Faschingsgefühle 2016

Seit gefühlt zwei Wochen werde ich auf Instagram und Facebook mit Karneval, Fasching und dergleichen mehr drangsaliert. Vorsichtshalber habe ich noch mal dort nachgefragt, wo die Feiertagsgesetze gemacht werden: In der Kita. Und nein, Fasching ist auch in diesem Jahr Rosenmontag bis Aschermittwoch. Also zumindest in Dresden. Was die Leute in anderen Ländereien so treiben, kann mir Wurscht sein. Na, Gott sei Dank!

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vor vielen Jahren hatten wir auch schon mal einen Piraten…

Fasching hat mir ja gerade noch gefehlt. Das ist das einzige, wo ich das Überleben gefeiert habe. Also mein eigenes Überleben quasi. So nach gefühlt dreizehn Jahren Kostüme basteln, Veranstaltungen besuchen, wo weder das Großkind noch ich Spaß hatten, der ganze Kladderadatsch.

Und nun geht das wieder von vorne los!

Ich bin der Faschingsgrinch. Also noch nicht immer. Ich war sogar mal Mitglied in einem Elferrat und Minister für Chaos und Unordnung. Das war 1988 oder 1989. Ja-haaa, Kinder, da waren einige von euch noch nicht mal auf der Welt und ich durfte schon rauchen und Alkohol trinken (Ich bin alt wie Methusalem!). Und rumknutschen! Knutschen war eines meiner Hobbies früher. Und das beste an Fasching war ja dieses Karnevals-Standesamt, wo man sich für einen Abend trauen lassen konnte. Und wenn der Angetraute beim Küssen seine Zunge wie einen drei Tage alten glibbrigen Aal in deinem Mund rumgeschlenkert hat oder geküsst hat, als sei er im vorherigen Leben eine Nähmaschine gewesen, dann konnte man sich auch ohne großen Zeremon trennen und neu verheiraten lassen. Bis zur völligen Zufriedenheit.

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… und einen Macius…

Wo war ich?

Ach so, ja, Fasching mit Kindern.

Mein Großkind war immer überfordert von derlei Veranstaltungen. Menschenmassen, eine ungerecht verteilte Anzahl an Süßigkeiten und laute Musik führten garantiert zu Nervenzusammenbrüchen. Nichtsdestotrotz wollte er partout immer mitmachen! Jedes Jahr aufs Neue.

Polizist, Ritter, der kleine König und mindestens fünf Jahre in Folge ein in blutige Binden gehüllter Zombie… Dann endlich war ich erlöst! Fasching war kein Thema mehr.

Und nun – Tatatata! – geht es wieder von vorn los.

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… und ja, auch Ritter!

Ich hatte mir das so gut überlegt. Als der Blondino ein Kitakind wurde, habe ich mir geschworen: Machste nicht mehr! Kein Elternrat, kein Übermutti-Getue, keine überkandidelten Torten und Eisbecherkreationen an den Geburtstagen, kein wo-ich-bin-ist-vorn. Nüscht davon. Gekaufte Faschingskostüme, gekaufte Geburtstagskuchen. Dafür entspannte Mutti! Ganz entspannt. Less is more. Mit gekauften Muffins von Aldi fröhlich durch die Feiertage (Die sollen gut sein, habe ich mir sagen lassen. Also die Muffins.).

Nun gab es ein vorgegebenes Motto für den diesjährigen Karneval in der Kita: Ahoi irgendwas. Also maritim. Scheiße, und ich hatte schon ein Clownskostüm in Größe zweiundneunzig aus der Faschingskiste vom Großen gekramt. Okay, Pirat also.

Dann waren wir krank. Also nicht so leicht angeditscht wie immer seit September, sondern richtig. Dadurch verpasste ich die Büffetverteilung im Kindi. Als ich dann fragte, was noch übrig sei zum Mitbringen, sagte die beste Kindertante der Welt: „Ach du, eigentlich… nichts. Eigentlich haben wir alles.“. Yes! Yes! Yes! Hilfsbereit fragte ich, ob denn schon jemand Gummibärchen mitbringt. „Du, ja. Die Dings baut aus verschiedenen Haribo das Maskottchen der Kita nach. Für jedes Kind eins.“ (?!?!) Und: „Warte mal… wir haben eine Torte in Form eines Piratenschiffs, Schnittchen in Form von Booten. Gurkenkrokodile. Obstspieße geschnitzt im maritimen Stil… was fehlt denn noch?!“. Nichts? Nichts? Nichts? „Eier! Du könntest gekochte Eier mitbringen! Oder so Tomate-Mozzarella-Spieße. Die haben wir noch nicht.“. Und irgendeine vorlaute Stimme spricht aus mir: „Gut, dann baue ich Schiffchen aus Eiern und mache Tomate-Mozzarella-Dingsbumse.“. Vor lauter schlechtem Gewissen habe ich mich direkt zum Schmücken des Kindergartens bereiterklärt.

Haribo-Basteleien! Glaubste das?! Es gibt echt Leute! (Warum ist mir das nicht eingefallen?!)

Gestern nun war Rosenmontag und ich dachte (ganz entspannt, locker aus der Hüfte), ich mach mal los mit Piratenkostüm. Morgens halb vier meinte der Blondino, es sei hell genug zum Aufstehen und ich bastelte schon mal beim ersten Kaffee eine Hakenhand. Also den Versuch einer Hakenhand!

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Abends dann schleppte ich die Nähmaschinen in die Küche und zerschnitt ambitioniert ein Männerhemd, um Jack Sparrow Jr. eine Piratenhose zu nähen. Und vielleicht noch eine Weste und mal sehn, ob der Stoff auch für ein Hütchen oder sowas reicht…

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Meine Nerven reichten dann gerade so für die Hose.

Ich fand in meinem Stofffundus ein pinkes Shirt mit wildem schwarzen Aufdruck, das schnitt ich in Streifen und verknotete diese. Das sollten Gürtel und Kopftuch werden (ohne Foto, aus Gründen). Das entwachsene Faschingskind stellte ernüchtert fest: „Unser Baby muss also morgen als schwuler Pirat gehen!“. „Wenn schon, dann als metrosexueller!“, berichtigte ich das pubertäre Langbein. Während ich vor meinem geistigen Auge Johnny Depp vor mir sah mit kajalverschmierten Augen und Perlen in den Rastazöpfen, schmiss ich die rosa Verunglimpfung weg. Denn mal ehrlich, es sah selbst schon bei dem Depp-en ein wenig schräg aus! Ich beschloss, wenn ich ich das Baby mit rosa Lumpen umwickeln würde und mit Kajal bemalen sähe der aus wie das Pandababy einer Roma-Familie und nicht wie ein Pirat!

Und so sah das Süßilein am nächsten Morgen verkleidet eher aus wie eine Kreuzung aus Pinguin Kowalski und Obelix. Aber is ja Wurscht! Who cares about Fasching?!

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Der Obelix-Kowalski trägt das Piraten-Käppi, dass vor mehr als zehn Jahren auch schon sein Bruder aufhatte. Hachz.

Das erste Fasching des Baby´s. Wir drehten richtig durch und brüllten uns in der Küche an, während wir zu dritt mit Handies und Kamera rumhantierten. „NIMM DOCH NICHT DEIN BLÖDES HANDY! NIMM DIE KAMERA!“. „WIR HABEN SCHON DREITAUSEND BILDER AUF DER KAMERA, DAS HIER IST JETZT FÜR INSTAGRAM!“. „UND TROTZDEM: NIMM DIE KAMERA!“. „LECK MICH WO ES AM BITTERSTEN SCHMECKT!“. „BOAR DU BIST SO EINE ZIEGE!“. Zwischendrin fuchtelt das Großkind mit den Tentakeln und versuchte die Küche zu verlassen und der Kowalski rannte quietschend und meckernd zwischen seinen beiden pädagogischen Desastern hin und her.

Dann hörte ich mir noch an, dass die Küche ein Saustall ist und warum hier die Nähmaschinen rumstünden und wie das hier aussieht!

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Ich schnappte den Büffetbeitrag, den ich im Morgengrauen zusammengefummelt hatte und dann ab dafür!

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Bei uns kommen die Kinder übrigens auch an Fasching nach Süßigkeiten klingeln.

Ich packte die alten Weihnachtspfefferkuchen und Schokolade, die keiner mag in eine Schüssel und überlegte einen Moment, ob ich die Käse- und Wurstverschnitte von der Büffetplatte noch obendrauf klatsche! Wenn die hier klingeln kommen, können die auch wissen: Hier wohnt der Faschingsgrinch! Dann kommen die niiiie wieder. Dann hab ich meine Ruhe mit Fasching.

Nachmittags holt der Mann den Obelix-Kowalski ab. Und anstatt einem Sack voller Bonbons wie zu meiner Zeit bringen sie ein angefressenes Gurkenkrokodil mit. Wenigstens haben wir Fasching überstanden.

Ach, und er erzählt noch, der Mann, dem Kowalski hätte es super Spaß gemacht im Kindi. Er liebe Verkleiden und Party, yeah! Alles. Oh, mon dieu, bei uns wohnt jetzt ein Faschingsfan.

Ich werde mich heute in den Schlaf weinen. Es werden noch mindestens zehn Faschingse folgen. Und ich kann nichts dagegen machen!

❤ Für Piratin „Musica“, die Schneckensteuerfrau und Monsterdompteurin ❤

9 Kommentare zu “Faschingsgefühle 2016

  1. Herrlich! Ich erkenne mich wieder! Bei jedem Kind bitte etwas weniger Aufwand 😁.
    Ich fand das mal schade, dass sie hier im Kiga keinen Fasching feiern. Jetzt bin ich froh darüber. Armer 5jähriger…
    Aber dafür hat er ja vier große Geschwister, die ihn bespaßen, sogar 365 Tage im Jahr. 😜

  2. Ha! Wenn ihr noch nicht in Köln in einer UR-Kölschen-Kneipe mit waschechten Kölnern gefeiert habt, dann solltet ihr das mal ausprobieren! Entweder ihr hasst es dann immer noch oder ihr könnt garnicht fassen, wieviel Spaß das machen kann. Wenn es einem denn Spaß macht, dann ist man angesteckt fürs ganze Leben und bastelt Faschingskostüme mit wilder Begeisterung 😀

    Ich kann allerdings verstehen, wenn man dem nichts abgewinnen kann. Es ist schon auch etwas….sagen wir….bescheuert! Man braucht die immer gleichen Lieder deren Texte man im Schlaf mitsingen kann und ins Schunkeln gerät.

    Übrigens sieht die Häppchenplatte sehr gut aus! Da krieg ich Appetit!

    Weswegen ich aber eigentlich hier vorbei schaue: Liebe Rike, ich wollte ich fragen, ob ich deine „Blumen-für…“ Geschichte kopieren darf. Ich finde das eine schöne Sache. Ich würde selbstredend dich als Erst beehren. Es wäre mir eine Ehre! 🙂

    LG Beatrice

    • Liebe Beatrice, du erinnerst mich daran, wie lange das letzte mal schon wieder zurückliegt… Menno! Ja, selbstverständlich kannst du das auch machen und nein, selbstverständlich will ich nicht die ersten Blumen!!! Schön wäre aber, wenn du den Artikel verlinken würdest, wo drin steht, warum ich mir das mal ausgedacht hatte <3. Ich bin gespannt und komme deine Blümchen angucken! Sonnige Grüße, Rike

  3. Das Piratenkostüm ist dir wirklich sehr gut gelungen. Piratenkostüme waren dieses Jahr wohl sehr im Trend. Haben viele Kids gesehen, die als Pirat oder Piratenbraut verkleidet waren. Das sah sehr zauberhaft aus. Bin gespannt was nächstes Jahr beliebt ist.

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