Jetlag

Alles beim Alten mit dem Alten. Er ist wieder da. Seit einer Woche, um genau zu sein.

Und seitdem haben wir Jetlag.

Alles begann mit gewohnt euphorischem Chaos. Flüge wurden verpasst, Küsse geküsst, vier Tonnen „Spezialwäsche“ flach atmend durch mich gewaschen, der Andendreck aus den Bergstiefeln geklopft, Geschenke ausgepackt.

„Was soll ich dir mitbringen?“, fragte der Beste vor einigen Wochen und ich höre mich deutlich antworten: „Ein Armband wäre schön! Und es muss wirklich nichts Folkloristisches sein! Ehrlich. Gold, Bronze oder Platin reicht.“. Nun sehe ich aus wie Wolfgang Petri. Jute. Bunt. Anscheinend war ich wohl doch zu subtil. Na, wenigstens ist mir warm um die Handgelenke.

Dann wurde noch der eingeschmuggelte südamerikanische Darmvirus in die Familie eingeführt: „Virus, Familie. Familie, Virus!“. Freut mich überhaupt nicht, dich kennenzulernen! Namentlich ist er uns noch nicht bekannt, das Labor züchtet noch ein paar Tage an nicht näher zu benennenden Proben meines Ehemannes herum. Dieser regiert einstweilen vom Klo aus die Welt.

Anstrengend ist dieser Familien-Jetlag: Hier leben jetzt vier Personen mit vier Tagesrhythmen. Oder wenigstens drei. Ferien und Resturlaub tun ihr übriges.

Wenn ich morgens aufstehe, wird es mit Glück bald hell. Die Familien-Lerchen versuchen sich ruhig zu verhalten, was bedeutet, die eine Lerche trägt die andere Lerche die ganze Zeit herum und stopft das Lerchenmäulchen mit Küssen und Keksen, damit kein Laut herausdringt. Und im ersten fahlen Licht des jungen Morgens schlurft dann die eine Lerche mit der anderen Lerche draußen in der Gegend herum. Gegen halb zehn werden unter großen Anstrengungen die Eulen der Familie geweckt, Frühstück steht auf dem Tisch. Um elf haben sie es dann meistens geschafft zu frühstücken, da stehe ich dann schon wieder am Herd und koche Mittagessen. „Waaaas?! Schon WIEDER essen? Wir haben doch eben erst gefrühstückt!“. „Irrtum, Schatz! Du. Ich habe bereits vor fünf Stunden gefrühstückt. Und das Baby will irgendwas Warmes. Oder auch nicht. Aber von mir wird erwartet, dass ich es wenigstens anbiete!“. Ich koche also und das Baby isst für gewöhnlich nichts. Dafür ich dann die kleinkindgerecht zermöllerte Nahrung.

Kaum habe ich die Küche wieder gesäubert, Auftritt Kind Nummer 1. Steht da und verkündet: „Hunger!“. „Ja, mein Kind. Der Hunger ist eine unangenehme körperliche Empfindung, die Menschen und Tiere dazu veranlasst, Nahrung aufzunehmen. Auch als Familienname ist Hunger weiter verbreitet als du vielleicht annimmst. Dein lieber Vater hieß mit Mädchennamen so. Wobei ich in seinem testosteronstrotzenden Fall gar nicht genau weiß, ob `Mädchenname`der zutreffende Begriff ist.“. Währendessen hole ich wieder die Töpfe hervor und bereite dem Kind was zu essen.

Eine Stunde später, ich bin bereits auf Käsekuchen, Buttercremetorte und Kekse konditioniert, Auftritt des Ehemanns: Er schlendert in die Küche, eine Hand meist leger auf die Magengegend gelegt, schaut unschuldig interessiert auf Tisch und Arbeitsflächen. Öffnet vielleicht als Ablenkungsmanöver den Kühlschrank, um dann freundlichst zu fragen: „Schatz, haben wir was zu essen?“. „Selbstverständlich! Mehrere Sorten Reis, Mehl, Zucker, Kartoffeln, Milchprodukte, Gemüse und sogar solch exorbitante Sachen wie Quinoa und Lavendelsalz.“. Unnötig zu erwähnen, dass ich diejenige bin, die das „irgendwas zu essen“ dann zubereitet.

So geht das weiter. Wenn der erste bereits wieder zum Nachtschlaf sich herniederlegt, wird der letzte endgültig wach. Und ich werde als zweites müde, stehe ich doch auch als erstes auf. „Bist du schon wieder müde?“, „Ich möchte mal wissen, wovon du schon wieder müde bist!“, „Andere Leute machen abends noch was zusammen, ich kann dir beim schlafen zugucken.“ und so weiter. Höre ich jeden Abend. Und fühle mich wie ein Spielverderber.

Jetzt noch die Zeitumstellung. Ich glotze grenzdebil auf alle Uhren und peile mal wieder nicht, welche denn nun die richtige Zeit anzeigt! Bin ich nun 5:50 Uhr aufgestanden oder 4:50 Uhr?

Heute Morgen um acht stand Wolfgang Petri alleine mit einem Baby im Tragesack vorm dunklen Bäckerladen, der doch eigentlich halb acht öffnet. Verdammt, wie spät ist es denn nun?!

Scheiß Jetlag.

 

 

 

Es war einmal ein Möbelhaus…

…da gingen die Rentner ein und aus.

An der Peripherie der gemütlichen Elbestadt steht ein ganz bestimmtes Möbelhaus. Ein Gruselhaus!

Namentlich war mir die Bude schon seit Jahren geläufig, ist es doch so, dass es sich als quasi unmöglich gestaltet, mit meiner Mutter „einfach mal so“ ein Treffen auszumachen. Was die Rentner heutzutage für einen Stress haben, da machste dir kein Bild von! Und wenn ich so mit ihr am Telefon den Terminkalender durchforste, kommt ganz sicher: „Nein, an dem Tag kann ich nicht. Da gehen wir mit Rettichs zu Möbel-Dings. Und an diesem bin ich bei der Kosmetik. Nein nein, da geht es auch nicht, da sind wir mit Haubenreissers bei Möbel-Dings.“. Immer dieses Möbel-Dings! Und wenn man sich doch mal trifft, wird kurz nach der Begrüßung erzählt, dass man bei Möbel-Dings war Schweinshaxe essen. Für zwei fuffzig! Mit Klößen!

Irgendwann besprach mich die beste Schwester von allen, ich müsste dort unbedingt mal hin. Die hätten einen Depot-Shop eröffnet und werben mit Schnäppchen für Neukunden. Da die weitverbreitete Dekosucht und der damit einhergehende zwanghafte Hamsterkauf von Stehrums und Rumhängern mich in ihren Fängen haben musste ich dort also wirklich hin. Außerdem will das Wohnambiente auch andauernd entsprechend umdekoriert werden: Frühling allgemein, Ostern, Sommer, Erntedank, Herbst allgemein, Halloween, Advent, Neujahr. Um wirklich nur die absolut nötigsten Termine zu nennen. Und auch wenn ich quasi im Eingangsbereich des Schwedenshops wohne, kann man mich durchaus mit dem Begriff „Schnäppchen“ auch mal zwanzig Kilometer an die gegenüberliegende Seite der Stadt locken.

Schon auf dem Parkplatz kriegte ich Blutdruck. Weißkappen, die im ersten Gang mit röhrendem Motor die vierte Parklücke erfolglos testen. Ist auch schwierig, so einen Zwergen-Koreaner mittig in einer winzigen, zwanzig Quadratmeter kleinen Parkbuchse zu platzieren!

Mit hochroter Rübe und geschwollener Halsader enterte ich irgendwann das Möbel-Dings. Volksmusik bereits im Eingangsbereich. Augen zu und durch. Ab zum Counter, Neukunde werden. Es dauerte. Das Personal hat sich der Geschwindigkeit der Zielgruppe angepasst. Zu zweit schafften sie es innerhalb einer Zeitspanne, in der ich einen Bügelkorb Wäsche bezwungen hätte, meine Daten in das System zu übertragen. Atmen.

Ab in den Depot-Shop und mir den Wagen zugeknallt. Immer um die Weißkappen drumrum, die dort schon schnatternd die Gänge verstopften, ohne wirklich Kaufinteresse an dem Dekokram zu zeigen.

Mich überkam ein Hüngerchen und zugegebenermaßen auch die morbide Neugier auf das von meinen alten Leuten so regelmäßig frequentierte Restaurant. Auf dem Weg dorthin konnte ich einen Blick auf das Sortiment der Möbelbude werfen. Gelsenkirchener Barock meets Pflegeheimfeatures. Eine Couch, an Hässlichkeit kaum zu überbieten, für schlappe 8.999,00€. Es fehlte nur noch das Schild: „Das Beste für ihre letzten zehn, zwölf Nickerchen!“. Und überall fröhliche Senioren ins Gespräch mit dem Personal vertieft. Wahrscheinlich kennen die Stammrentner auch die Dienstpläne aller Angestellten. Mich schauderte.

Im Restaurant sah es aus wie auf einer Seniorenkreuzfahrt. Beim Eintreten hob ich den Altersdurchschnitt um mindestens zwanzig Jahre. Fröhlich schnatternde Weißkappen in Einheitskluft und die Damen auch in identischer Frisur mit gewohnt schaurigem Parfum. Das Essen sah ansprechend aus, aber die alten Leutchens jenseits jedes Effizienzgedankens und –bestrebens ließen mich kaum an die Theke ran! Es war zum Schubsen! „Na na, junges Frollein! Nicht so schieben!“. Ich hätte das Coregatabs-Model am liebsten an seinem faltigen Hals gepackt und zwischen den Schweinshaxen zum Schweigen gebracht. Aber das „junge Frollein“ stimmte mich wohl milde. Und dann an der Kasse fummelten sie alle zig Coupons aus den Handtaschen, was den Andrang im Restaurant erklärte: Gratissaft, Umsonstkaffee, Haxe für zwei fuffzig und so weiter. Das erklärte so ziemlich alles.

Nach dem Lunch im Seniorenheim ich wieder runter zum Counter. Wie ich denn an so Coupons käme? Also, die bekommen sie, wenn sie als Kunde bei uns registriert sind. Bin ich. Na, dann schicken wir ihnen die auch zu. Ich bin aber jetzt und heute hier! Da kann ich leider nichts machen.

Aha.

Nun gut, ich hatte sowieso nicht vor, noch mal wieder zu kommen. Nicht mal für´ne Gratishaxe!

Aber es erstaunte mich dennoch, dass ich auch in den folgenden Monaten keine Einladung zum Umsonstkaffee bekam. Keinen Gratiscoupon. Kein nichts.

Und da ich über Tagesfreizeit verfügte und das Baby damals noch ein in Vollzeit rumliegendes Baby war, schrieb ich einen Brief an das Möbel-Dings. Mit der Bitte, das Marketingkonzept zu überdenken. Auch Mütter mit Kleinkindern und generell Leute, die nach 1940 geboren wurden, sind doch als Käuferzielgruppe auch nicht zu verachten. Und würden auch nach 18:00 Uhr noch einkaufen und Haxe essen kommen, wenn die Rentner bereits mit hochgelegten Beinen auf der Seniorencouch sitzen und die Hitparade der Volksmusik im Fernsehen anschauen. Und wieso schicken sie mir eigentlich keine Coupons zu?! Werden „junge Frolleins“ bei ihnen nur in Begleitung ihrer greisen Erziehungsberechtigten als Kunden wahrgenommen?

Ich bekam keine Antwort. Was auch daran liegen könnte, dass ich diesen Brief nie abgeschickt habe. Der Beste hatte sich nämlich königlich amüsiert auf meine Kosten und mir zu verstehen gegeben: Die anderen Frolleins und du, ihr habt Blaugelb. Lass doch den Inkontinenzschlübber tragenden Alten das Möbel-Dings und die Haxen!

Monate zogen ins Land.

Ihr ahnt nicht, was ich heute in der Post fand!

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Es gibt zwei denkbare Möglichkeiten: Möbel-Dings hat sein Marketingkonzept überdacht oder ich bin jetzt amtlich alt und es wird Zeit für die seniorentaugliche Kurzhaarfrisur und Mode aus dem Schwab-Katalog.

Wochenende

Wochenende

Wer sich schon immer fragte, was ich so an einem gewöhnlichen Wochenende erlebe, dem sei gesagt: Spektakuläres!

Gestern war ich mit Gretel und den vielen Kindern, die zu uns gehören, in Moritzburg. Warum man dort unbedingt mal hinfahren sollte, könnt ihr bei Gretel nachlesen. Die heißen Waffeln, Gummitiere und den Wildschweinschinken, den man neben dem zauberhaften Leuchtturm zum Sofortverzehr käuflich erwerben kann hat sie unterschlagen, deshalb halte ich diesen zusätzlichen Hinweis für hier erwähnenswert.

War das jetzt ein Bloggertreffen? Nein, ein Freundinnenausflug. Zwei Freundinnen, die sich durchs Bloggen gefunden haben. Viel besser.

Und wo ist jetzt die Geschichte? Ach so, die Geschichte. Aschenputtel hat ihren Schuh verloren auf der Teppe des Schlosses in Moritzburg. Ja, ehrlich! Soll ich jetzt noch die Geschichte vom Aschenputtel erzählen?! Nein? Okay. Dann bleibts einfach bei dem Ausflugstipp.

Einmal…

…mache ich jetzt mit. Mit der Verweigerung, an Blogger-Awards teilzunehmen, kommt man nicht weit. Musste ich feststellen. Und je öfter ich eine Absage schreibe, umso spielverderberisch fühle ich mich. Deshalb, und weil ich mittlerweile von vier ganz reizenden Kollegen auf eine wirklich liebenswürdige Art eingeladen wurde, will ich einmal mitmachen. index Ich wurde nominiert von: Christian, http://www.familienbetrieb.info/, Vivi, http://hexhex.blogspot.de/, A-Lu, http://grossekoepfe.blogspot.de/ und Minusch von http://minulinu.wordpress.com/

Ich danke Euch Vieren recht herzlich und gemäß der Aufgabenstellung soll ich nun sieben Fakten über mich verraten. Da ich mich aber hier auf´s Geschichtenerzählen beschränke, werde ich versuchen, eine Geschichte zu basteln aus sieben Fakten. Ich hoffe, Euch damit nicht zu enttäuschen.

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Fakt 1) Ich wollte Slawistik studieren. Galt als Sprachtalent. Etwas anderes konnte ich nicht.

Fakt 2) Ich durfte kein Abitur machen, was 1986 hieß, ich wurde nicht auf die „Erweiterte Oberschule (EOS)“ deligiert (offiziell wegen der Mathe-drei, inoffiziell galt meine Familie als nicht besonders linientreu, aber das behaupteten ja hinterher viele…).

Fakt 3) Ich erlernte einen technischen Beruf (Elektronikfacharbeiter). Von Elektronik habe ich soviel Ahnung wie von Teilchenmaterie. Deshalb lernte ich auch später noch Informatikkauffrau. Denn von Informatik habe ich genauso viel Ahnung.

Fakt 4) Am 9.11.1989 fiel die Mauer.

Fakt 5) Ich hätte nun das Abitur nachholen können und studieren. Theoretisch. Leider hatte das Leben andere Pläne mit mir.

Fakt 6) Ich habe viele Jahre unter dem angeblichen „Makel“ gelitten, kein Abiturzeignis als Intelligenznachweis vorlegen zu können.

Fakt 7) Jetzt nicht mehr. Aus mir ist trotzdem was geworden 🙂

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Ich müsste nun auch noch jemanden nominieren, aber ich denke, jeder durfte schon, jeder hatte schon. Wenn irgendwer vergessen wurde, dann bitte schön! Du bist dran!

Ein Topf Suppe

Ich war krank. So richtig. Mit allem. Die Kinder haben sich aus dem mütterlichen Symptomenkatalog jeweils ein paar Gebrechen rausgepickt und so laborierten und kränkelten wir ein paar Tage vor uns hin.

Und wie ich mit hohlem Magen und verrotztem Fieberkopf vom Bett zur Couch und von dort zum Spielteppich ins Kinderzimmer wanke, mache ich mir Gedanken. Über die jüngsten Begebenheiten in der „Netzfamilie“. Über den Beitrag einer fremden Frau mit Folgen. Über meinen eigenen Beitrag mit Folgen. Über meine Reaktion auf all dies. Meine zwiespältige Meinung zu verschiedenen Dingen, die die Frauenwelt umtreiben. Den Umgang untereinander. Meine eigene Diskussionskultur. Diese Wucht, mit der wir bereit sind, auf die neben uns einzuhacken, nur weil sie unsere Sicht nicht teilt. Und wieder einmal komme ich zu dem Schluss, so lange wie wir das nicht untereinander hinbekommen, brauchen wir nicht aufs Patriarchat zu schimpfen. Solange Gleichberechtigung und friedliche Koexistenz nicht unter uns Frauen herrschen, ist es mühselig, sie woanders etablieren zu wollen.

Und dann klingelts, und mit den Worten: „So, hier kommt euer Abendbrot! Gute Besserung!“ marschiert meine Nachbarin Beate an mir vorbei in die Küche und stellt einen Topf mit Suppe auf dem Tisch ab.IMG_1601

Manchmal kann es so einfach sein. Ich habe auch nette männliche Nachbarn, ganz ohne Frage. Aber ich bezweifle, dass einer der Herren auf die Idee käme, mir eine Suppe zu kochen. Fürsorglich miteinander umzugehen, das liegt uns im Blut. Wir können das. Dieses nach-links-und-rechts-Schauen. Das ist eine Stärke und das stärkt auch unser Umfeld.

Und jede von uns kommt mit einem anderen Rucksack daher. Das soziale Umfeld, die Kinderstube, die Gesellschaft, die sie geprägt hat und nicht zuletzt das erlebte berufliche Umfeld. Da kann man tagelang ausdiskutieren, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, oder einfach mal sagen, ja, so ist das. Ich mit meiner Proletariats-Kindheit im gesetzlich geregelten Gleichberechtigungsstaat habe selbstverständlich andere Wurzeln und Normenkonstrukte als eine Frau, die in einer gutbürgerlichen hanseatischen Mittelstandsfamilie aufgewachsen ist. Und doch leben wir beide 2014 in demselben Land und eint uns der Nenner: Frau. Und eventuell auch: Mutter.

Und ich denke auch an einen anderen Topf Suppe.

Eigentlich an viele. In meiner Abteilung gab es so ziemlich genau zwei Jahre lang die Tradition der „Suppenrunde“: Einmal pro Woche, oder einmal im Monat (je nach Auftragslage) brachte eine von uns Kolleginnen einen großen Topf Suppe mit und wir trafen uns zum Mittagessen. Wir waren ein Häufchen, das unterschiedlicher nicht sein konnte. Von Mitte zwanzig bis Mitte fünfzig, unterschiedliche Lebensstrukturen, verschiedene Arbeitsumfelder, Gehaltsstufen und Lebenshaltungen. Auf den ersten Blick einte uns nur die Zugehörigkeit zu dieser Firma. Und dass wir Frauen waren. Männlichen Kollegen konnten wir zwar immer zum Mitessen überreden, leider aber nie zum Kochen.

Diese Treffen waren etwas Wundervolles und zu der wärmenden Suppe gab es stets wärmende Gespräche und oft auch ganz unerwartete Ansichten. Das war sehr befruchtend. Später habe ich mit Freude festgestellt, dass ab und zu in der großen Firma auch in einer anderen Teeküche auf einmal eine Heizplatte stand mit einem Topf Suppe darauf.

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Aus unseren vielen Suppenrezepten haben wir irgendwann ein Kochbuch drucken lassen. Einfach für uns und als Geschenk. Ich blättere heute noch sehr gern darin.

Und ich möchte – ganz entgegen meiner Gewohnheit – jetzt hier mit einem meiner vielen Lieblingsrezepte aus diesem kleinen Büchlein beschließen und hoffe, das wärmt euch beim Nachkochen und Essen.

Diese Suppe hat Christine gekocht, die eine wunderbar kluge und lebensfrohe Frau und geschätzte Kollegin ist, und drei schulpflichtige Kinder alleine großzieht.

Linsensuppe Sabaudia

200g Linsen über Nacht einweichen lassen.

½ Sellerieknolle, 1 Stängel Sellerie und 6 Knoblauchzehen putzen und zerkleinern.

152g durchwachsener Speck in Würfeln und das Gemüse zu den Linsen geben und alles in dem Einweichwasser 50 Minuten kochen.

Nach etwa 30 Minuten Kochzeit 450g geschälte Tomaten mitsamt dem Saft dazugeben.

Alles mit Salz, Pfeffer, gekörnter Brühe abschmecken.

200g Nudeln nach Wahl kochen und in der Suppe erwärmen.

 

In herzlicher Erinnerung an die Damen der Suppenrunde: Beatrix, Kathrin, Beate, Kerstin, Christine, Melanie, Regine, Juliane und Susan.

Und für meine Nachbarinnen Beate und Manja, für die ich bald mal wieder eine Suppe kochen werde.

Kulturtipp – die Nachlese

Kulturtipp – die Nachlese

Da ich ausdrücklich um eine Rezension des angepriesenen Abends gebeten wurde und zwar auch für Geld, Essen, Ruhm und Ehre schreiben würde, aber vor allem aus Überzeugung und ein gewisses Problem mit dem Nichtbedienen von Erwartungen anderer mir gegenüber habe, kommt hier in ein paar ausschweifende Zeilen gepresst meine subjektive, überzogene und von unbegreiflicher Sympathie und frenetischem Fan-Eifer eingefärbte Sicht auf den vorgestrigen Abend (Die Deutschlehrer unter euch weinen wahrscheinlich schon nach dem Lesen des ersten Satzes.).

„Die Tim Herzberger Show – Scheitern durch Niveau“.

Fiebernd vor Aufregung und aufgrund des grippalen Infektes, der die dezimierte Familie anheimgefallen war, warf ich mich in Schale, den Wagen an und bretterte mit roter Nase wie Rudolf das Rentier und Triefaugen wie Genscher direkt auf den roten Teppich. Im Eingang lungerte eine Person, die sich bei näherem Betrachten als meine Freundin und Ersatzehemann-Begleitung für den Abend herausstellte. Vermutlich kampierte die Gute schon seit einer Woche dort aus Angst, ich würde nicht kommen, und sie müsste sich um Restkarten kloppen.IMG_1585

Constanze Rick und das Filmteam hatte ich leider verpasst. Auch der enorme Ansturm aus Berlin, der mit dem Berliner Linienbus angereist war, war bereits aufgelöst. Wie ich hörte, hatten die Verkehrsbetriebe extra eine Sonderfahrt eingerichtet, um die ins kulturelle Hinterland abgeschlagenen Hauptstädter auch mal in den Genuss einer wahren Show, einer Varieté, dieser exklusiven Wohnzimmervorstellung, grandiosen Soiree kommen zu lassen.

Auf dem roten Teppich wurden die ganz großen Roben zur Schau gestellt: H&M, Pimpkie und wie sie alle heißen. Im Blitzlichtgewitter von Handies drehten sich die Schönen und Reichen. Und auch die Armen und Hässlichen wurden eingelassen.

Die Show bot wie vermutet einige Überraschungen.

Zum einen war da der 187-jährige Großvater von Jopi Heesters als Westernzauberer gebucht, in den sich meine Begleitung spontan verliebte. Das war reizend. Mit dem schwankenden Gang des greisen Mannes, der zittrigen Hand, die vermutlich schon dem Reichskanzler Bismarck einen Klaps auf den Po gegeben hatte und einer Berliner Schnauze ohne Alter zauberte er vierzig Flaschen Martini aus einer Pappröhre. Dann setzte er sich hinter das Publikum und machte ein Nickerchen.

Das Publikum bestand zu einem Teil aus Freikartenbesitzern (das kommt davon, wenn man im Radio Werbung macht), die ich sofort enttarnte und die sich leider als vollkommen humorlos entpuppten und die einstudierten „OOOOOOH!“s und „AAAAAAH!“s einfach nicht brachten! Mich brachte das auf die Palme. Ich Oh-te und Ah-te weiter, bis sich die Leute vor mir dauernd umdrehten. Gepflegtes Publikum bei gepflegten Getränken… Aber so ist das wahrscheinlich auch den ersten Fans der Beatles ergangen, die die Pilzköpfe beim verwässerten Bier im Pub gehört haben. Ich glaube, ich weiß, wie die sich fühlten, als sie dann das erste Mal im Stadion standen…

Zurück zum Programm. Die Überraschung des Abends war für mich ohne Zweifel Signore Carleone als „Siggi Schwoartzzzzzzzzz“. Was für eine Performance! Leute! Allen Anwesenden war am Ende klar, wer wem den „Moonwalk“ geklaut hatte und bei der für Siggi Schwartz so typischen Bewegung (Griff in den Schritt und Becken gekippt) war ich ab dem zweiten Mal so angefixt, dass ich fast beherzt meiner Nachbarin in den Schritt gegriffen hätte. Um mich von meinem Begehren abzulenken habe ich mich aufs Feuerzeugschwenken beschränkt und trage heute stolz eine Brandverletzung als Zeichen meiner Ehrerbietung. Ob alle anderen auch Feuerzeuge geschwenkt haben? Bitte, ich möchte nicht darüber reden. Verdient hätte er es! Rosen hätte man nach ihm werfen sollen, Telefonnummern, Geld. Auf blanken Brüsten gehörte dieser unglaubliche Künstler aus dem Saal getragen!

Herr Specht hielt allen Erwartungen nicht nur stand sondern brillierte auf einem Niveau, so weit oben, also darüber müsste eigentlich die NASA berichten. Und vor allem provozierte er (Endlich!) eine Situation, bei der mich das Publikum entschädigte. In einem seiner Evergreens besingt er den erotischen Stress mit seinen ganzen Frauen. Im Traum wohl, aber man glaubt´s ihm sofort! Jedenfalls singt, tanzt und turnt er verschiedene weibliche Gäste an und endet mit einer akrobatischen Höchstleistung, indem er sich quasi auf eine ältere Dame vor mir hockt und fellatio-erbittende Bewegungen macht während der gesungenen Ode an ihre Fleischwurst. Oder so ähnlich. Offensichtlich waren Inge und Achim (so nenne ich jetzt mal das Ehepaar vor mir) Freikarteninhaber und vollkommen ahnungslos in dieses Spektakel geraten. Sobald der in Lust entbrannte Jogginghosen tragende Künstler von der Inge runtergeklettert war, steckte er ihr eine Autogrammkarte zu mit dem Hinweis auf seine Telefonnummer. Was dann geschah, könnte besser in keinem Skript stehen! „Inge, wir gehen!“, ertönte Achims Stimme, und während Inge noch die Autogrammkarte zaghaft an die faltige Brust drückte, verließen sie mitten in der Show den Saal!

DAS WAR LUSTIG! Leider wurde das außer der letzten Reihe (wo ich saß) von niemandem bemerkt. Schade eigentlich.

Ein Poetry Slammer namens Herr Jurisch, der just und zufällig auch in der Reihe vor mir saß und total spontan aufgefordert wurde, was zum Besten zu geben, ist unbedingt erwähnenswert. Sein Text „Ich habe einen Traum“ wird wohl heute zu recht unter den Anwesenden der am meisten eingegebene Begriff bei Google sein.

Tim Herzberger, als Moderator quasi Gebärmutter, Ziehmutter und Adoptivvater der Show in Personalunion verstand seinen Part aufs Allerfeinste und selbst als er der quiekenden und sich mit einem Handtuch bedeckenden Steffi („Ein Applaus für die Steffi aus dem Publikum!“) permanent in die Frisur spuckte, war das ästhetisch, von hohem künstlerischen Wert und außerdem habe ich noch nie, nie, niemals einen Mann gesehen, der in geringelten Pantalons derart anbetungswürdig aussieht. Verbalakrobatisch auf Maxi Gnauck-Niveau (Die war Turnerin, das weiß ich selber. Aber wer kennt schon Akrobaten!), die fabulierende, trillernde, schillernde, bestangezogenste Person des Abends, eine Kathi Witt ohne Eis und Jutta Müller.

Darf ich vorstellen: Tim Herzberger, die Ohren- und Augenweide für alle Fälle!

Es gab noch ein paar weitere Darbietungen, aber kein Schwein kann sich ein derart langes Bühnenprogramm merken! Und ich hatte Fieber.

Auch das Scheitern im Namen der Show wurde gekonnt inszeniert. Und zwar in Form einer Dame, die „zufällig“ im Publikum saß und auf die rote Besetzungscouch durfte, wo sie unnatürlich dauerlächelnd über Fakeprofile bei Facebook vom Leder zog und zwei Sätze später entblöste, sie melde sich gern aus Jux bei Fremdgehportalen an. Mit einem ge-fake-ten, scharfen Blondinenfoto. Weil, das ist so lustig! Und weil das alleine vielleicht noch nicht gereicht hätte, um allen Anwesenden die Bedeutung des Auftrittes, die moralische Verwerflichkeit, das Bigotte, Verlogene, Mediengeile vor Augen zu führen, brachte sie auch noch die eMail eines Verehrers von so einem Portal mit und las diese laut vor (die Datenschutzbeauftragten im Publikum machten sich Notizen). Zum Abschluss sang sie noch ein musikalisch unscheinbares, leicht zu vergessendes Liedchen in Teilplayback.

Die Leute klatschten höflich (gepflegtes Publikum), aber ich bin nicht sicher, ob der tiefere Sinn der Darbietung allen bewusst war. Scheitern durch Niveau. Oder durch das Fehlen ebendieses.

Obwohl ich trotzdem ein wenig auf die wunderbare Judith Reimann gehofft hatte, der bei der Wohnzimmershow vor zwei Jahren mein Herz zugeflogen war. Vermutlich war die gerade in der Carnegie Hall gebucht.

Auch Roberto Blanco und Karl Moik waren nicht anwesend. Zumindest nicht als Akteure. Dafür wurde in der Bratwurstpause gemunkelt, die Nachbarin des Fußpflegers der Kanzlerin sei da. Und auch diese Dings, die sich gerade von dem Bums getrennt hat. „Jaaaaa, sicher! Ich hab die an den schielenden Möpsen erkannt!“. „Ach, die armen Hunde…“. Und der Till der Schweiger und der Justin der Bieber, auch die konnten leider nicht kommen, aber ich glaube, für die wurde gestreamt. Zumindest tratschte entsprechend das gepflegte Publikum in der Bratwurstpause. Vielleicht war es auch nur das, was ich mit meinem Fieberkopf verstanden habe. Wollt ihr hier die Wahrheit hören oder ´ne gute Story?! Selber hingehen für ersteres.

Fazit: Ich war verzückt! Mal wieder.

Generell bin ich nach der Vorstellung am 03.Oktober der Meinung, die drei Hauptakteure der Show könnten zukünftig ALLE Gäste selber spielen. Herr Specht würde selbst seinem ollen Dedoronbeutel einen Charakter verleihen oder eine Hämmorhoidensalbe bühnentauglich in Shakespeare-eskes Licht rücken und Signore Carleone ist absolut reif für die großen Frauenrollen! Das spart Gagen und ist als Qualitätssicherungsmaßnahme nicht zu verachten.

Alles, was die drei Sexidole (siehe Titelbild) ausbaldowern, ist in meinen Kunstbanausenaugen ein Griff ins ins Gleitgel und prinzipiell nur niveauvollen Kennern zu empfehlen. Ich bin aus diesem Grund auch für gecastetes Publikum. Das geht doch nicht, dass die da sitzen wie mit eem Stock im Arsch! Die „Rocky Horror“-Show hat doch auch irgendwann angefangen, dem Publikum zu sagen, was hier gefälligst erwartet wird! Das wäre ein Anfang. Also, so´ne Schnarchnasen wie aus´m Politbüro gehören da nicht hin. Da kann man doch was machen: Die erste Reihe trägt Damenschlüpfer auf dem Kopf, die zweite Reihe… weiß ich jetzt auch nicht.

Vielleicht fehlt auch nichts, sonders ist etwas zu viel: Meine Meinung zum Beispiel. Nun ja, man wird ja noch als zahlender Gast Hinweise zur Vervollkommnung des eigenen Kulturgenusses machen dürfen.

Und der Tortellini Alfredo, Rolfonso Reichelino, der berühmte Zauberer, der hätte wirklich die Pullen Martini ins Publikum geben können! Mein Freund, „Martin I.“.

Am Ende riss der unglaubliche Michael Specht doch noch alle von den Sitzen und mimte mit der Aufschrift „Zuchtbulle“ auf dem durchtrainierten Körper einen Schlagerstarrockergangsterrappersuperstarentertainer. Hier eine kurze Kostprobe. Gut sichtbar: Der Dame vor mir hat beinahe die Frisur gebebt! Das vom Schnupfen eingelullte Stimmchen im Vordergrund gehört mir. Und nein, ich wurde noch nicht für den Backgroundchor entdeckt. Ich bin nur ein Konsument. Aber ganz sicher auch das nächste mal wieder dabei. Letzte Reihe, außen.

 

 

Es nervt!

Wenn ich dieser Tage in den Blogs, die ich so gerne lese, umherstöbere oder das Facebook öffne, werde ich bombardiert mit Buzzwords wie „Vereinbarkeit“. Oder „Pink Stinks“. Große Sache!

Das ist jetzt in Mode, jede (sorry, ich lasse das „r“ da mal raus und hoffe, es wird mir nicht gleich Sexismus unterstellt) die was auf sich hält, springt auf den Zug auf und hat zum Thema eine Blogparade, eine Umfrage oder dergleichen laufen.

Es gibt ja immer mal wieder Themen, die als Trend eine Weile das bloggende Volk umtreiben, und nun diese „Vereinbarkeit“. Und „Pink stinks“. Zum Beispiel.

Ich bin gelangweilt, mit Hang zum Genervtsein.

Fangen wir hinten an: Pinke Klamotten für Mädchen, geschlechtsspezifische Süßigkeiten, die ganze Gentrifizierung ist eine Marketingkampagne. Und ja, irgendwer kauft offensichtlich den Scheiß. Genauso, wie es Leute gibt, die die anderen Abscheulichkeiten kaufen, die die große, bunte Marktwirtschaft für uns Verbraucher bereithält. Warum regt ihr euch so auf? Niemand muss das kaufen, das ist nur ein Angebot! Von der Nachfrage bestimmt. Es gibt auch grüne, graue, beige Klamotten ohne Aufdruck und Pipapo. Könnt ihr kaufen. Oder selber filzen, häkeln, nähen. Aber ja, es gibt das auch zu kaufen. Genauso wie achtundzwanzig Sorten Olivenöl. So viele Sorten Oliven gibt’s nicht mal! Jeder darf sich aussuchen, was zu ihm passt. Nach seiner Facon.

Aber diesen Wirbel verstehe ich nicht! Was soll da passieren? Negative Kindesbeeinflussung? Also, echt. Ich hätte als DDR-Kind für einen rosa Samtpullover den Weihnachtsmann an die Stasi verpfiffen und hatte emanzipatorisch vollkommen einwandfreie weibliche Vorbilder!

Vor allem frage ich mich: Welches Ziel verfolgt eure ganze Aufregung? Einfach mal wieder aufregen? Gibt’s sonst keine Aufreger in euerm Leben? Dann beglückwünsche ich euch recht herzlich! Wünschenswert wäre natürlich, ihr könntet diesen Zustand auch genießen und würdet nicht pausenlos Probleme herbeireden. Viel Wind machen. War ja auch zu windstill die letzten Tage.

Ebenso wie diese „Vereinbarkeitsdebatte“. Ich denke, ich habe genug gelesen, um mich auch hier zu fragen: Was soll das? Worauf wollt ihr denn hinaus? Was soll rauskommen bei dieser Diskussion? Werdet ihr euch dann abends zu euerm Mann auf die Couch setzen und verkünden: „Also, pass auf. Ich habe das in der Blogparade und mit meiner Twitter-TL durchgehechelt und die sagen auch… also ab morgen läufts hier anders!“.

Am Ende klärt das doch jede für sich und mit dem Männchen an ihrer Seite. Und gemäß den vorliegenden beruflichen Rahmenbedingungen. Oder? Denn schon, wenn man sich als Paar näherkommt, klopft man doch die Vorstellungen von einer Paarbeziehung ab. Will ich, dass wir alles gemeinsam machen oder bin ich mehr für Spezialisierung. Will ich mich lieber um die großen K´s kümmern, während ER sich um die Steuererklärung, Reparaturen, Spinnen und alles zur Mobilität der Familie Gehörende müht. Das klärt man frühzeitig. Und wenn es aus einem Grund nicht mehr passt, klärt man erneut. Unter vier Augen. Und justiert notfalls nach, wenn die Familie sich vergrößert und die Rahmenbedingungen sich ändern.

Warum wird das in die Öffentlichkeit gezerrt? Wo soll der Nutzen sein? Außer, dass ihr euch gegenseitig kirre macht?

Ja, und wenn ihr frühzeitig nach dem Kinderkriegen wieder arbeiten wollt, dann könnt ihr das! Klärt das mit dem Mann, der zu eurer Familie gehört. Besprecht das. Bleibt halt er zu Hause. Oder ihr beide. Oder ihr kümmert euch um eine Betreuung für den Nachwuchs. Kita plus Tagesmutti plus Au pair plus Oma plus Nachbarin. Was weiß denn ich. Geht alles. Könnt ihr doch machen! Oder nicht? Was wollt ihr denn? Na gut, dreimal pro Jahr Urlaub ist dann nicht drin. Was soll dieses Gewirbel? Ich sehe das Ziel nicht. Wollt ihr eine Absolution, dass das alles richtig und gut ist, wie ihr das macht? Seid ihr so unsicher?

Meine alte Hebamme hat mal zu mir gesagt: ´Um als Mutter glücklich zu sein, kümmere dich zu allererst um dich. Dann um deine Beziehung. Und dann um deine Kinder.`Klingt grausam. Aber nur auf den ersten Blick. Aber ich höre hier auch nur unzufriedene Frauen und Mütter lamentieren, wenn ich eure modernen Diskussionen verfolge. Daran wäre zu arbeiten. Das gehört zu hinterfragt. Wem drückt denn wo und warum der Schuh.

Jetzt kommt bestimmt: „Ja, aber…!“. Ja, aber, was? Ihr seid erwachsen, trefft eure Entscheidungen und lebt damit. Und am besten korrelieren die auch mit den Bedürfnissen eurer Familie, denn hier lebt ja nicht jeder für sich auf einer Insel. Und hört auf, euch über rosa Eier aufzuregen!

Hand hoch, wer von euch hat denn Erfahrung mit Ganztagesbetreuung über Jahre! Die gute Nachricht: Kinder überleben alles. Die sind hart im Nehmen. Wir haben ja schließlich alle unsere Kindheit überlebt. Ich habs gehasst! Kita von früh bis spät, Ferienlager… Aber genauso findet sich an jeder Ecke ein DDR-Kind, was das super fand! Jedes Kind ist verschieden. Jede Mutter auch.

Macht doch, was für euch gut ist und klärt das in der Familie. Dort gehört diese Diskussion hin.

Und wenn ihr dann noch Energie habt, engagiert euch für flächendeckende Kinderbetreuung und Ganztagsschulen. Und die anderen zig Themen, bei der der gewählten Politik mal nachgeholfen werden muss. Bei der Priorisierung. Wenn es euch stört, werdet aktiv und sichtbar. Nicht nur als im Internet nölender Haufen (das tat weh, ich weiß).

Momentan fehlt mir ehrlich der Sinn dieser ganzen Unternehmungen und auch der Unterhaltungswert hat Grenzen.

Ja, ich weiß, hier wird vermutlich niemand „gefällt mir“ klicken, aber ich wollte mir mal Luft verschaffen und das habe ich.

Draußen scheint die Sonne, es ist der Tag der Deutschen Einheit. Ich bin ein freier, glücklicher und zufriedener Mensch. Die Supermärkte sind voller Zeug und alles könnte ich mir kaufen. Pinkfarbenes Olivenöl, wenn´s denn sein muss. Ein Leben im Überfluss! Und ich darf den Beruf ausüben, der mir Spaß macht! Und nicht zuletzt: Ich darf hier schreiben, was ich will. Das muss euch nicht gefallen. Aber ich darf es. Meinungsfreiheit ist ein großes Glück. Dafür bin ich besonders an diesem Tag dankbar.

Ich wünsche euch allen einen wunderschönen, und vor allem entspannten, Feiertag.