Tür 18 – Das kommt mir spanisch vor!

Simone schreibt nicht nur Kiko Kinderkonzepte, sondern auch noch den gleichnamigen Blog. Wenn ich Simones Texte lese, werde ich zum Louis de Funès. Eh schon mit hektischer Grundveranlagung gesegnet, triggert mich ihre Sonderzeichen- Satzzeichen- Großschreibungswillkür nebst verbuchstabelter Emoticons *seufz*augenroll* derart an, dass ich SOFORT alles LESEN MUSS!!!!!!! …….ARRRGGHHH. UUUUAAAAHHHH!!!! *angestrengt guck*. Ich habe im Scherz mal geschrieben, ich hätte Angst, sie kommt sonst und nimmt mich in den Schwitzkasten. Simone hat am lautesten darüber gelacht! Denn man kann nicht nur mit Simone lachen, auch mit Simone über Simone. Ein ganz wunderbarer Charakterzug. Und davon hat sie noch jede Menge mehr: Wenn man sich mit Simone im blau-gelben Frühstücksrestaurant verabredet, zückt die ganz sicher eine vollgeschriebene Klopapierrolle mit Einkaufswünschen. Also von anderen Leuten. Den Nachbarn, den Miteltern aus der Grundschule des Kindes, den Nachbarn der Miteltern aus… Weil, sie ist ja schon mal da. Und dann kommt der Satz: „Ich muss noch die Schrankwand „Appendix“ für die Dings einkaufen heute! Die hat es doch mit dem Rücken, die kann nicht schwer heben.“. Selbstverständlich ist Simone auch Elternsprecher in (ich würde mich nicht wundern) so ziemlich allen Einrichtungen, wo so etwas gewählt wird. Und das ist auch gut so! Die Frau hat eine Power, das würde ich nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Wenn irgendwann die Welt untergeht, will ich unbedingt im „Team Simone“ sein. Während andere Leute noch an Lösungsstrategien arbeiten oder an Konzepten für Lösungsstrategien (ich zum Beispiel), hat Simone schon mal ne Arche gebaut, alle Tierchen eingesammelt und das Boot vollgetankt. Es gibt also hier und heute nur eine mögliche Ankündigung für Simone:

Ladies and Gentlemen, bitte begrüßen sie mit einem gehörigen Applaus Simone  Chuck Norris-McGyver von Kiko Kinderkonzepte mit einer Bastelanleitung für spanische WEIHNACHTSKRÄNZE!!!!! …. WAAAAAAAHHHH!!! *klatscht in die Hände*.

Die Spanier tun mir echt Leid. Die kennen überhaupt keinen Advent! Kannst du Dir das vorstellen? Weihnachtszeit ohne Advent? Also mir würde da echt was fehlen!
Wir sind Mitte Oktober 2005 nach Spanien gezogen. Den November verbrachte ich mit Kartons ausräumen, Schränke einräumen, Kisten umräumen, alles nochmal rumräumen, wenn das Kind half auch aufräumen und den überhaupt vielen neuen Räumen.

Und schwupp war ganz plötzlich fast Dezember und somit 1. Advent.

Wir sind mit Sack & Pack ins Ausland gegangen und hatten so zum Glück die komplette vorhandene Weihnachtsdekoration dabei. Aber, so eine Lichterkette in der Palme lässt nicht wirklich weihnachtliche Stimmung aufkommen. Dafür brauchten wir dann doch einen Adventskranz. Das hieß: ein passendes Geschäft zu suchen. Nach den paar Wochen wusste ich zwar wo ich in unserem Vorort Lebensmittel, Kinderarzt und Apotheke fand, aber ein Gartencenter oder Ähnliches hatte ich noch nicht entdeckt.

Bewaffnet mit Wörterbuch, Stadtplan, Navi und Kind (das heutige Pubertier war seinerzeit gerade mal 2 Jahre alt) machte ich mich auf die Suche. In Deutschland gibt’s ja spätestens Ende September ÜBERALL Weihnachtsmänner & Co. Nicht so in Spanien. Ich habe nach langer Suche dann einen Gartencenter gefunden, war aber am Eingang schon irritiert, denn nach dem Eintreten erschlug mich eben NICHT die geballte Ladung Weihnachtssachen. Die fand ich erst nach einigem Suchen in einem der vielen Regale. In dem relativ kleinen Regal musste ich aber auch nicht lange suchen um festzustellen, dass es keinen Adventskranz gab. Mit den wenigen bereits gelernten spanischen Vokabeln erkundigte ich mich nach dem Kranz, den man vor Weihnachten mit vier Kerzen auf den Tisch stellt. Ich erntete jedoch nur völlig verständnislose Blicke, was ich natürlich auf meine Sprachkenntnisse schob.
Der Göttergatte hatte die ersten Monate, bis ich mit Kind & Kegel nachgezogen kam, in La Coruña eine kleine Stadtwohnung. Dort haben wir den Papa besucht und für die Häusersuche erstmal alle gewohnt. Und da hatte ich viele Dekogeschäfte gesehen, die ich nun heimsuchte. Aber auch da wurde ich nicht wirklich fündig, denn das Einzige was ich fand waren Plastik-Kränze. Nackte grüne Plastik-Kränze. Angesprochen auf die vier Kerzen erntete ich die gleichen Blicke. *hmpf*

Ok, der Spanier an sich kennt also anscheinend keinen Adventskranz. Da musste sich der Bastel-Legastheniker aus Deutschland, also ich, wohl was Eigenes einfallen lassen. Ich kaufte widerwillig einen solchen grünen Plastik-Kranz und fragte Zuhause den hauseigenen Ingenieur ob er eine Idee hätte, wie ich ohne in Deutschland erhältlichen Adventskranz-Kerzen-Halter einen Kranz basteln könnte. Antwort: „Die werden doch hier irgendwo Adventskränze haben!“ … Aus der Richtung war also keine Hilfe zu erwarten.

Bevor ich aber ein Care-Paket aus der Heimat anforderte, wollte ich noch was anderes probieren. Ich fuhr in den Baumarkt … also … in DAS Geschäft, was DIE Sachen hat, die ein Baumarkt in Deutschland hätte. Das sieht aber in Spanien nicht so aus. In Deutschland würde so mancher Heimwerker sich nach einem solchen Laden die Finger lecken. Denn hier gab es Alles, restlos ALLES, was im Haushalt, Garten und Werkzeugkammer fehlen könnte. Auf viel weniger Raum, in viel engeren Gängen mit viel weniger Licht.
Ich hatte mir die Mühe gemacht die passenden Vokabeln zu Hause aufzuschreiben um in meinem bisschen Spanisch vor Ort erklären zu können was ich brauche. Zu meinem großen Glück stieß ich auf eine weibliche Verkäuferin, die sehr interessiert versuchte zu verstehen was ich vorhabe. Sie nickte immer wieder verständnisvoll, lächelte nicht ganz so grenzdebil wie die Damen im Dekoladen und bat mich ihr zu folgen.

Wir verschwanden in den Tiefen der Regal-Räume und ich war froh eine Frau getroffen zu haben, mit männlicher Begleitung wäre mir zwischen den dunklen engen Regalen etwas mulmig geworden. Dort wo wir hingingen, waren die Männer allerdings schon da. Es war eindeutig die Männerabteilung! Es handelte sich sozusagen um das „Süßwarenregal“ des Handwerkers. Du kennst die Quengelware-Regale an der Kasse, von denen sich Kinder nicht trennen können, oder? DAS war ein TRAUM-Kleinkram-Regal für MÄNNER! Ich bin Schreinertochter. Ich bin zwischen Holzschrauben, Dübeln, Nägeln, Scharnieren und solchem Gedöns aufgewachsen, aber diese beachtliche Sammlung an Schrauben hatte ich nicht erwartet. Und das Ganze nicht ordentlich fein säuberlich beschriftet in gleichen Kunsstoffspendern. NEIN, echt spanisch in gefühlt tausenden angebrochenen abgegriffenen unterschiedlich großen Schraubenkartons. Aber, als die Dame zielgerichtet in eine der vermutlich 6.825 Schächtelchen Griff und mir vier Gebilde hinhielt, da wusste ich: DIE VERSTEHT MICH! *erleichtertseufz* Ich verstand kein Wort von dem was sie sagte, aber ich nahm die Teile, denn die waren für meinen Adventskranz die perfekte Lösung.

Ich fuhr freudestrahlend glücklich heim und machte mich ans basteln. Der Göttergatte faselte was von „nur“ Rigips-Decken-Haltern und viel zu großen Unterlegscheiben, aber ich war glücklich. Ich bastelte mir nen Wolf, klebte noch ein paar Kugeln, Zapfen und Nüsse drauf und war stolz wie Oscar! Hier ein paar Eindrücke.

Simone2

Simone3

Simone1

Simone4

Die Geschichte, wie wir dann für Heilig Abend an einen echten Weihnachtsbaum gekommen sind, kann ich Rike ja dann im nächsten Jahr erzählen. *schmunzel*
Im ersten Jahr zurück in Deutschland war ich so motiviert dass ich den ersten Adventskranz dann sogar selber gebunden habe. Wie der sich aber bis zum dritten Advent bereits in den Selbstzerstörungs-Modus gebracht hatte, das erzähle ich dann mal auf meinem Blog.

Aus Schaden wird man klug, daher haben wir heute einen Adventskranz, den ich nur noch mit Tannengrün & Kugeln bestücken muss.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch eine toll dekorierte Adventszeit!

Eure Simone von KiKo KinderKonzepte

 

 

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