Alt Bindestrich – eine Stadtteilführung in Dresden

Sonntagmorgen. Die Sonne scheint, ich laufe los. Ihr dürft mit, ich zeig euch was!

Los gehts zu Hause.IMG_3769Es brennt. Ich muss weg!

IMG_3812Als nächstes kommen wir durch Alt-Pieschen. Einige kleine Fachwerkhäuschen des alten Dorfkerns sind noch erhalten und schmiegen sich eng an eng. IMG_3814Gegenüber die Wohnanlage Altpieschen 9 war noch bis in die Siebzigerjahre Quell eines geflügelten Dresdner Wortes: „Wennde so weidor machst, gommste nach Altpieschen neune!“, soll heißen, ins Obdachlosenasyl. 1912 vom Dresdner Stadtbaumeister Hans Erlwein errichtet, war es eines der Modernsten seiner Zeit. Es enthielt Wohnungen, die aus zwei Zimmern bestanden und sogar einen Herd besaßen! Im Keller der Anlage befanden sich ein Brausebad und ein Kinderschwimmbad. Sogar einen Spielpavillon ließ Erlwein anlegen. 2003 wurde der Komplex saniert und beherbergt nun (nicht obdachlose) Familien. In Wohnungen, mit mehr als zwei Zimmern. Und fließend Wasser (das war 1912 nicht implementiert).

Spielplatz in Altpieschen. Zwei alte Linden gaben dem Platz früher den Namen „Lindenplatz“. Das weiß niemand mehr, ich auch nur durch Google.IMG_3815In Altpieschen am Elbcenter eine weitere Sehenswürdigkeit: Der blaue Wagen. Dort verkauft man Softeis und veganes Eis und allerlei Kaffeespezialitäten. Das allein ist nicht erwähneswert. Aber im Herbst gibt es dort die allerbesten, duftendsten, dicksten, leckersten Waffeln, die ich je gegessen habe! Mit roter Grütze, mit Sahne, mit was-du-willst. Leider rückt der Betreiber das Rezept nicht raus, ich hab schon gefragt…

IMG_3811An der Pieschner Radbrücke muss man sich entscheiden. Links rum oder rechts rum. Die Skulptur scheint auch zu hadern. „Undine kommt“ heißt sie, ist Teil eines Skulpturenpaares und mir scheint, sie kommt nicht, sie verzweifelt. Aber was weiß denn ich, wie es aussieht, wenn Undine kommt…

Folgen wir der Brücke, gibt es allerlei zu sehen. Wir kommen am Hafen, dem Eselnest, am Yachthafen, an zwei Beaches, dem Japanisches Palais und so weiter vorbei, bis wir irgendwann in der Dresdner Altstadt stehen. Immer die berühmte Dresdner Altstadtsilhouette am Horizont. Ein schöner Weg, leider sehr frequentiert.

IMG_3808Wir gehen rechts rum, wir sind ja keine Touristen!

IMG_3810Ab jetzt haben wir die Elbe links und laufen Richtung Meißen (Wenn auf den Fotos die Elbe rechts sein sollte, habe ich mich umgedreht und befunden, das Licht sei für dieses unprofessionelle Handyfoto so rum besser, wisster Bescheid).IMG_3807Dieses erste Wegstück zeichnet sich durch eine hohe Kneipendichte aus. Das ist schlecht, wenn man da vorbeilaufen muss, und entweder/oder Hunger, Durst, keinen Bock mehr hat oder Pipi muss. Also immer. Hier liegt auch die Lieblingskneipe der Nieselpriem-Familie, das „Watzke“. Nirgends in der Stadt bekommt man so eine leckere Broilerplatte mit Bratkartoffeln.

Hinterm „Watzke“ wird es stiller und weitläufiger. Seht ihr die Häuseln hinter der Flussbiegung? Das ist Alt-Mickten. Gleich sind wir da.

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IMG_3770Wir laufen jetzt ein Stück auf dem Elberadweg. Da steht jetzt neuerdings auch mehrmals drauf, welcher Fluss links von uns fließt. Kann ja mal sein, dass man am Flussufer wach wird und gar nicht mehr weiß, wo man ist, oder? Genau.

Am Ende der geraden Strecke kommen wir nach Alt-Mickten. Hier ist auch noch ein Teil des historischen Dorfkerns erhalten. Das Sehenswerteste am Ortsteil ist der Biergarten der „Lindenschänke“, also das ist das, was der Bärtige dazu zu sagen hätte. Warum? Kommt gleich…

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IMG_3771 Wir laufen unterhalb der „Lindenschänke“ weiter. Das ist ein wirklich schönes Stück Weg… Ich liebe das!IMG_3773

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Überall dort finden sich gravierte Pflastersteine. Hier eine Straßenbahn. Warum irgendjemand (Karl-Heinz?) eine Straßenbahn verewigt hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

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Erinnerung: Wenn die Elbe rechts ist, hat sich die Nieselpriemerin nur kurz umgedreht…

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Hier leben Menschen. Unglaublich. Ich denke, wenn man hier so rumwohnt und morgens auf dieses beschauliche Stück Welt schaut, den sanften Fluss… also dann hat einen das Leben schon derbe bei den Eiern, äh, penetriert einen das Schicksal ungefragt rektal, nein, warte! Ich meine doch nur, es muss unglaublich hart sein… wirklich regelrecht unglaublich.

Nein, Kinder, ist das schön dort. Und dabei mitten in Dresden. Denkste nicht, oder?IMG_3802

IMG_3780Hinter der nächsten Kurve kommen wir zum Schloß Übigau. Hier ist auch schon ein Schild:IMG_3779Wer mit dem Pferd hier vorbeikommt, kann es festmachen. Oder ungezogene Kinder. Ist nur ziemlich weit oben, der Ring!

IMG_3785Das Schloss Übigau ist ein im achtzehnten Jahrhundert erbautes Barockes Lustschloss und hatte eine wundervolle Gartenanlage. Leider ist es nur noch in Fragmenten erhalten. Wenigstens beherbergt es einen Biergarten. Prost!IMG_3784

IMG_3783Wieder ein gravierter Stein. Diesmal unschwer zu erkennen: Das Zwingertor des Dresdner Zwingers. Leider ist die Jahresangabe undeutlich, es sah aber aus wie 2.1.1935.

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In Alt-Übigau gibts noch was zu gucken. Ein monströses Stahl-Dings ragt hinter dem Schloss in die Luft.IMG_3786

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IMG_3789Nach Alt-Übigau kommt auf unserem Pfad erst mal … nichts! Wobei, nichts stimmt ja nicht. Links die Elbe, rechts Bäume, Büsche, Felder, Wiesen, Ruhe.

Von überelbsch dringen manchmal Geräusche von Autos herüber und man sieht Kräne und dergleichen. Hier, rechtselbisch, hat man weiterhin naturnahes Spazierfeeling. Oder eben Lauffeeling, wenn man nicht permanent anhalten muss zum Fotografieren!IMG_3787

Hier zu sehen: Ihre freundliche Stadtführerin.IMG_3798

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Mitten im Nichts ein irritierendes Schild. Vielleicht darf ich hier nicht mit dem Boot lang, oder vor und zurück ist generell verboten. Oder etwas anderes Verkehrstechnisches soll auf dieser Wiese unterbunden werden (Ich denke, irgendein Schlaumeier wird sich schon in den Kommentaren melden und: „Ich! Ich! Ich weiß es!“, schreien. Einfach mal abwarten 😉IMG_3792

IMG_3788Wenn wir jetzt dem Trampelpfad weiter folgen, wird es noch ein bisschen beschaulicher. Dann kommt Kaditz. Alt-Kaditz ist auch wunderschön, hat einen beschaulichen Dorfkern, eine schöne Kirche mit einer berühmten Linde und auf dem Friedhof dort sollen mal meine Gebeine ruhen. Da hab ich dann eine tolle Aussicht! Auf rumstehende Pferde, Gemüseäcker, Apfelbäume und friedliches, ruhendes, dörfliches Nichts. Immer noch „mitten in Dresden“.

Von Altkaditz führt ein Weg nach Alt-Kötzschenbroda, und da müsst ihr wirklich mal gewesen sein! Also, ich will nicht zu viel verraten, nur, dass es (voll die Überraschung) einen wunderschönen Dorfkern gibt und einen berühmten Tisch. Also richtig berühmt!

Das machen wir das nächste Mal. Heute schaffen wir das nicht mehr, ich muss ja den ganzen Weg auch wieder zurück! Und Essen kochen. Als Dessert solls „Tarte Tatin“ geben. Ob die was geworden ist, könnt ihr bei Instagram nachsehen. 🙂

Ich hoffe, ihr kommt das nächste Mal wieder mit zum Laufen. Laufen ist ja gesund. Und lehrreich!

6 Kommentare zu “Alt Bindestrich – eine Stadtteilführung in Dresden

  1. Danke für’s mitnehmen. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich (obwohl ich ja 18 Jahre in DD gelebt habe) noch nie in der Ecke war – Schande über mich :o( Aber Alt-Kötzschenbroda kenn ich dann wieder :o)
    Ich seh schon, beim nächsten DD-Trip muss dann mal Pieschen genauer erkundet werden :o)

    Alles Liebe ♥
    Nadine

  2. Hach ja, genau den Weg bin ich eines Tages spaziert mit dem ganz und gar neuen und schönen und aufregenden und unglaublichen Gefühl, dass wir bald mehr als 2 sein werden … Und da wir inzwischen 5 sind, natürlich danach noch so einige Male. 🙂 Schön isses immer wieder. Danke für die herrlich sonnig herbstlichen Bilder von den schönen Seiten Dresdens!

    LG Doro

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