Tür 24 – Das letzte Wort…

… zur schwindenden Adventszeit kommt von mir.

Jetzt hammerse rumgebracht, die vorfreudvollen, stressigen, hektischen, glühweinschwangeren, erwartungsfrohen Tage. Das Weihnachtsfeld ist bestellt. Ab heute wird geerntet. Vermutlich auch bei euch.

Der Baum ist geschmückt, die Gans vorbereitet oder der Tisch für das Ente-Essen bestellt. Kartoffelsalat im Kühlschrank, die Festtagssachen gebügelt. Unterm Baum liegen liebevoll verpackte Geschenke. Besuch wird empfangen oder ihr macht euch auf zu einer Weihnachtsreise, um anderer Leute Besuch zu sein. Werdet lachend mit offenen Armen empfangen und in ein warmes Haus geleitet, wo der Baum geschmückt ist, die Gans vorbereitet…

Heute wird allerorts in den christlichen Kirchen an die Entstehungsgeschichte erinnert und selbst für Menschen, die diese Kirchen nicht frequentieren, ist diese Geschichte mit Weihnachten verbunden. Ein jeder kennt sie. Und sicherlich wird besonders in diesem Jahr an die Parallelen zur Neuzeit erinnert. An Nächstenliebe, Güte und Barmherzigkeit appelliert. Den Geist der Weihnacht.

Als Kind in der DDR aufgewachsen bin ich nicht mit der christlichen Weihnachtsgeschichte konfrontiert gewesen. Dennoch hatte und habe ich eine Weihnachtsgeschichte.

Ich weiß nicht, in welchem Alter ich diese Geschichte das erste Mal las. Vielleicht war ich acht. Oder neun. Und seitdem ist dieses Märchen, sind Andersens Zeilen für mich unlösbar mit Weihnachten verbunden. Nimmt mich die Geschichte gefangen und ich kann kaum zu Ende lesen, so sehr berühren mich die Worte. Meine Weihnachtsgeschichte ist „Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen“. Und nachdem wir heute in einer freundlichen kerzengeschmückten Kirche waren, die Geschenke ausgewürfelt haben und gesungen, und Plätzchen mümmelnd vorm warmen Kamin sitzen, lese ich sie meinen Jungs vor. Aus einem Buch von 1960, das laut Inschrift früher mal dem großen Bruder meiner Mutter gehört haben muss und das exakt das Buch ist, in dem ich vor vielen Jahren diese Geschichte zum ersten Mal las.IMG_0285

Man muss kein gläubiger Christ sein, um den Gedanken der Weihnacht in sich zu tragen. Die Botschaft ist klar. Und recht habt ihr alle, wenn ihr sagt, ihr bräuchtet doch keine Feiertage, die euch an Nächstenliebe erinnern. Das sollte an jedem Tag das Gebot der Menschlichkeit sein.

Nun bin ich kein Christ, aber ich bin noch immer das kleine Mädchen, das beim Lesen von Andersens Märchen vor Kummer und Mitgefühl zerfließt. Das helfen will und teilen. Und das werde ich bleiben. Dem im Jahr, als das Wort „Gutmenschentum“ Hochkonjunktur hatte, törichte Naivität vorgeworfen wurde. Es gibt Schlimmeres als „naiv“ genannt zu werden.

„von kindlich unbefangener, direkter und unkritischer Gemüts-, Denkart [zeugend]; treuherzige Arglosigkeit beweisend“. (Quelle: Duden)

Genießt eure Familien, das Essen, die geschenkte Zeit miteinander. Freut euch über die mit Gedanken an euch ausgewählten Geschenke der anderen. Seid glücklich. Seid Kinder!

 

Euch allen von Herzen wunderschöne Weihnachten 2015, Eure Rike

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Der Brandschutzbeauftrage des Blogs warnt: Bitte stellen sie diese Szene nicht nach! Und seien sie versichert, das Stuntkid war zu keiner Zeit einer wirklichen Gefährdung ausgesetzt. Der pustet nur von weitem!

 

 

Tür 23 – Sandkuchenlyrik

Liebe Leute, ich hab heute Verena hier zur Adventskalenderzier! (Ist gut, ich lass es. Fließtext. Hab verstanden.) Verena ist die schreibende Faust, das denkende Hirn und das spitzbübisch lächelnde Gesicht hinter dem Blog „Sandkuchengeschichten“, und diese Geschichten solltet ihr euch ausdrucken, binden und über die Feiertage lesen. Oder gleich Verenas Buch auf euer elektronisches Dingsbums laden. Wieviel Glühwein nötig war um nachfolgendes Gedicht runterzuschreiben, ist nicht überliefert, aber ich freue mich sehr über die Erstaufführung des hochoffiziellen Sandkuchen-Weihnachtsgedichts, das wir bestimmt im nächsten Jahr in irgendeinem gebunden Gedichtband wiederfinden werden (Marcel Reich-Ranicki nickt von seiner Wolke. Glaub ich.).

Noch’n Weihnachtsgedicht

Am ersten Zwölften geht es los.
Das erste Türchen, grandios.
Doch zehn Kalender, wie das stresst,
dass man zu spät das Haus verlässt
und durch Adventskalenderhast
beinah den Tagwerkstart verpasst.

Täglich fragen die Kinder dann:
„Wann kommt er denn, der Weihnachtsmann?“
Oder auch das Christkindlein
– da wollen wir mal nicht so sein.
Die christliche Idee dabei,
die ist uns doch längst Einerlei.

Beim Marathon der Weihnachtsfeier
jedes Jahr die gleiche Leier:
Firma, Sport und Chorkonzert
– knobeln, wer zu welcher fährt.
Die Weihnachtsstimmung macht sich rar
bei dem ganzen Jahresabschluss-Trallala
Beim Wichteln gibt’s den letzten Schrott,
doch danken wir dem lieben Gott.

Weihnachtsmänner in den Gassen
bringen Schoki in die Massen.
Manchmal kommt auch in das Haus
vom Arbeitsamt ein Nikolaus.
Ohne Bart und klapperdünn –
fragen wir mal nicht nach Sinn.
Immerhin, das ist das Gute,
keiner kriegt mehr mit der Rute.
Obwohl das vielleicht besser wär,
doch das gehört jetzt nicht hier her.

Zuckowski läuft in Dauerschleifen
harmonisch gut zu Mutters Keifen,
die Plätzchen im Akkord jetzt macht,
und alles für die heilge Nacht.
Nur dass bis dann nichts übrig bleibt
und Papa sich das Bäuchlein reibt.
Auf Lebkuchen hat keiner Lust,
die gibt’s ja schließlich seit August.
Wunschzettel mit siebzig Posten?
Egal, wir lassen‘s uns was kosten
Geld spielt keine Rolle mehr,
große Gaben müssen her.
Spenden für ‚Brot für die Welt‘?
Ne, dafür ham wir echt kein Geld!

Beim Weihnachtsmarkt gibt’s Glühweinfusel,
als Vorbereitung fürs Gewusel,
das das Krippenspiel beschert,
wo keiner mehr die Spieler hört.
Das ist uns aber auch egal,
wir kennens ja schon vom letzten Mal.

Das Singen vor dem Weihnachtsbaum
ist schön in Omas Weihnachtstraum.
In Echt kennt keiner einen Text
und auch die Töne klingen leicht verhext.

Wiedermal hat`s nicht geschneit
Wie damals in der guten Zeit
als Maria ihren Sohn gebar
und früher mehr Lametta war.
Geschenke gibt es viel zu viele,
Plastik, Socken, x-box-Spiele
das Herzerl und die Wirtschaft lacht,
und alles in der Heilgen Nacht.

Essen bis es nicht mehr geht
– ab Neujahr machen wir Diät!
Im Fernsehen „Die Hard“ eins bis zehn
doch Oma will zur Kirche gehen.
Papa sitzt erschöpft mit Bier
in Bergen von Geschenkpapier.

Und endlich beim Familienstreit,
da merkt man: Es ist Weihnachtszeit!

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Tür 22 – Haselnuss-Bananen-Cookies

Jessi und ihre zauberhafte Tochter habe ich bei der #blomm2015 kennengelernt und sehe diese überaus herzliche und fröhliche Frau immer noch vor mir. Sie lebt in einer „etwas anderen Familie“, wie sie selber schreibt, mit Mann, Kind und Pflege-Teenager und hat den Kopf stets voller Ideen. Darüber schreibt sie auf ihrem Blog feierSun. Ich mag besonders ihre raffinierten und simplen Rezepte, die immer aussehen, als bräuchte man dafür nur drei Zutaten und sei innerhalb von zehn Minuten fertig und alles sieht „Wow!“ aus. Kein Wunder also, dass ich mir ein Rezept von ihr gewünscht habe. Und diese Cookies kann man bestimmt auch super im Januar essen. Oder November. Oder Januar bis November. Viel Vergnügen!

Als Rike mich fragte, ob ich ein Türchen ihres Kalenders sein möchte, da bin ich glatt ausgeflippt, denn Henrike – Riiiiiiiiiiiiike – Riiiiikeeeeee ist einfach wundertoll und ich fühle mich geehrt. Was es aber nicht einfacher macht, auszuwählen, was ich euch zeige. Schließlich seid Ihr einiges gewöhnt von der Autorin dieses Blogs (Anmerkung der Autorin: Nein, ich habe auch keine Ahnung, was sie meint.). Daher versuche ich es mal mit einem Rezept. Essen geht ja immer und lecker sowieso und einfach ist noch besser. Vielleicht findet das Rezept ja auch im testosterondominierenden Haushalt der Nieselpriem´s Anklang, denn einfach das ist es und einfach ist doch immer gut.

Haselnuss-Bananen-Cookies

Zutaten: 
– 125 g Margarine
– 80 g Zucker
– 250 g Mehl
– 100 g Haselnüsse
– 1 Pck. Vanillezucker
– 1 Teil Backpulver
– 350 g Bananen
– 1 Prise Salz

Zubereitung:
Die Haselnüsse klein hacken und mit den trockenen Zutaten, also dem Mehl, dem Backpulver und der Prise Salz mischen.

Margarine mit dem Zucker und dem Vanillezucker cremig rühren. Bananen pürieren und zur ersten Mischung geben. Kurz umrühren. Nun die trockenen Zutaten dazugeben und vorsichtig vermengen.

Spätestens hier kommt der Kinderpart – zumindest bei uns, denn wir sind so verrückt – also ich bin es, das vierjährige Teigmonsterchen mit einzubeziehen beim Backen. Ich hab aber auch keine Wahl, die klettert einfach auf die Arbeitsplatte und macht mit:

Also einfach mit zwei Esslöffeln kleine Teighügel auf dem Backblech anhäufen und leicht platt drücken. Eigentlich könnte man sie rund formen – aber erzählt das mal einem enthusiastischen Kind und im Grunde, die kommen auch nur in den Bauch – ob rund, eckig oder wie auch immer.

Gebacken haben wir sie bei 160 Grad ca. 15 Minuten und noch heiß musste ich meine beiden Männer davon abhalten einfach zu naschen, doch wer will es ihnen verübeln. Sie duften auch lecker.Bananen Haselnuss Cookies.So und wer das Küchen-Chaos nun bezwingt??? Ich wäre ja für den Mann, findet der aber nicht – also ich bin dann mal schrubben…

Und wer mehr Rezepte von der verrückten Mutter lesen will, die ihre Tochter bei so was tatsächlich in die Küche lässt und die nebenher auch noch bastelt, der kann gerne mal zu ihr rüber huschen. Oder einfach in die Küche gehen und auch ein Chaos veranstalten – ob mit oder ohne Kind.

Tür 21 – Der Christkind-Effekt

Anneliese schreibt auf „Einer schreit immer! Die ungeschminkte Wahrheit über Zwillinge“ über genau das. Ungeschminkt, lustig, ehrlich und absolut lesenswert nicht nur für Mehrlingseltern. Während ich mir nicht annähernd vorstellen kann, wie man das so händelt mit mehreren Wuselzwergen und schon zwei kleine Hände nicht von den Weihnachtsbaumkugeln wegbekomme und durchdrehe, weil meine heißgeliebte Deko abgeräumt, umgeschmissen, zerdeppert oder weggeschleppt wird, kriegt sie es offensichtlich hin. Das mit dem Feeling. Und hach, beim Lesen beschleicht es mich dann auch. Ich höre Glöckchen klingeln! Scheiß doch auf die Steuererklärung. Noch dreimal schlafen, dann ist Weihnachten 🙂 ! Für uns alle. Auch für diejenigen mit der Steuererklärung.

Derzeit gibt es bei uns viele Geheimnisse und strahlende Kinder-Augen. Die Zwillinge diktieren Briefe ans Christkind während sie Kekse mampfen bis die Krümel quer über den Tisch fliegen. Im Hintergrund laufen kitschige Weihnachtslieder im Radio. Es ist eine richtige Idylle. Abends, vor dem Schlafen gehen, lesen wir weihnachtliche Geschichten und schauen aus dem Fenster um die Engel bei unserem Haus vorbeifliegen zu sehen. „Ist das Blinken da hinten das Christkind?“, fragt Micky aufgeregt. Ich zwinkere und sage: „Wer weiß das schon?“. Ganz selig legt er sich dann in sein Bettchen, drückt seinen Teddybären fest an sich und träumt vermutlich von Engeln, Flügeln und vielen, vielen Geschenken.

Die liebevollen Flunkereien machen Spaß und man fühlt sich an seine eigene Kindheit erinnert. Man denkt an unbeschwerte Zeiten, liebevolle Umarmungen und die Nerven zerfetzende Warterei bis zur Bescherung. Der Duft von Lebkuchen kitzelt in der Nase und man wird bei all der Idylle fast ein bisschen wehmütig. Und vielleicht auch neidisch: Wenn ich Micky und Maus da so sehe, wie sie dem Christkind entgegenfiebern, unschuldig, naiv und entzückend, dann bedauere ich, dass ich diese Leichtigkeit längst verloren habe. Statt an Sprühkerzen denke ich an die Steuererklärung und überlege wann ich den Baum zwischen all meinen Terminen entsorgen werde, während ich am Handy die Öffnungszeiten der Müllabfuhr checke und ein Online-Fotobuch mit den Highlights des letzten Jahres zusammenstelle.

Die Feiertage sind generalstabsmäßig durchgeplant: Der Familienbesuch ist getaktet, auch einen genauen Küchenplan gibt es, damit nicht plötzlich am 25. Dezember der Pudding ausgeht. Das wäre natürlich ganz schlimm und der Weihnachtsfrieden würde schief hängen. Micky und Maus hingegen sind entspannt und genießen die Leichtigkeit des Seins… Quasi „La Dolce Weihnachts-Vita“. Ihre kleineren und größeren Sorgen handeln davon, wer gerade das Bobby-Car haben darf, ob das Christkind seine Post rechtzeitig bekommen hat und welches T-Shirt der Teddy angezogen bekommt. Aber auch das können natürlich ernst zu nehmende Probleme sein, die zum Streit führen können…

Mein Mann und ich sprechen daher immer öfter vom Christkind-Effekt: Was man einmal als Wahrheit erkannt hat, das kann man nicht mehr vergessen. Man kann es nicht mehr als ungeschehen machen.  Als Kind glaubt man noch an den Zauber von Weihnachten, an das Gute im Menschen und an das Christkind, das Baum und Geschenke bringt. Doch so bald einem jemand die ganze Wahrheit erzählt, man merkt, dass es eigentlich jemand anderer ist, der die Geschenke einpackt, dann können einem noch so viele Menschen davon überzeugen wollen, dass es das Christkind gibt. Man weiß es, dass es eine Illusion ist. Dass es eine süße Flunkerei ist. Man ist in der Realität, im echten Leben angekommen. Man hat eine Steuernummer und macht sich Gedanken über Sparguthaben und Rentenversicherungen. Und während man im täglichen Hamsterrad gefangen ist, versucht man ein bisschen Weihnachtsstimmung in den Alltag zu pressen. Und ein bisschen funktioniert es dann doch noch.

Wir lernen:
Das größte Geschenk in unserer Zeit,
ist Gesundheit, Glück, Zufriedenheit.

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Tür 20 – Wortspuren

Anja schreibt auf Wortspuren über ihre Liebe zur Kalligrafie und zaubert dort mit diversen Gerätschaften und Tinten wahre Kunstwerke, die mich ins Staunen versetzen. Des Kleinsten Zimmer schmückt bei uns eines davon mit dem Titel „Nieselglück“ und ich erfreue mich täglich daran, wenn ich es ansehe. Außerdem gibt es wunderschöne Gartenpoesie bei Anja, Gekochtes, Gebackenes, Gerührtes. Alles mit einer entspannten Leichtigkeit und viel Liebe zum Detail. Für uns, für euch hat sie heute im Adventskalender Neujahrskarten kalligrafiert, die es als Gratisdownload gibt. Danke, liebe Anja, und euch viel Vergnügen beim Ausmalen, Verzieren, Verschicken und Freude bereiten!

Buchstabe für Buchstabe. Wort für Wort. Kalligrafie geht irgendwie immer. Zu Ostern. Zum
Geburtstag. Zu Weihnachten und zu Neujahr. Nur nicht zu Kaffee mit Koffein, das gibt immer
zittrige Linien. Wenn so eine Kalligrafie fertig ist sieht man ihr den Entstehungsprozess oft nicht an. Und schon gar nicht die Stunden, Tage, Jahre an denen man Übungsblätter gefüllt hat, Federn eingeschrieben, Tinte verkleckst und bunte Finger hatte. Und alles nur, damit es so schön einfach dahingeschrieben aussehen kann. Heute gibt es sogar Schreibgeräte die das Hantieren mit Feder und Tinte überflüssig machen und so kann eine Kalligrafie schon mal spontan am Küchentisch entstehen. Oder eben nicht so spontan. Bis ein Text in genau die Form passt, die man sich vorstellt bedarf es schon zwei, drei Probeblätter. Und weil bei mir traditionell Anfang Januar Post verschickt wird, habe ich das Gedicht »Zu Neujahr« von Wilhelm Busch kalligrafiert. Der hat übrigens vielmehr als nur die Bildergeschichten um Max und Moritz ersonnen.

Zu Neujahr

(von Wilhelm Busch)

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das worum du dich bemühst,
Möge Dir gelingen.

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Von der Idee zum fertigen Kartenmotiv waren es nur ein paar Blätter. Immer schön im Kreis
schreiben. Feststellen, das nichts passt. Neu auszirkeln. Im Kreis schreiben. Hunde wegschicken, damit der Tisch nicht wackelt. Noch einmal auszirkeln. Werkzeug wechseln. Wieder im Kreis schreiben. Irgendwann passt es. Schönes Neujahrsfeuerwerk als Zierde ergänzen. Fast fertig. Nun nur noch das Ganze fein säuberlich und ohne Schreibfehler in Reinschrift ausführen. Und weil meine Kalligrafien am Küchentisch entstehen, leistete hier ein Pinselstift mit fester Spitze seine Schreibdienste.

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Nach dem Digitalisieren kann die Vorlage auf festem Papier (250g ist ideal) ausgedruckt und weiter bearbeitet und verziert werden. Zum Beispiel mit Farbstiften alle geschlossenen Buchstabenformen ausmalen. Oder Sterne aufkleben. Oder mit Glitzer verzaubern. Oder… da gibt es sicher noch viele Ideen. Weil Kalligrafie in unserem Land eher ein Nischendasein führt, aber jeder schöne Schrift bewundert, gibt es die Vorlage für meine Neujahrskarte hier gratis als Download. So können nun hoffentlich ganz viele Empfänger mit schöner Schrift beglückt werden.

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Gratis Vorlage der Kalligrafiekarte »Zu Neujahr« – jeweils zum Ausdrucken auf A4

• Vorlage für eine Karte A5 [Link]
• Vorlage für zwei Karten A6 [Link]

Viel Freude mit den Vorlagen, tolle Ideen zum Verschönern und natürlich viele freudige Empfänger, die schöne Schrift lieben. Ich werde nun meine freien Tagen nutzen, um ein wenig mit meiner Lieblingshündin durch das südliche Brandenburg zu stromern und meine Schreibgeräte für’s neue Jahr zu polieren. Und vielleicht finde ich in ein paar Tagen ja auch schöne Neujahrspost in meinem Briefkasten.

Tür 19 – Mein Kind ist ein Grinch

Vermutlich mache ich mir mit diesem Adventskalender eine größere Freude als euch. Mein Bloglieblinge hier auf Nieselpriem zu lesen, ist wie Geburtstag haben! Und wenn auch so viele fehlen, so kann ich doch jeden Tag ein Türchen öffnen und dahinter sitzt ein witziger, eloquenter, kluger, weiser, nachdenklicher, netter, attraktiver bloggender Mensch. So wie Liz hier von Kiddo the Kid. Wenn das Internet jemals zugriffsbeschränkt würde und ab morgen dürfte ich nur noch fünf Blogs lesen, Kiddo wäre dabei! Und, damit ihr´s schon mal wisst: Wenn ich in dreißig Jahren in die Senioren-WG ziehe, halte ich einen Schaukelstuhl für Liz frei. Wir werden morgens nach dem Sekt für den Kreislauf erst mal einen Kirschlikör kippen und dann den Bauarbeitern vom Fenster aus zupfeifen. In Würde altern also.

Bis dahin ist noch viel Zeit und dem Kiddo muss erst noch Weihnachten beigebracht werden. Viel Vergnügen beim Lesen!

Hach, Advent! Die Welt ist Baumkuchen. Menschen haben größere Herzen als sonst. Es glitzert immer, überall. Mein Instagram-Feed ist voller kleiner Backkhelfer und Plätzchenverzierer und Chai-Tee-Mütter, die #blessed sind und überwältigt von dieser magischen Stimmung, die sich nur mit Kindern so vollständig über die Synapsen legt. Was habe ich mich im letzten Jahr gefreut auf diese Zeit! Wir würden gemeinsam dekorieren und backen, und all die herzigen Eltern-Kind-Sachen tun, und dabei Weihnachtssongs hören! Kiddo würde Strumpfhosen mit Tannenbaummotiven tragen und dabei irre niedlich aussehen. Zugegeben – dieser Wunsch wurde erfüllt, alle anderen aber nicht. Denn: Mein Kind ist ein Grinch.

Das fängt schon an bei der Musikauswahl. Da ist das Kiddo eigen. Es hüpft am liebsten zu Punkrock, Hip Hop aus den Neunzigern oder bayrischem Folk. Einschlägiger Weihnachtspop hingegen ruiniert ihm die Stimmung. Kapieren wir das nicht schnell genug, geht es zur Stereoanlage und schaltet sie einfach aus.

Traurig ist auch, dass das Kind die leidenschaftliche Zuneigung seiner Mutter zu Lebkuchen und Dingen mit Zimt nicht zu teilen vermag. Im Gegenteil, weihnachtliche Gewürze scheinen auf das Kiddo’sche Nervensystem eine aggressionsfördernde Wirkung zu haben: Das Kind ruht nicht eher, bis das ekelerregende Lebensmittel bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt im Mülleimer ruht. Was es jedoch nicht davon abhält, jedes Mal lautstark einen Lebkuchen zu fordern, sobald ich einen essen möchte. Obwohl…eigentlich ist das völlig logisch.

Neulich kaufte ich dem Kind in einem Anfall debiler Realitätsverzerrung ein rotes Hüpf-Rentier aus Gummi. Wie schlau von mir, dachte ich frohlockend: Kiddo hüpft ausgesprochen gern, es wird dem Plastikrudi bestimmt nicht widerstehen können. Während ich noch die Luftpumpe wegräumte, vernahm ich aus dem Wohnzimmer laute Rumpel- und Grunztöne. Und fand kurz darauf einen zu Boden gerungenen Rudi vor, das knurrende Kleinkind fest verbissen in sein Gummigeweih, die kleinen Fäuste gnadenlos gegen die Rentiernase schwingend.

Seitdem überlege ich, ob ich des Kiddos Weihnachtsgeschenke wirklich in festliches Papier verpacken soll. Wer weiß, was der Anblick von Schneemännern und Weihnachtsschlitten in ihm auslöst. Vielleicht nehme ich lieber etwas Neutrales. Sagen wir, Packpapier. Oder eine alte Ausgabe der taz.

Der Nikolaus war bei uns in diesem Jahr übrigens nicht zu Gast. War wahrscheinlich besser für ihn.

Tür 18 – Das kommt mir spanisch vor!

Simone schreibt nicht nur Kiko Kinderkonzepte, sondern auch noch den gleichnamigen Blog. Wenn ich Simones Texte lese, werde ich zum Louis de Funès. Eh schon mit hektischer Grundveranlagung gesegnet, triggert mich ihre Sonderzeichen- Satzzeichen- Großschreibungswillkür nebst verbuchstabelter Emoticons *seufz*augenroll* derart an, dass ich SOFORT alles LESEN MUSS!!!!!!! …….ARRRGGHHH. UUUUAAAAHHHH!!!! *angestrengt guck*. Ich habe im Scherz mal geschrieben, ich hätte Angst, sie kommt sonst und nimmt mich in den Schwitzkasten. Simone hat am lautesten darüber gelacht! Denn man kann nicht nur mit Simone lachen, auch mit Simone über Simone. Ein ganz wunderbarer Charakterzug. Und davon hat sie noch jede Menge mehr: Wenn man sich mit Simone im blau-gelben Frühstücksrestaurant verabredet, zückt die ganz sicher eine vollgeschriebene Klopapierrolle mit Einkaufswünschen. Also von anderen Leuten. Den Nachbarn, den Miteltern aus der Grundschule des Kindes, den Nachbarn der Miteltern aus… Weil, sie ist ja schon mal da. Und dann kommt der Satz: „Ich muss noch die Schrankwand „Appendix“ für die Dings einkaufen heute! Die hat es doch mit dem Rücken, die kann nicht schwer heben.“. Selbstverständlich ist Simone auch Elternsprecher in (ich würde mich nicht wundern) so ziemlich allen Einrichtungen, wo so etwas gewählt wird. Und das ist auch gut so! Die Frau hat eine Power, das würde ich nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Wenn irgendwann die Welt untergeht, will ich unbedingt im „Team Simone“ sein. Während andere Leute noch an Lösungsstrategien arbeiten oder an Konzepten für Lösungsstrategien (ich zum Beispiel), hat Simone schon mal ne Arche gebaut, alle Tierchen eingesammelt und das Boot vollgetankt. Es gibt also hier und heute nur eine mögliche Ankündigung für Simone:

Ladies and Gentlemen, bitte begrüßen sie mit einem gehörigen Applaus Simone  Chuck Norris-McGyver von Kiko Kinderkonzepte mit einer Bastelanleitung für spanische WEIHNACHTSKRÄNZE!!!!! …. WAAAAAAAHHHH!!! *klatscht in die Hände*.

Die Spanier tun mir echt Leid. Die kennen überhaupt keinen Advent! Kannst du Dir das vorstellen? Weihnachtszeit ohne Advent? Also mir würde da echt was fehlen!
Wir sind Mitte Oktober 2005 nach Spanien gezogen. Den November verbrachte ich mit Kartons ausräumen, Schränke einräumen, Kisten umräumen, alles nochmal rumräumen, wenn das Kind half auch aufräumen und den überhaupt vielen neuen Räumen.

Und schwupp war ganz plötzlich fast Dezember und somit 1. Advent.

Wir sind mit Sack & Pack ins Ausland gegangen und hatten so zum Glück die komplette vorhandene Weihnachtsdekoration dabei. Aber, so eine Lichterkette in der Palme lässt nicht wirklich weihnachtliche Stimmung aufkommen. Dafür brauchten wir dann doch einen Adventskranz. Das hieß: ein passendes Geschäft zu suchen. Nach den paar Wochen wusste ich zwar wo ich in unserem Vorort Lebensmittel, Kinderarzt und Apotheke fand, aber ein Gartencenter oder Ähnliches hatte ich noch nicht entdeckt.

Bewaffnet mit Wörterbuch, Stadtplan, Navi und Kind (das heutige Pubertier war seinerzeit gerade mal 2 Jahre alt) machte ich mich auf die Suche. In Deutschland gibt’s ja spätestens Ende September ÜBERALL Weihnachtsmänner & Co. Nicht so in Spanien. Ich habe nach langer Suche dann einen Gartencenter gefunden, war aber am Eingang schon irritiert, denn nach dem Eintreten erschlug mich eben NICHT die geballte Ladung Weihnachtssachen. Die fand ich erst nach einigem Suchen in einem der vielen Regale. In dem relativ kleinen Regal musste ich aber auch nicht lange suchen um festzustellen, dass es keinen Adventskranz gab. Mit den wenigen bereits gelernten spanischen Vokabeln erkundigte ich mich nach dem Kranz, den man vor Weihnachten mit vier Kerzen auf den Tisch stellt. Ich erntete jedoch nur völlig verständnislose Blicke, was ich natürlich auf meine Sprachkenntnisse schob.
Der Göttergatte hatte die ersten Monate, bis ich mit Kind & Kegel nachgezogen kam, in La Coruña eine kleine Stadtwohnung. Dort haben wir den Papa besucht und für die Häusersuche erstmal alle gewohnt. Und da hatte ich viele Dekogeschäfte gesehen, die ich nun heimsuchte. Aber auch da wurde ich nicht wirklich fündig, denn das Einzige was ich fand waren Plastik-Kränze. Nackte grüne Plastik-Kränze. Angesprochen auf die vier Kerzen erntete ich die gleichen Blicke. *hmpf*

Ok, der Spanier an sich kennt also anscheinend keinen Adventskranz. Da musste sich der Bastel-Legastheniker aus Deutschland, also ich, wohl was Eigenes einfallen lassen. Ich kaufte widerwillig einen solchen grünen Plastik-Kranz und fragte Zuhause den hauseigenen Ingenieur ob er eine Idee hätte, wie ich ohne in Deutschland erhältlichen Adventskranz-Kerzen-Halter einen Kranz basteln könnte. Antwort: „Die werden doch hier irgendwo Adventskränze haben!“ … Aus der Richtung war also keine Hilfe zu erwarten.

Bevor ich aber ein Care-Paket aus der Heimat anforderte, wollte ich noch was anderes probieren. Ich fuhr in den Baumarkt … also … in DAS Geschäft, was DIE Sachen hat, die ein Baumarkt in Deutschland hätte. Das sieht aber in Spanien nicht so aus. In Deutschland würde so mancher Heimwerker sich nach einem solchen Laden die Finger lecken. Denn hier gab es Alles, restlos ALLES, was im Haushalt, Garten und Werkzeugkammer fehlen könnte. Auf viel weniger Raum, in viel engeren Gängen mit viel weniger Licht.
Ich hatte mir die Mühe gemacht die passenden Vokabeln zu Hause aufzuschreiben um in meinem bisschen Spanisch vor Ort erklären zu können was ich brauche. Zu meinem großen Glück stieß ich auf eine weibliche Verkäuferin, die sehr interessiert versuchte zu verstehen was ich vorhabe. Sie nickte immer wieder verständnisvoll, lächelte nicht ganz so grenzdebil wie die Damen im Dekoladen und bat mich ihr zu folgen.

Wir verschwanden in den Tiefen der Regal-Räume und ich war froh eine Frau getroffen zu haben, mit männlicher Begleitung wäre mir zwischen den dunklen engen Regalen etwas mulmig geworden. Dort wo wir hingingen, waren die Männer allerdings schon da. Es war eindeutig die Männerabteilung! Es handelte sich sozusagen um das „Süßwarenregal“ des Handwerkers. Du kennst die Quengelware-Regale an der Kasse, von denen sich Kinder nicht trennen können, oder? DAS war ein TRAUM-Kleinkram-Regal für MÄNNER! Ich bin Schreinertochter. Ich bin zwischen Holzschrauben, Dübeln, Nägeln, Scharnieren und solchem Gedöns aufgewachsen, aber diese beachtliche Sammlung an Schrauben hatte ich nicht erwartet. Und das Ganze nicht ordentlich fein säuberlich beschriftet in gleichen Kunsstoffspendern. NEIN, echt spanisch in gefühlt tausenden angebrochenen abgegriffenen unterschiedlich großen Schraubenkartons. Aber, als die Dame zielgerichtet in eine der vermutlich 6.825 Schächtelchen Griff und mir vier Gebilde hinhielt, da wusste ich: DIE VERSTEHT MICH! *erleichtertseufz* Ich verstand kein Wort von dem was sie sagte, aber ich nahm die Teile, denn die waren für meinen Adventskranz die perfekte Lösung.

Ich fuhr freudestrahlend glücklich heim und machte mich ans basteln. Der Göttergatte faselte was von „nur“ Rigips-Decken-Haltern und viel zu großen Unterlegscheiben, aber ich war glücklich. Ich bastelte mir nen Wolf, klebte noch ein paar Kugeln, Zapfen und Nüsse drauf und war stolz wie Oscar! Hier ein paar Eindrücke.

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Die Geschichte, wie wir dann für Heilig Abend an einen echten Weihnachtsbaum gekommen sind, kann ich Rike ja dann im nächsten Jahr erzählen. *schmunzel*
Im ersten Jahr zurück in Deutschland war ich so motiviert dass ich den ersten Adventskranz dann sogar selber gebunden habe. Wie der sich aber bis zum dritten Advent bereits in den Selbstzerstörungs-Modus gebracht hatte, das erzähle ich dann mal auf meinem Blog.

Aus Schaden wird man klug, daher haben wir heute einen Adventskranz, den ich nur noch mit Tannengrün & Kugeln bestücken muss.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch eine toll dekorierte Adventszeit!

Eure Simone von KiKo KinderKonzepte

 

 

Tür 17 – Atheistenradikalinski

Über diesen Beitrag freue ich mich persönlich ein bisschen wie ein Kind an Weihnachten! Ein Dresdner Blogger. Ein männlicher Dresdner Blogger. Ein Geheimtipp (behaupte ich). Einer, der auf der Kooperationsseite seines Blogs stehen hat: „Nein! Geht weg!“. Jemand, dem der schnöde Mammon, Ruhm und Lorbeerkränze gänzlich abgehen und der dabei auch noch so unverwechselbar schreibt, dass ich mich regelmäßig freudig jubelnd errege ob seiner verbalen Sperenzien. Einer, dem ihr alle spätestens ab jetzt regelmäßig die Bude einrennen solltet. Ich freue mich schon sehr darauf, wie er damit umgehen wird 😉 . Liebe Leute, Vorhang auf und Scheinwerfer an für Olaf von Papaquatsch(t)!

Rike hat gesagt, ich muss drei Dinge abarbeiten: Kritische Abhandlungen, sozialistische Gedanken und versaute Rezepte. Bevor es aber los geht, sei eins noch gesagt:

Seid bereit!

Wer jetzt die Hand an der Rübe hat, der kommt aus einer grauen Welt. Zumindest sagt das mein Fotoalbum, denn das wird tatsächlich erst mit dem Jahr 1990 bunt. Verrückt. Komisch ist auch, dass ich zum Adventsbloggen beitragen soll. Dabei bin ich doch Atheist, ein sehr überzeugter noch dazu. Genauer gesagt mag ich Religionen, allen voran die christliche, überhaupt nicht. Wussten Sie zum Beispiel, dass in der katholischen Kirche noch sehr lange darüber diskutiert wurde, ob die Frau überhaupt ein Mensch sei? Nee, brauch’ ich nicht und will ich nicht. Am schlimmsten sind dann ja noch diese bigotten Feiertagsfrömmler. Erzählen Sie mir nix, ich hab’ die in der Familie.

Jetzt ist das mit Weihnachten allerdings doch irgendwie blöd. Ich mag es nämlich. Das hat aber keiner gehört, verstanden?!

Überall ist es geschmückt, es gibt Stollen, Plätzchen werden gebacken und alles läuft irgendwie ein bisschen ruhiger ab, auch wenn überfüllte Innenstädte ein anderes Bild der Lage vermitteln. Ich mag Weihnachten übrigens schon immer. Hier, gucken Sie mal:

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Was darf an Weihnachten auch nicht fehlen? Richtig, Klimbim. Ich bin damit reichlich versorgt, denn in den letzten 20 Jahren hat mich meine Oma jedes Jahr beschenkt. Ich besitze verschiedenste Räuchermännchen, Winterkinder und Nussknacker. Ich habe diese Geschenke übrigens nie zu würdigen gewusst. Wer will denn in seinen besten Jahren bitteschön Weihnachtsdeko geschenkt bekommen? Heute bin ich ziemlich glücklich, dass ich die große Kiste einmal im Jahr aus dem Keller holen kann, denn sie erinnert mich auch an die Zeit mit ihr. Seit meine Tochter auf der Welt ist, hat sich all das noch einmal verstärkt. Und fast bin ich geneigt, die Existenz meiner Familie als kleines Wunder zu betrachten.Was darf an Weihnachten auch nicht fehlen? Richtig, die Aurora und der Frank. Wer aus Westdeutschland kommt, der sucht jetzt einfach mal nach „Weihnachten in Familie“. Aber erschrecken Sie nicht! Auf dem Cover sind furchtbar gekleidete Personen zu sehen, die auch ganz furchtbar singen. Aber es ist so schön. Ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass das die einzige existierende Weihnachtsschallplatte der DDR ist. Oder kennt hier noch wer was anderes?

Seit gefühlt immer fehlt in unserer Familie noch etwas nicht: Aschenbrödel. Die DDR/CZ-Verfilmung. Neuverfilmungen werden gnadenlos missachtet. Wie könnte man es auch nicht lieben? Vorgestapfte Pfade quer durch den Winterwald, aus den letzten Stoffbahnen herausgefetzte Schleier und ein wunderbar albern aussehender Rolf Hoppe.

Hach ja, Weihnachten. Da kann man sogar mal die Kirche Kirche sein lassen.

Nachtrag: Das versaute Rezept habe ich nicht abgedruckt! Möglicherweise lesen Kinder mit. Man hat ja schließlich auch Verantwortung. Keine Sauereien an Weihnachten. Steht schon im Weihnachtshandbuch für Blogger.

Tür 16 – Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs

Herzlich Willkommen Nina alias Frau Mutter hier im Adventskalender. Mit „Frau Mutter“ verbindet mich etwas Besonderes. Wäre ich nicht lange Zeit hauptberuflich Leser und Blogkommentator gewesen und hätte Nina nicht irgendwann geschrieben, sie freue sich immer so über meine witzigen Kommentare, wer weiß, ob es das Nieselpriemschn gebe. Mittlerweile hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht und ich wollte hier wirklich mit einer Rezension starten, aber. Gibts schon. Besser als Christian vom Familienbetrieb kann und könnte ich niemals schreiben! Also lest diese Buchbesprechung und kauft das Buch! Auch allen kinderlosen Freunden und Verwandten, denn es steht endlich mal geschrieben, warum man unter gar keinen Umständen am Wochenende in der Mittagschlafzeit bei Elternleuten anrufen oder klingelnd vor der Tür stehen sollte. Niemals! Möglicherweise hängt das Fortbestehen der Menschheit am elterlichen Mittagschlaf. Also, ohne vorgreifen zu wollen…

Heute schreibt Nina für uns über „BUNTE“ Weihnachten, ein GALAnter Artikel über eine Begenung der ganz besonderen Art. Viel Spaß damit!

Nicht alle Weihnachten bleiben einem ja so gut im Gedächtnis. Das erste Mal als Paar, das erste Mal mit Baby, das erste Mal mit motzigem Teenager…. Klar, dass man sich daran gut erinnert. Eines meiner schönsten Weihnachten habe ich in Schweden verlebt. Weil es da so schön und stimmungsvoll ist? Wegen des leckeren Glöggs? Aber nein, es hat mit meiner geheimen Leidenschaft für bunte Blätter zu tun.

Als wir in Schweden lebten, war für uns die Stockholmer Deutsche Kirche ein Kontaktort für alle Expats. Die „Tyska Kyrka“ im Stadtteil Gamla Stan ist ein wirkliches Schmuckstück, auf das die Gemeinde dort zu Recht stolz ist.

Dort in der deutschen Kirchengemeinde gab es von einer Nähgruppe bis zum Elterncafé alles, was man sich als in Stockholm gestrandete Deutsche wünschen konnte. Damit es nicht nur beim Kaffeetrinken blieb, beschlossen meine Mutter und ich am Heiligabend, einmal den Gottesdienst zu besuchen. Also begaben wir uns auf einen schönen Spaziergang quer durchs winterliche Stockholm. während mein Mann mit dem Baby zu Hause blieb, die „julklappar“ unter dem Baum arrangierte und das Essen kochte.

Wir betraten die schön geschmückte Kirche viel zu früh, aber so konnten wir uns einen guten Platz ergattern. Was sich noch als ungemein wichtig herausstellen würde.

Nu saßen wir in der Kirche und warteten auf den Beginn des Gottesdienstes. Die Kirche war nun komplett bis auf zwei Plätze gefüllt und wir warteten immer noch. Was war das denn? Sind die Deutschen in Schweden unpünktlich? Plötzlich öffnete sich das Portal und alle erhoben sich. Meine Mutter und ich standen auch mal auf, zur Sicherheit.

Eine dunkelbraune Wolke von Nerz näherte sich mir, oben schaute ein sehr gut frisierter dunkelhaariger Haarschopf heraus.

Das ist doch nicht, das kann doch nicht… Königin Silvia war gekommen und bewegte sich mit ihrer Tochter, Kronprinzessin Viktoria, geradewegs auf uns zu. Ich bekam den Mund nicht mehr zu, meine Mutter auch nicht. Bisher kannte ich die Beiden nur aus „Bunte“ und „Gala“, wenn ich die mal beim Friseur las. Naja, okay, manchmal kaufe ich mir das auch…

Sie nickten in alle Richtungen begrüßten die Gemeinde. Huldvoll, aber ganz natürlich. Beide Royals nahmen ein paar Reihen vor uns Platz und nahmen dann am Gottesdienst teil. Einfach so. UNGLAUBLICH! Ich konnte mich derweil nicht mehr auf die Lieder und die Predigt konzentrieren, weil ich in Gedanken den Bewegungsablauf des Hofknickses durchging.

Wieder zu Hause angekommen, berichteten wir dem Mann begeistert von unserem Erlebnis. „Ach, die Kronprinzessin habe ich gestern im Supermarkt gesehen. Ich glaube sie hat einen Liter Milch gekauft“, winkte er nur gelangweilt ab.

Meine BUNTE Weihnachten waren aber trotzdem etwas Besonderes.

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Ihr könnt ein Exemplar von Ninas Buch „Eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs“ gewinnen. Schreibt dazu bis 20.12. 2015 eine Mail mit Betreff „Frau Mutter“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hinweis: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

 

 

Tür 15 – Geschenke aus Pieschen Teil III

Tür 15 – Geschenke aus Pieschen Teil III

(Dieser Beitrag enthält Werbung)

Elena Martín hat ihre Keramikwerkstatt auf der Gehestraße 33 in Dresden Pieschen. Wir treffen uns zu Orangentee und Plätzchen vorm genütlichen Öfchen. Und eigentlich wollten wir nur über Keramik sprechen…IMG_0129

Rike: Zu Beginn: Drei Worte über Pieschen?

Elena: Jung, alternativ, Potential.

Rike: Was niemand weiß, der dich nicht kennt: Du hast einen ganz zauberhaften Dialekt! Wie hat es dich nach Dresden verschlagen?

Elena: (lacht) Ja, ich bin Spanierin. Ich habe Germanistik studiert in Spanien und bin dann mit einem Stipendium nach Leipzig gekommen. Das war vor zwölf Jahren. Dort habe ich Spanischkurse gegeben, aber irgendwann war Zeit für eine Veränderung. In Dresden habe ich dann eine Ausbildung zur Keramikerin gemacht und so bin ich jetzt seit sieben Jahren hier.IMG_0157

Rike: Was würdest du sagen, ist Dresden deine Heimat?

Elena: Leipzig war meine deutsche Heimat. Ob Dresden auch meine Heimat wird, mal schauen.IMG_0156

Rike: Aktuell ist Dresden oft wegen unschöner Aktivitäten in der Presse. Wie empfindest du das? Sind die Dresdner ausländerfeindlicher als andere Menschen?

Elena: Das kann ich nicht sagen. Ich denke, die Situation könnte überall sein, irgendwo. Auch in Spanien oder Frankreich. Aber sie ist jetzt in Dresden. Man sieht so viele Leute auf einem Haufen, die ganz offensichtlich gegen Ausländer sind, das ist erschreckend. Aber ob es hier mehr sind als anderswo, das weiß ich nicht. In meiner Umgebung engagieren sich alle Leute für die Flüchtlinge, niemand hetzt. Ich kenne keinen Dresdner persönlich, der sagt, die müssen weg! Die sollen nicht kommen! Im Gegenteil. Aber trotzdem sieht man die vielen Leute da montags, das finde ich furchtbar. Freunde von mir sind schon weggezogen deshalb, aber ich frage mich immer: Wohin? Das Problem ist kein Dresdner Problem, auch kein deutsches. Das weiß ich.IMG_0155

Rike: Was ist mit Alltagsrassismus?

Elena: Ja, das habe ich schon erlebt, dass ich mit meinen Söhnen auf der Straße Spanisch gesprochen habe und eine Frau vorbeiging und mich anschnauzte: Sprich gefälligst deutsch! Ich denke dann, na hör mal! Was soll das?! Eigentlich fühle ich mich überhaupt nicht als Ausländerin und ärgere mich in solchen Momenten nur über diese Personen. Ausländerin bin ich bei den Behörden und das regt mich auf. Seit dreizehn Jahren haben wir die EU. Ich lebe seit zwölf Jahren in Deutschland, auf meinem spanischen Ausweis steht meine deutsche Adresse. Aber wenn ich ein Konto eröffnen will, kann ich mich nicht mit dem spanischen Ausweis identifizieren. Da brauche ich meinen Reisepass oder ein Extra-Papier. Und weißt du, ich hätte vor kurzem beinahe meinen Führerschein verloren! Das musst du dir mal vorstellen, wegen den Vorschriften. Und weil es noch immer keine einheitlichen Richtlinien gibt. Ich habe einen spanischen Führerschein und in Spanien ist das so, dass der nach zehn Jahren abläuft und man als Spanier dann zum Sehtest muss und einen Test absolviert. Je älter man ist, umso kürzer werden die Abstände…IMG_0138

Rike: …Das finde ich super! Das sollte man als EU-Richtlinie einführen!

Elena: Ja! Jedenfalls denke ich mir so, hm, die zehn Jahre müssten doch bald rum sein, frag ich mal in der Botschaft nach. Ich rufe in der spanischen Botschaft in Berlin an und die sagen, ja, sie müssen einen deutschen Führerschein beantragen. Ansonsten läuft ihr spanischer Führerschein aus und sie haben weder in Spanien noch in Deutschland eine Fahrerlaubnis! Ich denke mir, die wissen, dass ich seit zwölf Jahren hier lebe, wo ich lebe, das wissen die. Aber wenn ich nicht zufällig daran gedacht hätte, müsste ich jetzt hier und auch in Spanien noch einmal neu den Führerschein machen. So ein Quatsch! Und es gibt so viele Dinge, die mich ärgern. Da haben wir eine EU und trotzdem ist es nicht einfacher geworden. In solchen Situationen bin ich Ausländerin.IMG_0141

Rike: Ich freue mich jedenfalls sehr, dass du hier bist!

Elena: Ich freue mich auch.IMG_0147

Rike: Du hast drei Söhne, bist selbständig und dein Mann arbeitet im Schichtdienst. Wie klappt das bei euch?

Elena: Ich muss meine Öffnungszeiten und die Termine meiner Töpferkurse um Albrechts Jahresschichtplan drumherum bauen, anders geht es nicht. Und ich würde gerne länger im Laden stehen, aber das geht eben nicht, weil ich oft die Termine der Kinder am Nachmittag alleine schaffen muss. Auch wenn er im Haushalt das eine oder andere nicht macht, kümmert sich Albrecht um die beiden Großen wie um den Kleinen, sein eigenes Kind. Ohne ihn wäre die Eröffnung meiner Werkstatt unvorstellbar gewesen. Er hat vieles hier gebaut, zum Beispiel den Holzbrennofen, und wenn ich drei Tage beim Brennen bin oder auf dem Töpfermarkt oder beim Kurs, dann ist er alleine mit den Jungs. Oft geben wir uns die Klinke in die Hand. So unterstützen wir uns. Aber es ist schon anstrengend! (lacht)IMG_0137

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Rike: Bevor ich dich persönlich kannte habe ich mir auch schon die Nase an deinem Schaufenster plattgedrückt. Es steht aber da, man kann dich außerhalb der Öffnungszeiten anrufen und einen Termin vereinbaren.

Elena: Ja, natürlich! Wenn ich kann, komme ich und öffne den Laden auch außerhalb der Öffnungszeiten.IMG_0153

Rike: Deine Kurse sind sehr gut besucht, vielleicht auch, weil das Ambiente hier einfach zauberhaft ist.

Elena: Es sind immer nur zwei Teilnehmer zur selben Zeit hier. Zum einen ist es ja klein, wie du siehst und zum anderen habe ich so genug Zeit, mich um die Teilnehmer zu kümmern.

Rike: Man kann bei dir alles vom Teller, über Tassen, Becher, Krüge, Butterdosen bis hin zu Möbelknäufen und Löffeln kaufen. Und jetzt sogar Räucherkerzenhalter.

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Elena: Im Advent ist das Sortiment hier ein wenig auf die Weihnachtszeit ausgerichtet, es gibt auch noch mehr typische Weihnachtskeramik. Deshalb ist auch in der Adventszeit der Laden samstags geöffnet.

Rike: Wie sieht Weihnachten bei euch in der Familie aus?

Elena: Wir sind eine Patchworkfamilie. Die beiden großen Jungs sind an diesem Weihnachten in Berlin bei ihrem Vater, wir anderen drei fahren zu einer Freundin am Heiligabend und kochen dort.

Rike: Vermisst du das spanische Weihnachten?

Elena: Nein, ich vermisse das nicht. Weihnachten ist erst seit den Kindern für mich wirklich Weihnachten. Und das kenne ich ja nur als deutsches Weihnachtsfest (lacht).

Rike: Wie ist Weihnachten in Spanien?

Elena: Am Heiligabend wird richtig gekocht. Salat mit Würstchen ist kein Weihnachtsessen! Es gibt zum Beispiel Fischsuppe, dann Meeresfrüchte, dann Fleisch und dann einen Nachtisch. Am fünfundzwanzigsten Dezember kommt morgens der Weihnachtsmann und bringt Geschenke, aber das ist neu. Also der kommt erst seit den Neunzigerjahren. Vorher bekamen die spanischen Kinder ihre Geschenke erst am sechsten Januar von den Heiligen drei Königen. Jetzt bekommen sie aber immer noch am sechsten Januar Geschenke von den Heiligen drei Königen. Und extra am fünfundzwanzigsten Dezember vom Weihnachtsmann!IMG_0139

Rike: Die Glückspilze! Das muss auch EU-Richtlinie werden!

Elena: Und in Spanien ist nicht der Baum das Weihnachtssymbol, sondern die Krippe. Und da gibt es ganz unglaubliche Basteleien. Da bauen manche Leute riesengroße Krippen selber mit Tieren und einem Fluss aus Alufolie und was weiß ich, das kann man dann auch besichtigen. Weihnachtsbäume gibt es nicht. Nur ganz schreckliche aus Plastik…

Rike: Und was ist noch typisch für spanische Weihnachten?

Elena: Turrón zum Beispiel. Das ist eine Süßigkeit, Mandeln in so einem Block, ähnlich dem griechischen Nougat. Und Polvorones! Das ist ein sandiges Gebäck und wenn du dir einen von diesen großen Keksen in den Mund steckst und mit vollem Mund „Pamplona!“ rufst, dann ist was los! (lacht lauthals)

Rike: Schöne Weihnachten, liebe Elena!

Elena: Dir auch!

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Wer Elena, ihren bezaubernden Laden und die wunderschöne Keramik selbst kennenlernen will, der kann sich auf ihrer Website über freie Kurstermine informieren : Keramik Elena Martín

Oder persönlich vorbeikommen: IMG_0160

Und die liebe Elena hat mir einen Teebecher gegeben (mit für sie typischem Buchstabendruck), den ich hier an jemanden verschenken darf.IMG_0165

Also schreibt mir bitte eine eMail mit Betreff „Keramik“ an nieselpriem.blog@gmail.com und am 20.12. 2015 findet der Becher einen neuen Besitzer. Wie immer gilt: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Tür 14 – Weihnachtsnüsse orientalisch

Bea ist meine real life-Kollegin und Freundin. Sie schreibt auf Lifify über Lifestyle, Fitness und Dinge, die das Leben schöner, leckerer oder gesünder machen. Besonders ihre Rezepte entlocken mir immer wieder ein „Wow!“, weil sie von einer schlichten und eleganten Leichtigkeit geprägt sind und dabei auch von Kochlegastheniker und Menschen mit wenig Zeit und nur zwei Töpfen spielend nachgekocht werden können. Also von mir zum Beispiel. Ich freue mich sehr, dass sie hier bei unserem Adventskalender dabei ist und ein Geschenk hat sie euch auch noch mitgebracht. Danke Bea, und uns allen viel Vergnügen!

Der Nieselpriemsche Adventskalender freut sich auf Befüllung – und ich fülle für alle lieben Leser ein paar orientalische Weihnachtsnüsse hinein. Aber nicht nur das, es gibt auch noch was zu gewinnen. Nützlich ist es spätestens im Januar, wenn wir alle wieder erschrocken auf die Waage blicken. Aber zuerst gibt es meine Lieblingsnascherei:

Orientalische Nüsse

Die gibt es bei uns nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern eigentlich das ganze Jahr über. Aber Weihnachten mache ich sie besonders oft, da sie sich prima als kleines Mitbringsel eignen, ob zur Einladung zum Advent, der kranken Mutter ins Krankenhaus oder zum Arbeitsfrühstück – die Nüsse gehen eigentlich immer. Außerdem sind sie ein echter Allrounder und damit für allerlei Verfeinerungen geeignet. Ob als knackiges Topping für Salate oder für den Crunch-Effekt auf dem Müsli. Sie machen eigentlich immer eine gute Figur. Apropos, gesund sind sie ja auch noch irgendwie wegen ihrer guten Fette. In meiner Variante kommen sie noch halbwegs kalorienarm daher, wenn man es mit dem Zuckerzeug auf den Weihnachtsmärkten vergleicht. Ihr könnt natürlich gerne mehr Zucker nehmen, je nach Belieben. Dem Vergleich mit Stollen, Lebkuchen und Co. halten sie allemal stand. Ihr müsst sie wirklich unbedingt probieren …

Die Nüsse sind mir übrigens mal in Berlin im NENI zu einem wahnsinnig leckeren israelischen Wein begegnet, und seit dem geht es nicht mehr ohne. Haya Molcho – von der das Rezept im Original stammt –macht eine wunderbare isrealische Küche mit europäischen Einflüssen. Die muss man auch auf jeden Fall mal probiert haben! So, jetzt aber zum Rezept:

Man nehme:
200 g Walnusskerne
2 EL Zucker (man kann auch mehr nehmen)
1 TL Kreuzkümmel gemahlen
1 TL Chili-Flocken

Und so wird’s blitzschnell gemacht:

Die Nüsse auf einen tiefen Teller geben und

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die Gewürze darüber streuen.

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Den Zucker gut in der Pfanne verteilen, so dass der Boden gleichmäßig bedeckt ist, und einen Holzlöffel bereit legen.

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Den Herd auf große Flamme stellen und warten bis der Zucker karamellisiert und braun wird.

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Herd ausschalten und Pfanne von der Platte nehmen. Die Nüsse in die Pfanne geben und zügig durchrühren.

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Anschließend auf einen Teller geben und auskühlen lassen. Danach die Walnüsse, die zusammenkleben, vorsichtig auseinander brechen. In eine Schüssel geben oder zum Verschenken in einer durchsichtigen Tüte verpacken. Man kann sie auch mit Vanille und Zimt machen, ist aber nicht halb so interessant, finde ich.

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Für die Fotos haben wir übrigens stundenlang geshootet und Unmengen Nüsse verdrückt. Wir, das waren meine neunjährige Tochter und ich. Und ich weiß jetzt schon, wo sie mal ein Praktikum machen wird. Sie hat das irgendwie super drauf und war eine ganz engagierte Assistentin, wir hatten ganz viel Spaß. Danke, Henrike, dass Du mich eingeladen hast.

So, und jetzt kommt die Überraschung: Ich verlose zusammen mit Rike unter allen Mädels hier ein Let’s Bands „Power Set Lady“, damit könnt ihr dann im Januar gleich loslegen mit dem „Wiederloswerden der Pfunde“. Dem Set liegt ein Code bei, damit bekommt man Zugang zu den Übungsvideos. Also Ausreden gibt es dann eigentlich keine mehr, 10 Minuten hat doch jeder, oder?

Eine schöne Vorweihnachtszeit wünscht euch allen, Bea von Lifify

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Um das Fitnesset zu gewinnen, schreibt bitte bis 18.12. 2015 eine Mail mit Betreff „Lifify“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hinweis: Um an einem Gewinnspiel teilzunehmen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Tür 13 – Ein besonderes Weihnachtsessen

Die wunderbare Sonja vom Blog Mama Notes nimmt uns heute mit auf eine Erinnerungsreise. Vielleicht werdet ihr nach dem Lesen den Rest des Tages mit einem melancholischen Lächeln dasitzen, bunt geschmückte Räume vor euch sehen und einen markanten Bratenduft in der Nase haben…

Für jeden von uns ist Weihnachten etwas anderes, möglicherweise. Mich zum Beispiel beschleicht in jedem Jahr „der Geist der vergangenen Weihnacht“, und ich denke an so viele Weihnachtsfeste meiner Kindheit, an die Menschen, die damit verbunden sind. Und ich habe dann ein lebhaftes Bild vor Augen, bittersüß, von Abschieden durchzeichnet. Sonja trifft mit ihren Worten exakt meinen Weihnachtsnerv und ich freue mich über die Maßen über ihre Geschichte und bin gleichzeitig geehrt und gerührt, dass sie sie hier mit uns teilt.

Die Rike hat mich eingeladen hier mitzumachen und ich freue mich wirklich sehr darüber. Sehr sehr. Vermutlich habe ich mir bereits alles bei ihr verscherzt. Es ist schon Anfang (fast Mitte!) Dezember und ich hab noch nichts geschrieben. Ich bin eine Sau, weil ich ihr das schon viel früher zugesagt hatte. Ich versuchte in ein paar Texten lustig zu sein, was mir herzlich misslang. Ich habe sie gelöscht.

Was also tun? Ich kann backe ungern Plätzchen, habe noch nie gebrannte Mandeln selbst gemacht oder so viel Stollen geschnitten, dass es für eine Geschichte taugt. Ich backe zu Weihnachten Kuchen und koche Gulasch und Klöße. Das Gulasch kann ewig aufm Herd stehen und schmeckt dadurch immer Besser und Klöße mache ich nicht selber. Für Showkochen und Blogfotos schießen hab ich leider grad keine Zeit. Aber ich könnte meine Weihnachtsgulasch-Geschichte erzählen und später das Rezept unten drunter schreiben? Es ist keine lustige Geschichte, obwohl ich leise lächeln muß, wenn ich an die Geschichte denke.

Gulasch und Weihnachten sind für mich untrennbar miteinander verbunden, obwohl es zwischendurch auch etwas anderes bei uns zu Hause gab, wie Pute, Lachs oder Rinderbraten. Nichts kompliziertes, eher so deftige und leicht zuzubereitende Hausmannskost machte meine Mutter Heilig Abend. Kartoffelsalat mit Würstchen war ihr selbst zu langweilig, ewig in der Küche stehen wollte sie auch nicht. Also Braten mit Klößen und Rotkohl. Ich liebe es noch heute, ein Mal im Jahr. Denke ich aber an die Kombination von Weihnachten und Gulasch, muß ich an meine Tante Rita denken. Sie war die ältere Schwester meiner Mutter. War, denn sie lebt schon lange nicht mehr. Ich habe sie sehr geliebt, als Kind, als Teenager, als Zwanzigjährige. Eigentlich liebe ich sie heute noch. Das Lieben hört ja nicht auf, nur weil jemand nicht mehr lebt.

Rita war eine Bilderbuchtante. Sie konnte laut lachen und rauchig singen und hatte trotz oder vermutlich wegen ihres schweren Lebens ein kindliches Gemüt. Sie liebte das sich-freuen und feiern, das Beisammen sein und hatte eine besondere Art von sarkastischem Humor, der nicht schwarz ist, sondern einfach nur beinhart ehrlich und dabei so witzig, dass es mich jedes Mal aus dem Sessel riss vor Lachen. Rita hatte diese besondere Gabe, mit uns Kindern nicht beschönigt süßlich zu sprechen, sondern eher so, wie sie es selber lustig und unterhaltsam fand. Ich glaube, die erste Erinnerung an ihren besonderen Humor war, wie ich als kleineres Mädchen mit ihr und meiner Mutter eine Zeitschrift anschaute. Beim Foto eines älteren Mannes sagte ich laut: Der sieht aber beschissen aus!“ „NA!“ machte meine Mutter mahnend und Empörung über meine Ausdrucksweise blieb ihr erstmal die Luft weg. So sprachen wir zu Hause nicht, auch nicht als Witz! Zumindest nicht in diesem Kinderalter, in dem ich damals war. Rita schaute sich das Foto an, schüttelte den Kopf und sagte ruhig und sehr ernst: „Nee, dann wäre er braun.“
Stille.
Schreiendes Lachen von uns dreien!

Mit Rita war immer ein besonderer Glanz in der Hütte. Und wenn ich heute an sie denke oder jetzt von ihr schreibe, ist da diese besondere Wärme in meinem Herz.

Wir feierten Weihnachten immer mit Rita und ihrem Sohn gemeinsam. Mein Cousin befand sich altersmäßig genau zwischen meinem Bruder und mir. Wir spielten viel und ausgelassen. Zu Weihnachten wurde laut gesungen und gelacht. Rita war einer dieser Erwachsenen, die auch zu Weihnachten eine kindliche Aufregung und Freude befällt und die sich bei jedem Geschenk, besonders bei denen Geschenken der Kinder, anhaltend mitfreuen kann.

In einem Jahr wollte Rita mit ihrem neuen Mann und ihrem Sohn alleine zu Hause feiern. Ich war schon etwas älter, so ungefähr 14 oder 15 Jahre alt. Ich wusste, dass ich das zu akzeptieren hatte, aber ich fand es blöd. Tags zuvor trafen wir uns noch zum Weihnachtskaffee. Wir aßen Kuchen zusammen, lachten und spielten. Mein Bruder und Cousin spielten ein Flötenstück vor, sagten ein Gedicht auf. Gegen frühen Abend machten sich Rita und ihre kleine Familie auf. Vorher noch haben meine Mutter und ich ihr von dem gemeinsam gekochten Hirschgulasch in einen kleineren Topf abgefüllt. Es würde für die Drei locker reichen und auch wir hatten so viel Gulasch, dass wir davon gut und gerne satt werden konnten. Zu Weihnachten haben die Töpfe nicht so schnell leer zu werden. Dafür hat man dann bis Silvester etwas davon. So gehört das.

Dann kam Heiligabend und wir würden wieder zu viert Weihnachten feiern. Das letzte Mal zu viert waren wir, als ich so 4 oder 5 Jahre alt gewesen sein muß. Wir hatten es schön zu Hause, meine Mutter ist eine Meisterin im Schmücken und Dekorieren. Ein Talent, dass ich nur im Anflug mitbekommen habe, wenn überhaupt. Wenn meine Mutter es weihnachtlich macht, dann kracht es, so weihnachtlich ist es. Ich kann also nicht behaupten, dass ich komplett untröstlich gewesen wäre, mit meiner Kernfamilie den Heilig Abend zu verbringen. Wir vier waren gerne zusammen. Wir lasen Weihnachtsgeschichten und aßen Kuchen. Plätzchen buk auch meine Mutter nie gerne.

Irgendwann, als es an diesem Heilig Abend dunkel geworden war, schickten meine Eltern meinen Bruder und mich ins Zimmer, „damit das Christkind“ kommen kann. Den Brauch haben wir tatsächlich noch lange aufrecht erhalten, egal wie alt wir waren und ob mein Bruder und ich noch an das Christkind glaubten oder nicht. Das ins Zimmer geschickt werden und waaaaaaarten müssen gehörte zu den unumstößlichen Weihnachtsbräuchen meiner Kindheit und Jugend. Ich glaube, wirklich aufgehört haben meine Eltern damit erst, als mein Bruder und ich ausgezogen waren und zu Weihnachten zu Besuch nach Hause kamen. Ich erinnere mich gar nicht mehr so genau.

Egal. Jedenfalls, mein Bruder und ich hockten in unseren Zimmern und warteten. Plötzlich klingelte es an der Tür. Ihr ahnt es vermutlich, da standen Rita, ihr Mann und unser Cousin. In ihren Händen hielt sie den Topf Gulasch. Rita strahlte über das ganze Gesicht. „Wir wollten Euch das Gulasch zurück bringen,“ sagte sie sachlich und ging schnurstracks in die Küche. Meiner Mutter und mir blieb erstmal der Mund offen stehen. Die drei kamen herein, zogen sich die Mäntel aus, Rita stellte das Gulasch in die Küche und sie setzten sich. Und dann war Weihnachten. Nie wieder in den darauf folgenden Jahren kamen wir auf die Idee, dass eine der beiden Familien unter sich Weihnachten feiern wollen würde. Auch nicht, als Rita überraschend und viel zu jung in einem November gestorben war. Das ist jetzt 23 Jahre her. So viele Jahre habe ich gar nicht mit ihr Weihnachten feiern dürfen, so lange ist das schon her. Mittlerweile hat es viele Wendungen in der Familie gegeben und wir feiern nicht mehr mit meinem Cousin und seinem Vater. Aber Gulasch und Weihnachten haben seitdem eine besondere Verbindung. Übrigens auch das Hüttenglanz-Gefühl, das ich habe, sobald ich an Rita denke. Und ihr rauchiges Lachen. Wenn ich die Augen schließe, kann ich es noch hören. Das hört ja nicht einfach auf, so ein Lachen, nur weil jemand gestorben ist.

 

Das war die anstatt-Foto-Geschichte. Hier kommt ein Rezept, falls Ihr es mögt. Nein, es ist leider nicht das Originalrezept meiner Mutter, sie hat es nicht (mehr). Meine Mutter kocht so etwas „natürlich“ nicht mehr nach Rezept und hat daher keine Aufzeichnungen darüber. Dieses habe ich mir mit ihr „erarbeitet“, als ich vor mehreren Jahren dann selbst mal Hirschgulasch zu Heiligabend gekocht habe.

 

1 Kilogramm Hirschfleisch

250 gr Schalotten

2 Knoblauchzehen

2-3 Möhren

1 (Bio) Zitrone

2 Zweige Thymian

2 Zweige Rosmarin

Öl

1-2 EL Tomatenmark

1 EL Mehl

Salz

frisch gemahlener Pfeffer

1 Flasche Rotwein (ersatzweise Gemüsebrühe)

400 gr passierte Tomaten

2 Lorbeerblätter

5 Wacholderbeeren

 

Fleisch abspülen und trocken tupfen. Schalotten und Möhren würfeln, Knoblauch fein schneiden. Zitrone abspülen, trocknen und die Schale dünn abziehen.

Das Fleisch rundum golden anbraten, aus dem Topf/Pfanne nehmen und beiseite stellen. Jetzt darin Schalotten, Möhren und Knoblauch andünsten. Tomatenmark hinzu und mit Mehl bestäuben. Das Fleisch wieder dazu geben und mit Salz und Pfeffer würzen.

Rotwein und die passierten Tomaten hinzugeben. Das Fleisch sollte von Flüssigkeit bedeckt sein, ggf. noch etwas Brühe nachgießen. Alles aufkochen und dann auf niedriger Flamme köcheln lassen. Nach dem Aufkochen die Wacholderbeeren, das Lorbeerblatt und die Gewürze hinzu geben. Mindestens 50 Minuten köcheln bis das Fleisch zart ist.

Fleisch herausnehmen, Sauce sämig einkochen lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Tür 12 – Wie erklär´ich´s meinem Kind?

Bettie ist Österreicherin, die mit Mann und Kind in Berlin lebt. Außerdem kulturbegeistert und leseverliebt schreibt sie auf Das frühe Vogerl und die fabelhaften Veränderungen über Kultur mit Kind. Heute macht sie sich hier Gedanken über Christkind und Weihnachtsmann. Viel Vergnügen!
Meine Kindheit war geprägt vom Glauben an das Christkind. Jedes Jahr schrieb ich einen Brief. Mit Dankesworten und ein paar Wünschen. Das Christkind war flexibel und holte meinen Brief, mal bei meinen Großeltern, mal bei mir daheim. Nur einmal brauchte es ewig, als mein Opa und ich im Nachbarzimmer darauf warteten: Es erschien es einfach nicht. Keiner außer uns war im Haus. Vielleicht auch einer der Gründe.
Und ich weiß auch noch ganz genau, wo man das Christkind manchmal sehen konnte. Die Bilder in meinem Kinderbüchern sahen sich alle ein wenig ähnlich. Hell, golden, lockig, ein bisschen wie ein Engel sah es aus: Das Christkind.
Gerne möchte ich meinem Sohn vom Christkind erzählen, und werde das mit Sicherheit auch tun. Da ich in Berlin lebe, muss ich da aber mit noch etwas auseinander setzen. Hier reden sie alle vom Weihnachtsmann. Aber wer soll das eigentlich sein? Der Bruder vom Nikolaus?? Ein entfernter Verwandter? Und was hat es eigentlich mit Knecht Ruprecht auf sich? Ich weiß es nicht und zermatere mir ein bisschen das Hirn. Eine Bekannte mit älteren Kindern erklärt mir, dass sie den Ursprung von Osterhasen ja auch nicht herleiten kann. Das hilft mir nicht.
Aber während ich noch hin und her überlege, wie man den Konflikt am besten löse, gibt die KITA meinem Sohn einen Brief mit. Einen Brief vom Weihnachtsmann. Ach herrje, denke ich abgeklärt, und lese und stelle dann überraschend fest: Ich bin gerührt.
Der Weihnachtsmann schreibt meinem Sohn, dass sein Lieblingslied „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ ist und dass er ihm viel Liebes wünscht. Und irgendwie bin ich ganz rührseelig.. Sogar irgendwie ein bisschen mehr als ein bisschen.
Foto: Bettie privat

Foto: Bettie privat

Vertage diese Weihnachtserklärnummer erst mal auf ein paar Jahre und freue mich für einen Sohn der in ein paar Tagen den Weihnachtsmann in der KITA sehen wird.
Und bin begeistert von dem ganzen Weihnachtszauber, der damit einhergeht, auch wenn man das hier ein bisschen anders nennt.

Tür 11 – Weihnachten im Sommer

Heute weht eine Frische Brise durch den Adventskalender. Carola betreibt den gleichnamigen Blog, und ich freue mich sehr, sie heute hier anmoderieren zu dürfen. Carola ist Berlinerin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Toll dekorierte Tische, Rezepte, immer wieder Meer, Ausflugstipps, Kreatives und Geschichten rund um Carolas Familie erwarten euch auf „Frische Brise“. Carola selbst bleibt für immer in meinem Herzen, weil sie mir nach meiner Sanddorn-Krise ein Care-Paket aus ihrem Kühlungsborn-Urlaub geschickt hat, gefüllt mit Sanddornprodukten und einer ganz herzliche Karte, die ich noch immer im Arbeitszimmer stehen habe. Viel Spaß uns allen mit ihrem sommerlichen Weihnachtsbericht!

Weihnachten mitten im Sommer?! In meiner Kindheit habe ich es erlebt.
In der DDR wurden den Familien ihre Urlaubsplätze zugeteilt. Viele Betriebe unterhielten Ferienheime für ihre Angestellten. Meine Mutter arbeitete in der „Akademie der Wissenschaften“ in
Berlin. Über den Betrieb bekamen wir die Möglichkeit, in den Sommerferien ein paar Jahre hintereinander Urlaub im Erzgebirge zu machen.

Das Ferienheim befand sich in einem kleinen Ort namens Deutschneudorf direkt an der Grenze zu Tchechien. Den schlichten Speisesaal der Einrichtung sehe ich immernoch vor mir. Es waren viele Familien mit Kindern anwesend, an Beschäftigung hat es uns Kindern nicht gemangelt. Direkt hinter dem Haus waren Wiesen und ein Spielplatz. Ich erinnere mich außerdem an viele Wanderungen mit meinen Eltern, an dichte Wälder und faszinierende Höhlen, große Talsperren und urige Museumsdörfer.

Der Nachbarort war Seiffen, bekannt als Kurort und sogenanntes Spielzeugdorf. Das Spielzeugmuseum dort besuchten wir jedes Jahr. Ich liebte es, mir die alten großen Puppenhäuser mit den vielen kleinen Details anzuschauen. Warum ein Urlaubsplatz im Erzgebirge toll für uns war, lässt sich wohl mit unser aller Liebe zur erzgebirgischen Volkskunst erklären.

Besonders meine Mutter war begeistert von Pyramiden, Nussknackern, Engeln und Räuchermännchen. Was diese Liebe allerdings erschwerte, war die Tatsache, dass es in der DDR diese geschnitzten Schätze nur sehr selten zu kaufen gab. Als Devisenbringer wurden sie in den Westen verkauft. Und wenn es sie zu kaufen gab, waren sie sehr teuer. Bei einem Monatsverdienst von 700 bis 900 DDR-Mark war eine große hölzerne Pyramide für 120 Mark nahezu unerschwinglich.

Wir sind damals in unseren Sommerurlauben oft ziemlich früh aufgestanden, denn die Schauwerkstatt in Seiffen öffnete schon morgens ihre Türen. In der Schauwerkstatt konnte man Menschen dabei zusehen, wie sie die kringeligen Tannenbäumchen schnitzten, knurrige Nussknacker und liebliche Engel bemalten oder die berühmten Reifentiere herstellten. Dazu wird an der Drechselbank ein Reifen aus Holz mit verschiedenen Werkzeugen bearbeitet. Große Holzspäne fliegen dabei durch die Luft. Nach einer ganzen Weile sieht der Reifen aus wie ein Baumkuchenring mit verschieden hohen Rillen. Die große Überraschung entsteht, wenn dann von dem Holzreifen schmale Scheibchen abgehauen werden. Dann ist im Profil ein Tier zu erkennen, das mit dem Schnitzmesser seine endgültige Form erhält. Für mich als Kind war das ein unglaublicher Zauber!

Der wahre Grund, warum wir uns jeden Tag vor der Schauwerkstatt einfanden, verbarg sich hinter einem Schalter gleich hinter der Eingangstür. Wir waren nicht die einzigen Besucher, die sich in der langen Warteschlange in Geduld üben mussten. Wenn schließlich geöffnet wurde, sprach sich die Tagesneuigkeit schnell rum: „Heute gibt es Räuchermännchen!“ Dieser kleine Werksverkauf war die Chance, an die berühmte Handwerkskunst heranzukommen. Pro Familie gab es nur ein Teil. Wir wussten nie, was es zu kaufen gab. Manchmal gab es an mehreren Tagen hintereinander dieselben Stücke. Irgendwann hatten wir von jeder Sorte schon etwas und kauften nichts. Damit wir dann nicht umsonst hingefahren waren, drehten wir jedes Mal eine kleine Runde durch die Schauwerkstatt.

Wenn einmal die Schlange besonders lang war, vertrieben wir Kinder uns auch alleine die Zeit mit dem Zuschauen an den Werkbänken. Wir fühlten uns dort richtig heimisch. Wir konnten davon gar nicht genug bekommen. Der heimelige Geruch von Harz, frischem Holz und Farbe steigt mir heute noch in die Nase. Einmal bekam ich ein eigenes kleines Schnitzset bestehend aus einem kleinen Reifenstück und mehreren Tierscheibchen geschenkt. So einfach, wie es bei den Schnitzern in der Schauwerkstatt aussah, war es aber gar nicht. Mein Pferdchen hatte ganz dünne Beinchen und es war insgesamt etwas plump.

Am Ende unseres Urlaubes im Erzgebirge stand vor der Heimfahrt nach Berlin immer das Packen des Kofferraums. Der Platz im Trabant war sehr begrenzt. Tetrisartig wurden Taschen, Koffer und die weißen Schachteln mit der kostbaren Erzgebirgskunst hin- und hergeräumt, bis sich die Kofferraumklappe schließen ließ. So wuchs unsere Sammlung an erzgebirgischen Figuren jeden Sommer an. Und in der Adventszeit erinnerten wir uns an unseren Sommerurlaub und die fleißigen Menschen in der Weihnachtswerkstatt im Erzgebirge.

Foto: Carola privat

Foto: Carola privat

Tür 10 – Geschenke aus Pieschen Teil II

Tür 10 – Geschenke aus Pieschen Teil II

(Dieser Beitrag enthält Werbung)

Hirschel Cosmetic, auf der Bürgerstraße 59 im Herzen von Dresden Pieschen gelegen startete 2006 als Onlineshop für Parfumerie und Naturkosmetik. Seit 2010 gibt es auch das Ladengeschäft und dort kann Mann und Frau nicht nur etablierte Marken shoppen, sondern auch Raritäten wie Ostprodukte (wer sich noch an „Action“ & Co erinnert), Retrodüfte, Raumdüfte, Saunabedarf, Kosmetikgeschenke und vieles mehr. Das kleine Lädchen ist eine echte Perle!IMG_0063 IMG_0068 IMG_0072

Hin kommt ihr mit der Straßenbahn Linie 13, Haltestelle „Rathaus Pieschen“ oder der Straßenbahn Linie 4 und 9, Haltestelle „Altpieschen, ElbCenter“. Geöffnet ist Mo – Do :10.00 – 16.00 Uhr und Freitags: 10.00 – 15.00 Uhr. IMG_0065

Außer dem Onlineshop und der Möglichkeit, die Produkte vorort in Pieschen zu testen und zu kaufen, bieten Sven und Frank-Leo Hirschel besonders den Dresdnern noch weitere Möglichkeiten: Man kann die Produkte im Onlineshop oder telefonisch bestellen und kostenfrei und ohne Aufpreis im Stadtgebiet Dresden, Heidenau, Bannewitz, Freital und Radebeul/Coswig von den Betreibern Sven und Frank-Leo Hirschel selbst liefern lassen. Auf der Facebook-Seite von Hirschel Cosmetic erwarten euch zusätzlich regelmäßig Rabattaktionen und Gewinnspiele. Unbedingt abonnieren!

Für die Nieselpriem-Leser hat Sven Hirschel eine Überraschungstüte voller veganer Kosmetikprodukte vom Label „GO&HOME“ gepackt und ich freue mich, diese unter euch verlosen zu dürfen. Unser heutiges Geschenk aus Pieschen!IMG_0166

Um die Überraschungstüte zu gewinnen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Schreib bitte eine Mail mit Betreff „Hirschel“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird am 13.12.2015 ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!

 

 

Tür 9 – ver-Hexhex-te Weihnachtsmarktidylle

Rückblende: Inmitten des trubeligen #blomm 2015 saß eine Frau mit einem ganz kleinen Baby auf dem Arm, einem Wuselkind zwischen den Beinen und einem glücklichen, geduldigen Madonnenlächeln im Gesicht: Vivian von Hexhex 2.0. Und so nett wie dieses erste Bild war, das ich von ihr immer noch vor Augen habe, ist ihr Blog. Ich liebe die Kindermund-Zitate und schüttele ungläubig den Kopf, wenn sie mal wieder irgendwas „schnell Zusammengenähtes“ für ihr großes oder ihr kleines F zeigt (was das bedeutet, werdet ihr beim Lesen wissen). Dabei ist sie völlig unprätentiös und hat einen feinen Sinn für Humor. Ich freue mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Vivi und den beiden F´s in 2016. Und nun: Türchen auf für Vivi!

Ich weiß ja nicht, wie es bei Rike in Pieschen ist. Bei uns in Berlin singt und blinkt im Advent die ganze Stadt rhythmisch im Viervierteltakt und sowohl jeder Einheimische als auch jeder Touri kommt auf seine Weihnachtsmarktkosten. Gendarmenmarkt mit selbstgeklöppelten Feinstrumpfhosen, Nostalgie am Opernpalais mit mundgeblasenen Nussknackern oder Riesenrad und „Wer hat noch kein Los?“ auf dem Alexanderplatz. Da Kinder in aller Regel nicht von Bienenwachskerzen, Blütenkochkurs und Seifenkunst in ruhiger Atmosphäre zwischen einer Handvoll Rentnern und verliebten Pärchen zu begeistern sind, schrumpft die Auswahl der familientauglichen Weihnachtsmärkte bedenklich. Auf einen, um genau zu sein. Der ganz normale fiktive Weihnachtsmarktwahnsinn, wie er also genau so oder so ähnlich stattgefunden haben könnte: (Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind durchaus beabsichtigt und nicht zufällig)

Ich mag keine Menschen.

Wobei, grundsätzlich mag ich Menschen schon, aber nicht, wenn es viele auf einem Haufen sind. Überfüllte Flughäfen, Einkaufscenter an Adventssamstagen oder den Möbelschweden an einem normalen Wochenende versuche ich zu vermeiden, um keine Schnappatmung zu bekommen.

Es versteht sich also von selbst, dass es kaum einen Ort gibt, der mich mehr stresst, als der Weihnachtsmarkt. Aber nicht hingehen kann man ja auch nicht, ist schließlich nur zu einer Zeit im Jahr. Jedenfalls wird aus Wir-gehen-über-den-Weihnachtsmarkt meist ein lauwarmer Glühweinfleck auf dem weißen Wintermantel und ein leeres Brötchen mit Ketchup in der Hand, in dem vor dem Anrempeln eben noch eine Bratwurst steckte.

Mit Kind gewinnt der Weihnachtsmarktbesuch nochmal extrem an Qualität. Mit dem Monatsbudget von 50€ auf den Markt zu gehen, ist ein dringlichst zu vermeidender Anfängerfehler! Man ist noch nicht ganz unter dem Willkommensschild durchgelaufen, schon warten gefüllte Heliumrudolphs auf ihre Adoption. Das schulterngezuckte „Ach komm, ist ja Weihnachten“ kostet im Schnitt 8€. Wenige Meter weiter der Stand mit Zuckerwatte, „Darf ich? Büüütteeee“. Mütterlich-logische Argumentationsketten, die die Wörter „Zucker“, „Karius und Baktus“ und „eklig“ enthalten, werden gekonnt abgewehrt von einem aus Shrek bekannten katergleichen Augenaufschlag. Plinker Plinker. Nach 20min in der Zuckerwattenschlange und 3€ weniger stellt das Kind nach dem ersten Abbeißen fest: Es mag eigentlich gar keine Zuckerwatte. Jackpot!

Auf der Suche nach dem nächsten Mülleimer mit freien Kapazitäten rauscht die „Wilde Maus“ an uns vorbei, direkt dahinter wie von der Tarantel gestochen das Kind. Dann heißt es schnell sein! Weil Anleinen verboten ist, man sein Kind auf einem Weihnachtsmarkt aber besser nicht aus den Augen verlieren sollte, rennt man hinterher, verursacht ein paar Glühweinflecken und fliegende Bratwürste (sorry!), um dann das Kind schon mit den Fahrchips in der Hand am Kartenhäuschen stehen und nur noch auf das Geld warten zu sehen. 1 Fahrt 2,50€, 5 Fahrten 10€. Während sich das Kind die nächste Viertelstunde in der Wilden Maus vergnügt, trete ich frierend auf der Stelle und suche den Markt mit den Augen nach dem nächsten Glühweinstand ab. Ein Auge ist natürlich immer bei der Wilden Maus und winkt.

Glühwein finde ich auf die Schnelle keinen, wohl aber den Stand mit gebrannten Mandeln. Die Weintrauben am Stiel zum Preis von schokolierten Goldkugeln und eine straußeneigroße Marzipankartoffel später, fällt dem Kind ein, es könne ganz dringend so ein buntes Rad am Stock mit Zuckerperlen gebrauchen. Das rolle so lustig und Glöckchen habe es auch. So ein schönes Andenken! Wenige gerollte Meter später bricht der Stiel des lustigen Rades ab. Plinker Plinker. Das Kind kann nach eigener Aussage nun „keinen Schritt mehr laufen“ und muss auf Papas Schultern. Ich frage, ob es von da oben einen Stand mit Glühwein sehen könne. „Brühwein?! Hä?!“.  Während wir uns durch das Gedrängel wursten, hebe ich reisegruppenmäßig einen Arm, damit die Familie hinterkommt. Stelle fest, 168cm sind nicht die ideale Weihnachtsmarktgröße. Das Kind sagt, auf 2m Höhe sei es sehr komfortabel. Papa bestätigt seine Anwesenheit mit einem Grunzen .

Auf dem Weg zum Glühwein kommen wir an einem Kettenkarussell vorbei. „Jaaaa, Juhuuu, das wollte ich schon IMMER mal ausprobieren! Aber ich trau mich nicht alleine. Kommst du bittebitte mit, Mama?“. 6€ später sind wir wieder mittendrin im Weihnachtsmarktgetümmel und lassen uns mit vernachlässigbarem Eigenantrieb vorwärts schieben. Und dann: ein Schild! Wo es einen halben Meter Bratwurst gibt, gibt es mit Sicherheit auch etwas zu trinken. Auf 3 verlassen wir die Menschenmasse und finden uns am Glühweinstand ein. 2 Glühwein und ein Kinderpunsch inklusive Tassenpfand 18€, und da ist noch nicht mal Schuss dabei. Die Ausgaben liegen bei 50 und einem zusammengekratzen Euro aus Restbeständen Hartgeld. In der Hoffnung, keine Parkgebühr bezahlen zu müssen, kämpfen wir uns entgegen der Schieberichtung durch die Lawine aus blinkenden Plastikgeweihen und singenden Weihnachtsmannmützen zurück zum Ausgang an den Ständen vorbei: Jingle Bells Jingle Bells, Ooooo duuuuu fröööööhlicheeehee, Stiihiille Naaacht, Last Christmas I gave you… Boah, draußen!

Am Auto angekommen, setzen wir uns rein, schnallen uns an und bleiben einen Moment lang einfach sitzen und atmen. Zwischen uns der stille Vorsatz, 12 Monate keinen Weihnachtsmarkt mehr zu besuchen… Und nächstes Jahr gibt’s keine Zuckerwatte, dafür aber ein Kind mehr. Hohoho…

Tür 8 – Der Weihnachtsmann ist nicht echt!

Tanja schreibt auf Tafjora-einmal Frankreich und zurück über ihre Zeit als Expat-Familie und ihr Familienleben. Heute haben ihre Kinder hier das Wort bei mir. Ich freue mich sehr darüber und wünsche uns allen viel Vergnügen!

Auf seinem eigenen Blog, da kann man ja schreiben was und wie man will. Dem es gefällt, der kommt wieder und wem nicht der zieht eben weiter. Für einen fremden Blog, da ist das dann gar nicht mehr so einfach. Über was soll man schreiben und wie? Lieber lustig, ironisch oder doch eher sachlich, besinnlich oder ganz was anderes? Und wenn man dann schon mal für einen Blog schreiben darf, den man selber so toll findet, dann ist das eine echte Ehre und man will es einfach auch nicht verbocken. Drum habe ich es mir dieses Mal ein bisschen leichter gemacht. Ich schreibe meinen Gastartikel nicht ohne Hilfe und die Hilfe habe ich mir von meinen Kindern geholt.

Mein Löwenjunge ist 6 Jahre alt und sein kleiner Bruder, das Winterkind, wird noch im Dezember 3. Ich habe ihnen ein paar Fragen zur Adventszeit, dem Nikolaus und natürlich zu Weihnachten gestellt. Viel Spass.

Ich: Löwenjunge, Winterkind, erklärt doch mal unserem neuesten Familienmitglied, (unsere 6 Monate alte Hündin Lana) was das schönste im Advent ist!

Löwenjunge: Da hat man endlich wieder Zeit zu knuffeln.tafjora3

Ich: Knuffeln?

Löwenjunge: Ja, im Sommer hat man nicht so viel Zeit zu knuffeln, weil da muss man draußen spielen, schwimmen gehen, Eis essen. Im Winter, wenn Advent ist, da ist es schon so schnell dunkel draußen, also hat man mehr Zeit zu knuffeln.

Winterkind: Knuffeln!!!!!

Ich: Ok. Und was noch?

Löwenjunge: Dass ich da so einen tollen Adventskalender an der Kordel bekomme und jeden Tag eine Tüte Überraschung aufmachen darf!

Winterkind: Scho-Ko-Laaa-de.

Ich: Gut! Was ist mit Nikolaus?

Löwenjunge: Der war vor langer, langer Zeit mal Bischof.

Winterkind: Ist der schon 600.000 Jahre tot?

Löwenjunge: Na ja, vielleicht auch länger. Aber er kommt jedes Jahr wieder, immer in der Nacht nach Onkel T.´s Geburtstag. Man muss seine Schuhe putzen und vor die Türe stellen. Dann hält er an und steckt was aus dem großen schweren Sack in unsere Schuhe.

Winterkind: Schokolade?Tafjora2

Löwenjunge: Ne, Du kriegst bestimmt Vitamine.

Winterkind: (heulend): Ich will aber keine Vitamine!

Löwenjunge: Ob er wohl auch Hundeleckerli für Lana bringt? Sie hat doch keine Schuhe?

Ich: Nein, die macht nur unsere Schuhe kaputt.

Löwenjunge: Lana, wenn Du die Schuhe immer kaputt machst, brauchst Du auch nicht sauer sein, wenn der Nikolaus Dir keine Leckerli mitbringt. Mama, wenn Lana den Nikolaus sieht, dann wird sie doch sicher bellen, oder? Dann renne ich ganz schnell runter und sehe ihn doch mal endlich, haha dann haben wir ihn aber mal ausgetrickst, oder weiß der etwa, dass wir jetzt die Lana haben????

Winterkind: Scho-Ko-Laaa-de?

Ich: Und was ist Weihnachten?

Löwenjunge: Das ist das tollste Fest im ganzen Jahr. Wir kaufen einen großen Tannenbaum und schmücken ihn mit vielen Kugeln.

Winterkind: Und mit Lichterketten.

Löwenjunge: Ja, die auch. Und dann kommt das Christkind. Das hat Geburtstag und bringt viele Geschenke und legt es unter den Baum.

Winterkind: Ein Feuerwehrauto auch?

Löwenjunge: Na, mal sehen, vielleicht.

Winterkind: Oh ja, ich will ein Feuerwehrauto! Ein rotes. Und groß. Und Schokolade.

Löwenjunge: Das Christkind hat ein Glöckchen und wenn es wieder wegfliegt, dann klingelt es. Aber vielleicht hat das Christkind auch Angst vor Hunden, das wäre dann schon echt doof. Ach ja und ich darf an Weihnachten einen Hirtenjungen in der Kirche spielen und muss 3 Sätze sagen. Eigentlich wollte ich ja eh nur in den Kinderchor, damit ich da auch mal mitspielen darf. Die anderen Kinder wollen alle nicht so viel reden wie ich, darum darf ich gleich 3 Sätze sagen.

Ich: Manche Menschen reden ja vom Weihnachtsmann. Wer ist denn dann der Weihnachtsmann?

Löwenjunge: Na Hallo, das ist doch einfach. Das ist nur der verkleidete Mann vor dem Kaufhaus. Die gibt’s in ganz viel. Die spielen das aber auch nur wie ich den Hirten.

Winterkind: Ja, der stand am Samstag vor dem Baumarkt und hat Geld gesammelt für die armen Kinder. Ich habe einen Kinderpunsch bekommen von ihm. Keine Schokolade.

 

In diesem Sinne, eine schöne Vorweihnachtszeit für Euch und hoffentlich genug Schokolade für alle.

 

Gros Bisous,

Eure Tanja

Foto: Tanja privat

 

 

Tür 7 – Schwedische Weihnachtsbäume made in GDR

Gretel ist der kreative Kopf hinter Living4Family und meine Freundin. Ihre Wohnung ist wie eine jahreszeitlich dekorierte märchenhaft-romantische Interior-Ausstellung, die mich jedesmal in grenzenlose und lautsarke Verzückung versetzt. Selbermachen, Garten, Wohnen und Deko sind ihre Herzensthemen. Wir teilen eine leidenschaftliche Liebe zu Sahnecremetorten, Mohn-Marzipan-Gebäcken und allem, wo Baiser drauf ist. Gretel braucht man nicht zu fragen, ob sie noch ein zweites Stück Kuchen will, sie isst mit Genuss auch ein drittes. Eine Frau, die niemals auf Diät ist. Ich liebe sie dafür sehr. Und für vieles andere. Heute für diesen Beitrag.

Guten Tag,

ich will es gleich sagen, ich bin hier nur der Lückenfüller, denn ich passe nicht so recht ins Portfolio.

Meine Kinder sind groß. Man mag mich bedauern, ich ziehe es vor, mir zu gratulieren.

Zum Backen schicke ich sie zu den Großeltern, gebastelt wird nur noch in geringem Maße, als Nikolausgabe bekamen sie Karten fürs Mark Forster Konzert. Sie haben sich gefreut, aber bestimmt nicht so sehr wie ich. Es ist eine neue Qualität des Schenkens, wenn man sich selbst was Gutes tut dabei. Konzert war ne super Idee.

Ich habs nicht so mit Blogparadenrummel. Aber Rike ist meine beste Freundin und 24 Tage sind eine lange Zeit. Also mache ich mit bei ihrem Adventskalender.

Schwedisch ?

Vor mehr als 25 Jahren wusste man im garantiert westmedienfreien Tal der Ahnungslosen wahrscheinlich gerade einmal, wo Schweden auf der Landkarte lag. (Und wenn nicht, war es auch nicht schlimm, denn andere Länder hatten Priorität).

Immerhin war Schweden ein lieber Feind, zumindest als der Sozialdemokrat Olof Palme regierte.

Nach Schweden reisen konnte man natürlich nicht.

Meine Mutter arbeitete dazumal bei den Staatlichen Kunstsammlungen und war von relativ offenen Mitmenschen umgeben, da die Kunstschätze Dresdens in der gesamten Welt gern gesehen waren.

Als der Betriebstischler in den Restaurationswerkstätten den Rahmen der Sixtinischen Madonna gerade fertig ausgebessert hatte, blieb noch ein wenig volkseigene Zeit übrig und er machte sich daran, schwedische Weihnachtsbäume aus volkseigenem Holz zu basteln.

Woher er seine Inspiration bekam? Keine Ahnung. Aber die Dinger waren natürlich der Renner und sicherlich hatte mindestens jeder 2. Kollege nun nicht nur erzgebirgische Volkskunst im Wohnzimmer, sondern was „echt“ Schwedisches. Und der Tischler dafür paar echte Mark der DDR mehr auf dem Konto.

Jedenfalls liebte auch ich das Teil heiß und innig, ob nun schwedisch oder nicht.

Glücklicherweise hat er viele Umzüge im Keller von Muttern überlebt und nun steht er jedes Jahr bei uns im Fenster.

Ursprünglich war er knallrot, in diesem Jahr habe ich ihn weiß gepinselt.

Mein schwedischer Weihnachtsbaum made in GDR:Gretel

Tür 6 – Geschenke aus Pieschen Teil I

Tür 6 – Geschenke aus Pieschen Teil I

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Ich nehme euch heute mit ins „Petit Frank“. Bürgerstraße 14, im Herzen von Pieschen. Nur eine französische Fahne und ein Restaurantschild weisen darauf hin, dass sich dort hinter dieser Tür ein wahrer Gourmettempel verbirgt. Draußen brettert die Linie 13 vorbei, aber kaum ist man im Hausflur, wird man von einem ganz anderen Flair umhüllt. Steigt man dann hinab ins Gewölbe, ist selbst vom Straßenlärm nichts mehr zu hören. Von Alltag zu Romantik in Nullkommanichts. Ein Kleinod, zauberhaft und geschmackvoll bis in jede kleinste Gewölbenische eingerichtet und dekoriert. Durch das Fehlen von Tageslicht im Kellergewölbe wird das Restaurant selbst zur Mittagzeit durch perfekt inszenierte Beleuchtung in ein schmeichelndes Licht gehüllt und vermittelt einem das Gefühl, an einem ganz und gar zauberhaften Ort zu sein. Hier residiert seit zwölf Jahren der „kleine Frank“ mit seinem Team und verwöhnt seine Gäste. Die Urkunden und Auszeichnungen an den Wänden machen klar, hier wird auf ganz hohem Level gekocht. Aber statt eines schnöseligen Maître dhôtel, der sich vielleicht den Umständen angepasst Francois nennt, wird man von einem kumpelhaften, lustigen und durch und durch sympathischen Gastwirt empfangen, bei dem man sich sofort wie zu Gast bei Freunden fühlt.

Wir unterhalten uns.

Rike: „Wenn man das erste Mal hier ist, kommt man nicht umhin, die ganzen Preise zu bemerken, die deine Wände pflastern. Welche Auszeichnung bedeutet dir am meisten?“

Frank: „Am meisten gefreut hat uns der erste Platz im „Augusto“, in der Rubrik „Feine Küche“. Das ist ein Preis, den die Leser der Sächsischen Zeitung vergeben. Da kommt kein Restaurantkritiker, das weiß man auch nicht ein halbes Jahr vorher, nein, da voten echte Gäste ihre Lieblingsrestaurants. Wir wussten nicht mal, dass wir nominiert waren. Der Gewinn bedeutet uns sehr viel!“

Rike: „Aber ihr seht euch eigentlich nicht als ein Gourmetrestaurant, hast du mir erzählt.“

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Auszug aus der aktuellen Karte

Frank: „Nein, ich sage immer, wir bieten Länderküche an. Das, was man sich unter französischer Küche vorstellt, haben wir im Programm. Die Klassiker wie Foie gras, Froschschenkel, Schnecken, Champagner, das kann man immer bei uns bestellen. Aber parallel dazu kochen wir eine regelmäßig wechselnde Karte mit modernen Gerichten.“

Rike: „Ich durfte in die neue Karte lunschen. Ich kriege direkt einen Riesenhunger! Aber eine Kinderkarte findet man weit und breit nicht bei dir. Wenn ich mit meiner Familie zu dir komme, was kochst du dann meinem Zweijährigen?“

Frank: „Zu uns kommt man nicht, um mal schnell innerhalb von vierzig Minuten ein Schnitzel mit Pommes zu essen. Unsere Gäste sitzen zwei, drei Stunden und länger und genießen eine Menüfolge von vier, fünf, sieben Gängen. Ich denke immer, das ist eigentlich nichts für Kinder. Wer will schon drei Stunden still sitzen, wenn er vier Jahre alt ist! Deshalb ist jedes Kind ein kleiner König bei uns. Ich frage die Kinder, was denn ihr Lieblingsessen ist und worauf sie  heute Appetit haben. Unsere Küche ist darauf eingestellt und bisher konnten wir auch unsere kleinen Gäste kulinarisch glücklich machen. Wir haben Familien, die kommen schon seit vielen Jahren regelmäßig mehrmals im Jahr zu uns, man sieht die Kinder groß werden und freut sich natürlich, wenn so ein Steppke freudestrahlend an der Küchentür steht und ruft: „Und? Was kochst du heute für mich?`“

Rike: „Das klingt super! Super finde ich hier auch die Gestaltung. Jede noch so kleine Ecke ist liebevoll dekoriert. Ich habe sogar vorhin eure Toiletten fotografiert, weil selbst dieses Örtchen über die Maßen geschmackvoll eingerichtet ist! Und euer Garten ist ein Traum!“

Frank: (lacht) „Ich gebe das Kompliment gern an meine Frau weiter.“

Rike: „Apropos. Du hast zwei Kinder und bist selbständig. Wie klappt das bei euch mit der vielzitierten Vereinbarkeit von Familie und Karriere?“

Frank: „Wir teilen uns auf, anders geht es nicht. Ich genieße morgens die Zeit mit meinen Kindern. Wir frühstücken gemeinsam, danach bringe ich sie zur Schule. Währenddessen ist meine Frau hier im Restaurant und kümmert sich um das Ambiente des Lokals, den Garten. Ab mittags dann ist sie zu Hause bei den Kindern und ich bin hier oder mache Besorgungen fürs Restaurant. Von Anfang an haben wir Sonntag/ Montag geschlossen. Der Sonntag gehört meiner Familie. Und auch wenn ich selbst am Montag natürlich arbeiten muss, selbst wenn das Restaurant für Gäste geschlossen ist, so will ich doch, dass meine Angestellten feste freie Tage in der Woche haben. Das ist nicht unbedingt üblich für die Gastronomie.“

Rike: „Wie verbringt ihr Weihnachten? Und was gibt’s zu essen in der Familie?“

Frank: „Bei uns trifft sich die ganze Familie am Heiligabend. Schon mittags gibt’s Kapaun mit Rotkraut und Klößen. Mein Vater kocht, der ist zwar nicht Koch, aber das hat bei uns Tradition. Abend gibt’s Kartoffelsalat und Würstchen, dann also klassisch sächsisch. An den Feiertagen haben wir hier geöffnet. Ich freue mich aber auch auf unsere Weihnachtsgäste im Restaurant. Wir haben uns ein tolles Menü ausgedacht. Und auch Silvester sind wir hier. Es wird keine große Party mit Programm und Genalle geben, sondern als Jahresabschluss einen Abend mit 7-Gang-Menü in entspannter Athmosphäre bis circa dreiundzwanzig Uhr. Dann bleibt noch genügend Zeit für die Gäste, zur Elbe runter zu spazieren um das Feuerwerk anzusehen. Oder mit dem Taxi in die Innenstadt. “

Rike: „Du wichtelst heute für uns. Was versteckt sich in Türchen Nummer sechs?“

FranK: „Ein Candle-Light Dinner für zwei Personen.“

Rike: „Oh wow! Danke, darüber würde ich mich auch freuen. Danke auch für das überaus nette Gespräch und wir sehen uns bald wieder. Zum Essen!“

der Kleine Frank und die noch kleinere Rike

der Kleine Frank und die noch kleinere Rike

Hier einige Impresionen für euch:

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Petit Frank

Bürgerstraße 14

01127 Dresden

Geöffnet Dienstag- Samstag ab 17:00 Uhr

Um Reservierung wird gebeten, telefonisch unter 0351 8211900 oder via:

http://www.petitfrank.de

Wer sich mit den Augen Appetit holen möchte, dem sei unbedingt empfohlen, „Petit Frank“ auf Facebook und über Instagram zu folgen!

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Um den Gutschein zu gewinnen, musst du achtzehn Jahre alt sein (älter ist durchaus erlaubt). Schreib bitte eine Mail mit Betreff „Petit Frank“ an nieselpriem.blog@gmail.com. Der Gewinner wird nach dem 10.12. ausgelost und per eMail informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Viel Glück!IMG_0105

Tür 5 – ein Familienbetrieb auf der Wurstwiese

Heute schreibt Christian vom Blog Familienbetrieb über traditionelles Weihnachtsessen. Über den Autor und den Familienbetrieb braucht man eigentlich keine Worte mehr zu verlieren. Es wurde alles schon gesagt, geschrieben und keine noch so blumige Eloge wird ihm wirklich gerecht. Der Typ ist einfach nur der Knaller, oder? Ich wünsche mir und euch viel Spaß!

 

Essenstraditionen spielen an Weihnachten seit jeher eine große Rolle. Die einen mögen es gerne aufwändig und tischen Gans mit Knödeln und Rotkraut auf, andere bevorzugen es eher einfach und begnügen sich mit Kartoffelsalat und Würstchen, die am Weihnachtsbaum verzehrt werden. Als Nachtisch gibt es dann noch Eis oder Pudding und später wollen dann noch der Christstollen und die vier Wochen alten Weihnachtsplätzchen verdrückt werden.

Aber egal, was zum Wiegenfest des Jesuskindes serviert wird, es geschieht in Mengen, die nicht mehr als haushaltsüblich bezeichnet werden können. So kommt ein 4-Personen-Haushalt über die weihnachtlichen Feiertage gerne mal auf eine Kalorienzufuhr eines 9-köpfigen Tour de France-Teams – und zwar während der gesamten 21-tägigen Rundfahrt.

Möglicherweise ist es ein abendländischer Brauch, an Weihnachten durch Sodbrennen, Verstopfung und Magenschmerzen, das Leid und die Beschwerlichkeit nachzuempfinden, die Maria, Josef und das Jesuskind ertragen mussten, als sie im Stall zu Bethlehem vor sich hin darbten. Eventuell ist diese maßlose feiertägliche Völlerei aber auch durch die Innung der Änderungsschneider sowie die Lobby der Diät- und Fitnessindustrie gesteuert, die immer zu Jahresanfang Millionen- wenn nicht gar Milliardengeschäfte machen.

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Auch bei uns Zuhause gab es früher ein traditionelles Weihnachtsessen: Nudelauflauf mit Tomatensauce. Als ich ein kleiner Junge war, gehörte dieses Gericht zu Heiligabend wie der Weihnachtsbaum, das rote Kleid, das meine Mutter jedes Jahr trug, oder die Modelleisenbahn, die mein Vater in mühevoller Kleinarbeit aufbaute und sich dann darüber aufregte, dass mein Bruder und ich nach fünf Minuten, der monoton ständig im Kreis fahrenden Zügen überdrüssig wurden und uns lieber den Weihnachtsgeschenken zuwandten.

Für Außenstehende wirkte unser Weihnachtsmahl oft etwas befremdlich, denn mit Sahnesauce übergossene und mit Edamer überbackene Nudeln haben doch so gar nichts Feierliches und Festliches an sich. Neben den kulinarischen Vorlieben meines Bruders und mir gab es sehr pragmatische Gründe für diese Essenswahl. Zum einen lässt sich Nudelauflauf gut vorbereiten, was meine Mutter immer in den frühen Morgenstunden des 24. Dezembers tat, wenn der Rest der Familie noch schlief – möglicherweise ihre entspanntesten Stunden an Heiligabend. Zum anderen ist so ein Nudelauflauf auch recht einfach fertigzustellen. Für den Fall, dass der elterliche Streit beim Christbaumschmücken – auch so eine frühere Tradition bei uns – einmal vollkommen aus dem Ruder gelaufen wäre und nicht einmal mehr UNO-Blauhelm-Truppen deeskalierend hätten eingreifen können, um die unterschiedlichen Ansichten ob des gerade Stehens des Weihnachtsbaumes sowie der optimalen Anordnung von Kerzen, Kugeln und Schmuck in der Tanne in einen Konsens zu überführen, wäre mein Bruder als der ältere von uns beiden auch als Grundschulkind in der Lage gewesen, die präparierte Auflaufform bei 200 Grad in den Ofen zu schieben und nach 20 Minuten wieder herauszuholen. Aber so weit kam es nie (Anm. der Red.: Die konfliktäre Darstellung unserer Weihnachtsvorbereitungen dient lediglich der literarischen Zuspitzung. Tatsächlich verliefen die Heiligabende bei uns immer in einer absolut friedlichen und beispielhaft harmonischen Atmosphäre, dass Weihnachtsfeiern in Bullerbü dagegen als von brutalstmöglichen Ausschreitungen begleitete Zusammenkünfte gewaltbereiter Hooligans gelten können.).

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Aber für einige Jahre brachen wir mit unserer kulinarischen Weihnachtstradition. Denn es begab sich zu der Zeit, dass der Zweitgeborene der Familie (sprich ich) verlangte, dass er das Weihnachtsmahl zubereitet. In meinem letzten Jahr im Kindergarten hatte ich dort nämlich an einem Kochkurs teilgenommen. Ein Teil meiner Erziehung zu einem modernen Mann, der weder Kelle noch Schürze scheut, womit meine Eltern außerdem sicherstellen wollten, dass ich in späteren Jahren, wenn ich das traute Heim – und die warme Küche – verlassen habe, nicht elendig verhungere.

Nun wollte ich meine neu erworbenen Kompetenzen in der Speisenzubereitung einem realitätsnahen Praxistest unterziehen. Auf der Stirn meiner Mutter bildete sich Angstschweiß von niagarafallartigem Ausmaß und sie fragte sich, warum sie mich unter Schmerzen zur Welt gebracht hatte, damit ich ein paar Jahre später zum Weihnachtsfest die gesamte Familie durch meine nur rudimentär ausgebildeten Kochkünsten mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankhaus schicke. Auch der Blick meines Vaters zeugte von tiefer Skepsis, malte er sich doch in aller Unerfreulichkeit aus, wie er nach einem infernalischen Kochfiasko seines Zweitgeborenen über die Weihnachtsfeiertage die gesamte Küche renovieren muss. Mein Bruder war gegenüber meinem Ansinnen hingegen indifferent, so lange es keine zusätzliche Arbeit für ihn bedeutete.

Meine Eltern beruhigten sich erst ein wenig, als ich verkündete, welches Gericht ich gedachte zu kredenzen: Fliegenpilze auf Wurstwiese. Dabei geht es nicht um die Zubereitung des giftigen Amanita muscarias, sondern um die dekorative Anordnung gekochter Eier und halber Tomaten unter Zuhilfenahme von Mayonnaise.

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Die Herstellung dieser auf der Wurstwiese gebetteten Fliegenpilze ist so einfach, dass sie selbst ein motorisch minderbegabtes Kind im Grundschulalter vor nicht allzu große Probleme stellt. Zunächst werden ein paar Eier hartgekocht, abgeschreckt und gepellt. Für die bessere Standhaftigkeit werden die dicken Enden der Eier gekappt. Anschließend werden Tomaten halbiert und die Kerne und das Fruchtfleisch mit einem Löffel entfernt. Die so ausgehöhlten Tomaten werden auf die Eierspitzen gestülpt. Mittels einer Tube Mayonnaise werden danach die Fliegenpilz-Punkte auf die zu Pilzhüten umfunktionierten Tomatenhälften appliziert. Zum Abschluss werden Wurstscheiben auf einem Teller oder einer Platte verteilt und die Eier-Tomaten-Fliegenpilze darauf drapiert. Für das vollendete Natur-Feeling kann auch noch Petersilie auf der wurstigen Wiese verteilt werden.

Selbstverständlich kann die Wurstwiese auch durch eine Käsewiese ersetzt werden. Oder durch eine vegane Wurstwiese. Aber im Westerwald der frühen 80er Jahre, wo ich aufwuchs, war Vegetarismus noch nicht besonders stark verbreitet. Von Veganismus ganz zu schweigen. Um ehrlich zu sein, ist die Ernährung des gemeinen Westerwälders bis heute stark carnivorisch geprägt.

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Nach ein paar Jahren verlor ich dann die Lust an den wurstwiesigen Fliegenpilzen und beendete meine Kochkarriere, bevor ich größeren Schaden anrichten konnte. Seither gab es bei meinen Eltern an Heiligabend wieder Nudelauflauf. Ganz traditionell. Aber ohne mütterliches rotes Kleid. Und ohne väterliche Modelleisenbahn. Er schmeckte aber trotzdem immer wieder gut.

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Das spätere Oberhaupt eines erfolgreichen Familienbetriebes bei früher Kinderarbeit und vollem lockigen Haar

 

Fliegenpilze auf Wurstwiese – Zutaten

  • Vier hartgekochte Eier
  • Zwei Tomaten
  • Eine Tube Mayonnaise
  • Wurstaufschnitt (oder Käseaufschnitt)
  • Petersilie (oder anderes Grünzeug)

Tür 4 – Weihnachtsgedanken am Kinderbett

Katharina lebt in der Schweiz und schreibt auf Mama hat jetzt keine Zeit. Wir haben uns zusammen gefunden, als ich für sie unter einem Pseudonym einen Gastartikel geschrieben habe. Dem folgte oder ging voraus ein sehr interessanter Mailverkehr. Wir teilen viele Erfahrungen, Ansichten und sie war mir vom ersten Moment an grundsympathisch! Auch, weil sie prinzipiell keinen Cent auf allgemein gängige Meinungen gibt und einfach ihr „Ding“ macht. Kein Thema ist ihr zu heikel, nichts zu politisch. Sie will es, sie macht es. Ich mag sie dafür sehr! Jetzt aber ging es um Weihnachten. Also mit Weihnachten braucht man Katharina nicht zu kommen. Sie ist der Grinch unter den Elternbloggern. Für uns hat sie trotzdem eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und – typisch Katharina – ohne Streuseln, Glocken, Engelsgeläut. Dafür mit Tiefgang und Gänsehaut. Danke Katharina!

 

Es ist schon Monate her, dass mich die entzückende, herzensgute und wunderhübsche Rike von Nieselpriem (Anmerkung der Autorin: Katharina, darüber werden wir noch mal sprechen müssen!) gefragt hat, ob ich für sie eine Adventsgeschichte schreiben würde. Ausgerechnet ich!

Da damals noch viel Zeit blieb dachte ich, mir käme dann schon noch etwas in den Sinn und ich sagte zu. Jetzt habe ich den Schlamassel. Denn natürlich ist mir nichts Adventiges in den Sinn gekommen, was Weihnachtiges erst recht nicht. Ich mag ja Weihnachten überhaupt nicht. Aus Gründen.

Wobei, so richtig stimmt das auch wieder nicht. Es gab ein Jahr, da hätte ich mir ein richtiges Weihnachten gewünscht, und das war so:

Im Dezember 2009, genauer gesagt am 4. Dezember, kurz nach dem Mittagessen, blieb die Welt für den Bruchteil einer Sekunde stehen. Mein Sohn hörte auf zu atmen. Erst wenige Wochen alt, hatte er ein ALTE, einen lebensbedrohlichen Atemstillstand, auch Near SIDS genannt – und er überlebte.

Danach musste er zur Beobachtung und Diagnosestellung ins Kinderkrankenhaus. Die Details erspare ich Euch. Es war eine schlimme Zeit. Sein Vater und ich wussten lange nicht, was mit ihm los war und was man dagegen unternehmen konnte. Ich war dauernd müde, stundenlang am Milch pumpen oder Stillen, dazwischen döste ich mit dem Kleinen auf der Brust. In meiner Erinnerung weinte ich den ganzen Tag, wochenlang. Das Krankenhaus hetzte mir sogar einen Psychiater an den Hals, mit dem ich aber nicht sprechen wollte. Es war ja offensichtlich und bei den Umständen auch verständlich, dass ich unter einer postnatalen Depression litt.

Der Kleine war noch keine zwei Monate alt, aber er liebte die Lichter, das Glitzern der Dekorationen und die feinen Klänge der Spieluhr unseres kleinen Holzchristbäumchens, das wir im Krankenhaus für ihn aufgebaut hatten. Ich trauerte um Weihnachten und heulte hemmungslos. Ich sehnte mich nach dem Duft von Kerzen, angesengten Tannennadeln und mit Gewürznelken gespickten Orangen. All das wollte ich ihm zeigen, sogar nach den ungeliebten Weihnachtsliedern verzehrte ich mich und nach meiner Grossmutter, die zwei Jahre zuvor gestorben war und meinen Sohn nicht mehr kennen lernen durfte. Ihre Brezeln und ihr Beharren auf das Singen von Weihnachtsliedern durch die ganze Verwandtschaft. Alle hassten das Singen – und machten doch ihr zuliebe mit.

Plötzlich war Weihnachten gleich bedeutend mit einer Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war. Einer Welt, in der Babys keine Geburtsfehler hatten, die sie am Atmen hinderten, und nicht über Weihnachten im Krankenhaus bleiben mussten. Einer Welt, die mit ihren sanften Lichtern und warmen Kerzchen so anders war, als die sterile Krankenhauswelt mit ihren Neonröhren an der Decke.

Ein paar Wochen lang vergass ich, wie sich das echte Weihnachten für mich als Kind angefühlt hatte, so dass ich mich Jahr für Jahr krank ins Bett legte, um nicht mitmachen zu müssen, und ich wünschte mir so sehr, den Kurzen das Weihnachten erleben lassen zu können, über das alle immer sprachen.

Mein Sohn wurde an Silvester 2009 aus dem Krankenhaus entlassen und am 1. Januar 2010 feierten wir mit ihm Weihnachten nach. Mit Kerzen, Glitzersternen, Keksen und Weihnachtsmusik – ganz wie es sich gehört!

So war das in dem einen Jahr, in dem ich Weihnachten hätte feiern wollen und nicht konnte.

 

Bärtiger Eierpunsch

„Ich will einen Eierpunsch! So einen wie Chevy Chase! Im Glasbechser mit Elchflügeln!“. Wenn der bärtige Mann diese Sätze von sich gibt, hat er schon einige Eierpunsche durchprobiert und hetzt mich vom Regen durchnässt über irgendeinen übervollen Weihnachtsmarkt.

Kein Eierpunsch wird seinen hohen Ansprüchen gerecht. Sie werden prinzipiell qualitativ nicht schlechter, je mehr man davon trinkt (den Effekt kennen einige vielleicht vom Heidelbeerglühwein aus´m Supermarkt für eins neunundneunzig), aber der Gaumenschmauß, ein wohliges Grunzen aus vom Branntwein verätzter und von süßer Sahne umschmeichelter Kehle will sich nicht einstellen.

Ich beobachte derlei Treiben mit einem Blick, wie man zum Beispiel Tiersendungen beobachtet, in denen von irgendwelchen Arten Kadaver gefleddert werden und im nächsten Moment kopuliert.

Ich trinke sowas nicht. Gott sei Dank trinke ich sowas nicht! Prinzipiell trinkt aber jeder, worauf er Durst hat. Das wusste schon der alte Hemmingway, und der kannte sich schließlich aus.

Aber ich bin involviert, mittelbar beeinträchtigt durch die Minderqualität der käuflich zu erwerbenden Eier-Branntwein-Zucker-Gemische. Denn ich muss mit und an jedem bekloppten Punschstand bleibt der arme Mann hoffnungsvoll stehen, legt das Familienvermögen auf den Tresen um dann doch nur enttäuscht aber tapfer („Hammer bezahlt!“) irgendein Gebräu runterzuschlürfen, während mir die Tentakel abfrieren und das Regenwasser in den Kragen läuft.

Es nützt nüscht. Die Mutti muss ran!

Nach unerquicklicher Internetrecherche habe ich ein Eierpunsch-Brainstorming mit meiner Nachbarin Manja abgehalten und das brachte die zündende Idee für „Original Bärtiger Eierpunsch“.

Und so gehts:

1 Flasche Eierlikör

1 Flasche Mangosaft

1/2 Flasche Orangensaft (nicht im Bild)

1/2 Dose Milchmädchen

Brauner Rum, Menge nach Geschmack (ich hab eine kleine Pulle genommen)

1 TL Zimt

… mit einem Schneebesen in einem großen Topf verrühren.IMG_0054Dann alles in Flaschen abfüllen und dabei eine Riesensauerei veranstalten.IMG_0055Nachdem man den Tisch und die Flaschen gesäubert hat, einen Anhänger lyrisch beschriften und dann verschenken.IMG_0056

Wohliges Grunzen und rote Wangen garantiert!

Nur die Chevy Chase Elch-Tasse kommt mir nicht ins Haus. Das geht entschieden zu weit. Danach folgen dann womöglich Rentierpullover als Weihnachtsgeschenk und ein beleuchteter Frosty auf´m Balkon!

 

 

 

 

Tür 3 – beschnäpselte Brunsli

Heute gibts ein Schweizer Plätzchenrezept mit reichlich Alkohol (man kann vermutlich alles an dem Rezept weglassen, nur den Kirschli nicht) , arrangiert von unserer Schweizer „Mutti auf Eis“ Mama on the Rocks.  Wenn ich an meinen persönlichen Jahresrückblick 2015 denke, sehe ich definitiv diese kleine herzliche Frau vor mir und höre ihren unnachahmlichen Dialekt. Und hoffe beim Scheiden des verbrauchten Jahres, dass das Neue uns wieder zusammenführen wird. Und irgendwie werde ich sogar beim Lesen schon ganz lustig! Beschickert!  Das Gutzi, das Brunsli, Kirschli. Falls ich jemals in die Schweiz auswandern sollte, wird aus mir vermutlich ein „Rikli“. Ich glaube, ich finde die Schweiz dufte. Dufti also. Spitzli!

 

Als Rike mich zu diesem Gastbeitrag eingeladen hat, meinte sie: «Text, Anekdote, Bastelanleitung, Rezept, ein selbstgesungenes Lied: Alles ist erlaubt!» Tja, selber schuld, Rike! Ich habe nämlich sehr sehr sehr lange überlegt, was ich denn Originelles zum tollen Nieselpriem-Blog beitragen könnte. Ich, so ne olle Schweizerin. HELVETIA, äh HEUREKA!

Wir Schweizer werden ja wegen vielem belächelt. Wir seien langsam. Wir sprechen komisch. Wir leben zwischen Kühen und Schokolade. Die Alm ist nie weit. Fondue und Raclette. Schweizer Franken und Bankgeheimnis (gibt’s nicht mehr!). Abseits von diesen ganzen Klischees erzähle ich heute etwas ganz MamaOTR-Untypisches, denn ich blogge eigentlich nie übers Essen. Heute aber teile ich mit euch ein typisches Schweizer, ja sogar Basler Rezept für Weihnachtsgebäck, bei uns Wiehnachtsgutzi oder Wiehnechtsguetzli genannt: das (Basler) Brunsli.

Das Brunsli hat nichts mit Brunzen oder Brunftgeräuschen zu tun. Es ist auch wirklich kein Brunnen im Spiel. Zur Geschichte des Brunsli findet ihr hier die besten Informationen.

Und jetzt weg mit der Theorie, hier kommt das Rezept für die weltbesten Schokolade-Weihnachtskekse, made by Mama on the rocks. Warum es die weltbesten sind? Es hat Alkohol drin…

Brunsli in the making

Brunsli in the making

Brunsli (ergibt ca. 50 Stück)

Alles in einer Schüssel mischen:

150 g Zucker / 1 Prise Salz / 250 g gemahlene Mandeln / ¼ Teelöffel Zimt (kann man auch weglassen, wenn man es nicht mag) / Messerspitze Nelkenpulver (kann man auch weglassen, wenn man es nicht mag) / 2 Esslöffel Kakaopulver / 2 Esslöffel Mehl

Anschliessend beigeben und untermischen:

2 frische Eiweisse (ca. 70 g), leicht verklopft / 2 Teelöffel Kirschwasser (ich mache das Handgelenk mal Pi. Für Kinder kann man den Alkohol ganz weglassen. Aber ganz ehrlich: Die Brunsli mache ich eh nur für mich, und echte Brunsli haben nunmal Kirschwasser drin) / 100 g geschmolzene Edelbitter-Schokolade

Alles zu einem Teig zusammenfügen. Er wird ziemlich klebrig sein!

Anschliessend den Teig auf reichlich Zucker ca. 1 cm dick (bloss nicht zu dünn!!) auswallen, verschiedene Förmchen ausstechen. Noch ein Tipp am Rande: Ausstecher immer wieder in Zucker drücken, so lösen sich die Brunsli nachher besser von den Förmchen.

Gutzi auf ein mit Backpapier belegtes Blech auslegen. Und jetzt, ganz wichtig: Bei Raumtemperatur 5-6 Stunden oder über Nacht trocknen lassen. Nicht direkt backen! Erst nach dieser Pause für 4-6 Minuten in der Mitte des auf 250 Grad vorgeheizten Ofens backen.

Und so sieht das dann aus:

Brunsli1

Idealerweise ist das Brunsli übrigens innen etwas feucht, also lieber nicht zu lange backen. Je älter es wird, desto trockener ist es – aber immer noch himmlisch zu Kaffee oder Tee geniessbar!

 

Hello, ich bin´s wieder. Na, habt ihr Hunger? Versteh ich, geht mir genauso. Ich bin heute im übrigen ein Kalendertürchen bei Tafjora. Vielleicht habt ihr Lust, mal gucken zu gehen?

 

Tür 2 – Alu mit Zuckerguss

Heute schreibt ein Großer Kopf für uns. Anne-Luise und Konstantin (der Einfachheit halber von allen nur Alu und Konsti genannt und nein, ich habe mir das nicht ausgedacht) schreiben gemeinsam den Blog Große Köpfe und der Name ist Programm. Mal leichtfüßig, mal schwermütig, stets klug und feinsinnig haben sie nur ein Ziel: Dich mitten in die Brust zu treffen. Schaffen sie bei mir immer. Heute nun schreibt Alu hier für uns alle über ihre große Liebe zu Christstollen. Viel Spaß!

 

Es betrug sich vor drei Jahren, dass meine geliebte Frau Mama mich zu sich rief. „Kind, ich brauche deine Hilfe“, sagte sie am Telefon und wir wissen alle, wie Töchter aus gutem Hause auf diesen Ruf zu reagieren haben. Pünktlich zu Weihnachten wird nämlich in dem wunderbaren Museum in dem meine Mutter tätig ist immer eine tolle Adventsausstellung gezeigt. In diesem Jahr würden es die Weihnachtspyramiden mit extra tollen Pyramiden aus dem schönen sächsischen Erzgebirge sein. Bereits wohl wissend, dass Hilfe immer ein weitgefasster Begriff im Zusammenhang mit Ausstellungseröffnungen sein kann, begab ich mich auf den Weg nach einer zehn-Stunden-Schicht im Büro. Dort angekommen wurden mir sofort eine Schürze und ein recht großes Messer in die Hand gedrückt (Zum Glück bin ich im Besitz der roten Hygienekarte zum Umgang mit Lebensmitteln) und mir wurde ein Geschenk aus dem Erzgebirge präsentiert: Ein 10 kg Stollen, der an diesem Abend den Gästen als Leckerli präsentiert werden sollte. Ich begann zu schneiden. Der Zucker zog in meine Ärmel, meine Brüste, meine Socken. Ich war allein! Allein mit einem 10kg Stollen und nur einem Liter Wasser. Immer mehr Menschen stellten sich in die Schlange und ich reichte Stollenstück um Stollenstück herüber. „Haben sie den gebacken?“, „Wissen sie welche Zutaten da drin sind?“ „Können sie mir sagen woher der Stollen genau kommt?“, und weitere Fragen hörte ich ca. 45 Minuten lang, während ich versuchte, dem Stollen Herr zu werden. Ich hatte Schmerzen in Armen und Beinen und ich murmelte immer wieder den Satz: „Ich habe ihn nicht gebacken, er kommt aus dem Erzgebirge, es sind Rosinen darin“ vor mich her. Der Zucker hatte in meinen Haaren ein Nest gebildet, vielleicht mein Gehirn verklebt und meine Brillengläser von innen zerfressen. Ich hatte mir ein Zuckerpeeling immer schön vorgestellt, das hier war aber eher recht klebrig und süß! Irgendwann sah ich ein Licht. Ich hatte es geschafft, den riesigen Stollen zu besiegen. Stolz zog ich meine Küchenhandschuhe aus und ging mich entzuckern. Zurück im Raum traf ich meine wunderschöne, stolze Mama. Sie zog mich erneut zum Tisch. Dort lag bereits aufgebahrt ein weiterer 10 kg Stollen, gespendet vom Förderverein des Museums. Das ganze Spiel begann von vorn und ich erlebte die zweite Runde des verzuckert-seins. An diesem Abend fuhren mich meine Eltern heim zu meiner Familie, der Zucker rieselte in die Autositze meines Vaters. Mit 30 Jahren hatte man es geschafft: Ich war des Zuckers überdrüssig geworden, ich war geheilt! Seit 2012 esse ich übrigens recht wenig Stollen und wenn, dann lasse ich mir das Stück immer von jemand anderem abschneiden, da ich sonst in salzige Tränen ausbrechen muss. In Echt!

 

Tür 1- Das Chaos kommt!

Das Chaos kommt! Heute in Form der lieben Kerstin vom Blog Chaos hoch zwei, die stets und immer aussieht wie aus dem Ei gepellt, frisch, erholt und rosig, während sie mit drei Kleinkindern einhändisch jongliert. Zudem ist sie nicht nur wunderschön, sondern auch noch schreibtechnisch talentiert, witzig, klug und nett! (Das ist nicht gerecht, aber wahr. Ja, ich finde auch, wenigstens einen Silberblick hätte Mutter Natur obendrauf legen können…)

 

Die liebe Henrike* war so charmant, mir während meines Mutterschutzes mit einem Text fürs chaotische Blog auszuhelfen. Im Gegenzug habe ich nun die Ehre, euch etwas adventliches zu bieten. Nur was?

Als übermüdete Mama dreier Miniatur-Kinder bin ich aktuell nicht kreativ genug für DIY-Anleitungen, als dekorativ gilt daheim was frei von Babykotze ist, Adventskalender und Plätzchen gibt es bei uns dieses Jahr liebevoll selbst gekauft. Aus meinen durch Schlafmangel degenerierten Gehirnwindungen hat das Baby jeglichen Rest Eloquenz herausgesaugt und so bleibt nicht einmal eine lustige kleine Geschichte übrig für euch.

Da dachte ich, ich mache etwas idiotensicheres. Etwas ganz schnelles. Gebrannte Mandeln!

Ok, das ging schief. Daher ein neuer Versuch:

Gebrannte Mandeln. Das Rezept.

Gebrannte Mandeln sind eine feine Sache, denn sie gegen total schnell und sind ein richtig nettes Mitbringsel in der Vorweihnachtszeit.

Gebrannte Mandeln 1

Theoretisch hat man die Zutaten alle immer zu Hause. Ihr braucht nur Mandeln, Zucker und Zimt. Außerdem ein Rezept, eine alte Pfanne (tut das bitte wirklich keiner guten/neuen an), einen alten Holzlöffel und dekoratives Obst zum Fotografieren für Instagram.

Zutaten:

  • 200g Mandeln
  • 100g Zucker
  • 50ml Wasser
  • 1 Msp. Zimt
  • 30 Minuten „kinderfrei“

Gebrannte Mandeln 2

Zubereitung:

Es ist absolut! unerlässlich, dass euch während der Zubereitung niemand stört. Wirklich. Niemand. (s.o.)

Denn wenn man gebrannte Mandeln macht, passiert lange Zeit nichts. Gar nichts. Man kann prima einen ganzen Pott Kaffee genießen währenddessen. Aber dann…

Also: Mandeln, Zucker und Wasser mit dem Zimt in die Pfanne und aufkochen. Temperatur etwas runterdrehen und bei gelegentlichem Rühren warten, Kaffee trinken und Stille genießen.

Dann urplötzlich nach einer mehr als guten Viertelstunde zieht die Masse an. Das Wasser ist verdampft, der Zucker wird wieder sichtbar und ihr müsst nun rühren, rühren, rühren! Der Zucker karamellisiert langsam und die Mandeln werden gebrannt. Das geht recht fix und ihr müsst auf keinen Fall ewig rühren, aber wenn ihr den richtigen Zeitpunkt verpasst habt, ist halt alles schwarz.

Gebrannte Mandeln 3

Die Mandeln kommen auf ein Backblech mit Backpapier zum Auskühlen. Die Masse ist anfangs extrem heiß, also noch ein guter Grund für die kinderfreie Zone. 😉

Gebrannte Mandeln 4

In die Pfanne gebt ihr einfach heißes Wasser und nutzt die Restwärme. Dann löst sich auch der Zucker auf und ihr müsst nicht ewig schrubben.

Die Mandeln, die ihr noch nicht vom Backblech weg genascht habt, verpackt ihr jetzt nett in einem Glas oder so einen durchsichtigen Tütchen. Fertig!

Gebrannte Mandeln 5

*Unter BloggerINNEN ist es üblich, alle anderen BloggerINNEN als „lieb“ zu betiteln. Es ist eine dieser ungeschriebenen Regeln, die man zwingend einzuhalten hat, wenn man überhaupt weiter dazugehören will. In diesem Fall würde ich „lieb“ gerne durch „entzückend“, „herzensgut“ und „wunderhübsch“ ersetzen, aber ich halte mich an die Regeln.

Ab morgen, Kinder, wird´s was geben!

IMG_0009Die Pakete stapeln sich im Flur, das Weihnachtsradio dudelt, Kalender werden hektisch miteinander abgeglichen. Weihnachtsmarktbesuche, Plätzchen- und Glühweinorgien verabredet. Die Nähmaschine rödelt und die selbstgestrickten Socken stricken sich auch nicht selber, sondern liegen angefangen und mahnend auf der Couchkante. Plätzchen müssen gebacken werden, die Küchenschränke bersten vor gemahlener Mandeln, Marzipanrohmasse, Butterschmalztöpfchen und Vollmilchkuvertüreblöcken. Während im Flur die Kiefer in der Bodenvase den Kopf schwer hängen lässt aufgrund der Holzengel und Bastelergüsse befreundeter Kinder aus vergangenen Jahren wird mir klar: Es geht wieder los!

Morgen gehts los. Vier Wochen das volle Weihnachtsprogramm mit allem, was dazu gehört. Und auch hier, für euch, ist Weihnachten angesagt. Mir egal, ob euch das gefällt, es ist Advent. Da müssen wir jetzt durch!

Bloggeradventskalender sind eine hübsche Tradition und ich habe mich ins Zeug gelegt, um sowas zusammenzufrickeln. Ich habe die Bloggerkollegen angeschrieben, bei denen ich schon gastgebloggt habe und um einen Adventsbeitrag gebeten als Revanche. Jetzt laufe ich händeringend noch die Freundesblogger ab auf der Suche nach Wort und Schrift und Bild und so. Manchen mögen mich jetzt weniger. Alles nur für euch!

Was erwartet euch also die nächsten Wochen? Chaos, ein Familienbetrieb in mitten einer Wurstwiese, Schweizer Schweinereien, ein Stollendesaster in XXL, eine Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs, Fitness (gut für hinterher, man sollte sich schon in Phasen der Völlerei auch Gedanken über das Danach machen), Französisch für Pieschner in zwei Ausführungen, Handgemachtes, Kopfgedachtes, Herzklopfen. Ein Adventskalender für große Kinder und Leute, die wie ich der Wortliebe frönen. Es gibt leider keine Reisegutscheine zu gewinnen und keine Kosmetikkoffer. Auch keine Plastetanne oder Plastespielzeug. Aber es gibt auch nicht Nichts. Lasst euch überraschen.

Ich weiß noch nicht, ob ich vierundzwanzig Türchen voll bekomme, gebe aber auf jeden Fall mein Bestes für die nächsten Wochen, um euch zu erfreuen ❤ . Warum? Weil ihr die Größten seid, ganz einfach. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr habt mich das ganze Jahr erfreut mit jedem Blick auf den Statistikbalken, hinter jeder dubiosen Zahl (soundsoviel Zugriffe an diesem und jenem Tag), dahinter standet ihr. Jedes Icon hinter dem Like-Button eines jeden Beitrags, jeder Kommentar, jede eMail von euch hat mir soviel Freude bereitet! Und deshalb ist es Zeit, Danke zu sagen. Euch, meinen Lieben! Ich bin schon ganz adventsschmalzig. Wir sind hier nicht die Größten und die Schönsten vielleicht auch nicht. Noch nicht mal die Lustigsten. Aber wir haben´s nett hier und viel Spaß miteinander. Ich bin gerne hier mit euch.

Aber jetzt erst mal genug geduselt: Frohe Weihnachten uns allen. Und hoch die Glühweintassen!

 

Schwer erziehbar

Alles Jungs, außer Mutti. Und die tanzen mir auf der Nase rum! Alle.

Ach, Leute, ich muss echt an mir arbeiten. Ich bin viel zu weich. Sagt auch der Beste. Ich lasse mich von denen manipulieren, sagt der Beste. Die nehmen mich nicht ernst, da ist sich der Bärtige sicher. Konsequenz sei das A und O, sagt der Beste. Ich sei keine Autoritätsperson, kritisiert der Mann. Dabei steht er vor mir mit einem Oberlehrerblick und erwartet irgendwie jedesmal, dass ich Besserung und konsequenteres Handeln gelobe.

In der Tat reichen zwei Worte („Mami, bitte!“), gesprochen aus einem süßen, süßen Kindermund, umrandet von duftender zarter Kinderhaut und obendrüber diese blinkenden riesengroßen Augen in dunkelbraun beziehungsweise blau, und schon knicke ich ein. Blinker, blinker. Mami, bitte! Ich stecke Gummibärchen in klebrige Kinderhände, zehn Minuten vorm Abendessen. Mami, bitte! Ich zücke Fünf-Euro-Scheine zusätzlich zum Taschengeld. Ich suche den dritten oder vierten Nuckel und das zwölfte Buch, das der Kleinste eben braucht zum Glücklichsein. Ich bin weich. Wie ein Muttibauch. Ich kann gar nicht anders!

Ich soll allerdings. Wenn es nach dem Besten geht. Das sagt der mir immer wieder.

Nun begab es sich die Tage, dass der bärtige, oberschlaue Mann einer Wirbelblockade im oberen Rücken anheimfiel (Ich werde jetzt etwas weiter ausholen. Irgendjemand von euch muss mal den Faden für mich festhalten, den finde ich alleine womöglich nicht wieder. Danke.). Es ziepte also. Hilfsbereit und rückenleidsgeplagt wie ich bin, empfahl ich, das für den Abend anvisierte Kneipenmeeting mit vorangehender Squash-Einheit besser abzusagen. Aber auf mich hört ja keiner (siehe oben). Der mit dem kleinen Zipperlein schnappte sich die Sporttasche und ging.

Heim wurde er dann gebracht. Es rumpelte spätabends im Flur und des Bärtigen Freund stand schuldbewusst vor der Tür, die Squashtasche des mir Angetrauten in der einen Hand und den Widerspenstigen quasi an der anderen. Dieser hing mehr schief als gerade irgendwie am Treppengeländer (von Demut keine Spur) und forderte mich auf, vor ihm in die Knie zu gehen. Er kam alleine nicht mehr aus den Latschen. Nach einem kurzen Blick war klar, es lag nicht am Bier. Die Ursache war viel mehr in der dem Bier vorangegangenen Sporteinheit zu vermuten. Der Alte hatte Rücken. Und zwar jetzt richtig!

Der Freund lächelte noch entschuldigend und meinte, ich hätte wohl recht gehabt mit meiner weisen Voraussage, es wäre besser gewesen, wenn… ach was, geschenkt. Ich winkte ab und bugsierte den bockigen Patienten in die Waagerechte.

Dort verharrt er nun weitestgehend seit Tagen. Ich könnte noch einiges zu der kranker-Mann-zu-Hause-Situation schreiben, aber wen will ich damit hinterm Ofen vorlocken. Kennt ihr alles. Mürrischer Kerl, der die Welt und seine Familie vom Bett aus regiert, lauwarmer Kaffee! Tu dies, hol mir das, nein, ich will kein Zäpfchen, das hilft bei mir nicht, mach das Licht aus im Flur, haben wir einen Goldesel im Keller, ich schwitze, ich friere, was gibt’s zu essen?

Das ist also die Ausgangssituation. Wo ist mein Faden? Ach danke. Konsequenz ist das Thema. Und Erziehung. Und dass ich an beidem arbeiten soll. Sagt der Mann.

Heute Morgen nun terrorisiert mich der Angeheiratete noch mehr als sonst und fragt ständig, wann ich denn endlich ins Büro gehe. Ich kläre ihn auf, dass ich heute aus dem Homeoffice arbeiten würde. Wir sitzen uns gegenüber, da platzt es aus ihm heraus: „Du, ich muss dir was sagen. Ich hab was gemacht…“ (bedröppelter Blick). Aus irgendeinem Grund verfügte ich in diesem Moment über uns beide vollkommen überraschende hellseherische Talente und ich knallte ihm vor den Kopf: „Du hast die Playstation heimlich aufgemacht!“. „Hä?! Ja?! Woher…“.

Wochenlang hatte mich der Bärtige mit inszenierter Unterstützung durch das Großkind bequatscht, sie bräuchten jetzt aber ganz dringend die PS4, weil die olle PS3, also das geht ja nun mal gar nicht mehr! Und überhaupt haben alle Kinder die neue PS4! Und wenn wir die alte bei ebay verticken, dann ist die neue ja quasi fast umsonst! Also mindestens umsonst! Und wie schön sie dann damit spielen würden, die beiden großen Jungs. Und was ich dann für eine Ruhe hätte! Also eigentlich sei das ja quasi ein Geschenk, das sie MIR machen würden, wenn sie dann diese PS4 hätten und so schön spielen würden und ich dann so viel Ruhe hätte…

Lesern, die zum Abschweifen neigen, empfiehlt sich an der Stelle das nochmalige Lesen des zweiten Abschnittes. Das mit dem „Ich bin weich“ und so. Habt ihrs? Alles klar. Das ist auch das Stichwort: Sie hatten mich. Nicht wegen der Ruhe, ich bin ja nicht blöd, sondern weil ich einfach weich bin. Und weil die mich so angeguckt haben!

Mit fadenscheiniger Konsequenz habe ich erklärt, das sei aber ein Weihnachtsgeschenk! Und zwar das einzige! Für beide! Sie nickten.

Seit einer Woche ist die Kiste nun da und neben dem Bügelbrett im Schlafzimmer versteckt.

entweihtes Weihnachtsgeschenk

entweihtes Weihnachtsgeschenk

Und nun das heute. Ich saß dem Mann gegenüber und versuchte, die Contenance zu wahren: „Nein! Du hast nicht wirklich. Sag mir, dass du nicht… ich fasse es nicht! Allen Ernstes?!“. „Ach Mäusel, komm…“. „Wie muss ich mir das vorstellen? Ich geh auf Arbeit und du holst das Weihnachtsgeschenk für unseren Sohn raus und…“. „Es ist auch mein Weihnachtsgeschenk!“. „Holst euer Weihnachtsgeschenk aus dem Schlafzimmer, daddelst den ganzen Tag, und bevor ich heim komme, versteckst du das wieder klammheimlich?!“. „Nö, nur die Kiste ist noch im Schlafzimmer, der Rest ist in den Schiebern im Wohnzimmer. Guckt ja keiner von euch rein.“. „Sage mal, wie durchtrieben bist du eigentlich?!“. „Ach komm, Mäusel, sei doch nicht so sauer. Da hab ich einmal eine anständige Krankheit, mit der es sich leben lässt und du gönnst mir keinen Spaß.“. „Waaaas? Ich glaube, es hackt! Ich sorge gleich dafür, dass du richtige Rückenschmerzen hast! Solche, wo du froh bist, wenn dir einer ein Zäpfchen in den Hintern rammt!“. „Ach komm, Mäusel.“. „Nix da, hör auf, mich anzumäuseln!“.

Atmen. Contenance.

„So. Du sagst mir immer, ich muss konsequenter sein. Was also denkst du, wäre eine angemessene Strafe?“. „Hä? Aber du sollst doch nicht MIR gegenüber konsequenter sein! Nur gegenüber den Kindern! Ach Mäusel, komm, sei wieder lieb zu mir.“. „Lass das, und hör auf, so einen albernen Flunsch zu ziehen und mit den Augen zu klimpern! Das wirkt bei mir nicht. Du siehst aus wie Heidi, das schielende Opossum. Nur mit Bart. Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“. „Mir war so langweilig.“. „Ach, und da hast du gedacht, die blöde Alte merkt nicht, wenn die Playse aufgerissen ist. Die wickelt am vierundzwanzigsten Dezember einfach buntes Papier drum, die doofe, und du lachst mich heimlich aus hinter meinem Rücken, ja? So hast du dir das gedacht.“. „Nein, Schatz, natürlich nicht.“. „Ich zeig dir jetzt mal, wie konsequent ich bin, Freundchen. Ich bin nämlich nicht dein Privatidiot. Tagsüber auf der Couch lümmeln und daddeln, wenn keiner guckt, und wenn ich da bin, spielst du den sterbenden Schwan und liegst im Bett und musst bedient werden…“. „Ach Mäusel, komm, so ist das doch gar nicht. Und ich habs dir ja immerhin auch erzählt. Und ich wollte dir auch noch sagen, wie wunderschön du heute aussiehst und dass ich dich sehr liebe!“. „Papperlapapp! Die Playstation schicke ich heute noch zurück.“. „Waaaas?! Nein, das kannst du nicht machen! Damit bestrafst du ja nicht nur mich, sondern auch das Kind.“. „Stimmt. Dann bekommst du in diesem Jahr eben keinen Adventskalender! Und den, den ich für dich gekauft habe, stelle ich auf meinen Schreibtisch und esse ihn ganz alleine auf!“. „Das ist fies. Ich würde sowas Fieses mit dir nie machen!“. „Du hast mir noch nie einen Adventskalender gekauft!“. „Aber ich wollte! Du wolltest doch gar keinen haben. Du seiest erwachsen und bräuchtest das nicht, hast du gesagt.“. „Ja, sowas sagen Erwachsene eben! Trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn du mir einen gekauft hättest. Oder gebastelt. Oder einen Douglas-Gutschein jeden Tag. So schwer ist das doch nicht. Aber nein!“….

Ich gebe zu, irgendwo ist mir zum Ende zu in dieser Debatte die Sachlichkeit abhanden gekommen. Und das Thema wurde auch etwas verwässert. Ich kann auch nicht streiten. Ich knicke ein. Ich bin ein Friedfisch. Und ermüde schnell.

Ich war dann im Büro und habe gearbeitet. Und der Simulant war im Wohnzimmer an der Playse. Bevor das Großkind heimkam, hat er sie versteckt. Und ja, ich schäme mich für uns beide.

Der Bärtige hat recht: Ich muss an mir arbeiten. Die tanzen mir auf der Nase rum! Je oller, je doller.

Was mache ich denn jetzt mit dem? Was würde Jesper Juul raten? Hat irgendjemand Ideen? Alles außer: „Kein Sex mehr in diesem Jahr!“, wir haben schließlich nicht den einunddreißigsten Dezember. Das glaubt der mir eh nicht, auch diesbezüglich habe ich schon früher meine Inkonsequenz bewiesen.

Ich fürchte, ich bin erziehungstechnisch ein hoffnungsloser Fall.  🙂

Integrationsbemühungen

Integration ist ja hier im Landstrich ein großes Thema! Und auch ich habe massive Integrationsprobleme, soll ich doch ins Arbeitsleben re-integriert werden.

Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Säße ich bei Penny an der Kasse, wäre ich möglicherweise nach zwei Jahren Elternzeit wiedergekommen, hätte: „Hallo alte Kasse!“ gesagt, mir mein Wechselgeld geschnappt und würde „Piep piep“ am Band machen wie eh und je.

Nun mache ich ja beruflich „irgendwas mit Medien“ und da sind zwei Jahre draußen so gut oder schlecht wie ein kompletter Neuanfang. Außerdem habe ich in einen anderen Bereich gewechselt und sitze nun in einem schicken Großraumbüro mit lauter jungen Leuten. Die Namensschilder weisen sie als Benjamin, Lucas oder Leander aus und sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass die neuen Kollegen von der Altersstruktur her Produkte meiner frühen Fortpflanzungsbemühungen sein könnten.

Hm, da fällt mir ein, ich weiß gar nicht, wo eigentlich mein Namensschild ist. Irgendwo in einer Kiste vielleicht? Ich erinnere mich vage, dass ich irgendwann den vergilbten Zettel mit meinem Namen entfernt habe und durch einen Zettel mit „B.Schäftigt“ ersetzt hatte. Damals fand ich das wohl sehr witzig. Heute sitze ich also namenlos im Büro und versuche mich zu integrieren. Oder zumindest nicht negativ aufzufallen. Brotbüchse rausholen macht hier schon mal keiner. Kulturelle Unterschiede? Ich kenn mich aus!

Zweisprachigkeit ist ja auch in Elternblogs oft ein Thema. Soll ich nun die Cassandra-Edelgart deutsch-russisch-portugiesisch erziehen oder lieber deutsch-englisch-französisch? Oder gar kein Deutsch mehr und Afrikaans dafür? Man weiß es nicht.

Ich weiß es schon mal gar nicht!

Kinder lernen ja schnell, bei Erwachsenen ist das schwieriger. Ich hänge im Zuge meine Re-Integration ja auch in dieser Zweisprachigkeitserziehung drin und habe arge Probleme.

Früher sprach ich fließend Beratersprech. Ja wirklich, es gab Abende, da habe ich den Abendbrottisch zum Meetingraum erklärt um über die familiären Performance-Probleme zu fachsimpeln und angeboten, ein paar Charts dazu mit dem Beamer an die Küchenwand zu werfen… Alles weg.

Wenn ich im Büro den jungen Kollegen zuhöre, denke ich, die sind vom anderen Stern. Da wird ständig was gelauncht, delivert, gepublisht. Werden Sub-IDs ge-close-t, und man hat ständig einen „Call“. Die telefonieren ja nicht, die haben Calls. Oder Lync-en, Skype-n, WebEx-en. Die haben ein komplett anderes „Wording“ als ich! Ich muss noch viel lernen. Die gehen auch nicht „zu Tisch“ mittags, die gehen zum Lunch. Haben onsite- und offsite-Meetings, daily stand up´s, jour fixe´s und dergleichen mehr. Ich habe eine Brotbüchse und komme nicht mal mit dem blöden wireless Headset klar.

Ich komme mir vor wie ein nach einer Zeitreise.

Aber ich will mich ja integrieren! Heute Abend werde ich nicht den Kalender zur Hand nehmen um mit dem Bärtigen auszuknobeln, wer wann den Blondino zur Kita bringt, wir werden unseren weekly Delivery-Prozess modifizieren und dass ich Support bräuchte beim morgendlichen workaround, da meine utilization rate bei 100% liegt!

Und da ich finde, beide Welten können durchaus voneinander lernen, werde ich morgen, wenn ich mich von meinem Schreibtisch entferne, die jungen Leute darüber in Kenntnis setzen, „dass die Mami jetzt Lullull machen geht“. Das wird super, ich hab ein gutes Gefühl.

Ich wünsche euch allen ein performantes Wochen-Kickoff!

arbeit

Hanging Books

Hanging Books

Ich will euch heute eine tolle Frau vorstellen. Sie ist der Kopf von Librileo, einer gemeinnützigen Organisation und macht großartige Aktionen für Kinder und Familien. Und mit eurer Hilfe demnächst in Dresden.

 

Sarah, erzähl doch mal was über dich!

Ich heiße Sarah Seeliger, bin 28 Jahre alt und habe zwei kleine Kinder. Außerdem bin ich die Gründerin und Geschäftsführerin von Librileo. Die gemeinnützige Librileo UG haben mein Partner und ich im Januar dieses Jahres gegründet.

Sarah und Julius, die Gründer von Librileo

Sarah und Julius, die Gründer von Librileo

Was macht ihr?

Unser Ziel ist es, Kindern aus schwierigen Lebenslagen, Bildungschancen zu ermöglichen. Unsere gemeinnützige Organisation befähigt deshalb Eltern aus schwierigen Lebenslagen, ihren Babys und Kindern beste Voraussetzungen für den Schulbeginn mitzugeben. Wir begleiten die Familien über 6 Jahre hinweg. Alle drei Monate erhalten sie von Librileo eine Bücherbox. Diese Bücherbox kommt wie ein Geschenk hübsch verpackt zu ihnen nach Hause. Für uns ist es wichtig den Eltern auf Augenhöhe zu begegnen. Jede Bücherbox ist auf das Alter der Kinder ganz genau abgestimmt. Eine Bücherbox für die ganz Kleinen beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Thema „Kleiden mit den Jahreszeiten“, eine Bücherbox für 3 Jährige mit dem Thema „Trotzphase“ und für 6 Jährige mit dem Thema „Berufe“. Jede Box besteht aus einem Bindungselement, einem Bildungselement und einem Kinderbuch. Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien bekommen diese Bücherboxen kostenlos.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

In Deutschland leben momentan ca. 2 Mio. Kinder in Armut. Sie haben kaum Bildungschancen. Häufig bekommen sie keinen Schulabschluss und geraten in eine Negativ-Spirale. Das wollen wir verhindern. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben. Wir wollen erreichen, dass sich die Beziehung zwischen Eltern und Kind verbessert und in den Familien gemeinsam Bücher angeschaut werden.

Wie lange gibts euch schon? Wie groß ist euer Team?

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„hanging books“ in einer Haltestelle

Die gemeinnützige Librileo UG haben wir im März 2015 gegründet. Seit Juni werden wir von einer Stiftung unterstützt. Unser Team besteht aus Julius, einem Designer, einer Sozialpädagogin und mir.

Erzähl was über die Aktion!

Wir hängen Kinderbücher an Bushaltestellen auf, um Kindern eine Freude zu machen. So wird ihnen beim Warten auf den Bus nicht langweilig und sie entdecken durch uns vielleicht ihre Liebe zu Büchern. Wir verschönern die Stadt und liefern Lesestoff für Kinder. Außerdem wollen wir auf Bildungsarmut aufmerksam machen. Wir wollen die Menschen in ihrem täglichen Ablauf erreichen.

Was gabs bisher für Feedback?

Die hanging books Aktion hat bisher in Berlin und Köln stattgefunden. In beiden Städten ist die Aktion gelungen. Viele Menschen sahen die Bushaltestellen und viele Tageszeitungen und Radiosender berichteten darüber. Außerdem konnten auch Spendengelder eingesammelt werden.

"Hanging Books" in der Berliner Zeitung

„hanging books“ in der Berliner Zeitung

Im November soll „hanging books“ nach Dresden kommen. Das klingt toll!

Genau. Dafür suchen wir in Dresden noch Helfer. Es sollen 100 Bücher verteilt werden. Pro Haltestelle hängen 4-6 Bücher, ca. 20 Haltestellen sollen präpariert werden. Die Aktion wird Anfang November stattfinden. Das Ganze ist genehmigt und erlaubt! Wir freuen uns sehr! Und auch auf das Feedback der Dresdner.

Wie kann man dich erreichen, wenn man euch in Dresden unterstützen will oder diese Aktion in seine Stadt holen möchte?

Aktuell suchen wir in Dresden ca. 6-8 Freiwillige, die die Bücher aufhängen und bei der Planung helfen. Meldet euch einfach bei uns!

Danke für das Interview, Sarah, und ganz viel Erfolg und positive Rückmeldungen!

Hier kommen noch für alle Interessierten Möglichkeiten, Kontakt aufzunehmen, sich zu informieren und Librileo finanziell zu unterstützen:

Post an Sarah und Librileo: gemeinnuetzig@librileo.de
Hier gehts zur Unternehmensseite: http://librileo-gemeinnuetzig.de/info/

 

#wib – im Oktober

Das Gute an Wochenenden ist, dass man sich von der Woche erholen kann, regenerieren. Das Schlechte an Wochenenden ist, dass dieser Grundsatz für Eltern mit kleinen Kindern aufgehoben zu sein scheint.

Pünktlich Freitags ist das Kleinkind regelmäßig an irgendwelchen Körperöffnungen undicht, fiebert und macht die Nacht zum Tag. Wenn einer von uns Eltern abwesend ist, passiert das auf jeden Fall.

Der Bärtige war auf Jungsurlaub dieses Wochenende. „Fahrradfahren!“, sagte er. „Bier trinken!“, sagte ich. Er stritt das vehement ab und ich winkte müde und ließ ihn… wo bitte kann sich denn heutzutage ein anständiger Familienvater noch ordentlich betrinken? Also so richtig! Mit zwei Bier. Na also. Von mir aus nennt er das eben Radurlaub.

Ich war also von Freitag Nachmittag bis einschließlich gestern Abend im Notdienst, habe eine Nacht auf dem Kinderzimmerteppich zugebracht, mir dabei die Hüfte verknackst, mehrere Maschinen Spezialwäsche gewaschen, getröstet, gewischt, getragen, gefüttert, gewindelt, geflucht. Das übliche, ihr kennt das.

Es gibt also keine Fotos vom Samstag. Ach, halt! Eins gibt es. Der Beste hatte natürlich angeboten heimzukommen, und das fand ich nett und auch selbstverständlich. Aber das wäre Quatsch gewesen. Der war irgendwo im Nirgendwo und wäre sonstwann dagewesen. Ich versicherte ihm, ich sei groß und stark und das kriegen wir schon hin. Nachts fühlte ich mich dann doch ein wenig einsam…FullSizeRender-2Radurlaub! Sportlerurlaub! Da hat er mich dann doch sehr zum Lachen gebracht 😀 Der Gute.

Heute Morgen um fünf war die Nacht zu Ende aber He! Wir hatten durchgeschlafen! Zwar schlonzte aus der Mittelöffnung des Kinderkopfes noch grün wabernde Alienkotze und ich hatte ein wenig Angst, Sigourney Weaver könne mit der Kanone über den Balkon hechten um mein Baby abzuknallen, aber ansonsten alles prima!

Ich fühlte mich wie Superwoman und beschloss, den heutigen Tag mit der Knipse im Anschlag rumzulaufen. Ihr wolltet mal wieder wacklige Handyfotos, also bitte. Geht los!

Um sechs hatten wir gefrühstückt, eine Runde Indoorfußball gespielt (ein Schaumgummiball ist eine absolute Kaufempfehlung  von mir), drei Bücher und eine Teletubbies-Folge geguckt (doch, echt jetzt) und danach war der Blondino nur mit der Aussicht auf Spielplatz davon abzubringen, seinen selig schlafenden Bruder zu wecken. Wir also raus. In der Garage die erste Diskussion, weil das Kind dachte, wir würden jetzt in den Sonnenaufgang radeln. Oder zu „Grabo“ und „Lisa“, seinen Kita-Tanten (die im übrigen weder noch heißen).

Ich war quasi mitten in der Nacht überhaupt noch nicht in the mood für Sport und wollte gemietlisch Wagen schieben. Der von uns mit dem größeren Kopf und den längeren Haaren hat sich durchgesetzt. Sieht auf dem Bild nur noch nicht danach aus.IMG_3919Wir waren die einzigen Menschen draußen und das hatte auch was für sich. Und überraschend war es noch dazu! In dem düstren Morgenlich hatten die Straßen mit Ampel- und Baustellenbarkenbeleuchtung was regelrecht Romantisches. Ein bisschen wie Weihnachtsvorstimmung! Scheen wars…

Ein romantisch beleuchteter Bagger, für jeden von uns war also etwas dabei 😉IMG_3925 IMG_3927 IMG_3931 IMG_3930  IMG_3928Bei Scholzens in der Bäckerei wurde schon gearbeitet. Mich jieperte es sofort nach Kartoffelkuchen! Aber leider hatten sie keinen (den Rest des Weges versuchte ich, auf andere Gedanken zu kommen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen).IMG_3929Spielplatz im Dunkeln ist ja auch irgendwie skurril… und dieser hier hat noch das albernste Warnschild ever. Wohlgemerkt: An einem Spielplatz!IMG_3941 IMG_3944

IMG_3942 IMG_3943Es wurde langsam heller. Also einfach immer hellgrauer…IMG_3934 IMG_3935Neben dem Sachsenbad: Bagger. Den Blondino freuts, mich eher nicht. Heißt es doch nicht etwa, dass meine naiv-romantischen Wünsche nach Restaurierung dieses altehrwürdigen Bades erfüllt werden, sondern eher, dass nun Eigentumswohnungen, „Lofts“, dort hineingebaut werden. Allen Unterschriftensammlungen zum Trotz.

Wir machen uns auf den Weg zum Lieblingsspielplatz. Unterwegs: Pieschner Seenlandschaft (Die starren mich an, die Pfützen, seht ihr das auch?).IMG_3947

IMG_3952Wir gucken, wie weit der Frankreichladen mit dem Umbau ist. Nu ja, wird doch! Die zwei Betreiber bauen das alte Pieschner Schulhaus aus und das freut mich dolle. Außerdem haben wir nun bald zwei französische Restaurants in Pieschen. Zwei! Kein Bad, wo die Kinder schwimmen lernen könnten, aber man muss eben Prioritäten setzen. Haute Cuisine statt Schwimm´…

Der Spielplatz war auch fast vergessen, als der Blondino die abgestellte Fahrbibliothek entdeckte. „Laster! Laster Laster! Laster!“. Er hörte gar nicht mehr auf. Ich so: „Ja-haaaaa! Jeder hat eins, Babylein. Und deines sind doofe große Autos.“.IMG_3961Irgendwann konnte er sich lösen und wir gingen doch noch auf den Spielplatz. Morgens gegen sieben ist für mich die einzige Zeit, wo das ein Ort ist zum Aufhalten. Ich weiß nicht genau, ob es eine anerkannte Form der Sozialphobie ist- diese Aversion gegen volle laute Spielplätze- aber wenn, ich hab sie!IMG_3966Ohne Leute ist es sehr schön. Außerdem gibts dort Lavendelbeete. Und Thymianbeete. Minze. Irgendwann wird der Blondino im Kindergarten lernen, dass man nichts abrupft auf den Beeten, aber bis dahin lässt er mich in Ruhe pflücken.IMG_3969Die heutige Ausbeute:IMG_3973So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind immer noch draußen und ich will ja heute Fotos machen! Also mach ich noch Fotos! Nein, wir gehen später nach Hause.

Das Kind kramt in seinen Taschen und findet zwei Walnüsse. Große Freude! Er liebt Fußball, aber nicht nur. Auch Fußkartoffel, Fußapfel, Fußtomate. Wir spielen eine Runde Fußnuss.IMG_3846 IMG_3856-1Drinnen dann habe ich immer noch Kartoffelkuchenjieper. Für mich ist das ein großes Ding! Was dem Bayer sein Weißwurstmetzger, ist dem Dresdner sein Stollenbäcker. Die Stollen werden ja ab dem Spätsommer gebacken und lagern dann irgendwie wochenlang und werden zig mal gebuttert und gezuckert und gedreht und gestreichelt, was weiß denn ich. Und während der Stollenbackphase kann man als Kunde natürlich noch keinen Stollen kaufen. Aber der Bäcker, der schlau ist, fixt die Kunden frühzeitig mit Kartoffelkuchen aus Stollenteig an. Funktioniert bei mir hervorragend! Ich mag das Gelumpe fast noch lieber als den Stollen selbst.

Nun habe ich ja keinen angesetzten Stollenteig zu Hause vorrätig, werde aber zum Glück fündig in einem alten Kochbuch aus der DDR von 1970. Das Buch ist so alt wie ich, hat aber weniger Falten und kennt mehr Rezepte. Ich weiß nicht, ob das gerecht ist. Ich versuche, beim Thema zu bleiben. Kartoffelkuchen also.IMG_3974Ich ändere das Rezept in dem Buch etwas und so wirds dann:

1 Würfel Hefe in 300ml warmer Milch auflösen und in eine Schüssel zu 500g Mehl, 2 Handvoll gemahlener Mandeln, knapp 100g Zucker, zwei Handvoll Rosinen, dem Abrieb einer Zitrone und einer Prise Salz gießen. Vorsichtig verrühren. 5 gekochte Pellkartoffeln durch die Presse drücken und unterkneten. Abdecken und mindestens eine halbe Stunde gehen lassen. Danach auf einem Blech ausrollen und ca. 20-30 Minuten backen bei 150°C Umluft (Ihr müsst das mal testen bei euerm Herd. Der Kuchen soll nicht braun werden, macht einfach ne Stäbchenprobe nach zwanzig Minuten.). In der Zwischenzeit hab ich ein halbes Stück Butter ausgelassen in einem Topf. Dann den Kuchen mit einem Essstäbchen malträtiert um ihn im Nachgang mit Butter zu übergießen und ordentlich mit Zimtzucker zu bestreuen. Dann noch mal zum Ausruhen in den auskühlenden Herd. So sieht er aus:FullSizeRenderUnd so auf´m Teller:IMG_3979Saftig, leicht kartoffelig und ein bisschen adventisch. Hm!

In der Zwischenzeit macht der Pubertino, was Pubis so machen. Irgendein Gerät bedienen. Und das Kindergartenkind macht, was ein Kindergartenkind so macht: Mit seinem Kindergartenrucksack in der Gegend rumlaufen.IMG_3972Außerdem darf er Teletubbies am Tablet gucken, während ich an dem Kuchen rumfummle. Ihr habt doch nicht geglaubt, das gänge hier so nebenbei? Pah! Der Kleine beschäftigt sich nicht alleine und der Große beschäftigt nicht den Kleinen. Also beschäftige ich den Kleinen oder mache was Erwachsenes. Oder erlaube dem Kleinen was Verbotenes, damit ich was Erwachsenes machen kann! Backen zum Beispiel. Oder Duschen.

Die kleine Rotznase legt sich zum Schlafen nieder. Essen will er nichts, nur ne Pulle Milch. Also bitte. Der Pubertino will keine Kürbissuppe, deshalb kriegt er Eierkuchen. Ich esse also alleine die freestyle-Kürbissuppe und weil der Topf so groß ist und niemand hier mitisst, müsst ihr! Nehmt einen Löffel und bedient euch. Hier kommt das Rezept:

1 Butternutkürbis, 4 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen, 2 Möhren, 1 Süßkartoffel, 1 Stück Sellerie und ein kleines Stück Ingwer putzen, kleinschneiden und im Fett eurer Wahl anbraten bis sich braune Stellen bilden. Mit Gemüsebrühe aufgießen und weichkochen lassen und danach fein pürieren. Gewürzt habe ich nur ganz sacht mit Garam Masala und ein wenig Brühpulver. Obendrauf dann Schnittlauch und ausgelassenen Schinkenspeck. War wirklich lecker!FullSizeRender-1Um zwei soll der Bärtige ankommen und ich bin aufgeregt! Ich freu mich! Und das Kleinchen schläft und schläft. Vor lauter Langeweile putze ich auf den Balkons rum und fotografiere die Herbstdeko… ich muss ja Fotos machen heute!IMG_3634 IMG_3630 IMG_3629Dann wars turbulent und niemand hat Fotos gemacht…

Jetzt ist schon wieder Abend und wir machens uns nett. Also jetzt gleich. Wenn ihr weg seid!IMG_3668 IMG_3864Ich setz mich in meine Couchecke und gucke die letzten Folgen der Staffel drei von „House of cards“, knutsche mit dem Bärtigen und freue mich, dass jetzt endlich Wochenende ist.

Ach nee, schon wieder vorbei.

Naja, jedenfalls schön, dass ihr heute zu Besuch da wart! Kommt mal wieder 😉 und wenn ihr noch mehr #wib- se sehen wollt, bei Susanne gibts die Linksammlung für dieses Wochenende.

Alt Bindestrich – eine Stadtteilführung in Dresden

Sonntagmorgen. Die Sonne scheint, ich laufe los. Ihr dürft mit, ich zeig euch was!

Los gehts zu Hause.IMG_3769Es brennt. Ich muss weg!

IMG_3812Als nächstes kommen wir durch Alt-Pieschen. Einige kleine Fachwerkhäuschen des alten Dorfkerns sind noch erhalten und schmiegen sich eng an eng. IMG_3814Gegenüber die Wohnanlage Altpieschen 9 war noch bis in die Siebzigerjahre Quell eines geflügelten Dresdner Wortes: „Wennde so weidor machst, gommste nach Altpieschen neune!“, soll heißen, ins Obdachlosenasyl. 1912 vom Dresdner Stadtbaumeister Hans Erlwein errichtet, war es eines der Modernsten seiner Zeit. Es enthielt Wohnungen, die aus zwei Zimmern bestanden und sogar einen Herd besaßen! Im Keller der Anlage befanden sich ein Brausebad und ein Kinderschwimmbad. Sogar einen Spielpavillon ließ Erlwein anlegen. 2003 wurde der Komplex saniert und beherbergt nun (nicht obdachlose) Familien. In Wohnungen, mit mehr als zwei Zimmern. Und fließend Wasser (das war 1912 nicht implementiert).

Spielplatz in Altpieschen. Zwei alte Linden gaben dem Platz früher den Namen „Lindenplatz“. Das weiß niemand mehr, ich auch nur durch Google.IMG_3815In Altpieschen am Elbcenter eine weitere Sehenswürdigkeit: Der blaue Wagen. Dort verkauft man Softeis und veganes Eis und allerlei Kaffeespezialitäten. Das allein ist nicht erwähneswert. Aber im Herbst gibt es dort die allerbesten, duftendsten, dicksten, leckersten Waffeln, die ich je gegessen habe! Mit roter Grütze, mit Sahne, mit was-du-willst. Leider rückt der Betreiber das Rezept nicht raus, ich hab schon gefragt…

IMG_3811An der Pieschner Radbrücke muss man sich entscheiden. Links rum oder rechts rum. Die Skulptur scheint auch zu hadern. „Undine kommt“ heißt sie, ist Teil eines Skulpturenpaares und mir scheint, sie kommt nicht, sie verzweifelt. Aber was weiß denn ich, wie es aussieht, wenn Undine kommt…

Folgen wir der Brücke, gibt es allerlei zu sehen. Wir kommen am Hafen, dem Eselnest, am Yachthafen, an zwei Beaches, dem Japanisches Palais und so weiter vorbei, bis wir irgendwann in der Dresdner Altstadt stehen. Immer die berühmte Dresdner Altstadtsilhouette am Horizont. Ein schöner Weg, leider sehr frequentiert.

IMG_3808Wir gehen rechts rum, wir sind ja keine Touristen!

IMG_3810Ab jetzt haben wir die Elbe links und laufen Richtung Meißen (Wenn auf den Fotos die Elbe rechts sein sollte, habe ich mich umgedreht und befunden, das Licht sei für dieses unprofessionelle Handyfoto so rum besser, wisster Bescheid).IMG_3807Dieses erste Wegstück zeichnet sich durch eine hohe Kneipendichte aus. Das ist schlecht, wenn man da vorbeilaufen muss, und entweder/oder Hunger, Durst, keinen Bock mehr hat oder Pipi muss. Also immer. Hier liegt auch die Lieblingskneipe der Nieselpriem-Familie, das „Watzke“. Nirgends in der Stadt bekommt man so eine leckere Broilerplatte mit Bratkartoffeln.

Hinterm „Watzke“ wird es stiller und weitläufiger. Seht ihr die Häuseln hinter der Flussbiegung? Das ist Alt-Mickten. Gleich sind wir da.

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IMG_3770Wir laufen jetzt ein Stück auf dem Elberadweg. Da steht jetzt neuerdings auch mehrmals drauf, welcher Fluss links von uns fließt. Kann ja mal sein, dass man am Flussufer wach wird und gar nicht mehr weiß, wo man ist, oder? Genau.

Am Ende der geraden Strecke kommen wir nach Alt-Mickten. Hier ist auch noch ein Teil des historischen Dorfkerns erhalten. Das Sehenswerteste am Ortsteil ist der Biergarten der „Lindenschänke“, also das ist das, was der Bärtige dazu zu sagen hätte. Warum? Kommt gleich…

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IMG_3771 Wir laufen unterhalb der „Lindenschänke“ weiter. Das ist ein wirklich schönes Stück Weg… Ich liebe das!IMG_3773

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Überall dort finden sich gravierte Pflastersteine. Hier eine Straßenbahn. Warum irgendjemand (Karl-Heinz?) eine Straßenbahn verewigt hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

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Erinnerung: Wenn die Elbe rechts ist, hat sich die Nieselpriemerin nur kurz umgedreht…

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Hier leben Menschen. Unglaublich. Ich denke, wenn man hier so rumwohnt und morgens auf dieses beschauliche Stück Welt schaut, den sanften Fluss… also dann hat einen das Leben schon derbe bei den Eiern, äh, penetriert einen das Schicksal ungefragt rektal, nein, warte! Ich meine doch nur, es muss unglaublich hart sein… wirklich regelrecht unglaublich.

Nein, Kinder, ist das schön dort. Und dabei mitten in Dresden. Denkste nicht, oder?IMG_3802

IMG_3780Hinter der nächsten Kurve kommen wir zum Schloß Übigau. Hier ist auch schon ein Schild:IMG_3779Wer mit dem Pferd hier vorbeikommt, kann es festmachen. Oder ungezogene Kinder. Ist nur ziemlich weit oben, der Ring!

IMG_3785Das Schloss Übigau ist ein im achtzehnten Jahrhundert erbautes Barockes Lustschloss und hatte eine wundervolle Gartenanlage. Leider ist es nur noch in Fragmenten erhalten. Wenigstens beherbergt es einen Biergarten. Prost!IMG_3784

IMG_3783Wieder ein gravierter Stein. Diesmal unschwer zu erkennen: Das Zwingertor des Dresdner Zwingers. Leider ist die Jahresangabe undeutlich, es sah aber aus wie 2.1.1935.

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In Alt-Übigau gibts noch was zu gucken. Ein monströses Stahl-Dings ragt hinter dem Schloss in die Luft.IMG_3786

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IMG_3789Nach Alt-Übigau kommt auf unserem Pfad erst mal … nichts! Wobei, nichts stimmt ja nicht. Links die Elbe, rechts Bäume, Büsche, Felder, Wiesen, Ruhe.

Von überelbsch dringen manchmal Geräusche von Autos herüber und man sieht Kräne und dergleichen. Hier, rechtselbisch, hat man weiterhin naturnahes Spazierfeeling. Oder eben Lauffeeling, wenn man nicht permanent anhalten muss zum Fotografieren!IMG_3787

Hier zu sehen: Ihre freundliche Stadtführerin.IMG_3798

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Mitten im Nichts ein irritierendes Schild. Vielleicht darf ich hier nicht mit dem Boot lang, oder vor und zurück ist generell verboten. Oder etwas anderes Verkehrstechnisches soll auf dieser Wiese unterbunden werden (Ich denke, irgendein Schlaumeier wird sich schon in den Kommentaren melden und: „Ich! Ich! Ich weiß es!“, schreien. Einfach mal abwarten 😉IMG_3792

IMG_3788Wenn wir jetzt dem Trampelpfad weiter folgen, wird es noch ein bisschen beschaulicher. Dann kommt Kaditz. Alt-Kaditz ist auch wunderschön, hat einen beschaulichen Dorfkern, eine schöne Kirche mit einer berühmten Linde und auf dem Friedhof dort sollen mal meine Gebeine ruhen. Da hab ich dann eine tolle Aussicht! Auf rumstehende Pferde, Gemüseäcker, Apfelbäume und friedliches, ruhendes, dörfliches Nichts. Immer noch „mitten in Dresden“.

Von Altkaditz führt ein Weg nach Alt-Kötzschenbroda, und da müsst ihr wirklich mal gewesen sein! Also, ich will nicht zu viel verraten, nur, dass es (voll die Überraschung) einen wunderschönen Dorfkern gibt und einen berühmten Tisch. Also richtig berühmt!

Das machen wir das nächste Mal. Heute schaffen wir das nicht mehr, ich muss ja den ganzen Weg auch wieder zurück! Und Essen kochen. Als Dessert solls „Tarte Tatin“ geben. Ob die was geworden ist, könnt ihr bei Instagram nachsehen. 🙂

Ich hoffe, ihr kommt das nächste Mal wieder mit zum Laufen. Laufen ist ja gesund. Und lehrreich!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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€2,00

Leute, es wird Herbst!

IMG_3721Allen Hasen tropfen die Nasen,

der Rotz wirft regelrecht Blasen (und das nicht nur in Maßen).

Alle husten oder rotzen,

das Geröchel ringsum ist zum … Rasen!

 

I remember, wir haben Ende September…

(Pieschner Volksdichtung)

Planung ist alles!

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Von wegen.

„Ein Projektplan ist immer der momentane Stand des Irrtums.“, ist ein unter Projektleitern ebensoweit verbreiteter Satz wie: „Wer glaubt, dass Projektleiter Projekte leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten!“. Da werden in zig Tools Daten verschwurbelt, Risiken bewertet und einkalkuliert, alle (wirklich alle) erdenklichen Zustände und Umstände und gegebenen Rahmenbedingungen durchgerechnet und in Form gebracht. Und am Ende noch grafisch und schön bunt aufbereitet und ja! Also so wird ein Schuh draus! Bis, ja, bis eben wieder alles umgefummelt werden mus. Weil… weil eben! Weil es eben nie nach Plan läuft! Warum? Tja, Pläne eben. Theorie und Praxis. Der Kern des Pudels.

Ich bin auch so planungsverliebt. Wirklich. Mit Plänen und Analysen habe ich schon viele Jahre mein Geld verdient und so theoretische Praktiker wie ich, die neigen oft dazu, ihr alltagsuntaugliches Verhalten auch im Privaten einzusetzen. Mit zu erwartendem Erfolg…

Für diesen Spätsommer gab es auch einen Plan. Der wurde angepasst, modifiziert und ist Stand heute reif für die Tonne!

Im Juni sollte die Eingewöhnung des Blondinos beginnen. Am ersten September würde ich nämlich wieder in der Fabrik erwartet werden. Im Betrieb. An der Stanze, ihr wisst schon. Juni, Juli, August. Klang super! Drei Monate wurde noch nie ein Kind eingewöhnt. Selbst wenn ich alle Risiken wie Trennungsschmerzen, grippale Infekte, Meteoriteneinschläge und dergleichen mehr einkalkulierte, kam ich auf mindestens einen ganzen Monat Urlaub. Also für mich! Das war auch der Plan.

Hach, wie ich mir das ausmalte. Ich würde mich noch mal mit all meinen Freundinnen treffen, im Marché frühstücken, auf der Prager Straße bei Starbucks in der Sonne sitzen und Leute anglotzen. Ich würde endlich mal alle Museen der Stadt besuchen und allen Shoppingtempeln einen Besuch abstatten. Ich würde nähen und schreiben und die Wohnung umdekorieren. Drei mal in der Wochen laufen gehen! Menschenskinder, einen ganzen Monat Urlaub! So ein Glückspilz. Und in diesen vier Wochen würde auch irgendwann der bärtige Mann eine Woche Urlaub nehmen können und dann, ja dann hätten wir´s ganz besonders schön. Wir führen vielleicht nach Meißen, wo wir dereinst vor zehn Jahren geheiratet hatten und spazierten romantisch wie frisch Verknutschte durch die Gässchen. Wir würden bestimmt auch mal ne Radtour machen oder ein, zwei Museen gemeinsam besuchen. Vielleicht blieben wir auch einfach drei Vormittage hintereinander im Bett wie verantwortungslose Menschen gänzlich ohne irgendwelche Kinder, Jobs und Kegel. Niemand würde kochen, wir speisten auswärts in den allerfeinsten Spelunken. Schließlich ist ja Urlaub!

Soweit der (nüchterne) Plan.

Zuerst erwies sich die Kita, die das wundervolle Rotznäschen mit dem güldenen Haar besuchen sollte, als gänzlich ungeeignet! Das war ein Schock, aber nicht zu änderen. In einer hastigen Nacht-und Nebelaktion und mit viel persönlichem Einsatz meinerseits tat ich eine neue Betreuungsoption auf (und bis zur Zusage sogar noch als Plan B eine Tagesmutter plus eine Kita, die ihn dann im Anschluss 2016 nehmen würde). Meinen internen Projektplan modifizierte ich entsprechend der vorliegenden Änderungen bereits ein wenig.

Aus Gründen, die sich meinem direkten Einflussbereich entzogen, verschob sich die Eingewöhnung des Kindes immer weiter nach hinten, bis klar war: Das Kind kann von Seiten der Kita erst im September eingewöhnt werden. Also dann, wenn ich wieder zur Steigerung des Bruttosozialproduktes anderweitig verplant war. Glücklicherweise verfüge ich über eine Ansammlung an Resturlaubstagen aus vergangenen Jahren, aus Zeiten, in denen ich nur ein Kind und anscheinend weder Erholungsbedarf noch Hobbies hatte. Kurzerhand nahm ich den ganzen September Urlaub.

(Während ich das hier schreibe, bin ich also bereits pro forma eine wiedereingegliederte Vollzeit arbeitende Zweifachmutter. Ohne irgendeine Ahnung, wie sich das anfühlt!)

So. Der Bärtige und ich kratzten uns gegenseitig die Köpfe und beschlossen, die letzte Septemberwoche, also da gehts scharf! Da nimmt der Mann Urlaub und dann – endlich! – dann machen wir das, was wir mal dachten, was wir machen würden. Damals, als wir noch planten. Meine persönlichen Projektziele hatte ich schon längst über den Haufen geschmissen. Drei Tage. Drei Vormittage war die bisherige Freizeitausbeute gewesen (an einem hatte ich geputzt, an einem drei Stunden wie ein Stein geschlafen und an einem hatte ich mich tatsächlich mit einer Freundin verabredet).

Am Montag beginnt also diese Woche. Gestern schon wünschten wir uns gemeinsam einen schönen Urlaub. Heute nun kam ein Anruf. Die Kitagruppe des Wundervollen wird für nächste Woche aufgelöst, weil beide Erzieherinnen krank sind und kein Ersatz zu finden ist. Alle Kinder werden verteilt und die Eltern, die sich das einrichten können, werden gebeten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen.

Ich kann mir das für kommende Woche einrichten, ich bin ja noch diese eine Woche offiziell beurlaubt. Und ich werde auch, zumal der Kleinste die meiste Zeit seines Kitaaufenthaltes auf dem Arm seiner Bezugserzieherin zubringt. Mit Nunni im Mund und Tröstetuch in den kleinen Händchen. Trauernd und wartend, dass ich, seine Mami, endlich wiederkomme und ihn abhole. Der Bärtige storniert seinen Urlaub.

Aber Scheiße, ja, ich hätte wirklich gern geglaubt, dass es dieses eine Mal klappt mit der Planerei. Dass es hinhaut. So wie ich ab übernächste Woche dann auch wieder an meine beruflichen Planungen glauben werde.

Und irgendwie, hm, das klingt jetzt schizophren vermutlich, ist es okay. Es wird meine letzte Woche Urlaub sein und die wird anders als geplant. Aber ich werde die genießen, mit dem Kleinsten. Versuchen, das noch einmal ganz bewusst als geschenkte Zeit zu betrachten. Nicht trauern um romantische Meißen-Spaziergänge, die wahrscheinlich sowieso nicht stattgefunden hätten, weil die Bäume im Garten zu verschneiden sind oder Ausweise neu zu beantragen oder anderer Scheiß, den Elternleute so in ihrem Urlaub machen. Nein, ich werde eine schöne Woche Urlaub haben.

Also, ruft mich nicht an und schreibt mir nicht, ob wir uns mal treffen können bei Starbucks. Ich bin schon verplant!

😉

Der Lauf

…meines Lebens war das nicht am Samstag und so ganz freiwillig erzähle ich euch auch nicht davon.

Also eigentlich überhaupt nicht freiwillig! Das ist alles Franzis Schuld. Als wir am Samstag auf den Start warteten, fiel mir ein, dass dieser Tag der zwölfte des Monats war. Und dazu noch Wochenende! Es fielen also #12von12 und #wib auf einen Tag. Und ambitioniert plapperte ich drauf los, ich müsste heute dringend noch Fotos machen! Daraufhin knuffte mich die aufgeregte Franzi in die Seite und sagte: „Du, ich bin sowas von sauer, wenn ich nicht Teil deines 12von12 oder Wochenende in Bildern bin!“. Ich versprach, sie „ganz groß rauszubringen in diesem Internet“ und wir giggelten und feixten um die Wette. Leider kam ich so auch nicht mehr aus dieser Nummer hier raus und muss also berichten. Wenngleich es zeitlich mal wieder jenseits von allem, was mit einem zwölften oder dem Wochenende entfernt zu tun hätte, liegt. Ich habe es zumindest versucht! Das sollte auch das Motto des Tages werden…

Aber wir drehen die Uhr erstmal ein bisschen zurück.

diszipliniertes Zopfgeschwader

diszipliniertes Zopfgeschwader

Mercedes Benz Frauenlauf. Zum dritten Mal in Dresden. Ich bin im letzten Jahr schon mitgelaufen und hatte mich danach begeistert direkt für 2015 wieder angemeldet. Lauf durch historische Altstadtkulisse, Lauftrainings im Vorfeld (für die, die das mögen), Shirt dazu und vorallem: nur Frauen. Ich finde das durchaus eine Erwähnung wert, denn, ganz ehrlich, die schubsen nicht! Die rennen dich nicht über den Haufen. Die fahren nicht einfach den Ellenbogen aus oder schmeißen dich in die Hecke, weil du im Weg rumläufst. Da wird ordentlich gewartet am Start und während des Laufs Rücksicht auf die Nebenfrauen genommen. Mädels unter sich halt. Und wenn du als Bummelletzte durchs Ziel taumelst, feuern sie dich noch vom Rand aus an: „Super, Henrike, weiter so! Gleich geschafft!“. Aber ich greife schon wieder vor…

Ich habe eine liebe Freundin namens Franzi (Genau, das ist die, wegen der ich jetzt diesen Text schreiben muss.). Eine ganz und gar großartige, lustige Person. Intellektuell stufenlos einstellbar, so wie es gerne mag, und seit kurzem Läufer. Also echt seit kurzem. Ein Jahr vielleicht, ich weiß es gar nicht genau. Sie ist zum Laufen gekommen, weil drei Schwangerschaftskilos runter sollten und überhaupt ist das Laufen am Abend eine Superidee, um sich an zwei Tagen pro Woche vorm familiären Spätdienst zu drücken! Mittlerweile läuft die Franzi tatsächlich zehn Kilometer, neben den geplanten drei Kilo sind locker noch zwanzig andere gegangen, geschmolzen, weg. Und Spaß macht es ihr außerdem. Also alles außer dem ersten Kilometer. Und dem letzten. Aber das kennt man ja. Franzi ist noch nie einen Lauf mitgelaufen und hatte sich nach eigenen Angaben beim Frauenlauf nur angemeldet, weil ich dort angemeldet war. Und war aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten! Ich freute mich also auch und wir beschlossen, gemeinsam hinzufahren und dort einfach bissel im Kreis rumzurennen und Spaß zu haben…

In der letzten Woche dann meldete sich eine alte Bekannte zurück: Bursitis, die alte Schleimbeutelentzündungshobelschlunzendummesau. Rechtes Knie. Mit so´nem blöden Scheißendreck kann man sich echt den ganzen Tag versauen! Und den nächsten. Und den übernächsten. Denn, die Scheiße geht so schnell nicht weg. Schwellung, Schmerzen, Hitze. Was hilft? Ganz klar: Ruhe! Been hoch, Quark droff und Schonung. Nicht rumrennen zumindest.

Da ist es natürlich ungünstig, wenn man genau das aber vorhat! Vernünftig wäre also gewesen, sich die Bilder vom Lauf im Internet anzusehen. Mit hochgelegtem Bein.IMG_3595

Ich habe mir erwartungsgemäß am Samstag mein Knie mit Kinesiotape bandagiert und es danach nochmals vom Bärtigen einwickeln zu lassen, weil dieser der Meinung war, ich hätte es falsch gemacht und Youtube hier sagt, das gänge ganz anders! Mir war sowieso alles wurscht, plante ich doch, innerhalb der nächsten Stunden mit rotem Shirt, pinkfarbenem Kinesiotape und schwarzweißen Stützstrümpfen für alle sichtbar durch die Innenstadt zu humpeln.

Und so kommt es dann. Beim Warten auf den Start entstehen diese Fotos, die die Motivation der Beteiligten gut einfangen:

Franzi so.

Franzi so.

Ich so.

Ich so.

Es war wirklich schön. Schönes Wetter, schönes Strecke, schöne Stimmung, schön bescheuertes Schleimbeutelknie. Falls ich dachte, ich würde zumindest den Preis für die originellste Beinverkleidung bekommen, Fehlanzeige!ein Bionicle

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Wenn man sich kurz hinterm Start oder bei Kilometer 5,2 umdreht und ein Foto macht (also theoretisch), dann hat man Teile des berühmten Canaletto-Blicks drauf. Vorn rechts eine einsame Barke. Wurde kurz darauf abgebaut…

Wir laufen los unter Applaus und so. Ich auch. Der erste Kilometer ist erstaunlich super, der zweite gar nicht so übel und der dritte… also der dritte, der ziiiiieht sich! Das Knie hackt wie verrückt und ich werde immer laaaaangsamer. Links und rechts ziehen sie an mir vorüber. Alle. Dicke, dünne, große, kleine, schnaufend, keuchend, quasselnd.

Das Feld leert sich. Irgendwann bin ich das Feld. Also mein eigenes. Ich habe viel Platz und versuche, mir das schönzureden. Allerdings werde ich immer abgelenkt durch die Schmerzen in dem blöden Arschlochknie! Ich versuche, das Bein zu entlasten und humpele nun für alle Schaulustigen sichtbar. Das hat zur Folge, dass mir nach kurzer Zeit nicht nur das rechte Knie wehtut, sondern aus lauter Solidarität auch die linke Hüfte. Und so humpele ich mich in die zweite Runde, Kilometer sechs bis zehn. Knie, Hüfte, Knie, Hüfte, Knie, Hüfte. Ich höre noch, wie angesagt wird, dass sich das Zielfahrzeug vierhundert Meter vor dem Ziel befindet und ich denke: Mist, wenn ich nur ein bisschen langsamer gewesen wäre, dann könnte man mich zusammen mit der Siegerin auf deren Finisher-Clip sehen! Höhöhö. Nein, die gute Laune versaut mir so schnell nichts.

Ich humpel mich die Strecke entlang und bin dankbar, dass die Trommler noch nicht zusammengepackt haben. Ich bedanke mich auch bei jedem einzelnen. Auch bei den Ordnern, die hinter mir die Barken zusammenbauen und abräumen, bedanke ich mich und halte kurze Schwätzchen. Wann hat man denn sonst während eines Laufes schon Gelegenheit dazu? Ich überlege, ob ich die Zeit nutzen und überfällige Telefonate führen soll. Genug Puste habe ich ja aufgrund meines Antitempos. „Hallo, Tante Ingeborg! Ich bin´s! Ja, ist lange her. Du erzähl mal, wie gehts euch denn?“.

Immer noch kein Ende… Mensch, ist das weit! Wer langsamer läuft, wird länger gesehen. Unterhalb der Brühlschen Terrasse laufe ich dann beinahe alleine. Rüstige Spaziergänger haben in etwa das gleiche Tempo wie ich, und so laufe bewege ich mich irgendwie Richtung Ziel. Ich habe die Faxen ziemlich dicke und verfluche mich und das Knie und diese blöde Scheißidee. Touristen lachen mich aus. Zumindest bilde ich mir das ein. Ich grüße freundlich: „Ey, Blödmann! Lachst du mich aus?! Lachst du mich etwa aus?! Wieviele Kilometer bist du denn heute schon gelaufen, hä? Komm her, du Sack, und riech an meinem Eiterknie!“ (lautlos selbstverständlich).

Hüfte, Knie, Hüfte, Knie, Hüfte, Knie…

Etwa zu dieser Zeit stand meine Familie ziemlich ratlos in Zielnähe und war sich sicher, dass ich entweder irgendwo in die Straßenbahn gestiegen sei und auf dem Heimweg, oder aber in einem Altstadtcafé sitze müsste und Cappuchino schlürfe (In meinem Aufzug!). Oder irgendwo heulend im Gebüsch sitze. Aber das konnte ziemlich schnell ausgeschlossen werden, weil sich alle sicher waren, dass ich sofort wutschnaubend angerufen und verlangt hätte, dass jemand -irgendjemand!- mich gefälligst sofort aus diesem Gebüsch, dieser Hecke hier abholen solle! Aber zackig, wenn ich bitten dürfte.

Und siehe da, ach guck, da kommt doch noch jemand!DSCN3176

Ende. Humpelnd und leicht frierend anstatt schwitzend erreichte die Seniorin in Stützstrümpfen das Ziel…

Also, eigentlich ist das ja ein Lauf auf Zeit gewesen. Ich hatte jede Menge davon, soviel kann schon mal gesagt werden. Ja, wirklich jede Menge Zeit. Fast achtzig Minuten. Mehr Zeit als die meisten Frauen, die dort mitgelaufen sind 😉

Wenn man soviel Zeit zur Verfügung hat, sollte wenigstens eine Moral, eine Pointe, eine Parabel dabei rausspringen, oder? Hm. Weg is Ziel… Dabei is alles… Hm, ja. Wenn einem gar nichts anderes einfällt.

Oder aber, wir nehmen die Franzi hier:IMG_3617Der erste Lauf ihres Lebens. Und nun guckt sie euch an!9632472c66efa83a8fc25b148c42ed68Ein so freudestrahlender Anblick, so glücklich. Geschafft! Zehn Kilometer gelaufen! Sich überwunden und einfach losgelaufen. Glücklich und so stolz ist sie gewesen, das war echt ansteckend. Und was ist jetzt mit der Moral? Ach so, ja. Einfach mal machen. Sich selbst überwinden, dem inneren Schweinehund mit den Chips und den Schokonüssen auf der Couch einen fetten Schmatz geben und sagen: „Ich komme gleich wieder, mein Schatz, iss mir nicht alles weg!“, und dann einfach mal loslaufen! Laufen fetzt. Laufen macht glücklich. Stimmt wirklich. Kann man sogar ganz langsam machen, ich hab das  ausprobiert…

Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier. Lern überwinden, lern entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.

Theodor Fontane

Danke Google!

Das muss ja mal gesagt werden!

Ihr ahnt ja nicht, welchen Aufwand der Mitarbeiter Google betreibt, um mir viele neue, kluge, wissbegierige Menschen als Leser auf den Hals Blog zu schicken.

Im letzten Jahr habe ich mal aus Langeweile ein Facebook-Experiment nachgemacht und darüber geschrieben. Ganz richtig, kein tiefsinniger Text. Kein langer Text. Nichts von Gehalt und Mehrwert. Ein alberner Jux nur. Völliger Blödsinn eigentlich!

Ich ahnte es ja immer und nun ist der Beweis angetreten: Das ist, was das Volk lesen will! Wie man mittels einer Essig-Mundspülung-Mischung Hornhaut an den Füßen entfernt. Ja-ha! Da guckste. Eine hohe fünfstellige Anzahl Leute haben diesen Beitrag schon angesehen und jedesmal, wenn ich die Blogstatistik aufrufe, poppt mir dieser dämliche Text unter den ersten drei meistgeklickten entgegen. Immer noch! Die Leute googeln das. Echt jetzt. Und nein, ich weiß auch nicht, warum!

Falls ihr mal den Traffic ein wenig erhöhen wollt bei euch, einfach irgendwas mit Listerine, Essig, Hornhaut und Füßen schreiben. Oder in den Tags verstecken. Heimlich.

Hier sind die original Suchbegriffe vom Nieselpriem-Blöggel (stark gekürzt):

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Und weil wir gerade so gemütlich zusammensitzen, kommen hier noch ein paar weitere Suchanfragen, die – aus welchen Gründen auch immer – zu mir führten. Viel Spaß!

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Ich rede mir im übrigen ein, dass es immer die gleiche Zielgruppe ist. Einmal suchen sie eben nach Mundwasser-Essig-Experimenten, ein andermal nach… was anderem.  🙂

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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Erntedank

Erntedank

Das Gartenjahr neigt sich dem Ende… und ich quatsche schon wie ein altes Weib!

Wer die Gartenposts vom letzten Jahr gelesen hat, konnte sich herzlich über mich und meine Versuche amüsieren, einen „Familienlandsitz“ auf diesem von Scherben übersäten, zugewuchertem Stückchen Pachtland zu schaffen. Dieses Jahr hatte ich zumindest ansatzweise das Gefühl, dass es (ganz anders zwar als erträumt) schon mal in die anvisierte Richtung ging.

Also zumindest kann ich behaupten, dass ich die Zeit von Frühjahr bis Spätsommer eigentlich komplett im Urlaubsfeeling verbracht habe. Bevor Neid entsteht, ich meine den Teil mit Ein- und Auspacken. Also Freitags sechs Ikea-Beutel voller Klamotten und vier Säcke und Kisten mit Lebensmittel in den Kombi stopfen und am Sonntag das Ganze retour. Wobei mir immer noch nicht klar ist, wieso die Menge stets stark variierte! Also entweder schleppten wir zehn Säcke in den Garten und nur sechs zurück oder umgekehrt. Das muss an der doppelten Haushaltsführung liegen. Die sorgte auch dafür, dass meine kläglichen hausfraulichen Bemühungen jede Woche erneut damit belohnt wurden, dass ich, nachdem ich eine Behausung geputzt hatte in die andere fuhr und von Spinnweben und Staub und Dreck begrüßt wurde. Irgendwie immer. Auch befanden sich regelmäßig Dinge des Alltagsgebrauchs stets in der jeweils anderen Hütte. Soll heißen, es gab überproportional hohe Leerfahrten zwischen den beiden Lokalitäten, um Ladekabel, Nuckel, Eheringe und dergleichen nachzuholen.

Wirklich schön ist allerdings das Ernten, als Belohnung für die ganze Krauterei und das im Sommer tägliche Geschleppe von vierhundert Litern Wasser in Gießkannen.

Und irgendwas gabs auch immer.IMG_2483

Kaum war der Flieder verblüht, konnten wir Rhabarber ernten. Er bildet phallische Blütenstände aus, die sich als Geburtstagsblumen nur bedingt eignen…IMG_2480

Hier in der Tarte-Version zusammen mit Nektarinen und einem Guss aus 100g geschmolzener Butter, 150g Mehl, Backpulver, 150g Zucker, einer Prise Salz und 250ml Milch. Vorm Backen mit Hagelzucker bestreuen und ca. 45Min backen (Stäbchenprobe).IMG_2669

Nach dem Rhabarber kamen die Beeren. Also die frühen wie Jostabeeren, Johannis- und Stachelbeeren.IMG_3042

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IMG_3108Dann kamen (und kommen immer noch) Tomaten, Gurken, Zucchini und Wurzelgemüse. IMG_1418 IMG_3496-1

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IMG_3493Was macht man mit dem ganzen Zucchini? Chutney zum Beispiel. Ich liebe den auch als Pastasauce mit Schalotten, Sahne und Estragon. Oder als Antipasti (Variante 1: geschmort mit Champignons und Zwiebeln, Pfeffer, Salz, Rosmarin, Thymian. 1El Zucker rein und Essig und dann erkalten lassen. Variante zwei: Mit Salz, Pfeffer und Kräuter der Provence einreiben und in der Pfanne anbraten. Eine Scheibe Parmigiano auf jede Scheibe legen, Herd aus, Deckel auf Pfanne und schmelzen lassen.).IMG_3049

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IMG_3428Der Wein ist in diesem Jahr nichts geworden und die Pflaumen sind voller Maden. Die Äpfel sauer. Aber das gibt noch ein schönes Apfelmus! Ich mag es am liebsten mit Zimt und Rosinen gekocht oder mit Cranberries und Vanille.IMG_3463Ende August stehen meine Jungs eigentlich den ganzen Tag zwischen den Himbeer- und Brombeersträuchern. Die werden direkt in den Mund geerntet.

Und dann: Die Kartoffeln. Ich liebe das! Kartoffeln ernten ist wie Überraschungseier basteln. Für mich. Ich ernte die auch immer mit den Händen, weil ich mich so freue, wenn ich die Knollen in der Erde ertaste!

Das ist auch was Hübsches für Städterkinder. Einfach im nächsten Jahr eine angetriebene Kartoffel halbieren und in einen großen Topf mit Erde setzen und ordentlich bedecken mit Erde. Beim Wachsen zusehen und wenn das Grün im August abgestorben ist, rausziehen und die Kartoffelkinder bergen.  IMG_3443

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Im September und Oktober freue ich mich auf Kürbisse. Weniger auf die kühlen, feuchten Abende und das Bäumeverschneiden, Umgraben, das Winter-fest-machen. Aber dafür auf abendliche Feuerchen und alberne Familienselfies mit Mütze und Schal.IMG_1454

Beispielbild eines albernes und unvorteilhaftes Familienselfies am Feuer (Archivbild von 2012)

Beispiel eines albernen und unvorteilhaften Familienselfies am Feuer (Archivbild von 2012)

Kommt ein Hypochonder zum Arzt…

Folgende Gesprächssituation könnte sich unter Umständen so oder so ähnlich am Montag in einer Pieschener HNO-Praxis zugetragen haben. Könnte.

„Guten Tag, sagen sie?! Na, ich weiß noch nicht, ob das ein guter Tag ist. Wir sollten vorerst beim „Hallo“ bleiben. Ich habe seit circa einer Woche Schmerzen hinterm Ohr. Also der Knochen, dieses Halbrund dahinter, tut weh. Und es hat sich ein Knubbel gebildet, das finde ich alarmierend.

Es ging erst damit los, dass ich keine Brille mehr tragen konnte, weil das drückte. Mittlerweile tut es konstant weh. Kein infernalischer Schmerz, wie er zu einer Ohrenentzündung passen würde, eher wie eine Zahnfleischentzündung. Aber am Kopf. So dumpf, wissen sie? Und permanent. Widerlich! Drehe ich mich des Nächtens versehentlich auf die linke Seite, werde ich wach von dem Schmerz.

Ich war am Wochenende beim Notarzt deshalb. Man will ja nichts verschleppen. Sinnloserweise dachte ich, da sei wenig los und ich wäre damit besser beraten als mich montags um acht zwischen fünfzig Rentner in die Allgemeinarztpraxis zu setzen. Es war auch wenig los, aber ein ungeschriebenes Gesetz in der Notaufnahme besagt, dass ein einzelner Patient mindestens zwei Stunden warten muss, um die Dramaturgie aufrechtzuhalten. Und erst dann aufgerufen werden kann, wenn wirklich jeder der diensthabenden Ärzte und Arzt-Azubis mindestens ein, besser zwei, Heißgetränke aus dem angeflanschten Automaten gezogen hat und sich danach einer von den Kollegen durchgeführten Magenspiegelung unterzogen hat um zu gucken, ob sich eventuell eine Schleimhautreizung ergeben hätte aufgrund des Automatenkaffees.

Jedenfalls diagnostizierte der Arzt dann nach zwei Stunden Rumsitzen eine Knochenhautentzündung, eine Mastoiditis quasi, wir können ja miteinander „ärztisch“ reden hier. Dazu passt ja auch der Knubbel, wenn sich da ein Abszess bildet. Als erfahrener Patient wusste ich sofort, was mir blüht! Ich habe kaum noch geschlafen und sämtliche Operationspraktiken nachgelesen. Das war ein Wochenende, ich kann ihnen sagen. Er meinte dann, ich sollte mich am Montag beim Facharzt vorstellen und sie würden wahrscheinlich eine Endoskopie durchführen um eine Tumorerkrankung auszuschließen.

Also, ich sag ihnen gleich: Dafür habe ich keine Zeit! Sie werden mir keine Sonde durch die Nase in den Schädel fädeln! Nicht am helllichten Tag und bei vollem Bewusstsein! Gut, unter Vollnarkose von mir aus, da können sie auch gleich alle anderen Körperhöhlen ausfunzeln. Unter uns gesagt, ich steh ja auf Narkosen, ich reite auf dem blauen Einhorn, bis die Wolken wieder lila sind, und sie dürfen Höhlenforschung betreiben. Nicht?!

Ach so, sie wollen mal tasten. Halt, was ist das für ein Ding? Bei ihnen sieht’s ja aus wie bei Mister Grey. Lauter so Metallzeugs! Was ist denn das… ich fass ja gar nichts an! Sie müssen nicht gleich schimpfen. Angst? Nein, ich hab keine Angst. Also vorm Zahnarzt vielleicht, da kann ich mich nicht benehmen. Ich denke immer, wenn die meinen Namen morgens im Bestellbuch lesen, kippt das komplette Praxisteam erst mal ne Literflasche Klosterfrau auf Ex. Rein prophylaktisch zur Nervenstärkung. Die tun mir wirklich leid. Also ich mir auch, keine Frage, aber die auch schon. Ich bin ja ein empathischer Mensch.

Nein, das tut nicht weh, wenn sie da drücken. Hm, eine Mastoiditis hätte ich mir mit einer Entzündung einfangen müssen, oder? Der Knubbel hinterm Ohr könnte ja auch ein Hinweis auf ein Atherom oder Cholesteatom sein, oder? Jaja, ich habe mich belesen, ich komme doch nicht unvorbereitet zu ihnen.

Wie, sie wollen in meine Nase gucken!? Wozu denn das? Aaaargh… ich weiß nicht, ob das nötig war! Ist ihnen langweilig? Der Knochen hinterm Ohr ist das Problem! Was machen sie denn jetzt… au… dang ing ungangenehng! Was sagen sie? Kiefergelenk? Trigeminusnerv? Klar weiß ich was das ist, aber mache ich auf sie den Eindruck, als hätte ich eine Gesichtslähmung?

Sie meinen also, ich brauche eine Bissschiene. Das kann nicht ihr Ernst sein! Ach, doch, ist es. Und ein orthopädisches Kissen zum Schlafen, sagen sie? Dann spare ich mir die Verhütungsmittel, soviel ist schon mal klar. Spaß beiseite, was machen wir denn jetzt mit meiner Mastoiditis? Kann man da noch mit Antibiotika gegensteuern, oder muss das operiert werden? Ich habe mich am Wochenende bereits belesen… Keine? Nicht? Nur Zahnarzt?! Den Knubbel einen harmlosen Lymphknoten zu nennen halte ich für höchtgradig fahrlässig von ihnen. Hören sie, man kann doch einen Sonnenstich haben und gleichzeitig einen Gehirntumor! Theoretisch. Beides macht Kopfschmerzen.

Nein, ich habe keinen Sonnenstich, ich rede immer so viel. Passen sie auf, ich habe es mir überlegt. Wir machen einen Termin für eine Endoskopie. Ja, sie dürfen, heute ist ihr Glückstag! Ich finde, das sollten sie sich wirklich mal genau von innen ansehen. Man übersieht doch so leicht etwas, oder nicht? Sie wollen doch nicht, dass meine Kinder mutterlos aufwachsen müssen, oder?

Wie, schon wieder wünschen sie mir einen guten Tag? Irgendwie fühle ich mich nicht richtig ernstgenommen von ihnen. Na gut, ich werde eine zweite Meinung einholen. Und einen Termin beim Zahnarzt machen. Die werden dort weinen vor Freude, wenn sie meinen Namen im Bestellbuch lesen.“

Gedanken um einen Gastbeitrag…

Séverine vom Blog Mama on the Rocks bat mich um eine Geschichte zum Thema „Die Schweiz und ich“. Und ich sagte gerne zu, dachte ich doch spontan daran, wie lustig das werden würde, wenn ich immer nur von der Sächsischen Schweiz schreiben würde! Da verbrachte ich gefühlt meine halbe Kindheit. Als Kind zweier Bergsteiger das natürliche Umfeld.

Die Abgabefrist rückte immer näher. Und ich fand keinen Anfang. Meine gewohnt spitzbübigen Gedanken wollten sich nicht einfangen lassen. Stattdessen verlor ich mich beim Betrachten der alten Fotos in ganz anderen Gefühlen.

Und da war sie auf einmal da. Sprang mich an und boxte mit gegen die Brust! Trauer. Die alte Bekannte. Die verhasste Megäre, die mir den Tag versauen würde! Uneingeladen steht sie in regelmäßigen Abständen vor der Tür. Mit unterschiedlichem Gewand bekleidet. Mal hüllt sie sich in Wut und Trotz, mal in verzweifeltes Unverständnis. Mal in einen Umhang aus Tränen. Auch noch nach so vielen Jahren.

„Das Leben geht weiter!“

Ja, wir Überlebenden leben noch. Ja, wir haben nach diesem Tag X Kindern in dieser Familie Leben geschenkt und die Alten begraben. Und dennoch ist dieses Leben keinen Tag so weitergegangen wie gedacht. Für niemanden von uns.

„Er wurde mitten aus dem Leben gerissen.“

So beschreibt man oft, wenn ein junger gesunder Mensch von einem auf den anderen Tag geht. Aber nicht nur er wurde aus dem Leben gerissen, sondern unsere gesamte Familie. Und das nicht nur für ein paar Trauerwochen. Da ist soviel Ohnmacht, soviel Nicht-begreifen, soviel Nicht-mehr-wollen. Und es hört auch nicht auf. Hört es irgendwann auf? „Das muss doch auch mal wieder aufhören!“, leicht gesagt.

Leben und Tod. Wir werden geboren und sehnsüchtig erwartet. Und wir sterben und werden betrauert und vermisst. In ganz furchtbaren Fällen sogar von denselben Personen. Ist es leichter, wenn man sich verabschieden kann, wie nach einer langen Krankheit? Ist es leichter, wenn man das Gefühl hat, einem Menschen Lebewohl zu sagen, der ein erfülltes Leben hatte und gehen möchte? Ist es leichter, die Hand eines alten Menschen loszulassen? Ich weiß es nicht.

Trauer hält sich an keine Karenz- oder Halbwertzeiten. Und jeder Mensch trauert anders. Ich habe viele Jahre gar nicht trauern können, dachte ich. Stand hilflos daneben, wenn ER von anderen beweint wurde. In mir war alles voller Wut. Ich fühlte mich so betrogen! Betrogen um die so ersehnten Erwachsenengespräche auf Augenhöhe, so betrogen um das Gefühl, seinen Arm um meiner Schulter zu spüren und Stolz in seinen Augen zu sehen, wenn er auf mich herabblickt. Wärest du jetzt stolz auf mich, könntest du sehen, was aus mir geworden ist? Betrogen um das Gefühl, meine Kinder auf seinem Schoß sitzen zu sehen. Trauer hat viele Gesichter.

Ich bin mittlerweile älter, als er werden durfte und dennoch befinde ich mich immer noch in der Rolle eines trauernden Kindes. Habe ich, wenn ich an ihn denke, die Gefühle des kleinen Mädchens, das ich einmal war.

Das Internet vergisst nicht. Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich diesen Beitrag für Mama on the rocks schreibe und ich sie fragte, was sie davon hält und wie sie zur Veröffentlichung von Fotos steht, hat sie sofort geantwortet, das sei eine wunderbare Idee! Und Bilder rausgekramt. Alle Bilder in dem Beitrag sind aus dem Album meiner Mutter.

Für uns ist er immer unsterblich. Und nun auch für das Internet, das nie vergisst.

Er war ein tollkühner Bergsteiger, ein leidenschaftlicher Sportler, ein lustiger und draufgängerischer Kerl. Und er war mein Vater.

bmp065… Dieses ❤ ist für all die starken Frauen in meiner Familie!

„Schatz, ich hatte einen Unfall!“

Leute, ich sag euch. Ich erlebe Sachen! Gestern zum Beispiel.

Ein riesiger, leerer Dehner-Parkplatz, wie das so üblich ist dreißig Minuten nach Feierabend. Doch halt! Es gibt Leute, die wider besseren Wissens versuchen, nach neunzehn Uhr Nutzpflanzen zu erwerben.

Ich stelle also das KFZ auf dem menschenleeren Parkplatz ab und versuche danach, durch rhythmisches Vor- und Zurücklaufen der automatischen Tür des Gartenmarktes begreiflich zu machen, dass ich um Einlass bitte. Ein asiatisches Couple nähert sich und scheint zu überlegen, ob es sich lohnt, die Nikon rauszuholen („Das ist ein Pflanzengeschäft und hier vorn seht ihr eine Eingeborene bei der Aufführung eines Regentanzes!“).

Ich verziehe mich, starte den Stadtpanzer, setze elegant zurück in Richtung untergehender Sonne und RUMMMMMS! Es knallt. Auf dem leeren Parkplatz.

Ich war dann doch lieber mal nachsehen. Irgendjemand (die Asiaten kamen bleichgesichtig vor Schreck angerannt) hatte mit mutwilliger Absicht einen winzigen, nahezu unsichtbaren Audi A4 in der Farbe von gleißendem Sonnenlicht direkt in die Parkbuchse hinter mich gestellt. Der war einfach nicht zu verfehlen…

Die Asiaten mussten erst mal alles fotografieren, während ich mich souverän der Klärung des unsäglichen Sachverhalts widmete: „Do you know what to do in a case like this?“, piepste ich unsicher.

(Alles muss man selber machen! Dabei habe ich ja überhaupt keine Erfahrung mit Verkehrsunfällen. Also, ich bin schon als Täter aktenkundig, aber ich beschädige eigentlich nur parkende Autos. Oder ich öffne seelenruhig die Fahrertür um auszusteigen und eine beigegewandete Omi mit völlig überladenem Rad kann nicht ausweichen und fährt mir in die Tür. Und ich bin dann schuld! Sowas eben. Da kommt dann die Polizei und macht Theater. Ach, ja… die Polizei!)

„I think, we should call the police. Do you have an insurance paper like this?”, erkläre ich und wedel mit dem grünen Zettel, den ich zwischen drei Dutzend Handbüchern zum Thema Auto aus dem Handschuhfach gezogen habe.

„ No! No police. Follow! Follow!“. Und – Schwupps!- ist mein insurance paper auf einmal in asiatischer Hand, die springen in ihren winzigen Audi A4. „Follow! Follow!“. Ich followe also einem Auto mit zwei Anderssprachigen, die im Besitz meines Versicherungsscheines sind zu einem unbekannten Ziel. Was hätte ich auch anderes tun sollen!

Unterwegs ruft dann der Bärtige zurück und ich kläre ihn darüber auf, dass ich einen Unfall gehabt hätte. „Sage mir nicht, dass das schon wieder deine Schuld war!“, erbost er sich, und ich sage es ihm nicht. Ich frage mich (und ihn) lediglich, was so schwierig daran ist, den Satz: „Schatz, ich hatte einen Unfall!“, von dem Satz: „Schatz, so ein blöder Arsch ist mir in die Karre geknallt!“, zu unterscheiden. Die Asiaten versuchen inzwischen, die Einfahrt vom Audi-Zentrum zu entern. Während ich noch aussteige, besprechen mich die Asiaten fuchtelnd. Ich kann nicht verstehen was sie sagen und hoffe nur, dass es nicht kultureller Brauch ist, dass ich ihnen jetzt einen Neuwagen spendiere. „Excuse me, wait a minute. There is my raging husband on the cellular Dingsbums. Nein, Schatz, ich bin nicht irre! Die hatten das insurance paper. Was weiß denn ich, warum die no police wollten! Vielleicht schmuggeln die Frühlingsrollen im großen Stil. Was bitte hätte ich denn machen sollen?! Ja, Schatz, ich bin jetzt bei Audi. Keine Ahnung, warum. Nein, Schatz, bitte komm nicht her. Bitte! Ja, Schatz, ich kaufe den Rest des Jahres die Schlübbor für die Kinder bei Primark. Wie, keine Dekokäufe mehr? Du, ich muss Schluss machen, da kommt der Herr Audi.“.

Die Leute bei Audi freuten sich auch sehr. Zehn vor acht träumen die doch von so einer spannenden Abwechslung wie der Aufnahme eines Unfallberichts. Vollkommen entgeistert starrten die mich an und fragten, was zur Hölle sie jetzt hier machen sollten?! Ich konnte nur wahrheitsgemäß erwidern, dass mir nach Entwendung des Versicherungsscheines gar nichts anderes übrig blieb, als der Spur des Scheines und den Asiaten hierher zu folgen. Der Audi-Mann fragte die Asiaten, warum sie nicht die Polizei gerufen hätten. „It´s because she looked so honest.“ (zeigt auf mich). Ist das zu fassen? Da hat man einmal im Leben einen schwachen Tag und guckt ein kleines bisschen honest und schon steckt man mittendrin in einer „Follow“ Follow!“- Verfollowungsjagd.

Die bei Audi haben dann den Unfallbericht ausgefüllt und den Schaden begutachtet („Ist nichts weiter! Nur der Schweller/ Stoßfänger/ irgendwas. Kostet circa…“, und nennt eine vierstellige Zahl, die mich spontan der Tränenblindheit anheimfallen lässt.).

Unfallbericht: Deutsche Frau plus asiatischer Kleinwagen und zwei Asiaten plus deutscher Kleinstwagen – peng!

Warum ich das jetzt erzähle ist sonnenklar. Ich will die Filmrechte vermarkten, weil ich Geld brauche. Jürgen Vogel sollte mich spielen. Oder vielleicht doch lieber Moritz Bleibtreu, der guckt schon von Haus aus so honest. Dann kann Jürgen Vogel mein Auto spielen oder den Audi-Mann. Und die beiden Asiaten. Ich sehe eine witzig-spritzige Komödie vor mir. Eine Leiche im Kofferraum (gespielt von Jürgen Vogel) kann man ja noch einbauen!

 

Ein Kaffee für Frau Nieselpriem

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Mauerreste

Mauerreste

Im vergangenen Sommer hat der Beste unter enormem körperlichen Einsatz und mit Zuhilfenahme des seinerseits besten Freundes und allerlei isotonischer Getränkeunterstützung das Hochbeet von Oma und Opa abgetragen. Wir waren uns sicher, es gibt nichts Hässlicheres als so ein olles Hochbeet!

Die blöden Steine, die wir nun nicht mehr benötigten, hatten wir faulerweise als Mahnmal an die innerdeutsche Mauer entlang unseres Zaunes aufgeschichtet. Vorbeilaufende Passanten befanden wohl, die „Mauer müsse weg!“, und taten das ihrige dazu bei (ebenfalls unter beachtenswertem körperlichen Einsatz, galt es doch, erst den Zaun zu bezwingen).

Mit dem Rest der Wackersteine haben der Mann mit Bart und ich gestern im schwindenden Tageslicht ein gemeinsames Projekt begonnen (Nein, das ist kein Hochbeet! Hochbeete sind doch hässlich. Das ist eine Kräuterspirale, das sieht man doch!).

Gut, die Erde war dann alle. So sieht es jetzt also aus.

Dinge, die andere Leute über unser gartenarchitektonisches Projekt sagen werden, sind möglicherweise:

„Das ist aber keine Spirale!“

„Wer von euch hatte diese interessante Idee?“

„Ich kann den expressionistischen Gedanken sehen…“

„Ist das mit der Form so gewollt?“

„Hat man jetzt wieder Hochbeete?“

„Ist das schon fertig?“

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Garten- #wib

Garten- #wib

Ich #wib-be heute mal durch den Garten.

Ich war am Samstag das erste mal wirklich alleine dort! Ich saß inmitten Blätterrauschen und Vögelpiepen und vergaß beinahe, dass ich mich noch in der Stadt befinde. Die Bemme hat auch gleich viel besser geschmeckt.IMG_2735

Es sieht schon aus, als wäre es meins: Überall steht und hängt Zeugs rum. Fertig ist hier nichts, aber voll! Voll Krims vor allem…IMG_2739

IMG_2741…Wenn ich Nägel finden würde. Oder die Bohrmaschine! Und mich entscheiden könnte, was an die Wand soll!

Dieses Schmuckstück habe ich beim Trödel gefunden und der Mann war fuchsig und hat gesagt, es könne nur einer bleiben! Er oder der Tisch! Ich habe selbstverständlich höflich gefragt, ob er Hilfe bräuchte beim Packen. Der Mann (Sie sind erwartungsgemäß beide noch da und ignorieren sich gegenseitig.).IMG_2766

IMG_2738Küche (Ausschnitt, also der Ausschnitt mit der höchsten Krimskramsdichte)

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Sieht abenteuerlich aus, ist es auch: Der Treppenaufgang unters Dach. Der Bärtige hat am vergangenen Wochenende die zweite Seite ausgebaut und unter gigantischen Flüchen (beispielsweise: „Diese Furzkrampe soll der Blitz beim Scheißen treffen!“) folgendes Ergebnis erzielt:

IMG_2743Da kann jetzt eine Hamsterfamilie übernachten. Oder zwei von uns Leuten. Mit herunterhängenden Beinen. Wir werden mal sehen…

Die andere Seite der Treppe sieht so aus:IMG_2744Ich glaube, wir haben bald einen Familienschlafbereich, wenn auch einen mit halsbrecherischen Auf- und Abgang.

Draußen siehts vergleichsweise langweilig aus:IMG_2736

IMG_2737Es wächst alles, niemand ist überraschter als ich! Ich muss jetzt mal ein bisschen mit Pflanzencontent um mich schmeißen…IMG_2759

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IMG_2750Bilder meiner spektakulären Brennessel-Zucht:

IMG_2752Das hier ist kein Unkraut, das muss so! Wird noch was… hoffe ich.

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IMG_2748Ich habe alle Fässer und Außensteckdosen mit „Kindersicherungen“ verrammelt. Bis zur Unbenutzbarkeit 🙂IMG_2756

IMG_2767Am schönsten finde ich die olle Tür vom Schuppen (inklusive Spinnweben):IMG_2763… und das Außenwaschbecken, das sich der Wein unter den Nagel gerissen haben wird am Ende des Sommers:IMG_2762

IMG_2747Am Sonntag waren wir wieder alle vier dort. War dann nix mit Ruhe und die Vögel haben sich auch ängstlich verzogen, aber das ist mein liebstes Gartenpflänzchen (von hinten):IMG_2782Das war mein Wochenende in Bildern (#wib) mit der Sondersendung „Du und Dein Garten“. Hier kommt noch ein Selfie der spießigen Gärtnerin im Spiegel vor oberspießigen Petunien in -ja wirklich- einem Plastebalkonkasten. Ach, dann lacht doch! IMG_2761

Mehr Wochenendenbilder gibts bei Susanne von geborgen wachsen.

Das war die Blogparade „Der Tag meiner Geburt“

Ganz egal, welche Haltung jeder Einzelne von uns zu diesem bestimmten Sonntag im Mai hat, so kommt doch keiner daran vorbei, gerade an diesem Tag an den einen Menschen zu denken, mit dem unser eigenes Leben unweigerlich verknüpft ist. Und zwar vom ersten Tag an. Vom #TagmeinerGeburt.

Anlässlich des diesjährigen Muttertages wollte ich eure Geburtsgeschichten lesen und es sind spannende Berichte zusammengekommen. Ich danke euch allen, dass ihr mitgemacht habt und eure Geschichte mit uns teilt!

Sehr berührt hat mich der Bericht von needless to say. Eine Geschichte über ein Wunder, ein Kind, dass eigentlich nicht hätte kommen sollen und doch freudig erwartet wurde. Über mutige Eltern, die schon damals mehr ihren eigenen Instinkten als den Ärzten Glauben schenkten. Einem Kind, das schlussendlich in einer Einkaufstasche nach Hause getragen wurde. In sein neues Leben.

Bei essential unfairness brachte eine tapfere Mutter ihr Kind in einer Teeküche des Krankenhauses zur Welt, weil nebenan renoviert wurde. Inklusive Besuche der Handwerker. Exklusive des Vaters, der sich von den Strapazen daheim vor dem Fernseher ausruhen musste.

Bei Wunschkind² hat eine etwas störrische und bockige junge Mutter, die eigentlich keine Kinder bekommen konnte, eine langwierige Nierenbeckenentzündung nach vierzig Wochen entbunden und als dieses Überraschungskind dann noch nicht mal ein Junge war, weigerte sie sich anfangs vehement, das Kind auch nur anzusehen. Bei einem Bierchen und einer Zigarette mit dem Arzt konnte die Frischentbundene doch noch überredet werden, wenigstens mal einen Blick auf das Töchterchen zu werfen (vermutlich war es dann Liebe auf den ersten Blick). Im Übrigen bekam die Unfruchtbare noch drei weitere Kinder… Ich mochte diese Mutter sehr beim Lesen!

Bei parentsdont brachte eine junge Schwesternschülerin ihr erstes Kind im Krankenhaus zur Welt, in dem sie auch arbeitete. Das wirklich Ergreifende an dieser Geschichte ist aber eher die Tatsache, dass sie sich von allen anderen abhebt durch den Umstand, dass der Vater schon damals eine größere Rolle spielte als bei anderen Familien, wo die werdende und Mutter oft mit der Kinderkriegerei und auch dem Versorgen allein beschäftigt war. Sehr lesenswert mit Schmunzelgarantie!

Miriam von TheMama schreibt einen sehr warmherzigen und dankbaren Text und in diesem ist auch ein Schriftwechsel zwischen ihr und ihrer Mutter abgebildet, der zeigt, dass sie ein sehr herzliches Verhältnis haben. Und es spiegelt wider, dass selbst unter den damaligen Bedingungen (alle vier Stunden bekam man das Baby zum Stillen, nachts nie, strikte Besuchszeiten) die Mutter der Ansicht ist, früher sei alles noch schlimmer gewesen! Und hauptsache, die Kinder waren gesund!

Dass Ultraschall, CTG und engmaschige Geburtsüberwachung ein Segen der Neuzeit sind und durch die dadurch gegebene Möglichkeit frühzeitig eingreifen und helfen zu können vermutlich viel Kummer erspart werden kann, ist in der Geschichte um die überraschende und traurige Zwillingsgeburt von Nadine P. nachzulesen.

Kinder werden immer geboren. Selbst unter widrigsten Umständen. Das liegt in der Natur der Sache. Und ist das Normalste und Natürlichste der Welt. Und trotzdem immer wieder ein kleines Wunder. Und dieser Moment, in dem beide geboren werden, das Kind und die Mutter, die vorher diese Rolle möglicherweise noch gar nicht innehatte, werden beide verbunden bis an das Ende ihrer Tage. Die Nabelschnur wird nur physisch zerschnitten. Sie bleibt ein Leben lang fühlbar bestehen.

Karl-Haende

Mein erstes Fotobuch (sponsored post)

Als der Jüngling in unserem Haus vor ein paar Wochen Jugendweihe feierte, hatte ich mich entschlossen, außer einer die Familienkasse ruinierenden Feier ein Fotobuch anfertigen zu lassen. Nur für ihn. Als fotografischen Rückblick auf sein bisheriges Leben.

Mir gefiel die Idee sehr!

Da ergab es sich, dass mich just zu ebendieser Zeit die Firma Prentu anschrieb und fragte, ob ich nicht Lust hätte, deren Fotoservice zu testen. Und dann darüber zu berichten? Ich ließ mich nicht lang betteln. Wenn die Gestirne günstig stehen und der eine sich wünscht, was der andere will, dann ist das ein Zeichen! Oder so ähnlich.

Das Gute an ersten Mal-en ist: Man geht unvoreingenommen heran. „Open minded“ quasi, wie wir hier so schön auf neudeutsch sagen (Denglisch ist das neue Neudeutsch. Ich muss bald mal einen Artikel darüber schreiben. Am besten auch gleich auf denglisch… Aber darum gehts ja hier jetzt nicht.  Es geht um ein Fotobuch. Weiterlesen!).

Ich habe absolut keinen Vergleich zu anderen Fotoportalen hinsichtlich Layout und Benutzerfreundlichkeit, da ich bislang meine Fotoprodukte am Kiosk beim Drogisten erstellte. Aber ich hatte auch noch nie ein Jugendweihekind, dem ich eine doch exklusivere Freude bereiten wollte als die neun mal dreizehn matten Abzüge, die ich mir sonst zwischen Waschmittel und Hundefutter aus dem Fotodrucker ziehe.

Via www.prentu.de gelangt man zum Fotoservice. Das Portal erschien mir angenehm unüberladen und die Navigation selbsterklärend. Neben klassischer Fotoentwicklung auf Papier kann man Leinwände, Acryl, Holz bedrucken und diverse Artikel mit dem Foto seiner Wahl versehen. Ich hielt mich da nicht lange auf, ich wollte ein Fotobuch!

Erstaunt war ich über die Auswahlmöglichkeiten (Das toppt den Drogeriekiosk um Längen!). Allein bei den Fotobüchern kann man aus zehn Varianten wählen, drei Sorten Fotopapier stehen zur Auswahl und auch drei verschiedene Cover.

Für das Layout des Fotobuches hat man eine Vielzahl an Hintergründen und Motiven zur Auswahl,  die man sogar auf den Einband des Buches übertragen kann. Außerdem stehen Bildbearbeitungsmöglichkeiten im Portal zur Verfügung und grafische Finessen zur individuellen Verschönerung. Ein feines Spielzeug!

Die Erstellung an sich ist simpel: Die Fotos werden vom Rechner hochgeladen und einer Seite im Fotobuch zugeordnet. Das Layout der Einzelseiten ist beliebig änderbar. Ebenso können problemlos Seiten hinzugefügt oder gelöscht werden.

Ich fand die Erstellung wirklich einfach und leicht verständlich!

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Fünf Tage Produktionszeit sind auf der Homepage angegeben, dazu kommt dann noch die Lieferzeit. Ich fand das moderat für ein personalisiertes Produkt. Aber wisst ihr was? Drei Tage nach Aufgeben der Bestellung lag es hier, das Fotobuch. Das Kind Nummer eins gebunden auf zwanzig Doppelseiten. Vom ersten Schrei bis zum letzten Geburtstag… Ich war sehr gerührt beim Durchblättern.

Die Qualität hat mich beeindruckt, sowohl von Papier und Einband als auch von der technischen Bearbeitung des Fotomaterials. Einziger Makel: Auf dem hinteren Einband hatte ich ein Textfeld mit einer Widmung eingefügt. Das wurde leider überdruckt durch den CR-Code des Buches. Diesbezüglich hätte ich mir einen Hinweis während der Erstellung gewünscht.

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Aber das Wichtigste: Der Jüngling hat sich sehr gefreut darüber!

Erwähnenswert sind sicher auch die wechselnden Rabattaktionen von Prentu. Aktuell bekommt man bei Neuanmeldung zum Beispiel fünfzig Fotos gratis und auf Fotobücher gibt es im Moment fünfzehn Prozent Rabatt.

Vorbeisurfen lohnt sich also!

5 Bücher für 2015

5 Bücher für 2015

„Nenne fünf Bücher, die du im Jahr 2015 noch lesen möchtest!“

Anna vom Blog „Berlin-Mitte-Mom“ hat mich zu dieser Aktion aufgefordert. Und nicht nur mich! Eine ansehnliche Leseempfehlungssammlung ist mittlerweile zusammengekommen. Klickt euch doch mal durch. Damit euch nicht langweilig wird während des Sommerurlaubes. Oder Sonntagmorgen im Bett. Samstagabend auf der Couch. In der Bahn oder beim Anstehen am Bäckerladen.

So, genug gelacht…

Es geht den Menschen wie den Leuten und den Eltern wie allen anderen Eltern! Wunsch und Wirklichkeit korrelieren nicht unbedingt. Man bräuchte zwei Leben, um all die Dinge zu tun, die man gern tun wöllte. Oder am besten gleich drei Leben.

Eins davon würde ich mir tatsächlich fürs Bücherlesen reservieren. Ich liebe Bücher, ich habe hier schon mal darüber geschrieben. Auf meinem Nachttisch (Sagt man das noch? Nachttisch?) liegen auch immer ein paar. Darauf kann ich mein Handy ablegen abends. Oder den Stift vom Sudokurätseln. Richtig, der größte Stapel auf meinem Nachtschränkchen (auch nicht besser: Nachtschränkchen…) sind Sudokubücher. Selbst wenn ich nicht glaube, dass die als Bücher durchgehen.IMG_2486

Ich komme einfach nicht zum Lesen! Wobei selbst das nicht stimmt. Ich lese fast vier Stunden täglich. Ich lerne aktuell das Internet auswendig. Es gibt so viele Blogs, die ich gern täglich lesen würde, das schafft kein Mensch. Ich versuche es trotzdem. Nicht nur Elternblogs, ich hege außerdem noch eine tiefe Leidenschaft für Bastel- und Nähblogs (die in keinem Verhältnis zu meinem Talent in diesen Dingen steht). Und für Food- und Interiorblogs. Und Architekturblogs (da muss man Gott sei Dank nicht viel lesen).

Außerdem sammle ich alte Kochbücher. In denen muss ich auch rumblättern. Und alte Kinderbücher. Hauptsächlich wegen der Illustrationen. Und ja, selbstverständlich auch alte Kinderkochbücher! Es ist eine Krux. Ich habe nicht nur keine Zeit für die Romane, auch keine Zeit um die Rezepte in den Rezeptbüchern nachzukochen (Und kein Talent, aber die Sicherheitshinweise in den Kinderkochbüchern finde ich sehr wertvoll. Auch für mich. Oder gerade.). IMG_2487

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Ach, und Gedichtbändchen sammle ich auch. Weil da so schöne Sachen drinstehen, die ich dann aber nie finde, wenn ich mich mal erinnere, dass ich doch irgendwann mal sowas Schönes gelesen hatte… Wo denn noch gleich?!IMG_2491 IMG_2492

Was macht man also, wenn man aufgefordert wird, fünf Bücher auszuwählen, die man in diesem Jahr noch lesen will? Ich habe mich dazu entschieden, fünf Bücher auszusuchen, die ich bereits in einem anderen Jahr gelesen habe und diese einfach frech weiterzuempfehlen!

Hier kommt meine Leseempfehlung:

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Kathrin Aehnlich –  „Alle sterben, auch die Löffelstöre“

Julia Franck –  „Die Mittagsfrau“

Edward St. Aubyn –  „Schöne Verhältnisse“

Marieke van der Pol –  „Brautflug“

J.R.Moehringer –  „Tender Bar“

Jedes dieser Bücher hat mich berührt. So sehr, dass mir trotz meines desolaten Gedächtnisses die Geschichten noch präsent sind. Und diese Auswahl hat alle Bücher von Frank Mc Court und Jo Nesbo (mit Strich durchs O) gestochen, obwohl das schwierig war. Und alle Dieter-Nuhr-Bücher.

Also: Viel Spaß beim Lesen, wenn ihr mögt. Und verratet mir doch, welche Bücher noch auf euch warten!

Epilog:

Ich werde jetzt diesen kleinen Bücherstapel verpacken. Der geht mit mir am Mittwoch auf die Reise nach Berlin. Es gibt doch tatsächlich einen Menschen, der behauptet hat, die von mir empfohlenen Bücher wirklich alle lesen zu wollen! Ihr könnt euch also auf eine ausführliche Rezension freuen. Demnächst bei Andrea Harmonika. Und, Andrea, du hast noch Glück! Sehr gut fand ich auch die Abhandlung über den Baader-Meinhof-Komplex von Stefan Aust. Ich sag nur: Knapp tausend Seiten… 🙂

Einseitig deformiert

Großer Schreck.

Beim Duschen bemerkte ich eine gruselige Verhärtung am rechten Oberarm. So groß wie ein Hühnerei. Einem ersten (logischen) Reflex folgend habe ich „Oberarmtumor“ gegoogelt.

Offensichtlich ist es kein Tumor, sondern etwas muskuläres. Vom Schleppen. Vom Kind-Rumwuchten. Ich bin ja nicht nur Rechtshänder, sondern auch Rechtsärmler.

Ein Bizeps. Einer! Himmel, hilf, ich bin entstellt. Ich hoffe, er geht wieder weg. Bis dahin nur Langarmshirts…

pseudophilosphische Gartenbetrachtungen (von unten, aus der Hocke)

Es geht wieder los.

Das Kraut ruft. Das Unkraut. Eigentlich gings ihm ja ganz gut und besonders laut ruft es auch nicht nach meiner fortpflanzungsregulierenden Hand. Ich bin trotzdem da. Und hocke mal wieder in der Furche. Das dritte Jahr nun schon begebe ich mich in die Hocke. Hocke im Dreck, dessen Ursprung mir zwar geläufig ist, mich aber zu keiner städtertypischen Igitt-Reaktion mehr hinreißt.

Gemüsebeet. Gierschfeld. Was ihr wollt.

Gemüsebeet. Gierschfeld. Was ihr wollt.

(Exkurs. Letztes Jahr gab es folgendes Telefonat zwischen dem Bärtigen und dem Vorgartenbesitzer: „Du, Vati, alle wieviel Jahre muss eigentlich die Klärgrube geleert werden? Und welchen Anbieter haste da immer gerufen?“. „Äh, nee, da kam nie jemand. Du nimmst einfach mal ein Holz aus dem Schuppen und rührst kräftig um. Wenn viel Dickes oben schwimmt, machste einen Strick an eenen Eimer und schöpfst das ab. Das ist Superdünger! Ich hab das vierzig Jahre auf die Beete geschüttet. Im Gewächshaus brauchte ich nie Erde nachfüllen und die Tomaten werden dadurch einfach klasse!“.)

So knie ich also das dritte Jahr in der kompostierten Scheiße meiner Schwiegerleute und verteile im Sommer großzügig Kackgemüse aus meinen eigenen Beeten und langsam finde ich das großartig! Alles. Auf eine ganz andere Art, als ich mir das vorgestellt habe. Damals, als wir anfingen, dieses Stückchen Erde zu unserem zu machen. Ich bin Lichtjahre entfernt von allem, was ich mir in den letzten Jahren so ersponnen habe über mein Leben als Vorstadtgärtner mit Strohhut und Sommerkleidchen, das mit dem Lavendel im Takt zur zarten Brise mitschwingt…

(Hier, hier und hier sind die alten Posts verlinkt, die „frühen Beginne“ quasi.)

Und irgendwie ist es auch gut so. Das alles ganz anders gekommen ist. Was hatte ich für hochtrabende Pläne! Und wen wollte ich eigentlich damit vom Hocker hauen? Rückblickend kommt es mir vor, als sei das vergleichbar mit dem seltsamem Gebahren, die Wohnung grundzureinigen, bevor die Putzfrau kommt (Was soll die denn sagen!) oder wie blöde die Fenster zu wienern und die Böden, wenn sich Besuch mit Kindern ankündigt (Was sollen die denn sonst denken!). Als ob es danach nicht sinnvoller wäre! Was für ein Scheiß. Ich schüttele den Kopf, während ich am Giersch rumzuppele.

Was am Ende eines Nachmittags mit Kind im Garten so geschafft wurde... unglaublich, oder?

Was am Ende eines Nachmittags mit Kind im Garten so geschafft wurde… unglaublich, oder?

Über mir tschilpt es. Und tschiept. Und summt. Irgendwo röhrt ein Rasenmäher. Es riecht nach… hm… Erde. Und Grünzeug. Gut irgendwie. Mir brennen die Schultern und die Sonne bitzelt in meinem Gesicht. Das Gartenkind isst Fliegen und wühlt im Dreck. Ich wühle im Dreck.

Tonne mit Kindersicherung

Tonne mit Kindersicherung

Richtig voran komme ich nicht. Ich werde auch nie wirklich fertig. Ich hab mich damit abgefunden. Hier kommt keiner vorbei, um mich für „Mein schöner Garten“ zu interviewen. Die Regentonnen des Todes sind nach wie vor mit einem lächerlichen Stein gesichert, das Gewächshaus habe ich mit Schwiegervaters todsicherer alltime-favourite-Klebeband-Methode repariert, weil der Baby-Fliegenfresser schon versucht hat, die maroden Scheiben auszubauen. Jetzt glitzert mein Gewächshaus im Sonnenschein. Kann man so lassen. Hält.

glitzerndes Gewäschshaus

glitzerndes Gewäschshaus, sieht auch innen super aus

Ich zupfe weiter am Giersch. Vielleicht ist es auch Akelei oder ganz was anderes. Ich nenne alles Giersch. Ist praktischer. Außerdem habe ich gar keine Ahnung. Manchmal, wenn man gefühlvoll vorgeht, bekommt man die Pflanze ohne Spateneinsatz aus der Erde gezogen. Dann ist das wie Gebären. Irgendwie. Es ruckelt und geräuscht und dann -Schwupps!- ist die Pflanze draußen! Alles dran. Die Wurzel ist vollständig. Herzlichen Glückwunsch!

Es gibt in der Tat zwischen dem Gärtnern und der Kinderkriegerei sichtbare Parallelen.

Als wir anfingen – mit hochtrabenden Plänen und Abrissbirne und dem allen- da standen die erfahrenen Gärtner am Zaun, schüttelten die weißen Haare und regten sich tierisch auf, was wir da treiben. Das macht man aber nicht so! Das geht ganz anders! Wir dachten, so schwer kann das nicht sein. Können alle anderen ja auch. Und wir hatten ganz genaue Vorstellungen, wie das so werden würde.

Pah!

Das erste Jahr hat uns demütig gemacht. So viel Arbeit. So viel Plackerei. Ein Schund. Das hat uns niemand gesagt, dass das so viel Arbeit ist! Das erste mal mit nackten Händen in lebendes Schneckenfleisch fassen ist vom Ekelfaktor vergleichbar mit dem ersten schwallartigen Erbrechen eines Kindes im Auto. In die Stereoanlage. Die Gurte, Ritzen, Fugen. Alles. Beim zweiten Mal ist es dann schon nicht mehr so wild.

Und dann hat dieser Garten ja auch eine ganz eigene Dynamik: Pflanzen vermehren sich an Stellen, wo man die überhaupt nicht haben will. Und nie wieder wegkriegt (vergleichbar mit seltsamen Charakterzügen beim Nachwuchs: „Das hat er von deiner Familie! Bei uns sind wir nicht so!“.). Gras wächst prinzipiell am grünsten und dichtesten auf Beeten. Nicht auf dem Rasen! Dort will es nicht. Da bockt es wie ein Zweijähriger. Im ersten Jahr habe ich versucht, meinen Willen durchzusetzen, dem Garten meine Wünsche aufzudiktieren. Es wurde nichts. Jetzt sehe ich manchmal diese akkuraten ordentlichen Gärten, die nach dem Gartenkatalog geformt wurden und ich mag nicht mehr haben, was ich dort sehe.

Eine Sandsteinmauer als Mahnmal für nichtrealiserte hochtrabende Bauträume. Irgendwer hat aber Mileid und steigt wohl bei uns über´n Zaun. Im letzten Jahr war der Haufen noch deutlich höher ;)

Eine Sandsteinmauer als Mahnmal für nichtrealiserte hochtrabende Bauträume. Irgendwer hat aber Mitleid und steigt wohl bei uns über´n Zaun. Im letzten Jahr war der Haufen noch deutlich höher 😉

Und manchmal freue ich mich diebisch, wenn ich mit meiner hemdsärmeligen quick´n dirty-Taktik erfolgreicher bin als die Weißkappen mit ihrem achtzigjährigen Erfahrungsschatz und ihren gestutzten Buchsbaumhecken. Im letzten Jahr habe ich versäumt, Saatkartoffeln zu kaufen. Sie waren dann alle. Die Weißkappen belehrten mich, dass ich eh viel zu spät dran sei und laberlaberlaber. Ich habe einen Sack Kartoffeln beim blauweißen Discounter gekauft und weil das dann zu wenig für den Acker war, die Knollen einfach halbiert. Ab damit ins Feld. Ohne Dünger, ohne Vorkeimen, ohne Ahnung. Einfach so. Monate später klagten alle reihum über die versaute Kartoffelernte. Fäulnis, Viecher, was weiß ich. Bei uns standen die Pflanzen wie ne Eins und im Herbst habe ich eine fette Ernte eingefahren 🙂 Die dümmsten Bauern haben wirklich die größten Kartoffeln!

Gleich wird das Gartenkind wach und wir fahren raus. Vielleicht kommt Familie Igel wieder vorbei oder wir sehen ein Mäuschen. Oder die Katze, die sich abends bei uns auf der Terasse eingerichtet hat. Wir haben die noch nie zu Gesicht bekommen, aber stets ist ein runder Fellfleck auf einer der Auflagen zu sehen, wenn wir kommen.

Und wir kommen! Wir kommen gleich.

Unkraut oder Glückskleeteppich? Alles eine Frage der Einstellung!

Unkraut oder Glückskleeteppich? Alles eine Frage der Einstellung!

Wochenende in Bildern

Wochenende in Bildern

Ich habe mal mit einem vietnamesischen Kollegen zusammengearbeitet, der uns stets „Flöhliche Östeln!“ an Ostern wünschte. Ob er nicht anders konnte oder sich einen Witz draus machte, weil wir Langnasen annehmen, Asiaten könnten kein „R“ aussprechen, weiß ich nicht. Jedenfalls hoffe ich, ihr hatte flöhliche Östeln.

Ich zeig euch ein paar Bilder von meinem langen Osterwochenende.

Ostern ist das Fest des Suchens, auch in der tschechischen Pension, weshalb wir erst einmal eine leihweise Dachbox fürs Auto im Freundeskreis suchen mussten, um die obligaten Schokoladen- und Chipsmassen für vier Kinder über die Grenze transportieren zu können. Und so suchten wir dann alle nach irgendetwas. Ich nach Ruhe, die anderen nach… irgendwas anderem.

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Auf der Suche nach Süßem…

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Auf der Suche nach dem Trick, wie das Gartentor aufgeht…

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Diese Urlauberin sucht eigentlich nur ihre Ruhe, muss sich aber für ein total natürliches ungestelltes Foto neben einen Blecheimer stellen! Zum Beispiel.

Osterwanderung ist Pflicht. Und zwar auch immer diesselbe Tour (Kindern soll man Traditionen vermitteln, oder?). Durchs beschauliche Örtchen geht rauf auf den Jeschken. Sieben Kilometer, fünfhundert Höhenmeter, ein kleines feines Spaziergängchen, auch für kurze Beinchen zu erlaufen. Im übrigen: Solange sie noch motzen, können sie immer noch weiter laufen…

Motzendes, fußlahmes, halbstarkes Pubertätervolk. Distanz: Ca. 150m vom Start entfernt

Motzendes, fußlahmes, halbstarkes Pubertätervolk. Distanz: Ca. 150m vom Start entfernt

Um den Kindern auch mal etwas Abwechslung zu bieten, haben wir nicht nur Schnee in Hülle und Fülle organisiert, sondern auch dafür gesorgt, dass sie mal zuschauen können, wie ein Film gedreht wird (Das ist im übrigen ziemlich langweilig.). Im Örtchen gastierte eine tschechische Filmcrew und die drehten irgendsowas wie „CSI Tschechei“, denn wir sahen einen als Gerichtsmediziner verkleideten Mann ständig rein- und rauslaufen und ein Sarg wurde auch mehrmals rein- und rausgetragen, ehe die Szene im Kasten war. Alles sehr langweilig. Vor allem für mich, weil ich nicht als Statist mitspielen durfte!

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„Mord vorort“ oder „CSI Tschechei“; the making of

Das geliebte Örtchen ist wunderschön und in jedem Jahr mache ich zahllose Fotos. Ich denke, ich besitze mittlerweile von jedem Haus in Christofsgrund mehrere Fotos (falls jemand von Google Interesse hat). Ich kann nicht anders, jetzt kommen welche:

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die ehemalige Dorfschule; jetzt das schönste Rathaus auf der Welt

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Haus. Schön. Am Waldesrand. Und unbewohnt!

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Brücke über die Rokytka mit Blick auf die Kirche (Ja, ich weiß, es ist nicht der Stephansdom, aber ich mag das doch so dolle dort! Ihr müsst jetzt da durch. So viele Bilder sind´s auch nicht mehr.)

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Haus. Noch schöner. Leider bewohnt.

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Österliche Dekoration. Auch sehr schön.

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„Errichtet von Stefan Schwanz“. Steht dort. Wanderer, halte inne und sei dankbar. Dem Herrn. Und dem Herrn Schwanz.

Wenn man aus dem Örtchen rauskommt, ist man von Wald umgeben und von Ruhe. Die Kinder motzen dann auch nicht mehr, die sind mit Keuchen beschäftigt.

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Erstbegehung im „Tiefschnee“

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Das Ziel. In Sichtnähe.

Das Wichtigste nach jeder Wanderung ist das Biertrinken im „Hot Tub“, also diesem Holzfass im Garten der Pension, wo der Wirt jedem ordentlich Feuer unterm Hintern macht. Da die Pension vollausgebucht war, gabs keine Leihbademäntel mehr und die Männer durften die privaten Negligés der Wirtsleute tragen. Ein Augenfest!

Heiße Typen in Brokatseide

Heiße Typen in Brokatseide

Es wurde gekniffelt. Und ja, auf dem Zettel steht vierhunderteinundachtzig. Und dafür brauchte ich weder den Viererpasch, noch die große Straße. Tja, wenns läuft!

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Kniffelgöttin forever: me

Zu Hause angekommen finde ich eine knuffige Karte im Briefkasten, die mich mit den lieben, warmen Worten meiner Freundin willkommen heißt.

schönster Osterfund

schönster Osterfund

Schnell noch irgendwelche gekauften Eier breithängen, wir bekommen Besuch…

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Eier am Ast vor Eier auf Bild. Eier halt.

So, das wars fast. Wochenende vorbei! Und weil Bilder vom Essen bei keinem Wochenendrückblick überhaupt fehlen dürfen, habe ich heute noch schnell das Essen fotografiert…

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Genau: Tetrapackmilch und Sprühsahne. Und Bier. Wir wissen zu leben!

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Du hast den Voyeur in dir entdeckt und willst mehr Bilder von den Wochenenden anderer Leute? Dann hier entlang. Viel Spaß!

#Geschichten vom Scheitern

Liebe Alu,

Du hast mit Deiner eigenen Geschichte zu einer Blogparade aufgerufen und geschrieben, dass du dich unter anderem ganz besonders auf meine Geschichte zu diesem Thema freust. Seit Tagen gehe ich mit qualmendem Kopf umher und hinter jeder Ecke springt dieses Thema hervor und schreit „Möp!“ (wie du sagen würdest). Ich tu mich schwer. Ich muss dir das jetzt mal schreiben!

Eigentlich ist es ja einfach. Dreiviertel aller meiner Vorhaben funktionieren nicht nach Plan. Scheitern, könnte man sagen.

Ich wäre gern eine Bree van de Kamp mit tollen Haaren und einem perfekten Haushalt. Wenn du die Geschichten über meinen Haushalt und meine vielen Unfälle gelesen hast, weißt du ja, dass ich von Glück reden kann, abends mal wieder einen Tag überlebt zu haben, ohne die Bude abgefackelt oder mir drei Finger abgesägt zu haben. Verbranntes und versalzenes Essen gehören neben Kuchenexperimenten, bei denen im Nachgang festgestellt wird, dass der Zucker vergessen wurde (oder die Eier) zu meinen Spezialitäten. Man kann also sagen, dass ich täglich an meinem Hausfrauenideal scheitere. Ich mache trotzdem weiter.

Beziehungen. Ich glaube schon immer, dass jede Beziehung auf Verständnis für den anderen basieren sollte. Irgendwie hänge ich da in einer „trial and error“-Schleife. Meiner Umwelt gegenüber bin ich nie „Nein! Auf gar keinen Fall!“, sondern stets „Ja. Vielleicht. Ich versuchs.“. Man könnte zusammenfassend sagen, dass ich regelmäßig beim Versuch scheitere, meine eigenen Interessen durchzusetzen (Ich bin auch nicht sturmtauglich. Sobald der Wind rauher weht, fühle ich mich unwohl und verteile an alle Anwesenden Decken. Und Handwärmer in Herzform.).

Es gab eine Zeit, in der meine Ehe als gescheitert galt. Heute weiß ich mit schmerzendem Herzen, dass das, was wir zwei haben, einfach besonders ist und niemals zu ersetzen. Und trotzdem gibt es Tage, an denen ich mich frage, ob es sein kann, dass manchmal Liebe allein einfach nicht reicht. Klingt das nach Scheitern?

Und die Kinder. Beziehung statt Erziehung. Bedürfnisse akzeptieren. Annehmen. Ich gehe immer mit ausgestreckten Händen auf meine Kinder zu, beide Handflächen nach oben. Mit offenen Augen und weitem Herz. Und doch. Der eine bricht mir das Kreuz und der andere das Herz. Ich sollte den Kleinen nicht mehr tragen, aber da steht der knopfäugig vor mir und reckt die Ärmchen hoch. Und ich bin dem wehrlos ausgeliefert (Ich werde bis zum Ende meiner Tage chronisch Rücken haben.). Der andere will kämpfen, sich reiben, messen, diskutieren. Ich biete so viel Angriffsfläche wie eine junge Birke im Frühlingswind. Und muss mir zur Belohnung anhören, dass er Respekt nur vor dem Papa hat. Ich sei ja immer nur… lieb. Man kann sagen, dass ich täglich daran scheitere, den Kindern meine Grenzen zu aufzuzeigen und diese zu verteidigen.

„Scheitern geht auf Scheiter, eine Pluralform zu Scheit zurück. Im 16. Jahrhundert existierten zunächst die Verben zuscheitern und zerscheitern, deren Bedeutung noch ‚in Stücke brechen‘ lautete. Die verkürzte Form entstand vermutlich in Anlehnung an Wendungen wie zu Scheitern gehen ‚in Trümmer zerbrechen‘.“

(Wiktionary)

Ich hatte so viele Träume. Ich wollte Dolmetscher werden. Später dann auch mal Friseur. Ich habe es immer versucht. Immer gekämpft. Aber auch da kann man konstatieren, ich bin wohl gescheitert (Denn ich bin ja weder Friseur noch Dolmetscher worden. Auch nicht Maler, trotz ansatzweisem Talent.). Das Leben kam mir in die Quere. Immer wieder.

Als ich mit diesem Blog anfing und der Schreiberei, war es ganz schnell so, als stellte mich das Leben vor ein buntes, glitzerndes Schaufenster. Und sagte zu mir: „Siehst du, mal kurz mache ich die Tür auf für dich, darfst mal reinlunschen. Aber nichts anfassen!“. Ich fühle mich mit der Tastatur unter den Fingern so wohl wie nirgends sonst und wirklich oft habe ich im letzten Jahr gehört, dass ich da etwas gefunden hätte, was „besonders“ sei. Besonders. So fühlt es sich auch an. Aber ich habe auch ein Leben drumrum. Und wenn im September meine Erziehungszeit endet und mit ihr diese unglaublich intensive Zeit wie ein endloses Kinderferienlager, mit Zeit zum Nähen und Spaziergängen und Mittagschlaf und Frei-Zeit für meine Gedanken und deren Niederschriften, ja, dann werde ich wohl auch auf diese Traumkiste den Deckel drauftun. Manchmal kommen mir so trotzige Gedanken und ich stampfe innerlich auf und will mich dem Unabwendbaren widersetzen! Es gibt doch Leute, die davon leben. Die nur schreiben. Als Arbeit. Ich will das auch! Der erwachsene, vernüftige Teil, meine Ratio, streichelt mir dann über den Kopf und sagt, dass mein zum Familieneinkommen beizutragender monetärer Teil leider nicht optional ist. Und so wird das Schreiben ein Hobby bleiben. Eines mit knapp bemessener Zeit. Ich hoffe, ich finde die Zeit. Diese Kiste zu deckeln wird mir sehr schwerfallen. Man kann also sagen, dass ich stets daran gescheitert bin, meine Träume in die Realität zu retten. Ihnen ein Fundament zu geben. Mein Drumherum ist mir immer wichtiger gewesen.

Aber ich bin nicht „man“. Mir ist egal, was „man“ übers Scheitern sagt! Und im Drehbuch meines Lebens steht auch nichts von Scheitern. Ich glaube, es gibt nicht mal ein Drehbuch! Das ist ein verdammtes Improtheater, bei dem ich nicht weiß, ob im nächsten Augenblick das Bühnenbild zusammenkracht, der Strom ausfällt oder ein Dinosaurier erscheint! Ich glaube aber, es ist eine Komödie.

Das ist das Leben! Und es ist schön 🙂 Scheitern unmöglich. Es geht immer weiter. Und es kommt immer das, was dran ist (Vielleicht gibts ja doch ein Drehbuch…).

In diesem Sinne: Immer weitermachen! Deine Rike

Auf eine Tasse Tee mit Frau Jott

Kinder und Erwachsene unterscheiden sich darin, dass Erwachsene in der Lage sind, die Konsequenzen ihres Handelns im Vorfeld einzuschätzen.

„Kommse, Frau Jott, nehmense noch ein Tässchen Nerventee. Das können wir beide jetzt gut gebrauchen. Hach, es sind harte Zeiten! Wir zwei, sie und ich, wissen ja, dass leider nichts so sehr stimmt wie der blöde Satz: „Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen.“. Und man hört ja nicht auf, Mutter zu sein, nur weil dem Blag irgendwann Haare zwischen den Beinen wachsen. Da sitzen diese Jungmütter selbstgefällig da mit ihren harmlosen Kleinkindern auf dem Schoß und denken, sie hätten für alles eine Lösung! Und immer dieses Geschwafel von wegen gewaltfreier Erziehung! Also, ich für meinen Teil, hab manchmal arge Lust, jemanden übers Knie zu legen. Ihm den Allerwertesten zu versohlen. Sie nicht? Doch, ich schon. Besonders die verhaltensauffälligen Kinder andere Leute. Nichts für ungut, ich verstehe das schon. Da zieht man das Kind groß unter Entbehrungen, schleppt ihn durchs Abitur und ermöglicht ihm das Studium. Dann bricht er´s ab. Neuer Versuch. Er muss sich eben erst finden! Den Nachbarn erzählt man stolz, der Sohn wäre nun angehender Anwalt (Irgendwie muss man sich ja selbst die Sache schönreden. Ich bin da ganz bei ihnen.). Aber, wieder nichts. Naja, er wird schon seinen Weg machen. Das dauert eben bei manchen. Und dann hacken die anderen alle auf dem rum!

die Instagram-Veröffentlichung eines erwachsenen Mannes und Journalisten - ich habe da meine Zweifel (c) wzonline.de

die Instagram-Veröffentlichung eines erwachsenen Mannes und Journalisten – ich habe da allerdings meine Zweifel (bei beidem)
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Ja, das stimmt, er hat sich entschuldigt, öffentlich. Sie haben recht. Es tut ihm leid, sagt er. Und das jedesmal sogar! Der guter Jung-e. Weiß, was sich gehört. Ich finde, wenn man sich entschuldigt, isses dann auch mal wieder gut. Also bei meinem Anderthalbjährigen sehe ich das zumindest so. Bei dem Fünfzehnjährigen erwarte ich allerdings bereits, dass seine Lernkurve größer als die eines Einzellers ist. Nun gut, ich bin da vielleicht etwas strenger als andere. Hach, plagen sie sich nicht mit Selbstzweifeln! Immer dieses „Was habe ich bloß falschgemacht?“. Wissense, der Michi Mittermeier hat ja mal gesagt, es gibt diese Arschlochkinder. Ja, ich weiß, da war er selbst noch nicht Vater. Aber möglicherweise ist da was dran. Einmal Arschloch, immer Arschloch. Das finden sie nicht tröstlich? Hm. Aber ich hab da auch keine andere Erklärung! Man sollte doch meinen, dass irgendwann die emotionale Entwicklung der physischen nachfolgt. Dass es spätestens nach Beendigung der Grundschule nicht mehr lustig ist, den Mädels den Schlüpper runterzuziehen oder was anderes Dämliches. Es lacht ja auch keiner! Nein, wirklich, es lacht keiner mehr. Hoffen sie eigentlich auf Enkel? Das wird sicher noch dauern, befürchte ich. Also ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, das sich momentan eine anständige junge Frau zu Paarungszwecken findet für ihren Jung-en. Er wird wohl eher regelmäßig den Rat bekommen, seine Beinbeuge zu penetrieren. Was kann man da machen? Nun, was würde Jesper Juul raten? Vielleicht würde er sagen, man sollte die Kinder immer auf dem Entwicklungsstand abholen, auf dem sie sich befinden. Zumindest, wenn es um Erziehungsmaßnahmen geht. Also wenn das meiner wäre, dürfte er eine Woche nicht in der Superman-Bettwäsche schlafen. Und Handyverbot. Zu alt? Ich bitte sie! Immerhin benimmt er sich ja auch wie ein ungezogener Grundschüler! Naja, nichts für ungut. Nehmense doch noch nach, hier bitte. Ach, und wo wir gerade so schön zusammensitzen… wo sagten sie, ist er im Moment? Am Strand? Wissen sie, vielleicht red ich mal mit dem. Reiche ihm die Hand. Oder geb ihm einen Tritt in den Arsch. Soll ja manchmal Wunder wirken.“