Verzeihung, sprechen sie Babyisch?

Der Babylino ist nächste Woche elf Monate bei uns. Es klappt auch alles soweit ganz gut.

Vom Status einer „Rumkugel“ hat er sich zu einem „Stehrum“ entwickelt. Wankend wie ein Matrose mit dreiacht auf dem Turm steht er breitbeinig rum und rüttelt an den Gitterstäben seines Lebens. Gern gefolgt mit „Neineineineineineinein!“-Rufen, besonders, wenn es sich um die Gitterstäbe des Kinderbettchens handelt. Ich sehe das mit Wohlwollen, Ja-Sager gibts schon genug.

Trotzdem mache ich mir langsam ein wenig Sorgen. Wir haben augenscheinlich ein Kommunikationsproblem!

Die ersten Monate der nonverbalen Kommunikation verliefen problemlos. Hände an den Ohren=müde, planloses Rumsaugen=Hunger. Das war einfach. Mittlerweile sind wir zur mündlichen Kommunikation übergegangen und das klappt nicht. Beide Parteien verstehen immer nur ´Bahnhof ´.

Das Baby sperrt sich zum Beispiel mit Vorliebe in irgendwelchen Zimmern ein. Rummmms! Eine Tür knallt, das Baby ist drinnen. Ich draußen. Er patscht von innen gegen die Tür und will möglicherweise, dass ich reinkomme. Ich klopfe von außen und habe eigentlich denselben Wunsch, aber denkst du, ich krieg dem begreiflich gemacht, dass er wegkriechen muss von der Tür? So stehe ich dämlich davor und rede mit Engelszungen vernünftig auf das Türbrett ein. Mehrmals täglich. Auf seinen Namen hört das Kind nicht, auf „NEIIIIN!“ dreht er träge sein hübsches Köpfchen in meine Richtung und lutscht weiter am Kaminbesteck…

„Der kommt nach dir. Besonders helle brennt das Licht bei dem nicht!“, konstatiert der Beste.

Wobei wir uns ja wirklich Mühe geben, alle beide. Das Baby spricht seit einigen Tagen eindringlich immer wieder auf mich ein: „Hedate! Hedate!“. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Google hat auch nur den unbrauchbaren Hinweis auf einen türkischen Energielieferanten gebracht und ich bezweifle stark, dass das Baby mich auf Ungereimtheiten im Energiesektor hinweisen will.

Wenn man Babies im Rudel beobachtet, merkt man schnell, dass die sich untereinander sehr wohl verstehen. Das ganze sabbernde Gequietsche hat schon Kommunikationszweck. Nur mir erschliesst der sich leider nicht! Jetzt könnte ich mich entspannt zurücklehnen und denken: Typisches Erwachsenenproblem, aber! Vor einigen Tagen im Fleischbällchenrestaurant beobachtete ich eine Mutter, die ein Kind ähnlichen Alters fütterte. Das Kind reckte missmutig die Faust in die Höhe und verlangte nölend: „Mgölp!“, daraufhin erklärte die Mutter ruhig und besonnen: „Den Fruchtzwerg gibts erst, wenn du das Gemüse aufgegessen hast!“. Ich war sprachlos! Das war, wie wenn Steffi, die Frau aus unserem Navi, im Ausland vollkommen emotionslos ansagt: „In einhundertfünfzig Metern rechts abbiegen auf die Ulitza Djejnasswabaschdenia.“, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Also bemühe ich mich. Noch mehr.

Heute Nachmittag klettert der Stehrum auf meinen Schoß, schaut mich eindringlich an und verkündet mal wieder: „Hedate! Hedate!“. Ich schaue  eindringlich zurück und erwidere: „Hedate! Hedate!“. Daraufhin quietscht er erfreut los, patscht mir ins Gesicht und quäkt: „Hedda! Hedda!“.

Wir haben uns so eine Weile unterhalten. Ich glaube, es war ein gutes Gespräch. Ich habe allerdings keine Ahnung, worüber…

 

 

4 Kommentare zu “Verzeihung, sprechen sie Babyisch?

  1. Funktionierte bei Frollein Tochter in dem Alter auch.
    Jetzt mit 21 Monaten führt das Wiederholen von Wörtern, die ich leider nicht zuordnen kann, zu einer deutlicheren Wiederholung ihrerseits (immer noch unverständlich). Dann nochmal und nochmal. Anschließend seufzt sie resigniert und sagt: Gut, Mama (Gut = babyisch für fertig, wir machen was anderes) und dreht sich weg… armes Ding 😉

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