Morgen…

…Ist es mal wieder soweit.

In den letzten Monaten gab es jede Menge Diskussionen rund um die Mutterrolle und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der morgige Sonntag in seiner Rolle als Muttertag kritisch hinterfragt wird.

Auf diesem Blog fragt die Autorin ironisch, welches Image dieser Muttertag denn hätte, wäre er ein Produkt und in der Presse war zu lesen, dass dieser Feiertag ebenso wie der Vatertag antiquierte Rollenschemata zementiere. Man möge über die Wandlung zu einem „Elterntag“ nachdenken (was genau da dann konzeptionell so anders wäre, habe ich nicht verstanden). Nach einer Vorgabe zu verlangen durch…ja, durch wen eigentlich, welchen namentlichen Anstrich und welche Bedeutung dieser Tag haben soll (allgemeingültig versteht sich), halte ich persönlich für seltsam.

Nächstes Argument: Das dient doch alles nur dem Kommerz! Diese Blumenhändler, echt unverschämt! Erhöhen immer einen Tag vorher die Preise. Genau wie am Valentinstag! Aber Leute, es gibt doch Alternativen! Du könntest zum Beispiel einen Kuchen backen. Die Preise für Butter, Mehl und Zucker werden meiner Meinung nach nicht extra erhöht. Oder Zeit verschenken. Ist kostenlos quasi. Ach, und die Tankstellenbesitzer wurden noch gar nicht erwähnt! Was die für einen Reibach machen, Unverschämtheit! Also, wenn ich Blumenhändler oder Tankstellenpächter wäre, würde ich ganz bestimmt niiiiemals auf die Idee kommen, mich zu so einer Strategie hinreißen zu lassen! Aber daran ist auch nur der Muttertag schuld. Weg damit, dann sind alle Menschen wieder altruistische Gutmenschen, die kein Interesse an der Vermehrung des schnöden Mammons haben.

Und diese viel zitierten „Rollenschemata“, die gurken mir auch im Kopf rum. Was meint ihr damit? Dass Frauen und Männer durch etwas wie einen Sonntag namens „Muttertag“ wider Willen in Schubladen gesteckt werden, die ihnen nicht passen? Dass sich die jeweilige persönliche Situation durch den Wegfall oder die Umbenennung dieses Feiertages drastisch verändern würde? Im Ernst?

Stichwort: antiquierter Rollenverteilung. Ich kann es nicht mehr hören! Jeder ist für sich selber verantwortlich und zieht sich die Schuhe an, die ihm passen. Wir zum Beispiel sind beide voll berufstätig und teilen uns selbstverständlich die anfallenden Arbeiten, allerdings nach dem Prinzip der Spezialisierung: Was der Eine gut kann, probiert der Andere gar nicht erst. Im Klartext heißt das: der Beste kann nicht kochen und ich habe noch nie eine Steuererklärung gemacht. Das ist geschichtlich einfach so gewachsen. Und stinkt nach vorsintflutlichen Geschlechterrollen! Ich bin für die Versorgung der Familie mit Nahrungsmitteln in einem sauberen Umfeld und in frisch gewaschener Wäsche zuständig und bin erster Ansprechpartner in Sachen Kinderthemen. Und, um dem noch eine Krone aufzusetzen: Nein, ich bekomme nicht täglich gesagt, wie toll ich das alles mache! Dafür steht immer ein fahrbereites Auto mit TÜV und den entsprechend der Jahreszeit empfohlenen Reifen vollgetankt und sauber vor der Tür. Wir sind immer mit dem optimalen Versicherungs- und Stromanbieter versorgt und das Kaminholz hackt sich auch von alleine. Und nein, der Beste bekommt auch nicht regelmäßig gesagt, wie toll er das macht! Und wenn ich morgen sagen würde: „Du, Schatz, ich will nicht mehr kochen und putzen, ich will lieber Steuererklärung und den anderen Scheiß!“, dann würde er sagen: „Okay, dann lass uns das eben anders machen. Ist ja egal, wer was macht.“. Wäre ich dann zufriedener? Nee, und es würde nicht gut laufen, das ist jetzt schon klar. Würde ich mich emanzipierter fühlen? Ich bin schon emanzipiert geboren worden! Und trotzdem: Ich wecke an circa dreihundertfünfzig Tagen im Jahr meinen Mann mit Kaffee am Bett. Weil ich das gern mache. Und weil ich sowieso eher wach bin! Darin kann man das „Zementieren antiquierter Rollenschemata“ sehen. Oder man sieht darin einfach eine nette Geste. Und Steuerklärung find ich noch doofer als Bad putzen. Das ist so, und niemand zwingt mich, diese Haltung einzunehmen. Pink und Barbie gabs auch erst, als ich schon erwachsen war (von rosa Überaschungseiern ganz zu schweigen), für die Schuldfrage zu dieser unerhörten Haltung meinerseits kommen die üblichen Verdächtigen also nicht in frage.

Bei uns gibts Muttertag. Ist wie mein zweiter Geburtstag im Mai und alle reißen sich ein Bein raus und die letzten Haare, um diesen Tag so schön wie möglich für mich zu machen. Selbstverständlich machen wir auch ein großes Brimborium zum Vatertag! Wir feiern halt gern…

Trotzdem habe auch ich ambivalente Gefühle bei diesem Tag. Wertschätzung, Achtung und Dank sind die ersten „Tags“, die mir dazu einfallen und auch auf den einschlägigen Glückwunschkarten im Handel auftauchen. Der Mutter danken. Hm, Dank erwarten würde ich, wenn ich jemandem einen Gefallen tue, eine erbetene Hilfestellung leiste oder dergleichen. Meine Kinder sind auf der Welt, weil ICH das wollte. Ich sorge für sie und versuche sie mit dem bestmöglichen Rüstzeug auszustatten, weil MIR das ein Grundbedürfnis ist (und vermutlich evolutionsbiologisch so eingerichtet). Habe ich dafür Dank „verdient“? Nein. Wertschätzung und Achtung. Wenn ich alles richtig gemacht habe, dann werden meine Kinder zu wertschätzenden Menschen, die Achtung gegenüber allen ihren Mitmenschen empfinden. Brauche ich eine Karte zum Muttertag, wo das draufsteht? Nein. Sollte ich irgendetwas davon einfordern? Um Himmels Willen!

Der morgige Tag ist ein Feiertag, weil meine Jungs den dazu machen. Und ich werde dafür Sorge tragen, dass sie eine eigene Entscheidung diesbezüglich treffen können und keine Erwartungshaltung bedienen müssen. In jedem Jahr aufs Neue. Das gleiche wünsche ich auch mir, denn ich bin schließlich nicht nur Mutter, sondern auch Tochter.

Euch wünsche ich einen schönen Sonntag und ein gutes Gefühl bei allem, was ihr vorhabt. Und vergesst nicht: Valentinstag ist eigentlich auch nur der vierzehnte Februar und morgen ist in erster Linie Sonntag ;). Die Entscheidung, welche Bedeutung ihr diesem Tag beimesst, liegt bei euch!

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