Ein April-Wochenende in Bildern

Samstag Morgen, ich backe Rote-Bete-Schoko-Kuchen. Ja, echt jetzt! Erstaunlicherweise schmeckt das hervorragend, aber ich frage mich ernsthaft, nach dem Genuss welcher Pilzmahlzeit Leute auf die Idee kommen, Rote Bete in einem Rührkuchen zu verstecken. Ich denke ja, das sind dieselben Kanaillen, die Zucchini-Kuchen erfunden haben.

Ich nenne diesen Kuchen im übrigen „Glaubens-Kuchen“. Weil man während der Zubereitung ganz fest daran glauben muss, dass da am Ende was Essbares rauskommt. „Geben sie dreihundert Milliliter Speiseöl zusammen mit der roten Bete in einen Mixbecher und pürieren sie diese.“.

Boar, Alter, ist das eklig! Da dreht sich selbst Doktor Oetker im Grab rum.

Glauben wird belohnt. Am Ende sieht es lecker aus und ist der dunkelschwarzeste, saftigste Schokokuchen, den ich je gemacht habe.

Dazu gabs eine Creme aus zu gleichen Teilen geschmolzener weißer Kuvertüre, Schmand und geschlagener Sahne. Ein wenig Vanille hab ich noch daran getan.

Frühstück ist fertig! Also meins. Die beiden Männer schlafen noch und das Kind will lieber Kelloggs… 

Nach der ersten Kuchenmahlzeit des Tages fahren wir aus Dresdens Talkessel hinauf zur Kümmelschänke. Die Anwohner von Omsewitz veranstalten einen Kindersachenflohmarkt.

Ausbeute: Ein Paar Gummistiefel (zu groß), ein Paar wie-heißen-diese-Badelatschen (zu groß), drei Schlüppis (ihr ahnt es, zu groß), ein geräuschender Dino und…

… eine Bratwurst!

Der Blondino hat mich bequatscht, dass wir im Anschluss noch einen Abstecher in Richtung alte Heimat machen. Der Spielplatz mit den Türmen an der Flutrinne ist das Ziel.

Ich hasse diesen Spielplatz so inbrünstig, wie ihn der Kleinste liebt. Scheiße, ist das dort hoch! Wenn der den höchsten der Türme erklommen hat, ist der irgendwo zwischen den Wolken kaum größer als meine Hand! Kommt mir jedenfalls so vor. Ohgottogott. Aber ein ordentliches Geschoss ist diese Rutsche! 

So, Themenwechsel! Ich bin gerade total verknallt in meinen Garten. Jeden Morgen schlurfe ich mit der Kaffeetasse in der Hand hinterm Haus rum und begrüße jedes einzelne Gewächs. Es sieht auch jeden Morgen anders aus im Garten! Das ist so so so schön zu sehen, wie sich das Grün aus der Erde schiebt.

Ja ja, rollt ihr nur mit den Augen, ihr Banausen! Aber das ist echt ein Ding, diesem Stück Waldboden mit Dreck hier etwas Blühendes abzutrotzen! Außer Efeu gedeiht hier kaum etwas. Ach, doch, im Herbst jede Menge Pilze.

Ich habe mich den Gegebenheiten des „Waldgartens“ angepasst und Sachen angepflanzt, die man eben so im Wald findet: Beerensträucher, Maiglöckchen, Bärlauch. Dennoch freue ich mich wie bekloppt über jedes bisschen Blümchen und Kräutlein und jedes ach so winziges Hortensienblatt.

„Den hässlichen Boom da müssense ma bei Gelegenheit absägen!“, sagten die Vermieter als wir einzogen. Haben wir nicht. Die Früchte dieser Felsenbirne erinnern in Aussehen und Geschmack an eine Kreuzung aus Holunder und Stachelbeere. Und ergeben ein ganz köstliches Gelee. Ich freue mich schon auf die diesjährige Ausbeute!

Die Pfingstrosen und den Rhabarber habe ich in unserem alten Garten ausgebuddelt und versuche nun, sie hier anzusiedeln. 

Und guck, ich habe jede Menge Holz vor der Hütte. Und dem Schuppen. Und außerdem überall Steine rumliegen und vom Schuppendach hängen Küchenutensilien herab. Der Mann sagt, es sähe in meinem Teil des Gartens aus wie beim Sperrmüll. Es ist mir egal, was der Mann sagt. Ich finde, sein blöder englischer Rasen ist übelste langweilig und deshalb fotografiere ich den auch nicht.

Sonntag Morgen, ich gehe laufen. Der Mann meint, es sei super, dass ich eine Warnweste tragen würde, somit könnte mich der Rettungshubschrauber leichter orten. Und er würde schon mal anrufen und die Leute mit dem Defibrillator in Richtung Waldpark schicken.

Der Mann hat keine Ahnung! Ich bin nämlich so schnell wie Usain Bolt und das ist nicht mal geschwindelt. Also ich denke, ich war heute so schnell wie Usain Bolt, wenn er rückwärts Kaffeebohnen läuft. Also neben mir. Wir können festhalten: Die Nieselpriem ist so schnell wie Usain Bolt. Punkt!

Im übrigen steht im Waldpark ein Gedenkstein zu Ehren von Herrn Königsheim, der irgendwann den Waldpark angelegt hat. Ich finde das irritierend. Ich meine, der Wald war ja schon vor Herrn Königsheim da! Blasewitzer, tssss.

Freunde von uns habe beim Umräumen ihrer Behausung und anschließendem Möbel-Tetris festgestellt, dass eine Hemnes-Kommode nicht mehr reinpasst. Tja. Ich habe mich natürlich sofort bereiterklärt, das obdachlose Möbelstück aufzunehmen. Man hilft ja, wo man kann, nicht wahr.

Als ich dem Mann mitteilte, dass er dieses Möbel doch bitte abholen möge und ich hätte bereits das Auto vermessen und ja, ich denke, eventuell passe das Trumm auch rein und er schaffe das schon, die Freunde wüssten auch bereits, dass er käme, da, also da brannte heute die Luft!

Ich glaube, der Mann hasst mich ein bisschen. Denn er hat die Kommode abgeholt, sie mir aber vors Haus gestellt. Da steht sie jetzt immer noch und friert bestimmt. Ich hasse den Mann jetzt auch ein bisschen!

Während der bärtige Kerl den Rest des Tages auf Mountainbike-Biergarten-Tour unterwegs ist, schlumpfen seine Nachkommen und ich ordentlich ab.

Ich beschließe, zum Abendessen gebe es heute „Vegetarisch“ und gehe mit dem Blondchen zum Schillergarten Eis essen. Zum Abendbrot. Schokolade für ihn, dunkle Schokolade und Espressoeis für mich. Und dort ist uns noch was Lustiges passiert:

Wir sitzen so am Rand, da kommt ein etwa fünfjähriger Junge an und setzt sich neben das Kind. Sie besehen sich freundlich und erklären sich die gegenseitige Freundschaft. Der Blonde will auch sofort mit dem neuen Freund sein Eis teilen, was dieser artig ablehnt. Er wöllte nur hier sitzen und warten, man könne dann nach dem Eis zusammen zur Rutsche gehen. Au ja, freut sich der Blondino. Ich frage den artigen Jungen, wie er denn hieße: „Häslerbolgrabuja!“. „Wie bitte?!“. „Fenstervogelsoja!“. „Äh, entschuldige bitte. Ich habe deinen Namen noch immer nicht verstanden?!“, „HÄNSELBORGENBRUDJA!“.

Und mein blondes Bübchen mit seiner piepsigen Duck Tales-Stimme: „Mama, was hat der junge Mann da eben gesagt?!“. Und ich: „Ich glaube, er hat uns seinen Vornamen gesagt. Aber ich bin mir nicht ganz sicher!“. “ Na gut, dann nenne ich ihn eben ´junger Mann. Komm, junger Mann, wir gehen spielen!“, und schwupps, waren sie entschwunden.

Wenn es doch immer so einfach wäre! 🙂

Weitere Wochenendbilder gibts wie immer bei Susanne in der Linkliste.

Erste Male-Wochenende in Bildern #wib

Auf dem Balkon steht eine Schale angeknackte Walnüsse und jeden Morgen erfreue ich mich an den Meisen, die sich an den Walnüssen erfreuen.

Meine Oma hat zeit ihres Lebens im Winter die Meisen mit Nüssen gefüttert und ich erinnere mich, dass sie mir erzählt hat, dass ein paar ganz vorwitzige sogar zur Balkontür hereingeflogen kamen, wenn sie Nüsse knackte, um bloß nicht warten zu müssen! Soweit ist unsere Zuneigung hier aber noch nicht.

Allerdings ist die Schüssel binnen weniger Tage leer, was zum Einen daran liegt, dass ich mir hier auch seltsame große und entsprechend gefräßige Taubenvögel angefüttert habe und zum anderen, dass meine gefiederten Freunde und ich dringend mal über Esskultur sprechen müssen. Die setzen sich in den Trog und schmeißen vor lauter Fresslust die Hälfte der Nüsse und Schalen aus der Schüssel oder stopfen sich die Schnäbel voll und versuchen erfolglos, damit abzuzischen, wobei sie dann zwei Drittel ihrer Beute bereits beim Start verlieren! img_4064

Der Mann hat mir aufgetragen, Spachtel im Baumarkt zu besorgen. Teurer Fehler! Kennt ihr den Teelicht-Effekt? Das ist, wenn du wegen Teelichtern zu Ikea fährst und die dann fuffzig Euro kosten. Tja, Spachtelmasse für siebzig, sage ich nur…img_4084

Nach dem Baumarkt habe ich etwas getan, das ich noch nie zuvor gemacht habe: Ich bin allein im Wald spazieren gegangen. Nun gut, nicht Wald, eher Wäldchen, weil ich leider über den Orientierungssinn eines Einzellers verfüge, aber immerhin.img_4087

Überall lagen ganz liederlich Birkenäste herum, ich hab da mal aufgeräumt! Die stelle ich zu Hause in einen Emaille-Eimer und fülle den mit Steinen. Das wird dann mein Jahreszeitenbaum und ich kann da so Dekodingsbumse dranhängen. Aber zuerst muss ich das Zeug irgendwie aus dem Wald zerren…img_4089

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Der Ginster muss auch dringend mal verschnitten werden! Wie das dort aussieht! Also ehrlich.

Mist, ich habe keine Schere mit, dann muss es eben so gehen… img_4090

Immer wieder drehe ich mich (behäbig, aufgrund den Waldunrates, mit dem ich mich beladen habe) um, aus Angst, der Förster käme geritten um mich übers Knie zu legen. Ich verstehe schon, wie das aussehen muss, aber ich räume doch nur auf in diesem Wald. Muss ja mal gemacht werden!

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Los. Fall. Runter. Jetzt!

Seit Wochen regnet es und meine Füße qietschen, schmatzen und glucksen auf dem Waldboden. Zapfen hätte ich gern gesammelt, die sind aber aufgrund des Wetters modrig.

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Hallo du Hübscher, willste mitkommen und mein Weihnachtsbaum sein?

Und wie ich so durch den Wald quietsche, schmatze und gluckse, merke ich, dass ich lächle. Nicht so ein kleines Schmunzeln, eher ein Ganzgesichtsgrinsen. Schön hier. Mit mir.

Warum mache ich das nicht öfter? Hm, schon klar, immer irgendwelche Themen im Kopf, keine Zeit. Abgelenkt durch die Ansprüche der Familie oder meiner eigenen im Familienkontext. Aber während ich so stapfe, denke ich. Ich denke einfach, was so an Gedanken kommt und das sind ganz persönliche, keine Gedanken, die zweckgebunden oder zielorientiert wären. Ich verbringe Zeit mit mir. Und eigentlich ist es auch ganz spannend, was ich mir so zu sagen habe! Erstaunlich.

Und auch die ganz großen Fragen kommen. Was ist Glück, wo komme ich her, wo gehe ich hin. Moment mal! Wohin gehe ich hier eigentlich?! Und wo bin ich überhaupt? Kein Mensch kann sich in einem drei Meter breiten Waldstück verlaufen!

Doch. img_4095

Zurück in der Zivilisation.

Die letzten Gartentomaten zu Sauce verkocht. Ich glaube, das ist auch das erste Mal, dass ich noch im November Freilandtomaten geerntet habe. Grün natürlich, die mussten zum Reifen auf einem Backblech unter den Schrank. Aber welch dekadenter Luxus! Im November Tomatensauce aus frischen Tomaten. War lecker.img_4105

Keller ausgemistet, weil wir ja umziehen. Nimmt kein Ende! Wem gehört denn das alles? Und warum?img_4058

Sonntags ist Besuchszeit im Vater-Kind-Kurheim.

Und so wurde erwartet, dass der junge Mann und ich einen Besuch abstatten im Bärtiger-Blondino-Kurheim. Ich persönlich hätte noch eine Woche ausgehalten (optimistische Prognose), aber der Mann schien sehr an Sehnsucht zu leiden und der Blondino guckte auch immer so komisch in die Handykamera beim abendlichen Skypen…

Und so fahren der Junge Mann und ich stundenlang in der Gegend herum, bis wir irgendwann im Gebirge ankommen.

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Wir spazieren. „Wenigstens ist heute schönes Wetter!“, sagt der Bärtige durch den Mundschlitz in seinem Polar-Outfit, während ich mir das Mitteltiefgrau am Himmel ansehe und ein eisiger Wind mir ungefragt in den Schlübber fährt (Wenigstens einer am heutigen Tag. Gelegenheit macht zwar Liebe, aber bei diesen Temperaturen braucht man auch eine beheizbare räumliche Gelegenheit. Und außerdem eine Kinderbetreuung! Ach, komm, vergiss es… ).

In stockdunkler Nacht (also kurz vor sechs) verabschieden wir uns und ich verspreche, wiederzukommen. Ist so schön… grau hier. Nächsten Sonntag? Ja, Schatz, na klar.
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Während ich nachtblind versuche, den Heimweg durch den finstren Wald zu finden, sinniere ich darüber nach, dass ich den heutigen Tag im Auto verbracht habe um Mann und Kind zu sehen. Und ob das verhältnismäßig ist. Sechs Stunden Fahrt für zwei feuchte Küsse und das Halten einer Lolli-verschmierten Kleinkindhand?

Ja!

Und so habe ich an diesem Sonntag etwas gemacht, das ich das letzte Mal vor mehr als zwanzig Jahren getan habe. Und auch damals sehr widerwillig. Ich bin alleine und mit voller Absicht auf eine Autobahn gefahren.

Es gibt Menschen, die meinen, in einem Fahrstuhl zu ersticken oder an plötzlichem Herzstillstand zu sterben, wenn sie von einer Spinne berührt werden. Ich habe Todesangst auf der Autobahn. Genaugenommen seit dem Unfall meines Vaters vor sechsundzwanzig Jahren und dabei tut auch gar nichts zur Sache, dass dieser auf einer Landstraße ums Leben kam. Angst ist niemals rational.

„Komm Mädchen, du hast den Schlüssel, das Lenkrad und die Kontrolle. Und neben dir deinen schlaksigen Sohn. Du bist erwachsen, verantwortlich und du kannst das! Links ein weißer Streifen, rechts ein weißer Streifen. Du fährst einfach stur in der Mitte durch. Kein Reifen wird platzen, kein LKW dich in die Leitplanke drängen. Heute wird niemand sterben.“

Was soll ich sagen, ich bin hier! Und schreibe das nieder. 🙂

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„… Alles kannst du, will´s die Liebe!“

 

 

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