Von kackenden Dinosauriern, alten Freunden und einer bärtigen Frau – Wochenende in Bildern #wib

Samstag Morgen kurz vor fünf werde ich durch wiederkehrendes Fiepen wach – der Rauchmelders im Schlafzimmer zeigt mittels eines durchdringenden Tones an, dass er bitteschön die Batterie gewechselt haben möchte. Jetzt!

Pah, ich bin Mutter. Und müde. Bis der nicht lernt, „Mamaaaa!“ zu rufen, hat er Pech. Ich schlafe also weiter, trotz penetrantem Piepton. Mir wurscht, ich kann immer und überall schlafen. Schlafen ist quasi meine Kernkompete… „Mamaaaaa!“, gegen sechs.

Das Foto zeigt gut, wie verschwommen ganz offensichtlich mein Blick war. Scheiße, es ist noch nicht mal hell draußen!

Auf dem Frühstückstisch hockt ein Dino aus ner Juniortüte und guckt mich dämlich an. Ich denke mir so, Moment, wie guckt der denn?! Und dann fällt es mir auf. Der guckt wie ich, wenn der Kleinste mal wieder unbedingt mit aufs Klo will irgendwo in einem öffentlichen Gebäude, dann aber alles langweilig findet, die Tür öffnet, entschwindet und ich zum einen noch nicht fertig bin und zum anderen mit meinen kurzen Ärmchen nicht an die Türverriegelung komme. Genauso guckt der! Ich kenne das.

Aha. Ein kackender Dino also. Ich glaube, die Burgerbratkette, die solches Spielzeug in ihren Juniormenüs versteckt, muss Kinder wirklich hassen! Abgrundtief.

Dinos sind gerade Thema. Ich muss mir immer Geschichten ausdenken zu den Dinos. Vor allem das Bild von einem T-Rex, der soeben einen kleineren (irgendnen blauen) Dino beißt und dessen Blut spritzt, hat es dem Kinde angetan. „Warum beißt der den? Will der den fressen? Ist das Blut? Warum ist das Blut? Wo ist mein Blut? Hab ich auch Blut? Beißt der Dino mich auch? Was machst du dann, wenn der Dino mich beißt?“. Wenn ich alles wiederkehrend beruhigend beantwortet habe, erklärt das Kleinchen meist, das sei ja auch gar nicht schlimm, dass der eine Dino den anderen Dino fräße. Schließlich käme der andere Dino ja wieder hinten raus. Als Dinokacke!

Kackdino, Dinokacke, alles noch vor dem Frühstück.

Später dann überlasse ich die Nachkommen dem ursächlich für ihr Vorhandensein Verantwortlichen und verdufte! Ich bin zum Brunch eingeladen. Ein fünfzigster Geburtstag.

Noch vor kurzem war ich erst auf dem fünfzigsten Geburtstag meiner Schwiegermutter und habe dort mit meinem Mann getanzt. Waren nur alte Leute außer uns dort… Moment, au Backe! Das war vor zwanzig Jahren!

Jetzt gehöre ich also zu den alten Leuten, denke ich mir so, als ich in der Wachbergschänke eintreffe. Fünfunddreißig Jahre kenne ich den Kerl, der dort im Anzug mit Brokatseide neben einer Tafel steht und aussieht wie ein englischer Landlord. Mein Herz ist ganz komisch, ich sehe ihn vor mir mit Robert-Smith-Gedenkfrisur und schüchtern und schlaksig und uns beide in selber genähten Klamotten aus schwarz eingefärbten Bettlaken von Omas Aussteuer, mit fetten Metallketten um Hüfte und alle Gelenke. Ich sehe uns rauchend nächtelang philosophieren über das Leben im allgemeinen und das zwischenmenschliche im besonderen. Die Hintergrundmusik gern von Anne Clark, Cure oder The art of noise beigesteuert. Wir waren niemals ein Liebespaar und dennoch stünde er definitiv auf der „wichtige Männer in meinem Leben“-Liste, wenn ich denn eine „wichtige Männer in meinem Leben“-Liste hätte.

Und jetzt das hier. Gediegen. Er im Anzug, ich mit Perlenohrringen. Das ist wirklich, wirklich seltsam. Und wieder einmal denke ich, Altern ist nur äußerlich. Ich erkenne in dem englischen Landlord mit dem distinguierten Auftreten noch immer den Jungen von einst und wie ich dort stehe und wir uns lächelnd betrachten, denke ich, er sieht auch das pummelige Mädchen mit den mit Kernseife toupierten Haaren und dem maladen Selbstbewusstsein.

Die alte Scheune von der Wachbergschänke zu Dresden Wachhwitz (oder Pappritz?) – die Feierlocation des Samstags

Auf´m Teller: Saltimbocca von der Hähnchenbrust mit Grillgemüse, Caprese und ein Semmelknödel mit Soße. Hinterher rote Grütze mit Vanillesauce. Drumherum sehr lustige Unterhaltung und viel Gelächter mit den anderen alten Menschen.

Ich finde diese Bank soooo schön! Und außerdem kann ich dem Drang, mich darauf auszustrecken und hemmungslos zu schnarchen kaum widerstehen…

Abends dann wie stets bei Nieselpriems Offlinespieleabend. Der Mann ist dran mit aussuchen und mal wieder gewinnen die Würfel.

Also eigentlich gewinne ich, und zwar zwei von drei Spielen (erst Phase 10 und danach Kniffel) und natürlich habe ich meinen Mann beglückwünscht zu seiner tollen Wahl, die Ehefrau betreffend. Das sei ja sonnenklar, von wegen Glück im Dings und Pech im Bums oder so. Er hat mich seltsam angesehen, keine Ahnung, wo der noch überall erfolgreich ist… ich war dann müde. Gute Nacht!

Sonntag Morgen fotografiere ich die Küchenwanddeko…

…und die Blumenvase. Ich habe ehrlich keine Ahnung warum! Menschen machen einfach seltsame Sachen, wenn sie müde sind.

Ach so, deshalb. Dieses Geschirr muss weichen. Kann ich damit jemandem eine Freude machen? Am besten bitte einem Jemand aus Dresden, wegen dem Abholen.

Das Gute daran, dass der Blondino und ich nun schon seit Jahren das Morningteam hier machen ist, dass mittlerweile klar ist: Nicht ansprechen! Jeder macht seins! Bis die Kaffeetasse von Muttern leer ist! Das klappt. Das Kind hämmert auf der Janosch-App rum und ich…

… schwelge im Kindergartenalbum, das wir uns übers Wochenende ausgeliehen haben.

Danach sitzen wir im Auto und hören zwanzig Mal die bärtige Frau. Die olle Ritter-Rost-CD gehörte schon dem Bubi und ich weiß noch, wie furchtbar den immer grauste vor der bärtigen Frau. Dann saß der Mann abends oft bei ihm am Bett und erklärte, auch er hoffe, es gäbe keine bärtigen Frauen. Denn er würde sich ganz genauso fürchten!

Nun also das furchtlose Kleinchen, das sich zerkugelt, wenn ich meine Stimme verstelle und mitsinge, Grimassend ziehend.

Ach so, und im Auto sitzen müssen wir, weil das Kind als selbsternannter Inschinör das Musikabspielgerät zerstört hat.

Danach hängen wir im Garten rum.

Für mich wird gekocht.

Was gibts denn? „Fisch mit Zucker und Eichelpilze!“. Ah ja. Hmm.

Danach kocht der Baby Chef de Cuisine Eierkuchen, die hierzulande Plinsen heißen. Ich versuche mich im Wenden mittels Pfannenflip, aber der Mann, der das filmen sollte, fand: „Naaa, dös war nix!“. Also kein Filmchen davon.

Davor auf´m Teller: Tomatensuppe mit Reis und Käsewürfeln.

Nachmittags wieder Rumhängen im Garten. Ich weiß, spektakuläres Wochenendprogramm.

Ich bin ja immer froh, wenn in dem dunklen Waldgarten irgendwas wäschst. Also irgendwas außer Efeu und wildem Wein. Siehe da, Prunkwinden oder Wicken oder wie auch immer, diese Rankdinger jedenfalls wachsen fleißig und ich habe schon Samen für nächstes Jahr ernten können.

My Kryptonite. Schnecken hasse ich wie die Pest. Das Kind sammelt auch sehr gern leere Häuser aus den Beeten, es gibt viele leere Schneckenhäuser bei uns. Und viele volle! Jemand, der kackende Dinosaurier als Merchandise kreiert, wird sicher im nächsten Leben als Schnecke sein Dasein fristen müssen. Karma!

Was haben Schnecken und die Frau Nieselpriem gemeinsam? Nein, „Flutschig untenrum“ ist komplett falsch, also sage mal! Beide lieben Basilikum, das ist die korrekte Antwort. Wobei so eine Schneckenfamilie einen Basilikumbusch mit Strunk und Stiel wegschnabbert, bis wirklich übererdig rein gar nichts an den Basilikum erinnert! Ich muss immer wieder nachpflanzen, wobei ich feststelle, an diesen Trog gehen sie nicht. Womöglich wegen dem Liebstöckel darin? Vielleicht mögen Schnecken keinen Maggi-Geruch?! Weiß das jemand oder bin ich jetzt Erfinder oder was?

So, noch irgendwelche Grünzeugbilder, alte Menschen fotografieren ja gerne Blumen.

Und während die fleißigen Familienblogger ihre „Wochenende in Bilder“ verbloggt haben und bei Susanne verlinkt, die diese Posts sammelt, hatte unsere Heldin leider beide Hände voll zu tun. Und die Augen auch, es lief nämlich „Nice guys“.

Integrationsstatus

„Und was ist eigentlich mit Paul?!“,

fragte neulich eine Leserin.

Ja, Paul. Das elfte Schuljahr unseres Sohnes neigt sich dem Ende und wie vor einem Jahr angekündigt, ist es nun wirklich Zeit, sich zu verabschieden von unserem besonderen Integrationshelfer.

Sechs Jahre war Paul nun schlussendlich bei uns, eine kleine Ewigkeit. Für ihn sind die Koffer gepackt, er zieht nach Hamburg um dort in einer WG zu wohnen und ein neues soziales Projekt anzunehmen. Wir werden uns wiedersehen, so wie man Freunde wiedertrifft, die die Stadt verlassen haben. Unsere Erziehungspartnerschaft aber endet (und diesmal endgültig) mit dem scheidenden Schuljahr.

Ich denke oft, wie viel Glück wir hatten mit Paul, dem unkonventionellen Kindergärtner, der nicht mal Sozialpädagogik studiert hatte, aber in all den Jahren einfach intuitiv „das Richtige“ machte. Der sich unter den Lehrern als Kollege etablierte und unter den Schülern als cooler Typ, der immer mit dabei war und den man besser zum Freund hatte.

Was wird sich ändern? Wir werden auch im nächsten Jahr Schulintegrationshilfe haben. Die Genehmigung ist quasi bereits erteilt (für Interessierte: Zu beantragen sind derartige Leistungen beim jeweils zuständigen Jugendamt, ASD – „Abteilung Soziale Dienste“). Unser Bubi besucht aktuell die elfte Klasse eines beruflichen Gymnasiums und wird laut Plan nach Klasse dreizehn sein Abitur machen. In Klasse zwölf jetzt wird das Kurssystem eingeführt und der Klassenverband, wie ihn der Junge bis dato kannte, aufgelöst. Das birgt ganz sicher noch einige Hürden und Herausforderungen. Aus diesem Grund bin ich froh, dass wir noch ein weiteres Jahr die Hilfe genehmigt bekommen.

Was macht so ein Integrationshelfer denn eigentlich, fragt sich womöglich manch ein lesender Mensch hier. Ich denke, ein guter guckt immer, wo und an welchen Stellen das Kind im Schulalltag Unterstützung braucht. Das können von Klient zu Klient ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche sein, denke ich. Genauso, wie diese Arbeitsbereiche sich verändern mit höherer Klassenstufe und Alter des Schülers. Unser Paul hat den Bubi im Unterricht begleitet für zwanzig Stunden pro Woche und Probleme nachbereitet. Außerdem war er mit den Lehrern im Gespräch, besonders natürlich mit denjenigen, wo unser Junge im Unterricht Probleme bekam aufgrund des Unterrichtes. Das sind Fächer, in denen Analysefähigkeiten im sozialen Bereich, Meinungsbildung und Austausch, Diskussion erforderlich waren. Ethik, Gemeinschaftskunde, auch Geschichte zum Beispiel. Bei „klaren“ Fächern wie Mathe oder Chemie gab es niemals Probleme. Allenfalls bei der Methode zur Lösungsfindung…

Bei all den Themen hat Paul gecoacht, interveniert und moderiert. Es gab regelmäßig Auswertungsgespräche zwischen den beiden, Wochenziele und grafische Erfolgsmessungen. Einmal wöchentlich ein Wochenreport mit uns Eltern.

Die beiden waren ein gutes Team und wenn ich sehe, wohin wir gekommen sind und mit welchem Ergebnis, kann ich sagen: Und ein erfogreiches!

Jetzt wird jemand neues kommen. Wir haben ein bisschen kämpfen müssen, aber nun schlussendlich jemanden erfahrenes von der Autismusambulanz Dresden zugesagt bekommen. Es werden deutlich weniger Stunden geleistet werden können und ganz sicher arbeiten diese Sozialpädagogen anders als unser Paul, aber wir haben beschlossen, dass wir genau das gut finden werden! Denn zum Einen kommt da noch mal jemand zu uns, der einen anderen, unverstellten Blick auf uns, auf unseren Jungen, hat und dadurch andere Aspekte oder Entwicklungspotentiale sieht und zum anderen hat ja Integrationshilfe den Anspruch, dass sie irgendwann obsolet ist, sich erfüllt hat. Ich gehe im Moment davon aus, dass Ziel sein wird, diese auszuschleichen im kommenden Jahr. Wir werden sehen. Und ich werde es euch erzählen!

Wir haben noch ein sehr positives Erlebnis gehabt im vergangenen Schuljahr, Integration betreffend. Und zwar galt es, das zweite Schülerpraktikum zu absolvieren und Vorgabe war für die Schüler der Informatikklasse, es musste ein IT-Unternehmen sein! Nun gibt es glücklicherweise im Dresdner Umfeld jede Menge IT-Buden, ich sah da kein Problem für die paar Kinder. Oha.

Es hagelte bei allen jede Menge Absagen, am Ende musste die Schule selber ein Schülerpraktikum für zwei Wochen inhaltlich organisieren, um doch einigen Schülern überhaupt eine praxisnahe Wissenserprobung zu ermöglichen.

Unser Sohn hatte sich bei drei großen Firmen beworben. Zwei sagten ab, eine bot ihm einen Platz: die SAP. Und die haben mich echt überrascht!

Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim onboarding (im Vorfeld zu absolvierende Online-Kurse zum Datenschutz, Firmenpolicy etc., alles auf Englisch) fiel mir siedend heiß ein, der Junge hatte zwar bei Schwerbehinderung die Checkbox mit dem „Ja“ angekreuzt, aber was ist mit Paul?! Dürfte der mitgehen?

Ich rief die Personalabteilung an. Ja, natürlich und herzlich willkommen auch für den Paul! Und sie freuten sich sehr auf unseren Bubi und seien gespannt überhaupt auf die zwei Wochen mit den jungen Leuten. Und was es denn bitte brauchen würde, damit sich unser Sohn wohl fühlen würde und wo es nach meiner Meinung nach Probleme geben könnte. Und wo sie – die SAP – gegensteuern könnten im Vorfeld?! Kann er mit einem anderen Schüler ein Laptop teilen oder wäre das schwierig, weil zu nahe Zusammenarbeit? Wie ist das mit offenem Arbeiten, Gruppenarbeit, Vorstellungsrunden, freiem Sprechen?

Wow.

Die Frau vom Personal schickte mir dann den geplanten Ablauf für die zwei Wochen und wir telefonierten im Anschluss ein weiteres Mal. Wir vereinbarten darin, dass alles so bleiben sollte wie geplant von der SAP und dass in schwierigen Situationen ad hoc reagiert werden sollte. Und dass der Paul dann da gern als Ansprechpartner fungieren sollte.

Das Praktikum lief an und unser Junge kam Abends begeistert nach Hause und überraschte uns mit so Stilblüten wie, er könne auch das Abi gleich abbrechen und bei der SAP anfangen, die würden auch ausbilden und wie cool sei das denn überhaupt dort. Und Mama, ich bin noch nicht mal der einzige Autist! Und weißt du Mama, ich wollte eigentlich zu Google zum arbeiten (Aha, nein, das wusste sie nicht), aber vielleicht gehe ich auch zur SAP! (Hm, okay.)

Die Personalerin rief mich im Laufe der Praktikumszeit an um mir zu sagen, dass sie den Bubi kennengelernt habe und dass alles sehr gut aussähe und ob ich Fragen oder Wünsche hätte, die möglicherweise der Junge an mich herangetragen hätte. Im Anschluss danach ein weiters Mal, um mir Feedback zu geben nach Rücksprache mit den Praktikumsbetreuern. Es sähe alles sehr vielversprechend aus und sie würden sich sehr freuen, unseren Bubi später einmal wieder begrüßen zu dürfen, als Azubi, Student oder Mitarbeiter.

Wow. Schon wieder. Ich meine – Hallo! – das war „nur“ ein Schülerpraktikum, aber so kann´s gehen! Mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, ein bisschen mehr Bereitschaft zur Dynamik, ein kleines bisschen mehr Blick auf den Menschen und: „Du bist ok, wie du bist. Wie geht es dir aktuell? Was brauchst du, um dich hier wohlzufühlen?“.  Das war echt ein tolles Erlebnis. Für den Jungen, weil er sich jetzt wirklich freut auf sein Arbeitsleben und motiviert unbedingt Informatik studieren will und meint, das wäre dann immer und überall bestimmt so cool wie bei SAP, und für uns als Eltern, weil wir wirklich sehen, dass sich in Bezug auf Integration in den letzten Jahren einigen getan hat. Nicht überall, noch lange nicht genug, aber dennoch spürbar! Das ist gut.

Und sonst so?

Ich treffe mich in dieser Woche noch mit einer mir bis jetzt völlig unbekannten Mutter eines relativ neu diagnostizierten Asperger-Sohnes um dort ein wenig Angst vor der Zukunft zu nehmen, Verunsicherung zu zerstreuen und ein paar „best practises“ im Behördenumgang zu teilen. Ebenso den Kontakt zur Elternselbsthilfegruppe und wenn´s gut mit uns beiden läuft, ein Stück Kuchen. Denn auch das ist Integration, sind Integrationsbestrebungen. Dass man die Tür aufmacht. Dass man „Willkommen!“ sagt. Und meint. Aber das wisst ihr ja. 🙂

To be continued.

 

 

Achtzehn

Der Kronsohn, unser Erstlingswerk, wird in drei Wochen achtzehn. Also ist er dann sowas wie erwachsen, auf dem Papier zumindest.

Ich meine, es war klar, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Genauso, wie immer klar war, someday baby, we´ll be old, oh baby. Und trotzdem guck ich in den Spiegel und denke, ach du Scheiße, wann ist das passiert? Warum? Und: Jetzt schon? So ist das auch mit dem Bubi.

Wie, der ist jetzt erwachsen?!

Komisch.

Wir Alten fragen uns zum Beispiel aktuell, wie wir ihm das seit seiner Geburt angesparte Geld auf dem Sparbuch nun schenken sollen. Ein Diskussionsgegenstand, der regelrecht skurril erscheint, haben wir doch ganze achtzehn Jahre jeden Monat auf das Kinderkonto überwiesen, für später. Nun ist es da, dieses „später“. Was heißt das, wie geht man jetzt damit um? Niemand hat uns vorgewarnt, wie verhält man sich denn entsprechend? Anders? So wie vorher? Was ist mit Rechten? Pflichten? Dürfen wir überhaupt noch Vorschriften machen? In seine Angelegenheiten reinreden, weil wir alt und weise sind und sowieso alles besser wissen?

Niemand bereitet einen darauf vor.

Ich habe noch den Duft seines verschwitzten Kinderkopfes (nach warmem Apfelkuchen) in meiner Nase und wie er eine „Fitzschnute“ zog als Baby, wenn ihm etwas nicht passte. Nichts davon erinnert beim Anblick des langbeinigen Kerls mit den (aktuell) blauen Haaren und der tiefen Bassstimme an dieses kleine Kind.

Wir haben noch Glück. Meine Freundin muss sich im Sommer von ihrem Sohn verabschieden, da dieser (obwohl eine Woche jünger als unser eigener) für ein Jahr nach Amerika geht. Unser Sohn zieht nur von der ersten Etage in den Keller in seine neue „Souterrain-Wohnung“. Also lediglich ein Abschied vom Kinderzimmer.

Wir Eltern gehen unterschiedlich mit der Gesamtsituation um. Während ein Elternteil gefühlsduselig die neue Bleibe hübsch machen möchte (Lichterketten, Schwarzlichlampe, Poster), schnauzt das andere Elternteil, das sei völlig übertrieben und dem Sohn gefalle das gar nicht. Und: Immer musst du was einkaufen! Kaufen, kaufen, kaufen! Da wo unser Geld herkommt, gibts ja unbegrenzt Nachschub, nicht wahr? Und wenn es dann nach drei Wochen nicht mehr gefällt, fliegt es einfach auf den Müll! Nein, sage ich. Also das andere Elternteil.

Ich bin ja mal gespannt, wie das Zeugnis aussieht dieses Jahr, sagt das eine Elternteil. Was soll schon sein, das andere. Zwei Komma fünf im Durchschnitt wird es, hat er mir gesagt. Was?! Zwei Komma fünf?! Dann brennt die Luft. Der ist so stinkenfaul, immer nur zocken hat der im Kopf! Nichts hat er gemacht für die Schule in diesem Jahr! Ja, aber sieh es doch mal anders, sagt das andere Elternteil, er hat also mit Null Lerneinsatz die elfte mit zwei Komma fünf geschafft! Da ist jede Menge Luft nach oben! Ganz genau, sagt das der andere. Jede Menge Luft. Er nutzt seine Potentiale nicht, er hat null Biss! Dieses strunzfaule Rumgedahle, lalala, scheiß doch drauf, wird schon irgendwie, das kotzt mich sowas von an, sagt das eine Elternteil aufgebracht. Mann, du redest uns hier echt Probleme herzu, wo überhaupt keine sind, interveniert das andere Elternteil beim Kisten von oben nach unten tragen. Du meckerst immer nur an dem rum! Der steht jeden Morgen auf und geht in die Schule mit gutem Ergebnis, er säuft nicht, nimmt keine Drogen und wenn er auch nur fünf Minuten später nach Hause kommt als vereinbart, schreibt er mir ne SMS! Ich weiß nicht, was du immer willst von dem?!

Ich will, dass der mal ein ordentlicher Kerl wird! Mir wäre lieber, er würde sich mal besoffen prügeln und die Nächte um die Ohren hauen! Ach so, jetzt verstehe ich, sagt das andere Elternteil. DAS ist es also. Weil er „anders“ ist und anders als du sowieso schon mal. Ja, genau, das ist es! Der ist kein bisschen wie ich! Wie soll ich mich da identifizieren? Weißt du, wie gemein du bist, sagt das eine Elternteil, der joggt mit dir, er stemmt Hanteln, er blickt noch immer zu dir auf, alles nur, um dir nachzueifern und du merkst es nicht mal. Und außerdem, ich will ehrlich gesagt nicht, dass der so wird wie du warst! Den Eltern den Mercedes geklaut und ohne Führerschein besoffen zur Disco über die Dörfer gebrettert! Gekifft, geprügelt! Ach, komm, das gehört doch zum Erwachsenwerden dazu, beschönigt das so angeprangerte Elternteil, und ehrlich gesagt würde mir genau das gefallen! Mir aber nicht, widerspricht das andere Elternteil.

Du würdest ihn ja am liebsten noch an die Zitze legen, höhnt der eine, das war schon immer das Problem! Du hast ihn von Anfang an zu sehr verhätschelt! Und du hast von Anfang an ein völlig übersteigertes Anspruchsdenken an den Jungen gehabt! Ich weiß gar nicht, was mit dir los ist. Warum kannst du den Jungen nicht einfach so annehmen, wie der ist. Weil der kein bisschen wie ich ist!, sagt das andere Elternteil. Weil der sein Leben einfach verdaddelt! Weil der keine Ziele hat! Ach, hör doch auf, nölt das andere. Du hattest mit achtzehn nur das Ziel, ne geile Zeit zu haben! Du warst nicht auf der Penne, du warst auf der Baustelle. Penne und Ziele, das kam alles später, du hast es nur vergessen. Niemand von uns hat auf dem geraden Weg sein Abi gemacht und studiert, bei dem Jungen aber sieht es so aus, als würde genau das passieren. Du aber maulst, er wäre faul und nicht fokussiert.

Mit zwei Komma fünf studiert der gar nichts! Ich sage dir was, wenn der in der zwölften noch zwei Komma fünf hat und ich den nicht mal ne halbe Stunde am Tag pauken sehe, nehme ich den von der Schule! Ja, da guckste! Ich zahle doch nicht das Scheiß Schulgeld für den, wenn der sich nicht mal am Riemen reißt und mir zeigt, dass er das wirklich will!

Du solltest dich hier mal reden hören, sagt das andere Elternteil. Dann sagt sie nichts mehr.

Sie würde ihn gern in den Arm nehmen und ihm sagen, dass er alles, alles richtig gemacht hat, in all den Jahren. Dass er ein toller Vater war und ist. Dass alles gut wird und dieser junge Mann, sein Sohn, seinen Weg gehen wird. Dass sie beide erleben werden, wie er Sonntags mit ihren Enkeln zum Essen kommt. Dass sie beide Gespräche führen werden, erwachsene Gespräche auf Augenhöhe, er und sein Sohn. Dass sie es sehen kann! Sie möchte ihm so gern sagen, dass sie froh ist, dass er in all den Jahren ihr Partner war. In den sorgenvollen Zeiten, in denen sie auf das Kind herabgesehen haben, hielten beide es an der Hand, der eine an der linken, der andere an der rechten. Wie froh sie über diesen Umstand ist. Und dass er stets wissend genickt hat, wenn ihr das Herz weh tat um diesen Jungen. Dass es okay ist, wie es ist. Dass er nachlassen kann, darf. Das möchte sie ihm gerne sagen.

Und während sie darüber nachdenkt und diese Zeilen schreibt, kommt das Blondchen in seinem Superman-Schlafanzug aus seinem Zimmer, legt den Kopf auf ihren Schoß und sagt, er wölle niemals fünf werden! Er wolle für immer klein bleiben und sie denkt: Ach, mein Herz. Es ist, als sei es vorgestern gewesen, als ein Kind mit dunklen Haaren genau dasselbe gesagt hat, mit dem Kopf in ihrem Schoß.

 

 

 

Schatz, danke, dass du mich gefunden hast, damals. Und danke für diese Kinder! Das ist, was sie dir sagen will. ❤

 

 

 

 

Aus dem Leben einer Mutter – Kurzepisode 1

Das Seniorenheim

Sie kennen das. Da gehen sie gemütlich zum wochenendlichen Entenfüttern an den nahegelegenen Fluss und just als die heimatliche Behausung aus dem Blickwinkel entschwindet, schreit das angedeihliche Fortpflänzchen zu ihrer Linken: „Muss kackorn!“.

Zum Glück haben die Städtebaumeister wohl genau aus diesem Grund alle drei Meter ein Seniorenheim mit Gästetoilette im Entreé errichtet.

Das bedürftige Kind verspürt naturgemäß keinerlei ursächliches Bedürfnis mehr beim Anblick des coolen Interieurs: Behindertentoilette, Notrufklingel, eine Riesenrolle Handtuchpapier… Aber weil sie schon mal hier sind, geben sie dem Kind ihr Handy, damit es nicht ins Klo fällt, wenn sie gleich…

 

Zum Glück hat das Kind weder Twitter- noch Instagram-Account. Bislang.

 

Mai im Glas – Holunderblütengelee

Mai im Glas – Holunderblütengelee

Jedes Jahr Ende Mai stapfe ich mit dem roten Eimerchen los. Ziel sind die Holunderbüsche in Kaditz.

Zuhause gebe ich fünf Zitronen und so viel Wasser zu den Holunderdolden, dass alle gute bedeckt sind. Danach matsche das Ganze ordentlich mit den Händen durch (Ah! Das ist das Allerbeste! 🙂 ), und dann bleibt der Eimer abgedeckt mit einem Geschirrtuch mindestens einen ganzen Tag im Keller stehen.

Danach wird die Brühe abgeseiht. Bei mir klappt das am besten mit einem groben Sieb, das ich mit Kleenex auslege.

Jetzt den Saft abmessen. Drei Liter sind es bei mir. Wenn die Menge „unrund“ sein sollte, kann der Holunderblütensaft gut mit Apfelsaft aufgefüllt werden. Oder mit Wasser selbstverständlich.

Für drei Liter Saft sind vier Pakete Gelierzucker 2:1 ideal, sonst wird das Gelee zu flüssig.

Et voilá!

Schmeckt mir am besten auf einer dicken Scheibe Müslibrot mit fett Butter untendrunter! Müslibrot?! Ja, ganz einfach eine Backmischung für ein dunkles Brot (am besten mit Malzanteil) mit einer Handvoll getrockneter und klein geschnittener Aprikosen und einer Handvoll Haselnüssen pimpen. Den Brotlaib vorm Backen mit Haferflocken und Kernen bestreuen und backen. Bitte sehr, Müslibrot!

Im übrigen habe ich diesen Post morgens 7:05 Uhr mit leerem Magen geschrieben, also nur, falls es diesebezüglich Fragen gibt. Und jetzt habe ich Hunger! Mahlzeit und einen schönen Rest-Mai euch allen!

 

Auf Instagram gibts zum Thema „Mai im Glas“ mein Making of zum Rhabarber-Himbeer-Sirup.

 

Eheliche Rollenspiele

Ich habe neulich das Auto gereinigt. Aber nur ein bisschen, nicht so auffällig. Warum? Na, wartet mal ab.

Also das Auto. Wir haben einen Familienwagen, den meistens ich von A nach B ausfahre. Der Mann fährt Rad. Das kann auch daran liegen, dass dieses Auto immer völlig versifft ist. Dafür bekomme ich in regelmäßigen Abständen die Schuld zugewiesen, wenngleich ich finde, er beschuldigt mich da grundlos. Das letzte unserer Gen-Experimente verursacht den Dreck, aber irgendwie bin ich trotzdem Schuld. Das ist wahrscheinlich dieses Henne-Ei-Problem.

Früher, ja früher war das schon anders! Ich bin ziemlich stolz darauf, dass ich bewiesenermaßen mal in der Lage war, während der Fahrt einhändisch ein Mäc Menü auseinanderzupfriemeln, die Pommes nebst Majo und Ketschup auf dem Armaturenbrett zu drapieren und somit ohne anzuhalten meine Mahlzeiten zu mir nehmen konnte. Drive in, to go. Dafür wurde das doch erfunden, oder? Gut, manchmal kippte ein Erdbeermilchshake um im Auto, aber nun ja, das trocknete auch wieder. Und der Fußraum auf der Beifahrerseite fasst exakt soviel Abfall, wie in einen 50l-Müllbeutel passt. Echt praktisch!

Those days are gone. Wenn ich heute eine braune Papptüte aus dem Burgerladen trage, reißen mir vier Hände sofort alles aus den Fingern. Ich komme gar nicht dazu, das Armaturenbrett einzusauen, weil einfach keine Pommes für mich übrig bleiben! So ist das. Deshalb – und weil mir Ordnung und Sauberkeit wichtig sind (Gelächter wäre jetzt angebracht) – habe ich Fastfood im Personenkraftwagen verboten!

Allerdings ist es so, dass der Babynator immer Hunger im Auto kriegt und kaum dass er angeschnallt ist, anfängt in seinem Rucksack rumzufummeln und das Frühstück für den Kindergarten rauszupulen. Und rumzukrümeln. Oder er findet die Bäckertüte mit den Semmeln im Fond, die eigentlich zusammen mit Bratwürsten das Familienabendbrot sein sollten. Und krümelt. Oder aber er findet eine Packung Kaugummi und kaut die alle an. Das ist das Allerfieseste, das muss ich mal genauer erläutern.

Es scheppert auf der Rückbank. „Leg die Kaugummi zurück! Du isst die doch gar nicht! Das sind die Scharfen!“. „Doch! Ich will nur mal kosten!“. „Nein!“, spricht die Mutter, fuchtelt mit dem zu kurzen Arm nach hinten und erreicht weder Kaugummibüchse noch ungehorsames und vermutlich feixendes Kind. Dann katscht das Kind den ersten Kaugummi, um kurz darauf festzustellen, dass der schaaaaaa-haaaarf sei! Puh, schnell weg damit. „Wo ist der Kaugummi?! Neben dir liegen Tempos! Tu den da rein!“, ruft die alarmierte Mutter mit dem fuchtelndem Arm. „Schon ausgespuckt!“, berichtet das Kind um kurz darauf den nächsten Kaugummi zu testen, möglicherweise schmeckt der ja ganz anders. Die zwölf Kilometer zum Kindergarten oder vom Kindergarten heimwärts reichen vollkommen, um sechs bis acht Kaugummi zu testen. Und nein, niemals puhlt er sie im Nachhinein von den Fußmatten.

(Warum ich überhaupt Essen und Kaugummi in Reichweite der Kinderärmchen aufbewahre?! Ach, hör doch auf! Du klingst ja schon wie der Mann!)

Danach muss das Kind dergestalt aus dem Auto steigen, dass auf wirklich allen Sitzen und der Mittelkonsole Fußabdrücke seiner (manchmal wenigstens trocken verschlammten) Schuhe zu sehen sind. Wenn ich nicht aufpasse, verweilt er noch einen kleinen Moment auf dem Fahrersitz und baut diverse Teile der Innenarchitektur des Wagens ab. Die ich dann selbstverständlich niemals wieder drangefummelt bekomme und deshalb im Handschuhfach sammle.

„Henrike!“, sagt der Mann, „Ich glaube das alles nicht!“, spricht er weiter. „Du musst dich einfach mal durchsetzen! Der tanzt dir doch auf der Nase rum! Blablablabla…“, viele Worte, ernster Gesichtsausdruck, „Und dieses Auto ist doch nur Beispiel der Symptomatik!“. Weitere Worte folgen, ich nicke und gucke bedröppelt, während ich bereits vor längerer Zeit das innere Meeresrauschen eingeschaltet habe und gar nicht mehr zuhöre. Dann ist es vorbei und meistens folgt im Anschluss an so ´ne Kopfwäsche eine gründliche Putzaktion, durchgeführt durch den Mann. Er wischt sogar das Armaturenbrett ab, obwohl ich schon lange keine Pommes mehr darauf esse. Er poliert die Felgen, er putzt die Scheiben von innen, er macht das schön.

Ich bedanke mich überschwenglich und knutsche ein bisschen mit dem. Und sage ihm, dass niemand so schön Autos putzen kann wie er und dass ich aufgeschmissen sei ohne ihn! Und wir lachen dann und vielleicht schimpft er noch ein bisschen wegen der schlampigen Bagage, aber nicht mehr sehr.

Aus diesem Grund putze ich das Auto nur sehr „fahrlässig“. Soll ja nicht auffallen, dass ich das durchaus kann, weil sonst schnauzt der mich nur noch an: „Mach die Karre sauber, ich gloobe, es hackt! Wie das Drecksding schon wieder aussieht! Spinne ich, oder was?!“, oder so ähnlich. Ich habe selbstverständlich auch „vergessen“, die Scheibenwischerflüssigkeit nachzufüllen. Da hab ich dann wieder einen Grund zum Loben. Er macht das wirklich schön!

Das Ganze hat aber auch eine Kehrseite.

Wenn ich mal Mitleid will, stelle ich mich auf einen Tisch und rufe aus: „Für mich hat noch niemals ein Mann gekocht! Und dieser hier schon gar nicht (zeige auf den Mann)! In zwanzig Jahren nur ein einziges Mal!“.

Dieses einzige Mal war ein paar Tage nach der Geburt des Blondinos und ich war zwar hungrig, aber nicht in der Verfassung, Essen zuzubereiten.

Der Bärtige kann nicht kochen. Also das ist, was er mir seit zwanzig Jahren weismacht. Er kann es einfach nicht! Er kann Döner besorgen und Pizza bestellen und kennt auch ein zwei asiatische Imbisse, aber kochen? Nein, also wirklich nicht. Aus nicht bekannten Gründen zwang ich ihn also kurz nach meiner Niederkunft zu kochen. Es gab Fischstäbchen mit Kartoffeln und Mischgemüse. Das Ganze war ein Gericht, das so noch nie bei uns auf dem Tisch gestanden hatte. Tiefkühlmischgemüse gab es bis dato einfach noch nie! Und dass man in der Pfanne verkokelte Fischstäbchen essen kann, war auch eine neue Erfahrung. Die Küche sah aus, als hätte ich ein fünf-Gang-Menü für zwanzig Personen darin zubereitet und mittendrin stand mein armer Kerl mit rotem Gesicht und verschwitzten Haaren, völlig fertig und erledigt wie nach der Ersteigung des Macchu Picchu (Gesundheit!). Zwei Töpfe und eine Pfanne hatten ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht. Ich lobte ihn natürlich überschwenglich und sagte, wie lecker das  Mahl sei und dass ich sehr gern wieder etwas von ihm Gekochtes essen wöllte, aber Pustekuchen! Er kochte niemals wieder.

Doch dann – Ha! – ein Ding. Ich war mit dem Babylino zur Kur und telefonierte zwischendurch irgendwann arglos mit dem Großsohn. Da plapperte dieser beiläufig, der Papa würde gerade Gulasch kochen. Gulasch! Kochen! Dein Vater! Ich fragte nach kurzer Schnappatmungspause nach und erfuhr tatsächlich, dass der Kerl wohl in der Küche stünde und fünf Kilo echtes Fleisch anschmorte und nein, da lägen keine Dosen im Müll!  Ach, und zwei Tage später informierte mich das gute Kind, dass des Vaters Gulasch tatsächlich besser schmecken würde als meiner!

Da scheiß doch die Wand an! Erbost stellte ich den Mann zur Rede, der sich erst rausreden wollte um mir dann zu sagen, dass ja wohl echt jeder kochen könne! Und heutzutage mit dem Internet und so überhaupt. Aber da ich das so gern täte und manchmal sogar singen würde in der Küche und er mich doch so gern loben würde (und knutschen auch), würde er halt mich kochen lassen, und zwar ausschließlich. Und eigentlich (!) könne er ja wirklich nicht kochen.

Was soll man da sagen?! Er kann nicht kochen und ich kein Wasser in die Scheibenwischeranlage füllen. Und keine Luft aufpumpen, keine Steuererklärung machen, komme einfach nicht an den Schieber mit den Batterien ran… Danke Schatz, das ist so lieb von dir!

Belügen wir uns? Sind wir unehrlich? Äh, vielleicht? Wahrscheinlich sind wir aber einfach nur zwei Schlawiner und hey, es funktioniert ja für uns! Und solange bei dem Ausruf: „Ich habe gar keinen Schlübbor an!“, der jeweils andere zur Hilfe eilt und durchs Haus hechtet, als ob die Hütte in Flammen stünde, aber nur so schnell, dass man noch schnell aus der Bux springen kann und nicht der Lüge überführt wird, ist doch alles gut, oder?! 😉

 

Und jetzt geh ich kochen. Und nein, natürlich keinen Gulasch! Ich koche nie wieder Gulasch für diese Familie. Das ist ja wohl klar!

Meine Blumen für…

Meine Blumen für…

… Rike Drust!

Es ist wirklich längst an der Zeit, mal wieder Blümchen zu verschenken. Es gibt da draußen so viele tolle Elternblogs, dass ich gar nicht beantworten kann, warum ich das so lange nicht gemacht habe.

Die Schneeglöckchenfaust habe ich bereits vor mehreren Wochen fotografiert, als ich diesen Artikel begann zu schreiben. Ich finde, dieser „Blumenstrauß“ passt ganz hervorragend zu der Person, für die er gedacht ist. Einer erwachsenen Person, die sich zum Beispiel diebisch freut, wenn sie ein totes Insekt findet und dann heimlich die fleischfressende Pflanze der Kinder damit füttert. Einer Erziehungsberechtigten, die die Kacka-Pupsi-Sprüche ihrer Kinder in Kreuzstich auf Stöffchen verewigt und an die Wand tackert. Einer Frau, die mit ihren Büchern so vielen Müttern Mut macht und mit ihren Blogposts Leute zum Lachen, Nachdenken und Nachlesen bringt. Einer Bloggerin, deren Leidenschaft Kinderbücher sind und die mit ihrem Instagram-Account Kinstabuch tatsächlich eine qualifizierte Kaufberatung und Leseempfehlung für wirklich gute Kinderbücher bietet. Und der man dabei sofort glaubt, dass sie selbst diese Bücher liest und liebt!

Rike.

Sie schreibt außerdem ganz und gar wundervoll auf dem Blog infemme über alle Themen, die ihr in den Lockenkopf kommen und Rikes Facebookaccount Muttergefühle ist tatsächlich besser als jede Jesper-Juul-Kummerkastenhotline. Apropos. Der hochgeschätzte Christian vom Familienbetrieb bezeichnete sie mal – ich zitiere – als „volltätowierten Jesper Juul mit Brüsten“ und ich weiß noch, dass ich damals dachte, der Herr Juul könne froh sein, mit Rike verglichen zu werden! Ganz ehrlich und voll ernst gemeint.

Seit dem ersten Band der Muttergefühle bietet sie mit ihren Büchern und dem gleichnamigen Facebookaccount eine Plattform für elterliche Hilferufe, Erziehungsdebakel und Trost in allen mütterlichen Lebenslagen. Ohne „So macht man das“ und „Du musst“, dafür mit ganz viel Herz und Augenzwinkern. Als ich ihr zum Beispiel mal schrieb, dass ich den Sohn über den vollbesetzten Spielplatz jagen musste, während der a) deutlich schneller war als ich und b) mich laut vor allen anderen Müttern als „hässliche Gans“ beschimpfte und ich drauf und dran sei, hier alles hinzuschmeißen, schrieb sie zurück: „Aber du bist doch nicht hässlich!“. Mit Herz und Smiley hintendran. So eine ist das.

Eine, die als seriöse Werbetexterin sogar international mit Auszeichnungen behangen wird und sich dennoch niemals scheut, sich in ihren Geschichten, Blogposts und in echt voll „echt“ zu zeigen. Ungestellt, ungestelzt, unprätentiös und unaufgesetzt. Jemand, den man super gern als Freundin hätte.

Nimm diese Schneeglöckchen und hab Dank, Rike, für alle deine Worte! ❤

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*Muttergefühle. Gesamtausgabe ist in meinen von Runzeln umrahmten Augen so etwas wie die Bibel für Frischeltern. Wenn ihr euch also in der Lage wiederfindet, ein Geschenk zur Geburt eines neuen Menschen auszusuchen – fertig! Dieses Buch ist immer ein Volltreffer, glaubt mir! Und wenn ihr es bereits verschenkt habt und ein zweiter Mensch macht sich in der Familie auf den Weg – Hurra! *Muttergefühle. zwei ist bereits auf dem Markt. Durch die thematische Gliederung kann man auch gut darin zu bestimmten Themen nachlesen, was ich auch täte, wenn ich Band zwei nicht aktuell verliehen hätte. Und offensichtlich will es der Borger mir auch nicht zurückgeben! Franzi, Anne, wer von euch hat es?! 🙂

 

 

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