If this is a mans world

Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich ein ganz passabler Kerl.IMG_3029

Ich bin ein wirklich passabler Kerl! Vorzeigbar, sauber, gebildet und sparsam. Ich bringe meiner Frau oft Blumen mit und nicht nur vom Aldi, wenn ich mal dort bin, obwohl meine Frau Aldi-Blumen wirklich mag! Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt sie, sagt sie. Nein, ich lasse Floristensträuße für sie binden! Oft.

Mache Geschenke. Schmuck, Schuhe, ich weiß doch, was sie sich wünscht. Ich bin spendabel, lade sie in Kneipen ein. Ok, eigentlich, weil ich gerne ausgehe und sie nicht, aber ich bin der, der die Zeche blecht. Altmodisch und gern. Ich führe sie gerne aus, wirklich!

Ich zeige mich auch gern mit ihr. Wir halten Händchen, auch nach neunzehn Jahren. Sie ist meine Frau, das darf ruhig jeder sehen!

Ich mache Komplimente, zeige ihr, dass sie begehrenswert ist für mich obwohl sie schon ganz schön in die Jahre gekommen ist, nein wirklich, ich verhalte mich wie ein Gentleman. Ich habe sie aus Liebe geheiratet und sie ist die Mutter meiner Kinder. Mir bedeutet das was!

Ja, ich muss sagen, sie hat mit mir wirklich einen guten Fang gemacht.

Nun gut, meine Frau ist auch nicht unbedingt ein Trostpreis und ich habe – gemessen an dem, was mir Kollegen so berichten – ein entspanntes Leben und mehr Freiheiten als so manch anderer Kerl. (Als eigentlich alle Kerle, die ich kenne, die nicht gerade Single sind, aber das muss sie ja nicht wissen.) Ich kann reisen, meinen Hobbies nachgehen, problemlos um die Häuser ziehen. Doch doch, auch jetzt noch, auch als Familienvater mit zwei Kindern. Das ist bei uns sehr liberal, Individualismus, Selbstverwirklichung, das ICH, das sind Themen, die durchaus auch vor dem WIR Bestand und Wichtigkeit haben dürfen.

Ich unterstütze meine Frau auch. Das ist ja heutzutage selbstverständlich! Also im Rahmen meiner Möglichkeiten. Es gibt Dinge, um die sich niemals Gedanken machen muss: Versicherungen, fahrbares Auto mit TÜV und vollem Tank, Urlaubsreisen, all das organisiere ich. Nicht zu vergessen, die Steuer! Sie hat es da nicht so…

Wenn ich ihnen erzähle, wie das vor meiner Zeit war, also das würden sie nicht glauben! Meine Frau hatte Kisten, in die sie die amtlichen Briefe und Rechnungen legte, direkt nachdem sie sie aus dem Briefkasten zog! Und nur nach dem Zufallsprinzip und wenn ihr vor Langeweile gar nichts mehr einfiel, öffnete sie mal einen. Und manchmal fühlte sie sich dann sogar angesprochen vom Schreiberling des Briefes. Die Autos, die sie fuhr, waren Sauställe auf Rädern, in die sie ab und zu für zwanzig Mark Sprit schüttete. Ich kann ihnen sagen!

Meine Frau verläuft sich auch immer und überall. Sie ist in ihrem Leben schon so oft falsch abgebogen, dass es ein Wunder ist, dass sie überhaupt noch auf dem Planeten ist!

Nein, die kann wirklich froh sein, mich zu haben.

Aber denken sie, ich ernte Dankbarkeit? Nicht, dass ich das erwarten würde, wirklich nicht! Aber stattdessen nur Unzufriedenheit. Immer! Meine Frau hat immer PMS. Premenstruell, postmenstruell, da komme ich nicht hinterher! Die ist chronisch schlecht gelaunt. Ich verstehe das nicht.

Heute zum Beispiel weckt sie mich wie immer um sieben. Sie selbst steht ja um fünf auf, weil das Kleinste dann nicht mehr schläft, ich höre das ja nicht. Ich finde, sie müsste einfach härter durchgreifen bei dem, aber das muss sie schon selbst wissen. Also sie weckt mich und ich liege dann noch eine halbe Stunde im Bett und lese Börsenberichte, weil mit mir morgens wirklich nicht gut Kirschen essen ist und ich Rücksicht auf meine Frau nehme, deshalb bleibe ich noch ein bisschen im Bett.

Sie macht in der Küche die Kinder fertig, hängt Wäsche auf und ab und was sie eben so meint, morgens unbedingt machen zu müssen. Dreiviertel acht fängt sie an zu nerven, sie wöllte nun auch endlich mal ins Bad um sich fertig für die Arbeit zu machen, ich solle das Kleinkind jetzt übernehmen, und ich denke mir: Mädchen, du bist seit fast drei Stunden auf, wäre da nicht genügend Zeit gewesen?!

Sie ist einfach schlecht organisiert!

Dann gehe ich wie stets um acht Uhr los und bringe unseren Kleinsten in die Kita, ich mache das gern und das unterstützt ja auch meine Frau. Neulich meint sie, ich müsste dem noch Zähne putzen! Wie kann das sein, frage ich sie? Drei Stunden wach und das Kind gerade mal gefrühstückt und angezogen, aber die Mutter im Lotterlook und Zähne auch nicht geputzt?

Ich gebe ihr dann liebevolle Hinweise, wie sie ihren Zeitplan optimieren könnte. Aber das wird nicht gehört. Anzischen muss ich mich lassen!

Sie sucht dann noch meine Schlüssel, die sie immer irgendwo versteckt. Und mein Portmonnée. Dann kann ich endlich los. Ein Chaos veranstaltet die jeden Morgen!

Ich bin dann auf Arbeit. Meine Frau arbeitet auch, aber hat nur eine Dreiviertelstelle, mehr schafft sie nicht, sagt sie. Nachmittags muss sich ja auch jemand um die Kinder kümmern.

Meine Frau hat großes Glück, finde ich. Sie kann auch flexibel arbeiten, das heißt, oft von daheim. Ich weiß ja, wie das ist: Da wird ein Mittagschläfchen gehalten und Fenster geputzt nebenbei… wenn ich ihr dann aber Besorgungen auftrage, wird sie böse! Ich verstehe das Weib nicht! Wenn sie doch Zeit hat?

Ich hätte gern ihre Flexibilität und ihre freien Nachmittage! Wissen, sie, wenn ich dann abends aus dem Büro komme, habe ich fast nichts mehr von meinen Kindern. Ich setze mich an den Abendbrottisch und danach geht der erste schon ins Bett. Manchmal verpasse ich sogar das. Schön ist das nicht, aber was soll ich denn machen? Ich kann nun mal nicht flexibel arbeiten und da ich drei Euro mehr verdiene, ist auch ein Wechsel gar nicht machbar!

Einen Tag in der Woche arbeite ich extra Stunden ein, damit meine Frau lange im Büro bleiben kann. Das tu ich gern, auch wenn es bedeutet, dass ich die anderen Tage eben später kommen muss. Dankbarkeit? Ach, vergessen sie´s!

Meine Frau ist wie Ilsebill, des Fischers Frau. Nie kriegt die genug. Ich soll kochen, ich soll putzen. Also ehrlich, keine Ahnung, was die meint. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein Klo geputzt habe. Warten sie, hier wohnen wir jetzt fünf Jahre und die Toiletten hier habe ich noch nie putzen müssen, die sind einfach immer sauber! Was also meint das Weib? Hier ist doch gar kein Dreck!

Und mit der Wäsche, also das ist auch so ein Ding. Hier stehen Sessel voller Wäsche und überall nasses Zeug, trockenes Zeug. Ich guck mir das ja eine Weile an, ich bin ein geduldiger Mann. Aber irgendwann sag ich dann auch mal was! Mädel, sag ich, du musst dich einfach besser organisieren! Leg das doch nicht auf einen Haufen! Leg es gleich ordentlich zusammen und räum es weg, dann sieht´s hier auch nicht so aus! Da hatte die dann Schaum vorm Mund, verstehen sie das? Ich verstehe das nicht.

Ich erinnere sie auch an familiäre Themen, frage, ob wir meiner Mutter eine Urlaubskarte geschrieben haben, ob wir ein Geschenk für Xsens Geburtstag organisiert haben und so weiter. Ich weiß, was ansteht! Im letzten Jahr war ich auf drei Elternabenden! Gut, die acht Jahre zuvor eher nicht, aber da saßen auch nur Frauen und tratschten, was soll ich dann dort.

Meine Frau ist auch immer müde, kein Mensch kann so viel schlafen wie die! Abends um neun fallen der die Augen zu und ich kann dann alleine auf der Couch sitzen. Schön ist das nicht! Ich mache ihr aber keine Vorwürfe. Also nur selten. Und wenn ich dann mal rausgehe mit meinen Freunden und ein bisschen lustig nach Hause komme, das Licht im Schlafzimmer anmache und ihr verkünde, ich wöllte jetzt ihre Küsse brüsten, meinen sie, die freut sich? Nein! Ein mürrischer Bettsack schnauzt mich an, ich solle gefälligst Leine ziehen! So sieht das aus. Hab ich das verdient? Nein, das sage ich ihnen.

Die Krönung ist: Neuerdings ist sie auch noch humorlos! Mit allem hätte ich gerechnet, aber das haut dem Fass den Boden aus. Sie müssen sich vorstellen, sie macht Homeoffice (wir wissen ja, wie das aussieht) und abends fällt ihr ein, sie hat vergessen, Klopapier zu besorgen! Den ganzen Tag zu Hause und noch nicht mal das hat sie sich merken können! Das denke ich mir nur, sagen tu ich scherzhaft: „Na, da hast du dir ja heute einen schönen Fauli-Tag gemacht!“. Ihre Augen werden zu Schlitzen und sie zischt mich an, das sei jetzt nicht mein Ernst. Hach, denk ich mir, die PMS-Hexe schlägt also wieder zu. Nun gut. Geh ich ihr also nach und sage, es sei doch nur ein Späßchen gewesen! Ob mein Zicklein jetzt wieder freundlich sei?! Mitnichten.

Und wissen sie was? Die droht mir! Sagt, es reiche! Das würde ich büßen! Der Spaß sei vorbei und lustig sei hier einiges schon lange nicht mehr! Was meint die? Ich meine, mit büßen?! Wissen sie, was die meint? Meinen sie, die haut mich in die Pfanne? In ihrem komischen Blog, den sie schreibt?!

 

Süßer, das ist ein Test, ob du meinen Blog liest! Ich warte im Schlafzimmer. Heute darfst du mich ruhig wecken! Ich glaube, wir sind quitt! 😀

18 Kommentare zu “If this is a mans world

  1. Also wirklich! So ein Alltag muss doch locker in den Griff zu bekommen sein! tz, tz!
    Vielleicht würde eine Organisationsberatung helfen: Am besten einen jungen Uniabsolventen engagieren, der noch ganz ohne Familie(nerfahrung) dann alle Theorien aus dem Nähkästchen plaudert, nur ein paar Stunden Zeit pro Tag kostet, denn er muss ja als „Externer“ erst kurz in die Materie eingefüht werden mittels Interviews, Fragebögen und selbst zu erstellender minutiöser Tagesablaufsbeschreibungen. Am Schluss gibt es dann eine saftige Rechnung und eine super tolle Powerpointpräsentation mit Organisationsverbesserungsvorschlägen (schlafen nur zwischen 23 Uhr und 4 Uhr, den Ehemann mehr entlasten, die Kinder zur Selbständigkeit erziehen) und natürlich noch die liegen gebliebenen Haushaltsagenden
    😉

  2. Du, ich schick Dir mal den Mann rüber. Der hilft Dir total entspannt beim Organisieren, weil ist doch alles kein Hexenwerk. Bei Bedarf zeigt er Dir auch, wie Du Dir endlich mal Zeit für Dich nehmen kannst – indem er es hingebungsvoll vormacht. Bleib doch einfach (!) mal liegen! Steh doch nicht immer gleich auf, wenn das Kind was will! Verstehste jetzt nicht? Er erklärt Dir das gern.

    Wann darf ich ihm denn das Zugticket buchen? Brotdose pack ich ihm ein.

  3. Wie kann das sein, dass sooo viele Frauen diese Erfahrung machen?! Wie können wir das alles entspannter hinbekommen? Ich habe da so eine Idee … mmmhh … das brüte ich mal aus …. während ich im Liegen meine Nägel lackiere, Champagner trinke und auch sonst noch so tue, was mein Mann denkt, was ich tue …

  4. Da sind wir schon einen Schritt weiter. Mein Mann seufzte neulich: eigentlich würde ich lieber mehr arbeiten und du könntest weniger arbeiten und dafür mehr mit den Kindern machen und im Haushalt. Das wäre schön!

    Auf mein entgeistertes: „für wen???“, war die Diskussion beendet.

  5. Ein wunderbares Beispiel: wir sind gerade im Urlaub. Da mein Hobby (Tauchen) und sein Hobby (Rennrad fahren) schlecht mit Zwerg (3) geht, teilen wir uns rein. Halben Tag darf ich tauchen, halben Tag er Rad fahren. Einen Tag was zusammen. Nun ratet mal, was ich an dem halben Tag mache, wo er unterwegs ist? Wäsche waschen, einkaufen, Kind bespassen, aufräumen… Und ratet mal, was für eine SMS ich bekomme, als ich meinen halben Tag unterwegs bin: “bitte einkaufen auf dem Rückweg. Falls du noch Waschpulver brauchst oder was zum Essen kochen, nicht vergessen!“
    Hmpf…

  6. Muhaha. MUUUUAHAAAHAAA!
    Ich schick Dir meinen. Der kann das alles auch (ausser die Sache mit dem Blumen, die hat er in 25 Jahren noch nicht hinbekommen). Und ausser die Uhr lesen. Oder schon. Nur mit der Antizipation hat er’s nicht so. Denn wenn der Kurze um 8 im Bett sein muss wundert er sich, wenn ich zickig werde, wenn er doch wie versprochen Punkt 8 im Schwimmbad losfährt und überhaupt, er hat ja gar noch keinen Feierabend gehabt da kann man doch nicht erwarten……. Hrmpf!

  7. Wieder diese Feministenbagage hier. Also, um das mal klarzustellen…vieles davon bin ich auch und mach ich auch. Ich dachte ja immer, ich bin etwas weiter in Sachen Gleichberechtigung und Aufmerksamkeit, aber ich bin’s nicht. Ich sehe zwar sehr deutlich, was meine Freundin alles leistet, aber Dankbarkeit…selten. Es ist doch reichlich beschämend.

    Frage ich meinen Chef allerdings nach der dreiviertel Stelle oder gar weniger, brauche ich gar nicht wieder kommen. Frau Nieselpriem! Ich muss ein anderer Mann sein.

  8. Wirklich, wirklich schön geschrieben und wirkllch, wirklich lustig. Der Lachanfall bei mir kommt nicht mitten in der Nacht, sondern abends allein vorm PC, während mein Mann unterwegs ist und mir einen freien Abend Zuhause gegönnt hat („Du willst doch bestimmt sowieso noch bloggen, oder?“). Frei ist der Abend zwar nur minutenweise, weil im Halbstundentakt eines der Kinder aufwacht und getröstet werden muss, weil die Bügelwäsche sich stapelt und der Abwasch wartet – aber hey, der Gedanke zählt 😉

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