Der Traum vom Vogel

Guten Morgen! Um die schwermütige Stimmung aufzulockern, die sich hier möglicherweise seit dem letzten Beitrag breitmacht, melde ich mich zurück mit schmutzigen Wahrheiten. Ja, auch verschwitzten.

Also die Heizung ist ausgefallen, Tag vier mittlerweile. Das macht auch Sinn! Wenn ich so eine Heizung wäre und streiken wöllte, nähme ich mir auch die ersten kühlen Tage des Jahres vor, an denen die Besitzer gern warme Füße hätten und ein Wannenbad am Abend. Wer braucht schon warmes Wasser während des deutschen Sommers?! Genau.

Jedenfalls schreibt mir die Vermieterin täglich, dass sie leider noch immer keine Rückmeldung vom Havariedienst habe. Was soll sie auch machen. Ich koche derweil Wasser auf zur Grundreinigung meiner exponierten Körperteile und überlege, bei wem ich mich heute zum Haarewaschen und Duchen einladen könnte.

Aber erst mal sitze ich hier, auf der Couch, das wusstet ihr ja nun bereits. So sieht das aus. Wenn meine Arme länger wären, könnte ich euch das auch in Gänze zeigen. Aber wer will das schon! Ungeduscht, in Socken, Schal und Gewänder gehüllt, pupse ich schamlos in meine Mollidecke, damit wir warm wird. Ihr habt genug Fantasie, ihr braucht kein Foto.

Und im Hintergrund singt Wiegald Boning: „Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke, denn sonst sag ich winkewinke und Good bye!“.

Letzte Nacht war hier was los! Pass auf:

Also, es ist kalt im großen Haus. Und leer, das wisst ihr ja bereits. Nun war es zusätzlich noch so, dass der Bubi bei seiner Freundin übernachtet hat und ich also komplett alleine war. Halt! Nicht ganz. Ich wohne nämlich in einem siamesischen Haus. Das heißt, unser Haus ist unterirdisch mit dem Nachbarhaus zusammengewachsen, ja-ha! Da gibts einen Gang durch die Kelleretage zum Lustwandeln. Das ist so gewollt und geschichtlich gewachsen. Warum, das tut hier nichts zur Sache. Außerdem gibt es noch eine „Panikwand“. Ich nenne die so, keine Ahnung, ob das der korrekte Begriff ist. Das ist auf dem Dachboden eine dünne Zwischenwand zum Dachboden der Nachbarn. Bedeutet, im Not- oder Brandfall oder während der Zombieapokalypse lässt sich diese Bretterwand von beiden Seiten leicht eindrücken und schwupps!, ist man im Nachbarhaus und hoffentlich in Sicherheit.

So, wir hätten also das Setting hinreichend beschrieben.

Gestern Abend dann hämmernde Geräusche, Schlurfen, es hallt durchs Haus. Die kleine Rike liegt im Bett, hält das Sudokuheft krampfhaft umklammert und lauscht. Schlurfen, Hämmern, Knallen, irgendwas ist umgefallen. „Hallo?! Hallo, ist da jemand?!“. Niemand antwortet, die kleine Rike in dem großen Bett in dem großen Haus denkt, der Havariedienst ist vielleicht gekommen. Abends um elf?! Hat man das schon mal gehört? Sie erwägt, ob es vielleicht sinnvoll wäre, direkt auf den Dachboden zu huschen und die Panikwand zu durchqueren, um bei Nachbars ruhigen Schlaf zu finden. Aber unsere Heldin ist mutig und tapst die Treppen nach unten, bekleidet in dicke Wollsocken, Schlüppi und eine Strickjacke. Was könnte als Waffe herhalten? Kein waffenähnlicher Gegenstand in Reichweite. Dann wird sie die Eindringlinge (es sind mehrere, da ist sie sich sicher) eben mit ihrem Anblick verscheuchen müssen. Noch während sie überlegt, dass es für die Dramaturgie eigentlich wichtig wäre, trüge sie einen ansehnlichen Morgenmantel und dass sie dringend einen anschaffen müsste, was gäbe sie denn für einen Anblick für die Mordkommission, wenn sie nicht nur nicht frisch geduscht („nicht nur nicht“, also zur Romancieuse wird dieses Frollein hier sicher nie umschulen), sondern auch noch unmöglich bekleidet oder eben unbekleidet gefunden würde und WANN würde man sie überhaupt finden! Und wer? Und ob sie dann schon stinken würde? Ab wann stinkt man denn? Ich muss das mal googlen, denkt sie sich, und dass der Morgenmantel cremefarben sein sollte, kein Lurexgarn! Also bitte, Lurex?!

Im Keller sieht alles so aus wie immer: Staubig, unaufgeräumt, unbemannt. Sie erwägt kurz, bei den Nachbarn zu klopfen um nach dem Rechten (und Linken; man sollte sich auch hier in der Formulierung politisch korrekt – heißt neutral – verhalten) zu sehen, entscheidet sich dann aber für den geordneten Rückzug in Richtung eigenes Schlafzimmer, nicht ohne während des Rückzuges jede Tür von innen zu verrammeln, zu verstellen, aus brandschutztechnischer Sicht völlig selbstgefährdend zu agieren. Egal, auch eine Heldin darf sich mal fürchten, alleine im großen, kalten Haus.

Sie fällt in einen unruhigen Schlaf und seltsame Träume.

Auf einmal steht sie in Pieschen auf der Markusstraße. Jürgen Vogel fährt langsam mit suchendem Blick an ihr vorbei, in einem alten Ford Fiesta (die Farbe ist ein blasses Flieder metallic). Jürgen Vogel hat seltsam große Ohren, die ihr noch nie im Kino aufgefallen sind und keinen maschinengeschorenen Kurzhaarschnitt, wie immer behauptet wird von der Lügenpresse und den Lügenmedien. Er hat dünnes langes Haar, das über dem Oberkopf nach hinten hängt in Richtung Nacken. Wenige, es sind sehr wenige Haare.

Jürgen will irgendwohin, scheint sich aber unsicher zu sein. Unsere Heldin fuchtelt herum, bis sie seine Aufmerksamkeit erregt („Erregt“, trifft hier eher auf unsere Heldin zu. Ich meine, Jürgen Vogel! J-Ü-R-G-E-N-V-O-G-E-L! Wie jeder weiß, verehrt sie diesen Schauspieler ob der Qualität seiner beruflichen Leistung und seines Sex Appeals. Und das stimmt. Und sie sind sich auch schon begegnet, nämlich bei der Preview von „Der freie Wille“ in der Dresdner Schauburg. Sie musste eher raus, weil der Babysitter angerufen hatte, damals, und Jürgen brüllte von unten von der Bühne hoch zu ihr in den Rang: „Hey! Warum gehst du schon?!“, und sie brüllte nonchalant zurück: „Weil ich muss!“, und er so: „Ach so! Na dann! Tschüss!“, und winkte grüßend zum Abschied. Seitdem behaupte sie gern, Jürgen und sie, also da wäre was, knickknack. Und natürlich würde sie post mortem in der Verfilmung ihrer Lebensgeschichte von Jürgen Vogel gespielt werden, Jürgen Vogel könne schließlich ALLES spielen. Und es gibt Menschen in ihrem Umfeld, die ihr mitteilen, dass sie soeben hinter Jürgen Vogel im Flieger von Köln nach Berlin gesessen hätten und dass Jürgen Vogel seine Schuhe ausgezogen hätte! Im Flieger! Aber das geht zu weit. Jedenfalls erkennt sie Jürgen Vogel auch mit übergroßen Ohren und seltsamer Frisur. Im blassfliedermetallicfarbenem Ford Fiesta. Er ist es! Zweifelsfrei).

Sie stellt sich ihm in den Weg und fragt, ob sie wohl helfen könne?! Jürgen erklärt, er wöllte zur Robert-Matzke-Straße, aber er habe sich verfranst (vielleicht hat er auch: „Verfahren!“, gesagt) und unsere Heldin erklärt lachend, in Pieschen mit dem Auto von A nach B zu fahren, sei unmöglich, sogar für Pieschener! Nahezu jede verf***te Straße sei wahlweise eine Sackgasse, eine Einbahnstraße, die in eine Sackgasse mündet oder eine Straße mit Sperrung in der Mitte, die man nur von der einen oder der anderen Seite befahren könne. Von welcher, das müsste man täglich neu probieren, da die willkürlichen Straßensperrungen nachts von Heinzelmännchen neu ausgewürfelt würden! Und er möge doch bitte sein Auto hier abstellen und dort um die Ecke laufen, da wäre dann die Robert-Matzke-Straße.

Als Dank erhält sie später am Tag ein braunes Päckchen mit der Post (oder Hermes?! Per Bote?!). Es enthält ein deutlich nach Pheromonen riechendes, also getragenes, Polyestershirt mit Kragen und Brusttasche. In der Brusttasche steckt der Reisepass von Jürgen Vogel. Hä?!

Sie nimmt Kontakt auf und will den Reisepass und das Stinkershirt zurückgeben. Jürgen steht vor ihrer Tür (die in der Markusstraße, also das alte Wohnhaus in Pieschen, wo sie früher gewohnt hat), nimmt das Shirt entgegen und – ZACK!- rechte Hand Flanschgriff an linke Titte!

BÄMM!

ALTER! Ich saß im Bett! WAR ICH WACH! Also so wach, wie man eben ist, wenn man auf einmal von Jürgen ohne Vorwarnung mitten in der Mitte angegegegegrapscht wird!

Und weil ich andauernd schräges Zeug träume und das aber meistens gleich wieder vergesse, bin ich durchs Haus geschlurft und habe überall das Licht gelöscht, das die ganze Nacht gebrannt hat (aus Sicherheitsgründen, ihr wisst ja nun Bescheid), die Zombiebarrieren entfernt und schreibe das nun zur dünngeistigen Unterhaltung des geneigten Publikums nieder. Und, weil ich nämlich nicht nur auf Jürgen stehe, sondern eine pathologische Affinität zu allerlei Vögeln pflege (Ha! Ich wusste es! Ich wusste, irgendwo bekomme ich noch „VÖGELN“ unter in diesem Text), muss ich euch was ganz, ganz schönes erzählen. Vom Specht nämlich, diesem hier. Der schrägste Vogel von allen! Aber das schreibe ich euch später, Vorspiel ist wichtig. Erst heiß machen und dann lauwarm abservieren, ihr wisst bescheid. Und wenn ihr nun denkt: „So viel Intro nur wegen einem einzigen komischen Vogel?“, dann habt ihr vollkommen recht! Das macht sie nur für einen ganz bestimmten komischen Vogel. ❤

Frau Nieselpriem, Herr Specht und eine Flasche Bier

Auf Wiederlesen! Und wenn ihr mal hinter Jürgen Vogel im Flieger gesessen habt und er sich die Schuhe ausgezogen hat, schreibt mir.

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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Märzwochenendenimpressionen

Dieses Wochenende begann wie jedes andere auch – an einem Freitag.

Der Aldi hat umgebaut und neu eröffnet. Morgens um neun eine Weißkappendichte, als gäbe es Klosterfrau Melissengeist umsonst. Eine Schlange beige-gewandteter Menschen verstopfte schon den Weg zu den Wagen. Ich checkte: Mit jedem Kassenbon berechtigte man sich als Kunde zum Ziehen eines Loses an der extra für diesen Tag installierten Aldi-Lotterie. Heißt, alle Ingeborgs und Lothars kauften jeden verdammten Artikel einzeln! Einen kleinen Quark in den Wagen tun, ab zur Kasse, ab an die Lotterieschlange, gratis Aldi-Beutel abgreifen und zack, wieder rein in den Markt! Jetzt ein Stück Butter rein in den Wagen… an der Kasse endlose Rentnerschlangen mit quasi leeren Wagen. Ich erinnerte vermutlich in meinem Auftreten an Jack Nicholson in „Wutprobe“.

Freitags im Topf: Asiatische Gemüsepfanne mit Tofu. Hat außer mir niemand gegessen. Iiiieh mit Reis, nein danke!

Hier zu kochen fetzt.

Ach so, das Highlight der Woche überhaupt war natürlich Jürgen!

Da Jürgen Vogel der einzige Vogel ist, dessen Vorname ich kenne, stand er namenstechnisch Pate für diesen Habicht. Das war ein Ding! Ein Habicht. Bei mir im Garten. Vogelfütterung galore, würde ich sagen.

Das Bauprojekt des Wochenendes ist eine Waschanlagenstadt (hier in einer frühen Phase zu sehen). Waschanlagen sind das Größte für das Kleinste! Also falls ihr euch fragt, für wen diese absurden Filmchen von Waschanlagen in Betrieb bei Youtube sind, tja nun, ich kenne die Zielgruppe.

Jeden Abend grüßt das Murmeltier, wenn es heißt: „Kind, Zeit ins Bett zu gehen!“. In meinem Arbeitszimmer versteckt sich kein Kind, oder?

Die Morgens-in-der-grauen-Dunkelheit-Fotos erspare ich euch, ist immer dasselbe. Irgendwann zwischen fünf und sechs stolpert eine graugesichtige Mutter mit Müdigkeitshintergrund zombie-esk zur Kaffeemaschine und das Fortpflänzchen klettert am Bücherregal hoch um das Tablet runterzufummeln… Medienerziehung geschenkt. Nicht vor Mutters erstem Kaffee!

Mit dem Blonden Eier fertig bemalt und aufgehängt. Ist doch bald Ostern, oder?

Und weil ja bald Ostern ist, muss ich mit dem Back-Chef Osterplätzchen backen. Backen, Kochen, der steht da total drauf. IiiiCH MACH DAS! 

Für mich ist das ja immer nur so semi-unterhaltsam. Zum Beispiel, wenn ich dem Jungen bunte Zuckerkügelchen gebe und sage, er möge doch bitte den Küken und Hasen damit ein Auge aufkleben. Was er verstanden hat: Mache jedem Osterei-Plätzchen drei Bauchnabel, schütte die restlichen Zuckerkügelchen komplett auf den Tisch und puste kräftig!

Wir sind am Sonntag bei Freunden eingeladen und der umsichtige Mann geht zum Floristen ein florales Gastgeschenk besorgen. Selbstverständlich ist er soweit sozialisiert, dass er nicht vergisst, mir einen armdicken Strauß Tulpen mitzubringen. Ich bin ein bisschen verliebt ❤ . Auch in den Mann.

Mahlzeit!

Die Köchin auf verlorenem Posten kocht am Samstag Spätzle mit Käsesoße und Schinkenwürfel. Der Blondino sagt: „Isch ess das nich!“, und der Bubi will nacksche Spätzle. Also bekommt das eine Kind Reis vom Vortag mit Würstchen und irgendwas drauf, das andere Kind nacksche Spätzle und nur der Angeheiratete isst brav seinen Teller leer. Das Genöle ist damit nicht vom Tisch (Ha!), nein, die nackschen Spätzle schmecken auch nicht und ob der Großsohn vielleicht doch das eklige Asia-Gemüse bekommen könnte vom Vortag? Oder haben wir Hühnchen im Haus?

Ich koche wirklich gern hier…

Um den blassen Kindergesichtern ein wenig Froströte auf die Wangen zu zaubern, zwingen wir Alten sie am Nachmittag kurz in den Waldpark. Eine(r) von uns hatte Spaß auf dem Spielplatz. Es ist die Frau im Hintergrund (ich meine, sie kurz lachen gehört zu haben; oder es war ihr Handyklingelton).

Abends offline-Spieleabend und der Mann ist dran mit Aussuchen. Er entscheidet sich für die Würfel und wir spielen Phase zehn und Kniffel. Ich gewinne kein einziges Spiel und muss daher sagen, es war ein langweiliger Abend! 

Sonntag Morgen schreibt die Freundin, die Nachmittagsverabredung müsse aufgrund von Kinderkrankheiten ausfallen und auch das blonde Rotznasenkind hat einen glasigen Blick. Ich stelle ihn erst mal an die Luft.

Der Seifenbläser sammelt jede Menge leere Schneckenhäuser aus dem Beet…

… und ich gucke mir Jürgens Futterstelle an. Zum Glück liegen nur noch ein paar Taubenfedern da und nichts Blutiges. Ich bin unsicher, ob ich in Zukunft regelmäßig und mit Vorsatz Habicht-Füttererin werden möchte. Ob ich den auf Räuchertofu umpolen kann, den Jürgen?

Unsere Eisbilder haben ihre besten Tage auch hinter sich.

Los, rein, ist kalt hier draußen! Außerdem muss ich an den Herd!

Da dachte ich heute, ich bin schlau. Hat der Eine gestern nicht irgendwas von Hühnchen geschwafelt und isst der Andere nicht am allerliebsten Bommies? Genau. Heute werde ich Lobeshymnen einfahren!

Nicht im Bild Bohnen und Buttermöhrchen, die ich selbstverständlich nur dem Mann und mir aufgehäufelt habe.

Beim Essen dann fangen der Bärtige und der Großsohn einen Streit an über die Mediennutzungszeit des letzteren. Ich bin total genervt. Generell finde ich, einem Jugendlichen vier Monate vor seinem achtzehnten Geburtstag rigide Regeln aufzudrücken, bescheuert, und prinzipiell erbose ich mich, wenn beim Essen gezankt wird! Ich melde mich zu Wort mit einem Gesprächsbeitrag, der irgendwie beinhaltet, dass das einzige Gesprächsthema beim Essen das Essen selbst sein sollte und der Großsohn erwidert, ich solle mich da raushalten! Und der Mann bekräftigt das. Außerdem äße er sowieso lieber die Hähnchen vom Hähnchenbratwagen, die seien nicht so trocken wie meine…

Erwähnte ich schon, dass ich ich sehr gern koche für meine Familie?

Um das Thema zu wechseln und weil die Sonne so schön scheint, kommen jetzt drei Bilder mit Frühjahrsdekohintergrund. Ist ja auch bald Ostern, oder?

Dann wird klar, wir entern die nächste Stufe im Infektroulette und den Rest des Sonntags verbringt die Hustinette mit dem glasigen Blick vor dem Inhalator oder dem Tablet.

Ich melde das Kind im Kindergarten ab und morgen wird meine liebe Gretel vormittags die Flitzpiepe hüten, damit ich meinen Arzttermin wahrnehmen kann (Dann bekommt zumindest die Gastgeschenkspflanze, die nicht überreicht werden konnte, eine neue Adressatin). Und der Soundtrack für die nächste Woche wird gesungen von Phil Collins (ihr kennt den Hit alle):

„It´s just another day for you and me and Pariboy, Pariboy. Pariboy!“

 

Mehr Wochenendbilder gibts wie immer bei Susanne.

„Schatz, ich hatte einen Unfall!“

Leute, ich sag euch. Ich erlebe Sachen! Gestern zum Beispiel.

Ein riesiger, leerer Dehner-Parkplatz, wie das so üblich ist dreißig Minuten nach Feierabend. Doch halt! Es gibt Leute, die wider besseren Wissens versuchen, nach neunzehn Uhr Nutzpflanzen zu erwerben.

Ich stelle also das KFZ auf dem menschenleeren Parkplatz ab und versuche danach, durch rhythmisches Vor- und Zurücklaufen der automatischen Tür des Gartenmarktes begreiflich zu machen, dass ich um Einlass bitte. Ein asiatisches Couple nähert sich und scheint zu überlegen, ob es sich lohnt, die Nikon rauszuholen („Das ist ein Pflanzengeschäft und hier vorn seht ihr eine Eingeborene bei der Aufführung eines Regentanzes!“).

Ich verziehe mich, starte den Stadtpanzer, setze elegant zurück in Richtung untergehender Sonne und RUMMMMMS! Es knallt. Auf dem leeren Parkplatz.

Ich war dann doch lieber mal nachsehen. Irgendjemand (die Asiaten kamen bleichgesichtig vor Schreck angerannt) hatte mit mutwilliger Absicht einen winzigen, nahezu unsichtbaren Audi A4 in der Farbe von gleißendem Sonnenlicht direkt in die Parkbuchse hinter mich gestellt. Der war einfach nicht zu verfehlen…

Die Asiaten mussten erst mal alles fotografieren, während ich mich souverän der Klärung des unsäglichen Sachverhalts widmete: „Do you know what to do in a case like this?“, piepste ich unsicher.

(Alles muss man selber machen! Dabei habe ich ja überhaupt keine Erfahrung mit Verkehrsunfällen. Also, ich bin schon als Täter aktenkundig, aber ich beschädige eigentlich nur parkende Autos. Oder ich öffne seelenruhig die Fahrertür um auszusteigen und eine beigegewandete Omi mit völlig überladenem Rad kann nicht ausweichen und fährt mir in die Tür. Und ich bin dann schuld! Sowas eben. Da kommt dann die Polizei und macht Theater. Ach, ja… die Polizei!)

„I think, we should call the police. Do you have an insurance paper like this?”, erkläre ich und wedel mit dem grünen Zettel, den ich zwischen drei Dutzend Handbüchern zum Thema Auto aus dem Handschuhfach gezogen habe.

„ No! No police. Follow! Follow!“. Und – Schwupps!- ist mein insurance paper auf einmal in asiatischer Hand, die springen in ihren winzigen Audi A4. „Follow! Follow!“. Ich followe also einem Auto mit zwei Anderssprachigen, die im Besitz meines Versicherungsscheines sind zu einem unbekannten Ziel. Was hätte ich auch anderes tun sollen!

Unterwegs ruft dann der Bärtige zurück und ich kläre ihn darüber auf, dass ich einen Unfall gehabt hätte. „Sage mir nicht, dass das schon wieder deine Schuld war!“, erbost er sich, und ich sage es ihm nicht. Ich frage mich (und ihn) lediglich, was so schwierig daran ist, den Satz: „Schatz, ich hatte einen Unfall!“, von dem Satz: „Schatz, so ein blöder Arsch ist mir in die Karre geknallt!“, zu unterscheiden. Die Asiaten versuchen inzwischen, die Einfahrt vom Audi-Zentrum zu entern. Während ich noch aussteige, besprechen mich die Asiaten fuchtelnd. Ich kann nicht verstehen was sie sagen und hoffe nur, dass es nicht kultureller Brauch ist, dass ich ihnen jetzt einen Neuwagen spendiere. „Excuse me, wait a minute. There is my raging husband on the cellular Dingsbums. Nein, Schatz, ich bin nicht irre! Die hatten das insurance paper. Was weiß denn ich, warum die no police wollten! Vielleicht schmuggeln die Frühlingsrollen im großen Stil. Was bitte hätte ich denn machen sollen?! Ja, Schatz, ich bin jetzt bei Audi. Keine Ahnung, warum. Nein, Schatz, bitte komm nicht her. Bitte! Ja, Schatz, ich kaufe den Rest des Jahres die Schlübbor für die Kinder bei Primark. Wie, keine Dekokäufe mehr? Du, ich muss Schluss machen, da kommt der Herr Audi.“.

Die Leute bei Audi freuten sich auch sehr. Zehn vor acht träumen die doch von so einer spannenden Abwechslung wie der Aufnahme eines Unfallberichts. Vollkommen entgeistert starrten die mich an und fragten, was zur Hölle sie jetzt hier machen sollten?! Ich konnte nur wahrheitsgemäß erwidern, dass mir nach Entwendung des Versicherungsscheines gar nichts anderes übrig blieb, als der Spur des Scheines und den Asiaten hierher zu folgen. Der Audi-Mann fragte die Asiaten, warum sie nicht die Polizei gerufen hätten. „It´s because she looked so honest.“ (zeigt auf mich). Ist das zu fassen? Da hat man einmal im Leben einen schwachen Tag und guckt ein kleines bisschen honest und schon steckt man mittendrin in einer „Follow“ Follow!“- Verfollowungsjagd.

Die bei Audi haben dann den Unfallbericht ausgefüllt und den Schaden begutachtet („Ist nichts weiter! Nur der Schweller/ Stoßfänger/ irgendwas. Kostet circa…“, und nennt eine vierstellige Zahl, die mich spontan der Tränenblindheit anheimfallen lässt.).

Unfallbericht: Deutsche Frau plus asiatischer Kleinwagen und zwei Asiaten plus deutscher Kleinstwagen – peng!

Warum ich das jetzt erzähle ist sonnenklar. Ich will die Filmrechte vermarkten, weil ich Geld brauche. Jürgen Vogel sollte mich spielen. Oder vielleicht doch lieber Moritz Bleibtreu, der guckt schon von Haus aus so honest. Dann kann Jürgen Vogel mein Auto spielen oder den Audi-Mann. Und die beiden Asiaten. Ich sehe eine witzig-spritzige Komödie vor mir. Eine Leiche im Kofferraum (gespielt von Jürgen Vogel) kann man ja noch einbauen!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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