#wib – im Oktober

Das Gute an Wochenenden ist, dass man sich von der Woche erholen kann, regenerieren. Das Schlechte an Wochenenden ist, dass dieser Grundsatz für Eltern mit kleinen Kindern aufgehoben zu sein scheint.

Pünktlich Freitags ist das Kleinkind regelmäßig an irgendwelchen Körperöffnungen undicht, fiebert und macht die Nacht zum Tag. Wenn einer von uns Eltern abwesend ist, passiert das auf jeden Fall.

Der Bärtige war auf Jungsurlaub dieses Wochenende. „Fahrradfahren!“, sagte er. „Bier trinken!“, sagte ich. Er stritt das vehement ab und ich winkte müde und ließ ihn… wo bitte kann sich denn heutzutage ein anständiger Familienvater noch ordentlich betrinken? Also so richtig! Mit zwei Bier. Na also. Von mir aus nennt er das eben Radurlaub.

Ich war also von Freitag Nachmittag bis einschließlich gestern Abend im Notdienst, habe eine Nacht auf dem Kinderzimmerteppich zugebracht, mir dabei die Hüfte verknackst, mehrere Maschinen Spezialwäsche gewaschen, getröstet, gewischt, getragen, gefüttert, gewindelt, geflucht. Das übliche, ihr kennt das.

Es gibt also keine Fotos vom Samstag. Ach, halt! Eins gibt es. Der Beste hatte natürlich angeboten heimzukommen, und das fand ich nett und auch selbstverständlich. Aber das wäre Quatsch gewesen. Der war irgendwo im Nirgendwo und wäre sonstwann dagewesen. Ich versicherte ihm, ich sei groß und stark und das kriegen wir schon hin. Nachts fühlte ich mich dann doch ein wenig einsam…FullSizeRender-2Radurlaub! Sportlerurlaub! Da hat er mich dann doch sehr zum Lachen gebracht 😀 Der Gute.

Heute Morgen um fünf war die Nacht zu Ende aber He! Wir hatten durchgeschlafen! Zwar schlonzte aus der Mittelöffnung des Kinderkopfes noch grün wabernde Alienkotze und ich hatte ein wenig Angst, Sigourney Weaver könne mit der Kanone über den Balkon hechten um mein Baby abzuknallen, aber ansonsten alles prima!

Ich fühlte mich wie Superwoman und beschloss, den heutigen Tag mit der Knipse im Anschlag rumzulaufen. Ihr wolltet mal wieder wacklige Handyfotos, also bitte. Geht los!

Um sechs hatten wir gefrühstückt, eine Runde Indoorfußball gespielt (ein Schaumgummiball ist eine absolute Kaufempfehlung  von mir), drei Bücher und eine Teletubbies-Folge geguckt (doch, echt jetzt) und danach war der Blondino nur mit der Aussicht auf Spielplatz davon abzubringen, seinen selig schlafenden Bruder zu wecken. Wir also raus. In der Garage die erste Diskussion, weil das Kind dachte, wir würden jetzt in den Sonnenaufgang radeln. Oder zu „Grabo“ und „Lisa“, seinen Kita-Tanten (die im übrigen weder noch heißen).

Ich war quasi mitten in der Nacht überhaupt noch nicht in the mood für Sport und wollte gemietlisch Wagen schieben. Der von uns mit dem größeren Kopf und den längeren Haaren hat sich durchgesetzt. Sieht auf dem Bild nur noch nicht danach aus.IMG_3919Wir waren die einzigen Menschen draußen und das hatte auch was für sich. Und überraschend war es noch dazu! In dem düstren Morgenlich hatten die Straßen mit Ampel- und Baustellenbarkenbeleuchtung was regelrecht Romantisches. Ein bisschen wie Weihnachtsvorstimmung! Scheen wars…

Ein romantisch beleuchteter Bagger, für jeden von uns war also etwas dabei 😉IMG_3925 IMG_3927 IMG_3931 IMG_3930  IMG_3928Bei Scholzens in der Bäckerei wurde schon gearbeitet. Mich jieperte es sofort nach Kartoffelkuchen! Aber leider hatten sie keinen (den Rest des Weges versuchte ich, auf andere Gedanken zu kommen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen).IMG_3929Spielplatz im Dunkeln ist ja auch irgendwie skurril… und dieser hier hat noch das albernste Warnschild ever. Wohlgemerkt: An einem Spielplatz!IMG_3941 IMG_3944

IMG_3942 IMG_3943Es wurde langsam heller. Also einfach immer hellgrauer…IMG_3934 IMG_3935Neben dem Sachsenbad: Bagger. Den Blondino freuts, mich eher nicht. Heißt es doch nicht etwa, dass meine naiv-romantischen Wünsche nach Restaurierung dieses altehrwürdigen Bades erfüllt werden, sondern eher, dass nun Eigentumswohnungen, „Lofts“, dort hineingebaut werden. Allen Unterschriftensammlungen zum Trotz.

Wir machen uns auf den Weg zum Lieblingsspielplatz. Unterwegs: Pieschner Seenlandschaft (Die starren mich an, die Pfützen, seht ihr das auch?).IMG_3947

IMG_3952Wir gucken, wie weit der Frankreichladen mit dem Umbau ist. Nu ja, wird doch! Die zwei Betreiber bauen das alte Pieschner Schulhaus aus und das freut mich dolle. Außerdem haben wir nun bald zwei französische Restaurants in Pieschen. Zwei! Kein Bad, wo die Kinder schwimmen lernen könnten, aber man muss eben Prioritäten setzen. Haute Cuisine statt Schwimm´…

Der Spielplatz war auch fast vergessen, als der Blondino die abgestellte Fahrbibliothek entdeckte. „Laster! Laster Laster! Laster!“. Er hörte gar nicht mehr auf. Ich so: „Ja-haaaaa! Jeder hat eins, Babylein. Und deines sind doofe große Autos.“.IMG_3961Irgendwann konnte er sich lösen und wir gingen doch noch auf den Spielplatz. Morgens gegen sieben ist für mich die einzige Zeit, wo das ein Ort ist zum Aufhalten. Ich weiß nicht genau, ob es eine anerkannte Form der Sozialphobie ist- diese Aversion gegen volle laute Spielplätze- aber wenn, ich hab sie!IMG_3966Ohne Leute ist es sehr schön. Außerdem gibts dort Lavendelbeete. Und Thymianbeete. Minze. Irgendwann wird der Blondino im Kindergarten lernen, dass man nichts abrupft auf den Beeten, aber bis dahin lässt er mich in Ruhe pflücken.IMG_3969Die heutige Ausbeute:IMG_3973So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind immer noch draußen und ich will ja heute Fotos machen! Also mach ich noch Fotos! Nein, wir gehen später nach Hause.

Das Kind kramt in seinen Taschen und findet zwei Walnüsse. Große Freude! Er liebt Fußball, aber nicht nur. Auch Fußkartoffel, Fußapfel, Fußtomate. Wir spielen eine Runde Fußnuss.IMG_3846 IMG_3856-1Drinnen dann habe ich immer noch Kartoffelkuchenjieper. Für mich ist das ein großes Ding! Was dem Bayer sein Weißwurstmetzger, ist dem Dresdner sein Stollenbäcker. Die Stollen werden ja ab dem Spätsommer gebacken und lagern dann irgendwie wochenlang und werden zig mal gebuttert und gezuckert und gedreht und gestreichelt, was weiß denn ich. Und während der Stollenbackphase kann man als Kunde natürlich noch keinen Stollen kaufen. Aber der Bäcker, der schlau ist, fixt die Kunden frühzeitig mit Kartoffelkuchen aus Stollenteig an. Funktioniert bei mir hervorragend! Ich mag das Gelumpe fast noch lieber als den Stollen selbst.

Nun habe ich ja keinen angesetzten Stollenteig zu Hause vorrätig, werde aber zum Glück fündig in einem alten Kochbuch aus der DDR von 1970. Das Buch ist so alt wie ich, hat aber weniger Falten und kennt mehr Rezepte. Ich weiß nicht, ob das gerecht ist. Ich versuche, beim Thema zu bleiben. Kartoffelkuchen also.IMG_3974Ich ändere das Rezept in dem Buch etwas und so wirds dann:

1 Würfel Hefe in 300ml warmer Milch auflösen und in eine Schüssel zu 500g Mehl, 2 Handvoll gemahlener Mandeln, knapp 100g Zucker, zwei Handvoll Rosinen, dem Abrieb einer Zitrone und einer Prise Salz gießen. Vorsichtig verrühren. 5 gekochte Pellkartoffeln durch die Presse drücken und unterkneten. Abdecken und mindestens eine halbe Stunde gehen lassen. Danach auf einem Blech ausrollen und ca. 20-30 Minuten backen bei 150°C Umluft (Ihr müsst das mal testen bei euerm Herd. Der Kuchen soll nicht braun werden, macht einfach ne Stäbchenprobe nach zwanzig Minuten.). In der Zwischenzeit hab ich ein halbes Stück Butter ausgelassen in einem Topf. Dann den Kuchen mit einem Essstäbchen malträtiert um ihn im Nachgang mit Butter zu übergießen und ordentlich mit Zimtzucker zu bestreuen. Dann noch mal zum Ausruhen in den auskühlenden Herd. So sieht er aus:FullSizeRenderUnd so auf´m Teller:IMG_3979Saftig, leicht kartoffelig und ein bisschen adventisch. Hm!

In der Zwischenzeit macht der Pubertino, was Pubis so machen. Irgendein Gerät bedienen. Und das Kindergartenkind macht, was ein Kindergartenkind so macht: Mit seinem Kindergartenrucksack in der Gegend rumlaufen.IMG_3972Außerdem darf er Teletubbies am Tablet gucken, während ich an dem Kuchen rumfummle. Ihr habt doch nicht geglaubt, das gänge hier so nebenbei? Pah! Der Kleine beschäftigt sich nicht alleine und der Große beschäftigt nicht den Kleinen. Also beschäftige ich den Kleinen oder mache was Erwachsenes. Oder erlaube dem Kleinen was Verbotenes, damit ich was Erwachsenes machen kann! Backen zum Beispiel. Oder Duschen.

Die kleine Rotznase legt sich zum Schlafen nieder. Essen will er nichts, nur ne Pulle Milch. Also bitte. Der Pubertino will keine Kürbissuppe, deshalb kriegt er Eierkuchen. Ich esse also alleine die freestyle-Kürbissuppe und weil der Topf so groß ist und niemand hier mitisst, müsst ihr! Nehmt einen Löffel und bedient euch. Hier kommt das Rezept:

1 Butternutkürbis, 4 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen, 2 Möhren, 1 Süßkartoffel, 1 Stück Sellerie und ein kleines Stück Ingwer putzen, kleinschneiden und im Fett eurer Wahl anbraten bis sich braune Stellen bilden. Mit Gemüsebrühe aufgießen und weichkochen lassen und danach fein pürieren. Gewürzt habe ich nur ganz sacht mit Garam Masala und ein wenig Brühpulver. Obendrauf dann Schnittlauch und ausgelassenen Schinkenspeck. War wirklich lecker!FullSizeRender-1Um zwei soll der Bärtige ankommen und ich bin aufgeregt! Ich freu mich! Und das Kleinchen schläft und schläft. Vor lauter Langeweile putze ich auf den Balkons rum und fotografiere die Herbstdeko… ich muss ja Fotos machen heute!IMG_3634 IMG_3630 IMG_3629Dann wars turbulent und niemand hat Fotos gemacht…

Jetzt ist schon wieder Abend und wir machens uns nett. Also jetzt gleich. Wenn ihr weg seid!IMG_3668 IMG_3864Ich setz mich in meine Couchecke und gucke die letzten Folgen der Staffel drei von „House of cards“, knutsche mit dem Bärtigen und freue mich, dass jetzt endlich Wochenende ist.

Ach nee, schon wieder vorbei.

Naja, jedenfalls schön, dass ihr heute zu Besuch da wart! Kommt mal wieder 😉 und wenn ihr noch mehr #wib- se sehen wollt, bei Susanne gibts die Linksammlung für dieses Wochenende.

8 Kommentare zu “#wib – im Oktober

    • Nein, wirklich nicht! Zum einen will ich nicht mit einem Mann verheiratet sein, der mich immerzu siezt (obwohl wir das doch vor zig Kommentaren schon geklärt hatten) und zum zweiten muss man ja auch Montags verheiratet sein und das willst Du ganz sicher nicht. Also Montags mit mir verheiratet sein. Du wirst schon lesen warum 😉

  1. Ich folge deinem Blog schon eine ganze Weile und wollte nur mal DANKE sagen. Dank deiner Texte habe ich herzlich gelacht (in der voll besetzten Bahn Inkl. vieler irritierter Blicke, dir mir dann völlig egal sind) und fühle so manches mal perfekt auf den Punkt gebracht, wie man als Mutter/Vater so (über)lebt.
    Viele Grüsse aus Zürich von einer Dresdner-Exil-Familie

    P.s. Den Ohrenatmer werde ich meinen Lebtag nicht mehr vergessen!

    • Liebe Adeline, Dein Kommentar ist mein heutiges Highlight, ganz lieben Dank dafür! Ich frage mich ja oft, wenn ich so auf die Statistik-Balken gucke, was sind denn das für Leute, die das lesen? Und lachen die? Haben die sich verklickt? Kommen die wieder? Dann solche Worte zu lesen… da geht mein ❤ auf. Ich wünsch Dir einen wundervollen Tag nach Zürich und schicke sonnige Grüße, Deine Rike

  2. Als bislang stille Mitleserin (dein Blondino und meiner sind fast gleich alt und es scheint da einige Gemeinsamkeiten zu geben *g*), komme ich heute doch mal aus meiner schweigsamen Ecke. Warum? Weil ich diesen Kuchen so loben muss. Dieser Kuuuuuchen! Schon beim Rezept lesen war klar, den backe ich nach. Als flugs die Zutaten zusammen gesucht, 20 Pellkartoffeln gekocht, fünf davon mit Zähnen und Krallen vor der verfressenen Meute verteidigt und losgebacken. SO lecker! Und SO kompatibel mit den Unverträglichkeiten meines Großen, wir finden so selten neue (und leckere!) Rezepte ohne Ei und Nüsse. Nu ist er schon alle. Und alle schreien nach Nachschub. Danke dir! 🙂
    Liebe Grüße in deine schöne Stadt, die ich irgendwann auch unbedingt mal besuchen muss.
    Ella

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