Der braune Umschlag

Es gibt ungeschriebene Texte, die sind wie schlechtes Essen.

Sie gären im Magen, mir ist übel und ich schleppe mich durch den Tag, unfähig, an etwas anderes zu denken als an das Gefühl des Unwohlseins.

Spucks aus, dann gehts dir besser! Dieser wohlmeinende Rat setzt allerdings voraus, dass ich mich überwinden kann, es auszuspucken.

Der Text, um den es geht, der gärt mir immer wieder in der Magengegend. Die Worte engen mir die Brust ein und machen, dass ich mit einem Kopf voller Watte in meinen Gedanken gefangen durch den Tag schleiche. Automatisch funktioniere, ohne bei der Sache zu sein. Bei irgendeiner Sache zu sein. Spucks aus, dann gehts dir besser!

Ich will ja! Ich will nicht. Ich weiß nicht.

Wie bekommt man den Bogen von Friede, Freude, Gartenkinderglück zu Bummbumm Bummbumm, mein Herz hämmert. Zu: Mir ist übel, ich habe Angst, darüber zu schreiben. Angst, das alles schwarz auf weiß zu lesen, zu springen. Mir den Grind von der seit Jahren nässende Wunde zu reißen und sie euch zu zeigen! Denn es heilt einfach nicht. Zeit ist ein übel beschissenes Pflaster. Und Schuld etwas, das du dir nur selbst vergeben kannst. Wenn du denn kannst.

Wie also nähert man sich so einem Thema an? Vielleicht durch einen Pufferbeitrag. Dadurch, dass man schreibt, dass man Angst hat zu schreiben.

Oder indem man etwas zeigt, ohne zu schreiben. Einen braunen Umschlag zum Beispiel. In diesem braunen Umschlag ist die Geschichte. Das, was davon übrig bleibt, wenn man alle Emotionen abzieht.

Aber die Emotionen, die sind es, die den schwer zu schreibenden Text ausmachen.

IMG_2032

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Kommentare zu “Der braune Umschlag

  1. Lass Dir Zeit. Irgendwann schafft man es, solche Texte zu schreiben. Manchmal kaut man Monate lang vorher. Und dann, wenn man es geschafft hat, fühlt sich der Magen sofort ein klein wenig besser an ❤

  2. Du wunderbare Frau, ich hab halbe Bücher fühlen können mir scheiße und trotzdem schaff sie es nicht ik die Öffentlichkeit. Ich bin ein Schisser. Ich verstehe dich. Und doch gebe ich dir den Rat – nein den Gedanken- weiter: wenn es auch richtig anfühlt, dann ist es an der Zeit. Leider ist die Angst oft dominant er als das Bauchgefühl. Das weiß ich als Angstpatientin.

    Liebes wir sind da und senden Liebe. Immer. Auch wenn wir nicht nah sein können. Wir sind die, die versuchen die Einsamkeit kleiner werden zu lassen.

    Liebe für Rieke! Liebe für Dich!

    Jessi

  3. Für jemanden, der Dich nur über den Blog kennt, ist das ein bisschen wie ein Teaser. Was ist denn nur in dem Umschlag???? Das Bild lässt aber auch gar nichts erkennen (menno). Wenn Du schon so weit gehst, dass Du es andeutest, dann will es raus – lass es raus! Lass uns teilhaben und es gibt bestimmt wieder viele, die es in irgendeiner Form teilen können.

  4. Du hast ihn ja schon mal geoffnet! Das ist auch schon was! Manchmal kommen Briefe, in denen etwas steht, was man gar nicht wissen moechte,deren Inhalt aber man genau kennt. Solche Briefe oeffne ich auch nicht gern!
    Nur Mut!

  5. Ich kann mich BerlinMama nur anschließen. Nachdem Du hier darüber geschreiben hast, willst Du es eigentlich los werden. Vielleicht hilft es, es jemandem real zu erzählen oder doch hier zu schreiben und den Post mit einem Passwort zu schützen.
    Ich höre Dir zu.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s