Der Hypochonder

„Und, was ist heute die Krankheit des Tages?“, mit dieser charmanten Frage an mich startet der beste Ehemann von allen gerne unseren gemeinsamen Tag.

Denn, egal, von welcher neuen Seuche ich höre oder lese, spontan bilde ich die Symptome aus! Und bin mir sicher, es nicht überleben zu werden. Blockaden im oberen Rücken selbstdiagnostiziere ich stets mit ´Bronchialkarzinom´(Oh Gott, es geht zu Ende!), Herzrasen wird nie dem Kaffee, sondern immer einem drohenden Infarkt zugeschrieben und es gab mal ein Telefonat mit einer Freundin, was ungefähr so ablief:

„Du, ich muss dir was sagen…“ „Hör zu! Egal, was es ist, NEIN, du wirst jetzt nicht sterben und JA, das ist alles nur Einbildung!“.

Tage meines Lebens habe ich in der Notaufnahme zugebracht. Das ist nicht lustig. Aber beruhigend. Denn viele meiner Krankheiten lösten sich bereits per Spontanheilung im Wartezimmer auf, einfach aus lauter Frust, weil kein Mediziner sich die Zeit nahm, mich anzuschauen! Wenn du nach vier Stunden Warten immer noch Schmerzen hast, DANN solltest du dir Sorgen machen!

Unvergessen bleibt mir auch die Begebenheit, als der Beste mit dem Kind Nummer eins alleine in den Urlaub fliegen wollte. Am Abflugtag bekam ich eine akute Blinddarmentzündung (selbstdiagnostiziert). Ab ins Uniklinikum. Nach acht (!) Stunden in den Händen eines ambitionierten Assistenzarztes, der wirklich alles, alles und jeden Test mit mir durchführte („Hosen runter, vorn überbeugen und ganz locker lassen! Dann tuts auch nicht weh!“), stand fest, mein Appendix erfreut sich bester Gesundheit. Der Beste saß zwischenzeitlich auf den Koffern und hätte fast die Flüge storniert.

Kranke Gedanken machen dich krank. Ich versuchte, fortan positiv zu denken und mich an meiner strotzenden Gesundheit zu erfreuen. Und natürlich jede Gesundheitssendung im Fernsehen zu meiden!

Während der Schwangerschaft mit dem Kind Nummer zwei habe ich mir kurzzeitig einen echten Befund zugelegt: Schwangerschaftsdiabetes. Der war hart erarbeitet! Einen halben Liter Milchreis mit Zimtzucker pro Tag, drei Stück Kuchen und abends einen halben Liter Häagen Dazs (zuzüglich zu drei Hauptmahlzeiten am Tag) über Monate waren dazu nötig. Und schon bei der Reduktion auf ein Stück Kuchen am Nachmittag verschwand der Diabetes. Ich bin ein Glückspilz!

Und jetzt DAS!

Ein winziger Leberfleck über der Braue mutiert. Breitet sich aus, franst aus. Und juckt. Scheiße! Da habe ich doch so schön positiv gedacht und jetzt werden meine Kinder mutterlos aufwachsen müssen. Die Solariumsucht der Neunziger rächt sich jetzt. Und meine Mutter ist auch schuld! Hatte sie mich nicht jahrzehnzelang mit Kokosöl eingerieben und in die Sonne gesetzt, damit ich nicht nur schön, sondern auch schön braun werde?

Egal, ich beschloß, dem Orkan ins Auge zu blicken und was auf mich zukäme, ich würde es tragen wie ein Mann!

Also ab zur Hautfacharbeiterin meines Vertrauens und mit piepsiger Stimme gefragt:

„Und? Wie schlimm ist es?“. „Das ist eine Alterswarze.“. „Eine WAAAAAS???!“. „Eine harmlose Alterswarze. Das raspele ich ihnen weg!“.

Abends beim Essen befragt mich der Beste, wie es denn so gelaufen wäre beim Hautarzt.

„Na sag schon! Was hat sie gesagt!“. „Du, das ist diesmal echt schlimm…“ unke ich düster, „Chronisch sogar…“ murmele ich in meinen Teller. „Was hast du denn nun?“

„Ich habe `Alter´!“

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