Spenden to go

Neulich vorm Edeka:

„Darf ich sie mal ansprechen? Ich bin vom Tierschutz und wir suchen Futterpaten für das Tierheim in Freital.“

„Aha.“

„Die Mindestspende beträgt zweiundvierzig Euro für ein halbes Jahr. Sie können auch für ein Jahr Futterpate werden oder…“

„Okay, wenn sie mir die Unterlagen mitgeben, werde ich mir das durchlesen.“

„Nein, damit haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, da kommt dann nichts zurück. Das ist zu unverbindlich für die Leute!“

„Aber ich sehe doch hier auf dem Formular…IBAN…etc. Ich gebe ihnen ganz sicher nicht vorm Edeka einfach so meine Kontodaten! Bitte geben sie mir das zum Lesen mit und dann kann ich mich ja entscheiden, ob und in welcher Höhe ich da unterstützen möchte.“

„Wie ich schon sagte, nein. Die ein, zwei Punkte, die vielleicht Gesprächsbedarf generieren, können wir hier am Stand klären. Außerdem haben sie zwei Wochen Rücktrittsfrist. Hier unten steht eine eMail-Adresse…“

„Also hören sie mal, es geht ja nicht um fünf Euro für eine Futterbox. Bei knapp fünfzig Euro möchte ich im Vorfeld wissen, dass das seriös ist und nicht im Nachgang Rennereien haben um irgendwas rückgängig zu machen, was mir dann doch nicht passt. Sie wollen eine Einzugsermächtigung für mein Konto, also will ich mir das durchlesen.“

„Wissen sie, wenn ihnen DREIUNDZWANZIG Cent pro Tag für ein armes Tier zu viel sind, brauchen wir hier gar nicht weiterreden!“

„Sie missverstehen mich. Ich werde an keinem Stand vor der Kaufhalle meine Kontodaten auf einem Formular hinterlassen, das ich mir nicht mal in Ruhe ansehen darf. Das ist doch unseriös!“

„DREIUNDZWANZIG Cent pro Tag! Wenn sie das nicht aufbringen können oder wollen, dann wünsche ich ihnen einen schönen Tag! Gehen sie, dann kann ich jemand anderen ansprechen, der gern für Tierfutter spenden möchte…Als ich sie sah, dachte ich, sie hätten ein Herz für den Tierschutz…“

„Wo lernen sie eigentlich derartige Methoden?! Sie wollen nicht dreiundzwanzig Cent von mir sondern zweiundvierzig Euro! Und wahrscheinlich habe ich dann ein Tierfutter-Abo abgeschlossen, sie lassen mich das ja nicht mal anschauen! “

„Wenn sie Fragen haben, können wir das gern hier am Stand durchgehen. Wenn ihnen die Tiere egal sind oder sich die DREINUNDZWANZIG Cent pro Tag nicht leisten können, brauchen wir hier nicht weiterreden! Sie verschwenden meine Zeit.“

„Wer hier wem gerade die Zeit stielt, frage ich mich ernsthaft.“

„Einen schönen Tag ihnen noch! Auf Wiedersehen!“

„Nein, danke. Lieber nicht.“

 

 

Das Leben mit dem Gutmenschen

Regelmäßig bekommt der Beste Post in grauen, faserigen Ökobriefumschlägen, die er beim Lesen dann meist so kommentiert: „Hm, da müssen wir was machen!“. Ich kenne das, darauf gibt’s nur einen möglichen Kommentar: „Oh nein! Hör auf, das ist nicht dein Kampf!“.

Darauf folgt dann eine ausschweifende und (mich) ermüdende Zusammenfassung über einen dem Untergang geweihten Kartoffelacker in Ostkirgisien oder dem möglicherweise Aussterben einer Fruchtfliege in Nordkorea. Während ich versuche, den mir Angetrauten von der Veruntreuung unseres Familienvermögens abzuhalten, palavert er weiter über Sinn der Atomkraft, den urbanen Menschen als Krebsgeschwür für den blauen Planeten… und mich im Besonderen als eklatante Müllproduzentin und Umweltsau.

Ich glaube, es war unser zweites oder drittes gemeinsames Weihnachten vor tausend Jahren, da hatte der Beste die Idee, das Geld, das wir sonst für Geschenke ausgeben würden zu spenden. Ich fand das unglaublich lieb, umsichtig und verantwortungsvoll. Also spendete ich meinen opulenten Weihnachtsgeschenke-Etat an ein Kinderhilfswerk und er den seinen für eine Umweltschutzorganisation. Wir haben das beibehalten. Jedes Jahr an Weihnachten spenden wir. Ich immer für die Kinder und er für den Umweltschutz. Unnötig zu erwähnen, dass wir jedes Jahr zusätzlich großzügige Geschenkaktionen durchziehen. Die Welt geht vor die Hunde?! Aber dann will ich wenigstens einen schicken Pullover dazu tragen!

Früher bekamen wir im Januar dann meist einen Dankesbrief mit Aufklebern zugeschickt. Heute nicht mehr. Vielleicht gibt’s den nur noch bei Spenden im fünfstelligen Bereich, das ist allerdings Mutmaßung. Heute kommt gefühlt monatlich ein Brief, in dem der Beste aufgefordert wird, eine Bankeinzugsermächtigung zu unterschreiben und anzukreuzen, ob er jetzt monatlich, quartalsweise oder etwa doch nur einmal im Jahr ein Monatsgehalt spenden will. Ich finde das dreist! Ich will wenigstens Aufkleber! Aber davon will der Gutmensch, den ich geheiratet habe, nichts hören.

Andersherum wird er nicht müde, mich zu ermahnen, ressourcenschonender zu leben und dabei meint er leider nicht nur laufende Wasserhähne und Verpackungsmüll. Nein, er kritisiert mein Kaufverhalten!

Aber da bin ich fest. Ich habe eine Mission. Die Wirtschaft schwächelt, das Bruttosozialprodukt sinkt. Mein Einsatz wird benötigt! Die Werbeblättchen und „VIP Shopping“-Einladungen, die ich wöchentlich von Textilherstellern zugeschickt bekomme, sind doch auch nichts anderes als Hilfeschreie. Da muss man was tun! Ich weiß schon, was der Beste sagen würde: „Das ist nicht dein Kampf!“. Oh doch! Jeder an seiner Front. Er rettet die Umwelt, ich den Einzelhandel!

taschen
Leider kann ich meine Kassenbons nicht als Spendenquittung geltend machen…