Aus dem Leben einer Mutter – Kurzepisode 1

Das Seniorenheim

Sie kennen das. Da gehen sie gemütlich zum wochenendlichen Entenfüttern an den nahegelegenen Fluss und just als die heimatliche Behausung aus dem Blickwinkel entschwindet, schreit das angedeihliche Fortpflänzchen zu ihrer Linken: „Muss kackorn!“.

Zum Glück haben die Städtebaumeister wohl genau aus diesem Grund alle drei Meter ein Seniorenheim mit Gästetoilette im Entreé errichtet.

Das bedürftige Kind verspürt naturgemäß keinerlei ursächliches Bedürfnis mehr beim Anblick des coolen Interieurs: Behindertentoilette, Notrufklingel, eine Riesenrolle Handtuchpapier… Aber weil sie schon mal hier sind, geben sie dem Kind ihr Handy, damit es nicht ins Klo fällt, wenn sie gleich…

 

Zum Glück hat das Kind weder Twitter- noch Instagram-Account. Bislang.

 

Das Eminem-Baby

Triggerwarnung: Nachfolgende Zeilen enthalten Schimpfworte der schlimmsten Coleur. Dies könnte empfindliche Personen irritieren oder verschrecken und in der Konsequenz gegebenenfalls Übersprungshandlungen wie zum Beispiel das-Jugendamt-anrufen zur Folge haben. Das wollen wir doch nicht, na-hein! Deshalb möchte die Autorin (ich) sich an der Stelle darauf berufen, dass es sich hier möglicherweise höchstwahrscheinlich um rein fiktive (*hust*), quasi schlichtweg erfundene Begebenheiten handeln wird, und total langweilig sind die außerdem. Ach, wissense was, klicken sie lieber gleich ganz woanders hin! Bitte gehen sie vorsichtshalber weiter, es gibt hier wirklich nichts zu sehen!

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Zu Beginn müssen wir den Baby-Begriff etwas weiter fassen. Das hier beschriebene Baby ist vier Jahre, vier Monate und neun Tage alt und somit genaugenommen kein Baby mehr. Aber ich nehme es ja generell nicht so genau, oder? Warum dann also hier?!  Und wo ich doch bislang noch kein Ersatzbaby bekommen habe!

Auch der hier so Benannte möchte eigentlich eher als vierjähriger Erwachsener beschrieben werden: „Das ist nicht für die kleinen Kinder! Das können nur die Erwachsenen. Und die erwachsenen Vierjährigen!“, erklärt das Babylein nämlich gern und zu jeder annähernd passenden Gelegenheit: Beim Eisessen (nur für Erwachsene), beim Backen (nur für Erwachsene), beim im-Stehen-Pinkeln (nur für geübte Erwachsene…). Das Erwachsenending ist überhaupt gerade urst wichtig. „Mama, weißt du, ich bin schon ein großer Junge. Und du wirst auch bald ein großer Junge. Und danach wirst du dann ein Papi und dann habe ich zwei Papi´s!“, wurde ich jüngst aufgeklärt. Blöderweise habe ich dies dem amtierenden Papi erzählt, der sogleich schlussfolgerte, „Papi sein“ sei dann wohl erwiesenermaßen entwicklungstechnisch die höchste Ausbaustufe! Schwerer Fehler meinerseits.

Eigentlich isser süß, der Blondino, immer noch. Auf der anderen Seite (Heilige Scheiße, wann bitte ist das passiert?!) ist er mittlerweile schon verdammt groß und das zieht auch unerwünschte Begleiterscheinungen nach sich. Im Moment zum Beispiel wohnt ein Mini-Eminem bei uns. Ein Mini-Eminem mit Tourette, Hauptgewinn!

Neulich erst tönte es laut durch unser Haus:

„F*tzekacke, F*tzekacke, F*tzekacke!“

Mir gefror das Blut in den Adern. Der Bubi sah mich an und behauptete, ein „R“ gehört zu haben. „Netter Versuch mich zu trösten, aber das war keine Furzekacke!“, korrigierte ich ihn.

„F*tzekacke, F*tzekacke, F*tzekacke!“

Zum Einkaufen kann ich den gar nicht mehr mitnehmen. Nicht nur, weil der die Omas anknurrt („Nich mich angucken!“), sondern neuerdings eben auch, weil ich nicht sicher sein kann, ob aus dem süßen Schnäbelchen ein fröhliches Weihnachtslied („… So viel Peinlichkeit in der Heimlichkeit!…“) ertönt oder eben:

„Fickificki, fackifacki, Arschpupskanone!“

Ich weiß, was ihr fragen wollt: Ich habe keine Ahnung! Und ja, ich versuche alles. Ich erstarre jedes Mal vor Schreck und rede mit dem Kind. Sage, dass wir das nicht sagen, dass das hässliche Wörter sind und so weiter! Und nein, der guckt keine krassen Youtuber. Der guckt Feuerwehrmann Sam (und das Arschlochkind Norman ist wohl sein Vorbild…), Peppa Wutz (die „dummer Papa“ zu ihrem Papa sagt) oder Benjamin Blümchen (in einer Weihnachtsfolge beschimpft ein gewisser Edwin ein Mädchen als „dämliche Gans“). Ich sehe es ein, die Bewegtbilder sind voll von „hässlichen“ Wörtern, böse, böse!

Okay, dann also Kinderbücher. Doch warte, auch bei den Machern vom Grüffelo werden Dinge und sogar eigene Eigenschaften als „blöd“ oder „doof“ bezeichnet und bei den Karlchen-Büchern erst! Da muss ich ständig umtexten beim Vorlesen! Boar, was mach ich nur.

Vor kurzem fragte mich die beste Kindergartentante von allen: „Du sage mal, was ist denn bei euch zu Hause los?!“, und lächelte zwar dabei, aber wer weiß. Mutti, sei wachsam! Ich heuchelte vollkommene Ahnungslosigkeit und musste dann auch hören, dass die geliebte Ausgeburt meiner Lenden nicht nur stänkerte, schubste, zeterte (jaja, das auch), sondern im Moment besonders durch inflationären Schimpfwortgebrauch auffiele! Ob er das etwa von zu Hause hätte? Sie lächelte noch immer und zwinkerte mir zu, ich stieg aber vorsichtshalber um in den Verteidigungsmodus. „Öh…nein?!“

Und vor meinem geistigen Auge lief die Wiederholung eines Filmes, der erst wenige Tage vor dem Gespräch in unserer Küche lief, während das Eminem-Baby und ich im angrenzenden Wohnzimmer verweilten. Protagonisten: Der Bärtige und der Bubi. Szenerie: Der Bärtige deckt den Abendbrottisch, während der Bubi den Geschirrspüler ausräumt und zwischendrin seinen Vater mit dem Geschirrhandtuch vermöbelt, weil ersterer ihn wegen irgendwas aufgezogen hat. Beide verhalten sich so erwachsen, wie sie eben können und ich schaue machtlos dem Spektakel zu und frage mich, ob sich so „alleinerziehend mit drei Söhnen“ anfühlt:

„Du elender Rosettenkneifer, komm her!“. „Was willst du denn von mir, du räudiger Kotbeutel!“. „Von dir winzigem Hodenkobold?! Nichts, du köttelwerfender Kotnascher, du!“. „Na, besser als ein Senkhodenpendler jedenfalls!“. „Pah! Senkhodenpendler, von wegen. Ich bin ein SCHÜRFEICHELPENDLER, da guckste!“

„Leu-te! Cut! Cut! Aufhören, sofort! Alle beide! Und jeder geht jetzt in sein Zimmer! Ihr seid unmöglich! Un-mög-lich seid ihr! Wie im Kindergarten, nur mit Testosteron! Ich werd bleede mit euch! Mensch, ey, meine Nerven!“

Letzteres war mein Text, gebrüllt aus dem angrenzenden Wohnzimmer. Und wahrheitsgemäß erkläre ich der Erzieherin:

 

„Ich habe keine Ahnung, wo der das her hat. Also von zu Hause jedenfalls nicht!“

via Giphy

 

Über das Grauen

„Morgengrauen“ ist ein Begriff, der die astronomische Dämmerung am Morgen beschreiben soll.

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Morgengrauen; wie Wikipedia es beschreiben würde

Mir allerdings dämmert schon seit längerem, dass sich unter dem Begriff das Grausen vorm nächsten Morgen verbirgt. Vor den grauen trüben Morgenstunden, in denen erwachsene Menschen, von Minderjährigen aus dem Schlaf gerissen, in der Gegend rumtorkeln. Mit grauem, aschfahlem Gesicht.

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die ungeschminkte und unschöne Wahrheit im trüben Licht eines jungen Morgens

Vermatschte, energielose Menschen, die zitternd vor der Kaffeemaschine stehen und sich in einem Zustand befinden, zur Erreichung dessen sie früher mehrere Gefäße hochalkoholischen Zeugs benötigt hätten und den sie nun einfach regelmäßig und ohne Einfluss von toxischen Stoffen erreichen. Prima!

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Betroffene

Und dann reden sich die Leute immer ein, dass alles eine „Phase“ sei und man doch bald wieder acht, neun, zehn, (Ach was!) achtzehn Stunden am Stück schlafen würde! Nach vollumfänglich befriedigendem Beischlaf am Abend zuvor (mindestens dreißig Minuten lang in verschiedenen Positionen und einer angemessenen Menge Alkohol davor und einer Zigarette danach, im Morgenmantel aus Seide mit attraktiv verwurschteltem Haar) und die lieben Kindlein erwachen erst, wenn die ausgeschlafenen Elternmenschen am nächsten Tag in Ruhe geduscht und eine angemessene Menge Kaffee konsumiert hätten.

Ja, das erzählen sie alle!

Niemand erzählt einem, dass wir alle nie, nie wieder schlafen werden! Wie Ingo Appelt schon vor gefühlt tausend Jahren erkannt hat, können wir erst nicht schlafen, weil die Kinder alle anderthalb Stunden gestillt werden wollen oder krank sind. Oder Zähne kriegen. Oder aufwachen und sich beschäftigen wollen. Mit dir, versteht sich. Dann können wir nicht ausschlafen, weil wir mitten in der Nacht die Brut in irgendwelche Einrichtungen fahren müssen. Und später, weil wir auf den Anruf warten, um die (möglicherweise angetrunkene) Brut nachts aus irgendwelchen Einrichtungen abzuholen! Und dann können wir auch nicht ausschlafen, weil der Zivi das Licht anmacht und sagt, er wöllte dich jetzt waschen!

So sieht´s aus! Das geht jetzt bis zum Ende so weiter. Schlaflos forever.

Man kann einfach nicht genug warnen: Liebe Kinder, Geschlechtsverkehr kann Folgen haben!

Über die Langzeitfolgen des Morgengrauens wird nicht geforscht (die Pharmalobby hat wohl noch keinen Stoff entdeckt, der sich damit promoten ließe), Betroffene schildern allerdings einhellig, dass das Grauen ganzheitlich von ihnen Besitz ergriffe.  Graue Gesichtsfarbe, dunkelgraue Augenschatten, vorzeitig ergrautes Haupthaar, das Absterben grauer Zellen.

Ja, sogar eine Grau-ifizierung des kompletten Umfeldes wurde von einigen beschrieben! Grau als Lebenseinstellung. Mir graut!

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Wie kann man dem Grauen Einhalt gebieten? Nun, Abdeckmitteln werden Wunder nachgesagt und damit die Not müder, ergrauter Menschen mit fahlem Teint schamlos ausgenutzt!

Abdeckmittel

Abdeckmittel mit rein optischem Lösungsansatz

Das einzige Abdeckmittel, das tatsächlich und ganzheitlich hilft, ist:img_3958

In diesem Sinne: Gute Nacht! 😉

 

Meine Blumen für…

Ich liege im Bett und scrolle mich durch die Leseempfehlungen bei Bloglovin´. Rezepte, Restaurationsanleitungen für Gesicht und Möbel, Nähen, Häkeln, Stricken.

„Ich wäre gern noch geblieben“, eine Überschrift hält mein Auge fest und ich denke, ach guck, ein Reisebericht vielleicht! Ich erkenne die Frau auf dem Foto als die Jessica von schoenstricken und denke im ersten Moment nur, dass sie sehr jung wirkt auf dem Foto…

„…Danke für all die Liebe…“. Immer wieder lese ich den kleinen Text, unfähig zu begreifen, was dort steht.

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Das Leben ist nicht fair und das Schicksal ein mieser Verräter.

Du hast mich so oft inspiriert. Die schlichte Kissenhülle, ein Untersetzer mit Lederschlaufe. Coole Ideen für Leute ohne Häkeldiplom und fernab von jeder Piefigkeit, die Handarbeiten gern nachgesagt wird, konnte man bei dir finden.

Krankheiten machen nicht halt vor jungen Frauen. Vor Müttern mit kleinen Kindern. Vor Bloggern. All das warst du, bist du.

Auf dem Blog lachst du noch immer, begrüßt du mich fröhlich. Und auf so vielen Seiten dein strahlendes Gesicht!  Oft mit einer farbenfrohen Mütze, die ich für eine Attitüde hielt. Ich habe beim Lesen nicht geahnt, wie sehr du fernab der Tastatur gekämpft hast.

Ich habe es nicht gewusst. Ich habe nicht gewusst, dass ich keine Zeit haben werde, danke zu sagen. Dass JETZT stets der beste Augenblick gewesen wäre, einen netten Gruß zu hinterlassen, um dir zu sagen, wie viel Freude du mir machst mit dem was du machst. Ich habe es dir nie geschrieben.

Wann habe ich das letzte Mal meine Blümchen verschenkt? Warum ist das so lange her? Weil ich mit mir selbst beschäftigt war? Weil ich mich zu sehr um mich, die meinen und meinen Mikrokosmos gedreht habe?

Ich habe dir ein Blümchen gehäkelt. Also ich habe es versucht. Vermutlich wirst du über das Ergebnis schallend lachen und dieser Gedanke gefällt mir.

Jessica, du wirst hier fehlen. Auch mir. ❤

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