Von der Magie einer Suppe

Suppe ist das Essen, das einem Kuss oder einer liebevollen Umarmung am ähnlichsten ist. Suppe nährt, wärmt und tröstet.

Ein jeder von uns kennt die magische Heilkraft einer Hühnerbrühe. Seit Jahrzehnten spalten Wissenschaftler die Moleküle dieser Brühe und fachsimpeln, was es denn sein könnte, das Geheimnis. Ich denke, die Heilkraft und der Zauber liegen darin, dass sie meist von einem anderen Menschen gekocht und überreicht wird, damit es dem Kranken besser gehen möge. Dass die Magie in der Absicht liegt, nicht den Zutaten.

Wenn wir alle an die Lieblingsessen unserer Kindheit zurückdenken, ist ganz bestimmt auch immer eine Suppe dabei. Bei mir war es Schokopuddingsuppe mit Zwieback. Die gab es nur für mich! Und ich sehe auch die Situationen vor mir, wenn es die gab. Ich sehe meine Mutter, wie sie einen dampfenden Teller vor mir auf den Tisch stellt. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt.

Suppe ist gerührte Magie.

IMG_1131Vor einigen Jahren gab es in meiner Abteilung eine schöne Tradition: Einmal pro Woche kochte eine Kollegin für die anderen einen Topf Suppe. Das hatte sich so ergeben, irgendwer fing damit an. Ich glaube, beinahe zwei Jahre behielten wir das bei und dieser wöchentliche Suppentag war immer etwas ganz besonderes. Wir waren ein ganz bunter Haufen. Projektleiter, Softwareentwickler, Konzepter, Designer. Und so unterschiedlich, wie wir zehn Frauen waren, so war auch die Herangehensweise. Manche Kolleginnen kochten strikt nach Rezept und sogar noch einmal vorab Probe. Andere experimentierten, was das Zeug hielt! Manchmal gab es Gremolata, Servietten, selbstgebackenes Brot und Nachtisch hinterher und manchmal stand einfach nur ein Topf Suppe auf dem Tisch.

Geschmeckt hat es immer. Wunderbar! Und um diesen Topf Suppe passierte in diesen Mittagspausen auch immer etwas Wunderbares.

Ein Rezept meiner Oma. Für mich eine meiner absoluten Lieblingssuppen. Aus Oma-Gründen.

Ein Rezept meiner Oma. Schmeckt auch super mit Steinpilzen. Für mich eine meiner absoluten Lieblingssuppen. Aus Oma-Gründen.

Geht man mit Kollegen essen, drehen sich die Gespräche auf dem Weg zum Bistro oder der Dönerbude oft um die Arbeit. Scope, Pipeline, Benchmark, Risiko, Eskalation. Oft auch während des Essens. Das nennt man dann Geschäftsessen.

Kamen wir Kollegen zu unserer Suppenrunde zusammen, verstummten diese Themen immer nahezu sofort und wichen einer Stimmung voller Leichtigkeit und ganz anderem Gesprächsstoff. Denn bei einem guten Essen gibt es eigentlich nur ein Thema: Das Essen. Und diese semi-private Runde inmitten des Arbeitsalltages hatte etwas vom Zauber einer Hühnersuppe: Wärmend, nährend. Viel mehr, als es ein Döner oder Kantinenmenü vermag.

Suppe als Teambildungsmaßnahme? Aber ja, funktioniert!IMG_1133

Und manch einer kennt die Situation, wenn man mit Kunden in einem ganztägigen Meeting sitzt, Powerpointfolien durchhastet und auf dem Tisch steht zwischen zwei Thermoskannen Kaffee ein Tablett mit belegten Brötchen, deren Schinkenauflage sich zur Mittagszeit schon wölbt. Budgetnachverhandlungen, Change Requests, Meilensteine. Dann ein trockenes Brötchen, während die eine Hälfte rauchen geht und die andere aufs Klo. Dann geht’s weiter…

IMG_1137An einem solchen Tag liefen Kunden von uns über den Gang und riefen: „Hach, bei ihnen riecht´s aber heute gut!“. „Ja, wir kochen einmal in der Woche Suppe.“. „Das ist aber eine nette Idee.“. Sprachs und schon gab es beim nächsten Statusmeeting mit diesen Kunden selbstgekochte Suppe anstatt trockner Schinkenbrötchen. Kunden sind auch nur Menschen. Es war ein voller Erfolg! Und ich meine mich zu erinnern, dass auf die nächste Outlookeinladung zu einem Statusmeeting direkt eine Mail zurückkam: „Gibt’s wieder Suppe? 🙂 ?“.

Das alles ist lange her.

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Meine Rezeptseiten hat das heutige Großkind mit Bildern verschönert.

Die Abteilung gibt es nicht mehr, viele Kollegen von damals sind gewechselt. In andere Firmen, andere Bereiche. Das einzig Beständige ist die Veränderung.

Gestern fiel mir unser kleines Kochbuch in die Hände, das wir Suppenköchinnen damals angefertigt haben. Wehmütig aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht habe ich darin geblättert. Einundneunzig Rezepte, jede Seite von der jeweiligen Köchin selbst gestaltet. Und so viele Lieblingssuppen! Christines Linsensuppe „Sabaudia“, Kathrins Borschtsch oder Susans thailändische Kartoffelsuppe. Unzählige Male habe ich die nachgekocht. Und ich erinnere mich auch noch an Melanies afrikanische Liebessuppe, deren Geschmack ich nie kennengelernt habe, weil Melanie der Topf mitsamt der Suppe auf dem Weg herunterfiel. So hatten wir zwar an diesem Tag keine Suppe, aber Liebe über der Straße ausgeschüttet 🙂 .

Ich habe heute Kerstins Selleriesuppe nachgekocht. Sellerie, Kartoffeln, Zwiebeln, Frischkäse, Sahne. Brühe, Gewürze und ein bisschen Schnittlauch. Für die wurschtverrückte Jungsbande hab ich noch Wienerle reingebraten. Es ist nichts übrig!

IMG_1108Und da das wichtigste am Essen das Dessert ist, gabs noch schnelle Erdbeertörtchen hinterher aus Fertigmürbeteigtorteletts mit Fertigmarmelade beschmiert und Fertigpudding. Aber mit Liebe!

Einen Protipp für den Tortenguss habe ich aber noch: Keinen Zucker zum Anrühren verwenden sondern einen großen Esslöffel Erdbeermarmelade (dafür dann etwas weniger Wasser).

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Ich wünsche euch, dass es jemanden gibt, der eine Suppe für euch kocht, wenn ihr sie braucht. Und dass ihr Menschen habt, für die ihr vielleicht nach diesem Beitrag bald mal wieder einen Topf Suppe kocht.

Und wisst ihr, was das Allerbeste ist? Suppe ist ein Tausendsassa:

Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß` alle willkommen!

 

In herzlicher Erinnerung an die Suppenköchinnen Bea, Christine, Kathrin, Susan, Kerstin, Melanie, Beate, Juliane, Regine.

7 Kommentare zu “Von der Magie einer Suppe

  1. Schön! Ich finde die Bürosuppe großartig!
    Für mich kocht meine Mama Hühnersuppe, in der Grippesaison regelmäßig ❤ ich hoffe, das tut sie noch sehr lange.
    Beim nächsten Mal werde ich an dich und die Suppenköchinnen denken!
    Liebe Grüße, Vivi

  2. Dank frischer Hühnersuppe vom Herrn Papa gekocht, kam hier die Geburt Nummer drei ganz flott in die Gänge. (Sollte es als Standart im Kreissaal geben!) Energieschub von jetzt auf gleich! Echt. Frische Suppe ist SUPER! Immer!

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