Windelschals – upcycling aus Baumwollwindeln

Ihr wisst, was das Sprichwort bedeutet, „einen Bock zum Gärtner machen“? Genau, das ist, wenn die Frau Nieselpriem eine Nähanleitung zusammenschrappelt. Ausgerechnet ich, die ich weder korrekt die Fadenspannung einstellen kann noch saubere Nähte hinbekomme. Aber so kann man es ja auch sehen: Hier sehen sie das qualitative Downsizing für Nähprojekte! Sie finden, ihre Näharbeiten sehen Scheiße aus und haben krumpelige Ränder? Kein Problem, schauen sie gern hier vorbei und ab sofort sehen sie ihre eigenen Projekte in deutlich schmeichelhafterem Licht.

Gut, ich fange mal an. Das war eigentlich gar nicht geplant. Sondern es war schlichtweg so, dass die Freundin einen Stapel Baumwollwindeln übrig hatte und ich genau zwei Packungen Textilfarbe, nämlich Magenta und Antikgrau. Die Freundin überließ mir die Windeln und ich färbte einen Stapel grau und einen weiteren magenta.

Eine graue Windel bekam ein kleines Schmuckband – und ist fortan ein Halstuch für den Babyjungen der Freundin.

Eine große Windel mit Sternen habe ich nach dem Färben zum Dreieck gelegt und an den Enden verknotet – und das ist nun ein Halstuch für die große Tochter der Freundin.

Eine kleine Windel wurde mit einem Aufnäher versehen und ist jetzt entweder eine Tischdecke fürs Spielhaus im Garten oder ein Halstuch für eine Püppi. Das wird die Tochter der Freundin entscheiden.

Aus den übrigen zwei pinken Windeln und einer grauen habe ich einen Loop für meine Freundin genäht.

Nur Original ungebügelt mit komischen Nähten, echt Nieselpriem.

Als ich das bei Instagram gepostet habe, gab es einige begeisterte Kommentare und den Wunsch nach einer Anleitung. Versteh einer die Menschen… Aber gut, die Idee, die Sabbertücher vom Baby für immer um den Hals zu tragen, das hat nicht nur was aus ökologischer Sicht, das ist auch ein Stück gelebte Erinnerung. Ich mag die Vorstellung ja auch! Also dann.

So wirds gemacht:

Ihr braucht drei Windeln und zum Beispiel dieses Einfassband hier. Ihr nehmt einfach etwas, das zu eurer Farbe der Windeln passt.

Die Windeln und das Band werden abwechselnd zusammengenäht. Das Band ist deshalb super geeignet, weil es aufgeklappt ja schon durch die Knicke eine Kante zum Nähen vorgibt. Ihr passt auf, dass bei allen Stoffteilen die linke (oder hintere Seite) nach oben zeigt. Ich vergesse das je gern ab und zu.

Wenn ihr alles zusammengenäht habt, ergibt das eine circa zwei Meter lange Stoffbahn. Jetzt machen wir ohne Bilder weiter, weil ich keine Fotos vom „work in progress“ gemacht habe, aber ihr schafft das ohne, ihr seid alle hochbegabt!

Also ihr legt jetzt die Stoffbahn übereinander, ihr klappt den Stoff ein, sodass die Stoffbahn immer noch zwei Meter lang ist, aber nur noch halb so breit. Verstanden? Gut. Am besten ist es, wenn die schöne Seite innen ist, ansonsten klappt ihr euern Stoff noch mal andersherum. Schöne Seite nach innen, die linke Seite nach außen.

Jetzt näht ihr die Längsseite zusammen. Es kann sein, dass ihr vorher mit der Schere ran müsst, weil die Windeln nicht alle die gleiche Breite haben, das haben alte Baumwollwindeln so an sich, dass sie sich verziehen. Das macht gar nichts, schneidet das ruhig großzügig auf eine Breite. Dann also längs zusammennähen.

Nun solltet ihr einen Schlauch haben! Habt ihr?! Fein, jetzt kommt das finish, ihr seid gleich fertig. Ihr stülpt den Schlauch nun um, dass die schöne Seite außen ist. Nehmt ein Ende der Naht und legt es auf die andere Seite der Naht, Anfang auf Ende. Jetzt wäre ein Bild vielleicht schön, aber gebt euch Mühe, wir wollen das Ding zusammennähen, also ist klar, was ich meine, oder? Ihr habt jetzt beide Anfänge übereinander in der Hand, die schöne (rechte) Seite ist jeweils innen. Ihr habt also beide Enden in der Hand und seht vier Lagen Stoff. Ihr nehmt jetzt die beiden inneren Stofflagen zwischen die Finger und rödelt das Ganze unter der Maschine durch, bis nur noch ein Schlitz von etwa zehn Zentimetern frei ist. Ihr habt jetzt auch einen Knödel auf der Maschine liegen, das ist normal. Nun das Ganze umdrehen und sich freuen. Denn ihr habt nun einen Loop, wo ihr nur noch den restlichen Schlitz irgendwie vernähen müsst.

Wenn ihr diesen Absatz gelesen habt und die ganze Zeit: „HÄ?! WOTT?!“, denkt, dann bemüht euch mal bei youtube, dort zeigen begabte Näherinnen mit meist perfekt manikürten Nägeln, wie es geht.

Ihr schafft das! Am Ende noch mal durchwaschen und bügeln und schon kann der Herbst kommen! Ihr habt doch auch schon die Faxen dicke mit der tropischen Hitze, stimmts?

Und weil ich übelste neugierig bin: Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir mal zeigt, was für eine Windelkunst ihr demnächst am Hals tragen werdet. Am besten bei Instagram teilen und mich markieren, ich teile die Fotos dann auch gern weiter. Wenn ihr mögt. Alles kann, nichts muss, also genau wie in so nem Swingerklub… 🙂

Viel Spaß beim Nachmachen wünscht euch

… eure schludrige Näh-selpriem