Der Traum vom Eigenheim

…ist nicht meiner. Irgendwie wurde mir da ein Gendefekt vererbt, denn in meiner Familie ist das Häuserbauen, Baumpflanzen und Pfahlwurzelschlagen äußerst verbreitet. Alle gängigen Argumente gegen das Mietertum prallen an mir ab. Ich bin eher Nomaden-  als Wurzeltyp.

Da die meisten unserer Freunde und Bekannten nach und nach das Dresdner Umland besiedeln und Stein auf Stein setzen, kommt auch immer mal wieder beim besten Ehemann von allen das Gefühl auf, wir würden was verpassen.

Mein Standpunkt ist deutlich: Prinzipiell habe ich nichts gegen ein Häuschen in der Vorstadt, zwei Kriterien sollten allerdings erfüllt sein: Es liegt in der Wisteria Lane und Susan Delfino wird meine neue beste Freundin.

Am Wochenende meinte der Beste, wir müssten mal zum Lüften raus, das Baby sieht schon ganz fahl aus. Und immer an der Elbe lang… ach nö langweilig. Lass uns in die Peripherie fahren. Dresden liegt in einem Talkessel und wenn man der Smogglocke entfliehen möchte, braucht man nur in irgendeine Richtung zu fahren und schwupps! steht man in luftiger Höh´auf irgendeinem Hochland.

Strahlendblauer Himmel, Vorfrühlungswetter, wir lustwandeln.

„Ach Schatz, ist das schöööön hier! Kein Flugzeuglärm, keine Verkehrsgeräusche. Höre ich da Vögel?!“

„Keine Kreißsäge, kein Geplärre von irgendwelchen Blagen…“

„Und nirgends Hundekacke! Weib, du kannst den Blick heben, du musst nicht den Fußweg scannen. Es gibt keine Haufen hier. “

„Ob die hier ne eigene Straßen-und Fußwegreinigung haben? Die Straßen sind sauberer als unsere Küche!“

„Guck mal, wie hübsch. Das Haus dort!“

„Nee, das hat ja gar keine Fenster! Das sind Schießscharten. Sieht aus wie der Föhrerbonker, gleich kommt Blondi um die Ecke.“

„Oh Gott, was ist das?! Iiiih, ich krieg Augenkrebs. Dort! Ein quietschgelbes Fertigteilhaus mit blauen Fenstern! Ganz klar, die hatten einen Sponsorenvertrag mit einem schwedischen Möbelhaus.“

„Genau, das Haus wurde dann bestimmt auch mit ´nem Imbusschlüssel zusammengeschraubt!“

„Aber eine schöne Skulptur haben die im Garten.“

„Soll wahrscheinlich ein Wildschwein beim Kacken darstellen…“

„Und das Modell hier heißt bestimmt ´Biedermanns Träumchen´. Boah, ist das hässlich. Hier wöllte ich nicht tot überm Zaun hängen!“

„Weißt du, was ich mich frage? Wo sind denn die ganzen Leute? Niemand hier. Kein Kind draußen im Garten?! Seltsam.“

„Die stehen hinter ihren hässlichen Gardinen und beobachten uns. Die wissen bestimmt schon, dass wir hier rumschleichen!“

„Ach, hör auf! Aber gespenstig ist das schon. Du sag mal, brauchen wir noch Milch?“

„Hä?“

„Na dort hat jemand eine Kiste Milch zum Mitnehmen rausgestellt.“

„Also bitte, du bist hier nicht in Pieschen! Das ist nicht zum Mitnehmen, das hat wer vergessen reinzuräumen, als er die Einkäufe verstaut hat. Überhaupt, das stell ich mir schwierig vor…“

„Stimmt, kein Lidl um die Ecke, kein Späti, nicht mal ne Tankstelle!“

„Und keine Kneipe weit und breit. Hier trinkt jeder auf der Couch vorm Fernsehen. Oder im Bastelkeller des Nachbarn.“

„Das ist so still hier…unheimlich.“

„Naja, nicht gleich still! Deine Stimme ist laut und deutlich zu hören! Aber sonst, stimmt.“

„Hm.“

„Hm.“

„Also ich bin gelüftet, und du?“

„Ja, komm, lass uns heimfahren!“

„Na, sooooo schön war das hier wirklich nicht. Nächstes mal wieder Elbe?“

„Nu.“

 

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