß ich, weil ich das selbstlos getestet habe…img_3765

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Arbeitsklamotten sind auch wichtig. Die werden bei mir nie dreckig, aber wehe, ich denk mir: „Ach komm, kleckert schon nicht! Ich lass mal den Wollpulli und die Uggs an!“… Ihr versteht.

Weil ich gerade so im „Flow“ bin, habe ich noch diversen Kleinteilen ein farbenfrohes Revival beschert.

Aus dem Blumenhocker einer Omi wurde mit einem Farbrest und einem gehäkelten Bezug aus Wollresten ein bunter Hocker fürs Kinderzimmer. Den Bezug habe ich mit doppelseitigen Teppichklebeband justiert. Hält wie Atze.img_4101

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Für die Figurinen wurde ich zum Sprayer. Schütteln, klackern, sprühen, Luft anhalten…

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Die Deckel meiner Gurkenglassammlung wurden gepimpt…img_4097 … und ein hässliches Bild, das sich partout nicht von seinem Rahmen trennen lassen wollte, komplett lackiert. Innen kam Tafellack drauf, da kann ich dann einen philosophischen Sinnspruch draufschreiben. Oder ich benutze das als Notizbord, zum Beispiel, um mir neue Schimpfwörter zu notieren, wenn sie mir einfallen. Senkhodenpendler, Schnitzelpriester…img_4102

Im Garten steht noch ein Werkzeugregal, dem ich einen Schieber abgeluchst habe. Der wurde lasiert und wird meine neue Schreibtischablage. Oder ein Setzkasten für Nagellack!

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Aktuell trocknet gerade die alte Spieltruhe des Großkindes im Keller, die später im Flur Mützen, Handschuhe und dergleichen mehr aufbewahren soll.img_4117

Daneben steht eine wunderschöne Etagere, die ich bei Lilli auf Instagram im Sale ergattert habe. Die wird noch weiß lackiert. Vielleicht wird sie zukünftig im Flur stehen und die Familienmitgliedern parken ihre Schlüssel darauf.

Außerdem will ich noch unsere Schuhschränke streichen (die werden als Arbeitszimmer-Nähzeug-Aufbewahrungsmöbel wiedergeboren) und dann hat mich auch noch eine Auftragsarbeit ereilt.

Ja-ha, genau!

Die Leute von Ehring-Möbel haben mir nämlich Weihnachtsanhänger geschickt. Und Kunstschnee! Und Schokokugeln. Und einen liebevollen, persönlichen Brief mit der Aufforderung, eine Mal- und Bastelchallenge anzunehmen. Im Moment habe ich noch gar keine Idee, aber ihr könnt auf Instagram verfolgen, ob da was Vorzeigbares bei rausgekommen ist am Ende.

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Diese Weihnachtsanhänger und viele andere hölzerne Dekoideen, die man auch gut zusammen mit Kindern gestalten kann, gibt es bei Ehring im Onlineshop zu kaufen und für jeden verkauften Weihnachtsartikel wird ein Euro an die Tafel gespendet. Eine gute Sache, wie ich finde.

Tür 1- Das Chaos kommt!

Das Chaos kommt! Heute in Form der lieben Kerstin vom Blog Chaos hoch zwei, die stets und immer aussieht wie aus dem Ei gepellt, frisch, erholt und rosig, während sie mit drei Kleinkindern einhändisch jongliert. Zudem ist sie nicht nur wunderschön, sondern auch noch schreibtechnisch talentiert, witzig, klug und nett! (Das ist nicht gerecht, aber wahr. Ja, ich finde auch, wenigstens einen Silberblick hätte Mutter Natur obendrauf legen können…)

 

Die liebe Henrike* war so charmant, mir während meines Mutterschutzes mit einem Text fürs chaotische Blog auszuhelfen. Im Gegenzug habe ich nun die Ehre, euch etwas adventliches zu bieten. Nur was?

Als übermüdete Mama dreier Miniatur-Kinder bin ich aktuell nicht kreativ genug für DIY-Anleitungen, als dekorativ gilt daheim was frei von Babykotze ist, Adventskalender und Plätzchen gibt es bei uns dieses Jahr liebevoll selbst gekauft. Aus meinen durch Schlafmangel degenerierten Gehirnwindungen hat das Baby jeglichen Rest Eloquenz herausgesaugt und so bleibt nicht einmal eine lustige kleine Geschichte übrig für euch.

Da dachte ich, ich mache etwas idiotensicheres. Etwas ganz schnelles. Gebrannte Mandeln!

Das Rezept für verbrannte Mandeln demnächst nicht auf meinem Blog. #lebenmitkindern #bisschenzuabgelenkt #mamablog

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Ok, das ging schief. Daher ein neuer Versuch:

Gebrannte Mandeln. Das Rezept.

Gebrannte Mandeln sind eine feine Sache, denn sie gegen total schnell und sind ein richtig nettes Mitbringsel in der Vorweihnachtszeit.

Gebrannte Mandeln 1

Theoretisch hat man die Zutaten alle immer zu Hause. Ihr braucht nur Mandeln, Zucker und Zimt. Außerdem ein Rezept, eine alte Pfanne (tut das bitte wirklich keiner guten/neuen an), einen alten Holzlöffel und dekoratives Obst zum Fotografieren für Instagram.

Zutaten:

  • 200g Mandeln
  • 100g Zucker
  • 50ml Wasser
  • 1 Msp. Zimt
  • 30 Minuten „kinderfrei“

Gebrannte Mandeln 2

Zubereitung:

Es ist absolut! unerlässlich, dass euch während der Zubereitung niemand stört. Wirklich. Niemand. (s.o.)

Denn wenn man gebrannte Mandeln macht, passiert lange Zeit nichts. Gar nichts. Man kann prima einen ganzen Pott Kaffee genießen währenddessen. Aber dann…

Also: Mandeln, Zucker und Wasser mit dem Zimt in die Pfanne und aufkochen. Temperatur etwas runterdrehen und bei gelegentlichem Rühren warten, Kaffee trinken und Stille genießen.

Dann urplötzlich nach einer mehr als guten Viertelstunde zieht die Masse an. Das Wasser ist verdampft, der Zucker wird wieder sichtbar und ihr müsst nun rühren, rühren, rühren! Der Zucker karamellisiert langsam und die Mandeln werden gebrannt. Das geht recht fix und ihr müsst auf keinen Fall ewig rühren, aber wenn ihr den richtigen Zeitpunkt verpasst habt, ist halt alles schwarz.

Gebrannte Mandeln 3

Die Mandeln kommen auf ein Backblech mit Backpapier zum Auskühlen. Die Masse ist anfangs extrem heiß, also noch ein guter Grund für die kinderfreie Zone. 😉

Gebrannte Mandeln 4

In die Pfanne gebt ihr einfach heißes Wasser und nutzt die Restwärme. Dann löst sich auch der Zucker auf und ihr müsst nicht ewig schrubben.

Die Mandeln, die ihr noch nicht vom Backblech weg genascht habt, verpackt ihr jetzt nett in einem Glas oder so einen durchsichtigen Tütchen. Fertig!

Gebrannte Mandeln 5

*Unter BloggerINNEN ist es üblich, alle anderen BloggerINNEN als „lieb“ zu betiteln. Es ist eine dieser ungeschriebenen Regeln, die man zwingend einzuhalten hat, wenn man überhaupt weiter dazugehören will. In diesem Fall würde ich „lieb“ gerne durch „entzückend“, „herzensgut“ und „wunderhübsch“ ersetzen, aber ich halte mich an die Regeln.

Eine Küche muss her!

Der Blondino will immer mitkochen, was ich generell begrüßen würde, wäre er zehn Jahre älter! Bis dahin bin ich damit beschäftigt, seine knubbeligen, spuckefeuchten, niedlichen, kurzen, weichen, zum Dauerknutschen anregenden Fingerchen von der Herdplatte und den Knöpfen und dem Backofen fernzuhalten. Da kommt man kaum zum eigentlichen Kochen! Außer, man besitzt acht Arme.

Hilfreich hat sich erwiesen, dem Babynator Plasteschüsseln, Löffel und ähnliches auf den Boden zu legen oder ihm zu gestatten, damit in einem der Geschirrschieber „zu kochen“.

Vorab: Falls es irgendjemand für vollkommen übertrieben findet, einem (fast) Anderthalbjährigen eine Spielküche hinzustellen, dem sei gesagt: Erstens kann man nie früh genug anfangen, die Kinder an den Haushalt heranzuführen. Zweitens habe ich nicht acht Arme.

Lange Rede, kurze Rike. Es muss was her! Jetzt könnte ich bei Blau-Gelb eine Pressspanküche kaufen (O-Ton Kind Nummer eins: „Pressspan ist ist sowas wie das Formfleisch unter den Holzmöbeln, richtig?“), dann wäre ich heute schon durch mit dem Thema. Allerdings will ich auch ein bisschen Spaß!

Deshalb schmachte ich mich seit Tagen durch die Spielküchensammlung von Hyggelig. Sowas hier will ich! Also, ich meine natürlich, das Krabbelkind will sowas.

Eine bebilderte Anleitung gibts auch dazu, und zwar hier.

Natürlich braucht der Nachwuchssternekoch in Windeln noch Zutaten. Dank Valentina von Raumdinge will ich das jetzt nicht mehr irgendwo in der Plastikversion kaufen, sondern basteln!

(Fürs Verständnis: In der vergangenen Adventszeit habe ich erfolgreich bewiesen, dass es durchaus Leute gibt, die nicht in der Lage sind, einen Papierstern mit simplem Muster auszuschneiden. Im schlechtesten aller Fälle leiden dieselben Menschen außerdem an überproportionaler Selbstüberschätzung ihrer Kompetenzen in Basteldingen und Handwerksprojekten.)

Sowas hier zum Beispiel:

Quelle: www.raumdinge.de

filz_sushi_k_02 Käseschachteln_k tortenbaeckerei01Quelle: http://www.raumdinge.de

Nun wisst ihr bescheid über meine nächsten Projekte und ich werde das Ergebnis mit euch teilen. Ich denke, wir alle werden viel zu lachen haben! Also, ihr. Beim Bildervergleich zumindest.

Basteltherapie für Regensonntage

Basteltherapie für Regensonntage

Es regnet Bindfäden. Und wird einfach nicht hell! Dieser Sonntag verdient seinen Namen nicht.

Mir ist heute eine alte Zeitung aus den frühen Achtzigern in die Hände  gefallen. „Guter Rat“, die Haushaltstipps- und Bastelzeitung der DDR. Ich bin keine Bastelmutti, aber quick ´n dirty bekomme selbst ich hin!

Ein Puppenhaus aus einem Schuhkarton zu basteln, ist eine Supersache an so einem Regentag. Selbst die Kleinsten können Stofffitzelchen mit Klebestift als Gardinen an die Fenster pappen. Und das Haus bemalen. Dann haben die Kastanienfiguren, die bei euch vielleicht schon auf der Fensterbank liegen, ein schönes neues Zuhause. Es könnte auch eine Fillypferd-Ranch werden oder eine Autowerkstatt. Ein Raumschiff…

Dann noch einen warmen Tee oder eine heiße Schokolade und ein paar Butterplätzchen. Ach, der Regentag ist ruckzuck rum! Und morgen scheint wieder die Sonne.

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“Ich lache auch wenn´s regnet. Denn wenn ich nicht lache, regnet es ja trotzdem!” Heinz Ehrhardt

Sanddorngelee

Sanddorngelee

Was für eine Freude!Foto 1

Ich habe Sanddornsträucher entdeckt. Mitten in der Großstadt. Versteckt an einem geheimen Ort, dessen geografische Lage ich unter Folter niemals verraten würde. Mein Sanddorn! Bin ich doch eher versehentlich im bergigen Hügelland verortet und fühle mich dem Meer und allem, was dazugehört so unendlich näher. Heißen Sanddornsaft mit Honig an einem verschneiten, arschkalten Tag neben der Seebrücke in Kühlungsborn in einem knutschigen Café trinken… Ja, so kann Winter sein.

Mit derlei romantischen Gefühlen beladen mache ich mich mit der Mutti-Handtasche, kratzresistenter Outdoorbekleidung, Bergziegenverfolgungsstiefeln, einer Rosenschere und Gartenhandschuhen auf ins Gestrüpp. Ach, ich sehe mich schon auf dem Pieschner Adventsmarkt mit Liebe handgerührtes Sanddorngelee von dem Hellerberg einem geheimen Ort in Dresden verkaufen…

…Immer schön abducken, wenn ein Mensch mit Hund vorbeikommt. Nicht, dass der mich sieht, sich fragt, was die Frau da wohl treibt, nachsieht und mir dann den schönen Sanddorn wegmopst! Mein Sanddorn! Ich frage mich, wieso den noch niemand gefunden hat und warum die Leute so achtlos an den Geschenken der Natur vorübergehen. Diese Ignoranten! Schauen auf ihr Smartphone und schlurfen an Hagebutten, wilder Möhre, Hundsrose und allen anderen Herbstschönheiten einfach so vorbei… Ich knipse weiter an den Küstengewächsen herum, die einen so vertrauten Duft verströmen. Mein Herz wird weit. Es fehlen nur noch die Möwen und das Rauschen der Brandung.

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rechts: Abfall nach erstem Verarbeitungsschritt

Nach einer Stunde wuchte ich einen Ikea-Beutel voller beerenbeladener Äste auf die Plagenkarre und schiebe die heimwärts. Als Sanddorn-Neuling habe ich selbstverständlich das Internet im Vorfeld befragt nach der optimalsten aller Weiterverarbeitungsmethoden. Ich kenne mich jetzt aus! Zuerst die Äste beschneiden, bis nur noch möglichst wenige Blätter dran sind. Das dauert… ich sitze eine weitere Stunde und schnibbele und knipse an den stachligen Dingern rum. Frage mich zwischendurch, ob nicht die Hälfte gereicht hätte… Am Ende hat sich der Umfang gedrittelt: zwei Drittel Abfall, ein Drittel Äste mit Beeren. Die packe ich mitsamt einer ökologisch unvertretbaren Plastiktüte in den Frost.

Zwei Tage später wird das gefrostete Gelumpe zum Zwecke der Weiterverarbeitung wieder rausgeholt. Das Internet sagt: „Die Zweige einzeln in einen Stoffbeutel tun und diesen gegen eine Wand oder einen harten Untergrund schlagen. Dabei fallen die gefrorenen Beeren von den Ästen und lassen sich dann leicht aus dem Beutel sammeln.“. Mach ich. Matscht und hinterlässt Flecke auf dem Boden, dem Beutel, mir. Die Beeren hängen noch dran.

Ich atme tief durch. Es liegt an mir. Ganz klar. Aber ich hocke inmitten dem Gelumpe und habe keine Wahl. Wegschmeißen kommt nicht infrage. Ich setze mich. Setzen ist immer gut. Dann beginne ich händisch die Beeren von den Ästen zu polken. Autsch! Handschuhe kann ich jetzt nicht mehr tragen, damit zermatsche ich alles noch mehr. Also vorsichtig. Aua! Blödes Arschloch! Ich fummle und fummle Beere für Beere ab. Langsam bekomme ich eine Idee davon, warum Sandornprodukte so hochpreisig verkauft werden. Es ist ein Schund. Der Weg ist das Ziel… ich versuche mich zu konzentrieren und die Situation als etwas Angenehmes und Verheißungsvolles anzusehen. Autsch! Arschloch! Meine Hände spüre ich nicht mehr. Nach einer weiteren Stunde ist der Boden eines Topfes mit Beeren bedeckt, neben mir türmt sich ein übervoller Eimer mit struppigem Abfall. Wenn das so weitergeht, sitze ich im Mondenschein noch fluchend zwischen Sanddornarschlochscheißästen… Weitermachen! Aufgeben ist keine Option!

Nach einer weiteren Stunde bin ich fertig, besaftet von oben bis unter, zerstochen und hocke völlig erledigt zwischen einem Riesenberg von beinahe beerenlosen Dornenästen und einem mittelgroßen Topf, halbvoll gefüllt mit Sandornbeeren. Ermattet schleppe ich mich zur nächsten Station auf dem Weg zum selbstgerührten Sandorngelee (an der Länge des Textes ist jetzt schon zu erkennen: Es dauert!). Abspülen, Blätter rauspulen, abspülen, vertrocknete Beeren aussortieren, abspülen, wieder von vorn. Der Inhalt des Topfes schrumpft immer mehr.

Ich bin mittlerweile für keinerlei Ansprache von außen mehr empfänglich. Mit müdem Blick und zerstochenen Händen koche ich die Sandornscheiße, und rühre. Zerquetsche. Für agressionsabbauende Kraftakte fehlt mir jede Energie. Dann schmeiße ich das elendige Gelumpe in die „flotte Lotte“. Es scheppert und das vorsintflutliche Küchengerät zerfällt in seine Einzelteile. Saft spritzt und saut die Teile der Küche ein, die bis dato noch sauber waren. Bei mir macht das schon lange nichts mehr, ich habe von Kopf bis Fuß eine gleichmäßige Orangefärbung.

Der Beste baut das Küchengerätearschloch wieder zusammen, begleitet von allerlei Witzen auf meine Kosten. Ich erwidere müde, ich würde ihm die „flotte Lotte“ über die Rübe ziehen. Im Schlaf. Falls ich jemals wieder die Energie für solche Aktionen würde aufbringen können.

Abmessen. Hysterisch auflachen beim Feststellen, dass aus einem vollen Ikea-Sack eine lächerliche Saftausbeute von 1,5Litern rauskommt!

Egal.

Mir ist alles egal.

Gelierzucker reinschmeißen, rühren, in Gläser abfüllen. Natürlich ist ein Glas undicht. Gelee quillt raus. Scheißegal! Arschloch! Blödes Tourrettegemüse!

Beim Putzen der Küche (eine weitere halbe Stunde) schwöre ich, niemals wieder in meinem ganzen Leben, never ever werde ich Sandornscheißarschlochgelee kochen! Das zusammenfabrizierte, verklebte Produkt verhöhnt mich derweil von der Arbeitsplatte aus.Foto 4

Also. Was habe ich gelernt? Sandornprodukte kauft man an der Ostsee, im Bioladen, auf dem Markt oder gar nicht. Teuer? Nein, die sind spottbillig! Meine Ausbeute sind fünfeinhalb Gläser. Wenn ich mir selbst einen Stundenlohn von zehn Euro gezahlt hätte, würde eines dieser Gläser zehn Euro kosten.

Sanddorn ist gesund, enthält viel Vitamin C und so. Äpfel aber auch…

 

Strandgut des Lebens

Strandgut des Lebens

Meine Großeltern waren ihrer Zeit voraus. Heute würde man sagen, sie seien Upcycler und Zweitverwerter gewesen. Nichts durfte umkommen, wurde achtlos weggeworfen. Aufgrund der harten, entbehrungsreichen Nachkriegsjahre oder einfach einer anderen, altmodischen Sicht auf den Wert der Dinge… ich weiß es nicht. Aus den alten, gestreiften Nachthemden vom Uropa („Gute Baumwolle!“) wurden Sommerkleider für die Enkelmädchen genäht. Strickpullover wurden mühsam aufgedrießelt, die Wolle nach Farben sortiert und zusammen mit getrockneten Orangenschalen (gegen die Motten) in Kisten, Säcken und Tüten verstaut. Um dann irgendwann in Form von Kinderpullovern, Socken, Häkeldecken, Kissenbezügen, Teppichen zu neuem Leben zu erwachen. Das Wegwerfen von Plastikbehältnissen fiel meiner Oma nicht ein. Was für eine Verschwendung! In den Milchbeuteln der DDR wurde nach dem Auswaschen alles mögliche verpackt und Quarkbehälter konnten auch nicht weggeworfen werden. Die waren super Anzuchttöpfe und überhaupt: da kann man doch was reintun!

Milchtüte aus DDR-Zeiten, konnte man aufschneiden und als Alles-Verpackung weiterverwenden; Quelle: Deutsches Historisches Museum

Milchtüte aus DDR-Zeiten, konnte man aufschneiden und als Alles-Verpackung weiterverwenden; Quelle: Deutsches Historisches Museum

Mein Opa fuhr nachmittags mit seinem Fahrrad gern durch die Gegend. Der Chariot war noch nicht erfunden, also hat er sich einen Handwagen namens „Rollfix“ (so hieß der wirklich) an sein Fahrrad gebunden und ging damit auf Beutezug. Bei den Mülltonnen. Liebe Kinder, die Mülltrennung ist jünger als die Tante Rike und früher schmissen die Leute einfach alles in eine große Tonne mit Schwingdeckel. Und dort zwischen Kartoffelschalen und Kaffeesatz fand mein Opa Schätze. Wie kaputte Toaster oder Fahrradreifen. Das barg er alles, unter vollstem Körpereinsatz. Und schaffte das in seinen Garten. Aus den Teilen wurden neue Sachen gebastelt oder sie wurden zu späteren, nicht näher benannten Zwecken zwischen- bzw. endgelagert. Meine Mutter schämte sich sehr, wenn die Nachbarn sagten: „Dein Schwiegervater ist heute wieder in den Mülltonnen rumgekrochen!“. Ich glaube aber, er wurde nur missverstanden, der Opa.

Warum ich euch das alles erzähle? Nun, ich versuche, eine positive Grundstimmung zu verbreiten. Denn es ist Zeit für eine Offenbarung: Das ist erblich! Ja, ich bin betroffen. Ich kann nichts dafür.

Steine, Muscheln, Sand werden ja von vielen nach Hause getragen. Von den Stränden dieser Welt. So fing das bei mir auch an. Seit ich den ersten Hühnergott im Kieshaufen bei Hornbach fand, ist allerdings keine Kiesumrandung irgendeines Hauses vor meinem Adlerauge und suchendem Blick sicher. Im Rindenmulch fand ich schon allerschönste Holzstücke mit Astlöchern, die man auffädeln kann. Oder so hinlegen, als Deko zwischen Blumentöpfe. Oder als Geschenkanhänger verwenden, mit Silberstift beschriftet. Ich brauche das alles! Gehe ich in den Wald, komme ich stets mit schmutzigen Fingern und vollen Jackentaschen wieder raus.

War das Scherbensammeln im Garten zunächst nützlich aufgrund der Verletzungsgefahr, sammle ich mittlerweile die blau-weißen Scherben in ein separates Eimerchen, was keiner anfassen darf! Was ich damit will? Vielleicht ein Mosaik machen. Oder das Bad fliesen, genug zusammen hab ich mittlerweile. Sammelte ich zunächste nur unser Grundstück ab, so dehne ich mittlerweile meine Scherbensuchaktion auf die komplette Gartensiedlung aus (zur Erinnerung: die liegt auf einer alten Müllhalde). Vollkommen selbstlos! Und es gibt Tage, an denen weiß ich, was ich denke, wenn ich höre, was ich sage. Zum Beispiel zu meiner Nachbarin: „Du Moni, wenn Du beim Buddeln blau-weiße Scherben findest, schmeiß mir die über den Zaun!“. Hä?! Ernsthaft? Doch, leider, das ist wahr. Und nein, Moni schmeißt mir keine Scherben über den Zaun. Bis jetzt.

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Fundstück und Fundstückchen

Alles, was weiß und keramisch oder aus Porzellan ist, muss ich sowieso mitnehmen. Alte Relais, Flaschendeckel, Zuckerdosen, Eierbecher. Brauch ich alles. Passt zu jeder Deko irgendwie dazu. Und wenn ich behutsam den Dreck von den Dingen wasche, denke ich darüber nach, durch wieviele Hände das „Ding“ wohl gegangen ist und wie lange es jetzt wohl schon auf mich gewartet hat.

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keramische Dingsbumse

Antiquitätenläden, Flohmärkte und sagar Versandhändler, die sich auf „alte“ Sachen spezialisiert haben, boomen. „Aus alt mach neu“ war schon in den Siebzigern der DDR eine Parole, wenn auch damals aus Verknappungsgründen. Ich mag alte Möbel, alte Stoffe, altes Geschirr. Ich bin auch nicht mehr neu, vielleicht ist es das. Ich gehe an keinem Trödelladen vorbei und selten verlasse ich den mit leeren Händen. Und doch, das ist was anderes. Dort hat jemand vorsortiert und die Dinge bewertet, ihren Verkaufspreis ermittelt und drangeklatscht: „Zu verkaufen!“.

Herzklopfen erfüllt mich, wenn die Dinge mich finden. Ein altes Schaukelpferd, neben den Wertstoffhof gestellt. Ein Weinballon, der Deckel einer Bonbonniere auf dem Glascontainer. Ein trauriger Stuhl (mal wieder), irgendwo am Wegesrand. Ich kann da nicht vorbeifahren! Mit wenigen Handgriffen und etwas Liebe (und manchmal Holzleim) bekommt dieses Strandgut des Lebens bei mir eine zweite Chance.

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Das wird nicht von allen gern gesehen. Besonders nicht von meiner Familie. Wenn das Auto mit mir am Steuer automatisch vor einem Glascontainer abbremst, kommt sofort Geschrei: „Wehe! Untersteh dich!“ (der Beste), „Muddor! Na-heiiin!“ (das Kind Nummer eins), „Hedate! Hedate!“ (der Kleinste macht auch schon mit).

Aber bevor ihr mir das Messie-Team von RTL2 auf den Leib hetzt, gebe ich Entwarnung: Quarkbecher kann ich gut wegschmeißen und auch ansonsten fallen mir Trennungen nicht schwer, wie der Beste neulich feststellen durfte:

„Was ist das schon wieder?! Das schmeiß ich weg, das steht nur rum!“, „Ich schmeiß dich gleich weg, mein Lieber! Du stehst auch bloß rum!“