Das unfallgefährdete ICH

Ich bin nicht nur der „Küchengeräte-Terminator“, nein, auch vor mir selbst mache ich nicht Halt. In unserer Familie habe ich das Monopol für Spezialverletzungen gepachtet.

Während ich diesen Text schreibe sitze ich mit einem eiswürfelgefüllten Waschlappen auf dem Fuß an meinem Schreibtisch. Niemand bedauert mich, alle lachen mich aus! Weil mir andauernd dusslige Unfälle passieren.

Heute wollte ich eine Kuchenform abtrocknen, als der schweeeere Boden der grooooßen eckigen Form aus meinen grazilen Händen glitt und Kamikaze-mäßig im Sturzflug mit der Ecke zuerst meinen Fußrücken rammte. Ich habe jetzt eine fette blaue Beule auf meinem Fuß. Obendrauf. Es tut weh. Und sieht Scheiße aus!

Vor zwei Wochen wuchtete ich am Gartentor rum. Da der Löwenzahn bei uns im Garten die Weltherrschaft anstrebt, lässt sich das Gartentor kaum noch schließen. Es hängt einfach an den Unkrautnaben fest. Ich ziehe und zerre in gebückter Haltung und dann (Dieses Arschlochtor!) löst es sich und …rummmmms…kracht mir gegen den Kopf! Ich sehe Sterne und mein linkes Jochbein schwillt binnen Minuten. Für zwei Tage ähnele ich Axel Schulz, kann aber unter Verwendung von Camouflage-Makeup Fragen zu meinem Beziehungsstatus aus dem Weg gehen.

Im letzten Jahr habe ich mir zwei Zehen gebrochen. Im Schlafzimmer. Das klingt weitaus lustiger, als es tatsächlich war. Außerdem war ich hochschwanger und es war heiß, aber das Schicksal kannte keine Gnade. Also bin ich dickbäuchig mit orthopädischem (und sehr warmem) Stützschuh und Krücken in der Gegend rumgehumpelt und musste im Urlaub von meinen Jungs im Rollstuhl von der Kneipe zum See und wieder zurück gerollt werden. Haha!

Ich habe mir schon beim Bügeln den Bauch verbrannt (fragt gar nicht erst, wie blöde man dazu sein muss), weil ich den vorgeschriebenen Mindestabstand zum Bügelbrett nicht eingehalten hatte und keine Bauchschutzkleidung trug. Außerdem habe ich so viele Narben von Schnittverletzungen an den Händen, dass ich Edward mit den Scherenhänden daraus ein Facedouble basteln könnte. Einmal hatte sich ein Schnitt derart entzündet, dass ich Tetanus gespritzt bekam und die Betriebsärztin, die die Behandlung vornahm und offensichtlich über Humor verfügte, mir ein Attest ausstellte, was mich von jeglicher Hausarbeit befreit. „Zur Vorlage zu Hause“ stand obendrüber. Mit Amtsarztstempel! Leider kann ich das Ding nicht finden…Wahrscheinlich ist die Befreiungsfrist auch längst abgelaufen.

Den kapitalsten Bock habe ich allerdings vor vielen Jahren geschossen, als der Beste und ich uns gerade kennengelernt hatten. Ich wollte Bananen-Milchshakes zum Frühstück machen. Der Standmixer stand auf dem Kühlschrank und musste zu diesem Zwecke natürlich runtergeholt werden. Man hätte einen Stuhl holen können und draufsteigen. Wahrscheinlich hielt ich mich mal wieder für sehr viel größer als ich tatsächlich bin und so fummelte ich also auf Zehenspitzen mit ausgetreckten Ärmchen vor dem Kühlschrank herum. Ich bekam den metallenen Fuß des Mixers irgendwie zu fassen und grabschte danach. Soweit, so gut. Als nächstes löste sich das schweeeere Mixerglas, was ja nur obenauf saß, sauste abwärts und …rummmmms…landete in meinem erwartungsvoll nach oben gerichteten Gesicht. Fazit: aufgeplatzte Augenbraue, fettes Veilchen. Nachwirkung: Der Beste wollte mit mir zusammen nicht mehr auf die Straße gehen. Die Leute würden ihn so komisch anschauen. Und es gab grölende Schenkelklopfer auf Arbeit, als ich erklärte, mir sei ein Mixer aufs Auge gefallen!

Was habe ich daraus gelernt? Blauer Lidschatten steht mir überhaupt nicht und Bananen-Milchshake zum Frühstück wird überbewertet.

Und ich möchte gern ein Haushaltattest. Liest vielleicht eine Amtsärztin mit?

2 Kommentare zu “Das unfallgefährdete ICH

  1. Pingback: #Geschichten vom Scheitern | Nieselpriem

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