Ein Februar-Wochenende in Bildern #wib

Der Samstag stand zunächst ganz im Zeichen einer besonderen Veranstaltung:

In Dresden hat sich eine Gruppe Eltern zusammengefunden, die unter dem Namen „Kinder-Kleidung-Austausch“ Umsonst-Flohmärkte organisieren und auch prinziell den Teilen-und-Unterstützen-Gedanken leben und verbreiten wollen. Besonders ist an diesem Konzept, dass es keinerlei monetären Austausch gibt. Wer etwas übrig hat, das er der Gemeinschaft spenden kann, der spendet. Jeder darf sich aber unabhängig von seinem eigenen „Input“ nehmen, was er braucht.

Dieses mal fand die Veranstaltung in den Räumlichkeiten eines alternativen Wohnprojektes in der Dresdner Friedrichstadt statt, das uns drei Räume zur Verfügung stellte. Ich fand das Ambiente sehr spannend und war erinnert an die Hausbesetzerzeit der Achtziger Jahre in der Dresdner Neustadt.

Buddelkiste für die Kleinsten 🙂

Feuertonne mit Becherabstellmöglichkeit (Luxusvariante)

Es ist wirklich genug für alle da!

Ich war total überrascht, wie viel Kleidung gespendet worden war bereits im Vorfeld bzw. von vergangenen Veranstaltungen „übrig“ geblieben. Was in mir mehr denn sonst Gedanken um Nachhaltigkeit und mein eigenes Konsumverhalten hervorrief. Und da ich aus bekannten Gründen dem Konzept der Sammeltonnen für Kleiderspenden sehr kritisch gegenüberstehe und sonst alles übrige in das Sozialkaufhaus bringe oder weiterverwurste zu upcycling-Klamotten, war ich ich auf diese Art des Tauschens und Teilens sehr gespannt!

Gespannt war ich auch auf das Verhalten der Menschen, die diese Veranstaltung aufsuchen. Würde es Leute geben, die mit riesigen Beuteln hamsterten, weil alles umsonst war?

Nein! Überhaupt nicht. Viele Menschen brachten Sachen zum Tausch mit, und obwohl es streckenweise wirklich sehr eng war in den Räumen, gab es weder Gerangel noch Geschubse. Alle Leute behandelten die Sachen sorgsam, es wurde nichts rumgeworfen oder gewühlt.

Und über allem lag eine sehr herzliche Atmosphäre.

Es gab so viel, was mich berührt hat. Der Umstand, dass so viele und auch wirklich preislich intensive Dinge gespendet worden waren. Über bestimmte Fundstücke, wie zum Beispiel ein Tütchen mit Heilwolle von „ganz besonderen Schafen“, auf dessen Verpackung jemand ganz lieb draufgeschrieben hat, wofür und wogegen diese Wolle anzuwenden sei. Es gab schurwollne Unterhosen neben Polyester-Schneeoveralls, Kinderwägen und Tragetücher, Spielsachen, Bücher.

Es gab sogar eine kostenlose Trageberatung für verschiedene Tragesysteme und auch Kleidung für Schwangere.

Zur allgemeinen Stärkung wurde Tee, Kaffee, Fladenbrot mit Hummus und allerlei Kuchen angeboten. Gratis oder gegen eine freiwillige Spende. Die Bewohner des Hauses stellten uns sogar noch frische Tulpen auf den Tisch – toll!

Das unten im Bild ist Sara, eine der Organisatorinnen. Mit ihr war ich lange im Gespräch um diese Veranstaltung und die Modalitäten drumherum.

Unzählige Stunden Ehrenamt sind vonnöten, um diesen Service anbieten zu können. Allein die Organisation dieser einen Veranstaltung war ein Projekt von vielen Tagen. Und dabei ist es für die Elterninitiative so besonders schwer, weil sie keine Räumlichkeiten haben, wo die Sachen gelagert werden könnten bis zur nächsten Veranstaltung. Aktuell wurden die Spenden von drei verschiedenen Orten hergebracht in mehreren Fuhren, am Ende der Veranstaltung musste das dann wieder alles verpackt werden und wieder in unzähligen Fahrten an die verschiedenen Lagerplätze transportiert werden.

Deshalb möchte ich heute hier in die Runde fragen:

Kennt jemand von euch in Dresden eine Organisation, eine Firma, eine Privatperson, die einen Raum mit ca. 15-20 Quadratmetern (am besten kostenneutral) zur Verfügung stellen könnte für diese wirklich gute Aktion? Bislang verliefen die Bemühungen der organisierenden Eltern im Sand. Ihr könnt über die Facebookseite der Elterninitiative Kontakt aufnehmen oder ich vermittle euch.

Es war in vielerlei Hinsicht ein beeindruckender Samstagvormittag und ich freue mich auch die nächste Veranstaltung im April.

Am Nachmittag bin ich mit zwei meiner Burschen in die Stadt gefahren, ich hatte denen meine Teilnahme am familiären Wochenendveranstaltungsdingsbums zugesagt. Ich bin immer wieder nicht nur von der Schönheit Dresdens überwältigt, sondern auch von dem reichhaltigen kulturellen Angebot, das sich einem mit Kindern bietet!

Heute entschieden wir uns für das Dresdner Verkehrsmuseum. Tolle Lage am historischen Neumarkt und spektakulär für kleine und große Leute, wie ich finde. Ich mag das wirklich sehr dort  und finde auch bei jedem Besuch etwas Interessantes, das mir vorher noch nie aufgefallen ist.

Über die Etagen sind die Ausstellungen thematisch gegliedert nach Verkehrsart. Schifffahrt, Luftschiffe, Eisenbahnen, Straßenverkehr. Überall gibt es Dinge zum Experimentieren und „Be-Greifen“, ich finde das toll. Wenn ich früher in ein Museum ging als Kind, war alles hinter Glas und davor noch eine dicke rote Kordel und man musste leise sein und durfte nicht rennen! Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Es gibt auch eine Spielelandschaft…

…und eine Bobbycar-Rennstrecke.

In der Schifffahrt-Ausstellung kann man an einem Simulator ein Boot zusammenbauen und auf einen Rennen schicken. Ein großer Spaß! Das Kleinste hatte das superste und schönste und ressoucenschonendste Boot (und eine sehr nette Ingenieurin-mich), aber der Mann hat trotzdem gewonnen. Die Sau lässt mich nie gewinnen! Und nicht mal eines der Kinder! Der hat bestimmt gemauschelt und betrogen…

Als wir nach Hause kamen am Abend backte ich einen Pflaumenkuchen – Besuch hatte sich angekündigt für den Sonntag! Erschwerte Bedingungen beim Backen: Ich kriege den Blondino kaum vom Teig, der findet Kuchenbacken total fetzig. Ich finde Kuchenbacken auch total fetzig, allerdings eher alleine 😉

Das mit dem Pflaumenkuchen im Februar war tatsächlich am Ende eine Schnapsidee. Ich habe unter die geschmacksneutralen, scheißteuren Pflaumen ein Glas Pflaumenmus druntergetan und obendrüber Mount Streusel, dann gings zu essen. Pflaumen im Februar-tssss…

Samstag Abend, offline Spieleabend bei Nieselpriems. Reihum darf immer einer von uns drei Großen aussuchen. Diesmal war der Bärtige dran. Wir spielten „Phase 10- das Brettspiel“. Es war ein guter Spieleabend! Dass das auch ganz anders geht, könnt ihr hier nachlesen.

Der nächste Morgen, draußen ist es pechschwarz. „Ich bin hier der Backer“, schreits und schreitet bereits zur Tat. „Ich will bumsen!“, bei jedem Ei, „Ich mach das Mehl!“, und greift mutig mit beiden Händen rein. Kinder in der Küche… wunderbar. Wirklich ganz und gar wunderbar!

Wir buken einen Zebrakuchen, der eigentlich wie ein Käsekuchen gemacht wird, nur zusätzlich kommt eine geschmolzene Tafel Schoki in den Mürbeteigboden und eine zweite Tafel unter die Hälfte der Käse-Quark-Schmand-Mischung. Es wird ein Foto von dem Kuchen geben, allerdings in einem nächsten Artikel! 🙂

Mittlerweile ist es halb sieben. Draußen Schwarz zu Grau. Es zeigt sich, dass es über Nacht geschneit hat und der „Backer“ ist außer Rand und Band.

Nach dem Kuchen ist vor den Teigtaschen. Das hier ist Fertigblätterteig mit einer Füllung aus Hackfleisch, Schinkenwürfeln, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen. Das Ganze ist mit Frischkäse und Tomatenmark gebunden und klein geschnittene Oliven kamen auch noch rein. Und Mozarella! Der „Backer“ hat sehr geholfen, er ist nämlich auch der „Kocher“. Oh Freude.

Die Jungs gucken sich den Winter mit seinen Begleiterscheinungen draußen in echt an, ich sehe von drinnen zu. Zumal das Fenster, hinter dem ich mich befinde, stetem Schneeballbeschuss ausgesetzt ist. Kluges Weib verordne ich mir da lieber Stubenarrest.

Unser Schneemann erinnert mich an den Gru und rührt mich sehr, irgendwie, wie er da so steht.

Später am Sonntag: Der Kuchen wurde nur zu einem Drittel verzehrt (ich habe mir wirklich alle Mühe gegeben), die Teigtaschen sind alle und die Kinder auf dem Dachboden müde gespielt.

 

Mehr Wochenendbilder gibts bei Susanne!

Wochenende in Bildern – Februar 2017

Ich mache mal wieder mit.

Nicht, weil ich so tolle Fotos schieße, das wisst ihr schon längst. Nein, weil ich mich selbst erinnern will! Wenn mich montags irgendwer fragt, wie denn das Wochenende gewesen sei, sage ich stets: „Gut, danke!“, und habe schon wieder vergessen, was da eigentlich los war. Also außer Putzen, Wäsche und dergleichen spektakulärerweise mehr. Zeit, sich die Knipse zu nehmen und Erinnerungen zu schaffen!

Das Wochenende begann an einem Freitagnachmittag damit, dass ich beschloss, den Blondino ordentlich auszupowern. Der Bärtige und ich wollten ausgehen und ich dachte so, wenn der richtig richtig richtig fertig ist, pennt der bestimmt morgen bis halb sieben! Und: Halleluja!

Also habe ich listiges Weib ihn auf einem Indoorspielplatz ordentlich „geschunden“. img_4679

img_4694

Wir gingen aus, kamen spät heim, schliefen noch später ein und ich wurde gefühlt zwei Stunden später bereits wieder geweckt. Moooorgääään! Danke auch. img_4706

Nach drei bis acht Litern Kaffee lachte ich dann fröhlich in die Welt und freute mich der schönen Dinge, die da auf mich zukommen würden.

img_4725Obstmandalafreier Frühstückstisch. Ja, ich würde auch lieber an einem anderen Tisch sitzen. Life is not a Ponyhof. Iss deine gezuckerten Teigwaren und halt die Klappe, Nieselpriem.

img_4716

Der nächste Programmpunkt war das Einkaufen von Lebensmitteln (Ohne Foto. Stellt euch einfach irgendeinen Aldi vor und mich mittendrin. Den Gesichtsausdruck von oben könnt ihr getrost übertragen. Danke für eure Vorstellungskraft.).

Aus einem mir nicht bekannten Grund habe ich die Lernkurve eines Einzellers und nehme jeden Samstag wieder die Plagen mit. Und das geht so: Erst rufen beide Kinder, sie wöllten unbedingt mit und „Hurra!“, dann nölt der Eine mich die ganze Zeit voll, wie lange der Driss denn noch dauern würde und voll öde und rennt mir vorm Wagen rum, während er ungebremst Süß- und Salzkram in die Karre schmeißt, natürlich nicht ohne zu bemerken, dass man den ekligen Fraß bei blauweiß eh nicht essen kann und der andere schmeißt in der selben Zeit den Plunder zur anderen Seite aus dem Wagen wieder heraus, macht den Turnvater Jahn am Einkaufswagengestänge und bläkt die Passanten an: „Nisch misch angucken! Geh weg!“. Samstags hinterfrage ich dieses Kinderhaben-Konzept gründlich. An jedem.

Nachmittags waren wir die Verwandten besuchen und der Blondino hat mir den Angus Young gemacht (Ja, ich weiß, das ist eine Ukelele! Klugscheißer.). Und alles war vergessen. ❤ Orrrr, guck doch mal! Wie süß ❤ . Ist der nicht voll süß?! ❤

(… Einzeller!)

img_4718 Der nächste Morgen begann wieder morgens. Früh morgens. Ich erspare euch weitere detailreiche Fotos von mir. Hier bitte, ein Foto vom Wecker. Von hinten. Während der frühkindlichen Medienförderung.
img_4729

Aus irgendwelchen Gründen habe ich das Treppenhaus von unten fotografiert…img_4731

… und geschmacklich zweifelhafte Osterdeko (Nein, ich bin nicht zu früh! Weihnachten ist vorbei, also ist jetzt Ostern.)img_4732

img_4733

img_4735

Sonntag war Gartentag. Erst habe ich Samen eingetopft und auf den Fensterbänken verteilt…img_4736

…danach auf den Beeten rumgekrautet.
img_4738

Es sah hinterher genauso aus wie zuvor, nur hatte ich Rückenschmerzen und Blätter und Zweige in den Haaren. Ich habe nicht nachgesehen, aber bestimmt sah ich aus wie die Taubenfrau aus dem Kevin-Film. img_4740

Noch ein Gartenfoto. Ihr müsst heute tapfer sein. Weniger charakterstarke können ja auch gleich bis runter scrollen. Da kommt dann was anderes. Vielleicht.img_4741

Es ist gleich geschafft. Eins noch!
img_4742

Warte, nicht wegklicken! Es kommt noch was fürs Herz. Herz im Garten. Aber erst nach dem Mittagessen.img_4744-1

Am Nachmittag sind wir in unseren alten Garten gefahren nach dem Rechten sehen und Zeugs holen (Exkurs: Ich weiß gar nicht, ob ich als Dresdnerin schreiben darf: „Nach dem Rechten sehen.“, ich versichere aber, damit ist keine Person mit zweifelhafter politischer Gesinnung gemeint!). Er ist ja noch nicht richtig verkauft, also der Garten, und wir noch verantwortlich und irgendwie war mir auch so sehnsuchtsschwer um die faltige Brust…

Und da stand ich. Und ach. Direkt am Eingang stehen zwei krumpelige Koniferen. Diese kamen als klitzekleine Topfpflänzchen zu uns vor, was weiß ich, fünfzehn Jahren vielleicht. Sie wuchsen erst in Balkonkästen mit anderen Blühpflanzen und bekamen mit den Jahren immer größere Töpfe und als wir diesen Garten hier übernahmen, habe ich sie direkt am Tor eingegraben. Als Wach-Bäume. Torwächter.

Ich war ganz rührselig. Konni eins und Konni zwei sind fast so alt wie die stürmische Beziehung zwischen dem attraktiven Bartträger und mir und waren die ganze Zeit bei uns. Wie Kinder, botanische. Und wie groß sie sind inzwischen! Und nun soll ich mich trennen?

Ich weiß schon, was ihr sagen wollt! Aber der Mann ist da pragmatisch und hält irgendwie nichts von romantischen Baumgefühlen und sagt, auf gar keinen Fall gräbt er die Dinger aus! Hm.
img_4748

Mit Herzeleid bin ich durch den ollen doofen Garten gegangen, der uns so viel Blut  und Schweiß und Geld und Nerven gekostet hat (kann man hier nachlesen, für die Neuen unter euch).

Der Rhabarber kommt schon wieder. Erdbeer-Rhabarber-Kuchen mit fetten Butterstreuseln! Das gabs jedes Jahr. Ich muss den Rhabarber ausgraben…
img_4749

Das Blondchen und ich haben im Schuppen hässlich-bunte Plasteeier gefunden und an den Hasel gehängt.

Dann sind wir wieder heim gefahren. Zu unserem neuen Haus, dem neuen Garten. Ohne Konni eins und zwei.img_4750

Wer von euch Bodo mit dem Bagger persönlich kennt, bitte mal den Kontakt herstellen. Aber heimlich, nichts dem Mann sagen. Danke!

 

Mehr Bloggerwochenenden in Bildern gibts wie immer bei Susanne.

Erste Male-Wochenende in Bildern #wib

Auf dem Balkon steht eine Schale angeknackte Walnüsse und jeden Morgen erfreue ich mich an den Meisen, die sich an den Walnüssen erfreuen.

Meine Oma hat zeit ihres Lebens im Winter die Meisen mit Nüssen gefüttert und ich erinnere mich, dass sie mir erzählt hat, dass ein paar ganz vorwitzige sogar zur Balkontür hereingeflogen kamen, wenn sie Nüsse knackte, um bloß nicht warten zu müssen! Soweit ist unsere Zuneigung hier aber noch nicht.

Allerdings ist die Schüssel binnen weniger Tage leer, was zum Einen daran liegt, dass ich mir hier auch seltsame große und entsprechend gefräßige Taubenvögel angefüttert habe und zum anderen, dass meine gefiederten Freunde und ich dringend mal über Esskultur sprechen müssen. Die setzen sich in den Trog und schmeißen vor lauter Fresslust die Hälfte der Nüsse und Schalen aus der Schüssel oder stopfen sich die Schnäbel voll und versuchen erfolglos, damit abzuzischen, wobei sie dann zwei Drittel ihrer Beute bereits beim Start verlieren! img_4064

Der Mann hat mir aufgetragen, Spachtel im Baumarkt zu besorgen. Teurer Fehler! Kennt ihr den Teelicht-Effekt? Das ist, wenn du wegen Teelichtern zu Ikea fährst und die dann fuffzig Euro kosten. Tja, Spachtelmasse für siebzig, sage ich nur…img_4084

Nach dem Baumarkt habe ich etwas getan, das ich noch nie zuvor gemacht habe: Ich bin allein im Wald spazieren gegangen. Nun gut, nicht Wald, eher Wäldchen, weil ich leider über den Orientierungssinn eines Einzellers verfüge, aber immerhin.img_4087

Überall lagen ganz liederlich Birkenäste herum, ich hab da mal aufgeräumt! Die stelle ich zu Hause in einen Emaille-Eimer und fülle den mit Steinen. Das wird dann mein Jahreszeitenbaum und ich kann da so Dekodingsbumse dranhängen. Aber zuerst muss ich das Zeug irgendwie aus dem Wald zerren…img_4089

img_4088

img_4092

Der Ginster muss auch dringend mal verschnitten werden! Wie das dort aussieht! Also ehrlich.

Mist, ich habe keine Schere mit, dann muss es eben so gehen… img_4090

Immer wieder drehe ich mich (behäbig, aufgrund den Waldunrates, mit dem ich mich beladen habe) um, aus Angst, der Förster käme geritten um mich übers Knie zu legen. Ich verstehe schon, wie das aussehen muss, aber ich räume doch nur auf in diesem Wald. Muss ja mal gemacht werden!

img_4086

Los. Fall. Runter. Jetzt!

Seit Wochen regnet es und meine Füße qietschen, schmatzen und glucksen auf dem Waldboden. Zapfen hätte ich gern gesammelt, die sind aber aufgrund des Wetters modrig.

img_4096

Hallo du Hübscher, willste mitkommen und mein Weihnachtsbaum sein?

Und wie ich so durch den Wald quietsche, schmatze und gluckse, merke ich, dass ich lächle. Nicht so ein kleines Schmunzeln, eher ein Ganzgesichtsgrinsen. Schön hier. Mit mir.

Warum mache ich das nicht öfter? Hm, schon klar, immer irgendwelche Themen im Kopf, keine Zeit. Abgelenkt durch die Ansprüche der Familie oder meiner eigenen im Familienkontext. Aber während ich so stapfe, denke ich. Ich denke einfach, was so an Gedanken kommt und das sind ganz persönliche, keine Gedanken, die zweckgebunden oder zielorientiert wären. Ich verbringe Zeit mit mir. Und eigentlich ist es auch ganz spannend, was ich mir so zu sagen habe! Erstaunlich.

Und auch die ganz großen Fragen kommen. Was ist Glück, wo komme ich her, wo gehe ich hin. Moment mal! Wohin gehe ich hier eigentlich?! Und wo bin ich überhaupt? Kein Mensch kann sich in einem drei Meter breiten Waldstück verlaufen!

Doch. img_4095

Zurück in der Zivilisation.

Die letzten Gartentomaten zu Sauce verkocht. Ich glaube, das ist auch das erste Mal, dass ich noch im November Freilandtomaten geerntet habe. Grün natürlich, die mussten zum Reifen auf einem Backblech unter den Schrank. Aber welch dekadenter Luxus! Im November Tomatensauce aus frischen Tomaten. War lecker.img_4105

Keller ausgemistet, weil wir ja umziehen. Nimmt kein Ende! Wem gehört denn das alles? Und warum?img_4058

Sonntags ist Besuchszeit im Vater-Kind-Kurheim.

Und so wurde erwartet, dass der junge Mann und ich einen Besuch abstatten im Bärtiger-Blondino-Kurheim. Ich persönlich hätte noch eine Woche ausgehalten (optimistische Prognose), aber der Mann schien sehr an Sehnsucht zu leiden und der Blondino guckte auch immer so komisch in die Handykamera beim abendlichen Skypen…

Und so fahren der Junge Mann und ich stundenlang in der Gegend herum, bis wir irgendwann im Gebirge ankommen.

img_4113

Wir spazieren. „Wenigstens ist heute schönes Wetter!“, sagt der Bärtige durch den Mundschlitz in seinem Polar-Outfit, während ich mir das Mitteltiefgrau am Himmel ansehe und ein eisiger Wind mir ungefragt in den Schlübber fährt (Wenigstens einer am heutigen Tag. Gelegenheit macht zwar Liebe, aber bei diesen Temperaturen braucht man auch eine beheizbare räumliche Gelegenheit. Und außerdem eine Kinderbetreuung! Ach, komm, vergiss es… ).

In stockdunkler Nacht (also kurz vor sechs) verabschieden wir uns und ich verspreche, wiederzukommen. Ist so schön… grau hier. Nächsten Sonntag? Ja, Schatz, na klar.
img_4114

Während ich nachtblind versuche, den Heimweg durch den finstren Wald zu finden, sinniere ich darüber nach, dass ich den heutigen Tag im Auto verbracht habe um Mann und Kind zu sehen. Und ob das verhältnismäßig ist. Sechs Stunden Fahrt für zwei feuchte Küsse und das Halten einer Lolli-verschmierten Kleinkindhand?

Ja!

Und so habe ich an diesem Sonntag etwas gemacht, das ich das letzte Mal vor mehr als zwanzig Jahren getan habe. Und auch damals sehr widerwillig. Ich bin alleine und mit voller Absicht auf eine Autobahn gefahren.

Es gibt Menschen, die meinen, in einem Fahrstuhl zu ersticken oder an plötzlichem Herzstillstand zu sterben, wenn sie von einer Spinne berührt werden. Ich habe Todesangst auf der Autobahn. Genaugenommen seit dem Unfall meines Vaters vor sechsundzwanzig Jahren und dabei tut auch gar nichts zur Sache, dass dieser auf einer Landstraße ums Leben kam. Angst ist niemals rational.

„Komm Mädchen, du hast den Schlüssel, das Lenkrad und die Kontrolle. Und neben dir deinen schlaksigen Sohn. Du bist erwachsen, verantwortlich und du kannst das! Links ein weißer Streifen, rechts ein weißer Streifen. Du fährst einfach stur in der Mitte durch. Kein Reifen wird platzen, kein LKW dich in die Leitplanke drängen. Heute wird niemand sterben.“

Was soll ich sagen, ich bin hier! Und schreibe das nieder. 🙂

img_4115

„… Alles kannst du, will´s die Liebe!“

 

 

Mehr Wochenenden in Bildern gibts hier.

Halloween-Wochenende ohne Halloween in Bildern

Zu früh aufgestanden.img_3847

Versucht, die Dunkelheit vorm Fenster zu fotografieren…

img_3864

Der Dunkelheit mit gekauftem Licht zu Leibe gerückt!

img_3840

Gemeinsam mit dem anderen Frühaufsteher Nüsse befühlt…

img_3844

… und geknackt! Eigentlich, um auf dem Balkon Meisen anzulocken. Später an diesem Tag wird der Bärtige aufgeregt rufen, auf unserem Balkon säße ein Eichelhäher oder irgendwas anderes Großes (zeigt mit beiden Händen einen Abstand von circa einem Meter). Es war aber gar kein Eichelhäher, sondern das braun-bunte Vogeltier, das in unserem Kirschbaum wohnt und welches ich Hobby-Ornithologin sofort als „blauflügelige Raben-Taube“ identifiziert habe.

img_3845

Gestrickt. img_3904

Blumen und Kerzen auf den Friedhof gebracht.
img_3866

img_3867

Ein Röschen ist beim Transport abgebrochen. Ich habe es mit nach Hause genommen.

img_3912

Gerührt. Bei dem Gedanken daran, dass das Großkind früher jahrelang Marzipanbrote und Marzipankartoffeln in die Erde der Urnenstelle gesteckt hat für seinen Opa, den er gar nicht kennenlernen konnte, von dem er allerdings wusste, dass dieser Marzipan über alles geliebt hat.

Gerührt in der Gegenwart. Von dem Kleinkind, das verdutzt fragt: „Wo ist der Opa? Ich will zum Besuch!“

img_3868

Geerntet: Die letzten Tomaten aus dem Garten. Die machen jetzt ein Schläfchen im Dunkel unter dem Schrank und reifen dort nach.img_3917

Gekocht: Die letzten Kartoffeln aus unserem Garten (Hach) und anderes Gemüse…

img_3823

img_3825

img_3872

Gulasch…

img_3910

Gebacken: Ein Brot…img_3915

… und ein Blech Streuselkuchen.img_3914

img_3920Verschenkt: Ein Buchimg_3883

Geschenkt bekommen: Einen Teller voll Kuchen!img_3881

Gefeiert: Ein Geburtstagskind und…img_3884… eine Freundschaft.img_3887Gespielt.img_3926

img_3925

img_3921

img_3923Gelacht. Über diese unwillkürliche Inszenierung. „Aaaah, zu Hilfe! Ein riesiges Eichhorn“. (Im November sind mancherorts in den sozialen Medien wieder die Dinos los. Was es damit auf sich hat, kann man zum Beispiel hier nachlesen.)
img_3902

Der Montag gehörte dieses Mal auch zum Wochenende. Und wer jetzt denkt: „Die Sachsen haben an Halloween frei, jetzt hört´s aber auf!“, nicht doch! Da war doch auch noch was anderes…

Reformationsbrötchen (mit Bissspuren)

Reformationsbrötchen (mit Bissspuren)

 

Mehr Wochenendbilder gibts bei Susanne.

Wochenende in Bildern (mit und ohne, also eher mit ohne)

Bevors losgeht möchte ich noch betonen, dass ich das Konzept von „Wochenende in Bildern“ (#wib) schon verstanden habe, auch wenn es gleich nicht mehr ganz den Anschein hat.

Ich mag das sehr, Fotos als Tagebuchblogpost. Auch die Aktion „12 von 12“ mit den zwölf Fotos des zwölften eines Monats liebe ich. Also bei den anderen! Das sieht immer so schön aus. Und so entspannt. Ich habe auch hier schon mal darüber getextet.

Leider leider renne ich meistens Samstags ohne Handy in der Gegend rum oder merke erst am Abend, dass es bereits Samstag Abend ist und ergo das halbe Wochenende vorbei oder dass gestern der zwölfte des Monats war. Nämlich immer dann, wenn die fleißigen Bloggerkollegen ihre Fotocollagen auf allen Kanälen posten. Mensch, Nieselpriemerin!

Außerdem sind unsere Wochenenden so spektakulär unspektakulär, dass ich meist gar nicht weiß, was ich fotografieren sollte, wenn ich denn daran denken würde UND ein Gerät zum Ablichten der Umgebung dabei hätte. Glaubt ihr nicht?

Samstag. (Ohne Foto) Der Blondino weckt mich halb sieben. Ich trinke Kaffee und herzle mich durch Instagram, während das Kind schlaftrunken am Tablet „Helden der Stadt guckt“. Ich muss viele Likes verteilen, also überzieht das Kleinkind die angeratene Medienzeit um vierhundert Prozent. Frühstück verweigert er. Ich packe für das Kind Filinchen mit Honig in meine Manteltasche und beschmiere mich und den Mantel dabei großflächig, obwohl das Filinchen eingepackt war. Vor Wut esse ich das blöde Filinchen! Dann Kind in Schneeanzug fummeln, feststellen, dass der Reißverschluss von dem drei Wochen alten Teil defekt ist über Nacht. Umdisponieren und das Kind alternativ in Zwiebellook einhüllen bis zur Bewegungsunfähigkeit. Das steife Kind die zwei Treppen runter schleppen und in Kinderwagen reinfummeln. Die Kinderkarre im Kaufmannsladen vollladen und nach Hause schieben. Das Kind frühstückt derweil frische Semmeln im Kinderwagen. Den Mann wecken und zwingen, die Einkäufe hochzutragen. Dann feststellen, dass die Bude dreckig wie die Sau ist und mit dem Mann streiten, ob es a) ausreichend ist, einmal im Monat zu saugen und b) wer den Dreck hier macht, obwohl doch alle Familienmitglieder ganztags aushäusig sind und c) dass es alles nichts nützt und wir jetzt Schnick-Schnack-Schnuck machen, wer die Bude clean-t und wer so lange draußen das Kind im Hof bekaspert. Er verliert. Oder ich, wie mans nimmt. Saugen, Wischen, Abstauben, dazwischen zwei Maschinen Wäsche hin- und herräumen, irgendwas kochen, dann kommt der Mann miesgelaunt wieder und ich erkläre, irgendjemand müsse aber noch zu blau-weiß, weil das eingekaufte Essen von heute Morgen nicht reichen würde und ja, Scheißwochenende! Ich fahre, er hat weiter Kinderdienst. Knapp entkomme ich durch mein beherztes Reaktionsvermögen einem Verkehrsunfall (Ich hatte im übrigen in diesem Jahr noch keinen einzigen Unfall, möchte ich an der Stelle mal betonen!) und dann ist auch schon Abend oder so. Ich teile dem Mann mit, dass ich jetzt schon wieder losmüsse, weil das Kind keinen funktionierenden Schneeanzug besäße und falls es jemals eine Situation gegeben hätte, in der ein Dresdner Kind einen Schnee(!)anzug brauchen tun würden täte, dann ja wohl jetzt! Draußen vorm Fenster fallen jede Menge Argumente dafür vom Himmel. Ich düse also abends noch in einen Shoppingtempel um Nachschub zu organisieren und fühle mich dort irgendwie in die Zone zurückversetzt. Schneeanzüge? Ausverkauft! Im dritten Geschäft finde ich dann einen petrolblauen Anzug mit Paisleymuster und rotem Fleeceinnenfutter. Einen. Wie in der DDR. Mir ist schon klar, warum dieses Modell noch nicht ausverkauft war (es stach mir förmlich ins Auge), aber Samstag Abend im Schneetreiben ist die Not groß. Zu Hause dann Planung der Abendgestaltung. „Seit dieses Netflix in unserem Haus ist, versumpfen wir jeden Abend auf der Couch!“(er). „Stimmt, furchtbar ist das!“. „Also wir müssen auch mal wieder was anderes machen, früher haben wir doch auch nicht ständig vor der Glotze gehangen.“. „Genau! Und immer dieses Rumgefresse dabei! Ich sehe noch von Weihnachten aus wie ein Autoscooter um die Taille. Das muss wirklich aufhören!“. „Ja! Und was machen wir dann nun heute Abend?“. „Hm. ´Better call Saul`?“. „Gute Idee! Käsedip oder Salsa zu den Chips?“. „Du, ich denke, ich esse den Kindern ihre Weihnachtssüßigkeiten weg.“. „Alles klar, in fünf Minuten auf der Couch?!“. „Nu, genau.“

(Sich an dieser Stelle erinnern, dass Samstag ist und anfangen, verschwommene Fotos zu knipsen.)

IMG_0487

Sonntag wecken halb sechs. Es sind wieder die üblichen Frühaufsteher am Start. Kaffee, Tablet, Instagram. Frühstück (ohne Foto). Sich zwei Stunden später daran erinnern, dass Wochenende ist und anfangen zu fotografieren.

IMG_0488

Die Jungs sind im Hof, ich mache meine Witze. Irgendjemand schmeißt Schneebälle in die zweite Etage nach mir. Und trifft.

Alle drei Kinder spielen schön im Schnee, während ich mich ausruhe und einen faulen Lenz habe… also Wäsche, Wäsche, Wäsche, backen, kochen… und mich frage, ob eigentlich alle arbeitenden Elternleute so ein unentspanntes Wochenende haben. Wo bleibt denn da der Spaß?IMG_0492Hier in diesem Milchzopf ist er jedenfalls nicht! Klassischer Fall von „Wenn man es nicht wüsste“. Sieht lecker aus, oder? Nun ja, ich hab den Zucker vergessen. Schmeckt wie weiche Pappe.IMG_0494Nur, damit ihr´s wisst: Ich würde unter Eid stets abstreiten, dass ich eine derartige Jogginghose überhaupt besitze. Und die Strümpfe! Unnötig zu erwähnen, dass ich nicht an die Tür gehe, wenn es klingelt. Nie. Nicht in meinen Sonntagssachen.

IMG_0491Wenns läuft, dann läufts! „Irgendwas mit Reis“ war der Essenswunsch. Irgendwas wurde eine Hähnchenpfanne mit Frischkäse-Curry-Sauce. Ziemlich versalzen. Dazu halbrohe Erbsen und verkochte Bohnen und Reis, der beide Attribute vereint: Versalzen und verkocht! Sag ich doch, wenns läuft…IMG_0486Dem Kind den Nachtisch weggegessen. Weil ich fies bin!IMG_0502Der Mann muss den Nachmittag über arbeiten und versteckt sich vor seiner Familie im Arbeitszimmer. Der Pubi muss auch irgendwas arbeiten und versteckt sich vor seinem Bruder und mir im Raum neben dem Arbeitszimmer. Die übriggebliebenene Familienmitglieder gehen raus, bis die Laternen angehen. IMG_0504

IMG_0511Suchbild. Hier sehen sie die berühmte Dresdner Altstadtsilhoutte. Sekundogenitur, Georgentor, Hausmannsturm, Frauenkirche,Schloß, Stallhof, Kreuzkirche. Jeder nur ein Foto! So, das wars. Bitte weitergehen und in der Gruppe bleiben!IMG_0516

Mir abends einen Kaffee von meinem liebsten Badewannenbarista zubereiten lassen…IMG_0520…und dann, und dann, und dann?! Und dann setze ich mich ins Arbeitszimmer und schreibe mal wieder einen Artikel fürs Blöggel. Gibts dann morgen. Ja-ha, das Netflix bleibt heute kalt. Wenn nichts dazwischenkommt. Und ich habe mir extra dafür die Jogginghose ausgezogen!

 

Mehr Wochenenden anderer Leute gibts bei Susanne von Geborgen wachsen, die diese Aktion ins Leben gerufen hat.

 

 

 

#wib – im Oktober

Das Gute an Wochenenden ist, dass man sich von der Woche erholen kann, regenerieren. Das Schlechte an Wochenenden ist, dass dieser Grundsatz für Eltern mit kleinen Kindern aufgehoben zu sein scheint.

Pünktlich Freitags ist das Kleinkind regelmäßig an irgendwelchen Körperöffnungen undicht, fiebert und macht die Nacht zum Tag. Wenn einer von uns Eltern abwesend ist, passiert das auf jeden Fall.

Der Bärtige war auf Jungsurlaub dieses Wochenende. „Fahrradfahren!“, sagte er. „Bier trinken!“, sagte ich. Er stritt das vehement ab und ich winkte müde und ließ ihn… wo bitte kann sich denn heutzutage ein anständiger Familienvater noch ordentlich betrinken? Also so richtig! Mit zwei Bier. Na also. Von mir aus nennt er das eben Radurlaub.

Ich war also von Freitag Nachmittag bis einschließlich gestern Abend im Notdienst, habe eine Nacht auf dem Kinderzimmerteppich zugebracht, mir dabei die Hüfte verknackst, mehrere Maschinen Spezialwäsche gewaschen, getröstet, gewischt, getragen, gefüttert, gewindelt, geflucht. Das übliche, ihr kennt das.

Es gibt also keine Fotos vom Samstag. Ach, halt! Eins gibt es. Der Beste hatte natürlich angeboten heimzukommen, und das fand ich nett und auch selbstverständlich. Aber das wäre Quatsch gewesen. Der war irgendwo im Nirgendwo und wäre sonstwann dagewesen. Ich versicherte ihm, ich sei groß und stark und das kriegen wir schon hin. Nachts fühlte ich mich dann doch ein wenig einsam…FullSizeRender-2Radurlaub! Sportlerurlaub! Da hat er mich dann doch sehr zum Lachen gebracht 😀 Der Gute.

Heute Morgen um fünf war die Nacht zu Ende aber He! Wir hatten durchgeschlafen! Zwar schlonzte aus der Mittelöffnung des Kinderkopfes noch grün wabernde Alienkotze und ich hatte ein wenig Angst, Sigourney Weaver könne mit der Kanone über den Balkon hechten um mein Baby abzuknallen, aber ansonsten alles prima!

Ich fühlte mich wie Superwoman und beschloss, den heutigen Tag mit der Knipse im Anschlag rumzulaufen. Ihr wolltet mal wieder wacklige Handyfotos, also bitte. Geht los!

Um sechs hatten wir gefrühstückt, eine Runde Indoorfußball gespielt (ein Schaumgummiball ist eine absolute Kaufempfehlung  von mir), drei Bücher und eine Teletubbies-Folge geguckt (doch, echt jetzt) und danach war der Blondino nur mit der Aussicht auf Spielplatz davon abzubringen, seinen selig schlafenden Bruder zu wecken. Wir also raus. In der Garage die erste Diskussion, weil das Kind dachte, wir würden jetzt in den Sonnenaufgang radeln. Oder zu „Grabo“ und „Lisa“, seinen Kita-Tanten (die im übrigen weder noch heißen).

Ich war quasi mitten in der Nacht überhaupt noch nicht in the mood für Sport und wollte gemietlisch Wagen schieben. Der von uns mit dem größeren Kopf und den längeren Haaren hat sich durchgesetzt. Sieht auf dem Bild nur noch nicht danach aus.IMG_3919Wir waren die einzigen Menschen draußen und das hatte auch was für sich. Und überraschend war es noch dazu! In dem düstren Morgenlich hatten die Straßen mit Ampel- und Baustellenbarkenbeleuchtung was regelrecht Romantisches. Ein bisschen wie Weihnachtsvorstimmung! Scheen wars…

Ein romantisch beleuchteter Bagger, für jeden von uns war also etwas dabei 😉IMG_3925 IMG_3927 IMG_3931 IMG_3930  IMG_3928Bei Scholzens in der Bäckerei wurde schon gearbeitet. Mich jieperte es sofort nach Kartoffelkuchen! Aber leider hatten sie keinen (den Rest des Weges versuchte ich, auf andere Gedanken zu kommen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen. Kartoffelkuchen).IMG_3929Spielplatz im Dunkeln ist ja auch irgendwie skurril… und dieser hier hat noch das albernste Warnschild ever. Wohlgemerkt: An einem Spielplatz!IMG_3941 IMG_3944

IMG_3942 IMG_3943Es wurde langsam heller. Also einfach immer hellgrauer…IMG_3934 IMG_3935Neben dem Sachsenbad: Bagger. Den Blondino freuts, mich eher nicht. Heißt es doch nicht etwa, dass meine naiv-romantischen Wünsche nach Restaurierung dieses altehrwürdigen Bades erfüllt werden, sondern eher, dass nun Eigentumswohnungen, „Lofts“, dort hineingebaut werden. Allen Unterschriftensammlungen zum Trotz.

Wir machen uns auf den Weg zum Lieblingsspielplatz. Unterwegs: Pieschner Seenlandschaft (Die starren mich an, die Pfützen, seht ihr das auch?).IMG_3947

IMG_3952Wir gucken, wie weit der Frankreichladen mit dem Umbau ist. Nu ja, wird doch! Die zwei Betreiber bauen das alte Pieschner Schulhaus aus und das freut mich dolle. Außerdem haben wir nun bald zwei französische Restaurants in Pieschen. Zwei! Kein Bad, wo die Kinder schwimmen lernen könnten, aber man muss eben Prioritäten setzen. Haute Cuisine statt Schwimm´…

Der Spielplatz war auch fast vergessen, als der Blondino die abgestellte Fahrbibliothek entdeckte. „Laster! Laster Laster! Laster!“. Er hörte gar nicht mehr auf. Ich so: „Ja-haaaaa! Jeder hat eins, Babylein. Und deines sind doofe große Autos.“.IMG_3961Irgendwann konnte er sich lösen und wir gingen doch noch auf den Spielplatz. Morgens gegen sieben ist für mich die einzige Zeit, wo das ein Ort ist zum Aufhalten. Ich weiß nicht genau, ob es eine anerkannte Form der Sozialphobie ist- diese Aversion gegen volle laute Spielplätze- aber wenn, ich hab sie!IMG_3966Ohne Leute ist es sehr schön. Außerdem gibts dort Lavendelbeete. Und Thymianbeete. Minze. Irgendwann wird der Blondino im Kindergarten lernen, dass man nichts abrupft auf den Beeten, aber bis dahin lässt er mich in Ruhe pflücken.IMG_3969Die heutige Ausbeute:IMG_3973So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind immer noch draußen und ich will ja heute Fotos machen! Also mach ich noch Fotos! Nein, wir gehen später nach Hause.

Das Kind kramt in seinen Taschen und findet zwei Walnüsse. Große Freude! Er liebt Fußball, aber nicht nur. Auch Fußkartoffel, Fußapfel, Fußtomate. Wir spielen eine Runde Fußnuss.IMG_3846 IMG_3856-1Drinnen dann habe ich immer noch Kartoffelkuchenjieper. Für mich ist das ein großes Ding! Was dem Bayer sein Weißwurstmetzger, ist dem Dresdner sein Stollenbäcker. Die Stollen werden ja ab dem Spätsommer gebacken und lagern dann irgendwie wochenlang und werden zig mal gebuttert und gezuckert und gedreht und gestreichelt, was weiß denn ich. Und während der Stollenbackphase kann man als Kunde natürlich noch keinen Stollen kaufen. Aber der Bäcker, der schlau ist, fixt die Kunden frühzeitig mit Kartoffelkuchen aus Stollenteig an. Funktioniert bei mir hervorragend! Ich mag das Gelumpe fast noch lieber als den Stollen selbst.

Nun habe ich ja keinen angesetzten Stollenteig zu Hause vorrätig, werde aber zum Glück fündig in einem alten Kochbuch aus der DDR von 1970. Das Buch ist so alt wie ich, hat aber weniger Falten und kennt mehr Rezepte. Ich weiß nicht, ob das gerecht ist. Ich versuche, beim Thema zu bleiben. Kartoffelkuchen also.IMG_3974Ich ändere das Rezept in dem Buch etwas und so wirds dann:

1 Würfel Hefe in 300ml warmer Milch auflösen und in eine Schüssel zu 500g Mehl, 2 Handvoll gemahlener Mandeln, knapp 100g Zucker, zwei Handvoll Rosinen, dem Abrieb einer Zitrone und einer Prise Salz gießen. Vorsichtig verrühren. 5 gekochte Pellkartoffeln durch die Presse drücken und unterkneten. Abdecken und mindestens eine halbe Stunde gehen lassen. Danach auf einem Blech ausrollen und ca. 20-30 Minuten backen bei 150°C Umluft (Ihr müsst das mal testen bei euerm Herd. Der Kuchen soll nicht braun werden, macht einfach ne Stäbchenprobe nach zwanzig Minuten.). In der Zwischenzeit hab ich ein halbes Stück Butter ausgelassen in einem Topf. Dann den Kuchen mit einem Essstäbchen malträtiert um ihn im Nachgang mit Butter zu übergießen und ordentlich mit Zimtzucker zu bestreuen. Dann noch mal zum Ausruhen in den auskühlenden Herd. So sieht er aus:FullSizeRenderUnd so auf´m Teller:IMG_3979Saftig, leicht kartoffelig und ein bisschen adventisch. Hm!

In der Zwischenzeit macht der Pubertino, was Pubis so machen. Irgendein Gerät bedienen. Und das Kindergartenkind macht, was ein Kindergartenkind so macht: Mit seinem Kindergartenrucksack in der Gegend rumlaufen.IMG_3972Außerdem darf er Teletubbies am Tablet gucken, während ich an dem Kuchen rumfummle. Ihr habt doch nicht geglaubt, das gänge hier so nebenbei? Pah! Der Kleine beschäftigt sich nicht alleine und der Große beschäftigt nicht den Kleinen. Also beschäftige ich den Kleinen oder mache was Erwachsenes. Oder erlaube dem Kleinen was Verbotenes, damit ich was Erwachsenes machen kann! Backen zum Beispiel. Oder Duschen.

Die kleine Rotznase legt sich zum Schlafen nieder. Essen will er nichts, nur ne Pulle Milch. Also bitte. Der Pubertino will keine Kürbissuppe, deshalb kriegt er Eierkuchen. Ich esse also alleine die freestyle-Kürbissuppe und weil der Topf so groß ist und niemand hier mitisst, müsst ihr! Nehmt einen Löffel und bedient euch. Hier kommt das Rezept:

1 Butternutkürbis, 4 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen, 2 Möhren, 1 Süßkartoffel, 1 Stück Sellerie und ein kleines Stück Ingwer putzen, kleinschneiden und im Fett eurer Wahl anbraten bis sich braune Stellen bilden. Mit Gemüsebrühe aufgießen und weichkochen lassen und danach fein pürieren. Gewürzt habe ich nur ganz sacht mit Garam Masala und ein wenig Brühpulver. Obendrauf dann Schnittlauch und ausgelassenen Schinkenspeck. War wirklich lecker!FullSizeRender-1Um zwei soll der Bärtige ankommen und ich bin aufgeregt! Ich freu mich! Und das Kleinchen schläft und schläft. Vor lauter Langeweile putze ich auf den Balkons rum und fotografiere die Herbstdeko… ich muss ja Fotos machen heute!IMG_3634 IMG_3630 IMG_3629Dann wars turbulent und niemand hat Fotos gemacht…

Jetzt ist schon wieder Abend und wir machens uns nett. Also jetzt gleich. Wenn ihr weg seid!IMG_3668 IMG_3864Ich setz mich in meine Couchecke und gucke die letzten Folgen der Staffel drei von „House of cards“, knutsche mit dem Bärtigen und freue mich, dass jetzt endlich Wochenende ist.

Ach nee, schon wieder vorbei.

Naja, jedenfalls schön, dass ihr heute zu Besuch da wart! Kommt mal wieder 😉 und wenn ihr noch mehr #wib- se sehen wollt, bei Susanne gibts die Linksammlung für dieses Wochenende.

Der Lauf

…meines Lebens war das nicht am Samstag und so ganz freiwillig erzähle ich euch auch nicht davon.

Also eigentlich überhaupt nicht freiwillig! Das ist alles Franzis Schuld. Als wir am Samstag auf den Start warteten, fiel mir ein, dass dieser Tag der zwölfte des Monats war. Und dazu noch Wochenende! Es fielen also #12von12 und #wib auf einen Tag. Und ambitioniert plapperte ich drauf los, ich müsste heute dringend noch Fotos machen! Daraufhin knuffte mich die aufgeregte Franzi in die Seite und sagte: „Du, ich bin sowas von sauer, wenn ich nicht Teil deines 12von12 oder Wochenende in Bildern bin!“. Ich versprach, sie „ganz groß rauszubringen in diesem Internet“ und wir giggelten und feixten um die Wette. Leider kam ich so auch nicht mehr aus dieser Nummer hier raus und muss also berichten. Wenngleich es zeitlich mal wieder jenseits von allem, was mit einem zwölften oder dem Wochenende entfernt zu tun hätte, liegt. Ich habe es zumindest versucht! Das sollte auch das Motto des Tages werden…

Aber wir drehen die Uhr erstmal ein bisschen zurück.

diszipliniertes Zopfgeschwader

diszipliniertes Zopfgeschwader

Mercedes Benz Frauenlauf. Zum dritten Mal in Dresden. Ich bin im letzten Jahr schon mitgelaufen und hatte mich danach begeistert direkt für 2015 wieder angemeldet. Lauf durch historische Altstadtkulisse, Lauftrainings im Vorfeld (für die, die das mögen), Shirt dazu und vorallem: nur Frauen. Ich finde das durchaus eine Erwähnung wert, denn, ganz ehrlich, die schubsen nicht! Die rennen dich nicht über den Haufen. Die fahren nicht einfach den Ellenbogen aus oder schmeißen dich in die Hecke, weil du im Weg rumläufst. Da wird ordentlich gewartet am Start und während des Laufs Rücksicht auf die Nebenfrauen genommen. Mädels unter sich halt. Und wenn du als Bummelletzte durchs Ziel taumelst, feuern sie dich noch vom Rand aus an: „Super, Henrike, weiter so! Gleich geschafft!“. Aber ich greife schon wieder vor…

Ich habe eine liebe Freundin namens Franzi (Genau, das ist die, wegen der ich jetzt diesen Text schreiben muss.). Eine ganz und gar großartige, lustige Person. Intellektuell stufenlos einstellbar, so wie es gerne mag, und seit kurzem Läufer. Also echt seit kurzem. Ein Jahr vielleicht, ich weiß es gar nicht genau. Sie ist zum Laufen gekommen, weil drei Schwangerschaftskilos runter sollten und überhaupt ist das Laufen am Abend eine Superidee, um sich an zwei Tagen pro Woche vorm familiären Spätdienst zu drücken! Mittlerweile läuft die Franzi tatsächlich zehn Kilometer, neben den geplanten drei Kilo sind locker noch zwanzig andere gegangen, geschmolzen, weg. Und Spaß macht es ihr außerdem. Also alles außer dem ersten Kilometer. Und dem letzten. Aber das kennt man ja. Franzi ist noch nie einen Lauf mitgelaufen und hatte sich nach eigenen Angaben beim Frauenlauf nur angemeldet, weil ich dort angemeldet war. Und war aufgeregt wie ein Kind an Weihnachten! Ich freute mich also auch und wir beschlossen, gemeinsam hinzufahren und dort einfach bissel im Kreis rumzurennen und Spaß zu haben…

In der letzten Woche dann meldete sich eine alte Bekannte zurück: Bursitis, die alte Schleimbeutelentzündungshobelschlunzendummesau. Rechtes Knie. Mit so´nem blöden Scheißendreck kann man sich echt den ganzen Tag versauen! Und den nächsten. Und den übernächsten. Denn, die Scheiße geht so schnell nicht weg. Schwellung, Schmerzen, Hitze. Was hilft? Ganz klar: Ruhe! Been hoch, Quark droff und Schonung. Nicht rumrennen zumindest.

Da ist es natürlich ungünstig, wenn man genau das aber vorhat! Vernünftig wäre also gewesen, sich die Bilder vom Lauf im Internet anzusehen. Mit hochgelegtem Bein.IMG_3595

Ich habe mir erwartungsgemäß am Samstag mein Knie mit Kinesiotape bandagiert und es danach nochmals vom Bärtigen einwickeln zu lassen, weil dieser der Meinung war, ich hätte es falsch gemacht und Youtube hier sagt, das gänge ganz anders! Mir war sowieso alles wurscht, plante ich doch, innerhalb der nächsten Stunden mit rotem Shirt, pinkfarbenem Kinesiotape und schwarzweißen Stützstrümpfen für alle sichtbar durch die Innenstadt zu humpeln.

Und so kommt es dann. Beim Warten auf den Start entstehen diese Fotos, die die Motivation der Beteiligten gut einfangen:

Franzi so.

Franzi so.

Ich so.

Ich so.

Es war wirklich schön. Schönes Wetter, schönes Strecke, schöne Stimmung, schön bescheuertes Schleimbeutelknie. Falls ich dachte, ich würde zumindest den Preis für die originellste Beinverkleidung bekommen, Fehlanzeige!ein Bionicle

IMG_3613

Wenn man sich kurz hinterm Start oder bei Kilometer 5,2 umdreht und ein Foto macht (also theoretisch), dann hat man Teile des berühmten Canaletto-Blicks drauf. Vorn rechts eine einsame Barke. Wurde kurz darauf abgebaut…

Wir laufen los unter Applaus und so. Ich auch. Der erste Kilometer ist erstaunlich super, der zweite gar nicht so übel und der dritte… also der dritte, der ziiiiieht sich! Das Knie hackt wie verrückt und ich werde immer laaaaangsamer. Links und rechts ziehen sie an mir vorüber. Alle. Dicke, dünne, große, kleine, schnaufend, keuchend, quasselnd.

Das Feld leert sich. Irgendwann bin ich das Feld. Also mein eigenes. Ich habe viel Platz und versuche, mir das schönzureden. Allerdings werde ich immer abgelenkt durch die Schmerzen in dem blöden Arschlochknie! Ich versuche, das Bein zu entlasten und humpele nun für alle Schaulustigen sichtbar. Das hat zur Folge, dass mir nach kurzer Zeit nicht nur das rechte Knie wehtut, sondern aus lauter Solidarität auch die linke Hüfte. Und so humpele ich mich in die zweite Runde, Kilometer sechs bis zehn. Knie, Hüfte, Knie, Hüfte, Knie, Hüfte. Ich höre noch, wie angesagt wird, dass sich das Zielfahrzeug vierhundert Meter vor dem Ziel befindet und ich denke: Mist, wenn ich nur ein bisschen langsamer gewesen wäre, dann könnte man mich zusammen mit der Siegerin auf deren Finisher-Clip sehen! Höhöhö. Nein, die gute Laune versaut mir so schnell nichts.

Ich humpel mich die Strecke entlang und bin dankbar, dass die Trommler noch nicht zusammengepackt haben. Ich bedanke mich auch bei jedem einzelnen. Auch bei den Ordnern, die hinter mir die Barken zusammenbauen und abräumen, bedanke ich mich und halte kurze Schwätzchen. Wann hat man denn sonst während eines Laufes schon Gelegenheit dazu? Ich überlege, ob ich die Zeit nutzen und überfällige Telefonate führen soll. Genug Puste habe ich ja aufgrund meines Antitempos. „Hallo, Tante Ingeborg! Ich bin´s! Ja, ist lange her. Du erzähl mal, wie gehts euch denn?“.

Immer noch kein Ende… Mensch, ist das weit! Wer langsamer läuft, wird länger gesehen. Unterhalb der Brühlschen Terrasse laufe ich dann beinahe alleine. Rüstige Spaziergänger haben in etwa das gleiche Tempo wie ich, und so laufe bewege ich mich irgendwie Richtung Ziel. Ich habe die Faxen ziemlich dicke und verfluche mich und das Knie und diese blöde Scheißidee. Touristen lachen mich aus. Zumindest bilde ich mir das ein. Ich grüße freundlich: „Ey, Blödmann! Lachst du mich aus?! Lachst du mich etwa aus?! Wieviele Kilometer bist du denn heute schon gelaufen, hä? Komm her, du Sack, und riech an meinem Eiterknie!“ (lautlos selbstverständlich).

Hüfte, Knie, Hüfte, Knie, Hüfte, Knie…

Etwa zu dieser Zeit stand meine Familie ziemlich ratlos in Zielnähe und war sich sicher, dass ich entweder irgendwo in die Straßenbahn gestiegen sei und auf dem Heimweg, oder aber in einem Altstadtcafé sitze müsste und Cappuchino schlürfe (In meinem Aufzug!). Oder irgendwo heulend im Gebüsch sitze. Aber das konnte ziemlich schnell ausgeschlossen werden, weil sich alle sicher waren, dass ich sofort wutschnaubend angerufen und verlangt hätte, dass jemand -irgendjemand!- mich gefälligst sofort aus diesem Gebüsch, dieser Hecke hier abholen solle! Aber zackig, wenn ich bitten dürfte.

Und siehe da, ach guck, da kommt doch noch jemand!DSCN3176

Ende. Humpelnd und leicht frierend anstatt schwitzend erreichte die Seniorin in Stützstrümpfen das Ziel…

Also, eigentlich ist das ja ein Lauf auf Zeit gewesen. Ich hatte jede Menge davon, soviel kann schon mal gesagt werden. Ja, wirklich jede Menge Zeit. Fast achtzig Minuten. Mehr Zeit als die meisten Frauen, die dort mitgelaufen sind 😉

Wenn man soviel Zeit zur Verfügung hat, sollte wenigstens eine Moral, eine Pointe, eine Parabel dabei rausspringen, oder? Hm. Weg is Ziel… Dabei is alles… Hm, ja. Wenn einem gar nichts anderes einfällt.

Oder aber, wir nehmen die Franzi hier:IMG_3617Der erste Lauf ihres Lebens. Und nun guckt sie euch an!9632472c66efa83a8fc25b148c42ed68Ein so freudestrahlender Anblick, so glücklich. Geschafft! Zehn Kilometer gelaufen! Sich überwunden und einfach losgelaufen. Glücklich und so stolz ist sie gewesen, das war echt ansteckend. Und was ist jetzt mit der Moral? Ach so, ja. Einfach mal machen. Sich selbst überwinden, dem inneren Schweinehund mit den Chips und den Schokonüssen auf der Couch einen fetten Schmatz geben und sagen: „Ich komme gleich wieder, mein Schatz, iss mir nicht alles weg!“, und dann einfach mal loslaufen! Laufen fetzt. Laufen macht glücklich. Stimmt wirklich. Kann man sogar ganz langsam machen, ich hab das  ausprobiert…

Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier. Lern überwinden, lern entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.

Theodor Fontane