Märzwochenendenimpressionen

Dieses Wochenende begann wie jedes andere auch – an einem Freitag.

Der Aldi hat umgebaut und neu eröffnet. Morgens um neun eine Weißkappendichte, als gäbe es Klosterfrau Melissengeist umsonst. Eine Schlange beige-gewandteter Menschen verstopfte schon den Weg zu den Wagen. Ich checkte: Mit jedem Kassenbon berechtigte man sich als Kunde zum Ziehen eines Loses an der extra für diesen Tag installierten Aldi-Lotterie. Heißt, alle Ingeborgs und Lothars kauften jeden verdammten Artikel einzeln! Einen kleinen Quark in den Wagen tun, ab zur Kasse, ab an die Lotterieschlange, gratis Aldi-Beutel abgreifen und zack, wieder rein in den Markt! Jetzt ein Stück Butter rein in den Wagen… an der Kasse endlose Rentnerschlangen mit quasi leeren Wagen. Ich erinnerte vermutlich in meinem Auftreten an Jack Nicholson in „Wutprobe“.

Freitags im Topf: Asiatische Gemüsepfanne mit Tofu. Hat außer mir niemand gegessen. Iiiieh mit Reis, nein danke!

Hier zu kochen fetzt.

Ach so, das Highlight der Woche überhaupt war natürlich Jürgen!

Da Jürgen Vogel der einzige Vogel ist, dessen Vorname ich kenne, stand er namenstechnisch Pate für diesen Habicht. Das war ein Ding! Ein Habicht. Bei mir im Garten. Vogelfütterung galore, würde ich sagen.

Das Bauprojekt des Wochenendes ist eine Waschanlagenstadt (hier in einer frühen Phase zu sehen). Waschanlagen sind das Größte für das Kleinste! Also falls ihr euch fragt, für wen diese absurden Filmchen von Waschanlagen in Betrieb bei Youtube sind, tja nun, ich kenne die Zielgruppe.

Jeden Abend grüßt das Murmeltier, wenn es heißt: „Kind, Zeit ins Bett zu gehen!“. In meinem Arbeitszimmer versteckt sich kein Kind, oder?

Die Morgens-in-der-grauen-Dunkelheit-Fotos erspare ich euch, ist immer dasselbe. Irgendwann zwischen fünf und sechs stolpert eine graugesichtige Mutter mit Müdigkeitshintergrund zombie-esk zur Kaffeemaschine und das Fortpflänzchen klettert am Bücherregal hoch um das Tablet runterzufummeln… Medienerziehung geschenkt. Nicht vor Mutters erstem Kaffee!

Mit dem Blonden Eier fertig bemalt und aufgehängt. Ist doch bald Ostern, oder?

Und weil ja bald Ostern ist, muss ich mit dem Back-Chef Osterplätzchen backen. Backen, Kochen, der steht da total drauf. IiiiCH MACH DAS! 

Für mich ist das ja immer nur so semi-unterhaltsam. Zum Beispiel, wenn ich dem Jungen bunte Zuckerkügelchen gebe und sage, er möge doch bitte den Küken und Hasen damit ein Auge aufkleben. Was er verstanden hat: Mache jedem Osterei-Plätzchen drei Bauchnabel, schütte die restlichen Zuckerkügelchen komplett auf den Tisch und puste kräftig!

Wir sind am Sonntag bei Freunden eingeladen und der umsichtige Mann geht zum Floristen ein florales Gastgeschenk besorgen. Selbstverständlich ist er soweit sozialisiert, dass er nicht vergisst, mir einen armdicken Strauß Tulpen mitzubringen. Ich bin ein bisschen verliebt ❤ . Auch in den Mann.

Mahlzeit!

Die Köchin auf verlorenem Posten kocht am Samstag Spätzle mit Käsesoße und Schinkenwürfel. Der Blondino sagt: „Isch ess das nich!“, und der Bubi will nacksche Spätzle. Also bekommt das eine Kind Reis vom Vortag mit Würstchen und irgendwas drauf, das andere Kind nacksche Spätzle und nur der Angeheiratete isst brav seinen Teller leer. Das Genöle ist damit nicht vom Tisch (Ha!), nein, die nackschen Spätzle schmecken auch nicht und ob der Großsohn vielleicht doch das eklige Asia-Gemüse bekommen könnte vom Vortag? Oder haben wir Hühnchen im Haus?

Ich koche wirklich gern hier…

Um den blassen Kindergesichtern ein wenig Froströte auf die Wangen zu zaubern, zwingen wir Alten sie am Nachmittag kurz in den Waldpark. Eine(r) von uns hatte Spaß auf dem Spielplatz. Es ist die Frau im Hintergrund (ich meine, sie kurz lachen gehört zu haben; oder es war ihr Handyklingelton).

Abends offline-Spieleabend und der Mann ist dran mit Aussuchen. Er entscheidet sich für die Würfel und wir spielen Phase zehn und Kniffel. Ich gewinne kein einziges Spiel und muss daher sagen, es war ein langweiliger Abend! 

Sonntag Morgen schreibt die Freundin, die Nachmittagsverabredung müsse aufgrund von Kinderkrankheiten ausfallen und auch das blonde Rotznasenkind hat einen glasigen Blick. Ich stelle ihn erst mal an die Luft.

Der Seifenbläser sammelt jede Menge leere Schneckenhäuser aus dem Beet…

… und ich gucke mir Jürgens Futterstelle an. Zum Glück liegen nur noch ein paar Taubenfedern da und nichts Blutiges. Ich bin unsicher, ob ich in Zukunft regelmäßig und mit Vorsatz Habicht-Füttererin werden möchte. Ob ich den auf Räuchertofu umpolen kann, den Jürgen?

Unsere Eisbilder haben ihre besten Tage auch hinter sich.

Los, rein, ist kalt hier draußen! Außerdem muss ich an den Herd!

Da dachte ich heute, ich bin schlau. Hat der Eine gestern nicht irgendwas von Hühnchen geschwafelt und isst der Andere nicht am allerliebsten Bommies? Genau. Heute werde ich Lobeshymnen einfahren!

Nicht im Bild Bohnen und Buttermöhrchen, die ich selbstverständlich nur dem Mann und mir aufgehäufelt habe.

Beim Essen dann fangen der Bärtige und der Großsohn einen Streit an über die Mediennutzungszeit des letzteren. Ich bin total genervt. Generell finde ich, einem Jugendlichen vier Monate vor seinem achtzehnten Geburtstag rigide Regeln aufzudrücken, bescheuert, und prinzipiell erbose ich mich, wenn beim Essen gezankt wird! Ich melde mich zu Wort mit einem Gesprächsbeitrag, der irgendwie beinhaltet, dass das einzige Gesprächsthema beim Essen das Essen selbst sein sollte und der Großsohn erwidert, ich solle mich da raushalten! Und der Mann bekräftigt das. Außerdem äße er sowieso lieber die Hähnchen vom Hähnchenbratwagen, die seien nicht so trocken wie meine…

Erwähnte ich schon, dass ich ich sehr gern koche für meine Familie?

Um das Thema zu wechseln und weil die Sonne so schön scheint, kommen jetzt drei Bilder mit Frühjahrsdekohintergrund. Ist ja auch bald Ostern, oder?

Dann wird klar, wir entern die nächste Stufe im Infektroulette und den Rest des Sonntags verbringt die Hustinette mit dem glasigen Blick vor dem Inhalator oder dem Tablet.

Ich melde das Kind im Kindergarten ab und morgen wird meine liebe Gretel vormittags die Flitzpiepe hüten, damit ich meinen Arzttermin wahrnehmen kann (Dann bekommt zumindest die Gastgeschenkspflanze, die nicht überreicht werden konnte, eine neue Adressatin). Und der Soundtrack für die nächste Woche wird gesungen von Phil Collins (ihr kennt den Hit alle):

„It´s just another day for you and me and Pariboy, Pariboy. Pariboy!“

 

Mehr Wochenendbilder gibts wie immer bei Susanne.

Gurkenwasser

„Infused water“ ist ja kein neuer Scheiß. Nein, der Scheiß ist schon ein paar Jährchen alt, aber er hinterlässt mich noch immer „confused“.

Immer, wenn ich bei Menschen in meinem Umfeld irgendwelche albernen Wasserkaraffen in der Optik von Urinalen – oder neuerdings schweineteure Glasflaschen für to go (Kein Plastik! Plastik ist böse!) sehe, die mit umherschwirrenden botanischen Partikeln gefüllt sind, denke ich: Hä?

Also es fängt schon mit Leitungswasser an. Ich meine, Leitungswasser! Ja, ich weiß, die Qualität und so und Wasser in Flaschen, die Umwelt, die Transportwege und Nestlé… Ja, weiß ich! Verstanden! Aber jetzt mal im Ernst, da schneide ich mein ganzes Kinderleben abgegriffene Werbebildchen von Coca Cola aus und lechze nach Limonade, die nicht schmeckt wie aus dem Chemielabor in Leuna, dann ist das endlich alles zum Greifen nah und jetzt soll ich Wasser aus´m Hahn trinken?! Wott? Bei euch piepts wohl.

Mir wurde mal Edelsteinwasser angeboten. Da stand dann also eine Glaskaraffe (die wie immer aussah wie ein Urinal für Männerpinkulatur), in der Kieselsteine auf dem Boden lagen, die exakt genauso aussahen wie die, die die Hundekackwiese umgeben in Dresden Pieschen auf dem Leisniger Platz!

Edelsteinwasser. Man kann im Internet seines Vertrauens nachlesen, wie superspitze das wirkt und wie man das herstellen kann. Und Frau auch. Und sogar fertig bestellen kann man das! Leitungswasser „aromatisiert“ mit Steinen. Seid ihr alle irre? Wollt ihr mich verkackeiern? Verhohnepiepeln?

Das „confused water“ ist schon längst aus der Eso-Ecke in die Mainstream-Handtaschen und Hipster-Turnbeutel gewandert. Und in jedem Jahr wird eine neue Wasser-Sau durchs Multimedia-Dorf getrieben: Himbeerwasser, Zitronenwasser, Gurkenwasser. Ach, Melonenwasser (mit und ohne Melisse) nicht zu vergessen!

Mein einziger Beitrag dazu je war das Foto eines Wasserglases, in welchem ich Backpflaumen als Abführtrunk eingeweicht hatte. Kam jetzt nicht so an, mein infused water. Offensichtlich ist diesen schönen Menschen im Internet auch die Optik wichtig, nicht nur die Wirkung. Denn, ohne Zweifel, hatte mein infused water eine Wirkung!

Gut, so viel zur Einführung. Meine Meinung ist jetzt hinlänglich bekannt: Infused waters im Hause Nieselpriem sind Bier und Kaffee. Und wenn der Onkel Doktor früher fragte, ob ich denn auch genügend trinken würde, sagte ich stets: „Drei Liter pro Tag sind kein Problem. Zwei Liter Kaffee, ein Liter Bier!“.

Jetzt aber werde ich wunderlich. Ich trinke kein Bier mehr und der Doktor sagt, ich darf nicht mehr so viel Kaffee trinken. Weil ich sei anämisch und Kaffee behindere die Eisenresorption. Was ich verstanden habe: Eine Kuchenmahlzeit durch Burger ersetzen. Wegen dem Eisen im Rindfleisch. Was er gesagt hat: Kaffee ist böse. Mehr Wasser trinken! Ohne Kohlensäure! Aus dem Hahn! Vielleicht probieren sie mal Gurkenwasser?

Gurkenwasser. Ich habe das gegoogelt. Und nun denke ich, das Internet will mich wirklich komplett rollen!

Pass auf, jetzt kommts: Durch das Trinken von Gurkenwasser kann man das Risiko einer Herzkrankheit vermindern und seinen hohen Blutdruck senken. Gurkenwasser hilft gegen Osteoporose und beugt Augenkrankheiten, Diabetes und Alzheimer vor und verlangsamt den Alterungsprozess. Gurkenwasser entgiftet, hilft beim Abnehmen und sorgt für den Weltfrieden. Letzteres habe ich mir ausgedacht, den Rest Redakteure von Gesundheitsressorts diverser Onlinemagazine. Ihr könnt das nachlesen, wenn ihr mit Lachen fertig seid.

Aber warte mal. Hilft beim Abnehmen, verlangsamt den Alterungsprozess…

Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, ob es auch wirkt, wenn die Gurke gehobelt wird oder nur, wenn sie in Scheibchen dem Wasser zugeführt wird.

Nun sitze ich hier und schreibe diese Zeilen unter Einwirkung des dritten Aufgusses meines Gurkenwasserurinals. Und ich erwäge, Gurkenwasser auf Zuckerwürfel zu träufeln und dann – Hexhex! –  mache ich Gurkenwasserglobuli und die können dann alles! Alles können die! Vielleicht mache ich noch drei bis vier Kiesel mit dran an die Ur-Suppe, das wird dann ein Mega Verkaufsschlager auf allen Eso-Messen und in diesem Internet, von dem hier immer alle reden.

Und ich überlege: Wie wirkt dann erst Gurkensalat? Mit so richtig viel Gurke (dieser Tausendsassa) mit Salz, Pfeffer, Zucker, Dill, Essig und Öl? Und noch ´nem Klecks Schmand obendrauf gegen (!) das Abnehmen. Und dazu ein fetter Burger vom Grill. Wegen dem Eisen. Als Getränk empfehle ich „Hopfen infused water“.

Wohl bekomms und gute Besserung!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Dann lade mich doch gern auf einen Kaffee ein als Dankeschön, mit oder ohne Torte! Vielen Dank. 🙂

€2,00

 

Wochenendbilder reloaded

Im Moment bin ich eher Bilderbuch-Blogger denn Geschichtenerzähler. Das liegt daran, dass ich lange krank war und auch noch immer nicht so richtig auf dem Posten bin, wie man so schön sagt. Ich habe monatelang keinen einzigen eloquenten Gedanken denken, geschweige denn schreiben können und das hat sich entsetzlich angefühlt. Ich habe lange Zeit befürchtet, es kommt nie zurück. Der Gedanke, das Talent oder vielmehr die Möglichkeit zu verlieren, die eigenen Gefühle durch geschriebene Worte zu sortieren, zu konservieren, das hat mich bodenlos erschüttert. Ich dachte, ich würde niemals wieder etwas derart Lustiges schreiben können wie das hier, oder etwas Anrührendes wie den Text hier. Ich würde in Zukunft Einkaufszettel schreiben und Entschuldigungen für Fehlstunden, Ende Gelände. Und die Zukunft, von der wir hier reden, würde eine sehr kurze sein.

So war das. Und ja, wir reden hier über Depressionen.

Those days are gone. Ich sehe mittlerweile das Licht am Ende des Tunnels deutlich und auch die Worte kehren zurück. Zum Glück! Noch immer zünde ich jeden Morgen innerlich eine Duftkerze („Sinnlig Vanilla“, was sonst) für die heilige Eloquenzia, Inkontinenzia oder wen auch immer an. Es geht vorbei! Die schwarze Scheiße verzieht sich! Halleluja, endlich.

Und da meine Behandler allesamt der Meinung sind, über das Schreiben käme ich zurück zu alter Form und Größe (eine junge Form wäre mir persönlich zwar lieber, aber das ist wohl nicht verhandelbar) und dieses Fotodokumentationsdingens sei eine gute Achtsamkeitsübung, knipse ich also aus Therapiegründen weiter meine Wochenenden. Und ihr müsst da jetzt durch!

Geht los.

Schwarz zu grau. Frühmorgens immer dieselben Protagonisten: Der Blondino und das Tablet, die Mutter und ihr Kaffeepott (letzteren beiden nicht im Bild)

Der frühe Vogel von Blasewitz, das isser.

Wir schlendern zum Schillerplatz, die Straßen sind noch leer. Und ja, ich habe die Plagenkarre mitgenommen. Ich brauche was zum Festhalten und das Kind und ich haben einen Deal: Er darf so lange dort drin sitzen, wie er reinpasst, danach wechseln wir. Er hat eingeschlagen.

Auf dem „Schilli“ ist Wochenendmarkt. 

Im Schillergarten wird Samstags Fisch verkauft und sogar vorort frisch geräuchert.

Wir bekommen geräucherten Karpfen zum Probieren geschenkt!

 

Wir sind kurz vor neune tatsächlich die einzigen Leute dort, selbst auf dem Spielplatz. Wo sind denn alle? Wir sind schon seit über drei Stunden wach!

Wir gehen zum Elbestrand und teilen unsere auf dem Markt gekauften Streuselschnecken mit dem Gevögel.

An der Elbe entlang laufen wir wieder heimwärts. Unterm Blauen Wunder hat jemand einen Sinnspruch für die reichen Bürger von Blasewitz hinterlassen.

 

Auch wenn das Wetter grau ist und die Sicht verhangen, mag ich die Weite und die Elbhänge, von dieser Seite aus betrachtet, sehr.

Zu Hause stricken. Aus den Resten der Sockenwolle soll ein Hustenleibchen entstehen, ich habe noch keine Ahnung, wie´sgeht. Ich mach erst mal, also so wie sonst auch im Leben…

Auf dem Teller Nudeln mit tonnenweise Knoblauch und außerdem etwas Spinat und etwas Fisch. Das mit dem Knoblauch ist auch im übrigen das ganze Geheimnis, wie ich es schaffe, meinen jungschen attraktiven Kerl zu halten: Ich schmeiße einfach soviel Knoblauch an jedes Essen, dass der Gestank, der von meinem Kerl ausgeht, einfach jeder jugendlichen Bewerberin um meinen Posten die Tränen in die Augen und sie zum Rückzug treibt. Das ist schon alles!

Nachmittags joggen. In Wahrheit schlurfe ich schnaufend drei Mini-Runden um den Tennisplatz im Waldpark und bin dabei so schnell, dass ihr problemlos neben mir spazieren gehen könntet. Ich dachte, wenn ich mit dem Rauchen aufhören würde, dann würde ich abgehen wie Speedy Gonzalez! Nichts. Ich rauche seit vier Monaten nicht mehr und außer fünf Kilo mehr auf Rippen und Hüfte – Nix! Danke auch.

Weil das eh alles nichts bringt und außer mir sich hier alle dem Kuchen verweigern, esse ich alles alleine auf!

Samstag Abend wie stets und immer offline Spieleabend. Ich bin dran mit Aussuchen, also Skat! Ich verliere haushoch, gewinne aber zwischendrin ein Grand ohne Vieren und feier mich übelst ab deswegen.

Der Bubi will auch mal auf den Blog. Also bitte schön: Das ist er, der Großsohn!

Sonntag Morgen sind wir zum Brunch in Altkö eingeladen.

Das Blondchen langweilt sich im Keller sehr und schält alle achtzehn Eier vom Frühstücksbuffet. Einer der Freunde meinte, das fände er nicht so dolle, immerhin seien das ja Lebensmittel! Der Bärtige so: „Alles klar, du willst dich also mit dem beschäftigen? Super!“. Darauf holte der Freund dann noch mehr Eier…

Am Nachmittag: Der Mann geht zum, Squash mit anschließendem Biertrinken (oder, wie ich es formuliere: Zum Biertrinken mit Sport-Alibi) und das Kind und ich backen Knet-Plätzchen.

Meine Aufgabe ist der Bau eines Plätzchenofens.

Abnahme erteilt, der Ofen funktioniert!

Das Kind und ich hängen Eier an den Ganzjahresstrauß…

… und freuen uns über den Betonhasen, den unsere Freundin Fika in einem Fruchtzwergebecher gegossen hat.

Später beim Wäschemachen – das Kind ist im Bett und das Großkind hinter den Terminals verschanzt –

…fällt mir die Bernsteinkette des Kleinsten in die Hand. Er hat sie vor einigen Tagen abgenommen und behauptet, er sei jetzt „zu groß“ dafür.

In mir wollte etwas reißen. Was soll das heißen, „zu groß“?! Noch zweimal zwinkern, dann steht der womöglich mit einem Mädchen vor mir und sagt: „Das hier ist Alma Hiltrud Cassiopeia und wir ziehen zusammen! Weißte Bescheid Mutter, ich hol nur mal eben kurz meine Sachen…“.

Atmen, Mutti.

Dann denke ich mir. ach weißte, wenn der die dann auch als Blödpopel beschimpft so wie mich und jedesmal, wenn ihm die Argumente ausgehen „DANN GEH DOCH SCHON ZU NETTO!“ brüllt wie im Moment, dann bringt mir den Alma Hiltrud Cassiopeia beizeiten zurück!

 

 

Mehr Bilder vom letzten Wochenende gibts wie immer bei Susanne. Eine schöne Woche euch, ihr Lieben, und bis bald!

 

Fasching 2018

Büchsenhochstapelei

Der Mitmach-Beitrag für den Kindergarten war in diesem Jahr ein Dosenwurfspiel.

Ich habe die Dosen lackiert um danach keine Ahnung mehr zu haben, wie nun weiter…

Zum Glück stolperte ich im Baumarkt über Isolierband für Elektriker*, was sich nicht nur mit knapp sechs Euro im Vergleich zu Acryfarbe als kostengünstige sondern auch später in der Verarbeitung als sehr praktische Lösung erwies. Das Faschingskind konnte mithelfen beim Bekleben und rückwirkend hätte ich mir sogar die Grundierung mit Acryllack sparen können. Dieses Tape kommt jetzt öfter zum Einsatz. Guckt mal hier, was man damit alles machen kann!

Faschingskrapfen

Der Beitrag fürs Kindergartenbüfett hat mich gestern Abend echt Nerven gekostet! Eingeschrieben hatte ich mich für „Pfannkuchen“, die in Sachsen das sind, was anderswo als Berliner bekannt ist (Und das, was andere als Pfannkuchen kennen, heißt in Sachsen Eierkuchen oder Plinsen… zugegeben, es ist wirklich ein wenig kompliziert! Zur Aufklärung kann man auch noch mal hier beim Nieselpriemchen des Vertrauens nachlesen.)

Ausgesucht hatte ich mir ein Kinderrezept aus dem aktuellen Heft „Meine Familie & ich“. Pfannkuchen aus dem Ofen, die sogar Kinder backen können? Dann kann ich das auch!

Nachdem ich erfolglos versucht habe, aus den angegebenen Zutaten gemäß der Anleitung einen „glatten Teig“ zu kneten und einen kleinen Tobsuchtsanfall wegen dem *piep* Teig und dem verdammten *piep* Rezept hatte,  habe ich versucht die Chose zu retten, indem ich zwei Eigelb und einen halben Liter warme Milch dazugeschüttet habe. Es wurde dann noch immer kein „glatter Teig“, aber immerhin ein Teig!

Da mir für einen zweiten Versuch die Zutaten fehlten, lavierte und improvisierte ich tapfer weiter.

Gefüllt habe ich die knochentrockenen *piep* Teigsteine mit Hinbeermarmelade, indem ich eine dünne Tortenfüllspitze durch einen Gefrierbeutel gepiekst habe und im Anschluss diesen mit der Marmelade gefüllt. Und dann das Schönste: Damit beherzt wie eine medizinische Fachangestellte im Akkord zweiunddreißig Teig-Patienten eine blutrote Himbeerinjektion verpasst! Hat auch keiner geweint.

Da ich geschmacklich mit dem Gelumpe keinen Preis würde gewinnen können, musste die Optik wenigstens stimmen. Aus Blutorangensaft und Puderzucker einen Guss obendrüber und…

… Zuckerkügelchen!

Zu meiner grenzenlosen Überraschung ergab der Geschmackstest, dass die „Pfannkuchen“ von der Konsistenz zwar eher ein Zwischending zwischen Milchbrötchen und Semmeln sind, aber durchaus schmecken!

Die Klamotte

Das Faschingsmotto in diesem Jahr war „Wild Wild West“, aber das Faschingskind erklärte, er wäre ein feuerspeiender Drache und damit fertig. So!

Also gut. Mithilfe meiner phantasiebegabten Bloggerfreundin Anja zerschnitt ich beherzt ein grünes Spannbettlaken und ein altes gelbes T-Shirt. Für die Drachenzunge musste ein Stück Weihnachtsmannbeutelstoff dran glauben. Als Schnittmuster sind Kapuzenhoodie und Pants aus dem Klimperklein- Buch *zum Einsatz gekommen, wobei die Kapuze ordentlich gepimpt wurde, wie es sich für einen furchteinflößenden Drachen geziemt!

Et voila! 

Das ist Anja. Danke Anja! ❤

Weil heute Dienstag ist, verlinke ich den ganzen Bastelbeitrag gern unter Creadienstag. Wer auf der Suche nach krativer Befruchtung ist, wird dort sicher fündig!

 

 

 

Werbung/Partnerlinks Die mit (*) deklarierten Produkte führen zu Amazon Partnerlinks und somit enthält dieser Beitrag Produktwerbung. Aber keine Angst, der tut dir nix, der Link! 🙂 Wenn Du über einen dieser Links etwas bei Amazon kaufst, erhalte ich dafür eine Provision. Für dich ist das nicht mit Mehrkosten oder Mehraufwand verbunden. Wenn ich dann irgendwann davon reich geworden bin oder wenigstens die Kosten für das Hosting dieses Blogs (99€/ Jahr) gedeckt sind, lade ich euch alle von dem Rest zu Torte und Spumante nach Blasewitz ein *schwör

Das Eminem-Baby

Triggerwarnung: Nachfolgende Zeilen enthalten Schimpfworte der schlimmsten Coleur. Dies könnte empfindliche Personen irritieren oder verschrecken und in der Konsequenz gegebenenfalls Übersprungshandlungen wie zum Beispiel das-Jugendamt-anrufen zur Folge haben. Das wollen wir doch nicht, na-hein! Deshalb möchte die Autorin (ich) sich an der Stelle darauf berufen, dass es sich hier möglicherweise höchstwahrscheinlich um rein fiktive (*hust*), quasi schlichtweg erfundene Begebenheiten handeln wird, und total langweilig sind die außerdem. Ach, wissense was, klicken sie lieber gleich ganz woanders hin! Bitte gehen sie vorsichtshalber weiter, es gibt hier wirklich nichts zu sehen!

~

Zu Beginn müssen wir den Baby-Begriff etwas weiter fassen. Das hier beschriebene Baby ist vier Jahre, vier Monate und neun Tage alt und somit genaugenommen kein Baby mehr. Aber ich nehme es ja generell nicht so genau, oder? Warum dann also hier?!  Und wo ich doch bislang noch kein Ersatzbaby bekommen habe!

Auch der hier so Benannte möchte eigentlich eher als vierjähriger Erwachsener beschrieben werden: „Das ist nicht für die kleinen Kinder! Das können nur die Erwachsenen. Und die erwachsenen Vierjährigen!“, erklärt das Babylein nämlich gern und zu jeder annähernd passenden Gelegenheit: Beim Eisessen (nur für Erwachsene), beim Backen (nur für Erwachsene), beim im-Stehen-Pinkeln (nur für geübte Erwachsene…). Das Erwachsenending ist überhaupt gerade urst wichtig. „Mama, weißt du, ich bin schon ein großer Junge. Und du wirst auch bald ein großer Junge. Und danach wirst du dann ein Papi und dann habe ich zwei Papi´s!“, wurde ich jüngst aufgeklärt. Blöderweise habe ich dies dem amtierenden Papi erzählt, der sogleich schlussfolgerte, „Papi sein“ sei dann wohl erwiesenermaßen entwicklungstechnisch die höchste Ausbaustufe! Schwerer Fehler meinerseits.

Eigentlich isser süß, der Blondino, immer noch. Auf der anderen Seite (Heilige Scheiße, wann bitte ist das passiert?!) ist er mittlerweile schon verdammt groß und das zieht auch unerwünschte Begleiterscheinungen nach sich. Im Moment zum Beispiel wohnt ein Mini-Eminem bei uns. Ein Mini-Eminem mit Tourette, Hauptgewinn!

Neulich erst tönte es laut durch unser Haus:

„F*tzekacke, F*tzekacke, F*tzekacke!“

Mir gefror das Blut in den Adern. Der Bubi sah mich an und behauptete, ein „R“ gehört zu haben. „Netter Versuch mich zu trösten, aber das war keine Furzekacke!“, korrigierte ich ihn.

„F*tzekacke, F*tzekacke, F*tzekacke!“

Zum Einkaufen kann ich den gar nicht mehr mitnehmen. Nicht nur, weil der die Omas anknurrt („Nich mich angucken!“), sondern neuerdings eben auch, weil ich nicht sicher sein kann, ob aus dem süßen Schnäbelchen ein fröhliches Weihnachtslied („… So viel Peinlichkeit in der Heimlichkeit!…“) ertönt oder eben:

„Fickificki, fackifacki, Arschpupskanone!“

Ich weiß, was ihr fragen wollt: Ich habe keine Ahnung! Und ja, ich versuche alles. Ich erstarre jedes Mal vor Schreck und rede mit dem Kind. Sage, dass wir das nicht sagen, dass das hässliche Wörter sind und so weiter! Und nein, der guckt keine krassen Youtuber. Der guckt Feuerwehrmann Sam (und das Arschlochkind Norman ist wohl sein Vorbild…), Peppa Wutz (die „dummer Papa“ zu ihrem Papa sagt) oder Benjamin Blümchen (in einer Weihnachtsfolge beschimpft ein gewisser Edwin ein Mädchen als „dämliche Gans“). Ich sehe es ein, die Bewegtbilder sind voll von „hässlichen“ Wörtern, böse, böse!

Okay, dann also Kinderbücher. Doch warte, auch bei den Machern vom Grüffelo werden Dinge und sogar eigene Eigenschaften als „blöd“ oder „doof“ bezeichnet und bei den Karlchen-Büchern erst! Da muss ich ständig umtexten beim Vorlesen! Boar, was mach ich nur.

Vor kurzem fragte mich die beste Kindergartentante von allen: „Du sage mal, was ist denn bei euch zu Hause los?!“, und lächelte zwar dabei, aber wer weiß. Mutti, sei wachsam! Ich heuchelte vollkommene Ahnungslosigkeit und musste dann auch hören, dass die geliebte Ausgeburt meiner Lenden nicht nur stänkerte, schubste, zeterte (jaja, das auch), sondern im Moment besonders durch inflationären Schimpfwortgebrauch auffiele! Ob er das etwa von zu Hause hätte? Sie lächelte noch immer und zwinkerte mir zu, ich stieg aber vorsichtshalber um in den Verteidigungsmodus. „Öh…nein?!“

Und vor meinem geistigen Auge lief die Wiederholung eines Filmes, der erst wenige Tage vor dem Gespräch in unserer Küche lief, während das Eminem-Baby und ich im angrenzenden Wohnzimmer verweilten. Protagonisten: Der Bärtige und der Bubi. Szenerie: Der Bärtige deckt den Abendbrottisch, während der Bubi den Geschirrspüler ausräumt und zwischendrin seinen Vater mit dem Geschirrhandtuch vermöbelt, weil ersterer ihn wegen irgendwas aufgezogen hat. Beide verhalten sich so erwachsen, wie sie eben können und ich schaue machtlos dem Spektakel zu und frage mich, ob sich so „alleinerziehend mit drei Söhnen“ anfühlt:

„Du elender Rosettenkneifer, komm her!“. „Was willst du denn von mir, du räudiger Kotbeutel!“. „Von dir winzigem Hodenkobold?! Nichts, du köttelwerfender Kotnascher, du!“. „Na, besser als ein Senkhodenpendler jedenfalls!“. „Pah! Senkhodenpendler, von wegen. Ich bin ein SCHÜRFEICHELPENDLER, da guckste!“

„Leu-te! Cut! Cut! Aufhören, sofort! Alle beide! Und jeder geht jetzt in sein Zimmer! Ihr seid unmöglich! Un-mög-lich seid ihr! Wie im Kindergarten, nur mit Testosteron! Ich werd bleede mit euch! Mensch, ey, meine Nerven!“

Letzteres war mein Text, gebrüllt aus dem angrenzenden Wohnzimmer. Und wahrheitsgemäß erkläre ich der Erzieherin:

 

„Ich habe keine Ahnung, wo der das her hat. Also von zu Hause jedenfalls nicht!“

via Giphy

 

Ein Februar-Wochenende in Bildern #wib

Der Samstag stand zunächst ganz im Zeichen einer besonderen Veranstaltung:

In Dresden hat sich eine Gruppe Eltern zusammengefunden, die unter dem Namen „Kinder-Kleidung-Austausch“ Umsonst-Flohmärkte organisieren und auch prinziell den Teilen-und-Unterstützen-Gedanken leben und verbreiten wollen. Besonders ist an diesem Konzept, dass es keinerlei monetären Austausch gibt. Wer etwas übrig hat, das er der Gemeinschaft spenden kann, der spendet. Jeder darf sich aber unabhängig von seinem eigenen „Input“ nehmen, was er braucht.

Dieses mal fand die Veranstaltung in den Räumlichkeiten eines alternativen Wohnprojektes in der Dresdner Friedrichstadt statt, das uns drei Räume zur Verfügung stellte. Ich fand das Ambiente sehr spannend und war erinnert an die Hausbesetzerzeit der Achtziger Jahre in der Dresdner Neustadt.

Buddelkiste für die Kleinsten 🙂

Feuertonne mit Becherabstellmöglichkeit (Luxusvariante)

Es ist wirklich genug für alle da!

Ich war total überrascht, wie viel Kleidung gespendet worden war bereits im Vorfeld bzw. von vergangenen Veranstaltungen „übrig“ geblieben. Was in mir mehr denn sonst Gedanken um Nachhaltigkeit und mein eigenes Konsumverhalten hervorrief. Und da ich aus bekannten Gründen dem Konzept der Sammeltonnen für Kleiderspenden sehr kritisch gegenüberstehe und sonst alles übrige in das Sozialkaufhaus bringe oder weiterverwurste zu upcycling-Klamotten, war ich ich auf diese Art des Tauschens und Teilens sehr gespannt!

Gespannt war ich auch auf das Verhalten der Menschen, die diese Veranstaltung aufsuchen. Würde es Leute geben, die mit riesigen Beuteln hamsterten, weil alles umsonst war?

Nein! Überhaupt nicht. Viele Menschen brachten Sachen zum Tausch mit, und obwohl es streckenweise wirklich sehr eng war in den Räumen, gab es weder Gerangel noch Geschubse. Alle Leute behandelten die Sachen sorgsam, es wurde nichts rumgeworfen oder gewühlt.

Und über allem lag eine sehr herzliche Atmosphäre.

Es gab so viel, was mich berührt hat. Der Umstand, dass so viele und auch wirklich preislich intensive Dinge gespendet worden waren. Über bestimmte Fundstücke, wie zum Beispiel ein Tütchen mit Heilwolle von „ganz besonderen Schafen“, auf dessen Verpackung jemand ganz lieb draufgeschrieben hat, wofür und wogegen diese Wolle anzuwenden sei. Es gab schurwollne Unterhosen neben Polyester-Schneeoveralls, Kinderwägen und Tragetücher, Spielsachen, Bücher.

Es gab sogar eine kostenlose Trageberatung für verschiedene Tragesysteme und auch Kleidung für Schwangere.

Zur allgemeinen Stärkung wurde Tee, Kaffee, Fladenbrot mit Hummus und allerlei Kuchen angeboten. Gratis oder gegen eine freiwillige Spende. Die Bewohner des Hauses stellten uns sogar noch frische Tulpen auf den Tisch – toll!

Das unten im Bild ist Sara, eine der Organisatorinnen. Mit ihr war ich lange im Gespräch um diese Veranstaltung und die Modalitäten drumherum.

Unzählige Stunden Ehrenamt sind vonnöten, um diesen Service anbieten zu können. Allein die Organisation dieser einen Veranstaltung war ein Projekt von vielen Tagen. Und dabei ist es für die Elterninitiative so besonders schwer, weil sie keine Räumlichkeiten haben, wo die Sachen gelagert werden könnten bis zur nächsten Veranstaltung. Aktuell wurden die Spenden von drei verschiedenen Orten hergebracht in mehreren Fuhren, am Ende der Veranstaltung musste das dann wieder alles verpackt werden und wieder in unzähligen Fahrten an die verschiedenen Lagerplätze transportiert werden.

Deshalb möchte ich heute hier in die Runde fragen:

Kennt jemand von euch in Dresden eine Organisation, eine Firma, eine Privatperson, die einen Raum mit ca. 15-20 Quadratmetern (am besten kostenneutral) zur Verfügung stellen könnte für diese wirklich gute Aktion? Bislang verliefen die Bemühungen der organisierenden Eltern im Sand. Ihr könnt über die Facebookseite der Elterninitiative Kontakt aufnehmen oder ich vermittle euch.

Es war in vielerlei Hinsicht ein beeindruckender Samstagvormittag und ich freue mich auch die nächste Veranstaltung im April.

Am Nachmittag bin ich mit zwei meiner Burschen in die Stadt gefahren, ich hatte denen meine Teilnahme am familiären Wochenendveranstaltungsdingsbums zugesagt. Ich bin immer wieder nicht nur von der Schönheit Dresdens überwältigt, sondern auch von dem reichhaltigen kulturellen Angebot, das sich einem mit Kindern bietet!

Heute entschieden wir uns für das Dresdner Verkehrsmuseum. Tolle Lage am historischen Neumarkt und spektakulär für kleine und große Leute, wie ich finde. Ich mag das wirklich sehr dort  und finde auch bei jedem Besuch etwas Interessantes, das mir vorher noch nie aufgefallen ist.

Über die Etagen sind die Ausstellungen thematisch gegliedert nach Verkehrsart. Schifffahrt, Luftschiffe, Eisenbahnen, Straßenverkehr. Überall gibt es Dinge zum Experimentieren und „Be-Greifen“, ich finde das toll. Wenn ich früher in ein Museum ging als Kind, war alles hinter Glas und davor noch eine dicke rote Kordel und man musste leise sein und durfte nicht rennen! Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Es gibt auch eine Spielelandschaft…

…und eine Bobbycar-Rennstrecke.

In der Schifffahrt-Ausstellung kann man an einem Simulator ein Boot zusammenbauen und auf einen Rennen schicken. Ein großer Spaß! Das Kleinste hatte das superste und schönste und ressoucenschonendste Boot (und eine sehr nette Ingenieurin-mich), aber der Mann hat trotzdem gewonnen. Die Sau lässt mich nie gewinnen! Und nicht mal eines der Kinder! Der hat bestimmt gemauschelt und betrogen…

Als wir nach Hause kamen am Abend backte ich einen Pflaumenkuchen – Besuch hatte sich angekündigt für den Sonntag! Erschwerte Bedingungen beim Backen: Ich kriege den Blondino kaum vom Teig, der findet Kuchenbacken total fetzig. Ich finde Kuchenbacken auch total fetzig, allerdings eher alleine 😉

Das mit dem Pflaumenkuchen im Februar war tatsächlich am Ende eine Schnapsidee. Ich habe unter die geschmacksneutralen, scheißteuren Pflaumen ein Glas Pflaumenmus druntergetan und obendrüber Mount Streusel, dann gings zu essen. Pflaumen im Februar-tssss…

Samstag Abend, offline Spieleabend bei Nieselpriems. Reihum darf immer einer von uns drei Großen aussuchen. Diesmal war der Bärtige dran. Wir spielten „Phase 10- das Brettspiel“. Es war ein guter Spieleabend! Dass das auch ganz anders geht, könnt ihr hier nachlesen.

Der nächste Morgen, draußen ist es pechschwarz. „Ich bin hier der Backer“, schreits und schreitet bereits zur Tat. „Ich will bumsen!“, bei jedem Ei, „Ich mach das Mehl!“, und greift mutig mit beiden Händen rein. Kinder in der Küche… wunderbar. Wirklich ganz und gar wunderbar!

Wir buken einen Zebrakuchen, der eigentlich wie ein Käsekuchen gemacht wird, nur zusätzlich kommt eine geschmolzene Tafel Schoki in den Mürbeteigboden und eine zweite Tafel unter die Hälfte der Käse-Quark-Schmand-Mischung. Es wird ein Foto von dem Kuchen geben, allerdings in einem nächsten Artikel! 🙂

Mittlerweile ist es halb sieben. Draußen Schwarz zu Grau. Es zeigt sich, dass es über Nacht geschneit hat und der „Backer“ ist außer Rand und Band.

Nach dem Kuchen ist vor den Teigtaschen. Das hier ist Fertigblätterteig mit einer Füllung aus Hackfleisch, Schinkenwürfeln, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen. Das Ganze ist mit Frischkäse und Tomatenmark gebunden und klein geschnittene Oliven kamen auch noch rein. Und Mozarella! Der „Backer“ hat sehr geholfen, er ist nämlich auch der „Kocher“. Oh Freude.

Die Jungs gucken sich den Winter mit seinen Begleiterscheinungen draußen in echt an, ich sehe von drinnen zu. Zumal das Fenster, hinter dem ich mich befinde, stetem Schneeballbeschuss ausgesetzt ist. Kluges Weib verordne ich mir da lieber Stubenarrest.

Unser Schneemann erinnert mich an den Gru und rührt mich sehr, irgendwie, wie er da so steht.

Später am Sonntag: Der Kuchen wurde nur zu einem Drittel verzehrt (ich habe mir wirklich alle Mühe gegeben), die Teigtaschen sind alle und die Kinder auf dem Dachboden müde gespielt.

 

Mehr Wochenendbilder gibts bei Susanne!

Das Geburtstagsgeschenk

Ich hatte gestern Geburtstag! Nun gut, an sich keine Überraschung, sondern mit einer 1:365-igen Wahrscheinlichkeit geradezu vorhersehbar. Auch wenn also keiner hier sonderlich überrascht ist, möchte ich bevor wir jetzt anfangen, ein kleines Liedchen anstimmen (wegen der festlichen Stimmung). Wer mag, darf gern mitsingen! Also los, drei, vier:

Happy Birthday to me

Falten am Knie

Cellulitte an der Titte

und alt wie noch nie

Prost!

(Ich habe nicht gesagt, dass es ein fröhliche Lied sein wird!)

Man sollte meinen, wenn jemand so viel Geburtstagserfahrung hat wie ich, dann ist das kein großes Ding mehr, aber weit gefehlt! Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall. „Kinder!“, sag ich zu den Kindern, „Gebt euch Mühe! Malt mir Karten mit Herzen drauf und Sonnen und es darf auch ICHLIEBEDICH drauf stehen! Wer weiß, wie viele Geburtstage ich noch erlebe… „(schneuz; geräuschvoll). Und alle haben sich Mühe gegeben. Wirklich. Das Möbelhaus schickt mir Coupons und einen Sektgutschein und die Apotheke einen  zehn prozentigen Nachlass auf meinen nächsten Einkauf. Na dann…

Am meisten Mühe hat sich Andrea gegeben. Von ihr bekam ich nämlich ein selbst geschriebenes Buch. Mein wirklich schönstes Geschenk in diesem Jahr! Ihr dürft das jetzt auch nicht meinen Jungs verraten, ich habe da nämlich gelogen. Dem Mann sagte ich, die sexuellen Gefälligkeiten, die er mir anlässlich meines Geburtstages zukommen ließ, seien das Schönste an diesem Tag gewesen. Dem Pubi habe ich erzählt, der neue Jo Nesbo-Roman, den er mir geschenkt hat, sei das Beste gewesen und dem Blondino habe ich selbstverständlich erzählt, das Herz-Sonne-MAMA-Bild sei das schönste Geschenk. Mütter-Wahrheiten halt…

Das schönste Geschenk hat mir Andrea gemacht. Letzte Woche kam ihr Buch raus, endlich! „Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne“ heißt es und nein, das kann weder mit „JAWEVZI“ oder „Das Popelbuch“ abgekürzt werden. Wehe! Untersteht euch!

Innen hat sie reingeküsst. Und da musste ich das auch lesen… also gleich. Ein Geschenk?! Für mich?! Mit Kuss sogar?! Los, her damit und zwar sofort. 

Ich weiß, eigentlich sollte das ja ein Geburtstagsgeschenk sein, aber hey! Mir konnte man noch nie irgendwas geben, das als Aufschrift „Nicht vor dem 31.1. öffnen!“ trug. Warum auch? Ich habe schon immer die Schränke durchwühlt nach Weihnachtsgeschenken, habe vorsorglich schon mal Pralinen angebissen (und danach wieder verpackt), die ich (oder jemand anderes) irgendwann einmal geschenkt bekommen sollte und konnte schon früher die Leute nicht verstehen, die „Kein Sex vor dem x-ten Date“ proklamierten oder dergleichen Unsinn mehr. Wir schlussfolgern und merken uns: Geduld und Warten-können ist nicht so der Nieselpriemerin Stärke (vielleicht hat sie andere, wir wissen es nicht).

Das Buch.

Andrea (rechts) und ihr größter Fan

Das Buch ist wie Andreas Blog eine Ansammlung von Texten zu allen denkbaren Gegebenheiten im Leben mit Kindern und überhaupt. Das war zu erwarten. Was mich wieder mal umgehauen hat, ist ihre Fähigkeit, auf so viele verschiedene Arten zu schreiben! Urkomisch, stakkatoartig schimpfend, laut fluchend, zu Tränen rührend einfühlsam. Alles in einem einzigen, scheißdünnen Buch!

Das erste Mal geflennt habe ich schon auf Seite dreißig, „der grüne Klaus“ heißt das Kapitel. Von Seite fünfundneunzig an habe ich fünf Seiten lang geheult („The Grosser“) und wessen Auge da trocken bleibt, dessen Herz ist eine saftlose Trockenpflaume. Auf Seite zweiundsiebzig steht was von „meine Freundin Henrike“ und tatsächlich (mit falscher URL, aber who cares) der Name dieses Blogs und – ihr ahnt es – ja, schon wieder Tränen!

Die Welt hat auf dieses Buch gewartet. Das glaube ich, denn ich habe es! Es braucht noch immer Frauen, die anderen Frauen Mut machen und dieses Buch tut es.

Andrea und ihr Blog sind für mich schon oft die Antwort gewesen, wenn schreibende Heimchen im Mutterschafts-„Urlaub“ in meiner Gegenwart belächelt wurden. Im letzten Jahr zum Beispiel war ich auf einer seriösen Influenzer-Konferenz und ein junger Mensch hielt einen Vortrag über die Bloglandschaft in Deutschland. Die Foodies, die Modeblogger, die Dings und die Bums-Blogger. Keine Rede von den Elternbloggern. Ein wenig verdutzt und sehr laut erbat ich mir Auskunft. Nun ja, kam drucksend die Antwort, die Muttiblogs hätten ja nicht so eine Relevanz. NICHT SO EINE RELEVANZ?! Der arme Mann tat mir leid, aber erst später. Denn ich knallte ihm um die Ohren, ob er denn wohl wüsste, was für eine Zielgruppengröße Elternblogger ansprechen würden.

Andrea in your Face!

Mit gerade mal einer Handvoll Beiträge Klickmillionärin! Ohne Gewinnspiele und Werbung. Alleine ihr Beitrag „Ab heute gehe ich ohne Feuchttücher auf den Spielplatz“ wurde dreihunderttausendmal angeklickt und vierzigtausendmal bei Facebook geteilt! Relevanz dir das mal!

Ich liebe den Blog „Andrea Harmonika“ und die Frau dahinter wie blöde. Sie ist einer von (es macht mich so glücklich das zu schreiben) den Menschen, die beweisen, dass das Internet ein Netz der Liebe ist und Freundschaften echt und real sein können. Und endlich gibt es sie auch als Buch. Also für alle! Zum Anfassen, Blättern, ins Regal stellen und um deiner besten Freundin ein wirklich schönes Geschenk zu machen! Ich habe gewettet, dass die erste Auflage in drei Wochen ausverkauft ist. Ich halte diese Wette noch immer!

Ach so. Ich habe natürlich wieder mal nichts zu verlosen, aber Andrea selbst verschenkt bis morgen zwei Bücher auf ihrem Blog! Ich drücke Euch wie verrückt die Daumen. Ansonsten bekommt ihr das Buch für ´nen Zehner beim gutsortierten Buchdealer. Oder dem Online-Kaufhaus eurer Wahl.

 

Und hier kommt noch eine freundliche Klickempfehlung: Vivi hat das Buch besungen. Und bei Alu und Konsti gibt es ein Interview mit Andrea.

 

 

Shoppingfreuden

Ich muss euch was erzählen! Also gestern, echt jetzt… aber wartet, ich hole noch ein wenig aus.

Das pubertäre Langbein brauchte Winterschuhe. Prinzipiell kommen kleidertechnische Bedarfe ja nie aus seinem eigenen Erleben, sondern mir drängen sich optisch halb aus Ärmeln ragende Gliedmaßen und rucke-di-gu-Blut-ist-im-Schuh halb eingerollte Zehen in zu kleinen Latschen auf.

Das Haus verlassen um Klamotten einzukaufen-wäh?! Dem unterausgestatteten Familienmitglied stand die Begeisterung über diesen Vorschlag ins Gesicht geschrieben!

(via giphy)

Also gut. Der Mann kaufte ein. Beim großen A. Und ey, guck mal! Fett gefütterte Winterschuhe für nur siebenundzwanzig Glocken! Ja, das hast du fein gemacht, danke schön. Ach warte, Lieferzeit ist wie lang? Zehn Wochen?!

Wir spulen vor – letzte Woche kamen dann die Schnäppchenschuhe an. Nun ja, leider in der falschen Größe! Also richtig falsch, nicht nur einen Zentimeter zu groß oder so. Und noch blödererererweise hatten wir versehentlich bei einem asiatischen Händler bestellt! Heißt, Rückversand der siebenundzwanzig-Euro-Bodden kostet uns sechzig Euro Porto – na, da scheiß doch die Wand an! Ich muss aber lobenswert erwähnen, dass der chinesische Händler mit Hilfe von google translator eine sehr freundliche eMail in deutsch verfasst hatte und uns eine kostenlose Größe zugesichert hat – sollten wir die nicht passenden Schuhe über den Teich zurücksenden und nochmals zehn Wochen warten können…

Ich entschied: Wir würden zu Deichmann gehen und Schluss. Alle maulten, einer fragte: „Wer ist der Deichmann?!“. Jener schmiss sich dann auch vorort begeistert die Latschen von den Füßen, probierte sich enthusiastisch durch alle Schuhe, an die er rankam mit den kurzen Ärmchen, um dann stilsicher seine Wahl zu treffen:

Der Kleinste ließ sich die Smiley-Latschen partout nicht mehr ausreden und flitzte giggelnd durch den Laden, während die Handaufzuchten der anderen Leute brav vor dem Deichmann-Kinderfernseher saßen und Käptn Balu konsumierten. Und ich schämte mich. Typisch.

Ich gesellte mich zu den maulenden Männern am Schuhregal. Der eine motzte, er bräuchte überhaupt keine Schuhe und der andere lamentierte über die unmögliche Vorauswahl, die ich getroffen hatte. Damit zeigte er auf die schicken, neonfarbenen Boots, die ich für das fußfrierende Familienmitglied rangeschafft hatte. Nein, also das ginge gar nicht! Und so brachte der Mann zu meinem Entsetzen lauter kackbraune Seniorenmodelle an und ich frotzelte schon, ich könnte auch bei der Gesundheitsschuhabteilung nach Bubi´s Größe suchen. Keiner lachte.

Ach doch! Die Verkäuferin gesellte sich zu mir und lobte meine Männer überschwenglich (die bemerkten den süffisanten Unterton nicht; ich schon). Wir zwei witzelten zusammen und sie erzählte, ihr Mann würde bei Karstadt schon von der Rolltreppe aus rufen, er hätte alles überblickt und es gäbe nichts, das ihm gefallen würde und sie könnten sofort wieder umkehren! Und ich erinnerte mich daran, als mein Mann ein Beinkleid brauchte und ich hochschwanger stundenlang vor der Kabine hockte, während er sich von zwei Verkäuferinnen fünfzehn Hosen bringen ließ, sich nicht entscheiden konnte und mich dann so Sachen fragte wie, ob die Taschen von Hose fünf oder Hose acht besser waren, aber der Schnitt dann vielleicht von Hose elf? Am Ende entschied er sich für genau keine einzige Hose, weil er sich von mir total unter Druck gesetzt gefühlt hat!

Dann… Moment! Wo ist eigentlich der mit den Smiley-Schuhen?!

Kurzer Rundum-Blick: Nichts. Der Mann arbeitete sich von der Mitte des Ladens nach hinten durch, ich in Richtung Ausgang. Als ich mich am Ausgang umdrehte, sah ich am Ende des Ladens den Mann die Hände heben. Der Blondino war verlustig!

Ich hetzte ein wenig panisch aus dem Laden und rannte in dem Einkaufszentrum rum, da – und ich schwöre, nichts bedaure ich im Moment mehr als den Umstand, dass ich euch von der nachfolgenden Szenerie weder Bild- noch Videomaterial bieten kann – stolzierte der kleine Kerl um die Ecke und kam seelenruhig auf mich zu. An den Füßen die Smiley-Hausschuhe und in der linken Hand, nach oben gereckt, eine flache riesige Kiste, die fast so groß war wie er selbst.

„WO! WARST! DU!“, fragte ich leicht (!) hysterisch. „Ich war einkaufen.“, teilte das Kind völlig entspannt mit und reckte die Kiste mit der Märklin-Eisenbahn in die Höhe. „Oh mein Gott, wo hast du das her?!“. „Ich war einkaufen!“, wiederholte das Kind. Es folgten dann noch diverse Fragetechniken, um rauszubekommen, wo genau.  Und weitere Überredungskünste, um dem Kind klar zu machen, dass das so aber nicht ginge. „Das ist MEINE Eisenbahn! Die habe ICH eingekauft!“.

Ich nahm den „Einkäufer“mit den Smiley-Hausschuhen an den Füßen an die eine Hand, die Eisenbahn in die andere und steuerte auf gut Glück das Spielzeuggeschäft an. An der Kasse stand eine aufgeregte Kassiererin und zeigte bereits vor unserem Eintreffen mit dem Finger in unsere Richtung. „Sie! Die Eisenbahn ist aber noch nicht bezahlt!“, setzte sie mich in Kenntnis. Ich erklärte, dass mir dies durchaus klar sei, da ich gewöhnlicherweise den Vierjährigen nicht mit einem Sack voll Geld alleine zum Einkaufen schicken würde und dass wir hiermit von jeglicher Kaufabsicht zurücktreten würden und bitte sehr, da ist die Eisenbahn wieder!

Und nun schnell fort, wer weiß, ob ich sonst noch belangt werde…

Am Ende haben wir drei Paar Schuhe für den Bubi gekauft, achtzig Euro bezahlt und damit das Internet blass aussehen lassen. Was den Entertainment-Faktor angeht sowieso! Und die hatten da diese Aktion, kaufe zwei Paar und das zweite kostet nur die Hälfte, kaufe drei Paar und eines ist gratis! Ich kam gar nicht hinterher. Aber kurz vorm Verschwinden raunte mir die Verkäuferin noch zu, beim Kauf von fünfzehn Paar Schuhen bekäme ich fünf Paar gratis! Das habe ich allerdings genau verstanden und muss da morgen noch mal hin. Allein!

Bei fünfzehn Paar Schuhen fallen auch Smiley-Hausschuhe für alle ab. Bestimmt!

 

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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€2,00

Alles neu

Wochenlang war´s hier schön leis´. Jetzt bloggt sie wieder, was für´n Sch… schönes Ding!

 

Es ist Anfang Januar, ein neues Jahr. Wieder eins! Ich weiß immer nicht, was die Leute mit diesem Neujahr so haben. Gute Vorsätze, große Pläne, gigantomanische Vorhaben werden da verkündet und ich denke mir stets bei alledem: Scheiße, jetzt werde ich mich wieder für mindestens drei Monate beim Datum verschreiben! Das heißt „neues Jahr“ für mich. Ansonsten alles wie immer.

Dass sich im Moment tatsächlich das Leben und so ein wenig neu anfühlt, hat mehr mit meinem Innen zu tun als den äußeren Gegebenheiten der Zeitzählung. Der Winter ist vorbei! Also mein eigener, wirklich. Die Zeit der Kälte, die mir tief in den Knochen saß und mich innerlich erfroren fühlen ließ. Ein alles durchdringendes Grau, das jede andere Farbe verschluckte. Kein loderndes Feuer, nicht mal ein Flämmchen mehr in mir, nur noch ein lähmendes Gefühl von Vergänglichkeit und Ende.

Zu Ende! Vorbei, also hoffentlich. Oh, wie ich darauf gewartet habe. Ich hatte keine Erinnerung mehr an das, was war, was hätte sein können, wenn in mir kein Winter gewesen wäre. Doch nun…

Ich freue mich! Ich freue mich, wenn ich morgens erwache, ich freue mich immer öfter. Ich freue mich so sehr, wenn ich durch meinen Garten scharwenzele. „Ach, guck doch!“, sage ich zu dem Mann. „Es lebt! Alles beginnt von vorn! Schau doch nur hin, sieh!“. Nicht nur die Schneeglöckchen und Krokusse, die sich aus jeder Ritze zwischen den Steinen in unserem Garten zwängen (Oh, ich kroküsse euch mit liebendem Blick!), nein, auch die Frühlingsboten der vergangenen Jahre recken sich aus ihren Zwiebeln in den Moosbetten und Hundsrose, Stockrose und die kleine Heckenrose treiben bereits. Ach, sogar eine Hortensie zeigt mir stolz ihre frischen zarten eingerollten Blätter. Und er sagt: „Das ist alles nicht richtig! Wir haben Januar! Wir sollten Schnee haben, keine Blüten. Nächste Woche kommt der Wintereinbruch und alles stirbt wieder!“.

Nein. Ich glaube nicht. Schweig still! Vielleicht wird es noch mal kalt, vielleicht weht der Wind rau. Vielleicht bekommen die zarten Pflänzchen einen Dämpfer, aber alles beginnt von vorn. Ganz sicher. Ich kann mich nicht genug daran erfreuen! Ich kann nicht aufhören mich zu freuen!

 

„Es gibt nur zwei Arten zu leben: So, als wäre nichts ein Wunder oder so, als wäre alles ein Wunder!“

(Albert Einstein)

 

 

Rotkäppchen

Auf Instagram habe ich mit meinen beschränkten Strickkünsten angegeben und wurde prompt gebeten, mein viertelverstandenes Halbwissen der breiten Masse zur Verfügung zu stellen.

Here we go. Gestrickt habe ich den Pixie hat nach der Anleitung von Leni und Mo.

Mit der Größe hatte ich allerdings meine Probleme. Der Blonde hat einen Rübenumfamg von 54cm. Nach der Logik der Anleitung nahm ich also achtzig Maschen auf und strickte. Heraus kam ein Babymützchen! Lags an der Wolle, den Nadeln, meiner Strickkunst? Keiner weiß es. Bloß gut brauchte ich sowieso ein Babymützchen…

Nein, ich habe keinen schrumpligen Unterarm! Du hast Falten in der Netzthaut. 😉

Nächster Versuch. Ich übertrieb es dann ein wenig, zugegeben. Einhundertsechsundzwanzig Maschen! Wer die Anleitung gelesen hat, weiß, dass die Maschenzahl durch sechs teilbar sein muss, damit das Muster aufgeht. Konnte ich gleich mal das Kopfrechnen auffrischen. Hundertsechsundzwanzig ist doch durch sechs teilbar, oder?

Außerdem habe ich nicht schon in Reihe zwei mit dem Musterverlauf begonnen, sondern erst einen Rand – eine Art Bündchen – im gleichen Rippenmuster gestrickt. Damit wird die Mütze größer und der Zipfel oben länger (längere Zipfel sind hier erwünscht).

Sieht etwas schief aus am Ende, hat aber offenbar funktioniert. Ich habe mir in den ersten Reihen eine Sicherheitsnadel reingeklemmt an der letzten Masche, die ich „anders“ gestrickt habe (am Anfang und am Ende der Hinreihe), damit ich immer wusste, wo das Ende ist. Das fand ich hilfreich. Und mir gemerkt, wenn ich die letzte Rückreihe rechts gestrickt habe, beginnt die neue Hinreihe auch rechts. Oder eben umgekehrt: die Rückreihe mit linken Maschen beendet, dann die nächste Hinreihe mit linken Maschen starten.

Ansonsten ist die Anleitung gut verständlich und reich bebildert und ich danke an der Stelle dafür!

Mit einhundertsechsundzwanzig Maschen ist der Hut allerdings so groß, dass er sogar dem Mann passt, wenn man ihn dehnt. Nun ja… Ich habe im Anschluss Bänder für das Hut´l gestrickt mit jeweils sechs Maschen auf der Nadel, im Rippenmuster (rechts, links, rechts, links…).

Das Kind liebt sein Rotkäppchen. Und das Gute ist, es wird ihm noch zwanzig Jahre passen. Yeah!

Danach habe ich es eine Nummer kleiner probiert: Einhundertzwanzig Maschen. In Grün diesmal. Und anstatt der Bänder zum Zubinden habe ich im Anschluss noch einmal einhundertzwanzig Maschen aufgenadelt und im gleichen Rippenmuster (zwei rechts, zwei links) ein Schalstück gestrickt und das dann unten angenäht. Die Naht des Schals deckt sich hinten mit der Naht der Mütze.

Sieht dann so aus und finde ich urst praktisch! 

Leider habe ich die zu locker gestrickt, also so, wie man einen Pulli stricken würde, sie ist ein wenig labbrig. Mein Tipp: feste stricken! Notfalls eine Nadelstärke weniger nehmen, das sieht schöner aus und die Mütze wird auch wärmer dadurch.

Ich nadel mir jetzt also den nächsten Pixie hat auf und diesmal versuche ich es mit sechsundneunzig Maschen für die blonde Rübe. Damit sollte nach der trial-and-error-methode die optimale Größe in greifbarer Nähe sein. Ansonsten verschenke ich das ganze Gelumpe! Irgendwem wird es schon passen. Anne hat schon Bedarf angemeldet! Da lasse ich mich nicht lumpen. Schiefe und zu große Mützen? Kein Problem, das macht die Nieselpriem!

 

An der Stelle noch mal ein fettes Danke im Internet. Anne hat dem Blondino mit ihren monstermäßigen Geburtstagsideen einen unvergesslichen Tag beschert. Strumpfhosenbowling, besprühte und präparierte Stöcke für die Monsterseifenblasen, Monsterbüchsenwerfen… sie hat mir alles vorbeigebracht, die Gute, weil ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen war und das Babylein vermutlich sonst keine Kinderparty bekommen hätte. Hashtag Bloggerliebe ❤

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör

„Mama, Mami, komm schnell! Isch hab den Schallosierer rebboriert! Komm, ich zeig´s dir…“, sprichts und führt mich an der Hand in ein Zimmer, wo tatsächlich die Jalousie wie eine zerknuddelte Ziehharmonika schief an nur noch einem Haken herunterhängt, während das Führungsseil aus seiner Halterung gerissen ist und abgefädelt vorm Fenster rumbaumelt. Am Tatort befinden sich noch einige Kleinteile, deren ursprünglicher Verwendungszweck im Zusammenhang mit Fensterverdunkelung sich mir nicht mehr erschließen will. Futsch. Sonnenschein forever.

Der Blondino ist drei Jahre und zehn Monate alt, einen Meter fünf hoch und in der Ingenieur-Phase.

Egal, was er in die grumpeligen Fingerchen bekommt, er baut es auseinander. Manch einer würde sagen, er zerstört. Er kriegt wirklich alles platt! In diesem Haushalt gibt es mittlerweile Kisten voller Kleinteile, die irgendwann einmal Taschenlampen waren oder Autos, die eigentlich nicht zum Auseinanderbauen gedacht waren. Denn, das ist das beste Spielzeug! Notfalls werden die Achsen schamlos gebrochen, um die Räder abzubauen. Er findet jede undichte Schweißnaht bei Plastikteilen, jedes Gewinde und alle Steckverbindungen. Ich kann manchmal selbst nicht glauben, aus wievielen Kleinteilen manches Ding besteht. Bis es durch des Kindes Hände ging.

Ich habe ja Schraubergene. Mein Vater war KFZ-Klempner und roch nach Motoröl und Old Spice und ich dachte jahrelang, ich würde genauso einen Mann heiraten: Groß, schwarzhaarig, mit derben Händen, die riesige Schraubenschlüssel jonglieren. (Nun ja, fast. Also beinahe. Okay, ich habe einen Mann geheiratet! Das zumindest ist eingetroffen.)

Möglicherweise vererben sich nun aber meine Schraubergene auf das Kind.

Für mich ist das neu. Ich weiß schon vom Hörensagen, dass alle Kinder wohl so eine Experimentierphase durchlaufen, wo sie die Funktionalität der Dinge und Objekte „begreifen“ wollen. Das Großkind hatte diese Phase nie. Den setzte man vor eine riesengroße Lego-Kiste, die der Altersklassifikation nach irgendwo fünf Jahre über seinem Alter lag, und er baute. Zusammen, wohlgemerkt! Der erste baute also immer nur zusammen. Der hier jetzt, der Neue, der baut auseinander, ausschließlich.

Alles.

Gefühlt hat der vierzig Fingerchen und wuselt auf seinen kurzen Beinen binnen Sekunden durch das Haus und Gefahr ist stets im Verzg. Sobald drei Minuten Funkstille ist, mache ich das Erdmännchen und lausche ängstlich. „… Das ist die große Mähmaschine… das ist die kleine Mähmaschine… brummbrumm… Motor…“. Mähmaschinen? Was für`ne Mähmasche?! Oh Gott, meine Nähmaschinen! I believe, I can fly, mit wehenden Armen sause ich durchs Haus!

Neulich kam er mit einem neuen Schatz an. „Mama, wie macht das?!“, und hält mir mit strahlenden Augen und bewunderndem Blick ein Heizkissen unter die Nase. „Hä, woher hast du das? Egal. Na gut. Das ist ein Heizkissen. Das wird warm und wenn jemand Rückenschmerzen hat, kann er sich das dann an den Rücken tun.“. „Was macht das für ein Geräusch?“. „Das macht kein Geräusch, das ist leise!“. „Wo dreht sich das?!“ (der Blick schon skeptischer). „Das dreht sich auch nicht, das wird nur warm.“. „Aber wie macht das?!“ (eine kleine Falte bildet sich zwischen den Babyaugen und er dreht den neuen Schatz argwöhnisch hin und her). „Das macht eben! Das ist nur warm, wenn man das Kabel… nein, Finger weg! Nicht an die Steckdose! Das ist meins. Das macht gar nichts! Kein Geräusch, dreht sich nicht, ist auch ganz kaputt. Langweilig und kaputt. Das liegt nur so rum! Gib´s her jetzt. Danke! Geh, spiel im Keller mit Papas Werkzeugkiste oder bau eine Taschenlampe auseinander.“.

Abends fege ich schaufelweise irgendwelche Kleinteile in eine „Spielkiste“, kein Mensch kann die wieder zusammenbauen. Erwähnte ich, dass Lego langweilig ist? Lego ist langweilig. Es müssen Erwachsenensachen sein. Oder die vom Bruder. „Mutter, kannst du mal dieses Kind aus meinem Zimmer holen! Der fasst alles an!“, nölt es ständig aus der Pubertätshöhle. Der Bubi hat zum Beispiel ein „Coollicht“, wie das Kleinste es nennt, also so eine sich drehende Birne, die bunte Flecken an die Decke wirft. Das ist des Blonden heißer Fancy-Scheiß. Da liegt er dann unbefugterweise auf dem Pubilager und versaut sich sein Babyhirn mit stroboskopartigen Buntblitzen. Das erste Coollicht ist schon hinüber, denn selbstverständlich hat der Ingenieur versucht, es auseinanderzubauen. Danach knurrte und knarzte es nur noch, später tat es gar nichts mehr. Und ehrlich gesagt ging das hier, das neu gekaufte Ersatzmodell für das Großkind, jetzt auch nicht , als ich es für euch anmachen wollte.

cooles Coollicht, vermutlich defekt

Auto ist auch so ein Thema. Nachmittags, während ich gefühlt zehn Taschen, Tüten, Beutel aus dem Kofferraum heraus und in das Haus hereinräume, spielt der Blondino im Auto. Er sitzt süß auf dem Fahrersitz und ruckelt am Lenkrad und ruft: „Isch bin ein Pirat, Land ins Nichts!“. Das sind fünf Minuten maximal. Am nächsten Morgen dann setze ich mich hinter das Steuer (das bis jetzt zum Glück immer noch dort war, wo man es vermutet) und glotze grenzdebil. In jedem Lüftungsschlitz stecken Kaugummis, Wagen-Chips. Kaugummis und irgendwelche Schlüssel zu irgendwelchen unbekannten Schlössern (Ja, sowas hab ich im Auto) stecken in den Schlitzen vom Gurt, das Netzteil des Uralt-Navi wurde versucht, anzustecken und aufgrund mangelndes Sachverstandes und mangelnder Impulskontrolle dann im Wageninneren rumgeschmissen. Außerdem liegen jede Menge Kleinteile, die der Autohersteller mal in die Autobedienarchitektur eingebaut hatte, lose herum. Abgebaut durch den Ingenieur. Aufgrund mangelndes Sachverstandes meinerseits sammle ich die artig in der Schütte der Fahrertür und freue mich mit großer Erleichterung, wenn trotzdem jeden Morgen – bislang – das Auto tut, wofür ich es gekauft habe.

Ich bin mal als Beifahrer während eines Staus ausgestiegen (warum auch immer), und schwupps, stand das Kind neben mir! Abgeschnallt aus seinem superduper-Houdini-sicherem Kindersitz, Türe geöffnet, da stand er. Die Blicke, die der Mann (am Steuer des Autos) und ich austauschten: unbezahlbar!

Vorhin stand der Ingenieur im Bruderzimmer und piepste mit seiner Tweety-Stimme: „Alexa?! Deine Mudda!“. „Deine. Mudda. Ist. So. Dünn. Heidi. Klum. Hat. Sie. Nach. Ihrer. Diät. Gefragt.“. Kann kein Laufrad fahren und braucht den Nunni zum Einschlafen, aber das geht, ja?! Deine Mudda stemmt die Hände in ihre Hüften! Ich habe allerdings berechtigte Sorge, dass er als nächstes versuchen wird, Alexas Mutter aus dem kleinen Kästchen zu befreien.

… Ja, was denn?! Brüllt doch nicht so durch das Haus! Ich rede gerade mit den Lesern. Was soll ich?! Aha. Ja, ist gut! Also ich soll ausrichten, der Kleine wünscht sich sehr einen OLED 4K 65 Zoll Fernseher zum Auseinanderbauen, also wegen der frühkindlichen Entwicklung… Ja, ich habe es gehört! Und ich soll sagen, auch eine Nintendo Switch Konsole. Falls jemand sowas übrig hat, danke im Voraus. Dann lässt er vielleicht von meinem Auto ab. Und meinen Nähmaschinen.

Und später habe ich dann vielleicht wirklich jemanden hier, der mir bei handwerklichen Bedürfnissen unter die faltigen Arme greift. Ich hatte da schon mal so eine Vorahnung.

 

Etappensieg

Etappensieg

Er hat es geschafft! Das besondere Kind hat den Endgegner Schule bezwungen!

Zwei Komma Null und die Zusage für einen Platz auf dem Beruflichen Gymnasium seiner Wahl. Ihr ahnt nicht, was mir das bedeutet. Was das für unsere ganze Familie bedeutet.

Grundschule und Mittelschule, zumindest die ersten Jahre, sind die schlimmste Zeit für jemanden, der anders ist als alle anderen Kinder. Keiner hätte auf ihn gewettet, außer uns. Und selbst wir hatten düstere Zeiten, an denen wir die Zukunft unseres Kindes eher skeptisch sahen und an manchen ganz besonders dunklen Tagen wussten noch nicht mal wir weiter, und manchmal noch nicht einmal, ob er überhaupt noch länger mit uns zusammen leben kann. Wochen, an denen der Familienalltag derart Kopf stand und ein „normales“ Leben kaum möglich war, weil sich alles, alles um den Jungen drehte, drehen musste, forderten uns heraus und nahezu alle unsere Kraftreserven.

Viele Leute, die ich kenne, lachen über Sheldon Cooper, aber kaum einer hat auch nur den Hauch einer Ahnung, wie es ist, mit einem Shellie zu zusammenzuleben.

„Wenn ich groß bin, studiere ich und werde Wissenschaftler!“, da war sich das Kind schon als ganz kleines sicher. Schulisch trotz nachgewiesener Hochbegabung zwischen Drei und Vier, in manchen Fächern versetzungsgefährdet. Niemand mochte auf diesen Jungen wetten.

Ich denke immer wieder an die diagnostizierende Ärztin, die mir vor sechs Jahren eindringlich sagte: „Halten sie durch! Wenn sie den Jungen durch die Pubertät gebracht haben, wird es besser. Bei fast allen Patienten ist das so.“. Ich wünschte damals so inständig, sie möge Recht haben und fürchtete mich so abgrundtief vor den Jahren, die noch kämen, bis denn „alles besser“ würde.

Und es wurde besser, sukzessive sogar und schneller, als ich dachte. Zwei Menschen, die in das Leben des Kindes traten, hatten an der positiven Entwicklung einen maßgeblichen Anteil: Der Blondino, der uns geschenkt wurde, und Paul.

Paul, der Integrationshelfer mit den unkonventionellen Ideen. Paul, der Beachvolleyballer. Paul, der tätowierte Hüne mit den neugierigen Augen eines Kindes.

Jetzt ist der Tag gekommen, sich von Paul zu verabschieden. Nach vier Jahren bei uns muss er auch mal etwas anderes machen dürfen. Etwas anderes als Schule. Rafting-Guide in Österreich könne er sich vorstellen, erzählt er mir. Oder Kinderbetreuer auf einem Kreuzfahrtschiff!

Der Junge sagt: „Nein! Kein anderer Betreuer!“, und fährt komplett fest. Dann, ein paar Tage und Gespräche später, mit uns und auch mit Paul, willigt er ein, es zu versuchen. Ja, ein anderer dürfte kommen.

Andere Schule, anderer Betreuer, wir wissen, das sind eine Menge Veränderungen auf einmal. Auch dem Jugendamt als Träger der Schulintegrationshilfe ist das Ausmaß der Herausforderung bewusst. Wir erbitten uns, dass Paul die letzten Wochen parallel mit dem „Neuen“ arbeiten kann und ihn briefen. Und natürlich als Backup für unseren Jungen da sein. Sie willigen ein. Die Suche nach einem Nachfolger zieht sich hin…

Dann der letzte Tag. Wir sitzen zur Feierstunde anlässlich der Zeugnisausgabe in einem Restaurant. Die Direktorin spricht, die Lehrer sprechen. Pauls Name fällt, … Danke dem lieben Paul, ohne den wäre vieles in den letzten Jahren deutlich schwieriger gewesen… Der liebe Paul windet sich. Alle klatschen, ich pfeife sogar. Er sitzt mir gegenüber, errötend und peinlich berührt.

Heute erst sind sie von der Klassenfahrt aus Italien zurückgekommen, übermüdet noch. Er hatte sich bereit erklärt mitzufahren, damit unser Junge auch dabei sein kann. In diese Zeit fiel sein einunddreißigster Geburtstag, sie haben ihm ein Ständchen gesungen, „seine“ Kinder. Nun klatschen sie. Alle. Er war viel mehr als nur der Integrationshelfer unseres Kindes. Er war Integrationshelfer für alle Kinder dieser Klasse. Er war Integrationshelfer für die Lehrer, die oft zum ersten Mal Kontakt hatten mit einem Kind mit Autismusspektrumstörung. Wir hatten großes Glück mit dieser Schule und diesen Lehrern. Und unserem Paul!

Unser Paul. Ich denke, es fällt auch ihm schwer, dieser letzte Tag und dieses „Tschüss, mach´s gut!“, in die Runde.

Wir gehen Essen im Anschluss, das ist verabredet. Ich rede zu viel, bin aufgeregt, wenigstens habe ich nicht geflennt bis jetzt! Während wir auf das Essen warten, hole ich zwei Glückwunschkarten aus meiner Tasche.

Zum erfolgreichen (ich kann es immer noch nicht fassen) Abschluss dieser Etappe bekommen beide, der Junge und Paul, einen Fallschirmsprung geschenkt von uns. In Pauls Karte habe ich geschrieben: „Ganz egal, wohin Deine Reise Dich auch führen mag, unsere Familie bleibt für immer ein Teil Deiner Lebensgeschichte und Du für uns immer ein Teil unserer Familiengeschichte.“…

Er freut sich. Also so, wie sich jemand freut, der Höhenangst hat. Ich sage ihm, dass ich ihm mein Kind anvertraue für diesen Flug, genauso wie ich ihm den Sohn in den letzten Jahren anvertraut habe. Und dass ich denke, dass das großartig wird für beide.

Paul sitzt mir gegenüber und nun kann ich nicht mehr länger warten. „Na,“ sage ich, „Wann gehts denn auf´s Kreuzfahrtschiff?“. Er schüttelt den Kopf. „Kein Kreuzfahrtschiff! Ich weiß noch nicht, was ich mache. Ich muss dann dem Bubi mal eine Frage stellen, davon hängt das ab.“. „Was für eine Frage?“, will ich wissen. Er schüttelt wieder den Kopf, er will es mir offensichtlich nicht sagen.

Ich bin irritiert…

… der Bubi seziert derweil seelenruhig seinen Goldbroiler…

Später, der Hosenscheißer tut das, was sein Name sagt und ich bin im Waschraum zugange und der Beste vertritt sich derweil die Füße, führen die beiden ein Gespräch. Nichts davon werden wir je erfahren. Aber als wir zurückkommen, sagt Paul zu uns:

„Ich möchte gern bleiben! Noch ein Jahr vorerst.“.

Ich fange an zu plappern, dass ich nun als nächstes einen Weltraumsprung organisieren werde zur Abifeier und dass wir uns freuen würden und lauter plapperiges Zeug, hektisch, mit flatternden Armen.

Er bleibt! Paul wird den Bubi auch auf dem Gymnasium begleiten, zumindest das nächste Jahr!

Heute Morgen dann sitze ich im Auto und auf einmal kommen die Tränen. Ich hätte nicht gewusst, wie ich mich hätte verabschieden sollen. Ich kann gar nicht sagen, wie nah mir dieser junge Mann geht, trotz aller Professionalität, die ja unsere Zusammenarbeit ausmacht. Ich sehe, was er für meinen Jungen war in den vergangenen Jahren und wie groß und positiv sein Einfluss. Ich bin so unendlich dankbar. Die Tränen rinnen, die Ampel wird nicht grün. Macht nichts. Dann sitze ich hier und heule an der Albertbrücke morgens halb neun. Vor Stolz. Der Bubi hat´s geschafft! Mein Kind hat es geschafft! Er wird auf die Penne gehen ab August!

Und Paul bleibt bei uns… ich heule immer noch, vor  Rührung und Erleichterung und auch, weil mir jetzt klar wird, wie sehr er mittlerweile zu uns gehört. Er bleibt!

Und wir werden sehen, wie weit die Reise noch geht für dieses Kind, auf das noch vor ein paar Jahren keiner wetten wollte. Und ab wann er seine Schritte alleine wird gehen können und wohin sie ihn führen. Ich nehme Wetten entgegen!

 

 

 

 

Milch für alle!

„Guten Tag. Meine Name ist Rike und ich habe keinen Pullermann!“

Warum ich euch das erzähle? Weil der Blondino es eh jedem verrät!

„Meine Mama hat gar keinen Pullermann!“, ist die Top-Meldung, die es zu verbreiten gilt. Und das nimmt er ernst. Quasi jede(r) wird darüber informiert. Ich kenne das schon. Von früher. Als der Große noch ein Kleiner war, gab es Mama und Papa. Papa sah so aus und Mama anders. Weil Jungs und Mädchen nun mal verschieden aussehen und wenn die Mädchen dann Mamas… äh… und die Babies… äh… ja, das war früher total einfach zu erklären!

Jetzt sind sie hier in der Überzahl mit 3:1 und es geht wieder los. Diesmal mit verschärfter Aufmerksamkeit auf mich, weil der Papa und der Bruder, also die sehen ja so ähnlich aus wie man selbst. Aber die Mama! Die Mama sieht ganz anders aus. Und die hat auch keinen Pullermann! Der fehlende Pullermann ist ständig Thema.

„Hast Du einen Pullermann?“. „Nein, ich bin ein Mädchen. Ich habe keinen Pullermann.“. „Isch will gucken…“, springt vom Stuhl und fährt mir unter den Rock! „Hast du keinen Pullermann?! Och, arme Mami. Sollsch ma trösten?“.

Pullermänner sind momentan total spannend und ich muss ständig bewundernde Worte finden für das in Größe, Form und Konsistenz wandelbare Puller-Instrument. Mal wieder. Gut, das war auch schon vor den Kindern so, aber als Mutter ist man da noch mal anders gefragt. „Guck mal, wie der groß ist! Der ist ganz groß, oder? Ist der groß?!“, „Ja, Schatz, der ist groß. Mach die Hose wieder drüber, ja?“.  Das ist alles normal, alterstypisch und ich habe das alles auch schon so oder ähnlich und ganz anders mit dem ersten Kind durch.

Nachdem das Großkind im Alter von sieben oder acht Jahren der Lehrerin, der Bäckersfrau und allen Leuten auf der Straße erzählt hat, dass seine Mutter nachts „…schwule Frauen im Fernsehen ansieht. Die reiben ihre Brüste aneinander!“, und ich ihm nicht begreiflich machen konnte, dass das kein Programm war, das ich geschaut hatte bevor ich eingeschlafen bin, ist mir eh nichts mehr peinlich!

Ich erinnere mich auch noch an ein Gespräch vor vielen Jahren, bei dem  ich dem Kind erklären musste, dass man sich nur im Schritt berührt, wenn man allein ist. „Aber Mama, weißt du eigentlich, wie schön das ist?!“, war die völlig verblüffte Antwort des damaligen Kleinkindes. „Ja, ich weiß das. Aber ( Achtung, jetzt kommts!) das macht man nicht vor anderen Leuten!“. Wisst ihr, was er geantwortet hat? „Und warum?“. Und nun sage mal einer, Kinder würden nicht die wirklich wichtigen Fragen stellen!

Meine Alleinstellungsmerkmale in dieser Familie umfassen aber nicht nur das Fehlen eines in den Augen des Kleinkindes zwingend notwendigen Körperteils, nein, ich habe dafür aber obenrum was in der Bluse. „Zeig ma die Brust!“, fordert der Dreijährige oft neugierig und guckt sich das alles ganz genau an. Natürlich weiß er auch, warum Mamas eine Brust haben: „Wenn die Mama ein Baby im Bauchnabel hat, hat sie Mülsch in der Brust! Schöne weiße Mülsch!“, erzählt er nun auch mitteilsam jedem, der niemals wagte zu fragen, und neulich erst der arme Paketmann…

Der DHL-Mann bekam bei der Übergabe eines Amazon-Paketes nicht nur die wertvolle Information: „Meine Mama hat Brustmülsch!“, sondern zusätzlich noch das Angebot: „Willsdu ma gucken die Brust? Hier…warte…“, und hilfsbereit machte es sich bereits an der Freilegung der abgelaufenen Milchpackung zu schaffen, während noch das Paket übergeben wurde.

 

 

Zum Glück ist das alles endlich und in ein paar Jahren wird er mich anpflaumen, ich optische Zumutung solle mich gefälligst verhüllen, er erblinde sonst! Und das auch schon, wenn er meiner nur in Slip und BH ansichtig wird. Ich kenne das bereits von seinem Bruder. Dann spätestens interessiert sich nur noch einer in der Familie für meine Alleinstellungsmerkmale.

Hoffentlich!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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Wurzelschaden

Ich bin ja so oft umgezogen, dass ich einfach bei achtzehn aufgehört habe zu zählen. In manchem Jahr bin ich sogar mehrmals umgezogen, mit leichtem Gepäck. Keiner weiß mehr genau, an welche Wohnungstüren ich überall mal meinen Namen drangepappt habe. Ich am Allerwenigsten!

Nun, das f*cking Alter, werde ich wunderlich. Ich habe das Bedürfnis, Rosenstöcke vor die Haustür zu stellen und ein selbstgetöpfertes Türschild anzubringen (Du lieber Himmel!). Ich möchte wurzeln. Ankommen und bleiben. Ich fürchte, demnächst finde ich auch noch Gefallen an der Farbe Beige und Besuchen im Möbelhaus. Mir graust.

Pieschen war für die letzten sechs Jahre unser Zuhause (Pieschen ist ein Stadtteil in Dresden, für die Neuen hier.). Pieschen ist, nun ja, was für Liebhaber. Ich war Liebhaber! Ich mag dieses Angeschlonzte, Verrotzte ja irgendwie. Aber für die Kinder wollte ich was anderes. Keine Spielplätze mit zerkloppten Bierflaschen im Sandkasten. Keine Kothaufen-Rallye auf den Fußwegen. Stattdessen Grün und Vögelgezwitscher. Elbnähe, und zwar auf der schöneren Seite der Elbe.

Aber mit dem Wünschen ist das ja so eine Sache. Die Anforderungen waren wohl zu unspezifisch, denn: Et voila! Wir wohnen nun in Elbnähe, inmitten von Ahörnern, Linden, Tannen und Robinien, Vögeln und efeuumwucherten Mäuerchen. Und Blasewitzern.

„Wer aus Pieschen wird verwiesen, zieht nach Blasewitz oder Striesen!“ (Pieschner Redensart)

Blasewitz („Blowjoke“, wie ein lieber Freund der Familie es titulierte) ist nicht witzig! Nein, eigentlich lacht darüber wirklich niemand in Dresden. Blasewitz ist elitär und wunderschön und kein bisschen witzig. Hier, vom Bombenhagel des letzten Weltkrieges verschont, stehen hochherrschaftliche Villen auf großzügigen Grundstücken mit altem Baumbestand. Keiner brüllt hier des Nächtens volltrunken irgendwelche Schmutzparolen durch die Straßen. Hier werden die Tore verschlossen, auch tagsüber. Nachts ist es still, nichts übertönt das Schnarchen des Bärtigen. Es ist wunderschön. Und still. Endlich Ruhe!

Dennoch habe ich einen Wurzelschaden. Ich komme nicht „an“.

Ich werde mich mit den kommenden Zeilen wohl auch nicht beliebter machen in Blowjoke, aber wer liest das denn schon! Hier lesen bestimmt eh alle nur die Wirtschaftswoche…

Die neue Nachbarin nennt mich manchmal „gnädige Frau“ und meint das durchaus nett. Wenn von anderen Nachbarn die Rede ist, wird die Berufsbezeichnung mit genannt („Der Musiker und die Anwältin…“; „Der Architekt und die Physikerin…“). Abends sieht man hier Herren mit Slippern an den Füßen, auf denen Quasten rumbaumeln und einem Kaschmirpulli leger um die Schultern geknotet. Die erste echte Frau mit aufgespritzen Lippen habe ich in Blasewitz gesehen und mit offenem Mund angestarrt. Ebenso Stiefel aus Schlangenleder, wobei ich mich damit wirklich nicht auskenne.

In Pieschen stehen auch am Wochenende Leute morgens vor der Trinkhalle. In Blasewitz ist man am Wochenende morgens auf dem Tennisplatz im Waldpark.

Man „trifft“ hier nicht einfach andere Mütter irgendwo. Wir wohnen jetzt seit einem halben Jahr hier vor uns hin, alleine. Gegenüber wohnt eine Familie mit vier Kindern, aber ich denke nicht, dass es gesellschaftlich etabliert ist, wenn ich dort klingeln würde mit den Worten: „Tach! Ich bin die Neue von gegenüber und das ist der Blondino. Wollt ihr nicht mal zum Spielen zu uns rüberkommen?“. In Pieschen wäre das kein Problem. In Blasewitz habe ich Ladehemmung. Jeder ist hier für sich in seinem Haus mit dem schönen großen Garten.  Mir fehlen meine früheren Nachbarinnen und ihre Kinder. Ich bin wohl ein bisschen einsam…

Vielleicht liegt das auch an meiner eigenen Aufzuchtphase.

Die frühen Jahre: Neustadtkind mit coolen Klamotten vor baufälliger Wohnsubstanz, circa 1973

Ich bin in der Dresdner Neustadt geboren. Zu einer Zeit, als die nicht hip war und keiner wusste, was ein Hipster ist. Wenn man damals die Tür zur „Erlenklause“ öffnete, guckten einen durch den obligaten gelben Nikotinschleier zehn Leute an mit zusammen hundert Zähnen in der Gusche und hundert Jahren Zuchthaus auf dem Buckel. Graue, dreckige Häuserschluchten mit erstem und zweitem Hinterhaus und kaum einem kümmerlichen Baum dazwischen. Das war die Neustadt! Also bevor die hip-pen jungen Leute kamen. Und vor ihnen der Helmut Kohl und die Wende…

Prießnitzstraße 48. Das Fenster über der Einfahrt war früher die Stube meiner Oma.

Die Kinder spielten in den Hinterhöfen oder in baufälligen Häusern (die eigentlich nie abgesperrt waren, also im Sinne von wirklich abgesperrt) oder Kellern oder einfach auf der Straße. Einen Garten vorm Haus hatte eigentlich niemand. Nein, nicht eigentlich. Niemand, den ich kannte, hatte einen Garten vorm Haus! Die meisten hatten noch nicht mal ein Auto vorm Haus. Später dann schon, nach vierzehn Jahren Sparen und Warten.

Als ich im zarten Alter von achtzehn Jahren wieder in die Neustadt zurückzog, sagte meine Mutter entrüstet: „Wir haben wirklich alles darangesetzt, dass wir dich aus dem Dreck rausholen können und du? Du ziehst freiwillig wieder dahin zurück?!“. Genau.

Heute bin ich nur noch selten da. Zu modern, zu voll, zu hip, zu… und dennoch. Ich erinnere mich an die Wohnung auf der Waldschlösschenstraße und die Badewanne

Letzte Woche war ich da und bin bewusst und alleine durch die Straßen geschlendert. Ich habe mich erinnert, wie (War es 1985? Später?) „Beat Street“ in der „Scheune“ aufgeführt wurde, rappelvoller Saal, alle hochemotional geladen. Wie sich immer mehr junge Leute mit bunten Haaren und verrückten Klamotten auf die Straße trauten, sich in der Neustadt die Hausbesetzer breitmachten und die ersten „Cafés“ einfach illegal eröffneten. Einige davon existieren noch heute, sogar unter ihrem ursprünglichen Namen.

In dem Hinterhäuschen wohnte die alte Frau Goldmann. Die hatte nur ein Zimmer mit Küche und kaum Zähne. Ich fürchtete mich sehr vor ihr! Einmal war meine Cousine Antje da und ich fühlte mich urst mutig, hab aus dem Küchenfenster gerufen: „Huhu, du alte Hexe!“. Leider hat meine Oma das gehört und ich musste runter zur Frau Goldmann, mich entschuldigen. Antje auch, obwohl die gar nichts gemacht hat. Und die alte Hexe? Hat uns eine Banane geschenkt. Eine BANANE!

Das linke Fenster mit dem Ast war das Zimmer, das meine Eltern mit mir bewohnt haben. Das Fenster rechts daneben gehörte zur Küche. Dort habe ich rausgeguckt und die arme Frau Goldmann… ihr wisst schon.

Ich erinnere mich an Konzerte. „Kaltfront“, „Die Freunde der italienischen Oper“. An zehn fremde Leute, die irgendwie bei mir auf dem Boden schliefen nach einem Konzertabend („Hey, haste ne Penne?!“, gängige Frage damals an jedem Wochenende). Ich erinnere mich auch an Abende, in denen ich ohne Kohle, ohne Fahrschein in einem Zug stand und nach Berlin fuhr. Auf irgendein Konzert. Und nein, es war nichts mit Geige oder Piano. Nie.

Heute wachsen Blumen vor Frau Goldmanns Häuschen. Das hätte ihr bestimmt gefallen. Mir jedenfalls gefällts.

Prießnitzstraße achtnfürtsch. Einen Steinwurf entfernt ist die Talstraße. Dort wohnte mein Schwiegervater, als er noch nicht mein Schwiegervater war und der in die gleiche Klassenstufe ging wie der Bruder meiner Mutter und irgendwann einen Sohn zeugte, der dann zwanzig Jahre später die Tochter der Schwester eines Schulkameraden… könnt ihr noch folgen? Genau, der Bärtige ist auch ein Neustadtkind. Der wurde aber erst geboren, als ich schon lange evakuiert war aus er dreckigen Neustadt und überhaupt habe ich mich damals noch nicht für Babies interessiert…

Früher habe ich manchmal scherzhaft gesagt, falls eines meiner Kinder so eine verrückte Jugend hinlegen sollte wie ich, sperre ich es ein. In einen Turm, einen hohen. Für so zehn, zwölf Jahre! Heute würde ich vermutlich dafür sorgen, dass er genug Kohle in der Tasche hat und meine Nummer abgespeichert. Und eine Bemmenbüchse in seinen Rucksack schmuggeln…

… Oder ihn einschließen!

Ich habe letzte Woche in der sauberen, freundlichen, schicken Neustadt gesessen und auf Mareice gewartet. Und ich mochte das dort. Es ist bunt, jung, laut. Ist die Neustadt authentisch? Pieschen ist echt. Pieschen ist das, was die Neustadt mal war. Wird dann Pieschen irgendwann die neue Neustadt? Hm. Gibt es bald gar keine drecksche Ecke mehr? Keine die aussieht wie „früher“?  Meine Mutter sagt: „Bloß gut!“, und: „…Dass du das alte verkommene Haus fotografiert hast! Nee, also wirklich, wie das aussieht!“. „Ja, aber genauso sah es damals doch aus!“, erwidere ich. „So haben wir doch gewohnt! Nur nicht so schön bunt. Man muss sich doch mal daran erinnern!“. Nein, muss man nicht, findet meine Mutter.

Doch, finde ich. Mir hilft das. So für die eigene Ortsbestimmung.

Mareice hätte auch überall sonst in Dresden lesen können, aber hierher hat sie allerdings besonders gepasst. In die Neustadt.

Als ich an dem Abend dann sehr spät mit dem Rad über die Albertbrücke auf die andere Elbseite fuhr und das „Blasewitz“-Schild passierte, hatte ich mich ein bisschen versöhnt. Blasewitz kann nichts dafür. Ich bin eben ein Neustadtkind. Sozialisiert zwar, aber dennoch.

Am Wochenende darauf saßen wir (Überraschung!) auf unserem Grundstück in Blasewitz rum, als von irgendwoher (zwei Grundstücke weiter die Straße runter, ich glaube, die Villa mit den roten Klinkern) Kindergelächter und Geschrei zu hören war. Und auf einmal ein kräftiges Niesen. Ich brüllte beherzt über alle Gartenzäune: „GESUUUUNDHEIT!“ (Voll peinlich, ey, als wären wir in Pieschen!).

Und wisst ihr was? Zurück kam ein: „DAAAANKE!““. Ich denke, ich werde dort mal klingeln.

„Tach! Ich bin die Neue aus der achtzehn. Ham sie neulich mal genießt im Garten? Und wolln sie mal zu uns zum Spielen rüberkommen? Sie oder die Kinder? Wir haben weder Titel noch Familienstammbaum oder Kaschmirpullover, dafür aber immer kaltes Bier. Also nicht für die Kinder! Wir könnten uns Blasewitze erzählen beim kalten Bier!“.

Ich arbeite noch an der Ansprache…

 

 

Ich liebe meinen Zahnarzt (-Tag)

Heute ist ein weltweiter Feiertag, darauf wurde ich via Facebook aufmerksam gemacht. Von der Zahnarzthelferin meines Vertrauens. Genau, heute ist „Ich liebe meinen Zahnarzt-Tag“!

Es gibt ja für alles einen Feiertag, warum also nicht für Zahnärzte? An diesem Tag, also heute, soll man seinem Zahnarzt (das schließt jetzt Dentisten aller Geschlechter ein) seine Dankbarkeit ausdrücken.

Als mich also die Empfangsfee meines bemundschutzten Mister Grey auf dieses Datum aufmerksam machte, konnte ich meine Begeisterung kaum im Zaum halten. Verständlich! Ich bin nämlich Angstpatientin und hole jetzt mal aus…

Als ich vor vielleicht zwanzig Jahren zum ersten Mal die Praxis am Dresdner Fetscherplatz besuchte hineingeschleift wurde , lebte ich bis dato bestimmt fünfzehn Jahre ein zahnarztfreies, glückliches Leben. Ich hatte auch nicht wirklich vor, daran etwas zu ändern, schlossen doch die Sitzungen auf der Folterbank des Grauens für mich unsagbare Schmerzen und hauptsächlich eine entsetzliche Angst vor unsagbaren Schmerzen ein. Geprägt durch DDR-Zahnarzt-Besuche ohne Schmerzmittelbehandlung, dafür mit gebrülltem Kommandoton: „Jetzt reißen sie sich gefälligst mal zusammen, Frollein!“, taten ihr übriges zu meiner Aversion.

Ihr wisst ja alle, wie das mit Zahnärzten ist. Keine mag sie, alle brauchen sie. Irgendwann.

Damals fand ich in dieser Praxis gegenüber dem Counter ein gerahmtes Bild mit einem Sinnspruch in Richtung Behandlung von Angstpatienten (ich weiß gar nicht, ob das dort noch immer hängt), ich hielt es für ein gutes Omen. War es.

Der Zahnarzt sah aus wie Jürgen von der Lippe und hatte ein geduldiges, liebevolles Auftreten. Dass ich immer erst fünf Minuten heulte, bevor er in meinen Mund gucken durfte, wurde unser Ritual. Er ließ mich gewähren, und ich ihn. Es wurde gut. Oder zumindest besser! Mein Zahnstatus und auch meine Angst. Zahnarztangst lässt sich tatsächlich nur mit Expositionstraining beheben, heißt, durch immer wiederkehrende Zahnarztbesuche in möglichst kurzen Abständen.

Dann, es muss so 2004 oder 2005 gewesen sein, teilt mir Jürgen von der Lippe mit, er wöllte sich zur Ruhe setzen. Ich war schockiert! „Was? Wie? Aber sie sind doch noch jung! Und was wird aus mir?! Kann ich zu ihnen nach Hause kommen? Sie werden doch bestimmt in der Garage auch noch ein paar Bohrer haben! Ich gehe nicht zu einem anderen Zahnarzt. Niemals! Ich komme zu ihnen nach Hause. Gibt die Schwester mir ihre Privatadresse? Nein?! Warum denn nicht! Doktorchen, bitte. Ich bin ein Notfall!“.

Er versuchte mich zu beruhigen mit den Worten, dass er einen wirklich würdigen und fähigen Nachfolger gefunden habe und sich absolut sicher sei, dass ich bedenkenlos weiterhin in diese Praxis gehen könnte. Pah! Von wegen. Würde ich nicht.

Doch, hab ich. Meine Zähne, die sich an die regelmäßige Zuwendung gewöhnt hatten, neigten nämlich ab sofort zu starken Verfallserscheinungen. Ich also hin, nichts Gutes ahnend. „Wenns wehtut, gehst du schon!“, stimmt leider in Bezug auf Zahnarztbesuche. Außer, man hält eine Schnaps-Ibu-Therapie mit anschließender Leberschädigung für erstrebenswert.

Ich erinnere mich sogar noch ganz genau an die erste Begegnung mit dem „Neuen“. Ich saß als Schmerzpatientin (was sonst) schon vor um acht im Wartezimmer, zitternd, und die Tür ging auf. Ein junger Mann mit Aktenkoffer kam rein und blickte nickend grüßend ins Wartezimmer. „Pharma-Fuzzi“, diagnostizierte ich. Zehn Minuten später schüttete der vermeintliche Pharmavertreter mir die Hand und zeigte auf die Liege mit der Aufforderung, Platz zu nehmen.

Der Neue sieht aus wie Eckart von Hirschhausen in attraktiv und hat Augen wie Milka Zartbitter Schokolade (Darf ich das hier schreiben? Der liest das doch nicht, oder?). Fifty Shades of grey war damals noch nicht geschrieben worden, aber mein Mister Grey trägt ein lila T-Shirt über weißer Hose und schwingt seit zwölf Jahren den Bohrer.

In den letzten Jahren haben wir auch schon einiges zusammen durchgemacht. Ich mit den Zähnen, er mit mir. Ich kam schon unbestellt mit Befunden morgens an, die wurzelbehandelt werden mussten und den kompletten Betrieb lahm legten. Heißt, die Schwester kam mehrmals rein um ihm mitzuteilen, die „Bestellten“würden langsam randalieren! Er ließ sich nie beirren. (Edit: Ich würde problemlos eine Wartezeit von zwei Stunden dort in Kauf nehmen, weil ich mir vorstelle, dass er in dem Moment ebenso einem „Notfall“ zu Biss verhilft.). Er hält meine Marotten aus. Morgens mehr als abends, weshalb ich immer früh komme (das ist für uns beide besser). Und ich sage euch, also so wie ich mich dort benehme…

„Frau Voigt, machen sie den Mund auf.“, „Aber nicht mit dem Haken kratzen! Nur kurz gucken.“. „Bitte weiter, ich kann doch gar nichts sehen!“. „Ich will aber nicht! Ich will lieber erst ne Spritze!“. „Aber ich gucke doch erst mal nur! Das tut nicht weh. Ich bin ganz vorsichtig.“. Ist er immer.

Ich will prinzipiell die doppelte Dosis an Betäubung und kreische dennoch drauflos, weil ich immer, immer, immer noch was merke! Er bleibt ruhig.

Ich weigere mich, die leider notwendige Paradontosebehandlung bei der dafür angestellten Fachkraft machen zu lassen. Er macht es selber.

Ich brauche Pausen in der Behandlung und ein unverfängliches Gespräch zur Nervenberuhigung. Bekomme ich beides, egal, was das Bestellbuch sagt.

Ich behaupte, dringend ein Veneer zu brauchen für meinen schiefen Schneidezahn. Er sieht sich das Dilemma an und konstatiert, dass das eigentlich gut zu mir passen würde. Das mit dem schiefen Zahn. Seitdem lächle ich mit offenem Mund. Trotz schiefem Schneidezahn!

Er ist die Nadel im Heuhaufen.

Im letzten Jahr war fünfzehn Mal „zu Gast“ in der Praxis und alle freuen sich immer sehr, mich zu sehen. Das kann nur daran liegen, dass ich gelegentlich Kuchen mitbringe. Oder manchmal Blumen. Als Patientin bin ich die Katastrophe schlechthin! Aber das macht wohl die Profis aus. Dass sie auch mit solchen Nervenbündeln wie mir gut zurechtkommen.

Ich bin zahnarztmonogam und das aus gutem Grund: Meiner ist einfach der Beste!

Im letzen Jahr hat er Urlaub gemacht (Note to myself: Ich muss meine Urlaubsplanung ab sofort mit ihm absprechen) und Schmerzen im Kiefer zwangen mich zu Vertretungen. Drei Ärzte innerhalb einer Woche rieten mir, gegen die augenscheinliche Entzündung im Zahnfleisch antibakteriell zu spülen, das würde schon wieder! Dann, endlich, war der Zahnarzturlaub vorbei und der abgestorbene Zahn wurde fachmännisch behandelt. Da hätte ich noch Jahre weitergespült ohne Besserung!

Seit geraumer Zeit machen ja auch Zahnsanierungsangebote im Ausland gut Geschäft und ich gebe zu, für manchen mag das verlockend klingen: Fährst in die Sonne und lässt während deines Urlaubs alles mit Vollnarkose in einem durchgestyltem Krankenhaus richten. Inklusive Bleeching! Zum halben Preis mit anschließender Genesung am Strand.

Ich sage euch was: Niemals nicht mit mir! Und selbst wenn ich die Behandlungen in der nicht top durchgestylten Praxis ab sofort aus der Tasche bar bezahlen müsste, dann wäre das der einzige Weg für mich! Es gibt auch nur den Einen für mich. Und sollte der irgendwann in Rente gehen wollen, hat er mich ab dann in seiner Garage sitzen…

Und das muss ja mal gesagt werden! Er macht einen großartigen Job unter teilweise widrigen Arbeitsbedingungen und ja, wir machen alle unseren Job. Aber Leute, geht ihr mit mir mit, wenn ich sage: Die einen machen es so und die anderen einfach besser? Überall, in jedem Job? Ich glaube schon, dass das so ist.

Und wenn ihr selber auch so ein Schätzchen gefunden habt, dem gegenüber ihr vertrauensvoll den Mund öffnen könnt ohne Angst haben zu müssen, dass die Seele entfleucht, dann sagt es ihm oder ihr!

Vielleicht ruft ihr mal an, einfach so. Heute zum Beispiel! Denn heute ist offizieller „ich liebe meinen Zahnarzt- Tag“. Aber nächste Woche ist auch ok. Ich glaube, dass jeder Mensch sich über Lob freut, auch diejenigen, die den ganzen Mund voll Arbeit haben. 🙂

 

 

 

 

 

Ich sehe was, was du nicht siehst!

(Jetzt kommt die Soße zum Quatsch, also das Soßenrezept, nein, Soßenkonzept, nein, Soßenidee!)

Wenn davon die Rede ist, Eltern zu stärken, geht es im allgemeinen meist um Elternrechte, politisch initiiert. Oder Steuern. Oder Geld. Davon will ich hier aber nicht reden. Ich will ans Eingemachte!

Wenn ich euch jetzt fragen würde, ob ihr euch erinnern könnt an einen Ausspruch, der euch zutiefst gekränkt hat, fällt euch bestimmt etwas ein. Und erstaunlicherweise hängen derartige Erinnerungen auch Jahre nach.

„Haben sie eigentlich vor, später als Coach zu arbeiten? Nein?! Kluge Entscheidung!“ (mein Seminarleiter während der Coachingausbildung, 2013)

Sätze, herabwürdigende, in Situationen voller Abhängigkeit im Arbeitsverhältnis oder während der Schulzeit, sind oft lähmend und ziehen manchmal sogar jahrelange Selbstzweifel nach sich. Kennt ihr alle, oder? Warum fällt es so schwer, das zu vergessen und wieso haben Worte so eine negative Kraft und einen großen Einfluss auf unser Befinden und unser Sein?

„Sie haben so kalte Augen und einen harten Gesichtsausdruck, ich weiß überhaupt nicht, wie ich ihnen etwas Freundliches verleihen soll!“ (eine Fotografin, 1999)

Ich frage mich, warum sich ein jeder gut an dergleichen Situationen erinnern kann, aber die Lobe und das Positive, das wir erfahren, oft verblassen. Bestimmt haben Freunde und Familienangehörige oft in mir Fähigkeiten oder Stärken gesehen, mich gelobt  und dennoch sind in meiner Erinnerung die Situationen, in denen ich mich abgewertet gefühlt habe, prägnanter.

„Sie haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie zu Höchstleistungen fähig sind. Wir suchen allerdings Teamplayer und das sehen wir nicht in ihnen. Sie waren nur auf ihren eigenen Vorteil erpicht und für jemanden mit narzisstischen Zügen haben wir hier keinen Platz! Kein Personaler wird sie je einstellen.“ (Gremium im Vorauswahlverfahren für die Ausbildung zur Informatikkauffrau, 2003)

Möglicherweise ist es aber auch so, dass es einem prinzipiell schwerer fällt, ein Lob von jemandem anzunehmen (also wirklich zu glauben), der mit einem selbst emotional verwoben ist (Die lügen doch alle!). Vielleicht ist es so, dass positive Bestärkung, unerwartete, von außen sehr viel mehr wiegt, als wenn sie von Menschen aus dem inneren Zirkel kommt.

Denn in meinem Fall sind aus den Situationen, die ich euch oben skizziert habe, durch solche Effekte ganz wunderbare Dinge entstanden (außer aus der Situation mit der Fotografin, ich laufe immer noch mit meinem herzlosen Blick umher), die eines gemeinsam haben: den Zuspruch von außen. Vollkommen unerwartet!

Vor fünfzehn Jahren wollte ich eine Umschulung antreten. Nur hatten sich hundertfünfzig Menschen um fünfzig Plätze beworben. Also gab es eine Probebeschulung. Ich weiß nicht mehr, vier oder sechs oder acht Woche lang. Im Anschluss daran kam es zu oben skizzierter Situation. Ich weiß, ich bin völlig aufgelöst aus dem Raum, habe im Vorbeilaufen meinen Mitbewerbern erzählt, sie würden mich nicht nehmen, ich sei kein Teamplayer. Und bin nach Hause gefahren. Heulen, was sonst. Am Abend kam dann ein Anruf des Bildungsinstituts, ich möge doch bitte noch mal kommen. Ich weigerte mich. Sie insistierten. Sie sagten, sie hätten ihre Meinung überdacht und ich möge doch bitte kommen! Danach erzählten sie mir, im Anschluss an meinen Rauswurf hätten sich jede Menge Menschen vor diesem Ausschuss ausgesprochen für mich. Mitbewerber um die raren Stellen, Dozenten sogar. Erklärt, das sei eine fatale Fehlentscheidung! Ich wäre diejenige, die Lerngruppen organisiert habe, diejenige, die Kuchen für alle mitgebracht habe. Die mit ihrem Enthusiasmus alle mitgezogen habe und einen positiven Einfluss auf die Lernhaltung aller gehabt hätte.

Ich sehe was, was du nicht siehst!

Ich habe die Umschulung als Klassenbeste abgeschlossen und war auch die erste, die einen Arbeitsvertrag in der Hand hielt. Es gab sehr wohl einen Personaler, der mich eingestellt hat. Ich bin noch immer dort angestellt.

Während der Elternzeit habe ich eine Ausbildung zum Systemischen Coach gemacht. Ich wollte das unbedingt! Das Thema finde ich spannend und wow, das ist es noch immer. Der Ausbildungsleiter und ich, das menschelte leider vom ersten Tag an und er fand an meiner Performance keinen Gefallen. Nie. Die Prüfung stand an, bestehend aus einem öffentlichen Coaching (Klient und Thema waren völlig unbekannt) vor der Seminargruppe und drei Prüfern. Ich ging zur Auswertung und da saßen sie: der Ausbildungsleiter – eine Koryphäe im Coachingsektor – in der Mitte, flankiert von den beiden anderen Prüferinnen. Er sagte mir, das sei das schlechteste Coaching, das er je gesehen habe und in seinen Augen sei ich mit Pauken und Trompeten durchgefallen! Und zwar sowas von! Aber leider waren sie zu dritt. Eine Prüfungskomission. Und so standen dann beide Prüferinnen auf und schüttelten mir die Hand zur bestandenen Prüfung, während der Seminarleiter mit verschränkten Armen sitzen blieb. Ich sehe das Bild noch vor mir.

Im Nachgang hat sich der Coachee – die Klientin, die ich während meiner Prüfung gecoacht hatte – bei mir bedankt für die Stunde. Es sei inspirierend gewesen und sie hätte nun jede Menge Ansätze für ihre problematische Situation. Der Coachee ist das Kriterium der Wahrheit, redete ich mir ein und schredderte doch im nachhinein den dicken Ordner mit meinen Lerninhalten. Und dennoch, zwei zu eins. Ich höre noch die Worte der Koryphäe in meinem Kopf, aber dagegen stehen zwei erfahrene Coaches, die mir mit warmem Lächeln ehrlich gratuliert hatten. Die Zweifel schwinden…

Ich sehe was, was du nicht siehst!

Ich frage mich, ob dieser Effekt der „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ da eine Rolle spielt. Dass der Glaube an das Potential dieses erst sichtbar machen und zum Tragen bringen kann.

Warum ich euch das alles erzähle? Es ist schon wieder passiert!

Ja, genau! Ihr habt das gemacht! Ihr wart der Chor der Vielen, der mir auf meinen Beitrag hin geschrieben habt. So viele Kommentare, Mails, persönliche Gespräche. Und überall der Konsens: Mach weiter! Schreibe, Du hast Talent! Du berührst uns!

Und, wenn wir mal bei der sich selbst erfüllenden Prophezeiung bleiben: Ja, ich will der Mensch werden, den ihr in mir seht!

Ich möchte etwas zurückgeben, Euch! Meine Schädeldecke vibriert und meine Hirnrinde surrt (Alle Mediziner, bitte Ruhe! Doch, das geht, ich höre das Geräusch ganz deutlich! Nein, bitte nicht die Jacke mit den langen Ärmeln!), weil ich mir überlege, was alles möglich wäre. Und wie es gehen könnte! Also eine Möglichkeit, einen Raum zu schaffen, wo Schätze gehoben werden können, Potentiale entdeckt und Menschen gestärkt werden. Von anderen Menschen. Alle voneinander.

Ich erinnere mich an die vielen inspirierenden Gespräche der letzten beiden Wochen. Daran, wie gebannt ich Svenja und Sophie gelauscht habe auf der denkst.net und Nora auf der Blogfamilia. So viel Power und so viel Bestätigung und die Einsicht: Ja, das geht! Wir können uns gegenseitig befruchten und ja, möglicherweise kann ich auch in diesem Blog und auch abseits etwas beitragen dazu!

Mir kommt Verena in den Sinn, die auf der Blogfamilia zu mir gesagt hat, sie würde nicht mehr bloggen, wenn ich sie nicht bestärkt hätte. Damals. Und: „In jedem Menschen siehst du etwas Schönes!“ (ihr Gesicht voller ungläubigem Zweifel). Ich weiß, dass ich im Brustton der Überzeugung geantwortet habe: „Da ist ja auch immer etwas Schönes!“. Und das stimmt, das glaube ich wirklich zutiefst.

Ich sehe was, was du nicht siehst! Etwas, das du noch nicht siehst. Oder im Moment aus den Augen verloren hast.

Was mir im Detail vorschwebt? Eine Mischung aus Einzelcoachings und Motivationscoaching in kleinen Gruppen und irgendwie hier auch im Blog immer mal so Sachen aus dem Bereich, die möglicherweise allgemeiner Natur  sind und Denkanstößen liefern können. Wollen. Nicht müssen!

Und wenn jetzt jemand sagt, ach Quatsch, gibts doch alles schon! Schon hundert Mal! Online-Coachings, Dingsbums und hier und dort, an jeder Ecke! Dann sage ich: Wunderbar! Von manchen Sachen kann es auf der Welt einfach gar nicht genug geben. Ernsthaft. Es kann nicht zu viel Berührung geben. Niemals zu viel Zuspruch! Mensch, das lernt man doch als Mutter oder Vater in der Elternklasse eins. Loben, loben, loben, Potentiale fördern. Nichts anderes habe ich mit euch großen Kindern hier vor. Denn ich glaube, so gut und behutsam wir heute mit unseren Kindern umgehen, oft genug schaffen wir es nicht, uns selbst im Auge zu behalten und mit der gebotenen Behutsamkeit zu behandeln. Ich kenne das selbst und ihr wisst das genau! Möglicherweise schaffen wir es gemeinsam.

Ich habe noch kein Konzept, nur Gedanken. Ich schreibe euch das hier hin, weil ich ich denke, das könnte was Gutes sein. Etwas, das guttut! Und weil ich da richtig, richtig Bock drauf habe. Und weil ich möchte, dass ihr mir eure Meinung dazu sagt. Dass ihr mich befruchtet! Oder mir den Quatsch mit Soße ausredet.

Los, haut in die Tasten. Hier im Kommentarfeld oder per Mail an nieselpriem.blog@gmail.com.

Ich freu mich! ❤

 

Ich sehe was, was du nicht siehst… und das ist wunderschön!

 

 

Quo vadis, Nieselpriemchen?

Alles muss anders werden! Immer.

Leben ist Veränderung und höher, schneller, weiter ist der Marschauftrag des Lebens. So wird es mir manchmal suggeriert. Und für einen Blogger übersetzt: Größer! Die Worte „Wachstum“ und „Ruhm“ stehen auf der Zielflagge.

Als ich anfing mit Bloggen, dachte ich mir: ´Hach, es wäre schön, wenn das fünfzig Leute lesen und mögen würden…´. Dann lasen mich irgendwann fünfhundert Leute und ich dachte, dass es der absolute Hammer wäre, wenn irgendwo in einer Zeitung mal was stünde von mir. Als das dann eintrat, war ich gar nicht so glücklich, wie ich annahm sein zu müssen, weil parallel bekannt wurde, dass große Verlagshäuser ihre festangestellten Schreiberlinge, die lange Germanistik oder Journalismus studiert hatten, kündigten und vergleichsweise billig Bloggercontent einkauften. Ich hatte immer irgendwelche „Ziele“, die sich dann bei Erreichen als, hm…, fade beigeschmacklich entpuppten. Ich hinterfragte mich permanent, was ich denn eigentlich will. Und konnte keine Antwort finden! Außer dem Aspekt der Psychohygiene und nun ja, dazu braucht man eigentlich nicht wirklich dieses Internet.

Viele Blogger, die ich kenne, träumen davon, vom „Schreiben“ zu leben. Doch die wenigsten schaffen es! Denn selbst erfolgreiche Blogger leben ja nicht wirklich vom Schreiben, sondern weil sie hochdiszipliniert an Kooperationen und Werbeauftrgägen arbeiten, ihre Seite optimieren, ihren Auftritt, suchmaschinenoptimiert schreiben, sämtliche social media Kanäle unterschiedlich bespielen und dergleichen mehr. Ich unterstelle, dass ein professioneller Blogger locker sechs Stunden am Tag für sein Business tätig ist. Und die wenigste Zeit ist tatsächlich Redaktionsarbeit! Davon bekommt der Leser in der Regel nichts mit und so wirkt das alles fluffig, weich und easy peasy. Mit Bloggen reich werden, super ganz einfach! Also von außen betrachtet.

Das ist nicht mein Ding. Zu unberechenbar, zu viele Abhängigkeiten. Abgesehen davon, ob ich überhaupt das Zeug dazu mitbringen würde.

Ich fing an zu zweifeln an diesem Blogdings. Also meinem. Mir fielen in den letzten Wochen und Monaten immer mehr Dinge rund ums Bloggen ein, die ich nicht will. Und parallel habe ich mir eingeredet, zu wissen, was Leser denn so suchten. Ich meine, Leute! Echt ey, der erfolgreichste Blogartikel hier ist ein dünngeistiger Schriebs über ein Fußbad mit Mundwasser! Ich krieg schon Herpes, wenn ich mir überlege, wie ihr das jetzt wieder anklickt! Und apropos anklicken: Wenn ich die Statistik angucke, wird mir übel. Ich habe das ja schon mal verbloggt. Notfalls noch mal hier klicken, dann wisst ihr was ich meine.

So, und jetzt bitte mal aufhören mit der Rumklickerei, ich will euch doch was erzählen. Also, ich dachte, Leser sind eine unberechenbare Menge an seltsam interessierten Menschen und elternblogaffine Leser prinzipiell nur interessiert an Gewinnspielen und happy content und weichgezeichnete Glamour-Fotos oder wollen wenigstens regelmäßige Einblicke in Kochtopf und Kinderzimmer. Und nichts von dem kann oder will ich bedienen!

Bin ich überhaupt ein Blogger? Ich hasse Produkttests (so, jetzt isses raus). Ich will keine Gewinnspiele machen und bin zu undiszipliniert, um mich an sowas wie einen Redaktionsplan zu halten und die großen Bloggertermine wie 12 von 12 oder Freitagslieblinge oder Wochenende in Bildern  regelmäßig zu bedienen. Ich mag das, aber ich will nicht unbedingt immer zu diesen Terminen was schreiben und manchmal will ich gar nicht, dass irgendwer reinguckt bei Nieselpriems! Und ich will auch nicht Handbücher lesen um Google-optimiert zu schreiben! Ich will gar nicht, dass dreitausend Leute hier vorbeistolpern, um einen Grill zu gewinnen. Oder ein Duschbad. Und dann wieder gehen. Geht weg! Hier gibt es nichts zu sehen!

All das wurde mir klar und dachte, es ist wäre Zeit, das Blöggel auf den Internetfriedhof zu tragen. Denn ist es nicht das, was Blogger wollen? Mehr Reichweite? Mehr Kooperationen? Mehr Ruhm?

Nachdem ich also nur noch gesehen habe, was ich alles nicht will, kamt ihr. Mit euren Kommentaren, eMails, sogar persönlich auf mich zu. Und mir wurde klar, ihr seid gar keine unberechenbare Masse!

Ihr habt geschrieben, ich würde euch berühren. Durch meine Worte, meine Geschichten. Durch dieses schmale Unterhaltungsprogramm hier, gänzlich ohne Gewinnspiele! Zehntausend Menschen haben diesen Beitrag in den ersten zwei Tagen gelesen und ich weiß nicht mehr, wie viele mir geschrieben haben. Durch eure Zuschriften und euer Feedback erst ist mir klar geworden, was ich will. Nicht nur, was ich nicht will!

Ich möchte Leserbindung. Ich will nicht zehntausend Leser binden, ich wünschte mir, einige würden mich begleiten. Aber dafür länger und nachhaltiger! Ich will mit euch alt werden. Unsere Themen werden wachsen und sich verändern wie unsere Kinder und ich will auch mehr Teil eurer Welt sein und wissen, was da los ist. In eurer Welt.

Und ich frage mich: In einer Zeit, die immer distanzierter wird und wo es Benimmregeln für den optimalen Körperabstand während eines Gespräches gibt und das Internet zur räumlichen Distanzierung beiträgt, kann es da selbst die Lücke schließen, dieses Internet?

aus: „Wunder wirken Wunder“ von Eckart von Hirschhausen

Ich möchte Menschen berühren. Das ist, was ich will. Dass ich das mit meinen Worten schaffen könnte, hätte ich nicht gedacht. Dass das auf diesem Weg hier möglich ist, auch nicht. Ihr aber habt behauptet, ich könnte das und nun habt ihr den Salat!

Ich mache mir seitdem Gedanken, wie weit ich gehen will und wie weit ich gehen kann. Und wo der Weg ist (ich kann keine Karten lesen und verfahre mich auch mit Navi). Und noch habe ich keinen Plan, aber langsam den Hauch einer Ahnung.

Aber eines ist trotzdem klar: Nein, ich höre nicht auf, hier Blödsinn zu verzapfen (das wäre wider meine Natur) und es gibt noch so viele Geschichten zu erzählen (und die Jungs sorgen täglich für Nachschub). Ich erwäge nur neue Möglichkeiten zusätzlich- Vielleicht wird das jetzt ein „Komplementär-Blog“, quasi Quatsch mit Soße! Und was die Soße vielleicht sein könnte, das schreibe ich euch morgen…

 

 

Blogfamilia 2017

Wenn ihr das hier lest, sitze ich im Bus nach Berlin. Am Freitag findet zum dritten Mal die Blogfamilia statt, die größte Elternbloggermesse Deutschlands. 

Ich bin zum dritten Mal dabei und doch ist es diesmal anders. Die vergangenen beiden Jahre war ich Gast, in diesem Jahr bin ich Teil von dem „Bums“.

Die Blogfamilia wurde immer größer und aus diesem Grund hat sich Anfang des Jahres ein Verein gegründet, zu dessen Gründungsmitgliedern ich zähle, und der in diesem Jahr die Messe gemeinsam veranstaltet.

Als ich gefragt wurde, ob ich mitmachen wöllte, war ich gerührt und geehrt, steht Blogfamilia doch für mich für die Bloggerfamilie, als Teil dessen ich mich sehe. Und auch für eine Art Institution für Familienblogger und die Themen von Familie im allgemeinen. Das Sichtbarmachen derselben ist ein großes Ziel der Blogfamilia und ich bin gespannt auf die Sessions und Vorträge. Und am meisten auf „meine“ Leutchens. So viele sehe ich nur einmal im Jahr, sehe ich nur auf der Blogfamilia, es ist tatsächlich ein bisschen wie zu einem Familienfest zu fahren!

Es wird für mich anders sein in diesem Jahr, ich werde viel weniger Zeit haben zum Quatschen und auch nicht jeden Vortrag hören können und dennoch finde ich es großartig, im „Staff“-Team dabei zu sein und so meinen Beitrag zu leisten, dass alle Besucher an diesem Tag genauso begeistert und emotional angeregt nach Hause gehen, wie ich in den vergangenen Jahren. Ich lebe einfach den Gedanken dahinter und träume großartige Träume, davon, was entstehen könnte, wenn man die energy der schreibenden Eltern kanalisieren würde! Und ich träume davon, dass wir uns wirklich als Gemeinschaft, als Familie sehen. Und zwar als eine gute, in der man sich zuhört und unterstützt. Und sich unterstützt fühlt.

Hier hab ich noch mal was rausgekramt, was ich im vergangenen Jahr im Nachgang verbloggt hatte.

Ihr könnt die Blogfamilia 2017  via Instagram verfolgen. Oder auf Twitter. Und wenn ihr selbst als Besucher vorort seid und wir uns bisher noch nicht persönlich kennengelernt haben, sagt „Hallo Nieselpriemchen!“ oder drückt mir hemmungslos einen feuchten Schmatz auf die runzlige Stirn, je nach Temperament. Ich freu mich, kannste glauben!

Berlin, isch gomme! 🙂

 

Die Glücksbürste

Ich fahre mit den Nachkommen zur samstäglichen Lebensmitelbeschaffungsquelle. Von hinten singt das Kleinste glücklich mit seiner Tweety-Stimme:

„Hip, Schulter, niesenos, niesenos. Hip, Schulter, niesenos, niesenos. Aishe isst Bananentoast. Hip, Schulter, niesenos, niesenos!“

Der Großsohn schreibt gerade seine Prüfungen und die Vorprüfungen sind prima gelaufen. Auch stellt er sich passabel an und der Muttihimmel hängt voller Geigen deshalb. Auf dem Rückweg vom Kaufmannsladen nutze ich entsprechend die Gunst der Stunde und dass er nicht abhauen kann aus dem fahrenden Auto, um ein Qualitätsgespräch zu führen:

„Was hast du denn für Pläne für die Ferien? Wollen wir mal für zwei Tage nach Berlin fahren uns was angucken?“. Nein. „Vielleicht ist auch in Köln eine Daddel Convention, willst du da hin? Ich fahr mit dir!“. Nein.

Mist. So ein junger Mensch braucht doch Pläne und Ziele! Das musikalische Glückskind stimmt nun ein anderes Volkslied an und wünscht uns eine glückliche Bürste:

„Häbbi Bürste tu juu, häbbi Bürste tu juu…“

Ich zum Nicht-Sänger: „Aber sage doch mal, auf irgendwas musst du doch Bock haben! Du kannst doch nicht sechs Wochen in der Bude sitzen, pennen und Animes gucken!“. „Wenn ich die Prüfungen geschafft habe, werde ich mir richtig einen durchziehen. Darauf hab ich Bock!“.

Häh?! Was hat der gerade gesagt?! Was will der durchziehen? Doch nicht DAS, oder?! Ohweiohwei, bei der heiligen Christiane F. und allen Kindern vom Bahnhof Zoo, ich muss doch jetzt nicht dieses Sex-and-Drugs-and-Rock´n Roll-Gespräch führen, oder? Wieso? Der ist doch erst siebzehn! Ich dachte, ich habe noch massig Zeit! So etwa zehn Jahre, oder länger. Verdammt! Doch dann…

„Hach, Kinder, guckt mal! Hier ist schon unsere Straße. Da vorn steht unser Haus. Wirklich schade, aber die Fahrt ist zu Ende. Wir sind da!“.

Und von hinten trällert es:

„Geeenau! Ausstieg in Fahrtrichtung links!“

 

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Dann lade mich doch gern auf einen Kaffee ein als Dankeschön, mit oder ohne Torte! Vielen Dank. 🙂

€2,00

Ich und Ihr, ein fettes Wir

Ich und Ihr, ein fettes Wir

Ihr macht mich fertig. Und glücklich! Ihr habt mich so mit Liebe und Zuspruch und warmen Worten überhäuft, ich kann gar nicht mehr alle Kommentare kommentieren, so viele sind es… Seid gewiss, ich freue mich über jedes einzelne Wort so so sehr!

Ihr habt mich die Definition von „social media“ verstehen lassen und dass das WWW ausgesprochen „Wow! Wow! Wow!“ heißt. Danke Euch allen. Ihr seid das größte Geschenk dieses komischen Internets. Und das Schönste.

No Filter!

Ich bin´s .Ich bin die, die hier schreibt. Schrub, schriebte. Früher sogar regelmäßig.

(Pustet die Spinnweben vom Blöggel herunter)

Als ich anfing, diese Internetseite mit Worten zu füllen, hing mein mittelaltes Leben voller Geigen und Mobiles und auf dem Herd kochte ein Pastinakenbrei, bio selbstverständlich. Die Nächte waren kurz, die Tage voller Liebe und Küsse auf ein duftendes Kinderköpfchen. Ich bin die, die dachte, so bliebe es nun für immer.

„Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende und über allem war Glitzer und Heititei und …“

Tat es nicht. Die Elternzeit ging vorüber und mit ihr begann, ja, was denn?! Das Leben? Der Ernst? Na, jedenfalls ein anderer Abschnitt. Das Kind kam in die Kita, die Mutter ins Büro und … halt! Nein, so war es nicht. Hätte sein sollen und die Mutti des Blondinos gäbe dann womöglich ernstgemeinte Karrieretipps für Frauen mit Nachwuchs im Nacken. Tut sie nicht.

„Was sind sie von Beruf?“, „Ich mache seit anderthalb Jahren eine Weiterbildung im Pflegesektor!“

Wir sind dauerkrank. Es dauert jetzt schon so lange, dass kein Mensch in unserer Familie eigentlich mehr weiß, wann wir denn mal alle gesund waren. Der Blondino fing sich jeden scheißverdammten Virus dieser Welt ein, bekam Lungenentzündungen, Asthma, bakterielle Superinfektionen und stinknormale Infekte. Von sieben Tagen einer Woche war er durchschnittlich drei Tage krank. Ungefähr. Seit anderthalb Jahren. Und davon bekam er Saulaune. Das kann ich gut verstehen! Der Bärtige hat aus lauter Mitgefühl buchstäblich jede Krankheitswelle mitgemacht, die hier so durchrollte und bekam davon aus lauter Solidarität auch Saulaune. Krankenhäuser an allen Feiertagen, sogar im Urlaub.

Ich bin die, die beruflich abgehängt ist und täglich neue Pflege-Skills dazulernt. Ich bin die, die niemals im Büro ist und dennoch ständig zu tun hat. Die, die ein permanent schlechtes Gewissen hat. Gegenüber den Kollegen, gegenüber der Familie. Die, der der Rücken wehtut. Und die Hüfte, das Knie, das Kiefergelenk. Die, die auch Saulaune hat. Aus Solidarität vermutlich.

Ich bin die, die einst sagte, ein „zu groß“ gäbe es nicht bei Immobilien und nun in einem Haus mit siebenundzwanzig dreckigen Fenstern sitzt, in dem die Schritte nachhallen.

„Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Das Leben ist schön, ich weiß es genau.“. „Schnauze! Es gibt hier Leute, die versuchen, gepflegt durchzudrehen!“

Ich bin die, die sich anhören muss, sie wäre doch jetzt drei Wochen auf Kur gewesen und demnach tiefenentspannt, als sei die bloße Anwesenheit mit siebzig anderen Müttern und hundert Kindern in einem hellhörigen Bunker am Meer ein Garant für Nervenheilung und Tiefenentspannung.

Ich will doch nur Ruhe. Und Langeweile. Ich bin die, die niemals allein ist und niemals allein. Die, die auf Dienstreise fährt und sich auf´s Ausschlafen freut, dann jedoch schlaflos in einem fremden Bett liegt und die ihren vermisst.

Ich bin die mit den seltsamen Söhnen. Die, die gefragt wird, ob sie das blonde Kleinkind denn mal hat testen lassen, sein Benehmen sei so… äh… besonders und weil doch der große Sohn… man wisse ja Bescheid. Ich bin die, die immer gesagt hat, es sei vollkommen egal, wenn der Kleine auch Autist sei oder was auch immer und an keiner Stelle mehr gelogen hat als bei diesem Satz. Es ist nicht egal, nicht wegen mir. Wegen ihm! Und weil ich weiß, wie lang und schwer der Weg für das Großkind war. Allein bis hierhin. Weil ich wollte, will, für beide Kinder, dass das Leben eine bunte Aufschnittplatte ist und keine Challenge mit unklarem Endboss.

Ich bin die, deren Mann sagt, irgendwas stimme nicht mit unserer Genetik, Chemie. Also, wenn wir nur „solche“ Kinder bekommen und die trotzdem denkt, mit uns ist alles in Ordnung. Unsere Kinder sind kein Fehler, wir sind kein Fehler! Ich bin die, die regelmäßig die Nerven verliert, aber niemals verzweifelt.

„Suchanzeige: In den vergangenen Wochen habe ich meine Nerven verloren. Möglicherweise auch meinen Humor. Der ehrliche Finder wird gebeten, sie umgehend abzugeben. Wirklich, glauben sie mir,eine Zweitverwertung ist ausgeschlossen!“

Ich bin die, die nicht mehr weiß, wann sie mal bei der Kosmetik war und in den letzten Wochen nicht mal Zeit für den Fisör hatte. Die, die sich aus diesem Grund die Haare selbst gefärbt hat und nun mit fleckigem, karottenroten Haaransatz rumläuft. Die, die so aussieht, wie sie sich fühlt. Die, die beim Frisörbesuch des schreienden Sohnes hinter dem Stuhl steht und hilflos mit brennendem Gesicht versucht, das Kind zu beruhigen, das gellend schreit, „GEHWEG!GEHWEG! GEHWEG! GEH WEG DU PLÖTE FRAU!“, während alle Damen im Frisörsalon die Luft einziehen.

Ich bin die, über die die Muttis auf dem Spielplatz tuscheln, weil der Sohn es nicht erträgt, dass da andere Kinder spielen und schubst, schreit und randaliert. Ich bin die, die sich schämt. Die, die nicht mehr auf Spielplätze geht.

Ich bin die, die manchmal die Kinderwunschfrage mit: „Kinderwunsch? Eins weniger wäre ganz schön!“, beantwortet und deren Löwenmutterherz „You are beautiful, no matter what they say“ singt und das jeden abgrundtief und mit brennendem Herzen hasst, der jemals versuchen wird, ihren Kindern etwas anderes einzureden. Bis zum beschissenen allerletzten Tag ihres Lebens!

Ich bin die mit der dünnen Haut und dem dicken Schädel.

Ich bin die, die manchmal wehmütig ihre alte Blogbeiträge liest, in denen sie witzig, liebevoll, lebenslustig und manchmal sogar eloquent ihr Leben parodierte. Blogbeiträge, an denen sie manchmal stundenlang schrieb, um die Sätze auszufeilen. Ich bin die mit dem Blog, auf dem nichts mehr los ist. Ich starre auf die sterbenden Zugriffszahlen, traurig. Ich bin die, die nicht mehr weiß, was sie schreiben soll. Die, die durchhängt.

Ich bin die, deren Mann sagt, hör auf zu jammern und die nicht hört. Tut sie nie.

Ich bin die, die sich erinnert, was sie sich als junges Mädchen, junge Frau, gewünscht hat für ihr Leben. Hochtrabende Dinge! Einen lieben Mann, ein schönes Haus, Kinder und keine Geldsorgen. Ich bin die, der das Geld stets durch die Finger rinnt und die dennoch reich ist. Reich an Liebe.

Ich bin die, die sich erinnert.

Und ich bin die, die hier schreibt. Vielleicht nicht mehr so regelmäßig, aber es nicht mehr zu tun, ist keine Option. Das ist doch das Leben!  Bullerbü besteht zu neunzig Prozent aus Geduld und Kompromissen. Zehn Prozent sind Liebe und hemmungsloser Sex. Wer mir was anderes einreden will, schwindelt! (Hoffe ich.)

Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Familie ist das Superste, ich weiß es genau!

 

 

 

 

 

Schwangere Seniorinnen oder: Mein Bauch gehört mir!

Frage: Wie nennt man den Uterus einer älteren Frau? A) Gebärmutter B) Gebäroma C) Eine Frau über fünfundvierzig hat keinen Uterus und keine Vagina! Eine alte Frau hat keinen Sex und auf gar keinen Fall involviert sie sich in den Fortpflanzungsprozess außerhalb der ihr angedachten Rolle als Großmutter mit praktischem Kurzhaarschnitt und in geschlechtslose beige Polyestergewänder gehüllt. Frag das Internet!

Caroline Beil ist schwanger. Das könnte mir egal sein, ist es mir generell auch. Ich finde das so interessant, wie eben jemand eine derartige Meldung spannend findet, wenn er den betreffenden Menschen (so wie ich in Frau Beils Fall) gar nicht kennt.

Aber Caroline Beil ist fünfzig und schwanger und da wird es interessant! Also nicht auf eine gute Art, weil zum Beispiel herausgefunden wurde, dass der Verzehr von zwei Litern Schokoladeneis pro Tag die Fertilität (also Fruchtbarkeit) unterstützt.

Nein! Interessant auf eine erschreckend gruselige Art wurde es, weil die werdende Mutter sich einem Shitstorm ausgesetzt sieht, ihre Schwangerschaft betreffend. Während George Clooney, Sigmar Gabriel und wie die neuen Väterhelden im öffentlichen Raum auch heißen mögen, Fan-Zuspruch und Klicks erhalten, wird Caroline (die im übrigen jünger als die beiden genannten ist) als „Mumie“ beschimpft und das Ungeborene bereits bedauert.

Was ist so anders zwischen George Clooney mit seiner Amal und Caroline Beil mit ihrem neuen Freund? Genau genommen gar nicht so viel! Beide Paare haben einen Altersabstand von circa sechszehn Jahren und beide Paare bekommen Nachwuchs 2017. Und bei beiden Partnerschaften ist ein Elternteil in den Dreißigern und eines über fünfzig. Und dennoch bekommt das eine Paar Herzchen und Zuspruch und Likes und das andere die Hasstiraden.

Mir kriecht das Entsetzen den Nacken hoch, wenn ich bedenke, dass der Großteil der Kommentatoren weiblich sein soll. Echt jetzt, Mädels? Ungläubiges Staunen, Unverständnis. Einer Zwanzigjährigen sehe ich all das nach. Auch einer Dreißigjährigen. Die wissen nichts über die Gefühlswelt einer Fünfzigjährigen. Und das ist ok! Aber Beschimpfungen gehen gar nicht. Und wisst ihr warum? Weil es noch gar nicht so lange her ist, dass Frauen mit dem Slogan „Mein Bauch gehört mir!“ auf der Straße demonstrierten, um jedem Mädchen und jeder Frau das Recht auf freie Entscheidung einzuberaumen. Das Recht, sich gegen ein Kind entscheiden zu dürfen! Das Recht, eine ungewollte Schwangerschaft straffrei abbrechen zu dürfen. Die entsprechende Gesetzesänderung gilt nach wie vor als Meilenstein in der Geschichte der Frauenrechte. Und beinhaltet dieses Recht auf freie Entscheidung nicht auch das Recht, sich frei „für“ ein Kind zu entscheiden? In meiner Wahrnehmung schon!

Ich habe es schon mal an anderer Stelle (hier) geschrieben: Von jeher bekamen Frauen ihre Kinder bis zum Eintritt in die Wechseljahre. Nur das uralte Hebammenwissen und später die moderne Medizin haben dafür gesorgt, dass alte Mütter für eine Zeit aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden sind. Und ja, die Wahrscheinlichkeit einer intakten Schwangerschaft nimmt mit dem Alter der Mutter mehr und mehr ab. Aber generell funktioniert es unter Umständen! Und selbst wenn – wie in Carolines Fall – der Onkel Doktor nachhilft, was ist daran derart verwerflich, dass sich Leute verbal entgleisen und die werdende Mutter attackieren und beschimpfen? Und im Anschluss auf George Clooneys Instagram-Account ein Herz dalassen?!

Wann ist man alt? Wie lange jung?

Ich weiß es nicht. Ich bin in der Mitte meines Lebens und ich verstehe nicht, was an diesem „Jungsein“ überhaupt so toll sein soll. Ich will nicht noch mal jung sein! Ich führe jetzt das Leben, das ich mir als ganz junge Frau immer gewünscht habe! Alle Möglichkeiten liegen dir zu Füßen, alle Türen offen, wenn du jung bist? Am Arsch! Jetzt habe ich alle Möglichkeiten und trete jede Tür auf, durch die ich hindurch will! Jetzt ist die beste Zeit meines Lebens! Und ja, es fühlt sich toll an, noch mal ein kleines Kind zu haben. Jetzt. Und ich bin eine tolle Mutter, jetzt, mit siebenundvierzig!

Willkommen bei Nieselpriem, ihrem geriatrischen Befruchtungsblog! Wer versehentlich hierher gelangt ist, bekommt an der Kasse sein Geld zurück.

Ja, ich bin eine alte Rollator-Mutti und das ist genau mein Ding. Ich bin #teamcaroline. Das muss nicht für jede(n) passen, für mich passt es. Und ich hätte nicht mit zwanzig die Mutter abgegeben, die ich jetzt sein kann! Mit zwanzig hätte ich selber noch einen Erziehungsberechtigten gebraucht… andere sind da anders und haben andere Entscheidungen getroffen. Auch prima!

Dieses Analysedingsbums in der Blogsoftware hat mir mal ausgespuckt, dass der durchschnittliche Nieselpriem-Leser zwischen dreißig und fünfunddreißig Jahren alt ist und weiblich (Ich weiß, es lesen auch ein paar Männer hier. Torti, Nils, ich winke!). Wenn ich mich also mal ganz weit aus dem Fenster der Realität lehne, bedeutet das wohl, dass sich hier Frauen angesprochen fühlen von meinen Worten, die gut und gern fünfzehn Jahre jünger sind als ich. Bedeutet das vielleicht weiter, dass die „alte“ Frau, die hier schreibt,  mit ihren Meinungen und Ansichten gar nicht so weit weg ist von denen der „jungen“ Frau, die das liest. Dass uns optisch zehn bis fünfzehn Jahre trennen, aber im Fühlen möglicherweise kaum etwas. In dem, was uns als Mütter umtreibt.

Ich könnte jetzt noch mit dem demografischen Wandel um mich werfen, damit, dass wir immer älter werden und dass Frauen aus Gründen (und auch die füllten wieder Seiten des Internets) oft bis weit in ihre Dreißiger knietief in der Karrierearbeit stecken und deshalb immer später Kinder gebären, all das ist richtig, führt jetzt aber zu weit.

Ich denke, in den kommenden Jahrzehnten wird die Zahl der über Vierzigjährigen Gebärenden immer mehr zunehmen und vielleicht auch die der über Fünfzigjährigen. Ich bin dafür, dass wir nicht nur die Errungenschaft der freien Entscheidung gegen ein Kind in jedem Alter feiern sollten, sondern auch die freie Entscheidung für ein Kind in jedem Alter! Auch das ist Frauenrecht. Mein Bauch gehört mir, in jeder meiner Entscheidungen. Und dir deiner. Das gilt im übrigen auch für Meinungen. Jeder darf seine eigene haben und jeder einzelne löffelt die Suppe seiner Entscheidungen für sich aus.

Nachtrag: Spontan hatte ich überlegt, Caroline unseren Hartan zu spenden, der steht ja noch bei uns in der Garage. Ich habe mich aber dagegen entschieden, ich bin ja noch nicht mal fünfzig! Und falls noch einmal ein faltiges Ei meine runzligen Eileiter passieren sollte, setze ich mich hin und schreibe ein Buch. Mögliche Arbeitstitel wären: „Stillend durch die Wechseljahre“, oder: „Elternzeit statt Altersteilzeit – Eine Chance für Senioren“. Bleiben sie gespannt. Und vor allem: Entspannt!

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss die Bauchfotos von Caroline Beil herzeln gehen, aus Solidarität.

Kulturtipp – Mixtape mit Philipp Richter

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Es gibt ja Leute, die stehen auf Mister Big oder Bradley Cooper oder den brettharten Pitt.

Ich bin da anders, ich stehe auf Philipp Richter! Also eigentlich auf sein Alter Ego Tim Herzbergeraber da die beste Show der Welt leider so selten aufgeführt wird, gucke ich mir halt aus schierer Verzweiflung einfach alles an, was der lustige, wandelbare Philipp sonst noch auf seine langen Beine stellt.

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Und jetzt also Musike. „Mixtape“ nennt er das kleine, feine Programm, das er zusammen mit den „Funky Beats“ und Elena Maria Pia Lorenzon (sieht aus wie Amy Winehouse, klingt so ähnlich wie Amy Winehouse, hat aber mehr Vornamen) auf den kurzen Brettern der Kleinen Bühne im Boulevardtheater Dresden gibt. Die großen Hits der Achtziger und Neunziger live auf der Bühne. Lohnt sich das? Nu klar.

„Pampelmuse“, die kleine Bühne im Boulevardtheater bietet Platz für etwa einhundert Leute und ist somit ein intimer, passender Rahmen für eine Show, die sich insofern von beliebigen Achtziger-Neunziger-Musik-Liveshows abhebt, als dass zum Einen Philipp Richter mitmacht und diese Show so gestaltet, wie eben nur Philipp das kann und zum Anderen ist dieses private Ambiente ein würdiger Rahmen für die vielen Anekdoten und Geschichten, mit denen die einzelnen Songs anmoderiert werden. Vom Mischen der Kassetten für die erste große Liebe über Entscheidungen zu Körperpiercings (Lenny Kravitz´Schuld), Trennungen, Herzschmerz. I want to get away, I want to fly away. Und alle im Kleinen Saal breiten die Arme aus und grölen mit.

So werden die Träume, Sehnsüchte und das Lebensgefühl einer ganzen Epoche komprimiert und fühlbar noch einmal aus den Erinnerungskisten der einzelnen Besucher geholt. Knocking on Heavens Door und der Saal brüllt mit ausgestreckten Armen im Chor:

„Nag-nag-nagging on Häwens Do-hoor!“

Ob er mit verrauchter, trauriger Whiskystimme (Gänsehaut!) Rio Reiser mimt oder mit unschuldiger Bubi-Attitüde Quit playin´games with my heart singt, Philipp Richter beweist, dass er außer in den komischen Rollen die Bühne auch mit Gesang rocken kann und selbst wenn mein ganz persönlicher Soundtrack dieser Zeit anders klang, so erlebe doch auch ich eine Art Flashback.

Getragen durch die Töne aus dieser Zeit reise ich in den drei Stunden, während sich Philipp, Elena und die Band ihr Herzblut aus der Seele spielen, zurück. Höre in meinem Kopf andere Songs, fühle Liebeskummer, von dem ich annahm, ihn unmöglich überleben zu können. Ich denke an sehnsuchtsschwangere Jugendjahre, die begleitet wurden durch The Cure, Depeche Mode, U2, the art of noise, Kate Rush, Annie Lennox, The Cranberries. Später sogar die frühen Werke von Rosenstolz und immer wieder schrammel-schramm-Gitarren. Bass, Bass, ich brauche Bass.

Es funktioniert. Die Stimmung ist großartig, mitreißend. Schon vor der Pause habe ich wie alle anderen die Arme oben und belüfte die Achselhöhlen. In der Pause kamen sogar noch ein paar schick angezogene ältere Damen gucken, wer denn da im Theater solchen Krawall veranstaltet. Außerdem ist die Schlange am Klo doch so lang! Da kann man doch auch mal die im Kleinen Saal ansteuern. Und überhaupt, was ist da los hinter dem goldenen Vorhang…

„Gerda, komm da raus, hier sind wir falsch! Das ist hier das Mixdäb mit dem Philipp Rischtor. Mir müssen links rum! Guggema, nur junge Leute mit Battrie-Zickretten und Stühle haben die auch nicht. Komm Gerda, ich brauch noch ein Rotkäppchen. Es bimmelt gleich wieder!“

Nach der Pause Roxette, Philipp Poisel, Guns´n Roses und die Fantas. Das bärtige Hiphop-Kind, das ich geheiratet habe und das mich vor zwanzig Jahren schon zu den Bong-schnorchelnden Klängen von Wu Tang Clan im Trabi flachgelegt hat, spendet frenetisch Applaus dafür.

Linda Perry und die four non Blondes durften natürlich nicht fehlen, also setzte sich Philipp Haare und einen Hut auf und so klang das dann:

Hach, es war schön!

Im Anschluss an jede „Mixtape“-Show legt Philipp zusammen mit Franz Lenski, einem der drei Companeros aus der Tim-Herzberger-Show zum Schwof im Foyer auf. Wer noch kann, der kann noch. Tanzen, hüpfen, mitgrölen.

Karten für die Veranstaltung im Dresdner Boulevardtheater gibt es hier. Es sind auch Auftritte in Chemnitz und anderswo geplant. Gebt doch der Show bei Facebook ein Like und lasst Euch informieren, wann es sich lohnt, den Babysitter zu buchen. Und wenn der Philipp wieder den Tim Herzberger gibt, kommt ihr alle mit mir hin, in Ordnung?

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Wochenende in Bildern – Februar 2017

Ich mache mal wieder mit.

Nicht, weil ich so tolle Fotos schieße, das wisst ihr schon längst. Nein, weil ich mich selbst erinnern will! Wenn mich montags irgendwer fragt, wie denn das Wochenende gewesen sei, sage ich stets: „Gut, danke!“, und habe schon wieder vergessen, was da eigentlich los war. Also außer Putzen, Wäsche und dergleichen spektakulärerweise mehr. Zeit, sich die Knipse zu nehmen und Erinnerungen zu schaffen!

Das Wochenende begann an einem Freitagnachmittag damit, dass ich beschloss, den Blondino ordentlich auszupowern. Der Bärtige und ich wollten ausgehen und ich dachte so, wenn der richtig richtig richtig fertig ist, pennt der bestimmt morgen bis halb sieben! Und: Halleluja!

Also habe ich listiges Weib ihn auf einem Indoorspielplatz ordentlich „geschunden“. img_4679

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Wir gingen aus, kamen spät heim, schliefen noch später ein und ich wurde gefühlt zwei Stunden später bereits wieder geweckt. Moooorgääään! Danke auch. img_4706

Nach drei bis acht Litern Kaffee lachte ich dann fröhlich in die Welt und freute mich der schönen Dinge, die da auf mich zukommen würden.

img_4725Obstmandalafreier Frühstückstisch. Ja, ich würde auch lieber an einem anderen Tisch sitzen. Life is not a Ponyhof. Iss deine gezuckerten Teigwaren und halt die Klappe, Nieselpriem.

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Der nächste Programmpunkt war das Einkaufen von Lebensmitteln (Ohne Foto. Stellt euch einfach irgendeinen Aldi vor und mich mittendrin. Den Gesichtsausdruck von oben könnt ihr getrost übertragen. Danke für eure Vorstellungskraft.).

Aus einem mir nicht bekannten Grund habe ich die Lernkurve eines Einzellers und nehme jeden Samstag wieder die Plagen mit. Und das geht so: Erst rufen beide Kinder, sie wöllten unbedingt mit und „Hurra!“, dann nölt der Eine mich die ganze Zeit voll, wie lange der Driss denn noch dauern würde und voll öde und rennt mir vorm Wagen rum, während er ungebremst Süß- und Salzkram in die Karre schmeißt, natürlich nicht ohne zu bemerken, dass man den ekligen Fraß bei blauweiß eh nicht essen kann und der andere schmeißt in der selben Zeit den Plunder zur anderen Seite aus dem Wagen wieder heraus, macht den Turnvater Jahn am Einkaufswagengestänge und bläkt die Passanten an: „Nisch misch angucken! Geh weg!“. Samstags hinterfrage ich dieses Kinderhaben-Konzept gründlich. An jedem.

Nachmittags waren wir die Verwandten besuchen und der Blondino hat mir den Angus Young gemacht (Ja, ich weiß, das ist eine Ukelele! Klugscheißer.). Und alles war vergessen. ❤ Orrrr, guck doch mal! Wie süß ❤ . Ist der nicht voll süß?! ❤

(… Einzeller!)

img_4718 Der nächste Morgen begann wieder morgens. Früh morgens. Ich erspare euch weitere detailreiche Fotos von mir. Hier bitte, ein Foto vom Wecker. Von hinten. Während der frühkindlichen Medienförderung.
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Aus irgendwelchen Gründen habe ich das Treppenhaus von unten fotografiert…img_4731

… und geschmacklich zweifelhafte Osterdeko (Nein, ich bin nicht zu früh! Weihnachten ist vorbei, also ist jetzt Ostern.)img_4732

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Sonntag war Gartentag. Erst habe ich Samen eingetopft und auf den Fensterbänken verteilt…img_4736

…danach auf den Beeten rumgekrautet.
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Es sah hinterher genauso aus wie zuvor, nur hatte ich Rückenschmerzen und Blätter und Zweige in den Haaren. Ich habe nicht nachgesehen, aber bestimmt sah ich aus wie die Taubenfrau aus dem Kevin-Film. img_4740

Noch ein Gartenfoto. Ihr müsst heute tapfer sein. Weniger charakterstarke können ja auch gleich bis runter scrollen. Da kommt dann was anderes. Vielleicht.img_4741

Es ist gleich geschafft. Eins noch!
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Warte, nicht wegklicken! Es kommt noch was fürs Herz. Herz im Garten. Aber erst nach dem Mittagessen.img_4744-1

Am Nachmittag sind wir in unseren alten Garten gefahren nach dem Rechten sehen und Zeugs holen (Exkurs: Ich weiß gar nicht, ob ich als Dresdnerin schreiben darf: „Nach dem Rechten sehen.“, ich versichere aber, damit ist keine Person mit zweifelhafter politischer Gesinnung gemeint!). Er ist ja noch nicht richtig verkauft, also der Garten, und wir noch verantwortlich und irgendwie war mir auch so sehnsuchtsschwer um die faltige Brust…

Und da stand ich. Und ach. Direkt am Eingang stehen zwei krumpelige Koniferen. Diese kamen als klitzekleine Topfpflänzchen zu uns vor, was weiß ich, fünfzehn Jahren vielleicht. Sie wuchsen erst in Balkonkästen mit anderen Blühpflanzen und bekamen mit den Jahren immer größere Töpfe und als wir diesen Garten hier übernahmen, habe ich sie direkt am Tor eingegraben. Als Wach-Bäume. Torwächter.

Ich war ganz rührselig. Konni eins und Konni zwei sind fast so alt wie die stürmische Beziehung zwischen dem attraktiven Bartträger und mir und waren die ganze Zeit bei uns. Wie Kinder, botanische. Und wie groß sie sind inzwischen! Und nun soll ich mich trennen?

Ich weiß schon, was ihr sagen wollt! Aber der Mann ist da pragmatisch und hält irgendwie nichts von romantischen Baumgefühlen und sagt, auf gar keinen Fall gräbt er die Dinger aus! Hm.
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Mit Herzeleid bin ich durch den ollen doofen Garten gegangen, der uns so viel Blut  und Schweiß und Geld und Nerven gekostet hat (kann man hier nachlesen, für die Neuen unter euch).

Der Rhabarber kommt schon wieder. Erdbeer-Rhabarber-Kuchen mit fetten Butterstreuseln! Das gabs jedes Jahr. Ich muss den Rhabarber ausgraben…
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Das Blondchen und ich haben im Schuppen hässlich-bunte Plasteeier gefunden und an den Hasel gehängt.

Dann sind wir wieder heim gefahren. Zu unserem neuen Haus, dem neuen Garten. Ohne Konni eins und zwei.img_4750

Wer von euch Bodo mit dem Bagger persönlich kennt, bitte mal den Kontakt herstellen. Aber heimlich, nichts dem Mann sagen. Danke!

 

Mehr Bloggerwochenenden in Bildern gibts wie immer bei Susanne.

Ein Lätzchen für große Kleckerfritzen

Ich weiß nicht genau, ob der Blondino für seine drei Jahre sehr groß ist oder sehr ungeschickt beim Essen, jedenfalls gehen ihm die handelsüblichen Lätzchen (Und er braucht dringend eines zum Essen, oh ja!) bis knapp unterhalb der Brust und sind damit deutlich zu kurz für unseren Bedarf. Gefühlt landet die Hälfte des Essens im Schoß.

Ich habe aus einem ausrangierten Badehandtuch Kleckerlatze genäht und da die nicht nur superschnell zusammengefummelt waren, sondern auch den Praxistest mit Bravour bestanden haben, möchte ich diese Idee gern mit euch teilen.

Ich habe ein Badetuch mittig gefaltet und ein handelsübliches Schlupflätzchen als Schnittmustervorlage verwendet. Als erstes habe ich um das Lätzchen herumgeschnitten und habe die gesamte Länge des halbierten Badetuches ausgenutzt.

Aus meinem Handtuch entstanden so vier Lätzchen-Rohlinge.img_4625 Als nächstes habe ich oben mittig etwa fünf Zentimeter eingeschnitten und unterhalb ein Loch für den Kopf ausgeschnitten. Ich habe dafür aus schierer Faulheit eine Müslischale als Maß verwendet, sie hatte den ungefähren Umfang des Kopfausschnittes vom Modell-Lätzchen, das ja zumindest am Kopf gut passte.img_4636

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img_4626Danach habe ich einen Streifen Bündchenstoff unter leichtem Zug in die ausgeschnittene Öffnung genäht. img_4638 … und im Anschluss daran das „Schlupfloch“ geschlossen. Wenn ihr einen gleichmäßig breiten Streifen Bündchenstoff nehmt, wird eures auch nicht so schief wie meins. 😉img_4639-1 Als nächstes habe ich ein Zierband quer drüber genäht. Schief, versteht sich, ich konnte die Stecknadeln nicht finden! Eine hübsche Applikation wäre bestimmt auch ganz niedlich oder man könnte diese Aufbügelmotive endlich mal verarbeiten, die eh nur rumliegen in der Nähkiste…img_4640 Als letzten Schritt habe ich das ganze außen rundherum mit Schrägband eingefasst. Fertig!img_4641

img_4642Und so sieht das Handtuchlätzchen dann im Einsatz aus. img_4646

Es ist auch groß genug, dass es dem Bärtigen passen würde. Leider war der nicht bereit, sich damit ablichten zu lassen. Spielverderber!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Dann lade mich doch gern auf einen Kaffee ein als Dankeschön, mit oder ohne Torte! Vielen Dank. 🙂

€2,00

… und schönen Gruß an mich!

He du, ich meine, ich, bist du das, was man sonst „schlechtes Gewissen“ nennt? Wenn du mich das nächste Mal siehst, richte mir doch bitte was aus! Danke.

Andauernd höre ich dich jammern, du hättest keine Zeit für dich und überhaupt, wann bitte soll jemand wie du denn auch mal was für sich tun? Arbeiten, Kinder, das Haus, der Garten. Ja, schwierig, ich sehe es. Vor allem sonntags, wenn du auf deinem faltigen Hintern sitzt, vor dir den dritten Kaffee und das zweite Schokocroissant und auf deinem Handy rumwischst. Ja, nee, besonders sonntags hat jemand wie du gar keine Zeit!

Wann warst du eigentlich das letzte Mal joggen? kannst du noch den Monat bestimmen anhand der Umgebungsvegetation oder brauchst du schon eine Jahresscheibe zum Ausknobeln? Ja, schwierig, ich weiß schon! Und du wölltest ja auch, aber…

… immer diese kranken Kinder. Und das Wetter! Also bei Wetter kann man nicht joggen, ist klar! Und du selbst hast ja auch täglich irgendwelche Zipperlein. Es ziept die Hüfte, es brummt der Kopf, Aua hier und müde bist du auch.

Mir kommen gleich die Tränen! Und wie antriebslos du bist! Und die ganze Arbeit! Das komplette Wochenende im Dienste der Wasch- und Putzfrohn, du hast es schwer. Das sind echt Härten, die du durchlebst, niemand hat es so schwer wie du. Ich bastel dir einen Orden aus Klopapier, wenn ich Zeit habe.img_4628-1

Los, hoch mit dem knochigen Arsch und zieh die Laufschuhe an! Irgendwo werden die ja sein!

Und ja, du kannst die Kinder alleine lassen. Der eine sitzt vorm Tablet und der andere vorm Handy und nein, das ist nicht schön, aber who cares?! Du kehrst jetzt ne halbe Stunde bei dir den alten Mief aus der Lunge und machst mal das, wozu du angeblich nie Zeit hast: Nimm dir Zeit für dich! Das wird schön, du weißt es. Das sagst du immer hinterher.

Joggen ist die beste Freizeitbeschäftigung für alte antriebslose Muttis wie dich: Es kostet nichts außer Überwindung, du musst nicht in irgendeinem Fitnessstudio oder einer Badeanstalt für Geld fremden Menschen beim Keuchen zusehen und wenn du dabei scheiße aussiehst, interessiert es auch keinen! Und du wirst scheiße aussehen, das wissen wir beide…

Aber doch, du kannst das! Auch wenn du monatelang nicht laufen warst. Lauf einfach los. Machst du halt nen Oma-Run. Schön langsam, ordentlich atmen, anständige Haltung. Sowas verlernt man nicht, und los, ab geht die Lucie!

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Spongebobs Freund Patrick wohnt im Dresdner Waldpark – Beweisfoto

Und wer weiß, was einem so im Wald begegnet? Vielleicht die Reinkarnation von Patrick Star in einer ollen Wurzel oder ein runtergefallener Mistelzweig. Und guck doch mal, wie schön die Sonne durch´s Geäst lugt. Okay, dein Schnaufen klingt erbärmlich und stört ein wenig die Ruhe hier, aber das ist alles deine Schuld, du faules Weibsstück. Weiter gehts! Nicht andauernd stehen bleiben und rumknipsen!img_4634-1

Merkst du schon, wie die Säfte durch den Körper pumpen? Gut fühlt sich das an, oder? Du kriegst auch schon rote Bäckchen, wie sonst nur beim… Kochen! img_4632

Keuch ruhig, Lunge und Herz sind Muskel, die wollen gepumpt werden! Das ist gut für die Durchblutung, ja, auch für das graue schwabblige Bindegewebe. Ich meine deins, ganz genau!

Von nüscht kommt ja nüscht. Immer nur an dem alten Wellfleisch rumzubbeln und jammern, dass du nicht mehr aussiehst wie fünfundzwanzig bringt dich auch nicht weiter! Lauf, Mutti, hopp hopp! Bis der faltige Hintern nicht mehr in der Pantalon schlabbert! Danach kannst du dir wieder schön die Torte reinpfeifen mit ordentlich „Scholüsterol“.

Schneller, altes Mädchen, zieh die Luft in die Lungen! img_4635-1

Dreißig Minuten durch den Wald laufen, das machst du jetzt jedes Wochenende! Das ist gut für deine Laune, demnach also gut für deine ganze Familie. Und danach fühlst du dich lebendig und kraftvoll und endlich hast du auch mal einen echten Grund, über ziepende Hüften und stechende Knie zu jammern.

Sag mir das, wenn du mich das nächste mal auf der Couch versumpfen siehst, hörst du? Und schönen Gruß an mich!img_4627

Montag

Ich stehe 6:15 Uhr auf und verlasse 7:45 Uhr mit dem Kleinsten das Haus in Richtung Maloche. Soweit der Plan. Anderthalb Stunden um sich selbst und eines der Kinder in eine Hose zu stülpen und gegebenenfalls noch in ein Brot zu beißen.

Theoretisch ist so ein Morgen also praktisch völlig entspannt!

(c) pixabay

(c) pixabay

7:00 Uhr

Der Blondino wälzt sich im Schlafanzug mit Nuckel im Mund auf dem Boden und ruft nach dem Uwe. „Uwääääääh! Isch will nisch zu´n Kindern! Uwääääääh!“.

Ich total souverän: „Los, steh auf, gib mir den Nunni! Große Jungs haben keinen Nunni mehr und du bist doch schon ein großer Junge, stimmts? Gleich kommt der Papa runter und wenn der dich im Schlafi hier sieht, wird die Mama wieder angemeckert, weil sie den ganzen Morgen vertrödelt und überhaupt. Und dabei habe ich noch die Wäsche aufhängen müssen, weil die nass und klumpig im Keller stand. Und du wartest ja leider auch nicht, bis ich satt und angezogen bin und dich aus dem Bettchen hole, stimmts? Nein, du bist von Anfang an dabei und hilfst mir, indem du das Leergut in der Abstellkammer aufräumst, stimmts? Und Mamas Tasche leerst. Und Gummibärchen in dich reinstopfst, die ich gestern Abend vergessen habe wegzuräumen. Das sagen wir dem Papa aber nicht. Was willst du zum Frühstück? Kelloggs? Müsli? Ein Marmeladenbrot willst du, kommt sofort.“.

Fünf Minuten später fliegt das Marmeladenbrot unter Geschrei auf den Boden, weil das ganz falsch ist! Und er doch Schokoladenbrot will! Ich will Ruhe und kein Geschrei. Geschrei tut mir weh, morgens und überhaupt. Während ich dem Kind den Rücken zudrehe und ein Schokoladenbrot schmiere, klaubt dieser das Marmeladenbrot vom Boden und isst. Schokoladenbrot fertig, Kind bereits satt, ist klar.

7:30 Uhr

Ich bin mittlerweile angezogen, das Kind auch. Ich habe die Taschen gepackt und im Flur verteilt. Todo-Liste für den Tag danebengelegt, nichts gegessen, aber ich muss noch mal ins Bad…

„Mama, kackorst du?“. „Geh raus!“. „Mama, nisch kackorn!“. „Ich…muss…“. „Du kannst in die Windel kackorn, Mama!“. „Neiiiin!“. „Is die Worscht schon draußen?“. „Neiiiin! Geh jetzt raus und verdammt, wenn du nicht sofort diesen scheißblöden Nuckel aus der Gusche nimmst, ich schwöre, ich zertrete den, verbrenne ihn und dann schmeiße ich das Ding in die tiefste Grube! Den und die dreißig anderen! Und jetzt raus hier! Sooofort!“.

Von Ferne tönt es: „Henrike, wann lernst du, die Tür hinter dir abzuschließen, wenn du im Bad bist!“. „Orrrrr! Weil der dann hinter der zu-en Türe schreit und Mami ruft! Ich kann so nicht! Ich möchte einmal in Ruhe im Bad sein! Ohne dass mir einer Spielzeug in die Wanne schmeißt, während ich drin liege oder ins Klo gucken will, während ich draufsitze! Oder mir blöde Verbesserungsvorschläge macht! Ja, das letzte ging an dich! Weißt du was, geh einfach! Geht doch einfach alle! Jetzt! Und viel Spaß im Büro!“.

Die Türe knallt, ohne Abschiedskuss.

8:00 Uhr

Irgendwie sind Kind und ich angezogen, einer der Beteiligten hat sogar geputzte Zähne und gefönte Haare, ach, scheiß doch drauf. Anziehen, Beutel zusammensammeln, alles zum Auto. Kackdrecksfrostplane runter, Kind rein, Nunni in Kind rein („Aber nur bis zum Kindergarten! Dann gibst du mir den sofort wieder!“), zurück ins Haus, weil Licht noch brennt, wieder ins Auto, wieder ins Haus, weil Zugangschip vergessen, zurück zum Auto.

8:15 Uhr

Etwas zu schnell rummse ich den Kombi aus der Einfahrt und war da eben ein knirschendes Geräusch zu hören? Raaaaatsch. So ein Morgen wie dieser könnte die Schramme am Auto rechts erklären, deren ursächliche Verantwortung ich erst kürzlich glaubwürdig von mir wies. Ach, scheiß doch drauf…

9:07 Uhr

…komme ich abgehetzt im Büro an, den Kindergartenrucksack in der Hand.

Lessons learned: Heute Abend gehe ich bereits geschminkt und komplett bekleidet ins Bett. Oder ich schlafe gleich im Auto.

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Ich weiß gar nicht, wann ich aufgehört habe, den Monatsgeburtstag des Blondinos zu feiern. Möglicherweise irgendwann im letzten Jahr. Davor war jeder dritte eines Monats ein kleiner Feiertag, zumindest für mich.

Eigentlich ist das schade, denn (Eine Mark ins Phrasenschwein: Sie werden ja so schnell groß!) jeder Monat ist einzigartig und bringt etwas unvergleichliches, nie dagewesenes, kurz: etwas ganz Neues als Geschenk. Klar verändern sich die Kinder ihr ganzes Leben und sie lernen dazu, bilden ihre Persönlichkeit aus und lassen uns als Eltern staunen und bewundern (und manchmal verzweifeln), aber geht es jemals schneller und deutlicher als in den ersten Jahren?

Ich bin vollkommen dem Zauber erlegen, meinem Kleinchen zuzusehen und zu hören, und nichts ängstigt mich mehr als die Flüchtigkeit jedes einzelnen Moments. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch zum einundvierzigsten Monatsgeburtstag, mein Liebchen, mein Kleinstes!

Noch immer watschelst du auf Schritt und Tritt hinter mir her wie ein Entenjunges und ich versuche, nicht genervt zu reagieren, kenne ich doch um den bittersüßen Schmerz um die flügge werdenden Vögelchen, die ihre pickligen Flügel spreizen und schnatternd meinen, allein in die Welt stolpern zu können. Bloß nicht in Mamas Windschatten! Und die bleibt mit traurig hängenden Flügeln zurück. Mit faltigen Flügeln und vergrämtem Ausdruck um den Schnabel… sehe ich jeden Morgen im Spiegel.

Bleib noch ein bisschen bei mir, du kleiner Mini-Erpel. Einundvierzig Monate, noch einmal so viele, und du bist schon ein Schulkind! Und dann noch zweimal zwinkern, und du willst ausziehen in irgendeine WG und ich muss dich betteln, damit du dich mal sonntags blicken lässt. Und deine Wäsche willst du dann auch alleine waschen und wir wissen ja, wie das ausgeht! Und ich soll nicht dauernd anrufen und whatsap´s schreiben, aber du rufst ja nie zurück! Und dabei mache mir doch nur Sorgen!

Halt! Die Fantasie möge bitte den Galopp stoppen und ihr geflügeltes Pferd zügeln, danke.

Hier und Jetzt. Ich versuche also,  die flüchtigen Momente, das fragile Glück des Augenblicks (Jetzt wird sie prosaisch, rette sich, wer kann!) zu konservieren. Hier. Und jetzt. Dafür ist so ein Blöggel ideal, kann ich wärmstens empfehlen. Und wenn mir die ganze Chose abstürzt, druckt das dann einer von euch aus für mich und dann kann ich das nachlesen, wenn ich alt und grau bin. Also noch älter und, ach, ihr wisst schon.

Einundvierzig. Kommunikation ist das Wort, das ich als Überbegriff für diesen einundvierzigsten Monat nehmen könnte. „Guten Morgen, mein Mami-Schatz! Darf ich dir ein Küsschen geben?“, wer wird nicht gern so geweckt. Unnachahmlich auch, wenn er mit Piepsstimme den Papa verabschiedet mit den Worten: „Machs gut, mein Großer!“. Hauptsächlich aber schmunzeln wir momentan über seine zauberhaften Buchstabendreher und ich bin geneigt, diese ins Familienvokabular zu übernehmen.

Trostbrot mit Pullunder

Trostbrot mit Pullunder

Morgens isst er gern ein Trostbrot mit Pullundermarmelade. Abends ein Brot mit Lederwurst. Und wenn die Apfelschulle alle ist, weiß er schon genau, wo es Nachschub gibt: In der Abschleppkammer! Und Anziehen geht auch schon alleine, insbesondere beim Räusperschluß darf ich nicht mehr helfen.

Manchmal muss ich aber intervenieren. Im Moment ist er ganz schrecklich verliebt in die fünfjährige Louisa, genannt Lulu. Jeden Tag fragt er mich, ob heute die Lullull kommt. Ich weiß nicht, ob „Lullull“ ein allgemeinverständlicher Begriff ist, aber hier ist es ein Kinderwort für Urin. Er nennt seine Freundin quasi Pipi! Ich also: „Nein, so heißt sie nicht. Süßilein, sag mal Luuuuuuisa!“, „Lullullulluiiiiiisa!“. Hoffnungslos.

Und gestern Abend: „Was wollen wir lesen?“. „Fliro Flunkerfisch!“.  „Flori Flunkerfisch meinst du? „Floo-ho-ri Flinkerfusch!“.

Und folgende Gesprächssequenz hört man bei uns Eltern andauernd: „Hach, ist der nicht süß? Mein Gott, ist der süß!“, „Ja, der ist wirklich süß.“. „Ja, oder? Den haben wir gemacht, kannst du dir das vorstellen?! Unglaublich, wie süß der ist!“.

 

Edit: Er ist wirklich sehr süß.  Echt jetzt. Ohne Übertreibung! Ich bin ja kein Flinkerfusch. Obwohl…

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Neujahr

Neues Jahr, alter Scheiß. Und ich verschreibe mich jetzt bestimmt noch drei Monate lang mit der Jahreszahl! Orrrrr…

Das mit dem Neujahr ist mir ja suspekt. Ich habe niemals Vorsätze (auch oder hauptsächlich, weil ich so furchtbar inkonsequent bin) und schon der laut gesellschaftlicher Konventionen vorgesehene Start in die neue Zeitrechnung missfällt mir. Knallen (doof), lange wachbleiben (schwierig), Raketen (umweltschädliche Geldzumfensterrausschmeißerei), Hut offm Kopp (albern).

Zusammenfassend kann man sagen, bin ich also die Brot-statt-Böller-ich-geh-um-zehn-ins-Bett-Fraktion. Aber dieses Jahr, also vergangenes, hab ich mir einen Papphut aufgesetzt und an der Elbe Raketen in die Luft schießen lassen. Man muss ja auch mal mitmachen, sonst gilt man schnell als vertrocknete, runzlige, schmallippige, bärbeißerische, hobelschlunzige Spaßbremse.

Und das Blondchen hat sich so dolle gefreut, wollt ihr mal hören?

Erster Januar und um sieben war er direkt wieder in seinem Rhythmus und hellwach. Die verpeilte Grundstimmung, die sich instant in mir ausbreitete, hab ich noch immer am Hacken. Das hat man nun davon, wenn man sich einmal die Nacht um die Ohren schlägt!

Am zweiten Januar stand ich morgens halb neun mit dem Hosenscheißer vor der dunklen Kita und langsam dämmerte mir irgendwas mit „Schließtag“. Mist. Arbeiten mit Kind, wisst ihr alle: Klappt suuuuper! Super klappte dann auch das mit dem Autoaufschließen. Batterie des Schlüssels alle, es tat sich nix. Es schneite um uns herum und da stand ich nun, Kindergartenkind links, Kindergartenrucksack rechts und voll verpeilt. Handy, Portmonnaie, alles im verschlossenen Auto.

Wir stapften dann zur nächstgelegenen Autowerkstatt und bescherten dem Mechaniker Vorort seinen Moment des Tages. Mindestens:

Ich erklärte, dass mein Schlüssel Saft bräuchte oder ich einen Mann mit Dietrich, der mein Auto aufmachen tun müsste sollen. Er glotzte mich daraufhin so grenzdebil an, wie mein Ansinnen offensichtlich war. Vermutlich glaubte er sich in einer Folge von „Verstehen sie Spaß?“. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich „Neujahr“ habe und tatsächlich so verpeilt bin, wie es den ganz und gar offensichtlichen Anschein hatte. Sehr langsam und bemüht ernst klärte er mich darüber auf, dass „Schlüssel“ bedeuten würde, es gäbe auch ein Schloss! Reinstecken, umdrehen.

Das hatte ich ja noch nie gehört! Stur und verpeilt erklärte ich ihm, ich würde das Auto wirklich und ausschließlich schon immer mittels Knopfdruck öffnen! Und mein Auto hätte gar keinen Schlitz! Also das wüsste ich ja wohl!

Der Autofachmann behielt einen Schluck Restruhe und schickte mich mit dem Kindergartenkind wieder raus in den Schnee. Ich sollte gucken, ob mein Auto wirklich keinen Schlitz hätte und wenn ich tatsächlich und wirklich ein Auto ohne Schlitz haben sollte, dann, und nur dann, also dann dürfte ich wiederkommen und er würde sich ein Bärenfell über die Schultern werfen und mit mir zum schlitzlosen Auto kommen!

Ich bin nicht wieder zurückgegangen zur Werkstatt. Ich bin nach Hause gefahren. Im Auto. Und ich möchte nicht mehr darüber sprechen! Nein, wirklich nicht…

Den Tag darauf hatte ich noch immer Neujahr. Morgens ging es noch, außer dass ich nicht in die Hufe kam, mein Frühstück zu Hause vergessen habe und das Kind erst nach seiner Frühstückszeit abgeliefert. Das kann man unter Startschwierigkeiten verbuchen! Ich habe dann im Büro gerammelt, weil ich mittags schon wieder wegmusste – dringendster Termin! Den Termin habe ich dann um eine Viertelstunde gerissen und stand schnaufend, abgekämpft und hungrig (weil keine Zeit zum Essen und Leberwurstsemmel zu Hause vergessen) im Friseursalon meines Vertrauens, mich ausschweifend und mit fuchtelnden Armen entschuldigend, dass ich zu spät komme.

Aber was war das? Warum guckten die denn so seltsam?

Wie, morgen! Ich bin doch heute bestellt! Heute ist doch der vierte! Nein? Nicht? Ach Mist! Scheiß Neujahr…

Damit ich ab sofort meine Verpeiltheit in den Griff bekomme, besorge ich mir schnellstmöglich einen Kalender. Und guckt mal hier, was ich bei Theblogbook gefunden habe:

Kostenlos, zum Ausdrucken. Handgezeichnet und wunderschön! Ich gehe jetzt dickes Papier für den Drucker besorgen.

Und heute ist der vierte, oder? Da hab ich dann gleich noch einen Termin. Glaub ich zumindest. Nur, was war noch gleich am vierten?!

 

Tschüss!

Aber nur für den Rest des Jahres! 🙂img_4272

Wir ziehen übermorgen um und ich schreibe, während ich zwischen Kisten sitze und mein Geklacker widerhallt an den leeren Wänden.

Wir ziehen nämlich ins Weiße Haus. Wusstet ihr nicht? Ist aber so. Als ich dem Blondchen erklärte, dass wir alle Sachen einpacken um sie in einem großen Haus wieder auszupacken, sagte er: „Das ist ein blaues Haus!“, ich verneinte. „Das ist ein grünes Haus!“. Wieder falsch.  Als wir dann vor dem Haus standen, stellte er verblüfft fest: „Es ist das weiße Haus.“. Deshalb.

Und weil ich nicht weiß, wann wir denn im weißen Haus wohnen werden, also so richtig mit Schreibtisch und Internet und allem, was sonst überlebensnotwendig ist, verabschiede ich mich schon mal von euch. Wer wissen will, wie das so weitergeht mit dem Kistenchaos und ob Frau Nieselpriem wirklich einen Tag nach dem Umzug einen Weihnachtsbaum aufstellt, besucht mich am besten bei Instagram.

Habt wunderbare, besinnliche Feiertage voller „Mätschik“ und auf Wiedersehen! Auf Wiederlesen! Ich komme auf jeden Fall wieder, ihr auch?

Ich freu mich auf euch. Bis bald.

Eure Rike

Schneeweißchen und Rosenrot

Zehn Jahre lang nannte mich jeder Henrike. Dann kam meine Schwester und konnte den Namen nicht aussprechen. „Hairije“. Danach hieß ich Rike.

Seit dem Tag ihrer Geburt hat sie eine Stelle in meinem Fühlen und Bewusstsein eingenommen, die nie durch irgendeinen anderen Menschen besetzt werden kann. Wohl auch, und das unterscheidet uns von anderen Schwestern, weil unser beider Schicksale durch eine tragische und besondere Situation für immer miteinander verwoben sein werden.
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Ich erinnere mich noch ganz genau an unsere erste Begegnung, wie sie da in der Besucherritze des Elternbettes lag. Olivfarbene Haut, schwarze Augen, schwarzes Haar, das wie ein Hahnenkamm in der Mitte des Köpfchens nach oben gebürstet war. So fremd, so wunderschön! Es war Liebe auf den ersten Blick. In diesem Moment besetzte sie die Position des Lieblingsmenschen in meinem Kinderherz, vollkommen, ohne Vorankündigung.

Der zehnte Geburtstag meiner Schwester war der einzige, an dem ich nicht bei ihr war. Ich hatte mich in ein Abenteuer gestürzt und war an diesem Tag fünfhundert Kilometer entfernt von ihr. Doch schon zehn Wochen danach webte das Schicksal ein Netz um uns, das unser beider Leben für immer beeinflussen würde.

Deutschland wurde Fußballweltmeister und die Menschen tanzten auf den Straßen. Auch auf denen der kleinen Stadt in der Nähe von Bonn, wo ich mich damals aufhielt. Und sie tanzten und feierten auch dann noch, als ich auf der Polizeiwache saß und versuchte zu verstehen, was der Beamte mir mit sichtlichem Unbehagen versuchte zu erklären. Es hätte einen Verkehrsunfall gegeben, die Familie war auf den Weg in den Sommerurlaub an der Ostsee. Ich rief in dem Krankenhaus an, Vater am Unfallort verstorben, Mutter in Lebensgefahr und das Kind, also das Kind sei seit vielen Stunden im OP. Man könne nicht mehr sagen. Der Rest des Tages ist verschwommen in meiner Erinnerung.

Ich sehe sie noch immer vor mir. Ein kleines Mädchen in einem großen Bett. Doch diesmal ist es ein Krankenhausbett. Ihr zertrümmertes Bein ist an Seile gebunden, ihr dicker geflochtener Zopf umrahmt das geschwollene Gesicht, das ihr aufgrund des Brillenhämatoms das Aussehen eines frisch geschlüpften Vögelchens verleiht.

Sie liegt im Koma und ich sitze neben ihr. Setze eine Puppe an ihr Bein. Irgendwo finde ich einen Bleistift, ich zeichne sie. Schreibe einen Zettel, schreibe, ich bin hier! Ich bin hier bei dir! Alles wird gut! Lege den Zettel jedesmal an ihr Bein, wenn ich den Raum verlasse. Einmal, als ich wiederkomme, hat sie die Augen offen und den Zettel in der Hand. Sie sagte später, sie habe gewusst, ich sei da.

Ich hatte keinen Plan und schon gar keinen Plan B. Auf einmal gab es nur sie und mich. Und ich war verantwortlich.

Ich brach meine kleinen Zelte im goldenen Westen ab und zog in die elterliche Wohnung zurück. Schlief im Bett meiner Eltern, das nie wieder würde das Bett meiner Eltern sein. Ich lief im Krankenhaus auf und ab, beerdigte unseren Vater, kämpfte um das Erziehungsrecht für meine Schwester und wusste bei alledem nicht, wie man sowas macht.

Meine Familie befand sich in Schockstarre und auch die Freunde meiner Eltern, die mir immer Hilfe angeboten haben, konnten nur bedingt helfen. Ich war jetzt verantwortlich.

Das Zopf-Mädchen mit den Krücken und ich wohnten nun zusammen in der elterlichen Wohnung. In den Möbeln unserer eigenen, gemeinsamen Kindheit. Ich kann mich an die Momente der Normalität nicht erinnern. Sicher, ich habe die Miete irgendwie bezahlt und im Herbst eine Winterjacke gekauft. Aber ich sehe mich nicht kochen, oder im Advent Plätzchen backen. Hm, vermutlich waren wir oft bei Mc Donalds…

Ich ging mit ihr morgens zur Schule, trug den Ranzen, sie stakte tapfer auf ihren Krücken neben mir her. Sie ging in ihre Klasse, ich zog mir eine Kittelschürze über. In den Pausen wartete ich vor ihrer Tür um den Ranzen in ein anderes Zimmer zu tragen und sie zu geleiten. Während der Unterrichtsstunden putzte ich das Schulhaus und mittags schaufelte ich den Kindern Kartoffelbrei auf Plastikteller. Ich war zwanzig Jahre alt und Putzfrau. Aber das spielte damals keine Rolle, Hauptsache, ich konnte in der Nähe meiner Schwester sein.

Ich hatte keinen Plan. Ich machte einfach. Und ich machte vieles falsch, rückblickend. Aber in einer Situation, in der einfach nichts „richtig“ ist, wie kann das auch anders sein? Wir waren doch noch Kinder, beide. Aber ich war verantwortlich! Und so lange sie bei mir war, habe ich gewusst, es ist das einzige, das ich wollte.

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Die Zeit heilt überhaupt nicht, und schon gar nicht alle Wunden! Aber nach langer Zeit kam auch unsere Mutter wieder nach Hause.

Und so wurden dann aus Pflegekindschwester und Pflegemutterschwester wieder „normale“ Geschwister.

Nein, natürlich nicht.

Die folgenden Jahre waren für uns beide und unser Verhältnis die härtesten. Auf einmal war ich nicht mehr zuständig! Und das Zopfmädchen musste sich während ihrer Pubertät nicht nur von unserer Mutter lösen sondern auch von mir.

Hatte sie mich einfach immer und stets mit ihren großen Augen hoffnungsvoll von unten angesehen („Die Rike wird das schon machen, die passt auf mich auf.“), so blickte sie nun immer öfter geringschätzig auf mich herab, körperlich mir längst schon entwachsen. Sie schnaubte, egal, was ich sagte. Rollte mit den Augen, schoss giftige Pfeile und jeder traf mich – Zack! – mitten in die Brust. Egal, was ich sagte oder tat, nichts erreichte sie. War das nur die Pubertät oder fühlte sie sich von mir verlassen? Ich weiß es nicht. Ich jedenfalls fühlte mich damals sehr verlassen, entwurzelt und zutiefst gekränkt. Weil noch immer mit ihr stärker verbunden als mit jedem anderen Menschen.

Die Zeit, sie heilt vielleicht nicht, aber streut Grassamen aus.

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… Und auf der Wiese, die auf unserer Beziehung gewachsen ist, blühen mittlerweile Blumen. Wir sind erwachsen, wir haben überlebt.

Sie ist mir nicht nur optisch ungleich. Groß, klein. Dunkel, hell. Besonnen, analytisch im Gegenzug zu unkonventionell und sprunghaft. Zwei unterschiedliche Blumen aus demselben Garten. Wären wir nicht miteinander verwandt, so bezweifle ich, dass unsere Andersartigkeit uns je zu Freunden gemacht hätte.

So aber sind wir viel mehr. Sie ist mein größter Fan und zugleich schärfster Kritiker. Aber vor allem ist sie eines der ganz großen Geschenken des Lebens an mich.

Und zwar mit allen Facetten.

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Für Tati ❤

Mutterherzgeschwurbel

Gestern wurden dem Burschi die vier Weißheitszähne entfernt. Das war nötig, weil die ihm später große Probleme bereitet hätten. Es sind noch kleine Kugeln, haben sie mir gesagt. Das ist nicht weiter schlimm, sagten sie. Wir schneiden das Zahnfleisch auf und holen die kleinen Kügelchen raus, bevor sie große Beißerchen sind und ihrem Jungen Probleme machen, haben sie gesagt.

Anderthalb Stunden wurde an meinem Schlaks herumgeschnitten und gehobelt. Anderthalb Stunden, in denen ich flatternd im Wartezimmer saß, zum Aushalten verdonnert.

Dann kam eine Schwester im OP-Kittel und holte mich. Das Kind saß mit roten Augen und fetten Backen auf dem Zahnarztstuhl und mich überkam eine Welle an Gefühlen. Ich grabschte nach der Kinderhand und quetschte sie, während die Ärztin mir erzählte, was sie gemacht hätte und wie tapfer der Junge gewesen sei. Ich war überhaupt nicht tapfer und kaute und schluckte allenfalls tapfer an meinen Tränen.

Tapfer war er auch seitdem. Er litt leise, schaute mich waidwund an aus seinen Rehaugen und lag einfach nur.

Ich wuselte wie eine Bekloppte in der Wohnung hin und her, suchte Zeug, schleppte es von A nach B, kochte sinnloserweise Sachen vor, pürierte diese, googelte Pflegehinweise nach Zahn-OPs, bettelte die Nachbarin, Arnikaglobuli aus der Apotheke zu holen, weil ich den Jungen nicht alleine lassen wollte, reichte feuchte Waschlappen, trockene Waschlappen, Kamillentee auf dem Löffel, aufgelöste Schmerztabletten auf dem Löffel und nachts ließ ich alle Türen offen, das Licht an und horchte in die Dunkelheit.

Schlich auf Socken zum Kinderzimmer und besah mir das im Sitzen schlafende Kind, mit Backen dick wie Sandy, das Eichhörnchen. Mein Junges! Angeditscht und beschädigt.

Dann lag ich in meinem Bett, starrte an die Decke und heiße Tränen liefen mir in die Ohren. In diesem Moment dachte ich an all die Situationen, in denen ich Angst und Sorge um dieses Kind haben musste. All die sorgenvollen Momente aus sechzehneinhalb Jahren, komprimiert in einem Klumpen, der mein Herz verstopfte und krampfen ließ.

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vor sechzehn Jahren

Er war nicht mal ein Jahr. Ich sehe ihn ohnmächtig werden und erbrechen auf der Schulter des Bärtigen, mitten in der Kinderarztpraxis, nach fünf Tagen Fieber ohne Besserung. Rauf, runter, rauf, runter. Ohnmacht. Höre den Kinderarzt: „Es gibt leider eine Form der Leukämie, die sich in solchen Fieberverläufen manifestiert. Ich entnehme dem Kind jetzt Blut aus dem Kopf, wir wickeln ihn in eine Decke, damit er nicht strampelt… geht leider nicht anders… noch zu klein…“. Das entsetzliche Gellen meines Kindes fährt mir durch Mark und Bein. Zwei Tage ohne Schlaf und mit entsetzlicher Angst später Entwarnung. Zum Glück.

Ein paar Jahre später. Ich sehe ihn auf einer OP-Liege wegfahren, „Tschüss Mami!“, flüsternd, kaum sechs Jahre alt. Höre den Oberarzt erzählen, Blinddarmdurchbruch, Sepsis, Glück gehabt. Warum? Warum? Wir waren doch schon im Krankenhaus! Ich sehe mich toben, sie hätten ihn fast verloren! Mein Baby! Wieso habt ihr das nicht gesehen?! Er hat noch mal Glück gehabt, ein Vorschulkind mit Bauchschmerzen ist der Albtraum eines jeden Chirurgen, höre ich den Arzt sagen…

Später. Der völlig aufgelöster Vater eines Schulkameraden am Telefon, sie müssen kommen, etwas Schreckliches ist passiert! Ihr Junge ist verunglückt, schwere Stahlplatte, Kopf, Keller, ich weiß nicht, wie das passieren konnte! Ich sehe den Dreikäsehoch mit einem blutdurchtränkten Handtuch um den Kopf. „Tut gar nicht weh, Mami!“. Er hat einen Schutzengel, sagt die Chirurgin beim Nähen. Die fette Narbe blitzt noch heute nach jedem Friseurbesuch auf seinem hübschen Kopf. Ich will sie noch immer streicheln und küssen…

Ich sehe mich in einem großen Krankenhaus zur Besuchszeit. Das Kind winkt am Fenster, für Monate getrennt. Höre alles, was die Ärztin mir zu sagen hat und verstehe gar nichts. Autismusspektrumstörung, Asperger Syndrom. Ich lerne mein Kind kennen, endlich. Nach so vielen Jahren. Und heuleheuleheule.

Ungezählte Anrufe wegen Quälereien aufgrund seiner Andersartigkeit. Geschlagen, Nase blutig, Sachen weg, Kind weg, Schulangst…

All meine Gefühle, im Zeitraffer der Erinnerung, überwältigen mich und ich denke mir, dass es nichts, wirklich rein gar nichts gibt, was annähernd dem Gefühl gleicht, das eine Mutter befällt, die Angst um ihr Junges hat. Kein Gefühl für Hunger, Durst noch Müdigkeit. All ihr Sein ausgerichtet auf das Fortpflänzchen. Den Rest der Welt ausgeblendet, Tunnelblick.

Ich sehe eine andere Mutter vor mir, deren Kleinstes schon nierentransplantiert werden musste vor seinem dritten Geburtstag. Ein goldiger, fröhlicher Junge, der eines jeden Herz gewinnt, der ihm begegnet. Wie stark muss diese Mutter sein? Eine andere Mutter, die ich kenne, hat ihre beiden Kinder nacheinander an die Leukämie verloren. Mit Anfang zwanzig. Sie überlebt sie schon seit zwanzig Jahren. Ich habe nicht die geringste Vorstellung, wie das gehen kann.

Was wird noch kommen? Niemand weiß es. Da ist nur Hoffen und Wünschen, keine Spur von Wissen. Und das ist auch gut so.

Ich denke, nichts in meinem ganzen Leben habe ich so mit Wünschen und Hoffnungen bedacht wie meine Kinder. Vermutlich geht das allen Müttern so. Ich habe sie als Babies bestaunt, ihre ersten Schritte mit Herzeleid bewundert und sehe sie wachsen. Und frage mich bei alledem, was wohl aus ihnen wird. Wie sie aussehen werden, wenn sie groß sind. Wohin ihre Reise sie tragen wird. Ob sie Freundschaften schließen werden, Familien gründen. Wünsche ihnen, dass die Liebe sie findet und wenig Schmerz dabeihat im Gepäck.

Und ich denke mir dabei, dass es gut ist, dass da nur Hoffen und Wünschen ist und kein Wissen. Dass niemand von uns weiß, welche Prüfungen das Leben unseren Kindern und uns vorbehält. Dass wir das Hier und Jetzt genießen können, uns aufreiben, ärgern, lieben. Aber stets im Bewusstsein, egal, was passiert, wir werden in jeder noch so unvorstellbaren Situation das Beste für unsere Kinder sein. Von der deren erster bis zu unserer letzten Minute. ❤

 

So, mein triefendes Mutterherz und ich gehen jetzt Waschlappen wechseln. Küsst eure Kinder und wenn gerade alles gut ist, geniesst es. Und falls nicht, ihr schafft das!

Mütterherzenspower, dagegen kackt selbst Chuck Norris ab. Chakka, Baby!

 

 

 

Adventskalender und andere Schokoladenkrisen

Nächste Woche ist es soweit. Und sie werden sehnsüchtig erwartet. Die Adventskalender!

Und ich bin froh, wenn ich die dann endlich aufstellen kann und sie nicht mehr meinen Kleiderschrank verstopfen. Dass ich die Adventskalender bis zum ersten Dezember verstecke, ist leider nicht optional und ja, ich wäre auch froh, wenn es anders wäre…img_41371

Man könnte meinen, in dieser Familie herrscht Schokoladen- oder gar generelles Süßkramverbot, so wie die Jungs sich gebährden. Dem ist mitnichten so! Hier gibt es immer eine differenzierte Auswahl an mengenmäßig einem Großhandel Ehre gebietend Zuckerzeug. Immer! Schon, weil ich das Zittern bekomme, wenn nicht wenigstens dreihundert Gramm Milka Vollnuss irgendwo gebunkert sind. Für den Notfall.

Ich muss das Zeug auch bunkern, weil die anderen mir alles wegfressen. Heute erst wollte ich zwei Tafeln Kinderschokolade aus der Bevorratung holen. Dort lag ein Fünferpack, dessen war ich sicher. Es lagen auch noch fünf Verpackungen darin, in jeder ein einzelner Riegel.

Wutschnaubend habe ich damit vor dem pubertären Übeltätergesicht herumgefuchtelt und wisst ihr, was der zu seinem Fehlverhalten zu sagen hatte? „Die waren da, also habe ich sie gegessen!“. Aha.

Ich sag nur: Der ganze Vater! Der verkündete mir auch mal, ihm sei furchtbar übel und ich sei schuld. Weswegen, fragt ihr? Na, das ist doch ganz klar: Weil ich immer die Schokolade im Dreihundertgrammformat kaufe und er dann deshalb immer viel zu viel davon isst! Und ich wüsste doch, das verträgt er gar nicht gut! Mea culpa. Sinnlos zu erwähnen, dass ich die Schokolade eigentlich kaufe, weil ich (!) zum Zeitpunkt der Kaufentscheidung Appetit darauf habe und mich wider besseren Wissens oft Tage später auf ein Stückchen freue.

Zu spät. Alles, was irgendwo an Allgemeinplätzen gelagert wird, wird gnadenlos weggefressen! In Mengen, da wird mir schon beim Gedanken daran übel.

Unnötig zu erwähnen, dass die Adventskalenderei gerade recht kommt. Endlich mal wieder Schokolade! Und unnötig zu erwähnen, dass ich drei Kalender kaufen muss (ja, kaufen, dazu gleich mehr), ich habe ja auch drei bedürftige Kinder.

In einem der vergangenen Jahre habe ich mal für das bärtige meiner Kinder einen indiviuellen Adventskalender „gebastelt“. Es war eine Schale, die ich jeden Tag für ihn mit Kleinigkeiten bestückt habe. Teebeutelchen mit Botschaften, kleine Liebesbriefe, Traubenzucker, sowas eben. Wühlt der jedesmal in dieser liebevoll bestückten Schale, wirft alles raus und sagt: „Und wo ist die Schokolade?“.

Ich kaufe. Ich bin ein Käufer. Hier werden drei mal vierundzwanzig Portionen braunes Zeug, bestehend aus Zucker, Kakao, Milchpulver und Fett erwartet und eingefordert. So ist das bei Nieselpriems!

Ich erinnere mich an das erste Kitajahr des Großkindes. Am ersten Dezember kam ich nachmittags in die Kindereinrichtung und wurde wutschnaubend von der alten Genossin Kindergärtnerin erwartet: „Siiiie! Also siiiiie!“ (Ihr mächtiger Busen bebte und ihr behaartes Kinn zitterte; und ich hatte Angst), „Iiiihr Kind! Also iiihr Kind hat!“ (sie schnappte und schnaufte um Luft bemüht), „Ihr Kind hat einfach den Gruppenadventskalender leergegessen! Alles! Leer!“.

Liegt offensichtlich in der Familie…

Und der Kleinste, also bei dem ist auch Hopfen und Malz verloren! Ich hatte dem mal eine kleine Tüte Gummibärchen in eine seiner winzigen Mülltonnen geladen, damit er damit das Müllauto bestücken könnte. Und natürlich auch, um zwischendurch zu naschen. Dann waren die alle. Da dachte ich, ok, dann beladen wir eben das Müllauto mit Kastanien! Es war Frühherbst und die waren zuhauf vorhanden, weil wir von überall welche mitbrachten. Und ja, sie schienen ihm auch geschmeckt zu haben…

Aber was rege ich mich auf. Könnt ihr euch erinnern (irgendwo habe ich schon mal darüber gebloggt), mich sprach mal die Mutter einer Schulfreundin an und sagte: „Ach Rike, wenn ich dich sehe, muss ich immer daran denken, wie du ständig bei uns vor der Tür standest und gesagt hast, Frau Bleul, ham sie was Süßes für mich? Ich nehm auch´n Zuckerwürfel! Und, ist die Gabi da zum Spielen?“.

Sag ich doch, liegt alles in der Familie!

Lackliebe

Es ist Zeit für eine Enthüllung: Ich stehe total auf Lack! 😉

Das erste Möbel, das ich gestrichen habe, war ein Kinderzimmerschrank des Bärtigen. Presspappe und urst hässlich, aber ein absolutes Raumwunder! Ihr wisst schon, Schränke heutzutage haben immer rechts eine Stange für Bügel und links maximal zwei Einlegeböden. Wie soll man da all seinen Prassel unterkriegen?

Nicht dieser Schrank. Zack, zack, zack, fünf Einlegeböden auf jeder Seite, eine anständige Tiefe, den musste ich einfach behalten! Wegen der inneren Werte, ihr versteht. Und so wurde der Elfenbeinfarben gestrichen und bekam antik angehauchte Knäufe. Und alle ab sofort: „Wow! Was für ein schöner Schrank!“.

Danach war ich angefixt. Und ab sofort wurde nie wieder ein Möbel weggeschmissen!

Nun, da bald eine neue Behausung ansteht und eingerichtet werden will, bin ich im Lackfieber.

Ein alter Campingtisch aus den Siebzigern wird der neue Bastel- und Maltisch für den Blondino.img_3767

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Mit der selben Farbe habe ich ein olles Küchenregal traktiert, das später über den Tisch gehängt wird und Bücher und Stiftebecher des Kleinen geherbergen soll.

Nach zwei Anstrichen noch etwas fleckig, da muss noch eine Schicht drauf!

Nach zwei Anstrichen noch etwas fleckig, da muss noch eine Schicht drauf!

Ein Sideboard aus dem Garten bekommt einen lichtgrauen Anstrich und weiße Emailleknäufe und wird zukünftig meine Vasen und Dekodingsbumse aufbewahren.img_3763

img_3764Für alle, die denken, das könnte auch was für sie sein, habe ich ein paar „best practises“ aus meiner Laienpraxis.

Lackieren ist babyleicht, auch wenn ein gelernter Maler vermutlich bei diesem Ausspruch anfängt zu weinen. Prinzipiell braucht ihr nur einen Lack eurer Wahl (ich finde Mattlacke für Möbel am schönsten und Glanzlacke für Objekte, aber das ist Geschmackssache), eine Farbwanne, Lackrolle und einen Pinsel. Auch da guckt ihr einfach, womit ihr am besten klarkommt. Ich nehme immer runde Pinsel mit dickem Kopf.

Prinzipiell kann man fast alles streichen! Wirklich nahezu jeden Untergrund. Im Baumarkt freuen die sich auch sehr, wenn man das Beratungsangebot annimmt.

Generell versuche ich so viel wie möglich mit dem Lackroller abzudecken – das geht schnell und garantiert eine gleichmäßige Oberfläche.

Lieber weniger Farbe und mehr Schichten, das ist auch so ein Erfahrungswert. Der Schrank oben auf dem Bild hat mich fünf Anstriche und tausend Flüche gekostet, ist am Ende aber satt grau und wunderschön geworden! Ich habe ihm weiße Emailleknäufe verpasst und leider vergessen zu fotografieren. Das reiche ich nach.

Abklebeband ist auch wichtig. Das gelbe Malerkrepp zum Abreißen finde ich praktisch. Geduldige, gewissenhafte Menschen würden vermutlich auch die Schieber aus den Schränken ausbauen vorm Lackieren. Ich bin da eher der quick ´n dirty Typ.

Terpentin benutze ich nicht. Mir wird von dem Gestank blümerant. Ich schütte immer nur so viel Farbe in die Farbwanne, wie ich meine, gerade eben zu brauchen und wickle Pinsel und Farbroller zwischen den Lackschichten in handelsübliche Haushaltsfolie. Damit trocknen diese auch nicht aus, wenn ihr mal ein paar Tage keine Zeit habt, weiterzuarbeiten. Nur Monate, also Monate sollten die nicht eingewickelt bleiben, das schimmelt irgendwann! Das weiß ich, weil ich das selbstlos getestet habe…img_3765

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Arbeitsklamotten sind auch wichtig. Die werden bei mir nie dreckig, aber wehe, ich denk mir: „Ach komm, kleckert schon nicht! Ich lass mal den Wollpulli und die Uggs an!“… Ihr versteht.

Weil ich gerade so im „Flow“ bin, habe ich noch diversen Kleinteilen ein farbenfrohes Revival beschert.

Aus dem Blumenhocker einer Omi wurde mit einem Farbrest und einem gehäkelten Bezug aus Wollresten ein bunter Hocker fürs Kinderzimmer. Den Bezug habe ich mit doppelseitigen Teppichklebeband justiert. Hält wie Atze.img_4101

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Für die Figurinen wurde ich zum Sprayer. Schütteln, klackern, sprühen, Luft anhalten…

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Die Deckel meiner Gurkenglassammlung wurden gepimpt…img_4097 … und ein hässliches Bild, das sich partout nicht von seinem Rahmen trennen lassen wollte, komplett lackiert. Innen kam Tafellack drauf, da kann ich dann einen philosophischen Sinnspruch draufschreiben. Oder ich benutze das als Notizbord, zum Beispiel, um mir neue Schimpfwörter zu notieren, wenn sie mir einfallen. Senkhodenpendler, Schnitzelpriester…img_4102

Im Garten steht noch ein Werkzeugregal, dem ich einen Schieber abgeluchst habe. Der wurde lasiert und wird meine neue Schreibtischablage. Oder ein Setzkasten für Nagellack!

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Aktuell trocknet gerade die alte Spieltruhe des Großkindes im Keller, die später im Flur Mützen, Handschuhe und dergleichen mehr aufbewahren soll.img_4117

Daneben steht eine wunderschöne Etagere, die ich bei Lilli auf Instagram im Sale ergattert habe. Die wird noch weiß lackiert. Vielleicht wird sie zukünftig im Flur stehen und die Familienmitgliedern parken ihre Schlüssel darauf.

Außerdem will ich noch unsere Schuhschränke streichen (die werden als Arbeitszimmer-Nähzeug-Aufbewahrungsmöbel wiedergeboren) und dann hat mich auch noch eine Auftragsarbeit ereilt.

Ja-ha, genau!

Die Leute von Ehring-Möbel haben mir nämlich Weihnachtsanhänger geschickt. Und Kunstschnee! Und Schokokugeln. Und einen liebevollen, persönlichen Brief mit der Aufforderung, eine Mal- und Bastelchallenge anzunehmen. Im Moment habe ich noch gar keine Idee, aber ihr könnt auf Instagram verfolgen, ob da was Vorzeigbares bei rausgekommen ist am Ende.

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Diese Weihnachtsanhänger und viele andere hölzerne Dekoideen, die man auch gut zusammen mit Kindern gestalten kann, gibt es bei Ehring im Onlineshop zu kaufen und für jeden verkauften Weihnachtsartikel wird ein Euro an die Tafel gespendet. Eine gute Sache, wie ich finde.

Erste Male-Wochenende in Bildern #wib

Auf dem Balkon steht eine Schale angeknackte Walnüsse und jeden Morgen erfreue ich mich an den Meisen, die sich an den Walnüssen erfreuen.

Meine Oma hat zeit ihres Lebens im Winter die Meisen mit Nüssen gefüttert und ich erinnere mich, dass sie mir erzählt hat, dass ein paar ganz vorwitzige sogar zur Balkontür hereingeflogen kamen, wenn sie Nüsse knackte, um bloß nicht warten zu müssen! Soweit ist unsere Zuneigung hier aber noch nicht.

Allerdings ist die Schüssel binnen weniger Tage leer, was zum Einen daran liegt, dass ich mir hier auch seltsame große und entsprechend gefräßige Taubenvögel angefüttert habe und zum anderen, dass meine gefiederten Freunde und ich dringend mal über Esskultur sprechen müssen. Die setzen sich in den Trog und schmeißen vor lauter Fresslust die Hälfte der Nüsse und Schalen aus der Schüssel oder stopfen sich die Schnäbel voll und versuchen erfolglos, damit abzuzischen, wobei sie dann zwei Drittel ihrer Beute bereits beim Start verlieren! img_4064

Der Mann hat mir aufgetragen, Spachtel im Baumarkt zu besorgen. Teurer Fehler! Kennt ihr den Teelicht-Effekt? Das ist, wenn du wegen Teelichtern zu Ikea fährst und die dann fuffzig Euro kosten. Tja, Spachtelmasse für siebzig, sage ich nur…img_4084

Nach dem Baumarkt habe ich etwas getan, das ich noch nie zuvor gemacht habe: Ich bin allein im Wald spazieren gegangen. Nun gut, nicht Wald, eher Wäldchen, weil ich leider über den Orientierungssinn eines Einzellers verfüge, aber immerhin.img_4087

Überall lagen ganz liederlich Birkenäste herum, ich hab da mal aufgeräumt! Die stelle ich zu Hause in einen Emaille-Eimer und fülle den mit Steinen. Das wird dann mein Jahreszeitenbaum und ich kann da so Dekodingsbumse dranhängen. Aber zuerst muss ich das Zeug irgendwie aus dem Wald zerren…img_4089

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Der Ginster muss auch dringend mal verschnitten werden! Wie das dort aussieht! Also ehrlich.

Mist, ich habe keine Schere mit, dann muss es eben so gehen… img_4090

Immer wieder drehe ich mich (behäbig, aufgrund den Waldunrates, mit dem ich mich beladen habe) um, aus Angst, der Förster käme geritten um mich übers Knie zu legen. Ich verstehe schon, wie das aussehen muss, aber ich räume doch nur auf in diesem Wald. Muss ja mal gemacht werden!

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Los. Fall. Runter. Jetzt!

Seit Wochen regnet es und meine Füße qietschen, schmatzen und glucksen auf dem Waldboden. Zapfen hätte ich gern gesammelt, die sind aber aufgrund des Wetters modrig.

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Hallo du Hübscher, willste mitkommen und mein Weihnachtsbaum sein?

Und wie ich so durch den Wald quietsche, schmatze und gluckse, merke ich, dass ich lächle. Nicht so ein kleines Schmunzeln, eher ein Ganzgesichtsgrinsen. Schön hier. Mit mir.

Warum mache ich das nicht öfter? Hm, schon klar, immer irgendwelche Themen im Kopf, keine Zeit. Abgelenkt durch die Ansprüche der Familie oder meiner eigenen im Familienkontext. Aber während ich so stapfe, denke ich. Ich denke einfach, was so an Gedanken kommt und das sind ganz persönliche, keine Gedanken, die zweckgebunden oder zielorientiert wären. Ich verbringe Zeit mit mir. Und eigentlich ist es auch ganz spannend, was ich mir so zu sagen habe! Erstaunlich.

Und auch die ganz großen Fragen kommen. Was ist Glück, wo komme ich her, wo gehe ich hin. Moment mal! Wohin gehe ich hier eigentlich?! Und wo bin ich überhaupt? Kein Mensch kann sich in einem drei Meter breiten Waldstück verlaufen!

Doch. img_4095

Zurück in der Zivilisation.

Die letzten Gartentomaten zu Sauce verkocht. Ich glaube, das ist auch das erste Mal, dass ich noch im November Freilandtomaten geerntet habe. Grün natürlich, die mussten zum Reifen auf einem Backblech unter den Schrank. Aber welch dekadenter Luxus! Im November Tomatensauce aus frischen Tomaten. War lecker.img_4105

Keller ausgemistet, weil wir ja umziehen. Nimmt kein Ende! Wem gehört denn das alles? Und warum?img_4058

Sonntags ist Besuchszeit im Vater-Kind-Kurheim.

Und so wurde erwartet, dass der junge Mann und ich einen Besuch abstatten im Bärtiger-Blondino-Kurheim. Ich persönlich hätte noch eine Woche ausgehalten (optimistische Prognose), aber der Mann schien sehr an Sehnsucht zu leiden und der Blondino guckte auch immer so komisch in die Handykamera beim abendlichen Skypen…

Und so fahren der Junge Mann und ich stundenlang in der Gegend herum, bis wir irgendwann im Gebirge ankommen.

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Wir spazieren. „Wenigstens ist heute schönes Wetter!“, sagt der Bärtige durch den Mundschlitz in seinem Polar-Outfit, während ich mir das Mitteltiefgrau am Himmel ansehe und ein eisiger Wind mir ungefragt in den Schlübber fährt (Wenigstens einer am heutigen Tag. Gelegenheit macht zwar Liebe, aber bei diesen Temperaturen braucht man auch eine beheizbare räumliche Gelegenheit. Und außerdem eine Kinderbetreuung! Ach, komm, vergiss es… ).

In stockdunkler Nacht (also kurz vor sechs) verabschieden wir uns und ich verspreche, wiederzukommen. Ist so schön… grau hier. Nächsten Sonntag? Ja, Schatz, na klar.
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Während ich nachtblind versuche, den Heimweg durch den finstren Wald zu finden, sinniere ich darüber nach, dass ich den heutigen Tag im Auto verbracht habe um Mann und Kind zu sehen. Und ob das verhältnismäßig ist. Sechs Stunden Fahrt für zwei feuchte Küsse und das Halten einer Lolli-verschmierten Kleinkindhand?

Ja!

Und so habe ich an diesem Sonntag etwas gemacht, das ich das letzte Mal vor mehr als zwanzig Jahren getan habe. Und auch damals sehr widerwillig. Ich bin alleine und mit voller Absicht auf eine Autobahn gefahren.

Es gibt Menschen, die meinen, in einem Fahrstuhl zu ersticken oder an plötzlichem Herzstillstand zu sterben, wenn sie von einer Spinne berührt werden. Ich habe Todesangst auf der Autobahn. Genaugenommen seit dem Unfall meines Vaters vor sechsundzwanzig Jahren und dabei tut auch gar nichts zur Sache, dass dieser auf einer Landstraße ums Leben kam. Angst ist niemals rational.

„Komm Mädchen, du hast den Schlüssel, das Lenkrad und die Kontrolle. Und neben dir deinen schlaksigen Sohn. Du bist erwachsen, verantwortlich und du kannst das! Links ein weißer Streifen, rechts ein weißer Streifen. Du fährst einfach stur in der Mitte durch. Kein Reifen wird platzen, kein LKW dich in die Leitplanke drängen. Heute wird niemand sterben.“

Was soll ich sagen, ich bin hier! Und schreibe das nieder. 🙂

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„… Alles kannst du, will´s die Liebe!“

 

 

Mehr Wochenenden in Bildern gibts hier.

Just me, myself and I

Ständig rufen Leute an und schreiben besorgte Nachrichten über ihre kleinen Telefone. Hintergrund: Man sorgt sich um mich! Man will sich kümmern!

Weil, ich bin alleine. Der Mann ist mit dem Babylino auf Kur gefahren. Die arme muss getröstet werden!

Kinder wurden mir angeboten, zum Halten. Als Ersatz. Beschäftigungsstrategien ausgeheckt. Mehr arbeiten zum Beispiel (Fällt aus!), Kino (hab ich mich überreden lassen), Football gucken mit den Kollegen (vielleicht), und wer weiß, was mir noch alles angetragen wird.

Dabei ist das alles gar nicht nötig! Wahrscheinlich komme ich in die Muttihölle, aber wisst ihr, wie ich mich aktuell tatsächlich fühle?

Schlafen, schlafen, schlafen. Pralinen essen im Bett, Netflixen bis die Playstation raucht und Fastfood dreimal täglich. Yes! Und jetzt stört mich nicht weiter, ich tanze in der Küche!

Edit: Der pubertäre Sohn findet mich jetzt peinlich und seltsam. Na endlich!

Kur-z-Urlaub

Und es begab sich zu der Zeit, dass der bärtige Mann beschloss, es sei an ebendieser, sich von den Strapazen der zweifachen Vaterschaft und aller damit einhergehenden Verantwortung in Co-Einheit mit beruflicher Vollbeschäftigung und den physisch und psychisch belastenden Umständen, die die Ehe mit mir mit sich bringen, zu erholen, und stellte einen Kurantrag.

(Apropos erholen. Wer sich von diesem Satz erst mal erholen muss, bitte hier klicken.)

Nach reiflicher Überlegung beschloss er, das Prinzip „Vater-Kind-Kur“ zu testen und mich nicht mit beiden Kindern allein zu Hause zu lassen. Sondern nur mit einem. Ich möchte ihm dafür an dieser Stelle auch noch einmal von Herzen danken!

Er freut sich jetzt auch schon sehr. Vor allem auf die tausend Muttis, die ihn dort mit offenen Armen und Beinen empfangen werden, denn wenn so ein Vater auf Vater-Kind-Kur fährt, ist er ja noch immer ein Unikum mit Einhorncharakter. Selten. Rar. Orr, guck mal, ein Papi allein mit seinem Kind! Wie niedlich!

Seit der Kurantrag genehmigt ist, wird jede meiner ansatzweisen Zicken mit den Worten an das Baby quittiert: „Ärgere dich nicht, Baby, wir lernen bald ganz viele nette Mamis kennen!“.

Ich freue mich für ihn! Wirklich. Aber ich weiß gar nicht, wie ich das aushalten soll ohne ihn. Und das Kind.

Morgens werde ich ausschlafen bis mindestens halb sieben und dann mit Kaffee und Kerze vor mir auf dem Tisch aus dem Fenster gucken und dem Wetter beim wettern zusehen. Schwarz zu grau. Langsam wach werden und den Tag ankommen lassen. In Ruhe frühstücken, duschen.

Kein: „Ich will Tablet gucken! Ich will Kelloggs! Nein, die nich! Die sind nich legga! Ich will andere! Ich will Milch! Ich will Apfelsaft! Ich will den Bruda wecken! Ich will auf Arm! Geh weg! Böse Mama, geh in dein Zimma!“. Oh, wie wird mir das fehlen.

Kein: „Musst du auf´s Töppi?“. „Nein!“. „Musst du auf´s Töppi?“. „Nein!“. „Musst du auf´s Töppi?“. „Nein!“. „Musst du auf´s Töppi?“. „Nein!“. „Musst du auf´s Töppi?“. „Nein!“, und dann: „Oh! Ich hat eingepullat!“. Das wird mir fehlen.

Ich werde mich schminken können, ohne dass jemand meine Puderquasten klaut, aufs Klo steigt, dann herunterstürzt und brüllt, dass mir das Trommelfell vibriert. Das wird mir fehlen.

Kein: „Dann musst du eben die Badtür abschließen, Henrike!“, auf die Bitte hin, jemand (Irgendjemand!) möge mir doch bitte mal das Kind abnehmen, gerufen von einem, der ganz sicher in Ruhe Kaffee trinkt und die Börsenberichte studiert, weil das Entenjunge eben nur mir hinterherwatschelt… Hach, das wird mir fehlen!

Ich werde Zeit haben, mir die Haare zu fönen und vielleicht tatsächlich mal mit einer Frisur aus dem Haus gehen und nicht mit diesem festgezurrten Knödel auf dem Kopf, von dem ich annehme, er erinnert an eine zierliche Ballerina, der mir in Wahrheit aber das optische Erscheinungsbild einer abgehalfterten Domina verschafft.

Keine drei Brotbüchsen bestücken, Klamotten rauslegen und sich im Anschluss mit zwei Kindern rumärgern wegen der getroffenen Klamottenauswahl. Das wird mir fehlen!

Kein: „Henrike, wieso ist das Kind noch nicht angezogen? Wo sind denn dem seine Klamotten? Ach hier. Soll der noch Strümpfe anziehen? Hier liegen gar keine! Was?! Ja, und welche? Wie, irgendwelche! Kannst du mal herkommen anstatt mich durch die Wohnung anzuschreien! Was denn nun? Lange, kurze, dicke, dünne Strümpfe? Woher soll ich denn das wissen! Henrike! Um alles muss ich mich alleine kümmern! Ich muss los, ich komm zu spät ins Büro! Weib, hörst du mich?! Hallo?“. Das wird mir fehlen.

Ich werde ohne Blick auf die Uhr arbeiten und nachmittags noch mehr Kerzen anmachen. Und Räucherkerzen! Und Plätzchen backen, mindestens zehn Kilo. Ich werde durch die Wohnung laufen können ohne rumzueiern, weil die deutsche Reichsbahn den nieselpriemschen Regionalexpress durch unsere Behausung verlegt hat.img_4019

Kein: „Mann-oh! Das Klopapier ist alle!“. „Ich wa-heiß!“. Das wird mir fehlen.img_4020

Der urlaubigste Urlaub überhaupt erwartet mich!

Ich werde mit dem Großkind eine großartige Zeit haben. Wir werden eine Ausstellung besuchen und vielleicht gehen wir auch mal ins Kino. Wir werden uns von Kuchen, Torte, Döner, Burger und Pizza ernähren. Ich werde nicht ein einziges Mal kochen!

Und wir zwei werden nicht streiten, egal, was kommt. Ich werde mit Vernunft, Weitsicht und Vertrauen auf den jugendlichen Schlaks einwirken und es wird gut werden.

Kein Gezanke am Abendbrottisch über mangelndes Reinhängen bei der Schule und übertriebenes Reinhängen bei der Computerspielerei. Kein Rumgemotze übers Essen. Kein Gerangel am viel zu kleinen Tisch. Das wird mir wirklich fehlen!

Nur, was mache ich dann die andere Zeit? Weltfrieden retten? Wahlbetrug aufdecken?

Es ist ein Desaster. Ich überlege tatsächlich, mich für drei Wochen im Fitnessstudio anzumelden oder ein Handwerk zu erlernen. Schätzungsweise sechs Stunden meines Tages sind bis jetzt unverplant. Hilfe! Was mach denn dann? Ich muss was machen! Irgendwas wird mir sonst fehlen!

Und abends, also abends weiß ich auch nicht… abends tobt das Kleinkind immer in meinem Bett und zeigt Kunststücke und dann kommt noch mindestens einer mit dazu und wir lümmeln in den Kissen und gucken das Sandmännchen auf youtube, Arme und Beine zum gordischen Knoten geschlungen. Und ich sage zu dem Mann, dass er genauso verbohrt sei wie der Herr Fuchs und er nennt mich „sein Elsterchen“ und sagt, ich sei genauso besserwisserisch wie die. Das wird mir fehlen.

Und die feuchten Schmatze des Kindes, wenn es mich abküsst und morgens fragt: „Hast du gut gesslafen, mein Sssatz?!“, mich nachmittags begrüßt mit: „Hallo mein Mäußchen!“, und abends verabschiedet mit: „Iss komm auch gleiss ins Bett!“, und somit eins zu eins meine Worte an ihn wiedergibt. Ich finde das so anrührend. Das wird mir fehlen.

Ich darf gar nicht daran denken, wie ich ich den drei Nächten, die ich bislang ohne ihn verbracht habe, schlaflos irgendwo lag und dümmliche SMS an den Mann geschrieben habe. Mit Herzchen drauf und so Zeug. Und ihn genötigt habe, mir Fotos der schlafenden Kinder zu schicken.

Ich muss mich zusammenreißen! Wirklich jetzt. Das wird alles ganz großartig!

Und in der Kurklinik werden die mich auch kennenlernen! Pah, die Muttis dort werden gar nicht merken, dass der Mann da eigentlich alleine auf Kur ist. Ich komm einfach jeden Nachmittag vorbei. Wie bitte? Besuchszeit nur sonntags? Sorry, ich kann dich nicht verstehen. Ist so laut hier…

 

 

 

 

Immobiliengedanken

Wir ziehen um.

Die Unterschriften sind unter Verträge gesetzt, Malerfirma, Umzugsunternehmen, Trockenbau, alles irgendwie schon halb organisiert. Ein Nachmieter für die alte Wohnung gefunden, ein Käufer für unseren Garten… Es stehen größere Veränderungen an.

Vor sechs Jahren sind wir nach Pieschen gezogen. Und ja, ich wusste, es ist laut hier! Es ist dreckig! Aber auch authentisch, ehrlich. „Pieschen hat was.“, das sagen die, die hier leben. „Ja, Glasscherben und Hundekacke!“, sagen die, die woanders leben. Ich mochte es hier.  Aber nun zieht es uns weiter.

Uns zieht es immer irgendwann weiter. Also speziell mich! Der Freund meiner Mutter führt Buch über mein Umzugsverhalten, ich muss den mal fragen, wie der aktuelle Stand ist. Ich schätze, das wird mein neunzehnter Umzug. Wenn ich mich nicht verzählt habe…

Andere Leute sparen auf Urlaube, ein Eigenheim, einen Lotus. Ich ziehe regelmäßig um. Deshalb werde ich niemals Reichtümer besitzen. Das betrifft natürlich auch meinen Mann, da hat er wirklich Pech. Augen auf bei der Partnerwahl, sage ich da nur!

Mein Mann. Gutes Stichwort. Ich denke oft an den Bärtigen und an mich, an uns, jetzt, in den stürmischen Zeiten des Listenmachens, Planens, Rumorganisierens. Ich denke daran, durch wieviele Wohnungen, an wievielen Nachbarn vorbei uns unsere Reise bisher geführt hat. Viele unserer ehemaligen Nachbarn sind nach wie vor Freunde. Wenn wir nicht so oft umziehen würden, hätten wir die nie kennengelernt!

Begonnen hat alles vor fast zwanzig Jahren, als der Bärtige (damals sehr jung, sehr schlank und sehr glattrasiert) zu mir zog in meine kleine Dreizimmerwohnung. Ohne Balkon, am Busbahnhof. Dann, wir hatten schon über unsere gemeinsame Zukunft gesprochen und Fortpflanzungspläne, zogen wir in eine größere Dreizimmerwohnung. Genossenschaftswohnung, PVC-Bodenbelag, immerhin mit Balkon. Und das Sozialamt war gleich nebenan, das einen Teil der Miete übernahm. Er war Student, ich gleich darauf in Elternzeit. Jeder hatten wir einen Nebenjob. Vor allem hatten wir immer ein volles Haus und ja, Sorgen auch, aber nur kleine. Das Geld ist schon wieder alle! Wie kann das sein? Äh… weiß ich auch nicht. Es ist ja nicht weg, es hat jetzt nur jemand anderes, also reg dich nicht auf! Solche Sorgen eben.

Dann zogen wir in eine Dreieinhalbzimmerwohnung. Arbeiteten, heirateten, trennten uns. Zogen in zwei Zweizimmerwohnungen. Damals hatten wir wirklich Sorgen… Ich zog dann noch mal alleine mit Kind um (um in Übung zu bleiben), dann zogen wir wieder zusammen. In eine Fünfzimmerwohnung, das ist die hier in Pieschen.

Und schon damals sagten die Leute: „Menschenskinder, was wollt ihr bitte mit fünf Zimmern?!“. Wir wollten einfach Platz! Und wir hatten am Anfang ein leeres Zimmer, unser „Hoffnungszimmer“.

Seit reichlich drei Jahren ist dieses Hoffnungszimmer nun bewohnt. Wir haben keinen Platz mehr.

Das mit dem Platz ist seltsam. Wir haben uns schon quadratmetertechnisch verdoppelt seit Anbeginn unseres Zusammenlebens, aber weil wir immer mehr werden und immer mehr Erinnerungen und Leben und Dinge haben, brauchen wir auch mehr Raum! In Zeiten, wo alle von simplify-dein-irgendwas reden, bin ich eine Bewahrerin. Von Klamotten und Schuhen kann ich mich gut trennen, nicht aber von Kinderzeichnungen, gebastelten Ding-sen, Faschingskostümen (voller Erinnerungen) und so weiter. Erinnerungen an die Kinder, Erinnerungen an unsere Familie. Kistenweise Fotos von Urlauben, Ausflügen, Schuleinführung (Ja, auch die Zuckertüten habe ich noch, natürlich! Und alle Milchzähne.), Weihnachtsfesten. Fotos im Kreissaal, das erste Kind ohne Zähne, mit Milchzähnen, mit Zahnlücken, mit Zahnspange. Schätze.

Okay, eine gewisse Sammelwut lässt sich mir nicht absprechen! Ich kann noch nicht mal getrocknetes Gras aus dem Osternest wegschmeißen. Man kann doch damit irgendwas basteln! Oder dekorieren! Und ist nicht das dieses „nachhaltig“, von dem immer alle reden? Na also.

Wann denn genau der Gedanke aufkam, dass es jetzt ein Haus zur Miete sein soll, weiß ich gar nicht. Seit Anfang des Jahres haben wir erst lose, dann zunehmend mit mehr Engagement und am Ende regelrechter Vehemenz, gesucht. Es gab Wochen, da habe ich mit fünf Hausangeboten und Maklern um Besichtigungstermine jongliert und die versucht, in unsere Kalender zu integrieren.

Wir haben ziemlich kuriose Sachen erlebt. Von verdreckten, abgeranzten Buden mit schimmligen Fenstergummis („Das ist kein Schimmel, das muss nur mal geputzt werden!“), über dreiste Makler („Was wollen sie? Über die Grundmiete reden? Ich wusste gleich, dass sie sich dieses Haus nicht leisten können!“) bis hin zu seltsamen Besitzern („Ich habe sie gegoogelt!“, anstatt eines „Hallo, guten Tag.“, „Sie sind doch die mit dem Blog, oder?“). Bei einem Haus wurde uns mitgeteilt, der Besitzer wünschte nach einem ersten Auswahlverfahren alle Bewerber persönlich kennenzulernen um nach einem Gespräch sich dann für einen Mieter zu entscheiden. Assesment center für Mieter, man glaubt es nicht (Das betreffende Haus steht im übrigen immer noch leer).

Wir haben ein Haus gefunden.

Oder das Haus uns. Denn ehrlich gesagt, hat es wohl auf uns gewartet. Meine Freundin hatte mir schon vor Monaten einen Link zum Exposé geschickt. Es kam damals nicht in Frage. Während der ganzen Zeit der Suche hat sich auch erst herauskristallisiert, was wir suchen! Und unsere Vorstellung von dem Haus, das es dann sein soll, sich auch sehr verändert. Das war spannend zu erleben. Und manchmal schien es, als würden wir niemals ein Haus finden, das uns beiden gefallen könnte. Wir haben gestritten, gefeilscht, argumentiert und manchmal einfach geschwiegen. Und uns am Ende gemeinsam entscheiden.

Vor einigen Tagen war ich zum Messen im zukünftigen Haus.

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Ich stand auf dem leeren Dachboden, der irgendwann unser Schlafzimmer sein wird. Achtzig Quadratmeter, so groß waren manche Wohnungen nicht, in denen wir zu dritt gewohnt haben, und habe an uns gedacht.

Ich bin durch das Haus gegangen, voller Vorfreude. Auf den Trubel, auf das Neue, das in diesem Haus passieren wird. Auf uns. Hier drin. Und dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben auf etwas einlasse, das ein „wir“ braucht.

Denn: Für mein persönliches Freiheitsempfinden hatte ich stets im Leben die Maxime, mir nie mehr aufzuhalsen, als ich auch allein würde tragen können. Kinder, Arbeit, Schulden.

„Freedom is just another word for nothing left to lose“ (Janis Joplin)

Nun, die Mietbelastung für dieses Haus wird keiner von uns beiden alleine tragen können! Das ist ein Fakt, das ist nichts, worüber wir sprechen würden. Sprechen müssten. Und so ist unser beider Unterschrift unter dem Mietvertrag für dieses große Haus mit viel Platz für Neues auch ein weiteres Bekenntnis zueinander. Ja, ich will mit dir weiter zusammenleben! Größer, weiter, ohne Netz und doppelten Boden. Nach dem Umzug und den Umbauten pleite vermutlich, aber he, lass uns das machen! Ein neues Nest für unsere Familie. Du und ich. Wir.

Schön.

Über das Grauen

„Morgengrauen“ ist ein Begriff, der die astronomische Dämmerung am Morgen beschreiben soll.

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Morgengrauen; wie Wikipedia es beschreiben würde

Mir allerdings dämmert schon seit längerem, dass sich unter dem Begriff das Grausen vorm nächsten Morgen verbirgt. Vor den grauen trüben Morgenstunden, in denen erwachsene Menschen, von Minderjährigen aus dem Schlaf gerissen, in der Gegend rumtorkeln. Mit grauem, aschfahlem Gesicht.

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die ungeschminkte und unschöne Wahrheit im trüben Licht eines jungen Morgens

Vermatschte, energielose Menschen, die zitternd vor der Kaffeemaschine stehen und sich in einem Zustand befinden, zur Erreichung dessen sie früher mehrere Gefäße hochalkoholischen Zeugs benötigt hätten und den sie nun einfach regelmäßig und ohne Einfluss von toxischen Stoffen erreichen. Prima!

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Betroffene

Und dann reden sich die Leute immer ein, dass alles eine „Phase“ sei und man doch bald wieder acht, neun, zehn, (Ach was!) achtzehn Stunden am Stück schlafen würde! Nach vollumfänglich befriedigendem Beischlaf am Abend zuvor (mindestens dreißig Minuten lang in verschiedenen Positionen und einer angemessenen Menge Alkohol davor und einer Zigarette danach, im Morgenmantel aus Seide mit attraktiv verwurschteltem Haar) und die lieben Kindlein erwachen erst, wenn die ausgeschlafenen Elternmenschen am nächsten Tag in Ruhe geduscht und eine angemessene Menge Kaffee konsumiert hätten.

Ja, das erzählen sie alle!

Niemand erzählt einem, dass wir alle nie, nie wieder schlafen werden! Wie Ingo Appelt schon vor gefühlt tausend Jahren erkannt hat, können wir erst nicht schlafen, weil die Kinder alle anderthalb Stunden gestillt werden wollen oder krank sind. Oder Zähne kriegen. Oder aufwachen und sich beschäftigen wollen. Mit dir, versteht sich. Dann können wir nicht ausschlafen, weil wir mitten in der Nacht die Brut in irgendwelche Einrichtungen fahren müssen. Und später, weil wir auf den Anruf warten, um die (möglicherweise angetrunkene) Brut nachts aus irgendwelchen Einrichtungen abzuholen! Und dann können wir auch nicht ausschlafen, weil der Zivi das Licht anmacht und sagt, er wöllte dich jetzt waschen!

So sieht´s aus! Das geht jetzt bis zum Ende so weiter. Schlaflos forever.

Man kann einfach nicht genug warnen: Liebe Kinder, Geschlechtsverkehr kann Folgen haben!

Über die Langzeitfolgen des Morgengrauens wird nicht geforscht (die Pharmalobby hat wohl noch keinen Stoff entdeckt, der sich damit promoten ließe), Betroffene schildern allerdings einhellig, dass das Grauen ganzheitlich von ihnen Besitz ergriffe.  Graue Gesichtsfarbe, dunkelgraue Augenschatten, vorzeitig ergrautes Haupthaar, das Absterben grauer Zellen.

Ja, sogar eine Grau-ifizierung des kompletten Umfeldes wurde von einigen beschrieben! Grau als Lebenseinstellung. Mir graut!

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Wie kann man dem Grauen Einhalt gebieten? Nun, Abdeckmitteln werden Wunder nachgesagt und damit die Not müder, ergrauter Menschen mit fahlem Teint schamlos ausgenutzt!

Abdeckmittel

Abdeckmittel mit rein optischem Lösungsansatz

Das einzige Abdeckmittel, das tatsächlich und ganzheitlich hilft, ist:img_3958

In diesem Sinne: Gute Nacht! 😉

 

Halloween-Wochenende ohne Halloween in Bildern

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Versucht, die Dunkelheit vorm Fenster zu fotografieren…

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Der Dunkelheit mit gekauftem Licht zu Leibe gerückt!

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Gemeinsam mit dem anderen Frühaufsteher Nüsse befühlt…

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… und geknackt! Eigentlich, um auf dem Balkon Meisen anzulocken. Später an diesem Tag wird der Bärtige aufgeregt rufen, auf unserem Balkon säße ein Eichelhäher oder irgendwas anderes Großes (zeigt mit beiden Händen einen Abstand von circa einem Meter). Es war aber gar kein Eichelhäher, sondern das braun-bunte Vogeltier, das in unserem Kirschbaum wohnt und welches ich Hobby-Ornithologin sofort als „blauflügelige Raben-Taube“ identifiziert habe.

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Gestrickt. img_3904

Blumen und Kerzen auf den Friedhof gebracht.
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Ein Röschen ist beim Transport abgebrochen. Ich habe es mit nach Hause genommen.

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Gerührt. Bei dem Gedanken daran, dass das Großkind früher jahrelang Marzipanbrote und Marzipankartoffeln in die Erde der Urnenstelle gesteckt hat für seinen Opa, den er gar nicht kennenlernen konnte, von dem er allerdings wusste, dass dieser Marzipan über alles geliebt hat.

Gerührt in der Gegenwart. Von dem Kleinkind, das verdutzt fragt: „Wo ist der Opa? Ich will zum Besuch!“

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Geerntet: Die letzten Tomaten aus dem Garten. Die machen jetzt ein Schläfchen im Dunkel unter dem Schrank und reifen dort nach.img_3917

Gekocht: Die letzten Kartoffeln aus unserem Garten (Hach) und anderes Gemüse…

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Gulasch…

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Gebacken: Ein Brot…img_3915

… und ein Blech Streuselkuchen.img_3914

img_3920Verschenkt: Ein Buchimg_3883

Geschenkt bekommen: Einen Teller voll Kuchen!img_3881

Gefeiert: Ein Geburtstagskind und…img_3884… eine Freundschaft.img_3887Gespielt.img_3926

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img_3923Gelacht. Über diese unwillkürliche Inszenierung. „Aaaah, zu Hilfe! Ein riesiges Eichhorn“. (Im November sind mancherorts in den sozialen Medien wieder die Dinos los. Was es damit auf sich hat, kann man zum Beispiel hier nachlesen.)
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Der Montag gehörte dieses Mal auch zum Wochenende. Und wer jetzt denkt: „Die Sachsen haben an Halloween frei, jetzt hört´s aber auf!“, nicht doch! Da war doch auch noch was anderes…

Reformationsbrötchen (mit Bissspuren)

Reformationsbrötchen (mit Bissspuren)

 

Mehr Wochenendbilder gibts bei Susanne.

Schlaflos in Pieschen

Es gibt Menschen, die kommen mit wenig Schlaf aus. Ich gehöre zu den anderen.

Der Bärtige behauptet oft, niemand auf der Welt könne so viel schlafen wie ich, das sei quasi meine Kernkompetenz! Der Beweis wird nie angetreten werden können, denn: Man lässt mich nicht!

Als das Blondchen ein Baby war, schlief der anfangs nur tagsüber. Ich, in Elternzeit und nur zur Nachwuchspflege abgestellt, in mehreren Schichten über den Tag verteilt. Daran kann man sich irgendwie gewöhnen (redete ich mir ein).

Nun ist es aber so, dass mittlerweile von mir erwartet wird, dass ich meinen Beitrag zum Bruttosozialprodukt beisteuere und mehrere Stunden am Stück (!) wach sein soll. Und produktiv. Also in der Woche zumindest. Das läuft so unterdurchschnittlich gut, denn dem Schlafräuber, der hier noch immer wohnt,  ist das herzlich wurscht!

Oft sitze ich mit juckenden Augen im Büro, höre den Kollegen irgendwas sagen, am Ende hebt sich seine Stimme. Aha, eine Frage also. Ich habe aber gar nicht verstanden, was der von mir will und kann nur schwer dem Drang widerstehen, ehrlich zu antworten: „Ach, mach doch, was du willst, ich bin so müüüüüde!“.

Das Wochenende dient allen anderen Berufstätigen zum Auftanken der Kraftreserven und zum Ausschlafen, nur Eltern nicht! Das ist voll ungerecht, aber leider nicht zu beeinflussen.

Heute zum Beispiel habe ich null Uhr irgendwas das Kind zum ersten Mal wieder in sein Bett gebracht, halb drei das zweite Mal und um vier das dritte. Natürlich stets verbunden mit Apfelsaftreichungen und Streicheleinheiten. Vier Uhr fünfzehn dann kommt er und knallt mir ein Buch auf den Kopf. „Räuber Ratte“. Als ich ihn wieder in sein Zimmer bringen will, sehe ich, dass er bereits alle Lampen und den CD-Player angeschaltet hat. Das war´s also.

Er ist müde, ich bin müde. Er heult, ich brumme mit verklebten Augen meinen Kaffee voll. Draußen ist die Nacht schwärzer als schwarz.

Die nächsten Stunden versuche ich, das Kind leise zu beschäftigen, was sich mit fortschreitender Helligkeit vorm Fenster schwieriger gestaltet. Seine Laune wird immer übler. Meine auch.

Gegen neun essen wir zu Mittag, was logisch erscheint, wenn man bereits um halb fünf gefrühstückt hat. Dem Mann, der das Wochenende über zum Fahrradfahren mit seinen Kumpels anderswo weilt, sende ich Liebesbotschaften. Damit er auch etwas von unserem Morgen hat.

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Er antwortet nicht, schläft vermutlich noch (Die dumme Sau!).

Ich schnappe mir mein Wurschtgewitter und verfrachte uns beide ins Bett, in meins. Aber ach, wenn es doch so einfach wäre! Noch nie konnte das Kleinchen neben mir im Bett schlafen. Schon als winziges Zwerglein schlief der erst ruhig, wenn er für sich in seinem Körbchen lag! Familienbetter sind wir also noch nicht mal wider Willen.

Nun gut, heute also ein erneuter Versuch. Ich packe ihn mit seiner Decke, seiner Huschelwindel und dem Nunni neben mich. Gute Nacht! Augen zu!

Einundzwanzig, zweiund… Zack! Setzt er sich auf, springt auf, steht auf, hüpft. Ich stelle mich schlafend. Er springt vom Bett, rennt einmal durchs Zimmer und springt wieder aufs Bett. Piekst mir ins Auge und flüstert: „Pscht! Mami släft!“. Macht einen Purzelbaum, knallt mir seinen Fuß auf den Kopf, springt wieder vom Bett. Holt sein Müllauto und schüttet Smarties hinein. Ratter ratter ratter. Dann alles wieder auskippen. Schepper schepper schepper. Rauf auf´s Bett und springen! Runter vom Bett, rumrennen. Deckenlicht anmachen und beide Nachttischlampen. Dann meinen Radiowecker. „Krrrrsch!“, natürlich ist der Sender verstellt (Ratet, von wem.).

Wir sind dann doch wieder aufgestanden. Aus irgendeinem Grunde konnte ich nicht schlafen! Und da soll noch mal jemand sagen, ich könne immer und überall.

Während die süße blonde Nervensäge den zweiten Nutellatoast wegspachtelt (lasst mich nachrechnen, das ist dann wohl mittlerweile sein Vesper), habe ich den Himbeerkuchen angeschnitten, den wir gestern zusammen gebacken haben. Ich glaube, an solch einem Morgen brauchen wir beide etwas Tröstliches.

Und es funktioniert! Draußen strahlt die Sonne, langsam kehrt Leben auf die Pieschner Straßen zurück und man hört schon Kinder draußen im Hof lachen.

Mit Himbeerkuchen im Mund sieht selbst der müdeste Tag ein bisschen friedlicher aus. Und schließlich gibt es dann auch bald wieder Mittagschlaf. Also, hoffentlich! Denn schon ein paar Mal hat er einfach nicht… oh nein, nicht daran denken und auf gar keinen Fall aussprechen! Statt dessen lasst uns einfach mehr über Kuchen reden.

Rikes Himbeerkuchen für übermüdete Sonntage und andere Notfälle

aus

2 Tassen Mehl

1 Ei

1 Tasse Knuspermüsli ohne Rosinen

1/2 Stück Butter

1 kräftigen Prise Salz und

etwas Zucker

einen Knetteig herstellen.

Gegebenenfalls noch etwas Mehl hinzufügen, wenn der Teig zu feucht ist, etwas kaltes Wasser, wenn er zu trocken ist. In eine gefettete Springform drücken.

1 Beutel Tiefkühlhimbeeren etwas antauen lassen und mit

3 Esslöffel Puderzucker

etwas Zitronenschalenabrieb und

1 Päckchen Vanillepuddingpulver

bestäuben und gut vermengen. Auf den Teig geben und bei 175°C Ober-Unterhitze (ca. 150°C Umluft) eine halbe Stunde backen. In der Zwischenzeit aus

6 Eiweiß

1 Prise Salz und

1 Tasse Zucker einen steifen Eischnee schlagen

…und nach dreißig Minuten auf den Kuchen geben. Weitere zwanzig Minuten backen.

Auskühlen lassen und schon mal Schlagsahne suchen…

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Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und vor allem: Gute Nacht!

Und wenn es euch so wie mir ergeht, dann denkt immer daran: Es geht vorbei! Es ist alles nur eine Phase! Oder? Ich sag euch was: PHASE PHASE PHASE, ICH KANN DAS NICHT MEHR HÖREN! Der nächste, der mir mit Phasen kommt, gewinnt einen automatischen Weckservice. Sonntags um halb fünf! 😀

Die“dünne Dschudiff“ oder: Rezension eines Debütromanes

Die“dünne Dschudiff“ oder: Rezension eines Debütromanes

Als der Typ vom Familienbetrieb ankündigte, ja, jetzt gäbe es in Bälde ein Buch, dann tönte meine Stimme im Aufschrei der Tausenden durchs Internet: „Das wurde ja auch endlich mal Zeit!“.

In acht Teilen wurde dann das Making of deklamiert und ich jieperte und freute mich vor, denn ich erhoffte mir zurecht Lesegenuss vom Allerfeinsten! Und wenn schon das „Machen“ in acht Teilen beschrieben würde, dann stellt sich doch das Familienbetriebsepos ganz sicher dicke neben so Wälzer wie „Krieg und Frieden“, „Anna Karenina“ oder „Die Elenden“. Da war ich ganz sicher!

(Gut, der Debütroman wurde auch kein lustiger Reiseführer über die Bretagne, bereits da irrte ich mich, aber weitere Überraschungen plante ich nicht ein.)

Dann kam das Buch. Und ich schrie auf!

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Denn: Es ist… dünn!

Hoffte ich berechtigterweise, ein Werk von Proust´s Umfang des „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (5260 Seiten) oder Musil´s „Der Mann ohne Eigenschaften“ (2172 Seiten) bald mein Eigen nennen zu dürfen, hatte ich nun ein Appetithäppchen, das kaum mehr Worte enthielt als ein durchschnittlicher Essential Unfairness– Blogpost! 😀

Gut, nach Hanne´scher Tradition und Schreibstil wurden konsequent die Personalpronomen am Satzanfang weggelassen, womit eben so manch anderer Autor seine Bücher füllen muss. Christian Hanne braucht das nicht!

Weil wir gerade bei Eigenschaften sind: Über den Inhalt gibt es völlig un-überraschenderweise nur Gutes zu berichten. Also Menschen und Leute wie du und ich, die die in Bits und Bytes gekratzten Worte des Autors seit Anbeginn des Internets inhalieren, kommen auf ihre (kurzen) Kosten. Es wird sich nicht mit Geplänkel aufgehalten, das erste Wort des Buches ist: „Shit!“, soviel darf schon mal verraten sein. Souverän, zackig geht es weiter, wir haben  ja noch was vor. Und nur noch hundertsiebzehn Seiten übrig!

Ein Bonmot jagt das andere, meine innere Glückseligkeit macht sich beim Lesen ein Bier auf. Kennen sie den schon?

„… von dem Mann, der bei seiner goldenen Hochzeit gefragt wird, welches die schönste Zeit seiner Ehe war und der antwortet, die sieben Jahre in russischer Gefangenschaft…“ (geklaut aus: „Wenn es ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“)

Munter geht es weiter, die Worte, Sätze flutschen nur so raus. Hüllen mich in fröhliches Grinsen-Grunzen vom Anfang bis zum Ende.

Mein neuer Lieblingswitz beginnt im übrigen so: „Kommt ein Kommunikationsberater ins Geburtshaus… „. Den versteht jetzt allerdings nur, wer a) weiß, dass der Herr Hanne nach eigenen Angaben als Kommunikationsberater arbeitet und b) das dünne Buch gelesen hat.

Zum Buchtitel noch eine wichtige Anmerkung: Ziemlich früh wird auch das allgemeine Missverständnis aufgelöst, es könne sich im weiteren Verlauf der Geschichte um einen Jungen namens „Judith“ handeln. Nein, „Dschudiff“! Man spricht es englisch aus.

Ein Weglegen des Buches ist nicht möglich (das hatte ich befürchtet), bis man das blöde dünne Buch in anderthalb Minuten eingehechelt hat! Der perfide Autor hat erreicht, was er wollte: Ich bin angefixt! Ich will mehr! Was ist denn mit „Herr Hanne beim Kinderarzt“, „Herr Hanne bei der Eingewöhnung“ oder: „Herr Hanne und die Babybreimafia“?!

Aber da ich als echtes Fangirl weiß, dass der Familienbetrieb sich durchaus schon mehrmals erfolgreich vergrößert hat, bleibt zu hoffen, dass Band zwei bis vierzig demnächst folgen werden.

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Für wen eignet sich dieses Buch? Wer sollte dieses Buch kaufen? Für alle. Alle. (Kinder, heute auch schon an Weihnachten denken!)

Denn, die „dünne Dschudiff“ kann, was Goethes´s „Dichtung und Wahrheit“ niemals wird können können (können können können… übrige Worte können im Sinne der Nachhaltigkeit gern weiterverwendet werden. Können.). Also, was kann es?

Taschenbuch war gestern! Hosenbundbuch ist up to date! Die dünne Dschudiff kann man im Schlübber nach Timbuktu schmuggeln, ohne ernsthafte Probleme beim Tragekomfort zu bekommen.

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Unschlagbar ist ihr getesteter Einsatz als Laptop-Versteckerli!

Wer kennt es nicht: Du sitzt mit deinem Laptop in einem langweiligen Meeting mit lauter langweiligen Langweilern mit Laptops, starrst auf Powerpointfolien mit sinnentleerten Graphen und hörst deine Lebenszeit sinnlos verrinnen… Das muss nicht sein! Die dünne Dschudiff passt problemlos in auch den kleinsten Laptop und hat in einem Meeting der Sinnlosigkeit eines Vortrags über Key performance inidies und earned value analyses etwas Gehaltvolles entgegenzusetzen: Christian Hannes Worte!

Also ich geh nie wieder ohne…

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Das Buch entbehrt leider jegliche Information, wann denn mit der Fortsetzung zu rechnen ist, aber ich freue mich schon mal vor und danke Christian für die wundervolle Unterhaltung mit diesem Buch. Büchlein. Ich kann ja bis zum zweiten Band den Familienbetrieb ausdrucken und mir aufs Nachttischchen legen wie alle anderen auch.

Apropos alle anderen. Alle anderen haben auch ein bis X Exemplare zur Verlosung erhalten! Ich habe leider nichts. Nur meine eigene Dschudiff, aber die steckte schon in meiner Hose…

… und ist personalisiert.

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Es gibt also hier nichts zu verlosen! Bitte hört auf, mit Eiern nach mir zu wer-feeeeen!

Das macht aber prinzipiell nichts, da ihr ja sowieso zehn Stück braucht. Wegen Weihnachten. Für die Omma, Tante Uschi, die Postfrau, die Leiterin des Geburtshauses, die Esotante im Fengshui-Laden und und und.

„Wenn es ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“, von Christian Hanne, ist im Seitenstraßen Verlag erschienen und ist für läppische 9,90€ käuflich beim geschmackvollen Literaturdealer deines Vertrauens zu erwerben. Oder online, zum Beispiel hier.

If this is a mans world

Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich ein ganz passabler Kerl.IMG_3029

Ich bin ein wirklich passabler Kerl! Vorzeigbar, sauber, gebildet und sparsam. Ich bringe meiner Frau oft Blumen mit und nicht nur vom Aldi, wenn ich mal dort bin, obwohl meine Frau Aldi-Blumen wirklich mag! Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt sie, sagt sie. Nein, ich lasse Floristensträuße für sie binden! Oft.

Mache Geschenke. Schmuck, Schuhe, ich weiß doch, was sie sich wünscht. Ich bin spendabel, lade sie in Kneipen ein. Ok, eigentlich, weil ich gerne ausgehe und sie nicht, aber ich bin der, der die Zeche blecht. Altmodisch und gern. Ich führe sie gerne aus, wirklich!

Ich zeige mich auch gern mit ihr. Wir halten Händchen, auch nach neunzehn Jahren. Sie ist meine Frau, das darf ruhig jeder sehen!

Ich mache Komplimente, zeige ihr, dass sie begehrenswert ist für mich obwohl sie schon ganz schön in die Jahre gekommen ist, nein wirklich, ich verhalte mich wie ein Gentleman. Ich habe sie aus Liebe geheiratet und sie ist die Mutter meiner Kinder. Mir bedeutet das was!

Ja, ich muss sagen, sie hat mit mir wirklich einen guten Fang gemacht.

Nun gut, meine Frau ist auch nicht unbedingt ein Trostpreis und ich habe – gemessen an dem, was mir Kollegen so berichten – ein entspanntes Leben und mehr Freiheiten als so manch anderer Kerl. (Als eigentlich alle Kerle, die ich kenne, die nicht gerade Single sind, aber das muss sie ja nicht wissen.) Ich kann reisen, meinen Hobbies nachgehen, problemlos um die Häuser ziehen. Doch doch, auch jetzt noch, auch als Familienvater mit zwei Kindern. Das ist bei uns sehr liberal, Individualismus, Selbstverwirklichung, das ICH, das sind Themen, die durchaus auch vor dem WIR Bestand und Wichtigkeit haben dürfen.

Ich unterstütze meine Frau auch. Das ist ja heutzutage selbstverständlich! Also im Rahmen meiner Möglichkeiten. Es gibt Dinge, um die sich niemals Gedanken machen muss: Versicherungen, fahrbares Auto mit TÜV und vollem Tank, Urlaubsreisen, all das organisiere ich. Nicht zu vergessen, die Steuer! Sie hat es da nicht so…

Wenn ich ihnen erzähle, wie das vor meiner Zeit war, also das würden sie nicht glauben! Meine Frau hatte Kisten, in die sie die amtlichen Briefe und Rechnungen legte, direkt nachdem sie sie aus dem Briefkasten zog! Und nur nach dem Zufallsprinzip und wenn ihr vor Langeweile gar nichts mehr einfiel, öffnete sie mal einen. Und manchmal fühlte sie sich dann sogar angesprochen vom Schreiberling des Briefes. Die Autos, die sie fuhr, waren Sauställe auf Rädern, in die sie ab und zu für zwanzig Mark Sprit schüttete. Ich kann ihnen sagen!

Meine Frau verläuft sich auch immer und überall. Sie ist in ihrem Leben schon so oft falsch abgebogen, dass es ein Wunder ist, dass sie überhaupt noch auf dem Planeten ist!

Nein, die kann wirklich froh sein, mich zu haben.

Aber denken sie, ich ernte Dankbarkeit? Nicht, dass ich das erwarten würde, wirklich nicht! Aber stattdessen nur Unzufriedenheit. Immer! Meine Frau hat immer PMS. Premenstruell, postmenstruell, da komme ich nicht hinterher! Die ist chronisch schlecht gelaunt. Ich verstehe das nicht.

Heute zum Beispiel weckt sie mich wie immer um sieben. Sie selbst steht ja um fünf auf, weil das Kleinste dann nicht mehr schläft, ich höre das ja nicht. Ich finde, sie müsste einfach härter durchgreifen bei dem, aber das muss sie schon selbst wissen. Also sie weckt mich und ich liege dann noch eine halbe Stunde im Bett und lese Börsenberichte, weil mit mir morgens wirklich nicht gut Kirschen essen ist und ich Rücksicht auf meine Frau nehme, deshalb bleibe ich noch ein bisschen im Bett.

Sie macht in der Küche die Kinder fertig, hängt Wäsche auf und ab und was sie eben so meint, morgens unbedingt machen zu müssen. Dreiviertel acht fängt sie an zu nerven, sie wöllte nun auch endlich mal ins Bad um sich fertig für die Arbeit zu machen, ich solle das Kleinkind jetzt übernehmen, und ich denke mir: Mädchen, du bist seit fast drei Stunden auf, wäre da nicht genügend Zeit gewesen?!

Sie ist einfach schlecht organisiert!

Dann gehe ich wie stets um acht Uhr los und bringe unseren Kleinsten in die Kita, ich mache das gern und das unterstützt ja auch meine Frau. Neulich meint sie, ich müsste dem noch Zähne putzen! Wie kann das sein, frage ich sie? Drei Stunden wach und das Kind gerade mal gefrühstückt und angezogen, aber die Mutter im Lotterlook und Zähne auch nicht geputzt?

Ich gebe ihr dann liebevolle Hinweise, wie sie ihren Zeitplan optimieren könnte. Aber das wird nicht gehört. Anzischen muss ich mich lassen!

Sie sucht dann noch meine Schlüssel, die sie immer irgendwo versteckt. Und mein Portmonnée. Dann kann ich endlich los. Ein Chaos veranstaltet die jeden Morgen!

Ich bin dann auf Arbeit. Meine Frau arbeitet auch, aber hat nur eine Dreiviertelstelle, mehr schafft sie nicht, sagt sie. Nachmittags muss sich ja auch jemand um die Kinder kümmern.

Meine Frau hat großes Glück, finde ich. Sie kann auch flexibel arbeiten, das heißt, oft von daheim. Ich weiß ja, wie das ist: Da wird ein Mittagschläfchen gehalten und Fenster geputzt nebenbei… wenn ich ihr dann aber Besorgungen auftrage, wird sie böse! Ich verstehe das Weib nicht! Wenn sie doch Zeit hat?

Ich hätte gern ihre Flexibilität und ihre freien Nachmittage! Wissen, sie, wenn ich dann abends aus dem Büro komme, habe ich fast nichts mehr von meinen Kindern. Ich setze mich an den Abendbrottisch und danach geht der erste schon ins Bett. Manchmal verpasse ich sogar das. Schön ist das nicht, aber was soll ich denn machen? Ich kann nun mal nicht flexibel arbeiten und da ich drei Euro mehr verdiene, ist auch ein Wechsel gar nicht machbar!

Einen Tag in der Woche arbeite ich extra Stunden ein, damit meine Frau lange im Büro bleiben kann. Das tu ich gern, auch wenn es bedeutet, dass ich die anderen Tage eben später kommen muss. Dankbarkeit? Ach, vergessen sie´s!

Meine Frau ist wie Ilsebill, des Fischers Frau. Nie kriegt die genug. Ich soll kochen, ich soll putzen. Also ehrlich, keine Ahnung, was die meint. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein Klo geputzt habe. Warten sie, hier wohnen wir jetzt fünf Jahre und die Toiletten hier habe ich noch nie putzen müssen, die sind einfach immer sauber! Was also meint das Weib? Hier ist doch gar kein Dreck!

Und mit der Wäsche, also das ist auch so ein Ding. Hier stehen Sessel voller Wäsche und überall nasses Zeug, trockenes Zeug. Ich guck mir das ja eine Weile an, ich bin ein geduldiger Mann. Aber irgendwann sag ich dann auch mal was! Mädel, sag ich, du musst dich einfach besser organisieren! Leg das doch nicht auf einen Haufen! Leg es gleich ordentlich zusammen und räum es weg, dann sieht´s hier auch nicht so aus! Da hatte die dann Schaum vorm Mund, verstehen sie das? Ich verstehe das nicht.

Ich erinnere sie auch an familiäre Themen, frage, ob wir meiner Mutter eine Urlaubskarte geschrieben haben, ob wir ein Geschenk für Xsens Geburtstag organisiert haben und so weiter. Ich weiß, was ansteht! Im letzten Jahr war ich auf drei Elternabenden! Gut, die acht Jahre zuvor eher nicht, aber da saßen auch nur Frauen und tratschten, was soll ich dann dort.

Meine Frau ist auch immer müde, kein Mensch kann so viel schlafen wie die! Abends um neun fallen der die Augen zu und ich kann dann alleine auf der Couch sitzen. Schön ist das nicht! Ich mache ihr aber keine Vorwürfe. Also nur selten. Und wenn ich dann mal rausgehe mit meinen Freunden und ein bisschen lustig nach Hause komme, das Licht im Schlafzimmer anmache und ihr verkünde, ich wöllte jetzt ihre Küsse brüsten, meinen sie, die freut sich? Nein! Ein mürrischer Bettsack schnauzt mich an, ich solle gefälligst Leine ziehen! So sieht das aus. Hab ich das verdient? Nein, das sage ich ihnen.

Die Krönung ist: Neuerdings ist sie auch noch humorlos! Mit allem hätte ich gerechnet, aber das haut dem Fass den Boden aus. Sie müssen sich vorstellen, sie macht Homeoffice (wir wissen ja, wie das aussieht) und abends fällt ihr ein, sie hat vergessen, Klopapier zu besorgen! Den ganzen Tag zu Hause und noch nicht mal das hat sie sich merken können! Das denke ich mir nur, sagen tu ich scherzhaft: „Na, da hast du dir ja heute einen schönen Fauli-Tag gemacht!“. Ihre Augen werden zu Schlitzen und sie zischt mich an, das sei jetzt nicht mein Ernst. Hach, denk ich mir, die PMS-Hexe schlägt also wieder zu. Nun gut. Geh ich ihr also nach und sage, es sei doch nur ein Späßchen gewesen! Ob mein Zicklein jetzt wieder freundlich sei?! Mitnichten.

Und wissen sie was? Die droht mir! Sagt, es reiche! Das würde ich büßen! Der Spaß sei vorbei und lustig sei hier einiges schon lange nicht mehr! Was meint die? Ich meine, mit büßen?! Wissen sie, was die meint? Meinen sie, die haut mich in die Pfanne? In ihrem komischen Blog, den sie schreibt?!

 

Süßer, das ist ein Test, ob du meinen Blog liest! Ich warte im Schlafzimmer. Heute darfst du mich ruhig wecken! Ich glaube, wir sind quitt! 😀

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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Die Begegnung

Ein normaler Samstag Morgen zwischen acht und neun.

Ich marschiere mit beiden Kindern unseren samstäglichen Einkaufsweg ab. Im Drogeriemarkt steuert der Blondino zielstrebig das Schaukelpferd und den Spielwürfel an, den die Manager dieser Einkaufskette zur Belustigung des kleinen und großen Kundenstammes dort aufgestellt haben. Das größere meiner Fortpflänzchen sucht Pokemons zwischen den Duschbädern und ich Kniestrümpfe in Größe vierundzwanzig. So weit, so gut.

Neben uns auf der Spielinsel schaukelt eine Mittdreißigerin in Ökobiomembranfunktionsbekleidung und ebenso praktischem wie natürlichem Kurzhaarschnitt über natürlichem ungeschminktem und faltenfreien Teint singend ihr etwa neunmonatiges Baby, gewandet in korrektem beige-grauem Bioökonaturfilzschurwollegemisch auf dem Schaukelpferd. Typische Situation einer Ein-Kind-Mutter, wie ich unterstellte und ein wenig und nur ganz kurz war ich neidisch auf ihre sorglose, entstresste Situation. So weit, so belanglos.

Als nach angemessener Spielzeit meines Nachkommens (und es gab keine Kniestrümpfe in Größe vierundzwanzig) der Aufbruch nicht länger herausgezögert werden konnte, insistierte ich diesen. Beim Kind. Meinem. Es ist Zeit zu gehen/ Wir müssen nun zum Bezahlen an die Kasse/ Wir gehen jetzt/ JETZT gehen wir/ Das nächste Mal kannst du hier wieder spielen/ Steh jetzt bitte auf/ Steh JETZT SOFORT auf.

So weit, so armselig. Denn es kam, wie zu erwarten: Das Meinige schmiss sich längs und quiekte strampelnd und schimpfend und laut. Souverän und gefasst hob ich den Unkooperativen vom Boden auf und ruhig, beruhigend und bestimmt setzte ich ihn in seine Plagenkarre.

„Na, so klein ist er aber nun auch nicht mehr!“ (ließ sich die andere Mutter vernehmen, interessiert und leicht verächtlich -Unterstellung- die Situation beobachtend)

„Wie bitte?!“

„Ich sagte, so klein er ist aber auch nicht mehr, dass er sich so benehmen dürfte! Das typische Alter für bockige Kinder ist doch eher früher!“

Tunnelblick. Mein Blut kocht. Von jetzt auf gleich habe ich Bluthochdruck und mein innerer Dampfkessel fiept. Ich erwidere irgendetwas, nenne der Frau gar das korrekte Alter meines Kindes und danke sarkastisch (ich hoffe, es klang sarkastisch) für ihren Hinweis auf das untypische Verhalten meines Kindes und den Hinweis auf meine Inkompetenz.

Es geht also immer noch armseliger…

Draußen, immer noch bei voller Betriebstemperatur, klärt mich mein Großkind auf: „Mama, das einzige, das wirklich peinlich war, warst du! Ihr erklärt mir immer, wenn mich jemand anmacht, soll ich das ignorieren und darüber hinwegsehen und du flippst aus wegen ´nem blöden Spruch!“. „Sohn, du hast recht, aber weißt du, das ist so ein Mütterding. Vielleicht auch ein Rike-Ding. Wenn irgendwer was über meine Kinder sagt, springe ich direkt aus dem Stand! Weißt du, alle Mütter wissen eigentlich, wie hilflos einen so eine Situation machen kann und dass alle gucken, wer da so schreit und dass das eh schon peinlich genug ist und man als Frau einfach nur raus will aus der Situation und dem Laden. Also ich zumindest. Und ich käme niemals auf die Idee, in so einer Situation einer anderen Frau noch einen Spruch to go mitzugeben!“. „Na ja, du vielleicht nicht.“

Kluges Kind.

Liebe Mutti aus dem Drogeriemarkt! Entschuldige bitte, mein Verhalten vorhin war unangemessen. Ich muss vielleicht noch ein paar Erziehungsratgeber lesen oder möglicherweise kannst du mir Tipps geben aus deinem reichen Erfahrungsschatz? Das wäre wirklich schön! Lass uns doch mal treffen auf einen Kaffee oder vielleicht ist dir ein Matetee lieber. So in zwei Jahren vielleicht? Wenn dir das passt. Oder in zwölf? Auf Augenhöhe. Bitte melde dich, ich freue mich!

Brüder

„Der sieht ja genauso aus wie der Große!“

Es gibt Leute, die das über mein Kleinchen sagen. Ungefragt, wohlgemerkt (und unqualifiziert, ebenfalls wohlgemerkt).

Ich finde das lästig! Was ist das denn für eine Unart?! Elternmenschen einfach um die Ohren zu hauen, was nach völlig uninteressanter, subjektiver, ungefragter Nicht-Experten-Meinung für ein optisches Abstammungsverhalten bei irgendwelchen fremden Nachkommen vorliegt!

Nach wem meine Fortpflänzchen kommen, ist zweifelsfrei und argumentativ hier beschrieben worden. Das reicht aber nicht! Nun also sollen sie angeblich auch noch gleich aussehen. Dabei ist nichts gleich an denen!

Bis, ja, bis auf den Umstand, dass beide Nachkommen mit dicken Schädeln ausgestattet sind. Kopfumfang zum Zeitpunkt des Welteintrittes neununddreißig und siebenunddreißig Zentimeter. „Das große Runde muss durch das…“, ich habe noch immer postpartale Phantomschmerzen. Das macht sie gleich, die Brüder. Und dann war´s das auch schon!

Der erste war ein Schläfer. Ist ein Schläfer. Der pennte schon ab seiner Geburt eigentlich am liebsten dreiundzwanzig Stunden am Tag. Ich lief bereits im Krankenhaus mit tropfenden Brüsten ständig in das Babyzimmer (rooming in wurde damals irgendwie nicht konsequent umgesetzt) und da lag das Meinige grunzend zwischen zwanzig bläkenden Kindern. Immer. Der schlief durch. Abends um fünf (!) hingelegt, den nächsten Morgen um acht erwacht (also ich) und den Mann panisch und heulend geweckt, weil ich sicher war, das neue Baby sei tot. Er solle nachsehen, ich könne das nicht! Aber nein, der schlief einfach nur.

Der zweite kam schon mit einem mürrischen Gesichtsausdruck raus. Und den behielt er monatelang bei. Schlafen?! Pah! Der schläft schlecht ein, schlecht aus. Und ja, auch schlecht durch. Und Wachsein fand der auch lange Zeit doof! Er brüllte einfach nur die Welt an. Scheißwelt! Und reckte seine kleine Faust in die Luft. So einer ist das.

Der Große baute schon früh behände und flink Dinge zusammen, Konstruktionen, hatte aber keine Lust, damit dann zu spielen! Das Bauen war sein Spielen. Dem Kleinen gehen dergleichen Talente vollkommen ab. Der kriegt nicht mal ne Spielzeugmülltonne an ein Spielzeugmüllauto drangedingst. Wenn man ihm diese aber daran befestigt, kippt er völlig im Spiel versunken stundenlang Spielzeugmüll in sein Spielzeugauto. Und dann alles wieder aus. Und wieder von vorn.

Der Erstgeborene interessiert sich für Technik und Zusammenhänge.  Der zweite singt und rezitiert Gedichte in Babysprache und wenn klassische Musik erklingt, lauscht er mit offenem Mund, den Blick in die Ferne gerichtet. Besonders bei Klavierklängen und Querflöte (Als ob ich tatsächlich wüsste, wie eine Querflöte klingt!).

Der Große erdrückte mich jahrelang, wenn er mir seine Liebe zeigen wollte. Und zwar buchstäblich! Der kam mir immer zu nahe, kroch nahezu in mich rein, als wöllte er dahin zurück, von wo er gekommen war. Schlief in meinem Bett, einen Klammergriff fest um mich geschlungen. Rutschte bis auf drei Zentimeter an mich heran um mich ganz genau (!) zu beobachten. Umarmte mich derart heftig, dass mir die Luft wegblieb und drückte, kniff mich, um zu sehen, was das dann für eine Reaktion auslöst. Einmal sah er mich weinen und das Bild faszinierte ihn und weil es ihm fremd war, kam er neugierig lächelnd näher. Näher. Und ganz nah vor mir stellte er dann sachlich richtig fest: „Du weinst!“.

Der Kleine ist furchtbar mitfühlend und heult sofort los, wenn irgendwo jemand heult. Oder informiert wie eine Feuerwehr -Tatütata!- die Umwelt: „Da weint jemand! Da weint jemand!“. Als der Beste sich mal am Fuß verletzt hatte, brachte der Kleinste noch tagelang morgens ein frisches Kinderpflaster um seinen Papi zu verarzten und brach in bitterliches Weinen aus, als ich mir einmal (Wie konnte ich nur?!) die Fußnägel blutrot lackiert hatte. Es war ihm einfach nicht begreiflich zu machen, dass das tatsächlich nur Farbe ist. Der litt mit mir!

Außerdem ist er ein Genießer, der Kleine. Rückenkraulen, streicheln, alles findet der schön! Der Große konnte das nicht aushalten, den kitzelten zärtliche Berührungen stets.

So ist alles neu und alles anders irgendwie mit Zweien. Und immer überraschend!

„Ich liebe euch beide gleich!“

Lüge.

Meine Mutter hat diesen Satz gern verwendet und ich begreife den noch heute nicht! In meinem ganzen Leben habe ich nicht zwei Menschen getroffen, die ich „gleich“ geliebt hätte. Und meine Kinder, die Menschen, die ich also am allerdollsten in meinem ganzen Leben und gemessen an allem, was im Universum an Tiefe und Breite bezüglich Liebe und Liebesfähigkeit möglich ist, liebe liebe liebe, bei denen ist das doch nicht anders! (Verknallter Satz, bitte die Syntax wegschmeißen und die Worte einzeln aufheben. Danke.)

Was mir klarer ist, da ich nun zwei von der Sorte habe, ist, dass das Spektrum an dem, was gemeinhin „Liebe“ genannt wird, breiter wird. Und tiefer, höher, größer. Und zwar alles auf einmal!

Während ich das Kleinchen anschmusen und küssen und herumtragen kann und dieser mein Licht ist, liebe ich meinen Erstgeborenen von Ferne. Ein schmachtendes zartes Gefühl, vergleichbar mit einer unerfüllten Jungmädchenliebe.

Ich sehe den oft gedankenverloren an, die sehniger werdenden Arme, die Schultern, die sich wölben, der männliche Kehlkopf (Seit wann hat er das? Das ist kein Kehlkopf, da sitzt eine Faust in seinem Hals!). Ich sehe in ihm das Baby, das er einmal war und eine Vision des Mannes, der er vielleicht einmal werden wird. Und ich würde gern seine Hand streicheln mit den langen Fingern, ihn in den Arm nehmen, also richtig, nicht dieses halbweggedrehte Küsschen links-Umarmen zum Abschied. Aber das geht nicht. Nicht mehr.

Und so bestaune ich diesen jungen Mann und liebkose ihn zärtlich mit meinem Blick und liebe ihn dennoch tief und innig wie den kleinen Kerl, dem ich meine Liebe zwischen Küsse gepappt ins Gesicht schmatzen darf. Aber eben anders!

Dieser Kleine, um den ich mir so gar keine Sorgen mache und der Große, um den ich mir jahrelang den gesamten Sorgenkatalog machen musste. Sie sind wirklich verschieden. Zum Glück. Zu meinem Glück!

Und zu meinem größten Glück lieben sie einander wie nichts anderes auf der Welt und das zu sehen… hach Leute!

Wenn der Windelscheißer morgens mit seinem Nunni im Mund das Bett des Großen entert, dann verhakeln die schlaftrunken ihre Beine, seufzen beide und schmusen sich wach. Aneinandergekuschelt. Ich stehe da oft in der Tür und sauge diese Bild auf. Unfähig, den Blick abzuwenden. Und manchmal, ganz selten, lassen sie mich zu sich. Und wenn ich auf der Decke meines großen Sohnes liege, dessen Geruch einatme, den Rücken des Kleinen an meinem Bauch und seine Atemzüge vor meinem Herzen, dann… tja, dann sind da die Antworten auf alle großen philosophischen Fragen des Lebens. Wer bin ich? Worin besteht der Sinn des Lebens? Was ist Liebe? Da sind sie, die Antworten. Neben mir. Völlig zweifelsfrei.

Und dann passiert es auch, dass meine Liebe überläuft und ein bisschen auf den bärtigen Blödmann überschwappt, dem ich vielleicht vor einer Stunde noch verkündet habe, dass ich seine Seite des Schlafzimmers neu vermiete, und ich schaue den ganz verliebt an. Und mein Unterleib krampft und versucht, irgendwo noch ein verschrumpeltes Ei aufzutreiben und auf den Weg zu schicken. Guck doch mal, das haben wir gemacht! Diese zwei kommen von uns! Aus uns! Ist das nicht fantastisch?!

Jaja.

Und in einem anderen Szenario machen sie mich fix und fertig! Alle drei. Weil sie nämlich stets Allianzen bilden gegen mich und das bärtige Kind das schlimmste von allen ist! Ich bin hier alleinerziehend, echt jetzt.

Neulich kamen sie aus dem Biergarten, wo sie „Männergespräche“ geführt haben, während ich ge-Netflix-t und entspannt habe. Da platzen sie zur Wohnzimmertür herein und schon gehts los: „Boar, hier stinkts!“, „Mama, hast du gefurzt?! Was hast du gegessen?“, „Ob ich was?! Also, bitte!“, „Klar, eenen Ordentlichen abgedrückt haste in die Kissen!“ (Der eine macht Mundfürze, der nächste stimmt ein, zwischendurch boxen sie sich gegenseitig johlend gegen die Schulter). „Jetzt reichts aber! Ihr spinnt wohl! Wie redet ihr denn mit mir!“. „Mama Hose kackt! Mama Hose kackt!“.

Und neulich begrüßte mich der jüngste im Trio infernale mit den Worten: „Hallo Wadenmuschi!“. Und ich so: „Na, du bist aber ein kleiner Frechi!“. Und er dann: „Mama ist eine frechiblaue Pupswaschanlage!“.

Sie machen mir wirklich viel Freude, diese Brüder!

Sommerfest #wib

Der Sommer hängt schon mit dem Oberkörper dem Herbst auf der Schulter aber das Wetter versprach, sich zusammenzureißen, also luden wir am Wochenende ein paar Freunde in den Garten ein.

„Feiert ihr auch Schuleinführung?“. „Nein, wir feiern das Leben!“

Just an diesem Tage feierten die neuen ABC-Schützen ihren großen Meilenstein. Nein, Moment, es stellte sich anders dar. Just an diesem Tage wurde in Spießerglücks Gartenanlage ein Battle zwischen den ABC-Schützen-Familien ausgetragen. Wer hat die meisten Ballons! Die dollsten Wimpel! Die meisten Angehörigen mit dem imposantesten Fuhrpark!

Da kamen Kleinbusse ortsansässiger Cateringfirmen und luden Rechauds und Pfannen und Gedöns ab. Der Nachbar blies eine Hüpfburg auf und beschallte uns mit Kinderdisko. Wir ließen uns nicht lumpen und zogen nach mit Tipi im Selbstbausatz und unserem üblichen Bebläke (mundart. für: rumschreien).IMG_2852Mit einem Caterer konnten wir nicht mithalten, besorgten allerdings ausreichend flüssige Grundnahrungsmittel. Man soll ja viel trinken im Sommer! Und wer will schon Entenbrüstchen mit Feigenconfit an Hummerschaum im Mondenschein (abnehmend) artgerecht aus dem Sumpf gebeten und… ich schweife ab!

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Lebensmittel

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Durch die seltsamen Beschmückungstendenzen der Gartennachbarn und weil auf einmal fremde Limousinen an unserer Gartenflanke parkten, sah ich mich gezwungen, den Rasen zu fegen. Zu kehren quasi. Große Hausordnung zu machen! Es blieb bei den Bemühungen, weil…IMG_2897

Ach, es war schön! Die Freunde haben Essen mitgebracht und auch ohne Absprache gab es weder dreimal Kartoffelsalat noch fehlte irgendwem irgendwas. IMG_2853

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Es wurde nicht nur gefressen und gesoffen, nein, auch sportliche Herausforderungen bewältigt. Wie etwa Bezwingung des „Horrorparcours“, vielleicht auch bekannt aus einer Crossfit-Weltmeisterschaft oder ähnlichem…

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…oder Tischtennis nach Gehör. Bei nahezu vollständiger Dunkelheit.

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Abends saßen wir am Feuer, grillten „Marschmepper“ (der Blondino) an armdicken Ästen und…

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… die Kinder rannten mit Knicklichtern wie Riesenglühwürmchen durch den Garten.

Irgendwann im Dunkel fing der erste ABC-Schützen-Angehörige an, übriggebliebene (oder extra zu diesem Zwecke gebunkerte) Silvesterraketen in den Dresdner Augusthimmel zu böllern. Das ließen sich die anderen Nachbarn und ABC-Schützen-Angehörigen natürlich nicht zweimal sagen! Da war was los.

Da stand ich, hielt eine kurze Ansprache und teilte den Freunden mit, wir hätten ihnen zu Ehren da mal was vorbereitet und hofften, es würde gefallen. Es gefiel.

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Der nächste Morgen war freundlich und die Kinderchen und ich sumpften vor uns hin. Halb zehn weckte ich das bärtige Männchen. Der teilte mir dann auch beiläufig mit, dass er Freunde zum Brunch eingeladen habe. Zu uns. Heute. Um zehn. Also jetzt. Und ja, kann doch mal passieren, dass er vergisst, mir das mitzuteilen!

Ich tat das einzig Vernünftige: Ich rastete komplett aus!

Dann buchte ich die Freunde auf halb elf um und räumte alle Essensreste auf den Tisch. So gings. Es wurde dann auch ein wunderschöner fauler Freundessonntag. Mit rumliegen, im Pool plantschen, lesen, Tischtennis und faulenzen. Hauptsächlich faulenzen.

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Deshalb gibts auch kaum Fotos von dem Sonntag: Ich war mit Faulenzen total beschäftigt! Müsst ihr verstehen.

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Doppelbett. Gartenedition

Der Sommer bäumt sich heute noch mal kräftig auf, danach – unkt mein bärtiger Wetterfrosch- war´s das! Dann herbstelt es. Tschüss Sommer! Wir werden die Kartoffeln rausbuddeln und Kürbisse schnitzen, Lampionblumen auf Ketten fädeln und uns auf Teenachmittage mit Kuchen und heißem Holundersaft und Kerzenschein freuen.

Bis, ja, bis es dann soweit ist! Dann will ich garantiert den Sommer zurück. Und nöle über das nasskalte Wetter. Wenn mich dann einer fragt und will, dass ich „Sommer“ spezifiziere, würde ich sagen: So wie dieses Wochenende sechster bis siebter August. So soll er sein.

Das wäre ein Sommer nach meinem Geschmack!

 

Mehr Bloggers Wochenende in Bildern sammelt Susanne hier.

Erntefluch und Erntedank

„Hach, so ein Garten ist ja was Schönes!“.

Höre ich andauernd. Natürlich nur von Leuten, die keinen Garten haben! Oder von Rentnern mit Garten. Oder Rentnern ohne Garten, die aber mal einen hatten. Oder von Leuten, die meinen, einen Garten zu haben, aber in Wahrheit drei grüne Handtücher um ihr Eigenheim herum bepflanzen und hegen müssen…

Ja, So ein Gemüsegarten ist was tolles. Also in der Fantasie. Die eigene Familie mit selbst gezogenem Gemüse und Kräutlein versorgen zu können und wenn man die Freundin besucht, ach, da lustwandelt man vorher mal kurz durch die bunt wogende Blumenpracht im eigenen Garten und pflückt einen superschönen Gartenstrauß zusammen als Ode an die Natur und die Freundschaft zur Freundin. Von wegen!

Meine Blumenbeete sind alle mit Tieren befallen. Klebrige schwarze Läuse! Während ich diese inspiziere, krabbeln Armadas (Plural von Armada, also vielleicht auch Armaden, Maden mit Ar- vorne dran, was weiß denn ich, viele jedenfalls!) meine Beine und Arme hoch. Beißen mich. Einen Blumenstrauß pflücke ich nicht. Gut, in den kurzen Wochen, wo der Flieder blüht, pflücke ich Flieder. Und ich pflücke Forsythie an Ostern. Und eine Woche im Frühjahr ist auch ne gute Zeit für Pfingstrosen. Aber der Traum von Blumensträußen aus dem eigenen Garten ist schon mal ein Fail.

Gemüse. Hach ja. Ernten, erntefrisch genießen und so. Toll, oder? 90% Arbeit, 10% Ernten. Das ist die Wahrheit.

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10% des Gärtnerlebens besteht aus diesem Anblick

Wir haben ein Gewächshaus, das alle drei Tage gegossen werden muss und eigentlich wie ein Haustier ist, das Tomaten abwirft. Verreisen wir, muss da also jemand ran. Ebenso an den Wasserschlauch, wenn eine tagelange Dürre angesagt ist. Nach der Arbeit abends rammelste hin. Gießen. Hegen, Pflegen, hochbinden, Vergeilungstriebe abknipsen. Sowas.

Und der Ertrag? Nun ja. Die Gurken spinnen. Eigentlich immer! Erst knallen sie Früchte raus, als wöllten sie floratechnisch die Weltherrschaft an sich reißen und dann ist Ruhe im Schacht. Heißt, wir haben innerhalb dreier Wochen zwanzig Gurken geerntet und Gurkensalat, Schmorgurken, zu verschenkende Gurken und vergammelte Gurken im Angebot gehabt und nun trocknen unsere zwei Gurkenpflanzen müde vor sich hin. Spinnenbefall haben wir auch an denen. Wie in jedem Jahr. Hässliche weiße Netze. Klebrig. Eklig.

Sollzustand

Kartoffelacker Sollzustand

Istzustand

Kartoffelacker Istzustand

Tomaten stehen da auch rum. Eine der vier Pflanzensorten schmeckt sogar. Aber die Schnecken finden das auch. Ich will nicht von Schnecken angeschlabbertes Gemüse essen!

Die Schnecken sind auch überall. Ü-ber-all! Neulich habe ich einen groben Garten-Anfängerfehler begangen: Ich bin mit nackten Füßen in meine Gummistiefel geschlüpft. Tja, sagen wir mal so: Ich war danach wach! Sehr! Denn ich schlupfte barzehig mittig in eine Nacktschneckenclique hinein.

Jetzt haben wir Zucchinischwemme. Was macht man damit? Zucchinikuchen, Zucchinibrot, Zucchinipuffer? Kann man. Mein Tipp für die armdicken Zucchinis ist, sie nach diesem Rezept hier zu allerfeinstem Relish zu verarbeiten und im Herbst aufzuschlabbern oder zu verschenken und tosenden Applaus dafür einzufahren! (Wenn ihr dem Link folgt seht ihr, dass ich bereits 2014 frenetisch begeistert bei diesem Blog kommentiert habe und schwöre, das Zeug ist ein echtes Rauschmittel! Unbedingt probieren! Und auch Antje´s ganzen Blog lesen an der Stelle, wenn ihr schon mal dorthin surft.).IMG_2701

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Außerdem liebe ich Zucchini als Antipasta. In daumendicke Scheiben schneiden und mit Olivenöl, Kräuter der Provence und Salz/ Pfeffer einreiben. Scharf anbraten auf einer Seite, wenden. Dann auf jede Zucchinischeibe je eine Scheibe Parmesan legen. Deckel auf die Pfanne, ausschalten, stehen lassen. Schmeckt traumhaft! Und zwar am besten lauwarm.

Oder mariniertes Gemüse mit Zucchini. Die Dinger nebst Champignons und Zwiebeln und Knoblauch (wer mag) anbraten, in eine Schüssel umschütten. Olivenöl, eine kräftige Prise Zucker, Salz, Pfeffer, je ein Zweig Rosmarin und Thymian dazu. Wer mag noch einen kleinen Schuss Weißweinessig. Einen Tag durchziehen lassen, fertig! Warum es für beides keine Fotos gibt? Nun, ratet mal.

Beerensträucher sind wirklich was Schönes! Wir haben schwarze, rote, weiße Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Himbeeren. Mit den beiden letzteren habe ich überhaupt keine Arbeit. Da stehen meine drei Jungs artig davor und ernten die direkt in ihre Münder. Die anderen werden alle zur selben Zeit reif und da heißt es schnell sein und vierzig Kilo Gelierzucker und zweihundert leere Marmeladengläser vorrätig zu haben. In diesem Jahr habe ich die Beeren erst in Gefrierbeutel geerntet und gedacht, ich froste das und koch das ein, wenn ich irgendwann mal Lust und Zeit habe! Aber nee, der Frost ist noch voller Rhabarber, bei dem ich mit der selben Denke an die Ernte rangegangen bin…

Also kochen.IMG_2671

Wäre ein super Instagramfoto, nicht wahr? Wow! Weiße Johannisbeeren. Aber die sehen als Solo-Gelee aus wie fest gewordenes Bier. Nä! Also werden sie zusammen mit den Stachelbeeren zerkocht.IMG_2673

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Am Ende kommt auch nur wieder eine rote Marmelade raus und ich stelle die nächsten acht Gläser mit irgendeiner roten Marmelade in den Keller zu den anderen vierhundert Kollegen. Ich habe noch Holunder von 2014 und 2013. Johannisbeere von 2013 fortfolgende, Pflaume mit Zimt, Pflaume mit Kardamom, Kiwi mit Dings und Quitte mit Das… ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was ich da unten in diesem Keller noch habe. Und es kommt ständig was neues dazu! Kein Mensch kann so viel Marmelade essen.

Obstbäume sind doch aber was Schönes, oder? Nein. Ich habe einen Pflaumenbaum, einen Apfelbaum und zwei Kirschen. Entweder tragen die Bäume gar nicht oder sie tragen und wecken wilde Hoffnungen in mir, nur um im entscheidenden Erntemoment zu sagen „Püh!“, und alles abzuwerfen kurz vor Reife. Oder – im Falle der Kirschbäume – wunderprächtige Früchte zu produzieren, die alle, alle, alle von Maden befallen sind (nein, ich will mir auch mit Maden nicht mein Obst teilen). Und dann hängen auch noch zwei bis zehn Kilo in schwindelerregender Höhe rum, die sowieso kein Mensch ernten kann! Und dann fängt der Spaß erst an. Wie also sieht das aus? Nun ja, die Wiese ist voller modrigem Fallobst, das weggerecht werden muss, weil es sonst Wespen, Ameisen und noch mehr Viechzeug anlockt. Also außer gießen auch noch rechen jeden zweiten Abend. Nach der Arbeit. Und der Kinderbetreuung. Schaffen wir nicht. Wir haben modriges Obst und surrende Wespen.

Kinder sind auch ein gutes Stichwort.

Kinder lieben Gärten! Oder? Ja, doch. Da kann man so viel entdecken. Wasserfässer, aus dem Boden ragende Stromleitungen, Rasenmäher, Unkrautex in Flaschen mit Schraubverschluss (Wie geht das denn auf? Ach so geht das auf!), Rattengift (Oh, rosa! Wie schön! Wie schmeckt das denn?). Damit wir überhaupt mal in Ruhe irgendwas machen können, haben wir dem Kleinkind gestattet, mit einer Schaufel das eine Erdbeer- und Tomatenbeet umzugraben. Er macht das auch geflissentlich und leider sehr engagiert. Er trägt also sukzessive die Erde und Erdbeerpflänzchen ab um sie über dem Kartoffelacker auszuschütten. Eine große Hilfe! Nur fürs Protokoll, nein, Erdbeeren haben wir auch keine. Die wurden von den Igeln oder Eidechsen oder Schnecken abgefressen. Und, na klar, dem Kind ausgebuddelt.

Wer weiß, vielleicht kommen sie dann im nächsten Jahr auf dem Kartoffelacker wieder? Im nächsten Jahr. Was wird dann mit dem Garten im nächsten Jahr? Wer wird sich über die Unkrautmassen aufregen? Und über die Schnecken? Die Viecher an den Blumen und die viele Arbeit?

Mittlerweile kenne ich tatsächlich mehrere Familien, die sich genauso blauäugig wie wir in einen Gartentraum gestürzt haben, und diesen mittlerweile wieder beerdigt haben. Ihren Garten abgegeben. Und ich verstehe sie! Es macht Scheiße viel Arbeit. Echt jetzt. Und da reden wir noch nicht mal über die Wartungsarbeiten an einem Haus, wenn denn eines draufsteht. Über Wasserrohrbrüche, volle Klärgruben, Marderschäden oder ähnliches. Zwei Berufstätige mit Kindern, Kegeln und einem Schrebergarten? Gibts, aber kannst du dir eigentlich weitere Hobbies klemmen.

Und wir haben doch auch noch Hobbies! Wir haben eigentlich zu wenig Zeit für diesen Garten! Und, zum Glück, suchen und finden wir ja nun ein Haus mit grünem Handtuch drumherum, das sich leicht pflegen lässt. Wo man nicht erst nach der Arbeit ins Auto steigen muss um irgendwohin zu fahren und zu gießen. Nein, man ist ja da! Zu Hause. Auch das bisschen Unkraut zuppeln kann man sich gut einteilen. Das wird ganz schön. Ganz schön wird das. Ganz schön wehmütig vor allem… Er wird mir fehlen, der blöde Drecksgarten. Der doofe. Deshalb muss ich noch ein paar Mal schreiben, wie blöd der Garten ist. Damit er mir nicht so dolle fehlt. Wenn ich dann in meinem schönen Haus mit dem pflegeleichten Handtuchrasen drumherum sitze und gekaufte Gurken ohne Spinnweben kleinschneide. Deshalb.

Zum Schluss habe ich noch einen Garten-Hack für euch. Klingt seltsam, funktioniert aber! Einfach einen Schwapps warmes Wasser und Lieblingsschaumbad in die Gummistiefel schütten (nachdem ihr eventuell die Schnecken ausgeschüttet habt) und dann ab mit den nackschen Füßen rein und ins Beet zum Unkraut zuppeln. Das hilft gegen die furchtbar schwarzen Gartenfüße, die so schwer sauber zu schrubben sind und ihr macht dabei direkt ein Fußbad. Es sei denn, ihr habt keinen Garten. Dann braucht ihr auch kein Seifenwasser in eure Gummistiefel kippen! Aber vielleicht schafft ihr euch ja irgendwann einen Garten an? So ein Garten ist doch was Schönes. Und auch für die Kinder!

😀

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