Wutprobe reloaded

Um es vorwegzunehmen: Jack Nicholson bin in diesem Szenario nicht ich – obwohl es Menschen in meinem Umfeld gibt, denen diese Besetzung durchaus logisch erscheinen mag, weil ich, sagen wir mal, „emotional maximal flexibel“ aufgestellt bin – nein, es geht um das Kleinste.

Aber zuerst muss ich ausholen (der geneigte Leser weiß es bereits, ich kann einfach nicht anders).

Der Blondino ist jetzt fünf Jahre und sechs Wochen alt und am liebsten möchte ich noch die Tage ausrechnen und hinter jeden ein rotes Herzchen setzen, ich bin immer noch total verknallt. Hach, dieses Kind ist der süßeste Schatz auf der ganzen Welt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie süß der ist.

Wenn er mich morgens mit „Mamaaaamamaaamamaaaa!“-Rufen weckt und ich schlaftaumelnd in das dunkler Kinderzimmer tappe, umfängt mich sein unvergleichlicher Kinderduft (ein Duft-Konglomerat aus Milchreis und verschwitztem Kinderkopf) und ich mich im Dunkeln zu ihm in seine Astronautenbettwäsche kuschle, dann entfleucht ein glücklicher Seufzer meinem müden Muttikörper.

Das ist vielleicht der schönste Moment am Tag überhaupt. Dieser Geruch, dieser kleine Körper, dieses Händchenhalten im Dunkeln, Herz an Herz. Mit mir werden im Morgengrauen Geheimnisse ausgetauscht. Von Wespen hat er geträumt, aber er habe sich unter der Decke versteckt und gar keine Angst gehabt! Und weißt du, Mama, dich habe ich am allerliebsten. Und zum Geburtstag wünsche er sich einen Rasenmäherkrantraktor, der fliegen kann, aber in echt jetzt! Und wie oft noch schlafen bis Weihnachten? Und bis Mickylaus?

Gegen überhaupt gar nichts auf der Welt würde ich diese Minuten eintauschen!

Und dann gibt es Minuten, die würde ich sofort tauschen.

Das Kind zündet nämlich innerhalb von Sekunden. Soeben noch klein und süß und knopfäugig, knallt dem während eines winzigen ahnungslosen Augenblicks die Sicherung durch und das Jekyll-Hide-Baby mutiert zum brüllenden Gremlin! Inklusive Tourrette, Beißen, Spucken, in der Gegend rumfetzen, Zeug rumschmeißen, Zerstörungswut.

Auslöser sind so dramatische Situationen wie: Ich habe Butter auf seinen Toast geschmiert („ICH HASSE BUTTER! DAS IST SOOOO EKLIG JETZT!“). Ich habe Reibekäse auf seine Nudeln gestreuselt („ICH HASSE REIBEKÄSE!“). Ich habe keinen Reibekäse im Hause („ABER ICH WILL REIBEKÄSE! ICH LIIIIEBE REIBEKÄSE!“). Ich habe das Auto geöffnet („ICH MACH IMMER DAS AUTO AUF!“). Die falschen Schuhe, falschen Socken, ich finde den bestimmten Film nicht in der Playlist („ICH WILL ABER DAS MIT DEN LUSTIGEN AUTOS GUCKEN VON TOM UND SCHERRI! NEIN, NICHT DAS! DU MACHST ALLES FALSCH!“).

Ich mache nämlich alles falsch. Ehrlich gesagt, denke ich, im Moment kann ich gar nichts richtig machen und wäre er nicht fünf, sondern fünfunddreißig, würde ich ihm sagen, er solle mal klar kommen gefälligst! Und dass ja wohl offensichtlich sei, dass nicht ich das Problem bin, sondern er. Aber das kommt ja nun mal nicht infrage. Leider.

Praxisbeispiel gefällig?

Am vergangenen Freitagnachmittag gehe ich mit dem zum Drogeriemarkt. Nachmittags. Nach einem Kindergartentag voller Trubel und während außer uns noch fünfzig andere Menschen in diesem Markt sind. Ich müsste es mittlerweile besser wissen, aber offensichtlich habe ich die Lernkurve eines Einzellers und das Nachfolgende einfach verdient. Während ich das Kind noch während des Einkaufsprozesses relativ erfolgreich durch die Gänge navigiere, grätscht er mir aus, als ich den Kassenbereich ansteuere. Er wöllte jetzt aber Wasser trinken gehen! Er hätte ganz schlimm Durst! Jetzt! Ich sage ihm, gut, er solle zum Wasserspender gehen, ich würde mich anstellen einstweilen und er möge doch dann bitte zu mir zur Kasse kommen (ganz ganz schlimmer Anfängerfehler, als würde ich dieses Kind nicht kennen). Denn: Das Kind kommt nicht. Ich bin mittlerweile dran mit Bezahlen und falle unangenehm auf, weil ich schon mehrmals den Namen des Kindes durch den Markt gerufen habe. Er kommt nicht, ich sehe nur ein Stück seiner Jacke und entweder ist er spontan ertaubt oder vollkommen unbeeindruckt von meinen Rufen. Er kommt nämlich immer noch nicht. Natürlich!

Ich stehe jetzt dämlich mit unserem Klopapier und Waschmittel am Eingang rum. Alleine.

Ich sage der Kassiererin, ich müsste jetzt leider noch mal rein, ob ich die Einkäufe bitte hier…?!

Und da steht das holde Kind am Wasserspender und spielt Klavier. Ihr kennt diese Wasserspender? Zwei Tasten? Er also steht in einer Riesenpfütze, weil der Überlauf schon längst übergelaufen ist, und tippt rhythmisch die weiße und blaue Taste an. Weiß-blau-weiß-blau-weiß-blau. Ohne einen Pappbecher drunter zu halten. Weiß-blau-weiß-blau-weiß-blau. Der Wasserpender ist fast alle.

Erschrocken rufe ich: „Stopp! Hör sofort auf damit!“, und weiter kurze, unmissverständliche Sätze, hebe ihn von dem Wasserspender weg um die Pfütze irgendwie aufzuwischen, da schmeißt er sich längs mit Gebrüll. Ich sei voll gemein, eine plöte Scheißmama, das alles hier sei eine plöte Scheiße und die Leute sind alle Scheißleute und viele Tierlaute zur ausdrücklichen Untermalung. Er hört auch nicht auf, als ich ihn aufhebe und die achtzehn strampelnden Kilos zum Ausgang wuchte. Er versucht mich zu boxen, beißen, spuckt und brüllt. Er gibt was er kann!

Ich habe einen Tunnelblick und klemme mir irgendwie noch die Einkäufe unter den anderen Arm und fliehe. Keine Ahnung, wie ich das Auto aufgemacht habe, denn loslassen kann ich das Gremlin-Kind nicht. Wenn der so einen Film schiebt, geht der flitzen! Das kenne ich schon. Der rennt einfach weg. Also richtig weg.

Als ich dann im Auto saß und den Wüterich angeschnallt hatte, dann fühlte ich mich müde. Verletzt. Beschämt. So ist das immer in solchen Situationen. Was die Leute jetzt denken! Warum verdammt rastet der so?! Was mache ich nur falsch? Warum?! Ich bin so erschöpft von seiner Wut. Das Kind tobte noch eine Weile in seinem Pilotensitz auf der Rückbank, spuckte auf den Boden das Autos und sah dann ebenfalls sehr erschöpft aus…

Ist es vorbei?, frage ich dann stets und wenn das Jekyll-Hide-Kind nickt, dann gehe ich zu ihm, nicht vorwurfsvoll, sondern irgendwie nett. Ich streichle ihm den Kopf, versuche zu fragen, was denn los gewesen sei. Er kann es mir niemals erklären. Er weiß es doch selber nicht… Ich sage ihm, das mir das Herz ganz doll weh tut, wenn er mich beißt und boxt und anschreit, er guckt müde. Wir halten uns und oft entschuldigt er sich, er wöllte nicht, dass mir das Herz weh tut. Ich weiß das doch… Wir versuchen, kindgerechte Strategien zu entwickeln, die niemals funktionieren, weil das Kind von seiner Wut überrollt wird.

Wir haben Kinderbücher über Wut angeguckt, wir haben geredet. Immer wieder. Es sind ja nicht nur die oben beschriebenen Situationen. Fremde Menschen wird schon mal auf ein freundliches „Hallo!“, mit: „HAU AB!“, und, auch schon vorgekommen: „HAU AB DU PLÖTE SCHEIßE!“, entgegnet. Unbekannte Umgebung, viele Menschen, das irritiert das Kind ganz offensichtlich derart, dass er seinen Gefühlen eben nicht auf sozial angepasster Art und Weise Ausdruck verleihen kann.

Irgendwie kommt mir das sehr bekannt vor von dem großen Kind. Aber ich verweigere mich irgendwelchen frühen Diagnosen, und ich möchte euch von Herzen bitten, in den Kommentaren zu diesem Beitrag auch von Ferndiagnosen und guten Tipps zur Aufzucht Abstand zu halten. Denn, Ratschläge sind in diesem Fall wirklich oft Schläge. Gerade in der Beziehung zwischen Mutter und Kind macht – zumindest in meinem Empfinden – nichts so hilflos und vielleicht auch wütend wie ein anderer Erwachsener, der meint, er wüsste besser, wie mit deinem Kind umzugehen sei.

Nein, ich schreibe das auf, weil es eben Kinder gibt, bei denen diese Wutphase später als in irgendwelchen Aufzuchtbüchern beschrieben einsetzt. Oder länger anhält! Mein Sohn kann nicht lesen, er weiß nicht, dass dieses Verhalten Zweijährigen zugeordnet wird im Kinderwachstumsundentwicklungskatalog. Er braucht eben länger, um sich sicher genug in ungewohnten Situationen zu fühlen, dass er nicht „unpassend“ auf fremde Menschen reagiert. Und auf Stresssituationen. Der Drogeriemarkt ist eine Stresssituation gewesen und das Wasserspender-Situations-Ding eine Kompensationshandlung. Da bin ich mir im Nachgang sicher.

Und diese Sicherheit kommt bestimmt aus dem Erleben mit dem Großsohn, der sich niemals angepasst und vorhersehbar verhalten hat und so ein toller junger Mann geworden ist mit angenehmen Umgangsformen, verständnisvoll und empathisch. Also nach geltender gesellschaftlicher Norm mehr als akzeptabel. Nicht, dass das „Erziehungsziel“ gewesen sei! Nein, gerade bei diesem Jungen stießen wir Eltern sehr deutlich an die Grenzen der „Erziehung“ im herkömmlichen Sinne. Und mussten uns einlassen auf seine Sicht auf die Welt, mussten lernen, ihn zu verstehen um ihn leiten und anleiten zu können. Dieser große Junge hat mir dadurch sehr viel beigebracht.

Und nun der andere Sohn.

Ich glaube, ich muss den Umgang mit diesen Stresssituationen lernen, genau wie das Kind. Und Verständnis zeigen, trotzdem Grenzen aufzeigen, aushalten und Händchen halten. Den wütenden Kinderkopf trösten und beruhigen. Und nicht auf die Kopf schüttelnden Menschen schauen, die der Meinung sind, bei ihnen früher hätte es das nicht gegeben! Stimmt das? Nein, früher gab es Besserungsanstalten und Jugendwerkhöfe für unangepasste Kinder und Jugendliche. Früher wurde „aufmüpfigen“ Kindern mit Gewalt „Benehmen eingebläut“. Das hat bestimmt super funktioniert.

Nein, früher war nicht alles besser.

Und jetzt versucht das Kind hier mitzutippen, deshalb ist der Beitrag nun zu Ende! Und bestimmt gibt es Menschen die sich denken, ich müsste dem Jungen deutlich sagen, dass dieser Laptop gefälligst mein Tanzbereich sei und er die Finger davon zu lassen hat! Ich aber denke mir, Scheiße, ich lebe noch fünzig Jahre und habe so verdammt viel Zeit in irgendwelche Tasten zu hauen, wenn der groß ist. Nun aber ist er klein und will mit mir zusammen sein. Mit mir spielen, mit mir reden, mit mir wachsen. Das ist der schönste Teil meines Lebens, ich bin mir sicher.

28 Kommentare zu “Wutprobe reloaded

  1. Mit großer Begeisterung habe ich deinen Beitrag gelesen, denn so ein Wutmonster habe ich auch zu Hause.
    Hunderte Ratschläge, Tipps aus Erziehungsforen und Bücher, und noch viel mehr habe ich ausprobiert. Er ist einfach so. Mal ist es weniger schlimm, mal so richtig heftig, dass ich am liebsten laut schreiend und weinend die Flucht ergreifen will.
    Und wenn dann noch Kind 2 Aufmerksamkeit fordert gehe ich an meine Grenzen und bin total überfordert.
    Ich versuche immer abzuschätzen, welche Wutphase gerade ihn zum schreien, toben, schlagen ,…. bringt um dann den „richtigen“ Lösungsweg hervorzuholen, den ich durch Erfahrung kennenlernen durfte. Leider sind meine Hellseherischen Fähigkeiten in diesem Bereich nicht so ausgeprägt, dass auch ich erst ein paar Versuche starten muss, ehe ich total verzweifelt aufgebe und mir die Kuschelzeiten und „Mama, hab dich lieb“ Zeit wünsche.
    Toll geschrieben, mir mitten aus dem Herz. Unsere Kinder sind völlig normal.

    lg Melli

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  2. Tja, wenn ich bei Google eingebe „Wutanfall 6jähriges Kind“ bekomme ich die Information, dass Wutanfälle eine Phase sind – bei Kindern zwischen 2 und 4 Jahren. Nun ist das Kind aber 6 Jahre und die sogenannte Frustrationstoleranz meistens entweder ziemlich kurz oder manchmal auch gar nicht vorhanden. Was tun? Das frage ich mich häufiger und befürchte, dass das Kind aneckt und deswegen nicht gemocht wird. Also versuche ich es mit erklären. Der Lehrerin, der Trainerin und dem Trainer, Menschen die man so kennt… Die einzige Strategie (wenn man das so nennen mag) die hilft, wenn es losgegangen ist: in Ruhe lassen. Und dann ist das Kind auch noch ein Mädchen. Das macht die Bandbreite des Verständnisaufbringens von anderen Menschen sehr viel schmaler. Warum ist mir klar, ich find‘ es trotzdem unfair. Davon abgesehen: ich habe dasKind, das ich habe und es kommt darauf an, dass ich weiß, wie liebenswürdig und mitfühlend und kümmernd das Kind sein kann. So. Ich muss mir das nur ab und zu nochmal in den Kopf rufen. Vor allem dann, wenn das Kind hohl dreht und ich mit.

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  3. Das kenne ich, diese Ausraster in der Öffentlichkeit. Ich hatte ja mal diesen Text dazu geschrieben, das ist schon lange her, aber es passiert immer noch, manchmal. Die Panik und Scham und Wut, die mich dann überrollen, sind fürchterlich. Aber naja. Ich glaube nicht, dass es grundsätzlich unnormal ist. Menschen sind halt total unterschiedlich und die Bandbreite ist groß (und wir beide wissen das doch sehr genau).

    Meine Freundin hat einen Sohn, der mich an Deinen erinnert, so von der Beschreibung her. Ja, der ist ziemlich, ich nenne es mal: gefühlsintensiv, aber halt auch supertoll und clever und ganz außergewöhnlich für einen rund 5-jährigen.

    Also, Du machst das super und ich hätte Dich auch gern als Mutter. Das ist die Wahrheit.

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  4. Hab ich hier auch, und dazu noch einen knapp 3 jährigen wuttroll. Und ich denke, das wichtigste ist, dass man den Kindern hilft, damit umzugehen,. wie du sagtest, nicht alle Kinder sind brav nach Lehrbuch irgendwann durch damit, manche brauchen länger oder sind Spätzünder. Toll, dass du für ihn da bist. Ich zweifele auch oft ganz ganz doll, aber dann sehe ich beide wieder wie sie einfach sind und nehme mir die Zeit, die gebraucht wird. Warum sind heute so viele Depressiv, emotional instabil oder völlig beziehungsunfähig? M.E. nach unter anderem deshalb, weil es das früher nicht gab. Ins Zimmer sperren, wer nicht spurt, und andere Erziehungstipps, das geht alles nicht an menschen vorbei. du machst es richtig. Sei gut zu dir!

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  5. Kenne ich so ähnlich auch, unserer ist ebenfalls 5. Wir können inzwischen mehr oder weniger gut damit umgehen, zumindest wirft uns nicht mehr jeder Anfall völlig aus der Bahn. Was mir allerdings ein bisschen Sorgen macht: er kommt nächstes Jahr zur Schule. Ich hoffe sehr, dass sich in der Zeit bis dahin entwicklungsmäßig noch was tut … er wird es sonst vermutlich nicht einfach haben dort. 😦 Kommt der Blondino auch 2019 zur Schule?

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  6. Ich lass Dir ein dickes Herz da ♥️. Danke!
    Danke für Dein ehrliches Mit-Teilen und diese unglaublich große Liebe, die man Dir abspürt.
    Auch unser Kind erlebt und macht alles zu 100%. Lieben, Lachen, Weinen, Brüllen… Und immer wieder diese Erschöpfung, auf beiden Seiten.
    Danke für Deine wohltuenden Gedanken. „Aushalten und Händchenhalten, den Kinderkopf trösten und beruhigen“, jedesmal neu.

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  7. Liebe Rike, deine Jungs haben sich genau die richtige Mama ( und sicher auch den richtigen Vater) ausgesucht. Schmeiß die Erziehungratgeber weg. Die verunsichern nur. Ihr macht doch immer wieder und schon so viele Jahre genau das Richtige. Das, was eure Jungs brauchen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Na und? Ich schick mal einen großen Sack Gelassenheit für die brenzligen Situationen und noch einen Sack mit Stolz auf die Kinder ein Leben lang.

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  8. Hallo Rike,
    toller Beitrag, genauso wie das Leben spielt. Diese Situation(en) hat jeder, der Kinder in die Welt gesetzt hat, erlebt. Ratschläge sind diesbezüglich nicht das Richtige auch irgendwelche Erziehungsratgeber sind meiner Meinung nach, nicht hilfreich. Mein Sohn ist mittlerweile 13 und ich lache jetzt darüber, wie ich verschwitzt an der Kasse stand, die Leute schauten und ich mir immer wieder sagte „Lächeln“ und das Kind einfach, in dem Moment, nicht der „Norm“ entsprach. DANKE für die Erinnerung! Schlußfolgerung: Rike, es gut so, wie es ist!
    Herzliche Grüße von Grit.

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  9. Liebe Nieselpriem, wie liebe ich es dich zu lesen. Du machst das alles sowas von verdammt richtig!!!! Is doch wurscht was andere denken….du folgst deinem Herzen. Mein Blondino kann das Gleiche wie Deiner und jedes mal schmerzt mein Herz wenn ich ihn nach diesen Anfällen ansehe…..erschöpft und irritiert und beschämt über das Geschehene. Und auch ich versuche das Kindgerecht zu erörtern und Strategien zu entwickeln die der Zwerg dann aber gekonnt gegen uns einsetzt😂. Mach dir mal keinen Kopf um den Blondino….er ist eben sehr ausgeprägt. Ich lege mir nach jeder Attacke einen Racheplan zurecht der greift wenn der Zwerg dir erste Liebe anschleppt oder 18 ist oder oder oder…..das besänftigt mein Ego ( hat man ja als Muttermensch) und mein Herz besänftigen diese morgendlichen Duftkuscheleinheiten.
    Lass dich nicht klein kriegen oder verunsichern ….is doch wurscht was andere denken…..ihr seid gesund und nix anderes zählt….in 20 Jahren lacht ihr über diese Tage…..oder in 30……hoffentlich😂😂😂😂.lieben Gruss aus Berlin, kristin

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  10. Ich lese so unfassbar gerne bei dir. Schon so lange, und immer wieder. Und ich kann dir so gut nachfühlen. Hier wohnt auch so eine Wutwichtin. Sie ist inzwischen sieben, und meistens geht es zumindest auswärts ganz gut. Zuhause aber… da ist sie manchmal so erschöpft vom vielen kooperieren in Schule und Hort, dass das Ungewitter losbricht. Ohne Vorwarnung, ohne erkennbaren Anlass, ohne Chance, das abzuwenden. Sie hat mal gesagt, in diesen Momenten sei ihr ganzer Bauch so voller Wut, dass sie schreien muß, sonst platzt sie sofort. Rike, glaub es oder nicht, aber hier gibt es einen Drogeriemarkt, den ich nicht mehr betrete, seit Kind 3 (so alt wie dein Blondino) ein Vierteljahr alt war. Da hat K2 (die Wutwichtin, seinerzeit zwar mit erst 2einhalb im eigentlich passenden Alter, aber trotzdem…) mal einen Einkaufswagen umgerissen vor lauter Wut, weil ich sie nicht drin sitzen lassen wollte. Mit Babygläschen und so drin, du kannst dir das Desaster vorstellen?

    Ich mag deinen Blick auf deine Kinder, und auf dich selbst. Für blöde Blicke und achwiesoschlaue Ratschläge wünsche ich dir einen imaginären Teflonmantel, der alles das, was du in diesen Situationen eh nicht brauchen kannst, lässig an dir abtropfen lässt.

    Danke für deinen Blog, für deine Aufrichtigkeit und dafür, dass du das alles mit uns teilst.

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  11. Liebe Rike,
    du bist eine tolle Mama und so eine hätte ich auch gern gehabt.
    Unsere 5 jährige flippt auch öfters aus.
    Meistens daheim zum Regulieren, ich erinnere mich bei einen Besuch bei meiner Großtante, die Lütte war 2 und bekam einen Zornanfall, im schwäbischen gibt es hierfür ein netteres Wort. Meine Großtante sagte, dass die Lütte sie arg an mich erinnern täte als ich Kind war. Ich fange sie immer wieder ein, ja und manchmal flippe ich selbst mit aus, ich Katastrophen Mama. Von 180 auf 0 innerhalb paar Sekunden. Wir halten uns dann fest in den Armen und sie weint, weil sie das nicht wollte.

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  12. Pingback: Das ist der herrlichste Tag | 6 Freitagslieblinge am 02. November 2018 | berlinmittemom

  13. Ach, Rike! Wie recht Du hast! Diese Beziehung, erarbeitet in so vielen Anstrengenden oder wundervollen Stunden – und dann kommt einer und glaubt nach fünf Minuten, er hätte die Lösung 🙄.
    Aber eine Hilfe ist, zu wissen, dass man nicht alleine ist. Und die hast Du Mir und den anderen Lesern gegeben, die ähnliche und doch ganz andere Exemplare zu Hause haben.
    Und ich möchte es Dir auch zurück geben: Du machst das toll!
    Liebst, Verena

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  14. Ach je. Ich musste so lachen wegen der Einzeller-Lernkurve. Die hab ich auch. Und so nicken, wegen dem Raustragen, dem was hab ich falsch gemacht, dem müde sein. Und dann hatte ich ein ganz warmes Herz, wegen dem Warten und Reden und Kopf streicheln und irgendwie nett sein. Du bist eine tolle Mama und eine tolle Schreiberin und ich komme immer wieder hier her, weil ich deine Ehrkichkeit, in der so unfassbar viel Liebe steckt, so schätze.

    Liebe Grüße
    Janine

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  15. „Nun aber ist er klein und will mit mir zusammen sein. Mit mir spielen, mit mir reden, mit mir wachsen. Das ist der schönste Teil meines Lebens, ich bin mir sicher.“ Der erste Satz reimt sich sogar 🙂 Und es ist soo wahr!! Die intensiven Gefühle und die Ohnmacht, als Mutter angemessen darauf zu reagieren, das kenne ich auch von unserem inzwischen 4,5-Jährigen. Die 2-Jährige übt auch schon. Mal sehen, in welche Kerbe das ganz frische Baby dann mal schlägt… Ich finde auch, dass du das ganz toll machst und auch beschreibst. So, dass man sich wiedererkennt und nicht alleine fühlt, auch wenn man das sonst oft glaubt, wenn man die Blicke der anderen sieht. Und ich kenne das auch, dass der Schwiegervater beim Anblick des wütenden Kleinen sich dann doch plötzlich erinnert, dass der eigene Sohn das auch ganz gut konnte, damals….. ❤

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  16. Ich liebe deine Liebeserklärung an den Wutmonstersohn und finde mich da so wieder ♥ Wenn ich dir jetzt sage, dass meiner mit 10 Jahren auch noch solche völlig irrationalen Episoden hat, und das mehrmals pro Woche, und wir uns hier mindestens einmal pro Woche richtig, richtig dolle anschreien – hilft dir das? Auf jeden Fall hilft es mir, wenn ich lese, dass es noch mehr Mütter gibt, die so krass zwischen himmelhochverliebt und komplett weggestoßen oszillieren und das irgendwie schaffen… uff.

    Liebe Grüße
    Jenny

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  17. Auch mein Sohn wütet außerhalb der Norm. Und neben vielen vorwurfsvollen Blicken, guten RatSCHLÄGEN und getuschel, hat mich nach einem besonders schlimmen Wutanfall, der um 6.00 Uhr morgen an einem Sonntag das komplette Mietshaus geweckt hat eine Nachbarin vor meinen Selbstzweifeln beschützt.

    Ich habe mich Mittags, als ich sie im Haus traf, für die Störung entschuldigt und Ihr versichert das wir ihm nichts getan haben. ( er hat jämmerlich gebrüllt)
    Und wärend ich mit den Tränen gekämpft habe, hat sie mir erzählt das ihre Tochter auch so war. Das sie froh gewesen wäre wenn sie es geschafft hätte das so zu meistern wie wir. So viel unerwartetes Verständnis und Anerkennung. Dieser Satz trägt mich noch heute ab und an über die schlimmsten Wutanfälle.

    Also liebe Rike,für dich: „Ich ahne was du in solchen Momenten leistest, dein Gefühle sind alle okay, und es ist wunderbar das du es schaffst so für ihn da zu sein ( und auch wenn du es mal nicht schaffst)“

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  18. Hier gibt’s auch ein Wutpaket und arge Bedenken ach so professioneller Pädagogen, wie es in Schule und generell der Zukunft mit ihm weitergehen soll. Tägliche negative Rückmeldungen, Listen, in denen jeder kleinste (negativ bewertete) Vorfall dokumentiert wird. Über die vielen positiven Momente des Tages wird kein Wort verloren. Manchmal möchte ich sie anschreien und fragen, ob dieses Kind für sie überhaupt eine Lebensberechtigung hat? Dieses tolle, außerhalb der Wutphasen warmherzige, schlaue, kreative und so witzige Kind? Für das meine Liebe so stark brodelt?
    Derzeit spüre ich sehr stark, wie die Gesellschaft Kinder krank macht.

    Um so schlimmer ist, wenn ich mich in meiner Hilflosigkeit nicht mehr regulieren kann und drüber brülle/wüte. Dann hat er seinen einzigen Fürsprecher verloren 😕 Wie vermag ich ihn nur zu schützen? Oft bin ich ratlos, doch umso sicherer in meiner Liebe zu diesem einzigartigen Kind.

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    • Liebe Ankäre, danke für diesen mutigen Kommentar. Ich möchte Dich ganz fest in den Arm nehmen und dir sagen: Alles wird gut! Und das glaube ich zutiefst, sonst würde man ja vollkommen bekloppt, oder?! Was du schreibst, bestürzt mich sehr. Und ich empfinde tiefes Mitgefühl mit Dir und dem Kind. Ich hoffe so sehr, dass das KInd die Ablehnung und Herabwürdigung seiner Person, die Reduzierung auf seien vermeintlichen Schwächen, nicht so drastisch spürt wie du. Wenn dem so wäre, dann würde ich sagen, er muss in einem wirklich unangenehmen Umfeld aufwachsen, das ihn nicht adäquat fordert und seine Stärken anerkennt. Ich bin ja nun kein Experte, habe aber ähnlich empfunden und erlebt mit meinem ersten Sohn, das war extrem kräftezehrend… Dass du selbst auch ab und an „aus der Haut“ fährst, ist sicher verständlich, ich denke, ihr findet einen Weg, dass ihr euch gegenseitig immer sicher seid, dass ihr ehrlich zueinander seid und dass dein Kind sich deiner Unterstützung und Obhut sicher sein kann – immer. Ich wünsche Dir sehr, dass sich die dunklen Wolken bald verziehen, dass sich etwas zu euern Gunsten am Umfeld ändert vielleicht. Möglicherweise kannst du Verbündete finden in dem Betreuungsumfeld des Kindes? Ich drück dich in Gedanken, Deine Nieselpriem

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  19. Ich telefoniere gleich mit einer studierten Pädagogin (darauf hat sie mehrfach hingewiesen), die das im Gefühl hat, dass es nicht in Ordnung ist, dass mein Fünfjähriger ab und zu mal laut weint. Ja und die Drohung mit der bald beginnenden Schule kam auch.
    DANKE also für diesen Artikel.

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