Immobiliengedanken

Wir ziehen um.

Die Unterschriften sind unter Verträge gesetzt, Malerfirma, Umzugsunternehmen, Trockenbau, alles irgendwie schon halb organisiert. Ein Nachmieter für die alte Wohnung gefunden, ein Käufer für unseren Garten… Es stehen größere Veränderungen an.

Vor sechs Jahren sind wir nach Pieschen gezogen. Und ja, ich wusste, es ist laut hier! Es ist dreckig! Aber auch authentisch, ehrlich. „Pieschen hat was.“, das sagen die, die hier leben. „Ja, Glasscherben und Hundekacke!“, sagen die, die woanders leben. Ich mochte es hier.  Aber nun zieht es uns weiter.

Uns zieht es immer irgendwann weiter. Also speziell mich! Der Freund meiner Mutter führt Buch über mein Umzugsverhalten, ich muss den mal fragen, wie der aktuelle Stand ist. Ich schätze, das wird mein neunzehnter Umzug. Wenn ich mich nicht verzählt habe…

Andere Leute sparen auf Urlaube, ein Eigenheim, einen Lotus. Ich ziehe regelmäßig um. Deshalb werde ich niemals Reichtümer besitzen. Das betrifft natürlich auch meinen Mann, da hat er wirklich Pech. Augen auf bei der Partnerwahl, sage ich da nur!

Mein Mann. Gutes Stichwort. Ich denke oft an den Bärtigen und an mich, an uns, jetzt, in den stürmischen Zeiten des Listenmachens, Planens, Rumorganisierens. Ich denke daran, durch wieviele Wohnungen, an wievielen Nachbarn vorbei uns unsere Reise bisher geführt hat. Viele unserer ehemaligen Nachbarn sind nach wie vor Freunde. Wenn wir nicht so oft umziehen würden, hätten wir die nie kennengelernt!

Begonnen hat alles vor fast zwanzig Jahren, als der Bärtige (damals sehr jung, sehr schlank und sehr glattrasiert) zu mir zog in meine kleine Dreizimmerwohnung. Ohne Balkon, am Busbahnhof. Dann, wir hatten schon über unsere gemeinsame Zukunft gesprochen und Fortpflanzungspläne, zogen wir in eine größere Dreizimmerwohnung. Genossenschaftswohnung, PVC-Bodenbelag, immerhin mit Balkon. Und das Sozialamt war gleich nebenan, das einen Teil der Miete übernahm. Er war Student, ich gleich darauf in Elternzeit. Jeder hatten wir einen Nebenjob. Vor allem hatten wir immer ein volles Haus und ja, Sorgen auch, aber nur kleine. Das Geld ist schon wieder alle! Wie kann das sein? Äh… weiß ich auch nicht. Es ist ja nicht weg, es hat jetzt nur jemand anderes, also reg dich nicht auf! Solche Sorgen eben.

Dann zogen wir in eine Dreieinhalbzimmerwohnung. Arbeiteten, heirateten, trennten uns. Zogen in zwei Zweizimmerwohnungen. Damals hatten wir wirklich Sorgen… Ich zog dann noch mal alleine mit Kind um (um in Übung zu bleiben), dann zogen wir wieder zusammen. In eine Fünfzimmerwohnung, das ist die hier in Pieschen.

Und schon damals sagten die Leute: „Menschenskinder, was wollt ihr bitte mit fünf Zimmern?!“. Wir wollten einfach Platz! Und wir hatten am Anfang ein leeres Zimmer, unser „Hoffnungszimmer“.

Seit reichlich drei Jahren ist dieses Hoffnungszimmer nun bewohnt. Wir haben keinen Platz mehr.

Das mit dem Platz ist seltsam. Wir haben uns schon quadratmetertechnisch verdoppelt seit Anbeginn unseres Zusammenlebens, aber weil wir immer mehr werden und immer mehr Erinnerungen und Leben und Dinge haben, brauchen wir auch mehr Raum! In Zeiten, wo alle von simplify-dein-irgendwas reden, bin ich eine Bewahrerin. Von Klamotten und Schuhen kann ich mich gut trennen, nicht aber von Kinderzeichnungen, gebastelten Ding-sen, Faschingskostümen (voller Erinnerungen) und so weiter. Erinnerungen an die Kinder, Erinnerungen an unsere Familie. Kistenweise Fotos von Urlauben, Ausflügen, Schuleinführung (Ja, auch die Zuckertüten habe ich noch, natürlich! Und alle Milchzähne.), Weihnachtsfesten. Fotos im Kreissaal, das erste Kind ohne Zähne, mit Milchzähnen, mit Zahnlücken, mit Zahnspange. Schätze.

Okay, eine gewisse Sammelwut lässt sich mir nicht absprechen! Ich kann noch nicht mal getrocknetes Gras aus dem Osternest wegschmeißen. Man kann doch damit irgendwas basteln! Oder dekorieren! Und ist nicht das dieses „nachhaltig“, von dem immer alle reden? Na also.

Wann denn genau der Gedanke aufkam, dass es jetzt ein Haus zur Miete sein soll, weiß ich gar nicht. Seit Anfang des Jahres haben wir erst lose, dann zunehmend mit mehr Engagement und am Ende regelrechter Vehemenz, gesucht. Es gab Wochen, da habe ich mit fünf Hausangeboten und Maklern um Besichtigungstermine jongliert und die versucht, in unsere Kalender zu integrieren.

Wir haben ziemlich kuriose Sachen erlebt. Von verdreckten, abgeranzten Buden mit schimmligen Fenstergummis („Das ist kein Schimmel, das muss nur mal geputzt werden!“), über dreiste Makler („Was wollen sie? Über die Grundmiete reden? Ich wusste gleich, dass sie sich dieses Haus nicht leisten können!“) bis hin zu seltsamen Besitzern („Ich habe sie gegoogelt!“, anstatt eines „Hallo, guten Tag.“, „Sie sind doch die mit dem Blog, oder?“). Bei einem Haus wurde uns mitgeteilt, der Besitzer wünschte nach einem ersten Auswahlverfahren alle Bewerber persönlich kennenzulernen um nach einem Gespräch sich dann für einen Mieter zu entscheiden. Assesment center für Mieter, man glaubt es nicht (Das betreffende Haus steht im übrigen immer noch leer).

Wir haben ein Haus gefunden.

Oder das Haus uns. Denn ehrlich gesagt, hat es wohl auf uns gewartet. Meine Freundin hatte mir schon vor Monaten einen Link zum Exposé geschickt. Es kam damals nicht in Frage. Während der ganzen Zeit der Suche hat sich auch erst herauskristallisiert, was wir suchen! Und unsere Vorstellung von dem Haus, das es dann sein soll, sich auch sehr verändert. Das war spannend zu erleben. Und manchmal schien es, als würden wir niemals ein Haus finden, das uns beiden gefallen könnte. Wir haben gestritten, gefeilscht, argumentiert und manchmal einfach geschwiegen. Und uns am Ende gemeinsam entscheiden.

Vor einigen Tagen war ich zum Messen im zukünftigen Haus.

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Ich stand auf dem leeren Dachboden, der irgendwann unser Schlafzimmer sein wird. Achtzig Quadratmeter, so groß waren manche Wohnungen nicht, in denen wir zu dritt gewohnt haben, und habe an uns gedacht.

Ich bin durch das Haus gegangen, voller Vorfreude. Auf den Trubel, auf das Neue, das in diesem Haus passieren wird. Auf uns. Hier drin. Und dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben auf etwas einlasse, das ein „wir“ braucht.

Denn: Für mein persönliches Freiheitsempfinden hatte ich stets im Leben die Maxime, mir nie mehr aufzuhalsen, als ich auch allein würde tragen können. Kinder, Arbeit, Schulden.

„Freedom is just another word for nothing left to lose“ (Janis Joplin)

Nun, die Mietbelastung für dieses Haus wird keiner von uns beiden alleine tragen können! Das ist ein Fakt, das ist nichts, worüber wir sprechen würden. Sprechen müssten. Und so ist unser beider Unterschrift unter dem Mietvertrag für dieses große Haus mit viel Platz für Neues auch ein weiteres Bekenntnis zueinander. Ja, ich will mit dir weiter zusammenleben! Größer, weiter, ohne Netz und doppelten Boden. Nach dem Umzug und den Umbauten pleite vermutlich, aber he, lass uns das machen! Ein neues Nest für unsere Familie. Du und ich. Wir.

Schön.

#blogfamilia Teil 1 – Berliner Gefühle

Gestern Abend fragen die Nachbarn beim Grillen: „Und? wie war´s in Berlin?“. Ich nicke. Und sage: „Ich will nicht drüber reden. Ich will das nicht teilen. Noch nicht. Nicht heute.“.

Ich bin noch voll Berlin…

In der vergangenen Woche hatte ich jeden Tag Migräne. Vierundzwanzig Stunden akut mit Doppelbildern, Übelkeit und Schwindel. Danach einen Tag mit diesem Katergefühl, wenn sie wieder abklingt. Und tags darauf ging das Spielchen wieder von vorn los. Ich habe mich gedopt, versucht zu schonen, hinterfragt. Stresst mich etwas? Was? Wie kann man das auflösen? Keine Ahnung.

Noch am Blogfamilia-Morgen schmiss ich mir Ibu´s rein und ließ mich zur Busstation fahren. Arschknapp, ohne Zahnbürste, dafür mit angemotzter Familie und einem Kerl, der mich darauf hinwies, dass wir superspät dran wären (was meine Schuld sei), und der dann trotzdem Umwege fuhr bis die in Berlin zu Erwartende dem Wahnsinn völlig anheimfiel und sich vor Wut auf dem Beifahrersitz gebährdete wie bei einer Teufelsaustreibung. (Weil, der kürzesten Weg, du, da sind die Straßen aber so schlecht. Da fahrn wir eben noch mal kurz zwölf Kilometer außen rum. Kann er ja nichts dafür, dass ich im Vorfeld so lange brauchte, um in die Hufe zu kommen.).

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Abgehetzter Berlin-Linienbus-Passagier mit Käsekuchen in der Tasche. Aber ohne Zahnbürste.

Ankunft Alexanderplatz. Hitze, laut, Menschenmassen, heiß, Gepäck schwer, welcher U-Bahn-Zugang?! Scheiße, Scheiße, keine Ahnung, keinen Plan. Gänge, Gänge, Gänge, Menschen, noch mehr Menschen, mein armer Kopf…

Dann verlaufen, Straße hoch, Straße runter, noch mal. Ich find das nicht! Ach doch, hier isses. Isses hier? Bin ich richtig? Diese irre große Stadt ist nichts für mich Provinzmädchen. Mensch, dieser Koffer! Treppen hoch. Ich bin bestimmt falsch. Hier isses nicht. Und der Schweiß läuft an mir runter! Am besten, ich dreh wieder um. Der Kuchen ist auch hinüber und überhaupt: Wer schleppt einen Kuchen nach Berlin?! Hallo? Was für ne saublöde Idee. Ach guck mal, da sind Leute… da vorn, die kenn ich doch…

Ich mag ja keine Menschenmassen. Menschenansammlungen größer drei Personen strapazieren mich. Ich fühle mich reizüberflutet, befürchte, im Gespräch die Hälfte nicht und die andere Hälfte falsch zu verstehen. Ich mag Menschen am liebsten in homöopathischen Dosen.

Dort anzukommen und sich in diese Menge zu mischen ist wie ins-Meer-gehen gewesen. Ein vorsichtiger Schritt, ein zweiter, und dann habe ich mich auf den Rücken geworfen und von den Wellen treiben lassen. Und alles war schön!

Alles war leicht. Alles freundlich, fröhlich, übermütig, glücklich. Unverkrampft. Ich entkrampfte auch. Schöne Menschen, echtes Lachen, warme Umarmungen und ein Gefühl von Angenommenheit schwabberten um mich herum. In den kommenden Stunden lachte ich laut und dreckig, haute mir auf die Schenkel, wuselte durch den Haufen und dachte keine Sekunde darüber nach, ob meine Art zu laut oder hektisch wirkte, mein Teint fettig glänzte oder meine Haare doof aussahen. Ach, und die Kopfschmerzen waren auch weg! Sieh an.

Nachts schlief ich in einem geliehenem Kinderzimmer mit Vorhängen voller wunderschöner grüner Tulpen und zum ersten Mal seit Jahren mit offenem Fenster. Morgens weckte mich das Rumpeln von Mülltonnen. Keine grölenden Besoffenen nachts, kein Verkehrslärm. Berlin, du sanfte Schlafhüterin.

Morgens der Blick in so herzliche Berliner Gesichter und ein wunderbares Frühstück und ein viel zu kurzes Berliner Frühstücksgespräch. Warmer Kaffee, warme Athmosphäre, keine Hektik. Nur Sein. Pur. Echt und unverstellt. Ich will nicht gehen! Ich will auch Berlin sein…

Ich muss gehen. Auf dem Weg zurück zur Location des Vortages sitzen die Gestalten der Nacht müde blinzelnd in der Morgensonne, während ich einen Cappuchino und ein warmes Vanillecroissant ordere. Beides schmeckt wie eine Offenbahrung. Wie das Frühstück nach einer unglaublichen Liebesnacht.

Ich sitze den Vormittag in der Sonne und beobachte schöne Menschen, die in der schönen Berliner Sonne flanieren. Ich strecke die Beine aus und rauche und fühle mich gelassen und friedlich und entspannt wie seit langem nicht.

Irgendwann komme ich mit einer Veranstalterin vor Ort ins Gespräch. Immer wieder wandern meine Blicke an dieser wunderbunten Frau entlang. Tättowierungen in allen Farben des Regenbogens, ein Rockabilly-Kleid, blauschwarz gefärbte Helmfrisur und ein wilder Lidstrich. „Ich muss sie immerzu ansehen. Sie sind wunderschön! Und dieses Kleid…“, bricht es wahrheitsgemäß aus mir heraus. Sie sieht mich liebevoll an. Sie ist Berlin. In Dresden bin ich mit sechsundvierzig Jahren zu alt für Miniröcke und Kirschohrringe, egal, wie jung mein Mädchenherz und meine Seele sind. Und hier in Berlin steht diese bunte zauberhafte Frau vor mir, mit unschätzbarem Alter zwischen vierzig und sechzig und zeigt der Welt einfach ihre junge, bunte Seele.

Ich will nicht fahren.

Als der Bus heimwärts an der Berliner Mauer entlang fährt, denke ich über Mauern nach. Echte, gefühlte. Mauern im kopf, im Denken. Und über die wunderbaren Dinge, die passieren können, wenn sie fallen, die Mauern. IMG_1691

Berlin, du Lehrmeisterin!

Daheim stehe ich an der Straßenbahn und sehe missmutige Menschen mit Bierflaschen als Accessoires in der Hand. Und unfreundlichen Gesichtern. Die sind eindeutig nicht Berlin!

Am nächsten Morgen schneidet mir ein Mann beim Aldi die Vorfahrt, rennt vor meinen vollen Einkaufswagen und bleibt aprupt davor stehen um sich irgendein Obst anzuschauen. „Boar, Mann, ey! Kommst du klar?!“, schnauze ich den an. Ich bin unentspannt. Ich bin nicht Berlin…

Ich will mir das Gefühl erhalten, mich erinnern. Ich will ein bisschen Berlin bleiben. Und das mit den Mauern… wichtig.

Berlin, Berlin!

„Was war das Schönste dort auf dieser Veranstaltung?“, fragt der Nachbar beim Grillen. „Die Menschen!“, antworte ich sofort.

Und von denen erzähle ich euch morgen…

 

 

 

 

 

 

 

Wochenende in Bildern (mit und ohne, also eher mit ohne)

Bevors losgeht möchte ich noch betonen, dass ich das Konzept von „Wochenende in Bildern“ (#wib) schon verstanden habe, auch wenn es gleich nicht mehr ganz den Anschein hat.

Ich mag das sehr, Fotos als Tagebuchblogpost. Auch die Aktion „12 von 12“ mit den zwölf Fotos des zwölften eines Monats liebe ich. Also bei den anderen! Das sieht immer so schön aus. Und so entspannt. Ich habe auch hier schon mal darüber getextet.

Leider leider renne ich meistens Samstags ohne Handy in der Gegend rum oder merke erst am Abend, dass es bereits Samstag Abend ist und ergo das halbe Wochenende vorbei oder dass gestern der zwölfte des Monats war. Nämlich immer dann, wenn die fleißigen Bloggerkollegen ihre Fotocollagen auf allen Kanälen posten. Mensch, Nieselpriemerin!

Außerdem sind unsere Wochenenden so spektakulär unspektakulär, dass ich meist gar nicht weiß, was ich fotografieren sollte, wenn ich denn daran denken würde UND ein Gerät zum Ablichten der Umgebung dabei hätte. Glaubt ihr nicht?

Samstag. (Ohne Foto) Der Blondino weckt mich halb sieben. Ich trinke Kaffee und herzle mich durch Instagram, während das Kind schlaftrunken am Tablet „Helden der Stadt guckt“. Ich muss viele Likes verteilen, also überzieht das Kleinkind die angeratene Medienzeit um vierhundert Prozent. Frühstück verweigert er. Ich packe für das Kind Filinchen mit Honig in meine Manteltasche und beschmiere mich und den Mantel dabei großflächig, obwohl das Filinchen eingepackt war. Vor Wut esse ich das blöde Filinchen! Dann Kind in Schneeanzug fummeln, feststellen, dass der Reißverschluss von dem drei Wochen alten Teil defekt ist über Nacht. Umdisponieren und das Kind alternativ in Zwiebellook einhüllen bis zur Bewegungsunfähigkeit. Das steife Kind die zwei Treppen runter schleppen und in Kinderwagen reinfummeln. Die Kinderkarre im Kaufmannsladen vollladen und nach Hause schieben. Das Kind frühstückt derweil frische Semmeln im Kinderwagen. Den Mann wecken und zwingen, die Einkäufe hochzutragen. Dann feststellen, dass die Bude dreckig wie die Sau ist und mit dem Mann streiten, ob es a) ausreichend ist, einmal im Monat zu saugen und b) wer den Dreck hier macht, obwohl doch alle Familienmitglieder ganztags aushäusig sind und c) dass es alles nichts nützt und wir jetzt Schnick-Schnack-Schnuck machen, wer die Bude clean-t und wer so lange draußen das Kind im Hof bekaspert. Er verliert. Oder ich, wie mans nimmt. Saugen, Wischen, Abstauben, dazwischen zwei Maschinen Wäsche hin- und herräumen, irgendwas kochen, dann kommt der Mann miesgelaunt wieder und ich erkläre, irgendjemand müsse aber noch zu blau-weiß, weil das eingekaufte Essen von heute Morgen nicht reichen würde und ja, Scheißwochenende! Ich fahre, er hat weiter Kinderdienst. Knapp entkomme ich durch mein beherztes Reaktionsvermögen einem Verkehrsunfall (Ich hatte im übrigen in diesem Jahr noch keinen einzigen Unfall, möchte ich an der Stelle mal betonen!) und dann ist auch schon Abend oder so. Ich teile dem Mann mit, dass ich jetzt schon wieder losmüsse, weil das Kind keinen funktionierenden Schneeanzug besäße und falls es jemals eine Situation gegeben hätte, in der ein Dresdner Kind einen Schnee(!)anzug brauchen tun würden täte, dann ja wohl jetzt! Draußen vorm Fenster fallen jede Menge Argumente dafür vom Himmel. Ich düse also abends noch in einen Shoppingtempel um Nachschub zu organisieren und fühle mich dort irgendwie in die Zone zurückversetzt. Schneeanzüge? Ausverkauft! Im dritten Geschäft finde ich dann einen petrolblauen Anzug mit Paisleymuster und rotem Fleeceinnenfutter. Einen. Wie in der DDR. Mir ist schon klar, warum dieses Modell noch nicht ausverkauft war (es stach mir förmlich ins Auge), aber Samstag Abend im Schneetreiben ist die Not groß. Zu Hause dann Planung der Abendgestaltung. „Seit dieses Netflix in unserem Haus ist, versumpfen wir jeden Abend auf der Couch!“(er). „Stimmt, furchtbar ist das!“. „Also wir müssen auch mal wieder was anderes machen, früher haben wir doch auch nicht ständig vor der Glotze gehangen.“. „Genau! Und immer dieses Rumgefresse dabei! Ich sehe noch von Weihnachten aus wie ein Autoscooter um die Taille. Das muss wirklich aufhören!“. „Ja! Und was machen wir dann nun heute Abend?“. „Hm. ´Better call Saul`?“. „Gute Idee! Käsedip oder Salsa zu den Chips?“. „Du, ich denke, ich esse den Kindern ihre Weihnachtssüßigkeiten weg.“. „Alles klar, in fünf Minuten auf der Couch?!“. „Nu, genau.“

(Sich an dieser Stelle erinnern, dass Samstag ist und anfangen, verschwommene Fotos zu knipsen.)

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Sonntag wecken halb sechs. Es sind wieder die üblichen Frühaufsteher am Start. Kaffee, Tablet, Instagram. Frühstück (ohne Foto). Sich zwei Stunden später daran erinnern, dass Wochenende ist und anfangen zu fotografieren.

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Die Jungs sind im Hof, ich mache meine Witze. Irgendjemand schmeißt Schneebälle in die zweite Etage nach mir. Und trifft.

Alle drei Kinder spielen schön im Schnee, während ich mich ausruhe und einen faulen Lenz habe… also Wäsche, Wäsche, Wäsche, backen, kochen… und mich frage, ob eigentlich alle arbeitenden Elternleute so ein unentspanntes Wochenende haben. Wo bleibt denn da der Spaß?IMG_0492Hier in diesem Milchzopf ist er jedenfalls nicht! Klassischer Fall von „Wenn man es nicht wüsste“. Sieht lecker aus, oder? Nun ja, ich hab den Zucker vergessen. Schmeckt wie weiche Pappe.IMG_0494Nur, damit ihr´s wisst: Ich würde unter Eid stets abstreiten, dass ich eine derartige Jogginghose überhaupt besitze. Und die Strümpfe! Unnötig zu erwähnen, dass ich nicht an die Tür gehe, wenn es klingelt. Nie. Nicht in meinen Sonntagssachen.

IMG_0491Wenns läuft, dann läufts! „Irgendwas mit Reis“ war der Essenswunsch. Irgendwas wurde eine Hähnchenpfanne mit Frischkäse-Curry-Sauce. Ziemlich versalzen. Dazu halbrohe Erbsen und verkochte Bohnen und Reis, der beide Attribute vereint: Versalzen und verkocht! Sag ich doch, wenns läuft…IMG_0486Dem Kind den Nachtisch weggegessen. Weil ich fies bin!IMG_0502Der Mann muss den Nachmittag über arbeiten und versteckt sich vor seiner Familie im Arbeitszimmer. Der Pubi muss auch irgendwas arbeiten und versteckt sich vor seinem Bruder und mir im Raum neben dem Arbeitszimmer. Die übriggebliebenene Familienmitglieder gehen raus, bis die Laternen angehen. IMG_0504

IMG_0511Suchbild. Hier sehen sie die berühmte Dresdner Altstadtsilhoutte. Sekundogenitur, Georgentor, Hausmannsturm, Frauenkirche,Schloß, Stallhof, Kreuzkirche. Jeder nur ein Foto! So, das wars. Bitte weitergehen und in der Gruppe bleiben!IMG_0516

Mir abends einen Kaffee von meinem liebsten Badewannenbarista zubereiten lassen…IMG_0520…und dann, und dann, und dann?! Und dann setze ich mich ins Arbeitszimmer und schreibe mal wieder einen Artikel fürs Blöggel. Gibts dann morgen. Ja-ha, das Netflix bleibt heute kalt. Wenn nichts dazwischenkommt. Und ich habe mir extra dafür die Jogginghose ausgezogen!

 

Mehr Wochenenden anderer Leute gibts bei Susanne von Geborgen wachsen, die diese Aktion ins Leben gerufen hat.

 

 

 

#wib – im Oktober

Das Gute an Wochenenden ist, dass man sich von der Woche erholen kann, regenerieren. Das Schlechte an Wochenenden ist, dass dieser Grundsatz für Eltern mit kleinen Kindern aufgehoben zu sein scheint.

Pünktlich Freitags ist das Kleinkind regelmäßig an irgendwelchen Körperöffnungen undicht, fiebert und macht die Nacht zum Tag. Wenn einer von uns Eltern abwesend ist, passiert das auf jeden Fall.

Der Bärtige war auf Jungsurlaub dieses Wochenende. „Fahrradfahren!“, sagte er. „Bier trinken!“, sagte ich. Er stritt das vehement ab und ich winkte müde und ließ ihn… wo bitte kann sich denn heutzutage ein anständiger Familienvater noch ordentlich betrinken? Also so richtig! Mit zwei Bier. Na also. Von mir aus nennt er das eben Radurlaub.

Ich war also von Freitag Nachmittag bis einschließlich gestern Abend im Notdienst, habe eine Nacht auf dem Kinderzimmerteppich zugebracht, mir dabei die Hüfte verknackst, mehrere Maschinen Spezialwäsche gewaschen, getröstet, gewischt, getragen, gefüttert, gewindelt, geflucht. Das übliche, ihr kennt das.

Es gibt also keine Fotos vom Samstag. Ach, halt! Eins gibt es. Der Beste hatte natürlich angeboten heimzukommen, und das fand ich nett und auch selbstverständlich. Aber das wäre Quatsch gewesen. Der war irgendwo im Nirgendwo und wäre sonstwann dagewesen. Ich versicherte ihm, ich sei groß und stark und das kriegen wir schon hin. Nachts fühlte ich mich dann doch ein wenig einsam…FullSizeRender-2Radurlaub! Sportlerurlaub! Da hat er mich dann doch sehr zum Lachen gebracht 😀 Der Gute.

Heute Morgen um fünf war die Nacht zu Ende aber He! Wir hatten durchgeschlafen! Zwar schlonzte aus der Mittelöffnung des Kinderkopfes noch grün wabernde Alienkotze und ich hatte ein wenig Angst, Sigourney Weaver könne mit der Kanone über den Balkon hechten um mein Baby abzuknallen, aber ansonsten alles prima!

Ich fühlte mich wie Superwoman und beschloss, den heutigen Tag mit der Knipse im Anschlag rumzulaufen. Ihr wolltet mal wieder wacklige Handyfotos, also bitte. Geht los!

Um sechs hatten wir gefrühstückt, eine Runde Indoorfußball gespielt (ein Schaumgummiball ist eine absolute Kaufempfehlung  von mir), drei Bücher und eine Teletubbies-Folge geguckt (doch, echt jetzt) und danach war der Blondino nur mit der Aussicht auf Spielplatz davon abzubringen, seinen selig schlafenden Bruder zu wecken. Wir also raus. In der Garage die erste Diskussion, weil das Kind dachte, wir würden jetzt in den Sonnenaufgang radeln. Oder zu „Grabo“ und „Lisa“, seinen Kita-Tanten (die im übrigen weder noch heißen).

Ich war quasi mitten in der Nacht überhaupt noch nicht in the mood für Sport und wollte gemietlisch Wagen schieben. Der von uns mit dem größeren Kopf und den längeren Haaren hat sich durchgesetzt. Sieht auf dem Bild nur noch nicht danach aus.IMG_3919Wir waren die einzigen Menschen draußen und das hatte auch was für sich. Und überraschend war es noch dazu! In dem düstren Morgenlich hatten die Straßen mit Ampel- und Baustellenbarkenbeleuchtung was regelrecht Romantisches. Ein bisschen wie Weihnachtsvorstimmung! Scheen wars…

Ein romantisch beleuchteter Bagger, für jeden von uns war also etwas dabei 😉IMG_3925 IMG_3927 IMG_3931 IMG_3930  IMG_3928Bei Scholzens in der Bäckerei wurde schon gearbeitet. Mich jieperte es sofort nach Kartoffelkuchen! Aber leider hatten sie keinen (den Rest des Weges versuchte ich, auf andere Gedanken zu kommen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen).IMG_3929Spielplatz im Dunkeln ist ja auch irgendwie skurril… und dieser hier hat noch das albernste Warnschild ever. Wohlgemerkt: An einem Spielplatz!IMG_3941 IMG_3944

IMG_3942 IMG_3943Es wurde langsam heller. Also einfach immer hellgrauer…IMG_3934 IMG_3935Neben dem Sachsenbad: Bagger. Den Blondino freuts, mich eher nicht. Heißt es doch nicht etwa, dass meine naiv-romantischen Wünsche nach Restaurierung dieses altehrwürdigen Bades erfüllt werden, sondern eher, dass nun Eigentumswohnungen, „Lofts“, dort hineingebaut werden. Allen Unterschriftensammlungen zum Trotz.

Wir machen uns auf den Weg zum Lieblingsspielplatz. Unterwegs: Pieschner Seenlandschaft (Die starren mich an, die Pfützen, seht ihr das auch?).IMG_3947

IMG_3952Wir gucken, wie weit der Frankreichladen mit dem Umbau ist. Nu ja, wird doch! Die zwei Betreiber bauen das alte Pieschner Schulhaus aus und das freut mich dolle. Außerdem haben wir nun bald zwei französische Restaurants in Pieschen. Zwei! Kein Bad, wo die Kinder schwimmen lernen könnten, aber man muss eben Prioritäten setzen. Haute Cuisine statt Schwimm´…

Der Spielplatz war auch fast vergessen, als der Blondino die abgestellte Fahrbibliothek entdeckte. „Laster! Laster Laster! Laster!“. Er hörte gar nicht mehr auf. Ich so: „Ja-haaaaa! Jeder hat eins, Babylein. Und deines sind doofe große Autos.“.IMG_3961Irgendwann konnte er sich lösen und wir gingen doch noch auf den Spielplatz. Morgens gegen sieben ist für mich die einzige Zeit, wo das ein Ort ist zum Aufhalten. Ich weiß nicht genau, ob es eine anerkannte Form der Sozialphobie ist- diese Aversion gegen volle laute Spielplätze- aber wenn, ich hab sie!IMG_3966Ohne Leute ist es sehr schön. Außerdem gibts dort Lavendelbeete. Und Thymianbeete. Minze. Irgendwann wird der Blondino im Kindergarten lernen, dass man nichts abrupft auf den Beeten, aber bis dahin lässt er mich in Ruhe pflücken.IMG_3969Die heutige Ausbeute:IMG_3973So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind immer noch draußen und ich will ja heute Fotos machen! Also mach ich noch Fotos! Nein, wir gehen später nach Hause.

Das Kind kramt in seinen Taschen und findet zwei Walnüsse. Große Freude! Er liebt Fußball, aber nicht nur. Auch Fußkartoffel, Fußapfel, Fußtomate. Wir spielen eine Runde Fußnuss.IMG_3846 IMG_3856-1Drinnen dann habe ich immer noch Kartoffelkuchenjieper. Für mich ist das ein großes Ding! Was dem Bayer sein Weißwurstmetzger, ist dem Dresdner sein Stollenbäcker. Die Stollen werden ja ab dem Spätsommer gebacken und lagern dann irgendwie wochenlang und werden zig mal gebuttert und gezuckert und gedreht und gestreichelt, was weiß denn ich. Und während der Stollenbackphase kann man als Kunde natürlich noch keinen Stollen kaufen. Aber der Bäcker, der schlau ist, fixt die Kunden frühzeitig mit Kartoffelkuchen aus Stollenteig an. Funktioniert bei mir hervorragend! Ich mag das Gelumpe fast noch lieber als den Stollen selbst.

Nun habe ich ja keinen angesetzten Stollenteig zu Hause vorrätig, werde aber zum Glück fündig in einem alten Kochbuch aus der DDR von 1970. Das Buch ist so alt wie ich, hat aber weniger Falten und kennt mehr Rezepte. Ich weiß nicht, ob das gerecht ist. Ich versuche, beim Thema zu bleiben. Kartoffelkuchen also.IMG_3974Ich ändere das Rezept in dem Buch etwas und so wirds dann:

1 Würfel Hefe in 300ml warmer Milch auflösen und in eine Schüssel zu 500g Mehl, 2 Handvoll gemahlener Mandeln, knapp 100g Zucker, zwei Handvoll Rosinen, dem Abrieb einer Zitrone und einer Prise Salz gießen. Vorsichtig verrühren. 5 gekochte Pellkartoffeln durch die Presse drücken und unterkneten. Abdecken und mindestens eine halbe Stunde gehen lassen. Danach auf einem Blech ausrollen und ca. 20-30 Minuten backen bei 150°C Umluft (Ihr müsst das mal testen bei euerm Herd. Der Kuchen soll nicht braun werden, macht einfach ne Stäbchenprobe nach zwanzig Minuten.). In der Zwischenzeit hab ich ein halbes Stück Butter ausgelassen in einem Topf. Dann den Kuchen mit einem Essstäbchen malträtiert um ihn im Nachgang mit Butter zu übergießen und ordentlich mit Zimtzucker zu bestreuen. Dann noch mal zum Ausruhen in den auskühlenden Herd. So sieht er aus:FullSizeRenderUnd so auf´m Teller:IMG_3979Saftig, leicht kartoffelig und ein bisschen adventisch. Hm!

In der Zwischenzeit macht der Pubertino, was Pubis so machen. Irgendein Gerät bedienen. Und das Kindergartenkind macht, was ein Kindergartenkind so macht: Mit seinem Kindergartenrucksack in der Gegend rumlaufen.IMG_3972Außerdem darf er Teletubbies am Tablet gucken, während ich an dem Kuchen rumfummle. Ihr habt doch nicht geglaubt, das gänge hier so nebenbei? Pah! Der Kleine beschäftigt sich nicht alleine und der Große beschäftigt nicht den Kleinen. Also beschäftige ich den Kleinen oder mache was Erwachsenes. Oder erlaube dem Kleinen was Verbotenes, damit ich was Erwachsenes machen kann! Backen zum Beispiel. Oder Duschen.

Die kleine Rotznase legt sich zum Schlafen nieder. Essen will er nichts, nur ne Pulle Milch. Also bitte. Der Pubertino will keine Kürbissuppe, deshalb kriegt er Eierkuchen. Ich esse also alleine die freestyle-Kürbissuppe und weil der Topf so groß ist und niemand hier mitisst, müsst ihr! Nehmt einen Löffel und bedient euch. Hier kommt das Rezept:

1 Butternutkürbis, 4 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen, 2 Möhren, 1 Süßkartoffel, 1 Stück Sellerie und ein kleines Stück Ingwer putzen, kleinschneiden und im Fett eurer Wahl anbraten bis sich braune Stellen bilden. Mit Gemüsebrühe aufgießen und weichkochen lassen und danach fein pürieren. Gewürzt habe ich nur ganz sacht mit Garam Masala und ein wenig Brühpulver. Obendrauf dann Schnittlauch und ausgelassenen Schinkenspeck. War wirklich lecker!FullSizeRender-1Um zwei soll der Bärtige ankommen und ich bin aufgeregt! Ich freu mich! Und das Kleinchen schläft und schläft. Vor lauter Langeweile putze ich auf den Balkons rum und fotografiere die Herbstdeko… ich muss ja Fotos machen heute!IMG_3634 IMG_3630 IMG_3629Dann wars turbulent und niemand hat Fotos gemacht…

Jetzt ist schon wieder Abend und wir machens uns nett. Also jetzt gleich. Wenn ihr weg seid!IMG_3668 IMG_3864Ich setz mich in meine Couchecke und gucke die letzten Folgen der Staffel drei von „House of cards“, knutsche mit dem Bärtigen und freue mich, dass jetzt endlich Wochenende ist.

Ach nee, schon wieder vorbei.

Naja, jedenfalls schön, dass ihr heute zu Besuch da wart! Kommt mal wieder 😉 und wenn ihr noch mehr #wib- se sehen wollt, bei Susanne gibts die Linksammlung für dieses Wochenende.

Alt Bindestrich – eine Stadtteilführung in Dresden

Sonntagmorgen. Die Sonne scheint, ich laufe los. Ihr dürft mit, ich zeig euch was!

Los gehts zu Hause.IMG_3769Es brennt. Ich muss weg!

IMG_3812Als nächstes kommen wir durch Alt-Pieschen. Einige kleine Fachwerkhäuschen des alten Dorfkerns sind noch erhalten und schmiegen sich eng an eng. IMG_3814Gegenüber die Wohnanlage Altpieschen 9 war noch bis in die Siebzigerjahre Quell eines geflügelten Dresdner Wortes: „Wennde so weidor machst, gommste nach Altpieschen neune!“, soll heißen, ins Obdachlosenasyl. 1912 vom Dresdner Stadtbaumeister Hans Erlwein errichtet, war es eines der Modernsten seiner Zeit. Es enthielt Wohnungen, die aus zwei Zimmern bestanden und sogar einen Herd besaßen! Im Keller der Anlage befanden sich ein Brausebad und ein Kinderschwimmbad. Sogar einen Spielpavillon ließ Erlwein anlegen. 2003 wurde der Komplex saniert und beherbergt nun (nicht obdachlose) Familien. In Wohnungen, mit mehr als zwei Zimmern. Und fließend Wasser (das war 1912 nicht implementiert).

Spielplatz in Altpieschen. Zwei alte Linden gaben dem Platz früher den Namen „Lindenplatz“. Das weiß niemand mehr, ich auch nur durch Google.IMG_3815In Altpieschen am Elbcenter eine weitere Sehenswürdigkeit: Der blaue Wagen. Dort verkauft man Softeis und veganes Eis und allerlei Kaffeespezialitäten. Das allein ist nicht erwähneswert. Aber im Herbst gibt es dort die allerbesten, duftendsten, dicksten, leckersten Waffeln, die ich je gegessen habe! Mit roter Grütze, mit Sahne, mit was-du-willst. Leider rückt der Betreiber das Rezept nicht raus, ich hab schon gefragt…

IMG_3811An der Pieschner Radbrücke muss man sich entscheiden. Links rum oder rechts rum. Die Skulptur scheint auch zu hadern. „Undine kommt“ heißt sie, ist Teil eines Skulpturenpaares und mir scheint, sie kommt nicht, sie verzweifelt. Aber was weiß denn ich, wie es aussieht, wenn Undine kommt…

Folgen wir der Brücke, gibt es allerlei zu sehen. Wir kommen am Hafen, dem Eselnest, am Yachthafen, an zwei Beaches, dem Japanisches Palais und so weiter vorbei, bis wir irgendwann in der Dresdner Altstadt stehen. Immer die berühmte Dresdner Altstadtsilhouette am Horizont. Ein schöner Weg, leider sehr frequentiert.

IMG_3808Wir gehen rechts rum, wir sind ja keine Touristen!

IMG_3810Ab jetzt haben wir die Elbe links und laufen Richtung Meißen (Wenn auf den Fotos die Elbe rechts sein sollte, habe ich mich umgedreht und befunden, das Licht sei für dieses unprofessionelle Handyfoto so rum besser, wisster Bescheid).IMG_3807Dieses erste Wegstück zeichnet sich durch eine hohe Kneipendichte aus. Das ist schlecht, wenn man da vorbeilaufen muss, und entweder/oder Hunger, Durst, keinen Bock mehr hat oder Pipi muss. Also immer. Hier liegt auch die Lieblingskneipe der Nieselpriem-Familie, das „Watzke“. Nirgends in der Stadt bekommt man so eine leckere Broilerplatte mit Bratkartoffeln.

Hinterm „Watzke“ wird es stiller und weitläufiger. Seht ihr die Häuseln hinter der Flussbiegung? Das ist Alt-Mickten. Gleich sind wir da.

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IMG_3770Wir laufen jetzt ein Stück auf dem Elberadweg. Da steht jetzt neuerdings auch mehrmals drauf, welcher Fluss links von uns fließt. Kann ja mal sein, dass man am Flussufer wach wird und gar nicht mehr weiß, wo man ist, oder? Genau.

Am Ende der geraden Strecke kommen wir nach Alt-Mickten. Hier ist auch noch ein Teil des historischen Dorfkerns erhalten. Das Sehenswerteste am Ortsteil ist der Biergarten der „Lindenschänke“, also das ist das, was der Bärtige dazu zu sagen hätte. Warum? Kommt gleich…

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IMG_3771 Wir laufen unterhalb der „Lindenschänke“ weiter. Das ist ein wirklich schönes Stück Weg… Ich liebe das!IMG_3773

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Überall dort finden sich gravierte Pflastersteine. Hier eine Straßenbahn. Warum irgendjemand (Karl-Heinz?) eine Straßenbahn verewigt hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

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Erinnerung: Wenn die Elbe rechts ist, hat sich die Nieselpriemerin nur kurz umgedreht…

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Hier leben Menschen. Unglaublich. Ich denke, wenn man hier so rumwohnt und morgens auf dieses beschauliche Stück Welt schaut, den sanften Fluss… also dann hat einen das Leben schon derbe bei den Eiern, äh, penetriert einen das Schicksal ungefragt rektal, nein, warte! Ich meine doch nur, es muss unglaublich hart sein… wirklich regelrecht unglaublich.

Nein, Kinder, ist das schön dort. Und dabei mitten in Dresden. Denkste nicht, oder?IMG_3802

IMG_3780Hinter der nächsten Kurve kommen wir zum Schloß Übigau. Hier ist auch schon ein Schild:IMG_3779Wer mit dem Pferd hier vorbeikommt, kann es festmachen. Oder ungezogene Kinder. Ist nur ziemlich weit oben, der Ring!

IMG_3785Das Schloss Übigau ist ein im achtzehnten Jahrhundert erbautes Barockes Lustschloss und hatte eine wundervolle Gartenanlage. Leider ist es nur noch in Fragmenten erhalten. Wenigstens beherbergt es einen Biergarten. Prost!IMG_3784

IMG_3783Wieder ein gravierter Stein. Diesmal unschwer zu erkennen: Das Zwingertor des Dresdner Zwingers. Leider ist die Jahresangabe undeutlich, es sah aber aus wie 2.1.1935.

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In Alt-Übigau gibts noch was zu gucken. Ein monströses Stahl-Dings ragt hinter dem Schloss in die Luft.IMG_3786

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IMG_3789Nach Alt-Übigau kommt auf unserem Pfad erst mal … nichts! Wobei, nichts stimmt ja nicht. Links die Elbe, rechts Bäume, Büsche, Felder, Wiesen, Ruhe.

Von überelbsch dringen manchmal Geräusche von Autos herüber und man sieht Kräne und dergleichen. Hier, rechtselbisch, hat man weiterhin naturnahes Spazierfeeling. Oder eben Lauffeeling, wenn man nicht permanent anhalten muss zum Fotografieren!IMG_3787

Hier zu sehen: Ihre freundliche Stadtführerin.IMG_3798

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Mitten im Nichts ein irritierendes Schild. Vielleicht darf ich hier nicht mit dem Boot lang, oder vor und zurück ist generell verboten. Oder etwas anderes Verkehrstechnisches soll auf dieser Wiese unterbunden werden (Ich denke, irgendein Schlaumeier wird sich schon in den Kommentaren melden und: „Ich! Ich! Ich weiß es!“, schreien. Einfach mal abwarten 😉IMG_3792

IMG_3788Wenn wir jetzt dem Trampelpfad weiter folgen, wird es noch ein bisschen beschaulicher. Dann kommt Kaditz. Alt-Kaditz ist auch wunderschön, hat einen beschaulichen Dorfkern, eine schöne Kirche mit einer berühmten Linde und auf dem Friedhof dort sollen mal meine Gebeine ruhen. Da hab ich dann eine tolle Aussicht! Auf rumstehende Pferde, Gemüseäcker, Apfelbäume und friedliches, ruhendes, dörfliches Nichts. Immer noch „mitten in Dresden“.

Von Altkaditz führt ein Weg nach Alt-Kötzschenbroda, und da müsst ihr wirklich mal gewesen sein! Also, ich will nicht zu viel verraten, nur, dass es (voll die Überraschung) einen wunderschönen Dorfkern gibt und einen berühmten Tisch. Also richtig berühmt!

Das machen wir das nächste Mal. Heute schaffen wir das nicht mehr, ich muss ja den ganzen Weg auch wieder zurück! Und Essen kochen. Als Dessert solls „Tarte Tatin“ geben. Ob die was geworden ist, könnt ihr bei Instagram nachsehen. 🙂

Ich hoffe, ihr kommt das nächste Mal wieder mit zum Laufen. Laufen ist ja gesund. Und lehrreich!

Unser Lieblingsspielplatz

Ich bin keine Spielplatzmutti.

Ich öde mich zwischen Kletterspinnen, Sandkisten und unbequemen Muttiparkplatzbänken. Ich hab keine Lust, dauernd Klettergerüste zu erklimmen um Leben zu retten (real oder eingebildet), den Nachwuchs vor fiesen Vierjährigen zu beschützen oder unschuldige Kleinkinder vor dem eigenen fiesen Nachwuchs…

Spielplatznachmittage sind so verlockend wie… wie ein Termin zur Zahnwurzelresektion!

Doch Moment! Es gibt einen Ort, der ein bisschen wie Abenteuerspielplatz, Tierpark, Wald und Strand ist. In Pieschen. Da staunste, was? IMG_3209

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Will ich denn, dass noch mehr Leute dahin kommen? Nein! Es ist wirklich voll an heißen Tagen, ohne Frage. Aber ihr dürft kommen. Nur nicht weitersagen! Das bleibt unser Geheimnis, okay? 😉

IMG_3079 IMG_3210 IMG_3068 Neben Eseln gibts auch Kaninchen und Meerschweine. Und eine Katze! Blondinos große Liebe ❤IMG_3246Unter schattigen Bäumen gelegen ist eine Liegewiese. Dort stehen an heißen Tagen alte Zinkwannen mit Wasser zum Plantschen. Super Sache! Tretautos, Eimer, Töpfe und Schaufeln warten auf ihren Einsatz. Eine Töpferei gibts ebenso wie einen Budenbauplatz für die großen Kinder. Die Esel dürfen gestreichelt werden und manchmal sogar geritten. Große Kinder können Nachmittags bei der Tierpflege helfen.

Für den Hunger verkauft das Eselnestcafé so originelle Sachen wie Doppelkekse für zehn Cent oder Toast mit Ketschup für fünfzehn Cent. Große können sich eine rohe Bratwurst kaufen und die sich selbst an der Feuerstelle auf einem Stock grillen. Großartig, oder?

Wir waren extra für euch an einem kalten Nieseltag dort, um Fotos zu machen. Nun könnt ihr euch in Ruhe umgucken.

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Direkt an der Elbe gelegen, kommt ihr am besten mit dem Rad hin (bis Radlerstopp Eisenbergstraße), oder mit der Bahn Linien 4 und 9 bis Alexander-Puschkin-Platz. Auch für PKWs findet sich sicher ein Parkplatz.

Un wenn ihr dort seid und denkt: ´Moment mal, das dort drüben ist doch die Nieselpriem!`, dann winkt doch mal! Ich freue mich immer über ein freundliches „Hallo Rike!“.

Bis bald im Eselnest!

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Dieser Weg wird kein weicher sein…

Dieser Weg wird kein weicher sein…

Laufen ist gesund. Fürs Herz-Kreislauf-System, die Durchblutung, die Figur zum Beispiel. Also auf Waldboden. Auf dem Asphalt ist es ungesund. Für die Gelenke und die Knie zum Beispiel. Sagt das Internet. Und Laufexperten.

Ich bin trotzdem ein Straßenläufer. Warum? Nun, ich stamme vom Rotkäppchen ab. Ziemlich sicher. Immer wenn ich den geraden Weg verlasse, verliere ich auch mein Ziel aus den Augen. Ich hoffe, ich habe keine Großmutter auf dem Gewissen und vorsichtshalber nehme ich auch nie Wein und Kuchen mit zum Laufen.

Ich renne also brav auf dem Elberadweg und schaue nicht nach links (oder rechts) runter zum Fluss, wo nur ein paar Meter weg von mir ein Ufer, ein Strand, ein weicher Trampelpfad lockt. Vor allem mit Ablenkung! Ich bin stark. Ich bleibe stark.

Ich kann nicht immer stark sein…

Und so fragt der Bärtige stets mit den Händen in den Hüften, wenn ich vom Laufen heimkomme: „Und? Warst du heute Sport machen oder hast du nur mit dem Handy rumgeknipst und Blumen gepflückt?“.

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…Die Dresdner Heide liegt ja auch nur einen Katzensprung entfernt von Pieschen und lockt mit ihren elastisch-saftigen Waldböden. Das ist leider keine Alternative für mich. Äste, Moos, Pilze, Beeren, Zapfen… ich denke, ihr könnt es euch vorstellen.