Das Fleisch ist willig, aber der Teenie wach

Sex. Es geht um Sex. Geschlechtsverkehr ist das Thema. Auch das noch!

Ob das sein muss? Ja, muss es. Wir machen auch ganz schnell, dann sind wir beizeiten fertig (ihr seid Eltern, ihr kennt das).

Neulich hat eine Australierin bei Facebook öffentlich geschrieben, was wir alle schon wissen: Elternsex ist das neue ganz große Ding! So mit stoppeligem Bermuda-Dreieck und mit einem großen Zeh die Tür zuhaltend dreieinhalb Minuten übereinander herfallen. Ich glaube, den dazugehörigen Facebookpost zu schreiben hat insgesamt länger gedauert…

Überhaupt nicht erstaunlicherweise haben sich tausende Leute verstanden gefühlt und ihren blauen Daumen draufgedrückt. Das will die Elternwelt lesen! Dass es bei Müller, Meier, Schulze genauso läuft wie bei Schmidts. So, wie´s eben läuft. „Schatz, es ist drei nach acht. Die Plagen hören Wickie im Bett. Los, lass es uns treiben! Danach hänge ich schnell noch drei Maschinen Wäsche auf und zwanzig Uhr fuffzehn schauen wir dann Tatort (oder eine Reportage von Guido Knopp über den Nachbarn des Cousins des Fußpflegers von Adolf Hitler)!“.

Das war ehrlich, witzig, tröstlich und null überraschend! 😉

Der Mensch mit Bedürfnissen und kleinen Kindern lernt schnell, alle möglichen Bedürfnisse nach dem Aspekt der Dringlichkeit und mit höchster Zielorientierung zu befriedigen. Essen, Ausscheiden, Schlafen, Duschen. Selbstverändlichkeiten werden zur Herausforderung mit kleinen Kindern. Wissen wir.

Und Sex gehört dazu. Wenngleich am Ende der Nahrungskette der Bedürfnisse. Wenn du weißt/ ahnst/ befürchtest, dass der Kindesschlaf bestimmt nur dreißig Minuten anhält und du hungrig/ müde/ ungeduscht und unbefriedigt bist, dann bist du in erster Linie erst mal hungrig und müde. In dieser Reihenfolge. Oder andersherum: müde und hungrig. Und dann ist die halbe Stunde auch schon wieder um!

Erinnert ihr euch noch an diesen Artikel? Anderthalb Jahre ist her, dass ich das schrieb. Er schläft jetzt mehrere Stunden am Stück, der Blondino. Und he! Ho! Wir haben die Abende für uns!

Ach nee, doch nicht.

Ich muss euch jetzt was sagen. Und ihr müsst stark sein! Genießt euer komfortables Sexleben, solange die Kinder noch klein sind! So opulent wird es erst wieder, wenn die Nachkommen ausgezogen sind. Oder einmal im Jahr im Schullandheim.

Blümchen und Bienchen (c) Pixabay

Blümchen und Bienchen
(c) Pixabay

Irgendwann sind die Kinder nämlich zu groß, als dass man denen erzählen könnte, Mama und Papa machten Yoga oder der Papa hat da Aua und die Mama musste pusten! Oder was auch immer… Irgendwann wissen die, was das mit den Blümchen und Bienchen so auf sich hat und dann: Iiiieh! Also die Vorstellung, dass alte Menschen jenseits der dreißig oder die eigenen Eltern gar… pfui deibel!

Dann wirds schwierig. Zeitlich. Organisatorisch. Alles. Da denkt man immer, die sind dann sowieso stundenlang außer Haus oder in ihrer eigenen Welt, aber nee! Entweder sind sie zeitgleich mit allen anderen aus dem Haus oder sie wollen immer dann etwas von einem, wenn man nun wirklich partout nicht mit ihnen rechnet!

Abends ratze ich zwischen neun und halb zehn auf der Couch weg oder liege schon komatös auf meiner Seite des Bettes. Der Teenager geht gegen zehn ins Bett. Frühestens. Finde den Fehler.

Morgens bin ich beizeiten wach (Und der Teenager schläft noch. Tief und fest!). Morgens könnten wir zwei Alten direkt vor dessen Zimmertür… Aber nein. Denn auch wenn ich wach bin, der Bärtige ist es nicht. Den eine halbe Stunde vor Weckerklingeln wachzuschubsen wegen einer Runde Hoppereiter, also da hätte auch Penelope Cruz oder eine andere dunkelhaarige Schönheit mit nem Arsch in Form einer Zwiebel schlechte Karten! Das liegt nicht mal an mir (oder meinem Arsch). Schlafen sticht alles. Und morgens muss man sowieso ein rot-weißes Absperrband um den Bärtigen ziehen.

Urlaub. Also Urlaub geht auch gar nicht! Außer, wir buchten dem Teenager ein Ferienhaus ganz woanders. Der hat Ohren wie ein Luchs! Da dreht sich der Mann auf seiner Klappliege vorsichtig rum, um mir auf meiner Klappliege ein keusches Küsschen zu geben, da schallts schon durch die Wand: „Untersteht euch! Ich kann euch hören!“.

Letzten Sommer haben wir im Garten Urlaub gemacht. Dort eine Hängematte, da eine Decke im Gras… Es war stimulierend. Ach, kannste alles vergessen! Egal, wohin wir uns zum Knutschen verzogen haben, der Pubi war uns auf den Fersen!

„Du, pass mal auf. Der Papa und ich gehen jetzt in den Schuppen. Wir haben was zu erledigen, äh, zu bauen. Weißte Bescheid. Wir sind gleich wieder da!“. „Hä? Was?! Nee, oder? Boar, nicht euer Ernst! Ihr seid sooooo eklig! Wehe! Untersteht euch!“.

Sex im Gewächshaus haben wir auch erwogen. Zwischen den üppigen Gurken- und Tomatenpflanzen wären wir tatsächlich nicht zu sehen gewesen. Aber bei fünfzig Grad Raumtemperatur und hundert Prozent Luftfeuchtigkeit… Unnötig zu erwähnen, dass der Teenie während der Ferien noch später ins Bett ging.

Manchmal frage ich mich wirklich, wann wir seinen Bruder gezeugt haben.

Aber ich räche mich diabolisch! Irgendwann. Das Babyphon hat eine Gegensprechanlage. Und irgendwann brauchen wir das Ding nicht mehr für das Baby und ich schwöre, dass ich den Sender beim Pubi im Zimmer verstecke. Und wenn der dann Besuch bekommt und es raschelt, flöte ich durch die Sprechanlage:

„Hallöle ihr Süßen, Erfrischungen gefällig?!“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

30 Kommentare zu “Das Fleisch ist willig, aber der Teenie wach

  1. Pingback: #Lieblinks der Woche |

  2. Bisher ist uns dieses Thema fern geblieben, vllt sogar vergessen. Doch auch Eltern sind in der Kindererziehung gefordert und sind immer vor neuen Situationen gestellt.

    Wie du es mit deinem Gefährten vollbringst, in unterschiedlichen Situationen die humorvollen Antworten zu finden und sehr amüsant wiederzugeben finde ich klasse.

    Wir werden uns bemühen darüber zu schreiben, um ihnen das leben zu erleichtern, egal in welcher Lage.
    🙂

  3. Wie genial geschrieben!! Ich liege flach😂…also vom Lachen! Der angestrebte Quickieversuch im Gewächshaus toppt alles!! Geil…also Deine Ausführungen😄😄😄! Wie immer!!

  4. Hallo!

    Nachdem meine Kinder mittlerweile ausgezogen sind, kann ich darüber nun laut lachen. Genial geschrieben aber soooo wahr!

    Da hilft nur eines, eine Selbsthilfegruppe gründen mit anderen Eltern. Und am WE schlafen die Kids immer auswärts. Im Kreis herum. Bei nur 4 Elternpaaren bleiben 3 Wochenenden frei 🙂

    lg
    Maria

  5. Absolut herrlich. Ich bin noch kinderlos und weiß jetzt ganz genau, was ich noch richtig genießen muss, bis es soweit ist 🙂 ich mag deinen Schreibst wirklich sehr. Extrem witzig 🙂

  6. Ich reihe mich ein in die Loberei! Ich bin amüsiert und habe laut gelacht. Vielen Dank! Wir sind hier phasenweise auch einfach zum „Sex des Alters“ übergegangen. Dem Essen! Denn Hunger will ja auch mal in Ruhe gestillt werden und kann schön zubereitet und angerichtet mit einem Gläschen Wein dazu sehr befriedigend sein. Dennoch: Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es weiterhin immer wieder mal zu schönen Stell-Dich-Eins kommt. Vielleicht schaffen wir uns noch einen „Hobbyraum“ im Keller. Nur so zur Sicherheit. 😀

    • Schön, dass es dir gefallen hat! Kleiner Tipp für die Fairness untereinander: Wenn man etwas liest und das einem offensichtlich so gut gefallen hat, dass man selber einen Artikel zum Thema verfasst, dann, ja dann, verlinkt man freundlicherweise den Ursprungsartikel. Die Inspirationsquelle. Also ich mache sowas. Weil, sonst siehts irgendwie geklaut aus… Nur so als nett gemeinter Tipp. Sonnige Grüße, Rike

      • Meine Liebe, ich hatte meinen Artikel verfasst, ohne das ich Deinen kannte. Ich habe deinen Artikel erst später durch eine Verlinkung in den sozialen Netzwerken, ich glaube von Kiwimama, gelesen. Es ist nicht meine Art zu klauen und ich verlinke jeden Beitrag, der mir als Inspiration dient. Tut mir sehr leid, dass du das so aufgefasst hast. Liebe Grüße, Anna

  7. Bei 4 Kindern (zwischen 5 und 10) haben wir einen Trick. Erst alle im Elternbett kuscheln und wenn dann alle schlafen ist das Kinderzimmer frei:-). Leider schlafen wir meistens vorher ein.

  8. Pingback: Neues aus Bloggerhausen Nr. 3 - Mama notes

  9. Wir haben hier einen Pubi und ein Baby – ganz schlechte Kombination für unser Liebesleben! – Das eine Kind schläft abends früh und ist morgens vor allen anderen wach, das andere Kind schläft abends nach allen anderen, dafür morgens bis in die Puppen (wer welches Schlafverhalten an den Tag legt, überlasse ich der Phantasie…). Wie wir das mit Nr. 3 hinkriegen wollen, steht noch in den Sternen…!

  10. Pingback: Sex und so | unangespießt

  11. Pingback: Nieselpriem | Andrea Harmonika

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