Tür 9 – ver-Hexhex-te Weihnachtsmarktidylle

Rückblende: Inmitten des trubeligen #blomm 2015 saß eine Frau mit einem ganz kleinen Baby auf dem Arm, einem Wuselkind zwischen den Beinen und einem glücklichen, geduldigen Madonnenlächeln im Gesicht: Vivian von Hexhex 2.0. Und so nett wie dieses erste Bild war, das ich von ihr immer noch vor Augen habe, ist ihr Blog. Ich liebe die Kindermund-Zitate und schüttele ungläubig den Kopf, wenn sie mal wieder irgendwas „schnell Zusammengenähtes“ für ihr großes oder ihr kleines F zeigt (was das bedeutet, werdet ihr beim Lesen wissen). Dabei ist sie völlig unprätentiös und hat einen feinen Sinn für Humor. Ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Vivi und den beiden F´s in 2016. Und nun: Türchen auf für Vivi!

Ich weiß ja nicht, wie es bei Rike in Pieschen ist. Bei uns in Berlin singt und blinkt im Advent die ganze Stadt rhythmisch im Viervierteltakt und sowohl jeder Einheimische als auch jeder Touri kommt auf seine Weihnachtsmarktkosten. Gendarmenmarkt mit selbstgeklöppelten Feinstrumpfhosen, Nostalgie am Opernpalais mit mundgeblasenen Nussknackern oder Riesenrad und „Wer hat noch kein Los?“ auf dem Alexanderplatz. Da Kinder in aller Regel nicht von Bienenwachskerzen, Blütenkochkurs und Seifenkunst in ruhiger Atmosphäre zwischen einer Handvoll Rentnern und verliebten Pärchen zu begeistern sind, schrumpft die Auswahl der familientauglichen Weihnachtsmärkte bedenklich. Auf einen, um genau zu sein. Der ganz normale fiktive Weihnachtsmarktwahnsinn, wie er also genau so oder so ähnlich stattgefunden haben könnte: (Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind durchaus beabsichtigt und nicht zufällig)

Ich mag keine Menschen.

Wobei, grundsätzlich mag ich Menschen schon, aber nicht, wenn es viele auf einem Haufen sind. Überfüllte Flughäfen, Einkaufscenter an Adventssamstagen oder den Möbelschweden an einem normalen Wochenende versuche ich zu vermeiden, um keine Schnappatmung zu bekommen.

Es versteht sich also von selbst, dass es kaum einen Ort gibt, der mich mehr stresst, als der Weihnachtsmarkt. Aber nicht hingehen kann man ja auch nicht, ist schließlich nur zu einer Zeit im Jahr. Jedenfalls wird aus Wir-gehen-über-den-Weihnachtsmarkt meist ein lauwarmer Glühweinfleck auf dem weißen Wintermantel und ein leeres Brötchen mit Ketchup in der Hand, in dem vor dem Anrempeln eben noch eine Bratwurst steckte.

Mit Kind gewinnt der Weihnachtsmarktbesuch nochmal extrem an Qualität. Mit dem Monatsbudget von 50€ auf den Markt zu gehen, ist ein dringlichst zu vermeidender Anfängerfehler! Man ist noch nicht ganz unter dem Willkommensschild durchgelaufen, schon warten gefüllte Heliumrudolphs auf ihre Adoption. Das schulterngezuckte „Ach komm, ist ja Weihnachten“ kostet im Schnitt 8€. Wenige Meter weiter der Stand mit Zuckerwatte, „Darf ich? Büüütteeee“. Mütterlich-logische Argumentationsketten, die die Wörter „Zucker“, „Karius und Baktus“ und „eklig“ enthalten, werden gekonnt abgewehrt von einem aus Shrek bekannten katergleichen Augenaufschlag. Plinker Plinker. Nach 20min in der Zuckerwattenschlange und 3€ weniger stellt das Kind nach dem ersten Abbeißen fest: Es mag eigentlich gar keine Zuckerwatte. Jackpot!

Auf der Suche nach dem nächsten Mülleimer mit freien Kapazitäten rauscht die „Wilde Maus“ an uns vorbei, direkt dahinter wie von der Tarantel gestochen das Kind. Dann heißt es schnell sein! Weil Anleinen verboten ist, man sein Kind auf einem Weihnachtsmarkt aber besser nicht aus den Augen verlieren sollte, rennt man hinterher, verursacht ein paar Glühweinflecken und fliegende Bratwürste (sorry!), um dann das Kind schon mit den Fahrchips in der Hand am Kartenhäuschen stehen und nur noch auf das Geld warten zu sehen. 1 Fahrt 2,50€, 5 Fahrten 10€. Während sich das Kind die nächste Viertelstunde in der Wilden Maus vergnügt, trete ich frierend auf der Stelle und suche den Markt mit den Augen nach dem nächsten Glühweinstand ab. Ein Auge ist natürlich immer bei der Wilden Maus und winkt.

Glühwein finde ich auf die Schnelle keinen, wohl aber den Stand mit gebrannten Mandeln. Die Weintrauben am Stiel zum Preis von schokolierten Goldkugeln und eine straußeneigroße Marzipankartoffel später, fällt dem Kind ein, es könne ganz dringend so ein buntes Rad am Stock mit Zuckerperlen gebrauchen. Das rolle so lustig und Glöckchen habe es auch. So ein schönes Andenken! Wenige gerollte Meter später bricht der Stiel des lustigen Rades ab. Plinker Plinker. Das Kind kann nach eigener Aussage nun „keinen Schritt mehr laufen“ und muss auf Papas Schultern. Ich frage, ob es von da oben einen Stand mit Glühwein sehen könne. „Brühwein?! Hä?!“.  Während wir uns durch das Gedrängel wursten, hebe ich reisegruppenmäßig einen Arm, damit die Familie hinterkommt. Stelle fest, 168cm sind nicht die ideale Weihnachtsmarktgröße. Das Kind sagt, auf 2m Höhe sei es sehr komfortabel. Papa bestätigt seine Anwesenheit mit einem Grunzen .

Auf dem Weg zum Glühwein kommen wir an einem Kettenkarussell vorbei. „Jaaaa, Juhuuu, das wollte ich schon IMMER mal ausprobieren! Aber ich trau mich nicht alleine. Kommst du bittebitte mit, Mama?“. 6€ später sind wir wieder mittendrin im Weihnachtsmarktgetümmel und lassen uns mit vernachlässigbarem Eigenantrieb vorwärts schieben. Und dann: ein Schild! Wo es einen halben Meter Bratwurst gibt, gibt es mit Sicherheit auch etwas zu trinken. Auf 3 verlassen wir die Menschenmasse und finden uns am Glühweinstand ein. 2 Glühwein und ein Kinderpunsch inklusive Tassenpfand 18€, und da ist noch nicht mal Schuss dabei. Die Ausgaben liegen bei 50 und einem zusammengekratzen Euro aus Restbeständen Hartgeld. In der Hoffnung, keine Parkgebühr bezahlen zu müssen, kämpfen wir uns entgegen der Schieberichtung durch die Lawine aus blinkenden Plastikgeweihen und singenden Weihnachtsmannmützen zurück zum Ausgang an den Ständen vorbei: Jingle Bells Jingle Bells, Ooooo duuuuu fröööööhlicheeehee, Stiihiille Naaacht, Last Christmas I gave you… Boah, draußen!

Am Auto angekommen, setzen wir uns rein, schnallen uns an und bleiben einen Moment lang einfach sitzen und atmen. Zwischen uns der stille Vorsatz, 12 Monate keinen Weihnachtsmarkt mehr zu besuchen… Und nächstes Jahr gibt’s keine Zuckerwatte, dafür aber ein Kind mehr. Hohoho…

7 Kommentare zu “Tür 9 – ver-Hexhex-te Weihnachtsmarktidylle

  1. Endlich noch jemand, dem es genau so geht wie mir. Wenn es nicht so voll wäre, dann wäre so ein Weihnachtsmarkt ja echt romantisch. Mit den beiden Kids ist es mir echt zu anstrengend. Dann Glühwein trinken und Wurst essen, dabei eisige Hände und Kälte Füße bekommen. Überall wird geschubst und gedrängelt und Zeit sich die „Buden“ anzusehen hat man auch nicht mehr. Trotzdem wollen meine Männer nächste Woche sich das unbedingt antun. Also eine Runde Mitleid für mich bitte jetzt schon ❤

  2. Haha, wir müssen dieses Jahr auch noch mit den drei „Abkömmlingen“ (der Fachbegriff für die Nachkommenschaft in Juristendeutsch, wie wir kürzlich erfahren mussten 🙂 ) Die Kinder finden diese Bezeichnung irgendwie nicht gut … Wie auch immer, wir müssen noch ins Weihnachtsgetümmel. Unsere eigene Weihnachtsmarkttradition folgt zum Glück ein paar klaren Regeln, das erleichtert die Sache mittlerweile. Die Kinder müssen vorher ordentlich satt sein. Essen auf dem Weihnachtsmarkt nervt, wie oben so schön beschrieben. Bezahlt wird eine Runde Riesenrad für alle, eine Runde Eisenbahn für die Kinder und gebrannte Mandeln, die erst daheim geteilt werden. Zu Kinderpunsch, der da kein Vermögen kostet. Ansonsten dürfen sie gucken und schnuppern, und wenn’s unbedingt sein muss, dürften sie meinetwegen die Weihnachtsschlager mitsingen :-p, das kostet jedenfalls nix. Man muss auch die kleinen Freuden schätzen lernen. 😀
    Na dann, fröhliche Weihnachten noch!

    LG Doro

    • Danke, gleichfalls! Ja, das mit dem satt hingehen nehmen wir uns dann für nächstes Jahr vor 😉

      PS. Das Kind, das beim #blomm um meine Beine wuselte, war übrigens gar nicht meins ^^
      Vielen Dank für die netten Einleitungsworte und: immer wieder gern, liebe Rike!

  3. Versteh ich gar nicht! Ist doch voll schön, so ein Weihnachtsmarkt! Und mit Kind macht es doch erst recht Spaß! Als Familie macht man einen tollen Ausflug und kommt so richtig in Weihnachtsstimmung. Bratwurst teilen, zusammen auf’s Karussell, folkloristische Handwerkskunst bestaunen. Herrlich! Und wenn man für teure Fuhrgeschäfte und ungesunde Snacks kein Geld ausgeben will, muss man das dem Kind einfach ruhig erklären.

    PS: Meine Tochter ist ein Jahr alt und wir wollen nächste Woche mit ihr zum ersten Mal auf den Weihnachtsmarkt.

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