Neujahrsvorsätze

Neujahrsvorsätze

Neujahrsvorsätze sind so Sätze, die man vor Neujahr sagt. Und die dann spätestens ab Hochneujahr vergessen sind. Also dann, wenn alle Menschen bei Tchibo Fitnessshirts und Faszienrollen gekauft haben, enthusiastisch dämliche AbnehmApps im jeweiligen Appstore heruntergeladen und wenigstens einmal neugierig und ob der Preise ungläubig staunend durch den Bioladen geschlendert sind (und im Anschluss drei Schnitzel für drei Euro im Discounter gekauft haben).

Ich weiß nicht mehr, an wie vielen Neujahrstagen ich beschlossen habe, ab jetzt nicht mehr zu rauchen. Irgendwann war es dann ein unscheinbarer Septembertag, an dem ich tatsächlich meine letzte Zigarette geraucht habe und es gab nicht mal ein Feuerwerk. Egal, die vielen Neujahrvorsätze haben bestimmt die Vorarbeit dazu geleistet!

Was ich sagen will, dieser Tag eignet sich gut für eine innere Inventur, eine kritische und wohlwollende Bestandsaufnahme. Wer bin ich, wo bin ich und habe ich ein Navi dabei? Eine Karte? Einen Plan? Einen Führer? (Man wird doch 2020 wieder „Führer“ schreiben dürfen, oder?! Nein? Oh, ok.) Und: Führe Guide ich oder möchte ich an die Hand genommen werden? Wohin soll die Reise gehen und habe ich die richtigen Schuhe an? Zwölf Monate, dreihundertfünfundsechzig Sonnenuntergänge, die vor mir liegen. Das neue Jahr als Chance, als unbeschriebenes Blatt im ganz persönlichen Lebenslauf. „Chance“, das bedeutet im Französischen „Glück“. Chancen zu sehen für sein eigenes Wachsen und Veränderungen, welch ein großes Glück!

Nun rauche ich ja nicht mehr, trinke keinen Alkohol, lebe freiwillig monogam und esse schon mein Leben lang ungern Fleisch bei gleichzeitig zwanghaftem Drang zu sportlicher Betätigung. Nach gängiger Mode hinsichtlich eines ordentlichen Lebensstiles kann ich getrost sagen, meine guten Absichten für das neue Jahr klingen wie die Werbung für kalorienreduzierte Wurst: „Ich will so bleiben wie ich bin – du darfst!“, allerdings muss ehrlich gesagt werden, dass ich mich bis zu diesem Punkt der Einsicht und Selbstakzeptanz fast fünfzig Jahre abgeplackert habe und dass diese wohlwollende und annehmende Haltung nüchtern und nichtrauchend betrachtet eigentlich nichts mit dem Fehlen irgendwelcher Laster zu tun hat. Sondern mit dem Umstand, dass ich mich selbst mehr liebe ohne selbstzerstörerisches Verhalten, das mich leider anzieht.

Aber es geht ja nur darum, seine eigene Kompassnadel auszurichten. Es gibt Menschen, die sich besoffen und dauergeil einfach mal dauergut fühlen und wenn sie damit keine anderen Menschen gegen ihren Willen belästigen, super! Und natürlich im Anschluss ihre Schnapspullen im Glascontainer entsorgen, natürlich.

Wie ich jetzt darauf komme?

Ich war gestern Morgen laufen, das mache ich seit vielen Jahren an jedem Neujahrsmorgen. Und ich war entsetzt. Entsetzt darüber, dass es ganz offensichtlich am Neujahrsmorgen 2020 ganz genauso aussieht wie am Neujahrsmorgen 1999, zum Beispiel. Dass es nach einem Jahr voller Greta und Klimagipfel und Resolutionen, Demonstrationen, FFF und Grannys for future und Aufklärung durch quasi jedes frei zugängige Medium dennoch so aussieht wie es aussieht.

Mensch, wie sieht es denn hier aus?!

Am Silvesterabend schon stand ich an dem schönen Fluss, der durch meine Lieblingsstadt fließt, und stellte keine mengenmäßige Veränderung fest, was Feuerwerk, Böller und Raketen anbetraf. Das war auch nicht anklagend oder kritisierend, einfach nur feststellend.

Am Morgen danach kommt mir das Kotzen. Ich kann es einfach nicht fassen, das Bild, das sich mir bildet. Der Mensch ist dumm und ignorant und nur auf die Maximierung des eigenen Lustgewinnes aus (ich habe noch nicht gefrühstückt, da zünde ich schnell), der Mensch ist schlecht. Ich denke unwillkürlich an die Titanic, während ich über den knirschenden Asphalt laufe, das Schiff sinkt, im Maschinenraum arbeiten die Ingenieure wie besessen um das Schiff zu retten und im Ballsaal schütten sich die Gäste mit Champagner zu und tanzen fröhlich, als wäre rein gar nichts passiert. Ein Eisberg? Ach was, das ist doch nur Panikmache!

Das muss man erst mal verstehen. Da stellen Menschen, die möglicherweise an dreihundertsechzig Tagen im Jahr behaupten, Bio und regional sei zu teuer, Batterien und Knallzeug auf den Gehweg, was so teuer ist wie eine Schweinslende in Demeterqualität und -Puff!-Peng!- ab damit in den Himmel. Danach gehen sie nach Hause. Der Müll bleibt liegen, ebenso der Plastikbeutel, in dem sie ihren Knallmüll herbeigetragen haben. Daneben die Sektflaschen zum Anstoßen – Zack! Ab auf die Wiese damit und mein Sektglas schmeiße ich an die Wand, das wird Glück bringen! – wird sich schon irgendwer darum kümmern, mir doch egal.

Und mir dämmert, Veränderungen müssen vielleicht einfach „näher dran am Menschen“ beginnen. Bei Silvester heißt das vielleicht nicht: „Kauft keine Knaller! Das ist schädlich für die Umwelt!“, sondern: „Nimm deinen Scheißmüll gefälligst wieder mit nach Hause! Sammel doch einfach den Dreck ein, den du machst, wenigstens den sichtbaren. Danke! Und Prost Neujahr!“. Müllentsorgung kommt vor Müllvermeidung in der Bewusstseinskette.

Biologisch abbaubare Böller – eine Alternative?

Morgens um neun war die Dresdner Stadtreinigung bereits am Schillerplatz im Einsatz und gegen zehn sah es rund um den Schillergarten aus wie frisch reinegemacht und mit Pril gewienert. Dazu muss man wissen, dass in diesem Viertel die Stadtrundfahrt durchfährt und hier zwischen den Villen an der Elbe die reichen Touristen promenieren, und die will man natürlich mit einem sauberen Ambiente erfreuen, also die Stadtväter möchten das.

Geputzt wird am ersten Januar nach meinem Beobachten nur bis zur Waldschlösschenbrücke, danach fängt Johannstadt an und das ist nicht so wichtig, ob es dort dreckig ist, und Pieschen? Ach, nach Drecks-Pieschen kommt die Straßenreinigung gar nicht in der ersten Januarwoche! Dort sieht es aus wie nach dem Krieg (oder was unsereiner darunter versteht).

Aber in Pieschen habe ich am ersten Januar junge Menschen gesehen, die mit Beuteln bewaffnet am Elbufer entlang gingen und Silvestermüll aufsammelten. Und später auch in Blasewitz eine ganze Familie, die während eines Neujahrsspazierganges Beutel dabei hatte, aus denen Holzstöcke von Raketen ragten.

Der Bärtige sammelt unseren Müll auf, trennt ihn säuberlich und streichelt meine empörte Faust, während er mich zu besänftigen versucht. Die Menschen würden „das“ nicht vorsätzlich tun und es gäbe zu wenig Mülleimer an der Elbe und jeder Mensch muss sein Verhalten für sich selbst entscheiden. Und da irrt er ja gewaltig, wie ich finde.

Ich habe deshalb beschlossen, am nächsten Silvesterabend Müllbeutel zu verteilen an der Elbe. Wahrscheinlich werde ich verkloppt. Oder zumindest bepöbelt. Ich werde den Menschen einen schönen Silvesterabend wünschen und ihnen – falls sie keinen eigenen Abfallbehälter dabei haben – einen schenken mit der Bitte, ihren Müll aufzusammeln und einfach nur neben den nächsten Mülleimer zu stellen und die Flaschen bitte nicht zu zerschmeißen, wegen der Schwäne, Enten, Gänse, Kinder, Scheißkinder! Denkt ihr gefälligst auch mal an die Scheißkinder! Ihr ignoranten Arschlöcher!“. Das wird super.

Und so schreibe ich auf mein leeres Blatt 2020 einen einzigen Satz nur: Da geht noch mehr! Und ich hoffe sehr, dass das stimmt.

 

 

Es weihnachtet sehr

Es weihnachtet sehr

In den letzten vier Wochen war alles wie immer im Advent. Die Menschen rannten noch ein wenig schneller, mit gehetztem Blick, um noch mehr Zeug ranzuschaffen, zu kaufen, zu verschenken und verloren unterwegs oft die Nerven.

Diese verflixte Besinnlichkeit, nach der sich alle so sehr sehnen, all das Klingeling und Zimt-Vanille-Tannen-Duftpotpourrie, es scheint so nah und dennoch unerreichbar.

Überall klagen die Menschen um mich herum über „Vorweihnachtsstress“, als sei das eben etwas, was dazugehörig sei.

Wie kann man da ausbrechen? Vielleicht, wenn man den Mann zum Sushiessen einlädt, obwohl man selbst kein Sushi isst. Einfach nur, um ihm einen Freude zu machen im Advent, und seine Hand über das rohe Gemüse und den Fisch hinweg zu halten. Oder damit, dass der Mann beobachtet, wie waghalsige Kletterer einen Baum halbieren und denen die größte Mistelkrone abschwatzt, die ich je sah – für mich!

Zwischen all dem Streit und den Krankheiten und der endlosen noch-zu-besorgen-noch-zu-organisieren-Listen.

Ja, damit kann man versuchen, das Weihnachtsgefühl einzufangen.

Ganz sicher gelingt es, wenn man Freunde und Freundeskinder einlädt zu einer Weihnachtsfeier. 

Und diese dann Gänseschmalz, Plätzchen, Mandarinen und Weihnachtsäpfel auf den Tisch packen.

Und alle dann Weihnachtslieder singend und Laternen schwingend einen Spaziergang durch den dunklen Waldpark machen.

Und wenn dann sogar der Blasewitzer Weihnachtsgeist, der im Waldpark wohnt, vorbeikommt, und alle mit Wunderkerzen in der Hand „Stern über Bethlehem“ singen, dann ist Weihnachten. Ich hab es genau gespürt.

Marshmallows am Spieß, acht Liter Glühwein und dreißig Bratwürste vom Grill später war mir klar, das ist es! „Thats it“, wie Michael Jackson sagen würde.

Was noch? Ich hatte die Tochter meiner Freundin zu Besuch und wir haben Seifen gegossen. Diese habe ich in Tütchen verpackt und jeweils mit einem Salzteiganhänger, den der Blondino und ich gebastelt haben, in Mengen verschenkt. Und jedes Mal an diese beiden schönen Nachmittage gedacht, an denen die Dingen entstanden sind. Sehr hilfreich, um sich anzuweihnachten.

Alle Geschenke sind verpackt. Es ist deutlich weniger als in vergangenen Jahren und ich habe keine einzige Weihnachtskarte geschrieben, keine HOHOHO-eMail mit Familienbild vorm Baum versendet, und das fühlt sich gut an für mich. Vielleicht telefoniere ich eine Stunde am Heiligabend alle Verwandten ab und störe bei deren Festlichkeiten, weil ich mich dann doch schuldig fühle, und danach fühle ich mich dann noch blöde dazu und beschließe, im nächsten Jahr schreibe ich schon im November Weihnachtspost! Vielleicht. 

Wir waren Riesenrad fahren mit dem Kleinsten, und obwohl ich Menschenmassen extrem unangenehm finde und daher Weihnachtsmärkte keine Wohlfühlzonen für mich sind, war das schön. Gut, auch voll und kalt, aber schön. Doch, wirklich. Vielleicht mache ich das jetzt öfter.

Ich habe mit dem Kleinsten zusammen insgesamt sechs Kilo Plätzchen gebacken und drei Kilo Stollen. Ich habe heute noch Eierpunsch gemacht und an Heiligabend gibt es Kartoffelsalat mit dreierlei Würsten, Buletten (die man in Dresden „Bäffis“ nennt), selbst gebackenes Brot und eine Käseplatte.

Wir werden Gans essen an der Frauenkirche und Reste vertilgen mit Familienangehörigen. Wir werden drei Tage lang Besuch haben und ich freue mich wie verrückt darauf. Wenn es nach mir gänge, könnten es an jedem Tag noch mehr liebe Menschen sein, die sich hier rumdrücken. Es ist soweit: Ich habe innerlich Weihnachten!

Ich laufe über den hektischen Schillerplatz und wünsche jedem, der zufällig meinen Blick auffängt, fröhlich: „Fröhliche Weihnachten!“, und vielleicht wird schon in Blasewitz vor mir gewarnt.

Mir ist das ernst. Ich will fröhliche Weihnachten. Ich will Besinnlichkeit, Liebe all around und dass die blöde Bronchitis weggeht und die Magenschmerzen und die Schlaflosigkeit in meiner Familie. Und dass mein Großkind den Schulstress abstreifen kann und gern bei uns ist. Nicht nur zum Handy aufladen und zum Sandwich to go schmieren in der Küche auftaucht.

Dass wir es schön haben am Heiligabend. Dass das Essen reichen wird (natürlich wird es das) und alle Gäste mögen, dass ich diesmal Gedichte und Geschichten ausgedruckt habe und es vor jedem neuen Becher Eierpunsch einen Kulturbeitrag geben muss. Dass wir einen Platz in der Kirche bekommen beim Krippenspiel. Und dass jeder Mensch in meiner Nähe dieses Weihnachten ein wenig länger als bis Neujahr in sich trägt.

Ich wünsche mir, dass sich verschiedene Verschwurbelungen, die mir und denen, die ich liebe, das Leben ein wenig mühsam machen, auflösen im nächsten Jahr. Und Geduld bis dahin.

Ich wünsche euch allen von Herzen ein schönes Weihnachtsfest, ganz gleich, wie und mit wem ihr es verbringt, und dass sich eure Erwartungen erfüllen mögen. Ich wünsche euch Gesundheit und inneren Frieden. Ich wünsche uns, dass wir uns im nächsten Jahr hier wieder lesen und ich danke euch für fünf Jahre Nieselpriem. Ich danke euch für jede eMail, jeden Kommentar bei Facebook, jedes Herz bei Instagram und jedes „Ey, hallo! Bist du nicht die Nieselpriem?!“, auf der Straße. Ihr macht mir damit übers Jahr so viel Freude, das sind auch Geschenke. Ich freu mich wirklich immer darüber, danke schön!

Jetzt ist Weihnachten!

Und weil irgendwer bei Facebook ja immer fragt, “ Ob Chris Rea schon losgefahren sei?!“, ja, isser. Und mit diesem Oberschnulz schicke ich euch jetzt in die Weihnachtsferien.

Habts schön und schüssn bis nächstes Jahr, eure Rike. ❤

 

Wochenendbilder reloaded

Im Moment bin ich eher Bilderbuch-Blogger denn Geschichtenerzähler. Das liegt daran, dass ich lange krank war und auch noch immer nicht so richtig auf dem Posten bin, wie man so schön sagt. Ich habe monatelang keinen einzigen eloquenten Gedanken denken, geschweige denn schreiben können und das hat sich entsetzlich angefühlt. Ich habe lange Zeit befürchtet, es kommt nie zurück. Der Gedanke, das Talent oder vielmehr die Möglichkeit zu verlieren, die eigenen Gefühle durch geschriebene Worte zu sortieren, zu konservieren, das hat mich bodenlos erschüttert. Ich dachte, ich würde niemals wieder etwas derart Lustiges schreiben können wie das hier, oder etwas Anrührendes wie den Text hier. Ich würde in Zukunft Einkaufszettel schreiben und Entschuldigungen für Fehlstunden, Ende Gelände. Und die Zukunft, von der wir hier reden, würde eine sehr kurze sein.

So war das. Und ja, wir reden hier über Depressionen.

Those days are gone. Ich sehe mittlerweile das Licht am Ende des Tunnels deutlich und auch die Worte kehren zurück. Zum Glück! Noch immer zünde ich jeden Morgen innerlich eine Duftkerze („Sinnlig Vanilla“, was sonst) für die heilige Eloquenzia, Inkontinenzia oder wen auch immer an. Es geht vorbei! Die schwarze Scheiße verzieht sich! Halleluja, endlich.

Und da meine Behandler allesamt der Meinung sind, über das Schreiben käme ich zurück zu alter Form und Größe (eine junge Form wäre mir persönlich zwar lieber, aber das ist wohl nicht verhandelbar) und dieses Fotodokumentationsdingens sei eine gute Achtsamkeitsübung, knipse ich also aus Therapiegründen weiter meine Wochenenden. Und ihr müsst da jetzt durch!

Geht los.

Schwarz zu grau. Frühmorgens immer dieselben Protagonisten: Der Blondino und das Tablet, die Mutter und ihr Kaffeepott (letzteren beiden nicht im Bild)

Der frühe Vogel von Blasewitz, das isser.

Wir schlendern zum Schillerplatz, die Straßen sind noch leer. Und ja, ich habe die Plagenkarre mitgenommen. Ich brauche was zum Festhalten und das Kind und ich haben einen Deal: Er darf so lange dort drin sitzen, wie er reinpasst, danach wechseln wir. Er hat eingeschlagen.

Auf dem „Schilli“ ist Wochenendmarkt. 

Im Schillergarten wird Samstags Fisch verkauft und sogar vorort frisch geräuchert.

Wir bekommen geräucherten Karpfen zum Probieren geschenkt!

 

Wir sind kurz vor neune tatsächlich die einzigen Leute dort, selbst auf dem Spielplatz. Wo sind denn alle? Wir sind schon seit über drei Stunden wach!

Wir gehen zum Elbestrand und teilen unsere auf dem Markt gekauften Streuselschnecken mit dem Gevögel.

An der Elbe entlang laufen wir wieder heimwärts. Unterm Blauen Wunder hat jemand einen Sinnspruch für die reichen Bürger von Blasewitz hinterlassen.

 

Auch wenn das Wetter grau ist und die Sicht verhangen, mag ich die Weite und die Elbhänge, von dieser Seite aus betrachtet, sehr.

Zu Hause stricken. Aus den Resten der Sockenwolle soll ein Hustenleibchen entstehen, ich habe noch keine Ahnung, wie´sgeht. Ich mach erst mal, also so wie sonst auch im Leben…

Auf dem Teller Nudeln mit tonnenweise Knoblauch und außerdem etwas Spinat und etwas Fisch. Das mit dem Knoblauch ist auch im übrigen das ganze Geheimnis, wie ich es schaffe, meinen jungschen attraktiven Kerl zu halten: Ich schmeiße einfach soviel Knoblauch an jedes Essen, dass der Gestank, der von meinem Kerl ausgeht, einfach jeder jugendlichen Bewerberin um meinen Posten die Tränen in die Augen und sie zum Rückzug treibt. Das ist schon alles!

Nachmittags joggen. In Wahrheit schlurfe ich schnaufend drei Mini-Runden um den Tennisplatz im Waldpark und bin dabei so schnell, dass ihr problemlos neben mir spazieren gehen könntet. Ich dachte, wenn ich mit dem Rauchen aufhören würde, dann würde ich abgehen wie Speedy Gonzalez! Nichts. Ich rauche seit vier Monaten nicht mehr und außer fünf Kilo mehr auf Rippen und Hüfte – Nix! Danke auch.

Weil das eh alles nichts bringt und außer mir sich hier alle dem Kuchen verweigern, esse ich alles alleine auf!

Samstag Abend wie stets und immer offline Spieleabend. Ich bin dran mit Aussuchen, also Skat! Ich verliere haushoch, gewinne aber zwischendrin ein Grand ohne Vieren und feier mich übelst ab deswegen.

Der Bubi will auch mal auf den Blog. Also bitte schön: Das ist er, der Großsohn!

Sonntag Morgen sind wir zum Brunch in Altkö eingeladen.

Das Blondchen langweilt sich im Keller sehr und schält alle achtzehn Eier vom Frühstücksbuffet. Einer der Freunde meinte, das fände er nicht so dolle, immerhin seien das ja Lebensmittel! Der Bärtige so: „Alles klar, du willst dich also mit dem beschäftigen? Super!“. Darauf holte der Freund dann noch mehr Eier…

Am Nachmittag: Der Mann geht zum, Squash mit anschließendem Biertrinken (oder, wie ich es formuliere: Zum Biertrinken mit Sport-Alibi) und das Kind und ich backen Knet-Plätzchen.

Meine Aufgabe ist der Bau eines Plätzchenofens.

Abnahme erteilt, der Ofen funktioniert!

Das Kind und ich hängen Eier an den Ganzjahresstrauß…

… und freuen uns über den Betonhasen, den unsere Freundin Fika in einem Fruchtzwergebecher gegossen hat.

Später beim Wäschemachen – das Kind ist im Bett und das Großkind hinter den Terminals verschanzt –

…fällt mir die Bernsteinkette des Kleinsten in die Hand. Er hat sie vor einigen Tagen abgenommen und behauptet, er sei jetzt „zu groß“ dafür.

In mir wollte etwas reißen. Was soll das heißen, „zu groß“?! Noch zweimal zwinkern, dann steht der womöglich mit einem Mädchen vor mir und sagt: „Das hier ist Alma Hiltrud Cassiopeia und wir ziehen zusammen! Weißte Bescheid Mutter, ich hol nur mal eben kurz meine Sachen…“.

Atmen, Mutti.

Dann denke ich mir. ach weißte, wenn der die dann auch als Blödpopel beschimpft so wie mich und jedesmal, wenn ihm die Argumente ausgehen „DANN GEH DOCH SCHON ZU NETTO!“ brüllt wie im Moment, dann bringt mir den Alma Hiltrud Cassiopeia beizeiten zurück!

 

 

Mehr Bilder vom letzten Wochenende gibts wie immer bei Susanne. Eine schöne Woche euch, ihr Lieben, und bis bald!

 

12 von 12 Februar 2016

12 von 12 Februar 2016

Ihr kennt das?! Am zwölften des Monats knipsen (mehr als zwölf) Blogger zwölf Fotos ihres Tages und lassen euch so an ebendiesem teilhaben. Ins Leben gerufen von Draußen nur Kännchen hat diese Fotoaktion mittlerweile sehr viele Fans auf Seiten der Blogger und der Leser.

Ich mach mal wieder mit. Handy im Anschlag haben ab morgens und nun das Durchzählen der Bilder sind die Herausforderungen des Tages… seid nachsichtig.

Es ist Freitag. Also stehen wir pünktlich um sieben Uhr am Fenster. Am Freitagmorgen kommt das Badeng! Immer! Da kommt es schon (rechts unten im Bild; Hinweis: Es ist orange).

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Heute ist mein letzter Urlaubstag, ich bin mit Gretel verabredet. Das kleine Gretelkind hatte Geburtstag, deshalb packe ich. Leider habe ich nur noch Weihnachtspapier, aber vielleicht merkts ja keiner? Ich freu mich schon auf den Mädelsvormittag…

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Aber halt! Vorher muss ich noch was erledigen und das wird sich hinziehen. Ich brauche alte OP-Berichte für einen Termin am Montag. Die wurden vor zwei Wochen auch schon angefordert, aber nicht geliefert. Also fahre ich heute zwei Arztpraxen ab um das blöde Gelumpe persönlich abzuholen! Ich habe mich selbstverständlich telefonisch angekündigt, selbstverständlich muss ich trotzdem warten. Praxis eins…

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Praxis zwei hat wenigstens eine unterhaltsame Wandzeitung.

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Immer wenn ich nach Tolkewitz fahre, muss ich bei Gradels anhalten. Ich bin dort in der Gegend aufgewachsen und schon Anjang der Siebzigerjahre stand Frau Gradel mit ihrer Bienenkorbfrisur hinter der Theke mit den Torten und Trüffeln. Dort steht sie noch immer, scheinbar alterslos, und verkauft den allerbesten Stoff der Stadt! Und nein, es gibt nirgendwo eine Netto- oder Rewe-Shop-in-Shop-Filiale. Für die Mocca-Buttercreme-Baisers muss man eben nach Dresden Tolkewitz kommen.

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Ich bin so gern bei Gretel. Und ich bin so gern in dieser Wohnung! Die Räume sind wie die Bewohner: Bunt, liebevoll, herzlich, warm und überraschend. Und jedes Mal entdecke ich etwas Neues.

IMG_0842Wir reden, herzen, trinken Tee und essen Torte. Das machen wir immer, wenn wir uns sehen.

Ich werde noch angeschmust…

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… bekomme ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk…

IMG_0835… und darf den Oxfam-Korb plündern (Sorry Oxfam!)

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Hier ist alles so schön! So geschmackvoll! Und so hach. Guckt mal, ein Tontopf mit ollen Blättern beklebt. Ist das nicht wundervoll? Ich finde hier alles wundervoll.

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Der Bärtige hat immer hektische Flecken, wenn ich mit Gretel unterwegs war, weil ich dann stets mit Tüten und Körben voller Trödel (Schätze) heimkomme. Diesmal war ich im Anschluss alleine noch beim Trödel. Für die Freundin hab ich zwei alte Zuckerzangen erstanden und für mich zwei Keramikschüsseln von Colditz und ein angelaufenes Silbertablett. Ich steh auf alte DDR-Keramik und angelaufene Silbertabletts kann man nie genug haben! Da kann man Kerzenständer drauf gruppieren, Blumenvasen, einen Blumentopf, ein Tellerchen mit Gebäck… (Der Mann wird durch diesen Beitrag erst erfahren, dass wir diese Dinge nun besitzen. Er wird sich sehr freuen. Eher so nach innen.).

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Was war noch? Einkaufen… Es gab auch was zu essen und wir haben gezankt und geküsst und…

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…der Große bewachte den Schlaf des Kleinsten auf ein Stündchen…und wir waren wir noch mal kurz aus in der Nachbarschaft. Da ich immer noch dolle angeditscht bin und verrotzt, war´s eben nur kurz.IMG_0844

Tja, Tag rum! Habt ihr mitgezählt? Äh, ja. Werde ich jetzt disqualifiziert?! Welches soll ich löschen? Ich kann mich nicht entscheiden! 😉

Verpetzt mich nicht und geht doch mal bei Caro luschern, was die anderen heute so erlebt haben.

Und dann, Leute: Hoch die Hände, Wochenende! Ich geb euch noch was mit. Für Gretel und alle anderen Lieblingsmenschen. Eure und meine. Für euch, für uns. ❤

Tür 10 – Geschenke aus Pieschen Teil II

Tür 10 – Geschenke aus Pieschen Teil II

(Dieser Beitrag enthält Werbung)

Hirschel Cosmetic, auf der Bürgerstraße 59 im Herzen von Dresden Pieschen gelegen startete 2006 als Onlineshop für Parfumerie und Naturkosmetik. Seit 2010 gibt es auch das Ladengeschäft und dort kann Mann und Frau nicht nur etablierte Marken shoppen, sondern auch Raritäten wie Ostprodukte (wer sich noch an „Action“ & Co erinnert), Retrodüfte, Raumdüfte, Saunabedarf, Kosmetikgeschenke und vieles mehr. Das kleine Lädchen ist eine echte Perle!IMG_0063 IMG_0068 IMG_0072

Hin kommt ihr mit der Straßenbahn Linie 13, Haltestelle „Rathaus Pieschen“ oder der Straßenbahn Linie 4 und 9, Haltestelle „Altpieschen, ElbCenter“. Geöffnet ist Mo – Do :10.00 – 16.00 Uhr und Freitags: 10.00 – 15.00 Uhr. IMG_0065

Außer dem Onlineshop und der Möglichkeit, die Produkte vorort in Pieschen zu testen und zu kaufen, bieten Sven und Frank-Leo Hirschel besonders den Dresdnern noch weitere Möglichkeiten: Man kann die Produkte im Onlineshop oder telefonisch bestellen und kostenfrei und ohne Aufpreis im Stadtgebiet Dresden, Heidenau, Bannewitz, Freital und Radebeul/Coswig von den Betreibern Sven und Frank-Leo Hirschel selbst liefern lassen. Auf der Facebook-Seite von Hirschel Cosmetic erwarten euch zusätzlich regelmäßig Rabattaktionen und Gewinnspiele. Unbedingt abonnieren!

Für die Nieselpriem-Leser hat Sven Hirschel eine Überraschungstüte voller veganer Kosmetikprodukte vom Label „GO&HOME“ gepackt und ich freue mich, diese unter euch verlosen zu dürfen. Unser heutiges Geschenk aus Pieschen!IMG_0166

Um die Überraschungstüte zu gewinnen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Schreib bitte eine Mail mit Betreff „Hirschel“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird am 13.12.2015 ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

 

 

Hanging Books

Hanging Books

Ich will euch heute eine tolle Frau vorstellen. Sie ist der Kopf von Librileo, einer gemeinnützigen Organisation und macht großartige Aktionen für Kinder und Familien. Und mit eurer Hilfe demnächst in Dresden.

 

Sarah, erzähl doch mal was über dich!

Ich heiße Sarah Seeliger, bin 28 Jahre alt und habe zwei kleine Kinder. Außerdem bin ich die Gründerin und Geschäftsführerin von Librileo. Die gemeinnützige Librileo UG haben mein Partner und ich im Januar dieses Jahres gegründet.

Sarah und Julius, die Gründer von Librileo

Sarah und Julius, die Gründer von Librileo

Was macht ihr?

Unser Ziel ist es, Kindern aus schwierigen Lebenslagen, Bildungschancen zu ermöglichen. Unsere gemeinnützige Organisation befähigt deshalb Eltern aus schwierigen Lebenslagen, ihren Babys und Kindern beste Voraussetzungen für den Schulbeginn mitzugeben. Wir begleiten die Familien über 6 Jahre hinweg. Alle drei Monate erhalten sie von Librileo eine Bücherbox. Diese Bücherbox kommt wie ein Geschenk hübsch verpackt zu ihnen nach Hause. Für uns ist es wichtig den Eltern auf Augenhöhe zu begegnen. Jede Bücherbox ist auf das Alter der Kinder ganz genau abgestimmt. Eine Bücherbox für die ganz Kleinen beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Thema „Kleiden mit den Jahreszeiten“, eine Bücherbox für 3 Jährige mit dem Thema „Trotzphase“ und für 6 Jährige mit dem Thema „Berufe“. Jede Box besteht aus einem Bindungselement, einem Bildungselement und einem Kinderbuch. Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien bekommen diese Bücherboxen kostenlos.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

In Deutschland leben momentan ca. 2 Mio. Kinder in Armut. Sie haben kaum Bildungschancen. Häufig bekommen sie keinen Schulabschluss und geraten in eine Negativ-Spirale. Das wollen wir verhindern. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben. Wir wollen erreichen, dass sich die Beziehung zwischen Eltern und Kind verbessert und in den Familien gemeinsam Bücher angeschaut werden.

Wie lange gibts euch schon? Wie groß ist euer Team?

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„hanging books“ in einer Haltestelle

Die gemeinnützige Librileo UG haben wir im März 2015 gegründet. Seit Juni werden wir von einer Stiftung unterstützt. Unser Team besteht aus Julius, einem Designer, einer Sozialpädagogin und mir.

Erzähl was über die Aktion!

Wir hängen Kinderbücher an Bushaltestellen auf, um Kindern eine Freude zu machen. So wird ihnen beim Warten auf den Bus nicht langweilig und sie entdecken durch uns vielleicht ihre Liebe zu Büchern. Wir verschönern die Stadt und liefern Lesestoff für Kinder. Außerdem wollen wir auf Bildungsarmut aufmerksam machen. Wir wollen die Menschen in ihrem täglichen Ablauf erreichen.

Was gabs bisher für Feedback?

Die hanging books Aktion hat bisher in Berlin und Köln stattgefunden. In beiden Städten ist die Aktion gelungen. Viele Menschen sahen die Bushaltestellen und viele Tageszeitungen und Radiosender berichteten darüber. Außerdem konnten auch Spendengelder eingesammelt werden.

"Hanging Books" in der Berliner Zeitung

„hanging books“ in der Berliner Zeitung

Im November soll „hanging books“ nach Dresden kommen. Das klingt toll!

Genau. Dafür suchen wir in Dresden noch Helfer. Es sollen 100 Bücher verteilt werden. Pro Haltestelle hängen 4-6 Bücher, ca. 20 Haltestellen sollen präpariert werden. Die Aktion wird Anfang November stattfinden. Das Ganze ist genehmigt und erlaubt! Wir freuen uns sehr! Und auch auf das Feedback der Dresdner.

Wie kann man dich erreichen, wenn man euch in Dresden unterstützen will oder diese Aktion in seine Stadt holen möchte?

Aktuell suchen wir in Dresden ca. 6-8 Freiwillige, die die Bücher aufhängen und bei der Planung helfen. Meldet euch einfach bei uns!

Danke für das Interview, Sarah, und ganz viel Erfolg und positive Rückmeldungen!

Hier kommen noch für alle Interessierten Möglichkeiten, Kontakt aufzunehmen, sich zu informieren und Librileo finanziell zu unterstützen:

Post an Sarah und Librileo: gemeinnuetzig@librileo.de
Hier gehts zur Unternehmensseite: http://librileo-gemeinnuetzig.de/info/

 

#wib – im Oktober

Das Gute an Wochenenden ist, dass man sich von der Woche erholen kann, regenerieren. Das Schlechte an Wochenenden ist, dass dieser Grundsatz für Eltern mit kleinen Kindern aufgehoben zu sein scheint.

Pünktlich Freitags ist das Kleinkind regelmäßig an irgendwelchen Körperöffnungen undicht, fiebert und macht die Nacht zum Tag. Wenn einer von uns Eltern abwesend ist, passiert das auf jeden Fall.

Der Bärtige war auf Jungsurlaub dieses Wochenende. „Fahrradfahren!“, sagte er. „Bier trinken!“, sagte ich. Er stritt das vehement ab und ich winkte müde und ließ ihn… wo bitte kann sich denn heutzutage ein anständiger Familienvater noch ordentlich betrinken? Also so richtig! Mit zwei Bier. Na also. Von mir aus nennt er das eben Radurlaub.

Ich war also von Freitag Nachmittag bis einschließlich gestern Abend im Notdienst, habe eine Nacht auf dem Kinderzimmerteppich zugebracht, mir dabei die Hüfte verknackst, mehrere Maschinen Spezialwäsche gewaschen, getröstet, gewischt, getragen, gefüttert, gewindelt, geflucht. Das übliche, ihr kennt das.

Es gibt also keine Fotos vom Samstag. Ach, halt! Eins gibt es. Der Beste hatte natürlich angeboten heimzukommen, und das fand ich nett und auch selbstverständlich. Aber das wäre Quatsch gewesen. Der war irgendwo im Nirgendwo und wäre sonstwann dagewesen. Ich versicherte ihm, ich sei groß und stark und das kriegen wir schon hin. Nachts fühlte ich mich dann doch ein wenig einsam…FullSizeRender-2Radurlaub! Sportlerurlaub! Da hat er mich dann doch sehr zum Lachen gebracht 😀 Der Gute.

Heute Morgen um fünf war die Nacht zu Ende aber He! Wir hatten durchgeschlafen! Zwar schlonzte aus der Mittelöffnung des Kinderkopfes noch grün wabernde Alienkotze und ich hatte ein wenig Angst, Sigourney Weaver könne mit der Kanone über den Balkon hechten um mein Baby abzuknallen, aber ansonsten alles prima!

Ich fühlte mich wie Superwoman und beschloss, den heutigen Tag mit der Knipse im Anschlag rumzulaufen. Ihr wolltet mal wieder wacklige Handyfotos, also bitte. Geht los!

Um sechs hatten wir gefrühstückt, eine Runde Indoorfußball gespielt (ein Schaumgummiball ist eine absolute Kaufempfehlung  von mir), drei Bücher und eine Teletubbies-Folge geguckt (doch, echt jetzt) und danach war der Blondino nur mit der Aussicht auf Spielplatz davon abzubringen, seinen selig schlafenden Bruder zu wecken. Wir also raus. In der Garage die erste Diskussion, weil das Kind dachte, wir würden jetzt in den Sonnenaufgang radeln. Oder zu „Grabo“ und „Lisa“, seinen Kita-Tanten (die im übrigen weder noch heißen).

Ich war quasi mitten in der Nacht überhaupt noch nicht in the mood für Sport und wollte gemietlisch Wagen schieben. Der von uns mit dem größeren Kopf und den längeren Haaren hat sich durchgesetzt. Sieht auf dem Bild nur noch nicht danach aus.IMG_3919Wir waren die einzigen Menschen draußen und das hatte auch was für sich. Und überraschend war es noch dazu! In dem düstren Morgenlich hatten die Straßen mit Ampel- und Baustellenbarkenbeleuchtung was regelrecht Romantisches. Ein bisschen wie Weihnachtsvorstimmung! Scheen wars…

Ein romantisch beleuchteter Bagger, für jeden von uns war also etwas dabei 😉IMG_3925 IMG_3927 IMG_3931 IMG_3930  IMG_3928Bei Scholzens in der Bäckerei wurde schon gearbeitet. Mich jieperte es sofort nach Kartoffelkuchen! Aber leider hatten sie keinen (den Rest des Weges versuchte ich, auf andere Gedanken zu kommen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen).IMG_3929Spielplatz im Dunkeln ist ja auch irgendwie skurril… und dieser hier hat noch das albernste Warnschild ever. Wohlgemerkt: An einem Spielplatz!IMG_3941 IMG_3944

IMG_3942 IMG_3943Es wurde langsam heller. Also einfach immer hellgrauer…IMG_3934 IMG_3935Neben dem Sachsenbad: Bagger. Den Blondino freuts, mich eher nicht. Heißt es doch nicht etwa, dass meine naiv-romantischen Wünsche nach Restaurierung dieses altehrwürdigen Bades erfüllt werden, sondern eher, dass nun Eigentumswohnungen, „Lofts“, dort hineingebaut werden. Allen Unterschriftensammlungen zum Trotz.

Wir machen uns auf den Weg zum Lieblingsspielplatz. Unterwegs: Pieschner Seenlandschaft (Die starren mich an, die Pfützen, seht ihr das auch?).IMG_3947

IMG_3952Wir gucken, wie weit der Frankreichladen mit dem Umbau ist. Nu ja, wird doch! Die zwei Betreiber bauen das alte Pieschner Schulhaus aus und das freut mich dolle. Außerdem haben wir nun bald zwei französische Restaurants in Pieschen. Zwei! Kein Bad, wo die Kinder schwimmen lernen könnten, aber man muss eben Prioritäten setzen. Haute Cuisine statt Schwimm´…

Der Spielplatz war auch fast vergessen, als der Blondino die abgestellte Fahrbibliothek entdeckte. „Laster! Laster Laster! Laster!“. Er hörte gar nicht mehr auf. Ich so: „Ja-haaaaa! Jeder hat eins, Babylein. Und deines sind doofe große Autos.“.IMG_3961Irgendwann konnte er sich lösen und wir gingen doch noch auf den Spielplatz. Morgens gegen sieben ist für mich die einzige Zeit, wo das ein Ort ist zum Aufhalten. Ich weiß nicht genau, ob es eine anerkannte Form der Sozialphobie ist- diese Aversion gegen volle laute Spielplätze- aber wenn, ich hab sie!IMG_3966Ohne Leute ist es sehr schön. Außerdem gibts dort Lavendelbeete. Und Thymianbeete. Minze. Irgendwann wird der Blondino im Kindergarten lernen, dass man nichts abrupft auf den Beeten, aber bis dahin lässt er mich in Ruhe pflücken.IMG_3969Die heutige Ausbeute:IMG_3973So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind immer noch draußen und ich will ja heute Fotos machen! Also mach ich noch Fotos! Nein, wir gehen später nach Hause.

Das Kind kramt in seinen Taschen und findet zwei Walnüsse. Große Freude! Er liebt Fußball, aber nicht nur. Auch Fußkartoffel, Fußapfel, Fußtomate. Wir spielen eine Runde Fußnuss.IMG_3846 IMG_3856-1Drinnen dann habe ich immer noch Kartoffelkuchenjieper. Für mich ist das ein großes Ding! Was dem Bayer sein Weißwurstmetzger, ist dem Dresdner sein Stollenbäcker. Die Stollen werden ja ab dem Spätsommer gebacken und lagern dann irgendwie wochenlang und werden zig mal gebuttert und gezuckert und gedreht und gestreichelt, was weiß denn ich. Und während der Stollenbackphase kann man als Kunde natürlich noch keinen Stollen kaufen. Aber der Bäcker, der schlau ist, fixt die Kunden frühzeitig mit Kartoffelkuchen aus Stollenteig an. Funktioniert bei mir hervorragend! Ich mag das Gelumpe fast noch lieber als den Stollen selbst.

Nun habe ich ja keinen angesetzten Stollenteig zu Hause vorrätig, werde aber zum Glück fündig in einem alten Kochbuch aus der DDR von 1970. Das Buch ist so alt wie ich, hat aber weniger Falten und kennt mehr Rezepte. Ich weiß nicht, ob das gerecht ist. Ich versuche, beim Thema zu bleiben. Kartoffelkuchen also.IMG_3974Ich ändere das Rezept in dem Buch etwas und so wirds dann:

1 Würfel Hefe in 300ml warmer Milch auflösen und in eine Schüssel zu 500g Mehl, 2 Handvoll gemahlener Mandeln, knapp 100g Zucker, zwei Handvoll Rosinen, dem Abrieb einer Zitrone und einer Prise Salz gießen. Vorsichtig verrühren. 5 gekochte Pellkartoffeln durch die Presse drücken und unterkneten. Abdecken und mindestens eine halbe Stunde gehen lassen. Danach auf einem Blech ausrollen und ca. 20-30 Minuten backen bei 150°C Umluft (Ihr müsst das mal testen bei euerm Herd. Der Kuchen soll nicht braun werden, macht einfach ne Stäbchenprobe nach zwanzig Minuten.). In der Zwischenzeit hab ich ein halbes Stück Butter ausgelassen in einem Topf. Dann den Kuchen mit einem Essstäbchen malträtiert um ihn im Nachgang mit Butter zu übergießen und ordentlich mit Zimtzucker zu bestreuen. Dann noch mal zum Ausruhen in den auskühlenden Herd. So sieht er aus:FullSizeRenderUnd so auf´m Teller:IMG_3979Saftig, leicht kartoffelig und ein bisschen adventisch. Hm!

In der Zwischenzeit macht der Pubertino, was Pubis so machen. Irgendein Gerät bedienen. Und das Kindergartenkind macht, was ein Kindergartenkind so macht: Mit seinem Kindergartenrucksack in der Gegend rumlaufen.IMG_3972Außerdem darf er Teletubbies am Tablet gucken, während ich an dem Kuchen rumfummle. Ihr habt doch nicht geglaubt, das gänge hier so nebenbei? Pah! Der Kleine beschäftigt sich nicht alleine und der Große beschäftigt nicht den Kleinen. Also beschäftige ich den Kleinen oder mache was Erwachsenes. Oder erlaube dem Kleinen was Verbotenes, damit ich was Erwachsenes machen kann! Backen zum Beispiel. Oder Duschen.

Die kleine Rotznase legt sich zum Schlafen nieder. Essen will er nichts, nur ne Pulle Milch. Also bitte. Der Pubertino will keine Kürbissuppe, deshalb kriegt er Eierkuchen. Ich esse also alleine die freestyle-Kürbissuppe und weil der Topf so groß ist und niemand hier mitisst, müsst ihr! Nehmt einen Löffel und bedient euch. Hier kommt das Rezept:

1 Butternutkürbis, 4 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen, 2 Möhren, 1 Süßkartoffel, 1 Stück Sellerie und ein kleines Stück Ingwer putzen, kleinschneiden und im Fett eurer Wahl anbraten bis sich braune Stellen bilden. Mit Gemüsebrühe aufgießen und weichkochen lassen und danach fein pürieren. Gewürzt habe ich nur ganz sacht mit Garam Masala und ein wenig Brühpulver. Obendrauf dann Schnittlauch und ausgelassenen Schinkenspeck. War wirklich lecker!FullSizeRender-1Um zwei soll der Bärtige ankommen und ich bin aufgeregt! Ich freu mich! Und das Kleinchen schläft und schläft. Vor lauter Langeweile putze ich auf den Balkons rum und fotografiere die Herbstdeko… ich muss ja Fotos machen heute!IMG_3634 IMG_3630 IMG_3629Dann wars turbulent und niemand hat Fotos gemacht…

Jetzt ist schon wieder Abend und wir machens uns nett. Also jetzt gleich. Wenn ihr weg seid!IMG_3668 IMG_3864Ich setz mich in meine Couchecke und gucke die letzten Folgen der Staffel drei von „House of cards“, knutsche mit dem Bärtigen und freue mich, dass jetzt endlich Wochenende ist.

Ach nee, schon wieder vorbei.

Naja, jedenfalls schön, dass ihr heute zu Besuch da wart! Kommt mal wieder 😉 und wenn ihr noch mehr #wib- se sehen wollt, bei Susanne gibts die Linksammlung für dieses Wochenende.

Alt Bindestrich – eine Stadtteilführung in Dresden

Sonntagmorgen. Die Sonne scheint, ich laufe los. Ihr dürft mit, ich zeig euch was!

Los gehts zu Hause.IMG_3769Es brennt. Ich muss weg!

IMG_3812Als nächstes kommen wir durch Alt-Pieschen. Einige kleine Fachwerkhäuschen des alten Dorfkerns sind noch erhalten und schmiegen sich eng an eng. IMG_3814Gegenüber die Wohnanlage Altpieschen 9 war noch bis in die Siebzigerjahre Quell eines geflügelten Dresdner Wortes: „Wennde so weidor machst, gommste nach Altpieschen neune!“, soll heißen, ins Obdachlosenasyl. 1912 vom Dresdner Stadtbaumeister Hans Erlwein errichtet, war es eines der Modernsten seiner Zeit. Es enthielt Wohnungen, die aus zwei Zimmern bestanden und sogar einen Herd besaßen! Im Keller der Anlage befanden sich ein Brausebad und ein Kinderschwimmbad. Sogar einen Spielpavillon ließ Erlwein anlegen. 2003 wurde der Komplex saniert und beherbergt nun (nicht obdachlose) Familien. In Wohnungen, mit mehr als zwei Zimmern. Und fließend Wasser (das war 1912 nicht implementiert).

Spielplatz in Altpieschen. Zwei alte Linden gaben dem Platz früher den Namen „Lindenplatz“. Das weiß niemand mehr, ich auch nur durch Google.IMG_3815In Altpieschen am Elbcenter eine weitere Sehenswürdigkeit: Der blaue Wagen. Dort verkauft man Softeis und veganes Eis und allerlei Kaffeespezialitäten. Das allein ist nicht erwähneswert. Aber im Herbst gibt es dort die allerbesten, duftendsten, dicksten, leckersten Waffeln, die ich je gegessen habe! Mit roter Grütze, mit Sahne, mit was-du-willst. Leider rückt der Betreiber das Rezept nicht raus, ich hab schon gefragt…

IMG_3811An der Pieschner Radbrücke muss man sich entscheiden. Links rum oder rechts rum. Die Skulptur scheint auch zu hadern. „Undine kommt“ heißt sie, ist Teil eines Skulpturenpaares und mir scheint, sie kommt nicht, sie verzweifelt. Aber was weiß denn ich, wie es aussieht, wenn Undine kommt…

Folgen wir der Brücke, gibt es allerlei zu sehen. Wir kommen am Hafen, dem Eselnest, am Yachthafen, an zwei Beaches, dem Japanisches Palais und so weiter vorbei, bis wir irgendwann in der Dresdner Altstadt stehen. Immer die berühmte Dresdner Altstadtsilhouette am Horizont. Ein schöner Weg, leider sehr frequentiert.

IMG_3808Wir gehen rechts rum, wir sind ja keine Touristen!

IMG_3810Ab jetzt haben wir die Elbe links und laufen Richtung Meißen (Wenn auf den Fotos die Elbe rechts sein sollte, habe ich mich umgedreht und befunden, das Licht sei für dieses unprofessionelle Handyfoto so rum besser, wisster Bescheid).IMG_3807Dieses erste Wegstück zeichnet sich durch eine hohe Kneipendichte aus. Das ist schlecht, wenn man da vorbeilaufen muss, und entweder/oder Hunger, Durst, keinen Bock mehr hat oder Pipi muss. Also immer. Hier liegt auch die Lieblingskneipe der Nieselpriem-Familie, das „Watzke“. Nirgends in der Stadt bekommt man so eine leckere Broilerplatte mit Bratkartoffeln.

Hinterm „Watzke“ wird es stiller und weitläufiger. Seht ihr die Häuseln hinter der Flussbiegung? Das ist Alt-Mickten. Gleich sind wir da.

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IMG_3770Wir laufen jetzt ein Stück auf dem Elberadweg. Da steht jetzt neuerdings auch mehrmals drauf, welcher Fluss links von uns fließt. Kann ja mal sein, dass man am Flussufer wach wird und gar nicht mehr weiß, wo man ist, oder? Genau.

Am Ende der geraden Strecke kommen wir nach Alt-Mickten. Hier ist auch noch ein Teil des historischen Dorfkerns erhalten. Das Sehenswerteste am Ortsteil ist der Biergarten der „Lindenschänke“, also das ist das, was der Bärtige dazu zu sagen hätte. Warum? Kommt gleich…

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IMG_3771 Wir laufen unterhalb der „Lindenschänke“ weiter. Das ist ein wirklich schönes Stück Weg… Ich liebe das!IMG_3773

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Überall dort finden sich gravierte Pflastersteine. Hier eine Straßenbahn. Warum irgendjemand (Karl-Heinz?) eine Straßenbahn verewigt hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

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Erinnerung: Wenn die Elbe rechts ist, hat sich die Nieselpriemerin nur kurz umgedreht…

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Hier leben Menschen. Unglaublich. Ich denke, wenn man hier so rumwohnt und morgens auf dieses beschauliche Stück Welt schaut, den sanften Fluss… also dann hat einen das Leben schon derbe bei den Eiern, äh, penetriert einen das Schicksal ungefragt rektal, nein, warte! Ich meine doch nur, es muss unglaublich hart sein… wirklich regelrecht unglaublich.

Nein, Kinder, ist das schön dort. Und dabei mitten in Dresden. Denkste nicht, oder?IMG_3802

IMG_3780Hinter der nächsten Kurve kommen wir zum Schloß Übigau. Hier ist auch schon ein Schild:IMG_3779Wer mit dem Pferd hier vorbeikommt, kann es festmachen. Oder ungezogene Kinder. Ist nur ziemlich weit oben, der Ring!

IMG_3785Das Schloss Übigau ist ein im achtzehnten Jahrhundert erbautes Barockes Lustschloss und hatte eine wundervolle Gartenanlage. Leider ist es nur noch in Fragmenten erhalten. Wenigstens beherbergt es einen Biergarten. Prost!IMG_3784

IMG_3783Wieder ein gravierter Stein. Diesmal unschwer zu erkennen: Das Zwingertor des Dresdner Zwingers. Leider ist die Jahresangabe undeutlich, es sah aber aus wie 2.1.1935.

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In Alt-Übigau gibts noch was zu gucken. Ein monströses Stahl-Dings ragt hinter dem Schloss in die Luft.IMG_3786

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IMG_3789Nach Alt-Übigau kommt auf unserem Pfad erst mal … nichts! Wobei, nichts stimmt ja nicht. Links die Elbe, rechts Bäume, Büsche, Felder, Wiesen, Ruhe.

Von überelbsch dringen manchmal Geräusche von Autos herüber und man sieht Kräne und dergleichen. Hier, rechtselbisch, hat man weiterhin naturnahes Spazierfeeling. Oder eben Lauffeeling, wenn man nicht permanent anhalten muss zum Fotografieren!IMG_3787

Hier zu sehen: Ihre freundliche Stadtführerin.IMG_3798

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Mitten im Nichts ein irritierendes Schild. Vielleicht darf ich hier nicht mit dem Boot lang, oder vor und zurück ist generell verboten. Oder etwas anderes Verkehrstechnisches soll auf dieser Wiese unterbunden werden (Ich denke, irgendein Schlaumeier wird sich schon in den Kommentaren melden und: „Ich! Ich! Ich weiß es!“, schreien. Einfach mal abwarten 😉IMG_3792

IMG_3788Wenn wir jetzt dem Trampelpfad weiter folgen, wird es noch ein bisschen beschaulicher. Dann kommt Kaditz. Alt-Kaditz ist auch wunderschön, hat einen beschaulichen Dorfkern, eine schöne Kirche mit einer berühmten Linde und auf dem Friedhof dort sollen mal meine Gebeine ruhen. Da hab ich dann eine tolle Aussicht! Auf rumstehende Pferde, Gemüseäcker, Apfelbäume und friedliches, ruhendes, dörfliches Nichts. Immer noch „mitten in Dresden“.

Von Altkaditz führt ein Weg nach Alt-Kötzschenbroda, und da müsst ihr wirklich mal gewesen sein! Also, ich will nicht zu viel verraten, nur, dass es (voll die Überraschung) einen wunderschönen Dorfkern gibt und einen berühmten Tisch. Also richtig berühmt!

Das machen wir das nächste Mal. Heute schaffen wir das nicht mehr, ich muss ja den ganzen Weg auch wieder zurück! Und Essen kochen. Als Dessert solls „Tarte Tatin“ geben. Ob die was geworden ist, könnt ihr bei Instagram nachsehen. 🙂

Ich hoffe, ihr kommt das nächste Mal wieder mit zum Laufen. Laufen ist ja gesund. Und lehrreich!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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€2,00

Der Lauf

…meines Lebens war das nicht am Samstag und so ganz freiwillig erzähle ich euch auch nicht davon.

Also eigentlich überhaupt nicht freiwillig! Das ist alles Franzis Schuld. Als wir am Samstag auf den Start warteten, fiel mir ein, dass dieser Tag der zwölfte des Monats war. Und dazu noch Wochenende! Es fielen also #12von12 und #wib auf einen Tag. Und ambitioniert plapperte ich drauf los, ich müsste heute dringend noch Fotos machen! Daraufhin knuffte mich die aufgeregte Franzi in die Seite und sagte: „Du, ich bin sowas von sauer, wenn ich nicht Teil deines 12von12 oder Wochenende in Bildern bin!“. Ich versprach, sie „ganz groß rauszubringen in diesem Internet“ und wir giggelten und feixten um die Wette. Leider kam ich so auch nicht mehr aus dieser Nummer hier raus und muss also berichten. Wenngleich es zeitlich mal wieder jenseits von allem, was mit einem zwölften oder dem Wochenende entfernt zu tun hätte, liegt. Ich habe es zumindest versucht! Das sollte auch das Motto des Tages werden…

Aber wir drehen die Uhr erstmal ein bisschen zurück.

diszipliniertes Zopfgeschwader

diszipliniertes Zopfgeschwader

Mercedes Benz Frauenlauf. Zum dritten Mal in Dresden. Ich bin im letzten Jahr schon mitgelaufen und hatte mich danach begeistert direkt für 2015 wieder angemeldet. Lauf durch historische Altstadtkulisse, Lauftrainings im Vorfeld (für die, die das mögen), Shirt dazu und vorallem: nur Frauen. Ich finde das durchaus eine Erwähnung wert, denn, ganz ehrlich, die schubsen nicht! Die rennen dich nicht über den Haufen. Die fahren nicht einfach den Ellenbogen aus oder schmeißen dich in die Hecke, weil du im Weg rumläufst. Da wird ordentlich gewartet am Start und während des Laufs Rücksicht auf die Nebenfrauen genommen. Mädels unter sich halt. Und wenn du als Bummelletzte durchs Ziel taumelst, feuern sie dich noch vom Rand aus an: „Super, Henrike, weiter so! Gleich geschafft!“. Aber ich greife schon wieder vor…

Ich habe eine liebe Freundin namens Franzi (Genau, das ist die, wegen der ich jetzt diesen Text schreiben muss.). Eine ganz und gar großartige, lustige Person. Intellektuell stufenlos einstellbar, so wie es gerne mag, und seit kurzem Läufer. Also echt seit kurzem. Ein Jahr vielleicht, ich weiß es gar nicht genau. Sie ist zum Laufen gekommen, weil drei Schwangerschaftskilos runter sollten und überhaupt ist das Laufen am Abend eine Superidee, um sich an zwei Tagen pro Woche vorm familiären Spätdienst zu drücken! Mittlerweile läuft die Franzi tatsächlich zehn Kilometer, neben den geplanten drei Kilo sind locker noch zwanzig andere gegangen, geschmolzen, weg. Und Spaß macht es ihr außerdem. Also alles außer dem ersten Kilometer. Und dem letzten. Aber das kennt man ja. Franzi ist noch nie einen Lauf mitgelaufen und hatte sich nach eigenen Angaben beim Frauenlauf nur angemeldet, weil ich dort angemeldet war. Und war aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten! Ich freute mich also auch und wir beschlossen, gemeinsam hinzufahren und dort einfach bissel im Kreis rumzurennen und Spaß zu haben…

In der letzten Woche dann meldete sich eine alte Bekannte zurück: Bursitis, die alte Schleimbeutelentzündungshobelschlunzendummesau. Rechtes Knie. Mit so´nem blöden Scheißendreck kann man sich echt den ganzen Tag versauen! Und den nächsten. Und den übernächsten. Denn, die Scheiße geht so schnell nicht weg. Schwellung, Schmerzen, Hitze. Was hilft? Ganz klar: Ruhe! Been hoch, Quark droff und Schonung. Nicht rumrennen zumindest.

Da ist es natürlich ungünstig, wenn man genau das aber vorhat! Vernünftig wäre also gewesen, sich die Bilder vom Lauf im Internet anzusehen. Mit hochgelegtem Bein.IMG_3595

Ich habe mir erwartungsgemäß am Samstag mein Knie mit Kinesiotape bandagiert und es danach nochmals vom Bärtigen einwickeln zu lassen, weil dieser der Meinung war, ich hätte es falsch gemacht und Youtube hier sagt, das gänge ganz anders! Mir war sowieso alles wurscht, plante ich doch, innerhalb der nächsten Stunden mit rotem Shirt, pinkfarbenem Kinesiotape und schwarzweißen Stützstrümpfen für alle sichtbar durch die Innenstadt zu humpeln.

Und so kommt es dann. Beim Warten auf den Start entstehen diese Fotos, die die Motivation der Beteiligten gut einfangen:

Franzi so.

Franzi so.

Ich so.

Ich so.

Es war wirklich schön. Schönes Wetter, schönes Strecke, schöne Stimmung, schön bescheuertes Schleimbeutelknie. Falls ich dachte, ich würde zumindest den Preis für die originellste Beinverkleidung bekommen, Fehlanzeige!ein Bionicle

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Wenn man sich kurz hinterm Start oder bei Kilometer 5,2 umdreht und ein Foto macht (also theoretisch), dann hat man Teile des berühmten Canaletto-Blicks drauf. Vorn rechts eine einsame Barke. Wurde kurz darauf abgebaut…

Wir laufen los unter Applaus und so. Ich auch. Der erste Kilometer ist erstaunlich super, der zweite gar nicht so übel und der dritte… also der dritte, der ziiiiieht sich! Das Knie hackt wie verrückt und ich werde immer laaaaangsamer. Links und rechts ziehen sie an mir vorüber. Alle. Dicke, dünne, große, kleine, schnaufend, keuchend, quasselnd.

Das Feld leert sich. Irgendwann bin ich das Feld. Also mein eigenes. Ich habe viel Platz und versuche, mir das schönzureden. Allerdings werde ich immer abgelenkt durch die Schmerzen in dem blöden Arschlochknie! Ich versuche, das Bein zu entlasten und humpele nun für alle Schaulustigen sichtbar. Das hat zur Folge, dass mir nach kurzer Zeit nicht nur das rechte Knie wehtut, sondern aus lauter Solidarität auch die linke Hüfte. Und so humpele ich mich in die zweite Runde, Kilometer sechs bis zehn. Knie, Hüfte, Knie, Hüfte, Knie, Hüfte. Ich höre noch, wie angesagt wird, dass sich das Zielfahrzeug vierhundert Meter vor dem Ziel befindet und ich denke: Mist, wenn ich nur ein bisschen langsamer gewesen wäre, dann könnte man mich zusammen mit der Siegerin auf deren Finisher-Clip sehen! Höhöhö. Nein, die gute Laune versaut mir so schnell nichts.

Ich humpel mich die Strecke entlang und bin dankbar, dass die Trommler noch nicht zusammengepackt haben. Ich bedanke mich auch bei jedem einzelnen. Auch bei den Ordnern, die hinter mir die Barken zusammenbauen und abräumen, bedanke ich mich und halte kurze Schwätzchen. Wann hat man denn sonst während eines Laufes schon Gelegenheit dazu? Ich überlege, ob ich die Zeit nutzen und überfällige Telefonate führen soll. Genug Puste habe ich ja aufgrund meines Antitempos. „Hallo, Tante Ingeborg! Ich bin´s! Ja, ist lange her. Du erzähl mal, wie gehts euch denn?“.

Immer noch kein Ende… Mensch, ist das weit! Wer langsamer läuft, wird länger gesehen. Unterhalb der Brühlschen Terrasse laufe ich dann beinahe alleine. Rüstige Spaziergänger haben in etwa das gleiche Tempo wie ich, und so laufe bewege ich mich irgendwie Richtung Ziel. Ich habe die Faxen ziemlich dicke und verfluche mich und das Knie und diese blöde Scheißidee. Touristen lachen mich aus. Zumindest bilde ich mir das ein. Ich grüße freundlich: „Ey, Blödmann! Lachst du mich aus?! Lachst du mich etwa aus?! Wieviele Kilometer bist du denn heute schon gelaufen, hä? Komm her, du Sack, und riech an meinem Eiterknie!“ (lautlos selbstverständlich).

Hüfte, Knie, Hüfte, Knie, Hüfte, Knie…

Etwa zu dieser Zeit stand meine Familie ziemlich ratlos in Zielnähe und war sich sicher, dass ich entweder irgendwo in die Straßenbahn gestiegen sei und auf dem Heimweg, oder aber in einem Altstadtcafé sitze müsste und Cappuchino schlürfe (In meinem Aufzug!). Oder irgendwo heulend im Gebüsch sitze. Aber das konnte ziemlich schnell ausgeschlossen werden, weil sich alle sicher waren, dass ich sofort wutschnaubend angerufen und verlangt hätte, dass jemand -irgendjemand!- mich gefälligst sofort aus diesem Gebüsch, dieser Hecke hier abholen solle! Aber zackig, wenn ich bitten dürfte.

Und siehe da, ach guck, da kommt doch noch jemand!DSCN3176

Ende. Humpelnd und leicht frierend anstatt schwitzend erreichte die Seniorin in Stützstrümpfen das Ziel…

Also, eigentlich ist das ja ein Lauf auf Zeit gewesen. Ich hatte jede Menge davon, soviel kann schon mal gesagt werden. Ja, wirklich jede Menge Zeit. Fast achtzig Minuten. Mehr Zeit als die meisten Frauen, die dort mitgelaufen sind 😉

Wenn man soviel Zeit zur Verfügung hat, sollte wenigstens eine Moral, eine Pointe, eine Parabel dabei rausspringen, oder? Hm. Weg is Ziel… Dabei is alles… Hm, ja. Wenn einem gar nichts anderes einfällt.

Oder aber, wir nehmen die Franzi hier:IMG_3617Der erste Lauf ihres Lebens. Und nun guckt sie euch an!9632472c66efa83a8fc25b148c42ed68Ein so freudestrahlender Anblick, so glücklich. Geschafft! Zehn Kilometer gelaufen! Sich überwunden und einfach losgelaufen. Glücklich und so stolz ist sie gewesen, das war echt ansteckend. Und was ist jetzt mit der Moral? Ach so, ja. Einfach mal machen. Sich selbst überwinden, dem inneren Schweinehund mit den Chips und den Schokonüssen auf der Couch einen fetten Schmatz geben und sagen: „Ich komme gleich wieder, mein Schatz, iss mir nicht alles weg!“, und dann einfach mal loslaufen! Laufen fetzt. Laufen macht glücklich. Stimmt wirklich. Kann man sogar ganz langsam machen, ich hab das  ausprobiert…

Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier. Lern überwinden, lern entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.

Theodor Fontane

Unser Lieblingsspielplatz

Ich bin keine Spielplatzmutti.

Ich öde mich zwischen Kletterspinnen, Sandkisten und unbequemen Muttiparkplatzbänken. Ich hab keine Lust, dauernd Klettergerüste zu erklimmen um Leben zu retten (real oder eingebildet), den Nachwuchs vor fiesen Vierjährigen zu beschützen oder unschuldige Kleinkinder vor dem eigenen fiesen Nachwuchs…

Spielplatznachmittage sind so verlockend wie… wie ein Termin zur Zahnwurzelresektion!

Doch Moment! Es gibt einen Ort, der ein bisschen wie Abenteuerspielplatz, Tierpark, Wald und Strand ist. In Pieschen. Da staunste, was? IMG_3209

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Will ich denn, dass noch mehr Leute dahin kommen? Nein! Es ist wirklich voll an heißen Tagen, ohne Frage. Aber ihr dürft kommen. Nur nicht weitersagen! Das bleibt unser Geheimnis, okay? 😉

IMG_3079 IMG_3210 IMG_3068 Neben Eseln gibts auch Kaninchen und Meerschweine. Und eine Katze! Blondinos große Liebe ❤IMG_3246Unter schattigen Bäumen gelegen ist eine Liegewiese. Dort stehen an heißen Tagen alte Zinkwannen mit Wasser zum Plantschen. Super Sache! Tretautos, Eimer, Töpfe und Schaufeln warten auf ihren Einsatz. Eine Töpferei gibts ebenso wie einen Budenbauplatz für die großen Kinder. Die Esel dürfen gestreichelt werden und manchmal sogar geritten. Große Kinder können Nachmittags bei der Tierpflege helfen.

Für den Hunger verkauft das Eselnestcafé so originelle Sachen wie Doppelkekse für zehn Cent oder Toast mit Ketschup für fünfzehn Cent. Große können sich eine rohe Bratwurst kaufen und die sich selbst an der Feuerstelle auf einem Stock grillen. Großartig, oder?

Wir waren extra für euch an einem kalten Nieseltag dort, um Fotos zu machen. Nun könnt ihr euch in Ruhe umgucken.

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Direkt an der Elbe gelegen, kommt ihr am besten mit dem Rad hin (bis Radlerstopp Eisenbergstraße), oder mit der Bahn Linien 4 und 9 bis Alexander-Puschkin-Platz. Auch für PKWs findet sich sicher ein Parkplatz.

Un wenn ihr dort seid und denkt: ´Moment mal, das dort drüben ist doch die Nieselpriem!`, dann winkt doch mal! Ich freue mich immer über ein freundliches „Hallo Rike!“.

Bis bald im Eselnest!

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Dieser Weg wird kein weicher sein…

Dieser Weg wird kein weicher sein…

Laufen ist gesund. Fürs Herz-Kreislauf-System, die Durchblutung, die Figur zum Beispiel. Also auf Waldboden. Auf dem Asphalt ist es ungesund. Für die Gelenke und die Knie zum Beispiel. Sagt das Internet. Und Laufexperten.

Ich bin trotzdem ein Straßenläufer. Warum? Nun, ich stamme vom Rotkäppchen ab. Ziemlich sicher. Immer wenn ich den geraden Weg verlasse, verliere ich auch mein Ziel aus den Augen. Ich hoffe, ich habe keine Großmutter auf dem Gewissen und vorsichtshalber nehme ich auch nie Wein und Kuchen mit zum Laufen.

Ich renne also brav auf dem Elberadweg und schaue nicht nach links (oder rechts) runter zum Fluss, wo nur ein paar Meter weg von mir ein Ufer, ein Strand, ein weicher Trampelpfad lockt. Vor allem mit Ablenkung! Ich bin stark. Ich bleibe stark.

Ich kann nicht immer stark sein…

Und so fragt der Bärtige stets mit den Händen in den Hüften, wenn ich vom Laufen heimkomme: „Und? Warst du heute Sport machen oder hast du nur mit dem Handy rumgeknipst und Blumen gepflückt?“.

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…Die Dresdner Heide liegt ja auch nur einen Katzensprung entfernt von Pieschen und lockt mit ihren elastisch-saftigen Waldböden. Das ist leider keine Alternative für mich. Äste, Moos, Pilze, Beeren, Zapfen… ich denke, ihr könnt es euch vorstellen.

Pieschen lädt ein…

Pieschen lädt ein…

… zum Stadtteilfest „Sankt Pieschen“, seit einigen Jahren von Pieschnern als nichtkommerzielles Straßenfest und Pendant zum Pieschner Hafenfest organisiert.

Hier gehts zum Veranstaltungsflyer. Vielleicht wolltet ihr schon immer mal den Kirchturm der Markuskirche besteigen, mal wieder ein Puppentheaterstück besuchen oder überhaupt mal gucken, wie Pieschen sich so gemausert hat. Am kommenden Wochenende habt ihr dazu Gelegenheit!

Für Kinder allen Alters wird an verschiedenen Standorten jede Menge geboten: Pferdereiten, Spiele, Hüpfburg, Boulderwand, Schminken, Puppentheater…

Das ganze Festareal ist fußläufig sehr gut zu erkunden und vor allem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn Linien 4, 9 und 13 bis Oschatzer Straße) komfortabel an den Rest der Stadt angebunden.

Wenn ihr Tipps braucht für die Großen, ich würde mich beim Savoir Vivre blicken lassen auf der Bürgerstraße, beim Hackenberg auf der Oschatzer Straße einen selbstgekelterten Wein probieren und abends in der Torgauer Straße rumlümmeln, die Hausgemeinschaften dort habens am nettesten 🙂 Ach, und der Biergarten auf der Konkordienstraße im Hof der Autowerkstatt ist super! Leckerstes Essen und klasse Musik. Wer dann noch Taschengeld übrig hat, die Pieschner Ateliers öffnen ihre Türen und bieten Selbstgekünstlertes an. Unbedingt einkehren solltet ihr auch bei Dresdens allerbestem Eisladen, Nepple´s auf der Torgauer Straße! Egal, was ihr euch an Steaks und Würsten schon einverleibt habt, ihr könnt Pieschen nicht verlassen, ohne ein Nepple-Eis geschnabbert zu haben.

Ihr kommt doch vorbei, oder?

Ach, und einen Schwank zum Thema Stadtteilfest muss ich noch loswerden… die Schwiegermutter hatte uns vor einigen Jahren nach Johannstadt zum dortigen Stadtteilfest dringendst eingeladen. Weil, im Haus der Kulturen würden die Afrikaner Krebs zubereiten! Aha, dachten wir, das ist doch mal was anderes als die Wurschtbemme sonst. Aber nix da, keine Afrikaner und keine Krebse. Wirklich durchschnittliche ur-sächsische Dresdner standen da an einer Bude und bereiteten was? Genau, Crêpe! Dann doch lieber ne anständige Wurscht vom Grill in Pieschen, oder?

sankt-pieschen-stadtteilfest-2015-plakat

Ein Klempner auf Abwegen

Ein Klempner auf Abwegen

Was passiert, wenn man ein paar Schauspieler und einen Dresdner Klempnermeister zusammen auf eine Bühne stellt? Das hab ich mir mal angeguckt.

„Familie Bernd Seifert“, eine Dresdner Komödie

Ich konnte den verklemmten Ischias überreden, mit mir zur Premiere zu gehen. Wir also hin. Ich mag ja das Boulevardtheater. Und da ich bewiesenermaßen nun schon mindestens zweimal da war, kann ich mit Expertenmeinung behaupten: Es ist ganz reizend dort! Und die Sanitäranlagen sind von meisterlicher Hand installiert. Vielleicht war’s der Seifert persönlich. Vielleicht war’s auch der Marko… Wer also schon immer mal auf einer Schüssel pullern wollte, die ein Schauspieler eingebaut hat, bitte sehr. Das könnt ihr hier (Das mit dem Marko versteht ihr, wenn ihr euch das Stück anguckt).IMG_2187

Migrationshintergrund ist von Vorteil. Also für das Stück! Wer nicht aus dem Osten kommt, versteht möglicherweise nur „Wiener Loch“. Oder Bahnhof. Nehmt für diese Fälle eine Dresdner Begleitung mit. Und: Fragt ruhig mich!

Ich saß zu meiner großen Freude neben einem furchtbar sympathischen und talentierten Schauspieler, der extra zur Premiere des Stückes aus Berlin angereist war (Nein, es war nicht Jürgen Vogel.). Zwar musste ich ihm soufflieren, wer Wolle Förster sei und was genau das „Klax“, dafür hat er mir aber Babyfotos seines Sohnes gezeigt. Ganz allerliebst ❤

Und worum geht’s in dem Stück? Um die ganz ganz großen Themen! Familienfeiern, Rouladen, das „Wiener Loch“, WBS70-Charme und Kürschi (Kirschlikör). Und noch viel mehr! Philosophisches zum Beispiel:

Verliebtsein ist wie Einpullern.
Alle können es sehn,
aber nur du spürst die Wärme!

(Marion Seifert, die Ehefrau)

Außerdem wird bewiesen, dass Besitz sexy macht. Zumindest, wenn es sich bei dem Besitz um ein halbes Haus auf dem Weißen Hirsch handelt. Das fand ich persönlich ja überraschend!

Zum zweiten war das Stück wirklich komisch. Also nicht überraschend! Es war saukomisch. Ich bin ja bekanntermaßen vom Niveau her von der Mitte abwärts variabel einstellbar und könnte euch also viel erzählen. Aber das war wirklich lustig auf eine breitenkompatible Art. Da könnt ihr mit der ganzen Familie rein. Oma, Opa und besonders mit Teeniekindern. „Gugge dir an, was aus dir wird, wennde so weidor machst! Dann wirste Stift beim Seifert!“.

Dieser Seifert, das Handgelenktaschenmodel! Und dieser Heiko! Aber Leute, ganz ehrlich. Warum ihr wirklich, wirklich hinmüsst, auch wenn ihr gar nichts mit Dresden oder Gas-Wasser-Installationen am Hut habt und euch eigentlich auf der anderen Seite der Weltkugel befindet, das ist „de Scholz´n“. Ich halte mir jetzt beim Schreiben mit einer Hand den Mund zu, damit ich nicht zuviel verrate. Aber diese Omi, nein, dieses Wesen… Warte… ich fange noch mal an. Also, Omis mag ja jeder. Aber ich will sogar wie diese Omi werden! Ich werde mir nie wieder den Song „Happy“ anhören können, ohne diese Gestalt vor mir zu sehen. Lang wie der Dresdner Fersehturm und genauso gebeutelt (aber windschnittig). Mimimi… ich beiß mir auf die Zunge… bitte guckt´se euch an! Aber um Gottes Willen, lasst euch keine Nuss andrehen von der. Ihr werdet es verstehen. Hinterher.

So, was also versuche ich hier mit vielen Worten zu sagen? Hingehen!

Und die Premierenfeier war grandios. Die Haute Volée Dresdens im Blitzlichtgewitter. Und alle waren sie da. Sogar ein Oscar-Preisträger. Wirklich, ohne Scheiß. Ich verhohnepiepel euch nicht. Ich kenne eben solche Leute! Hinterher standen wir kurz beisammen und er resümmierte: „Also, la Bohéme war das nicht.“ (Nee, mei Guhdor, das hieß ja ooch ganz anders!), „Eher was fürs Volk. Aber für die muss man ja auch was spielen!“ (Nu genau! Und wir sind ja das Volk! Ach nee, als Dresdner sagt man das lieber nicht öffentlich…).

Leider war ich ja in Begleitung des Ischias und der ist nicht so die Rampensau. Der steht lieber alleine auf der Raucherinsel. Deshalb musste ich beizeiten gehen, hab aber noch ein Foto gemacht für euch. Hier sind sie, die Stars. Hinter diesem Fenster. Bitte, hab ich doch gern gemacht.

Premierenfeier von außen. Voller Stars.

Premierenfeier von außen. Voller Stars.

Ich bin am Samstag zu einer Familienfeier eingeladen. Die wünschen sich immer irgendwas von Paul Toms, oder wie der Typ heißt. Gibts nicht mehr! Ab jetzt gibts jedes Jahr „Bernd Seifert“. Das Schöne ist, dass in der Tat jährlich ein neues Stück mit dieser Familie geplant ist. Ich finde das überaus begrüßenswert, somit habe ich endlich neben meinem jährlichen Zahnreinigungstermin ein weiteres Highlight, auf dass es sich zu freuen gilt.

12 von 12 im Februar 2015… einmal ist keinmal

Ich gestehe, ich bin ein Voyeur. Immer am zwölften eines jeden Monats fotografieren viele Bloggerinnen ihren Alltag mit zwölf Fotos. Und ich gucke das! Ja, ehrlich, ich mag diese Aktion, die ich vom Blog „Draußen nur Kännchen“ kenne. Jetzt habe ich mir gedacht, ich mach da mal mit. Dokumentiere meinen spektakulären Tag und erzeuge Mitleid mit verwackelten Handyfotos.

Los gehts:

Groß, stark, mit Milch und vier Löffeln Kaba Vanille. Morgens um sechs. IMG_2063

Der Großzügige bietet an, eine Stunde später ins Büro zu starten, damit ich noch laufen gehen kann. IMG_2066

Außerdem ist er auch der Oberschlaue, der mich darauf hinweist, das Handy zu Hause zu lassen, damit ich nicht ständig stehenbleibe, um irgendwelche Blümchen zu fotografieren. Pffffff…

Och, kuck mal! Schneeglöckchen! Wie süüüüüß!

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Frühstück! Ermattet und erfroren gelüstet es mich nach Hash brown Burgern mit pochiertem Ei und Gorgonzola, einem Berg Pancakes und… ja, nee, Toast mit Nudossi ist super! Bitte beachten: Es liegen sogar einige verstreute Physalis-se (Physalen, Physaloden; Klugscheißer dürfen sich gern melden und mit ihrem Pluralwissen angeben) auf dem Tisch.IMG_2076

Zahn elf und zwölf (to be) des Kleinsten versauen uns den Tag. Ihre Ankunft wird stärker und in schrilleren Tönen beworben als der Kindersegen in den europäischen Königshäusern. Egal, der Zahnende, der Stimmbrüchige und ich fahren in die Stadt. Shoppen und so. Rumlaufen. Machen ja alle anderen auch. Außerdem will ich heute schliesslich Fotos von unserem Tag machen, da können wir doch nicht den ganzen Tag auf der Couch sitzen und daddeln! Wie sieht denn das aus…

Ach so, apropos aussehen. Das schmuck aussehende und echt praktische Flaschenband an der Plagenkarre hab ich von „Moms Accessoires“, für die ich hier wirklich sehr gern und lauthals Werbung machen möchte! Ein Interview und eine Produktvorstellung könnt ihr auf Janinas Blog nachlesen (Und bei den StadtLandMamas gibts aktuell sogar zwei Bänder zu gewinnen! Nix wie hin!).

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In der Stadt habe ich mich wieder erinnert, warum ich so selten in die Stadt fahre: Ich hasse Menschenmassen, die hektisch umherrennen und die Geschäfte verstopfen. Es hat also großen Spaß gemacht.

Mahlzeit! Der Rest liegt auf dem Fußboden und den Nachbartischen. Der ursächlich für diesen Schabernack Verantwortliche ist nicht im Bild.IMG_2086

Nachmittags Presseschau. Es werden die zehn bis zwölf angesagtesten Bücher des Tages durchgeblättert. Mehrmals. Aber seltenst allein (das Foto lügt). Versuche ich mich davonzustehlen, watschelt ein Entenjunges mit einem oder zwei Büchern in der Hand hinter mir her und quietscht: „No ma! No ma!“. Ich habe versucht, ihm Jo Nesbo vorzulesen, der sonst jämmerlich auf meinem Nachttisch einstaubt, aber das Kind hat einen merkwürdigen Literaturgeschmack. IMG_2087

Wir waren auch noch mal zum Lüften draußen und sind über Pieschner Spielplätze gestolpert. Und nein, die sind sonst nie leer. Ich habe rumgebrüllt: „Weg da, alle weg da! Ich mache hier Fotos!“. IMG_2090

Eigentlich müsste ich die Wäsche zusammenlegen, aber der Zahnende will lieber meinen Schalkorb plündern und mich mit allerlei Zeug behängen. Ist ja Fasching. IMG_2092

So, fertig! Ich gehe als Taubenfrau („Kevin allein in N.Y.“, erinnerste dich?) IMG_2093

Jetzt noch das Kind gießen, damit es schneller wächst…IMG_2098

… und dann vier mal Abendbrot machen. Erst für den Kleinsten. Der schmeißt alles in der Gegend rum oder arbeitet das Leberwurstbrot in die Tischplatte ein. Davon gibts keine Bilder. Ich bin damit beschäftigt, Birnenstücke im Flug zu fangen und Breispucke auszuweichen. Wenn das Kindlein im Bett ist, schnell eine Wurstschnitte im Stehen für die liebe Mutti, während die ein optisch ansprechendes Trainingsfutter für das große Kind zusammenwurtschelt. Kennt ihr die Bento-Boxen? Es gibt Leute, die das Frühstück ihrer Kinder in diesen Dosen bei Instagram teilen. Ernsthaft. Vermutlich stehen die dafür halb vier auf, um Käse in Mäuseform zu schnitzen. Ich weiß es nicht. Aber, kann ich auch! Ich präsentiere: die nieselpriemsche Bento-Box. Wurschtbemme in Alufolie an zucker- und weißmehlhaltigem Keks und Quetschobst. Liebevoll arrangiert in einer Plastiktüte. IMG_2101

Gegen neun Uhr Abends kommt dann der Beste von Arbeit, das Karatekid im Schlepptau und dann wird der Vierte von uns irgendwas zu Abend essen. Heute keine heile-Welt-Familie am Abendbrottisch mit selbstgebackenem Dinkelvollkornbrot und Tofuaufstrich mit Petersiliensträußchen. Wunsch und Wirklichkeit, so siehts aus.  😉

Gute Nacht.

 

 

 

Liebeserklärung

… an einen bestimmten Ort auf der Welt, wo man „ditte“ sagt und damit keine Frauenbrust meint.

Die Sachsen und die Preußen haben ein schwieriges Verhältnis zueinander. Warum, wieso, weshalb, die Geschichtsbücher sind voll und beim Deutschlandradiokultur kann man dazu auch noch nachlesen, wenn man möchte.

Ich allerdings bin seit Kindheitstagen einer schwärmerischen Verliebtheit gegenüber Berlin aufgesessen. So von weitem zumindest.

„Sind wir schon in Berlin?“, lautet meine Frage bei jeder Autofahrt in Richtung Ostsee. Also ab circa fünf Kilometer hinter Radeberg. „Aber jetzt sind wir in Berlin, oder?“, bin ich spätestens am Senftenberger See sicher.

Berlin, Berlin. Schon zu DDR-Zeiten war dort alles viel wunderbarer als bei uns. Die hatten sogar Kakao im Tetrapack. Das muss man sich mal vorstellen! Und der VEB Jugendmode schickte stets die besten Klamotten ins Centrum-Warenhaus auf den Alexanderplatz. Ich fand alles ganz toll! Die Tiere im Berliner Zoo waren toller als die in Dresden und später, während meiner Sturm-und-Drang-und-keine-Macht-für-niemanden-Zeit in den Achtzigern, wo fanden wohl die besten, coolsten Punkkonzerte der Republik statt? Rüschtüsch.

Meine Cousine hatte sogar eine Cousine in Berlin. Ihr Vater und meine Mutter sind Geschwister und ihre Mutter kam aus Berlin, hatte eine Schwester dort und diese eine Tochter, die dann aufgrund der soeben beschriebenen Umstände zur Berliner Cousine meiner Dresdner Cousine wurde (Es war schwierig für mich zu verstehen, dass das nicht auch meine Verwandte war und ich bedauerte dies sehr.). Durch diese Berliner Cousine kamen Kassetten mit Musik in die sächsische Provinz, von der hier noch niemand was gehört hatte. Oder erst viel später, wie zum Beispiel die NDW. Alles, was aus Berlin kam, war irgendwie cooler. Lässiger. Eben knorke.

Und die Leute sind auch viel cooler, wa?

Vor ein paar Jahren hatte ich im Rahmen eines Projektes mit Berliner Kollegen zu tun. Am Anfang war das anstrengend. Die waren viel kommunikativer als ich. Auch viel jünger (Wahrscheinlich war das der eigentliche Grund und nicht die Verortung in der Hauptstadt.). Ständig poppte irgendein Fenster von Sync, Skype oder WhatsApp auf mit: „Na? Allet schick?“, oder das Telefon piepte, weil sich jemand aus Berlin unterhalten wollte. Ich kam kaum zum Arbeiten! Das war sehr gewöhnungsbedürftig. Die Berliner waren auch ständig in irgendeinem „Call“. Ich hatte ab und zu eine Telefonkonferenz oder kurz: TelKo, aber „Calls“ hatte ich keine. Telefonkonferenz versus Call, man merkt schon an der Begrifflichkeit, dass die wirklich hipper waren.

Aber ich liebte die Tage Vorort in Berlin! Wenn ich auf dem Hauptbahnhof ankam, betrat ich eine andere Welt. Lauter, voller, größer. Dann die Taxifahrt zum Office (Die Berliner arbeiteten in keinem Büro, die hatten ein Office.), ich zitternd auf der Rückbank, beide Hände am Angstgriff, „Ohgottohgottohgott!“-flehend, sicher, die Autofahrt nicht zu überleben. In Berlin Taxi zu fahren ist für mich, als hätte mich einer in ein Computerspiel reingedingst (Ich kenne mich leider gar nicht aus mit sowas, „ The race“ wäre ein passender Name.). Aber von vorn kam ganz bestimmt ein tröstendes: „Keene Angst, kleenet Frollein!“. Taxifahrer müssen in Berlin wahrscheinlich einen speziellen Kurs absolvieren, so kann ganz sicher nicht jeder Auto fahren! Ich könnte mir vorstellen, dass es einen Witz unter Berliner Taxifahrern gibt, der in etwa so gehen könnte: „Du, der Didi, der hat sich zur Ruhe gesetzt. Ick gloobe, der fährt jetzt in Dresden!“.

Ich bin immer gut angekommen. Nur angstschweißtriefend.

Im Berliner Office war auch immer alles viel cooler als im Dresdner Büro. Und die Leute so lässig entspannt! Null gehetzt. Chillig. Mach ma locker, ey. Ich fand das toll. Gut, so richtig zum Arbeiten bin ich da dann auch nicht gekommen, aber zum Staunen. Kaum biste da, geht’s ja auch gleich wieder zum Lunch. Ich geh in Dresden zum Mittagessen, in Berlin gehste eben lunchen. „Wo gehn wa hin? Koreaner, Inder? Magst du Tajine? Lieber thailändisch oder Pizza?“.

Also, ich hab noch nie Tajine gegessen. Ich musste jetzt auch erst mal bei Google nachgucken, wie das geschrieben wird. Berlin macht mich auch kulinarisch zur Provinzschnepfe. Und dann gehen wir los. Nur so die engsten fünfzehn, zwanzig Kollegen. Also nicht direkt gehen, schnurstracks mit Zeitdruck verbunden. Mehr so lässig, schlendernd. Und es ist immer schönes Wetter! Stets Frühling oder angenehm temperierter Sommer. Ich war noch nie bei Scheißwetter in Berlin (Wahrscheinlich ham die gar kein Scheißwetter, wa?! Nur wir! Das ist mal wieder typisch!). Egal, wir schlendern und flanieren durch hippe Gegenden mit hippen Leuten, die große Mützen und Sonnenbrillen und Chinos mit Pofreiheit tragen (oder was eben grad so angesagt ist bei Hauptstädtern unter vierzig) und allet schick. Und wenn in den zwei, drei Stunden, die der Lunch-Spaziergang so dauert, ein „Call“ ansteht, dann wird der eben im Gehen mit den Knöbbeln im Ohr (Weiß nicht, wie das auf preußisch heißt. Kopfhörer?) absolviert. Entspannt. Hände in den Taschen.

Das ist alles so… so arschcool! Ich will das auch. Ich will auch ein bisschen Berlin sein! Tausche sächsische Gemietlischkeet gegen Berliner Coolness. Wa?!

Kommste dann heeme aus der großen Stadt und stapfst in Dresden aus dem Hauptbahnhof, dann ist alles irgendwie slomo. Und keiner auf der Straße! Also nur so ganz wenige Leute. Das Auge ist an die gemietlische Kleenstadt nicht mehr gewöhnt. Und das Beste ist dann immer die Taxifahrt vom Bahnhof nach Hause. Gefühlt fährt der Dresdner Taxifahrer dreißig Km/h und stets rechts (Also, wenn man gerade aus Berlin kommt.). Und wehe, du sagst, du hättest es eilig! „Immer mit dor Ruhe! Isch lasse misch dor hier ni hetzen! Dann gönnse glei loofn!“. Ja, cool können wir auch…

Alles was aus Berlin kommt, ist wunderbar. Auch die Berliner Blogs sind cool. Und die Blogger alle lässig. Machen Bloggertreffen und Events. Da kiekste als Dresdner in die Röhre, wa?! Sowas gibt’s hier nicht.

Also noch nicht. Aber wer weiß, vielleicht im Sommer 2015? Mit Dresdner Eierschecke und Tajine? Gemietlischkeet meets Coolness?! Das wäre doch nett, oder? Arschcool wäre das!

Oh du fröhliche… Teil 2

Was bisher geschah…

Die Vorbereitungen

Um nochmal kurz Luft zu holen, waren wir Drachen steigen an der Elbe. Unserer ist kaputt. Also alle beide. Das haben wir dann beim Auspacken festgestellt. Wir haben sie eingepackt und erneut in unseren Keller getragen. Damit wir nächstes Jahr im Herbst wieder zum Drachensteigen gehen können…

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Mit der Dampfente die komplette Behausung porentief gereinigt. Wenn ich schon alles schmücke, dann soll es doch bitte nicht in den Ecken aussehen wie bei der Familie Hempel mit dem berühmten Sofa. Zwischendrin habe ich festgestellt, dass wir auf zu großem Fuße leben. Hinter jeder Türe verbarg sich ein weiteres staubiges Zimmer. Habe errechnet, dass pro Person fünf Quadratmeter zum Leben reichen sollten. Zuzüglich zehn Quadratmetern zur allgemeinen Verfügbarkeit. Mache mich ab Januar auf die Suche nach einer neuen, dreißig Quadratmeter großen Wohnung für uns.

Ich orderte beim Kellerbeauftragten die Weihnachtskisten. Der Mann sagte, später. Verlangte fünf Minuten später erneut nach den Kisten, er behauptete, später wäre deutlich später. Erwäge nun, eine Umzugsfirma zu beauftragen, die fünf Umzugskisten aus dem Keller zu holen. Dann könnten sie gleich die kleine Sporttasche mit den paar Habseligkeiten des Bärtigen auf dem Rückweg wieder mit nach unten nehmen und vors Haus stellen…

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botanisches Weihnachtsorakel

Vom Entkalker brennen meine Atemwege, vom Putzmittel sind die Hände aufgesprungen. Der Blick auf das botanische Weihnachtsorakel bestätigt: Nö. Weihnachten ist noch weit. Nirgendwo ist etwas von Adventsstimmung zu verspüren. Weine mich leise in den Schlaf.

Die Weihnachtskisten wurden doch noch geliefert. Bei der Androhung, dem faulen Mann eigenhändisch mittels der noch im Weg rumstehenden Dampfente eine Darmreinigung zu verpassen, konnte er es irgendwie zeitlich einrichten.

Erkläre der Familie einige Tage später, in diesem Jahr würde das anders laufen mit dem Advent. Wir bräuchten einen Projektplan! Und dass ich beabsichtige, Scrum als Projektsteuerungsmethode bei uns einzuführen. Ich würde jetzt auch im Flur für alle sichtbar eine Scrumwand herrichten. Vierzehn Weihnachtskarten, acht Kilo Plätzchen, zwölf Weihnachtsmärkte, vier Weihnachtsfeiern, der ganze Verwandtenbesuch, das will doch alles organisiert werden! Niemand hört mir zu.

Hänge stattdessen Veranstaltungsplakate vom „Advent in Pieschen“ in der Nachbarschaft aus.1510861_896179510407321_6579175014689289317_nVon allen Facebookseiten und vom Haus gegenüber funzeln mich adventische Devotionalien an. Ich hänge dem Zeitplan hinterher!

Anstatt Plätzchen zu backen und Kaninchen zu schmoren, koche ich mal wieder ein Genesungshuhn aus. Anstatt „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ hustets und schnodderts, rotzts und röchelts aus den Öffnungen der Jungen.

Habe mich der Forstpflege gewidmet. Aus diesem Grund war ich im Wald. Ich habe emsig alles aufgelesen, was liederlich so rum lag: Zapfen, Äste, Baumpilze und Zweige. Der Wald sieht jetzt wieder ordentlich aus. Der ganze Unrat liegt jetzt bei Nieselpriems rum. Und heißt jetzt nicht mehr Unrat, sondern Deko!

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Die Deko

Ich habe den Kleinsten mit dem Größten zusammen für zwei Stunden weggeschickt um mich der Verteilung der adventischen Schmuckelemente widmen zu können. Erst mal Räucherkerzen anzünden, Duftkerzen und Nat King Cole… Dann packe ich die ganzen Kisten aus und schleppe die Gegenstände von Zimmer zu Zimmer. Der erste Schock: Da, wo ich eigentlich was hinstellen könnte, steht schon was! Die Schränke sind auch alle voll mit Kram, da passt der notgedrungen weichende Dekoprassel nicht mehr mit rein. Ich schiebe alles elegant unter das Bett und beschließe, dem Besten zu erklären, wir bräuchten mehr Schränke. Und mehr Räume mit Schränken. Und vor allem: mehr Stellfläche für Deko!

Ich habe mir selbstverständlich im Vorfeld schon Gedanken über das Farbkonzept gemacht, aber während ich so das Gelumpe von Raum zu Raum trage, passt das alles nicht. Natur mit Kupfer, Gold mit Grün, Silber mit… irgendwas, es sieht bescheuert aus! Dabei habe ich doch wieder kiloweise die angesagten Zeitschriften mit „Land“ im Namen und „Deko“ gelesen. Sogar die von den letzten zwanzig Jahren! Ich war mir sicher, es würde spitze aussehen. Aber nee. Also schleppe ich Stunde um Stunde das ganze Zeug von Zimmer zu Zimmer, und wieder zurück. Von der ganzen Rumrennerei bekomme ich Durchfall. Kann auch von dem übermäßigen Räuchermännelschwaden in der Wohnung sein. Nach zwei Stunden kommen die Jungs zurück, der Beste schaut sich um und sagt: „Ich dachte, du wölltest dekorieren?“.

Einen Baum haben wir noch nicht. Da bin ich erstaunlich entspannt in diesem Jahr. Außerdem riecht´s aufgrund des täglich benutzten Erkältungsbadezusatzes andauernd nach Kiefernnadeln. Und Eukalyptus. Darauf schnell noch mit einem Sandelholz-Räucherkerzchen und einer Vanillekerze kontern. Gestern wurde mir mitgeteilt, dass wir noch nie, nie, niemals einen ersten Advent ohne selbstgebackene Plätzchen hatten. Nur keinen Druck! Ich hab ja noch heute. Den ganzen Tag. Deshalb kann ich jetzt hier auch nicht weiterschreiben, ich muss zu Eier und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl…

Morgen wird die erste Kerze angezündet. Bei uns die ersten drei Kerzen: Im Wohnzimmer, auf´m Balkon und im Hausflur. Mehr ist eindeutig mehr.

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Adventsdings auf dem Balkon. Der heißt auf sächsisch Ballkong. Und der Plural Ballkongs.

Einen wunderschönen ersten Advent euch allen! Mit Plätzchen und Weihnachtsmarkt und Glühwein und Küssen und Musik und Kerzen und kandierten Äpfeln und Wildschweinbraten und Elchsteak und heißer Schokolade und gebrannten Mandeln und Stollen.

Wäre es nicht schön, wenn jetzt hier Schneeflocken über den Blog rieseln würden? Hach, wäre das schön! Ich muss jetzt den Informatiker wecken. Das ist doch nicht zuviel verlangt, dass der sich in den WordPress-Code hackt und es schneien lässt!

Fortsetzung folgt…

Es war einmal ein Möbelhaus…

…da gingen die Rentner ein und aus.

An der Peripherie der gemütlichen Elbestadt steht ein ganz bestimmtes Möbelhaus. Ein Gruselhaus!

Namentlich war mir die Bude schon seit Jahren geläufig, ist es doch so, dass es sich als quasi unmöglich gestaltet, mit meiner Mutter „einfach mal so“ ein Treffen auszumachen. Was die Rentner heutzutage für einen Stress haben, da machste dir kein Bild von! Und wenn ich so mit ihr am Telefon den Terminkalender durchforste, kommt ganz sicher: „Nein, an dem Tag kann ich nicht. Da gehen wir mit Rettichs zu Möbel-Dings. Und an diesem bin ich bei der Kosmetik. Nein nein, da geht es auch nicht, da sind wir mit Haubenreissers bei Möbel-Dings.“. Immer dieses Möbel-Dings! Und wenn man sich doch mal trifft, wird kurz nach der Begrüßung erzählt, dass man bei Möbel-Dings war Schweinshaxe essen. Für zwei fuffzig! Mit Klößen!

Irgendwann besprach mich die beste Schwester von allen, ich müsste dort unbedingt mal hin. Die hätten einen Depot-Shop eröffnet und werben mit Schnäppchen für Neukunden. Da die weitverbreitete Dekosucht und der damit einhergehende zwanghafte Hamsterkauf von Stehrums und Rumhängern mich in ihren Fängen haben musste ich dort also wirklich hin. Außerdem will das Wohnambiente auch andauernd entsprechend umdekoriert werden: Frühling allgemein, Ostern, Sommer, Erntedank, Herbst allgemein, Halloween, Advent, Neujahr. Um wirklich nur die absolut nötigsten Termine zu nennen. Und auch wenn ich quasi im Eingangsbereich des Schwedenshops wohne, kann man mich durchaus mit dem Begriff „Schnäppchen“ auch mal zwanzig Kilometer an die gegenüberliegende Seite der Stadt locken.

Schon auf dem Parkplatz kriegte ich Blutdruck. Weißkappen, die im ersten Gang mit röhrendem Motor die vierte Parklücke erfolglos testen. Ist auch schwierig, so einen Zwergen-Koreaner mittig in einer winzigen, zwanzig Quadratmeter kleinen Parkbuchse zu platzieren!

Mit hochroter Rübe und geschwollener Halsader enterte ich irgendwann das Möbel-Dings. Volksmusik bereits im Eingangsbereich. Augen zu und durch. Ab zum Counter, Neukunde werden. Es dauerte. Das Personal hat sich der Geschwindigkeit der Zielgruppe angepasst. Zu zweit schafften sie es innerhalb einer Zeitspanne, in der ich einen Bügelkorb Wäsche bezwungen hätte, meine Daten in das System zu übertragen. Atmen.

Ab in den Depot-Shop und mir den Wagen zugeknallt. Immer um die Weißkappen drumrum, die dort schon schnatternd die Gänge verstopften, ohne wirklich Kaufinteresse an dem Dekokram zu zeigen.

Mich überkam ein Hüngerchen und zugegebenermaßen auch die morbide Neugier auf das von meinen alten Leuten so regelmäßig frequentierte Restaurant. Auf dem Weg dorthin konnte ich einen Blick auf das Sortiment der Möbelbude werfen. Gelsenkirchener Barock meets Pflegeheimfeatures. Eine Couch, an Hässlichkeit kaum zu überbieten, für schlappe 8.999,00€. Es fehlte nur noch das Schild: „Das Beste für ihre letzten zehn, zwölf Nickerchen!“. Und überall fröhliche Senioren ins Gespräch mit dem Personal vertieft. Wahrscheinlich kennen die Stammrentner auch die Dienstpläne aller Angestellten. Mich schauderte.

Im Restaurant sah es aus wie auf einer Seniorenkreuzfahrt. Beim Eintreten hob ich den Altersdurchschnitt um mindestens zwanzig Jahre. Fröhlich schnatternde Weißkappen in Einheitskluft und die Damen auch in identischer Frisur mit gewohnt schaurigem Parfum. Das Essen sah ansprechend aus, aber die alten Leutchens jenseits jedes Effizienzgedankens und –bestrebens ließen mich kaum an die Theke ran! Es war zum Schubsen! „Na na, junges Frollein! Nicht so schieben!“. Ich hätte das Coregatabs-Model am liebsten an seinem faltigen Hals gepackt und zwischen den Schweinshaxen zum Schweigen gebracht. Aber das „junge Frollein“ stimmte mich wohl milde. Und dann an der Kasse fummelten sie alle zig Coupons aus den Handtaschen, was den Andrang im Restaurant erklärte: Gratissaft, Umsonstkaffee, Haxe für zwei fuffzig und so weiter. Das erklärte so ziemlich alles.

Nach dem Lunch im Seniorenheim ich wieder runter zum Counter. Wie ich denn an so Coupons käme? Also, die bekommen sie, wenn sie als Kunde bei uns registriert sind. Bin ich. Na, dann schicken wir ihnen die auch zu. Ich bin aber jetzt und heute hier! Da kann ich leider nichts machen.

Aha.

Nun gut, ich hatte sowieso nicht vor, noch mal wieder zu kommen. Nicht mal für´ne Gratishaxe!

Aber es erstaunte mich dennoch, dass ich auch in den folgenden Monaten keine Einladung zum Umsonstkaffee bekam. Keinen Gratiscoupon. Kein nichts.

Und da ich über Tagesfreizeit verfügte und das Baby damals noch ein in Vollzeit rumliegendes Baby war, schrieb ich einen Brief an das Möbel-Dings. Mit der Bitte, das Marketingkonzept zu überdenken. Auch Mütter mit Kleinkindern und generell Leute, die nach 1940 geboren wurden, sind doch als Käuferzielgruppe auch nicht zu verachten. Und würden auch nach 18:00 Uhr noch einkaufen und Haxe essen kommen, wenn die Rentner bereits mit hochgelegten Beinen auf der Seniorencouch sitzen und die Hitparade der Volksmusik im Fernsehen anschauen. Und wieso schicken sie mir eigentlich keine Coupons zu?! Werden „junge Frolleins“ bei ihnen nur in Begleitung ihrer greisen Erziehungsberechtigten als Kunden wahrgenommen?

Ich bekam keine Antwort. Was auch daran liegen könnte, dass ich diesen Brief nie abgeschickt habe. Der Beste hatte sich nämlich königlich amüsiert auf meine Kosten und mir zu verstehen gegeben: Die anderen Frolleins und du, ihr habt Blaugelb. Lass doch den Inkontinenzschlübber tragenden Alten das Möbel-Dings und die Haxen!

Monate zogen ins Land.

Ihr ahnt nicht, was ich heute in der Post fand!

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Es gibt zwei denkbare Möglichkeiten: Möbel-Dings hat sein Marketingkonzept überdacht oder ich bin jetzt amtlich alt und es wird Zeit für die seniorentaugliche Kurzhaarfrisur und Mode aus dem Schwab-Katalog.

Bekenntnisse und Erkenntnisse

Ich habe heute Abend etwas gemacht, das ich schon seit Monaten nicht mehr getan habe: Ich habe die Duschkabine entkalkt! Ich weiß, dass es Monate sein müssen, denn ich musste erst ewig die Dampfente suchen, die zu diesem Zweck zum Einsatz kommt (Es putzt sich nicht wirklich besser damit, aber der Spaßfaktor ist erheblich höher.). Bin auf einen Stuhl gestiegen, habe in einem hohen Schrank drei Kisten mit Stoffen (Ach, hier sind die!) beiseite geräumt, eine Schuhputzkiste gefunden (benutzt niemand bei uns, aber wir besitzen offensichtlich Schuhputzzeug) und irgendwo ganz hinten stand die gelbe Ente. Ich war schon versucht, den Besten zu fragen, wo die sei. Na, das wäre ein Spaß geworden! Als ob der das wüsste!

Das Gute an einer Tätigkeit, wenn sie nur in größtmöglichen Abständen durchgeführt wird, sind der Ergebnisfaktor und der Erkenntnisgewinn. Offensichtlich kann eine Duschkabine auch von außen verkalken. Wie? Warum? Überhaupt finde ich erstaunlich, dass niemanden in diesem Haushalt das Milchglasscheibendesign unserer Duschkabine gestört hat in letzter Zeit. Mich am wenigsten. Und das mir, wo doch die einzige Putzhilfe, die jemals bei mir zum Probeputzen kam, ihren Dienst nicht antreten durfte, weil sie mir nicht gründlich genug gearbeitet hat. Das mir, wo ich doch andauernd zu hören bekomme, bei mir wäre es soooooo sauber und ordentlich! Wie ich das nur machen würde! Ich meine, das sind hier neun Räume (inklusiver zweier Nasszellen und dem Flur, aber der ist echt groß, der zählt jetzt mit) und zwei Balkone, die als Außenwohnzimmer ja auch was hermachen müssen!

Also gut, das war alles „vorher“. Bevor Baby, bevor Blog, bevor ich als Vollzeithausfrau und Zweifachmutter hier das Regime übernahm. Jetzt habe ich keine Zeit mehr zum Putzen! Jetzt werden die Geburtstage im Garten oder im Hof gefeiert. Nicht, damit niemand was dreckig macht in der Bude, sondern damit sich niemand bei uns dreckige Füße holt! Die Hausfrau in diesem Haushalt ist ein Schwein. Aber ein glückliches!

Das Arbeitszimmer ist das Grauen. Die Schreibtische sind schwarz, aber das weiß ich nur, weil ich es weiß. Nicht, dass man das sehen würde. Oftmals grabe ich auch erst die Tastatur auf meinem Platz frei und während ich jetzt hier tippe, liegen meine beiden Unterarme entspannt auf je einem Stapel Papier. Vermutlich irgendwas zum Abheften oder zum Überweisen. Aber genau weiß ich das nicht. Ich müsste nachschauen und dazu habe ich auch keine Zeit. Ich schreibe lieber. Ich mag ja die Homestory-Fotos von berühmten Bloggerinnen. Da sieht man dann einen stylischen Schreibtisch mit einem Eames Chair davor (ein Fell drüber eventuell, in der angesagten Farbe der Saison; wenn gerade keine Felle angesagt sind und nicht mal Fake fur, dann eben ein „Plaid“). Auf dem Schreibtisch stehen hochdekorativ nette „Steh-rum´s“. Meistens liegt auch noch neben der Tastatur ein Tablet. Die berühmte Bloggerin entscheidet sich wahrscheinlich manchmal mitten im Schreibprozess, mit welchem Medium sie arbeiten will. Blumen sind auch gerngesehene Gäste. Oder ein Kaktus. Bei mir ist dafür kein Platz neben dem Wäscheklammernkorb, einem kaputten Telefon (Wahrscheinlich braucht es nur mal neue Batterien, aber wer hat schon dafür Zeit!) und mehreren externen Gedächtnissen. Das sind so A5-Notizbücher, in die ich alles aufschreibe. Theoretisch. Adressen, Mitschriften vom Elternabend, meine Passwörter. Aber die Bücher verlege ich auch andauernd. Deshalb sind es ja so viele. Ich beginne regelmäßig ein neues, finde dann ein altes wieder, da steht aber auch noch Zeug drin, was wichtig ist und so geht das immer weiter. Ich bin eine Schreibtischschlampe (zweimal „sch“, ganz recht). Schachteln voller Zettel, Stifte, die nicht schreiben und vom Kind getöpferte Schalen mit Büroklammern, Holzstücken (weil ich die vielleicht mal brauchen könnte) und Schlüsseln, von denen niemand weiß, zu welchem Schloss sie gehören könnten, runden meine Schreibtischkultur ab. Von einem Beweisfoto sehe ich (wie auch im Fall der Duschkabine) aus Rücksichtnahme euch gegenüber ab.

Aber das macht überhaupt nichts! Seltsamerweise fühle ich mich in dem Schmuddelchaos aktuell sogar pudelwohl, was mich zu der Erkenntnis bringt, dass zum Einen der Mensch an sich ziemlich anpassungsfähig zu sein scheint (da mich Unordnung und Dreck normalerweise stören) und zum anderen bildet man offenbar neue Features aus, wenn Speicherplatz frei wird dafür. Zum Beispiel bin ich jetzt in der Lage, das Baby anzuziehen, während es sich unermüdlich wie eine Schraube dreht. Ich kann windeln, während der zu Windelnde schnurstracks die Flucht ergreift beziehungsweise dabei einen Stuhl erklimmt. Oder mir währenddessen an den Haaren zieht und die Ohrringe aus den Ohren polkt. All diese Fähigkeiten hätte ich wahrscheinlich nie ausgebildet, wenn mein Gehirn mit Putzabläufen beschäftigt gewesen wäre. Was für ein Verlust!

Auch unsere Familienmägen haben in den letzten Monaten eine erstaunliche Metamorphose mitgemacht. Von Haute Cuisine und „Das Auge isst mit!“ zu „Döner macht schöner!“ und: „Seit wann braucht ein Auge was zu essen?!“

Heute waren wir im Japanischen Palais und haben die sehenswerte Ausstellung „Planet 3.0“ angeschaut und dann spazieren an der Elbe. Für eine Stunde riss der Himmel auf. Kein Regen, ein fast-Frühlings-Lüftchen! Hand in Hand am Elbestrand. Und als der Hunger sich meldete, war ein Dönerstand in Sicht. Perfekt! Wenn ich stattdessen geputzt hätte, säßen wir jetzt in einer sauberen Wohnung, die nicht nach Döner riechen würde. Aber woher würdet ihr dann wissen, dass der Palaisgarten heute unter Wasser war?! Siehste.

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Ich verstehe, dass ihr nach dem Lesen dieser Zeilen wahrscheinlich nicht mehr bei mir duschen wollt. Und wenn ihr mich mal besuchen kommt, dann zieht vielleicht nicht eure beste Hose an und geht zu Hause noch mal aufs Klo. 😉

Guten Morgen Pieschen!

Guten Morgen Pieschen!

Ich nehme Euch mit auf meinen Morgenlauf. Nur noch schnell die Schuhe anziehen…

Das ist doch alles Scheiße hier!

Das ist doch alles Scheiße hier!

Foto 2-23Pieschen ist dreckig. Foto 3-20

Überall Kacke. Ich nehme an, hauptsächlich von Hunden. Aber mit der Kacke ist das so eine Sache, mittlerweile sehe ich die gar nicht mehr. Die guckt sich irgendwie weg. Ich stelle mir vor, das ist, wie wenn der Beste behauptet, ich hätte keine Falten oder sagt: „Bauch? Du hast keinen Bauch. Ich seh nur Brüste!“. Die negativen Dinge verblassen bei dem Anblick von etwas Herzerwärmendem. Ich persönlich mag auch am liebsten Menschen, die auf den achten oder zwölften Blick schön sind und durch ihr Wesen immer schöner werden, je länger man sie kennt. Pieschen ist nichts für Touristen. Eher was für Liebhaber. Aber je länger ich bleibe, umso lieber habe ich das Viertel! Foto 3-12Während ich routiniert in Schlangenlinien den Fußweg-Parcours passiere, fällt mir auf, dass wir die vermutlich meisten Künstler-Ateliers in Dresden haben, im Umkreis von zweihundert Metern drei Thai-Massagesalons (manchmal mit echt thailändisch aussehenden Vietnamesinnen), wunderschöne Spielplätze, eine alte Streuobstwiese an der Bibliothek, einen Hafen. Ja, sogar einen Yachthafen hat Pieschen! Die schönste Fahrradbrücke Foto 2-27Dresdens. Eine türkische Bäckerei gegenüber eines

portugiesischen Lebensmittelladens, nachbarschaftlich zu einem französischen Feinkostgeschäft. Das allerbeste Puppentheater der Stadt, unzählige Kitas. Beim allerbesten Fleischer der Stadt gibts auch Bio-Gemüse und an Fasching selbstgebackene Pfannkuchen mit Pflaumenmusfüllung… und einmal im Jahr den allerbesten Gänsebraten mit schlesischen Klößen. Wir haben einen Gemeinschaftsgarten, eine Tanzschule. Wenn ich mit einer Handarbeit nicht weiterkomme, gehe ich (wenn es sich um was Wollenes handelt) auf die Oschatzer Straße und frage um Rat. Aktuell gibts dort Strick- und Nähkurse für Ferienkinder. Ist es was Genähtes, dann hilft man mir im schönsten Stoffladen der Stadt (Emily´s Nähstübchen) weiter. Exklusive Kinderklamotten gibts ebenso wie einen Herrenmaßschneider. Foto 5-7Vier Second-Hand-Läden fußläufig, leider (aktuell) kein Foto 3-21Schwimmbad (mehr), aber dafür eine Ayurveda-Praxis und einen Buchladen, in dem es nur drei Preise gibt: 0,50€, 1,00€, 1,50€. Und das sogar auf Neuware! Das allerbeste Eis der Stadt gibts auch in Pieschen (und den bestimmt originellsten Eisverkäufer der Welt gibts gratis dazu). Das beste Brauhaus der Stadt befindet sich…in Pieschen! Im Winter gibts beim Elbcenter am blauen Eiswagen dicke heiße Waffeln am Stiel, die soooo lecker sind, dass ich mir über die Wintersaison ein Waffelpolster anfresse. Egal, was ich brauche oder wohin ich will, alles ist fußläufig erreichbar und für Faule notfalls mit der Straßenbahn. Der Elberadweg ist einen

Text an einer Pieschner Haustür; unbekannter Autor

Text an einer Pieschner Haustür; unbekannter Autor

Steinwurf entfernt, ebenso die S-Bahn, die Autobahn, der Elbepark.

Manch einer sieht hier überall nur Kacke. Ich seh einen bunten Stadtteil mit ganz viel ❤ …und Hundekacke. Und ich passe hier super hin!Foto 4-7

 

Der Traum vom Eigenheim

…ist nicht meiner. Irgendwie wurde mir da ein Gendefekt vererbt, denn in meiner Familie ist das Häuserbauen, Baumpflanzen und Pfahlwurzelschlagen äußerst verbreitet. Alle gängigen Argumente gegen das Mietertum prallen an mir ab. Ich bin eher Nomaden-  als Wurzeltyp.

Da die meisten unserer Freunde und Bekannten nach und nach das Dresdner Umland besiedeln und Stein auf Stein setzen, kommt auch immer mal wieder beim besten Ehemann von allen das Gefühl auf, wir würden was verpassen.

Mein Standpunkt ist deutlich: Prinzipiell habe ich nichts gegen ein Häuschen in der Vorstadt, zwei Kriterien sollten allerdings erfüllt sein: Es liegt in der Wisteria Lane und Susan Delfino wird meine neue beste Freundin.

Am Wochenende meinte der Beste, wir müssten mal zum Lüften raus, das Baby sieht schon ganz fahl aus. Und immer an der Elbe lang… ach nö langweilig. Lass uns in die Peripherie fahren. Dresden liegt in einem Talkessel und wenn man der Smogglocke entfliehen möchte, braucht man nur in irgendeine Richtung zu fahren und schwupps! steht man in luftiger Höh´auf irgendeinem Hochland.

Strahlendblauer Himmel, Vorfrühlungswetter, wir lustwandeln.

„Ach Schatz, ist das schöööön hier! Kein Flugzeuglärm, keine Verkehrsgeräusche. Höre ich da Vögel?!“

„Keine Kreißsäge, kein Geplärre von irgendwelchen Blagen…“

„Und nirgends Hundekacke! Weib, du kannst den Blick heben, du musst nicht den Fußweg scannen. Es gibt keine Haufen hier. “

„Ob die hier ne eigene Straßen-und Fußwegreinigung haben? Die Straßen sind sauberer als unsere Küche!“

„Guck mal, wie hübsch. Das Haus dort!“

„Nee, das hat ja gar keine Fenster! Das sind Schießscharten. Sieht aus wie der Föhrerbonker, gleich kommt Blondi um die Ecke.“

„Oh Gott, was ist das?! Iiiih, ich krieg Augenkrebs. Dort! Ein quietschgelbes Fertigteilhaus mit blauen Fenstern! Ganz klar, die hatten einen Sponsorenvertrag mit einem schwedischen Möbelhaus.“

„Genau, das Haus wurde dann bestimmt auch mit ´nem Imbusschlüssel zusammengeschraubt!“

„Aber eine schöne Skulptur haben die im Garten.“

„Soll wahrscheinlich ein Wildschwein beim Kacken darstellen…“

„Und das Modell hier heißt bestimmt ´Biedermanns Träumchen´. Boah, ist das hässlich. Hier wöllte ich nicht tot überm Zaun hängen!“

„Weißt du, was ich mich frage? Wo sind denn die ganzen Leute? Niemand hier. Kein Kind draußen im Garten?! Seltsam.“

„Die stehen hinter ihren hässlichen Gardinen und beobachten uns. Die wissen bestimmt schon, dass wir hier rumschleichen!“

„Ach, hör auf! Aber gespenstig ist das schon. Du sag mal, brauchen wir noch Milch?“

„Hä?“

„Na dort hat jemand eine Kiste Milch zum Mitnehmen rausgestellt.“

„Also bitte, du bist hier nicht in Pieschen! Das ist nicht zum Mitnehmen, das hat wer vergessen reinzuräumen, als er die Einkäufe verstaut hat. Überhaupt, das stell ich mir schwierig vor…“

„Stimmt, kein Lidl um die Ecke, kein Späti, nicht mal ne Tankstelle!“

„Und keine Kneipe weit und breit. Hier trinkt jeder auf der Couch vorm Fernsehen. Oder im Bastelkeller des Nachbarn.“

„Das ist so still hier…unheimlich.“

„Naja, nicht gleich still! Deine Stimme ist laut und deutlich zu hören! Aber sonst, stimmt.“

„Hm.“

„Hm.“

„Also ich bin gelüftet, und du?“

„Ja, komm, lass uns heimfahren!“

„Na, sooooo schön war das hier wirklich nicht. Nächstes mal wieder Elbe?“

„Nu.“