Fümf

„Ich weiß nämlich schon, wie Sechs geht!“, informiert der holde Blondschopf seit vier Wochen alle Leute, und hat mit dieser Ankündigung sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Erwachsenen. „So!“.

Denn nach dem Geburtstag ist schließlich vor dem Geburtstag!

Am Nationalfeiertag ist er einundsechzig Monate bei uns, das Süßilein. Fünf Jahre, die rasanter kaum vergehen konnten.

Und Leute, ganz ehrlich, ich bin so froh, dass ich mit dem Bloggen angefangen habe, als der bei uns einzog. So kann ich immer mal nachlesen, wie das so war, als der noch ein brabbelnder „Rumlieger“ war. Und nun, wenn ich in meinen eigenen alten Gedanken stöbere (oft mit Seufzern verbunden), erfüllt sich der Sinn dieses Blöggels. Tatsächlich war das der Ursprungsgedanke, dass ich irgendwie die vierte Dimension erreiche, neben Fotos und Videos auch Gefühle konservieren kann, die mit der jeweiligen Zeitspanne verbunden sind. Dieser Blog ist eine digitale Liebeserklärung an meine Kinder und bevor es noch schnulziger wird, als es jetzt schon ist, komme ich mal zur Sachebene zurück.

Der fünfte Geburtstag nämlich.

„Mama, wie lange noch schlafen, bis ich fümf bin?“, „Mit Mittagschlaf oder nur Nachtschlaf?“, waren die letzten Monate die Fragen, von denen mir täglich die Ohren bluteten.

Dann war es soweit.

Da saßen wir dann an diesem Geburtstagsmorgen zusammen auf der Couch und das Kind sah mich mit diesem besonderen Blick an und sprach: „Jetzt bin ich fümf. Und ich werde niiiiie wieder vier sein!“. Ich antwortete: „Ich weiß, mein Schatz. Und ich nie wieder dreißig.“, und dann haben wir zwei Philosophen schweigend Kaffee bzw. Kakao getrunken.

Der Kindergeburtstag war das große Ding! Also im Vorfeld, und nur für das Kind. Denn wir zwei Alten haben genug. Nach gefühlt sechzehn ausgerichteten Geburtstagsfeiern in Kinos, In- und Outdoorspielplätzen, Soccerhallen, Kletterparks und Zelten (ganz ganz schlimm) bekommen wir zwei aschfahle Gesichtszüge, wenn das Wort „Kindergeburtstag“ fällt.

Das beste überhaupt waren rückwirkend immer die Kindergeburtstage bei Mc Donalds, also früher. Wisst ihr noch? Da gab es diesen Partyraum, den man für einen schmalen Taler komplett verwüsten konnte. Für fünf Euro konnte man eine Torte bestellen und ganz früher wurde sogar ein bedauernswerter Mc Donalds-Mitarbeiter abgestellt, der Becherwerfen mit den Kindern spielen musste. Mann, war das schön! Das Bällebad komplett entleeren und Burgerweitwurf!

Also sicher nicht für die Angestellten, aber für uns war das sehr schön. Später noch unkte der Bärtige, das Konzept wurde nur wegen uns verworfen, da die Mitarbeiter immer in Tränen ausbrachen, wenn sie nur unterjährig unsereiner zu Gesicht bekamen… ich weiß es nicht. Auf den Fotos sieht das immer alles gesittet aus. Hier ein Beweis.

2003 – Kindergeburtstag bei Mc Donalds

Im Hintergrund der Bärtige mit einer Videokamera (Liebe Kinder, das benutzte man damals, es gab noch keine Fotohandies. Nein, ehrlich nicht.), und rechts im Bild der Mitarbeiter beim Aufbau des alljährlichen Becherwerfenspiels. Ich mochte das immer sehr und möchte hiermit mein Bedauern zum Ausdruck bringen, dass die frühkindliche Fixierung auf Pressfleisch und Plastikspielzeug nicht mehr unterstützt wird. (Hat irgendjemand Interesse, diesbezüglich eine Petition zu unterstützen?)

Zurück in 2018. Wir mussten uns also mal wieder Gedanken machen. Wer in die Suchmaschine „Kindergeburtstag in Dresden“ eingibt, bekommt eine unübersichtliche Anzahl von Treffern. Nicht alles ist für Fünfjährige geeignet und manches (Inddoorspielplätze zum Beispiel) nach schmerzvoller Erfahrung nicht für den Nachwuchs der Nieselpriemfamilie.

Schlussendlich haben wir im Waldseilpark Bühlau mit dem Jubilar und seinen „fümf“ Freunden gefeiert und das war toll! Wir haben die „kleine“ Schatzsuche gebucht und waren eine gute Stunde mit den Hosenscheißern im Gelände unterwegs. Danach gab es Preise und im Anschluss konnten sie noch nach Herzenslust auf dem Kinderparcours klettern. Das alles war im Vergleich lächerlich preiswert, die Veranstalter waren supernett und man hatte uns sogar einen überdachten Picknickplatz reserviert, wo wir unser mitgebrachtes Futter aufbauen konnten.

 

Der Hit war im übrigen die stinknormale Rutsche, die dort im Gelände steht (Oh Gott! Eine Rutsche! Ich habe noch niemals so eine Rutsche gesehen! Hier kann ich ja rutschen!), sie waren kaum dort wegzukriegen. Versteh einer Kinder…

Am Ende, zur Abholzeit, heulten drei von fünf Kindern herzzerreißend, und ich sah mich genötigt, zur Begrüßung die altbekannte Elterngrußformel an Kindergeburtstagen auszurufen: „Es ist nicht so, wie es aussieht! Bis eben hatten wir alle sehr viel Spaß!“.

Der Bärtige sagte abends zu mir, das sei endgültig der allerletzte Kindergeburtstag gewesen, den wir gemacht haben. Und ich sagte, ja. Also so wie das schon seit Jahren abläuft. Immerhin haben wir ja dreihundertfünfundsechzig Tage Zeit zur Akklimation. Und so lange hält kein Kindergeburtstagstrauma an. Ich kenne uns da schon ziemlich gut 🙂 .

Und nun ist er fünf. Ein Meter neun hoch, siebzehn Kilo schwer und noch immer weizenblond. Und süß. Ja. Aber es gibt Dinge, die sich verändert haben. Bis vor Kurzem dachte ich ja oft noch wehmütig, es wäre doch schön gewesen, wenn das späte Wunder aus Drillingen oder wenigstens Zwillingen bestanden hätte. Oder wenn ich im Jahr darauf (Huch, wie konnte das bloß passieren?!) noch einmal verwundert gewesen wäre. Damit ist Schluss! Denn die Wunderlinge werden alle irgendwann fünf sein und ich nie wieder dreißig, das hatten wir ja eben schon…

Der Süße raubt mir meinen letzten Nerv und ist die Liebe meines Lebens. Oder zumindest eine von dreien (falls der Mann hier mitliest). Des Kindes Wutausbrüche sind nicht von dieser Welt. „DU PLÖTE SCHEIßMAMA!“, „HAU AB DU PLÖTE SCHEIßE!“, untermalt mit Spucken, Mundfürzen und um-sich-Schlagen und es hilft kein in-den-Arm-nehmen, nur in-acht-nehmen, bis der Spuk vorbei ist. Er schmeißt Zeug, haut, brüllt und rennt wie ferngesteuert in der Gegend rum, wenn ihn der Hafer sticht. Im Durchschnitt zehn Minuten täglich und nein, ich gewöhne mich nicht daran.

Ach, Gegend. Er rennt auch weg. Also nicht zu Hause, da läuft er wie ein Entenjunges hinter mir her, auf Schritt und Tritt, aber draußen ist er fort. Aber nur, wenn es irgendwohin geht, worauf er Bock hat. Ansonsten wird sich erst mal längs geworfen und gebrüllt aus der Horizontalen, er wölle getragen oder in der Kutsche gefahren werden, denn laufen gänge in gar keinem Fall. Geht es aber irgendwohin, wo es ihm gefällt, ist er fort.

Zum Beispiel habe ich ihn mal im Kaufland gesucht, lange, mit professioneller Unterstützung. Er lag dann im Regal mit den Hochlehnerauflagen. Zwischendrin. Und ruhte sich aus. Ich gehe ab jetzt nur noch zu Aldi, da gibt es kaum Verstecke.

Aber durch das Kleinchen komme ich auch zu unerwartetem Wissen. Neulich zum Beispiel ging er – der selbsternannte Toiletteninspekteur – wie selbstverständlich seiner Oma hinterher, nur um sofort darauf angerast zu kommen und zu berichten: „Mami, Mami, weißt du was?! Die Oma hat Haare an ihrem Puller! So dick!“, und zeigt mit den Ärmchen einen Abstand von circa vierzig Zentimeter. Dank des Kindes weiß ich also nun, dass meine Schwiegermutter ihre Rente ganz offensichtlich mit dem Schmuggeln von Perücken aufbessert. Danke Kind!

Und heute morgen, dann endlich, kam sie wieder, die Frage aller Fragen: „Mami, wie lange noch schlafen, bis ich sechs bin? Mittagschlaf auch, oder nur Nachtschlaf?“.

 

 

7 Kommentare zu “Fümf

  1. Auch meine herzliche Gratulation allen auch nur am Rande Beteiligten und vor allem zu Wahl des Fahrrades! Wir haben am Samstag gerade das 3er gekauft, nachdem das 2er (auch in blau) bereits über ein Jahr gedient hat, und der kleine Held würde es am liebsten ins Bett mitnehmen 🙂 Wenn diese Räder bis zu euch kommen, ist mir jetzt auch klar, warum es Lieferengpässe gibt 😉

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